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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 10 Mar 2018 02:17:21 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Armut &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Gott liebt die Alten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Dec 2017 23:09:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Senioren]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
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					<description><![CDATA[Während die Industrieländer noch über das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren, ist es in Uganda bereits Realität – zumindest bei den ärmsten Senioren. Unser Autor war bei der Auszahlung in einem kleinen Dorf dabei.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/gott-liebt-die-alten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Während die Industrieländer noch über das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren, ist es in Uganda bereits Realität – zumindest bei den ärmsten Senioren. Unser Autor war bei der Auszahlung in einem kleinen Dorf dabei.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gemächlich bewegen sich die letzten Nachzügler auf ihre Krücken gestützt zum haushohen Fikus-Baum vor den Gemeinderäumen von Otkwac. Im Schatten haben sich bereits die älteren Jahrgänge mehrerer Dörfer versammelt. Insgesamt etwa 400 Frauen und Männer lauschen dort so gut wie es noch geht dem Bezirksvorsteher. Es ist ein besonderer Tag im Distrik Kole im Norden Ugandas, es ist Zahltag. Alle Bewohner über 65 erhalten jeden zweiten Monat 50.000 Schilling, was etwa 15 Euro entspricht, und können damit machen was sie wollen. Eine Rente, ohne dass sie je etwas in ein Rentensystem eingezahlt haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Betrag erscheint bedeutungslos, aber für viele ist es eine wichtige Unterstützung um zumindest den Grundbedarf des Lebens zu decken. Jeder Dritte Bewohner lebt von weniger als einem Dollar am Tag und die Zahlung deckt im Durchschnitt zwei Drittel der monatlichen Ausgaben eines ganzen Haushalts in der Region. Um nach Kole zu kommen, fährt man von der Hauptstadt Kampala Richtung Norden, überquert den Nil kurz nach dem Ursprung im Viktoriasee und landet nach insgesamt etwa 250 Kilometern in einem ländlichen Gebiet voller Menschen, aber ohne Stadt.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Das Armenhaus Ugandas</h2>
<p style="text-align: justify;">Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Südsudan, im Westen liegt der Kongo, im Osten Kenia. Der Norden ist das Armenhaus Ugandas. Bis vor einigen Jahren war er Schauplatz des Bürgerkriegs mit der Lord&#8217;s Resistance Army, dessen Anführer Joseph Kony wegen seiner Kinderarmee und schlimmer Menschenrechtsverletzungen berüchtigt ist. Der Konflikt hat sich in den Kongo verlagert, viele Probleme sind geblieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber Uganda ist mehr als das Trübsal, dass die internationalen Schlagzeilen über den Bürgerkrieg, den ewig herrschenden Präsidenten Museveni oder die Kriminalisierung von Homosexualität vermuten lassen. Uganda ist ein aufstrebendes Land mit starkem Wirtschaftswachstum und sinkenden Armutsraten.</p>
<p style="text-align: justify;">Vor fünf Jahren hat die Regierung das &#8222;Social Assistance Grants for Empowerment Programm&#8220; mit Hilfe von internationalen Partnern ins Leben gerufen. Eine Art bedingungsloses Grundeinkommen, dass armutsbedrohten Menschen helfen soll, ihren Lebensstandard zu verbessern. Die Idee dahinter ist einfach: Die meisten Menschen wissen selber am besten, was ihnen fehlt. Statt viel Geld in die Überwachung und Umsetzung spezifischer Programme zu investieren, bleibt es hier jedem selber überlassen, was er mit dem Geld anfängt.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-10.jpg" data-caption="Zwei Senioren auf dem Weg zur Auszahlungsstation." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-1.jpg" data-caption="Für die Versammlung haben sich alle schick gemacht." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-8.jpg" data-caption="Auf der Versammlung wird ausgezahlt und diskutiert." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-5.jpg" data-caption="Das Geld wird auf die Simkarte überwiesen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-2.jpg" data-caption="Registrierung per Fingerabdruck." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-9.jpg" data-caption="Witwe Adong Rose lebt mit ihren drei Enkelkindern auf einem Hof aus drei kleinen Lehmhütten. Ihr Mann ist letztes Jahr von einem Auto tödlich angefahren worden." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-6.jpg" data-caption="Obwohl das Grundeinkommen der Alten nicht hoch ist, hilft es ihren Familien über die Runden zu kommen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-7.jpg" data-caption="Andrew Newton Ogei ist der technische Direktor im Kole Distrikt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-3.jpg" data-caption="Senioren auf dem Motorrad-Taxi." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-4.jpg" data-caption="Die Landschaft im Kole Distrikt." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Stephan Dietrich</p></div>
<h2 style="text-align: justify;">Die Alten haben es besonders schwer</h2>
<p style="text-align: justify;">Andrew Newton Ogei ist der technische Direktor im Kole Distrikt. Mit seinen 35 Jahren wirkt er jugendhaft zwischen den Senioren. Er erklärt, dass es besonders die Alten schwer haben in einer Region, in der der Staat nur am Rande vorkommt. Sozialabgaben oder direkte Steuern gibt es nicht. Im Alter sind daher viele auf ihre Familie und die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Wie dieses Gerüst in sich zusammenfällt, wenn eine Generation wegbricht, hat die Aids-Epidemie vieler Orts auf tragische Weise deutlich gemacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie zum Beispiel bei Rose, 74. Die Witwe lebt mit ihren drei Enkelkindern auf einem Hof aus drei kleinen Lehmhütten. Ihr Mann ist letztes Jahr von einem Auto tödlich angefahren worden. Ihre Tochter war mit einem Polizisten verheiratetet. Der Mann und seine zwei Ehefrauen – Polygamie wird in Uganda praktiziert – sind an Aids gestorben. Nun kümmert sich Rose alleine um ihre Enkelkinder, auch wenn man ihr die Jahrzehnte harter Arbeit in der Landwirtschaft anmerkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Von dem Geld des Programms kann sie Essen besorgen, schickt die Kinder in die Schule und investiert in den Hof. Sie zeigt auf mehrere Hühner, die zwischen den Hütten umherlaufen sowie eine Ziege, die im Hintergrund weidet. Die Auszahlungen in Otkwac sind nach draußen verlegt worden, weil es in den kleinen Verwaltungsräumen der Gemeinde bei weitem nicht genug Platz für die Menschenmenge gibt. Es ist wie ein kleines Ehemaligentreffen der Jahrgänge 1950 und älter. Zu diesem Anlass wird Festtagskleidung getragen. Bunte Röcke, Schlips und ein paar ziemlich große Sonnenbrillen vermischen sich zu einer farbenfrohen Menschenmenge.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Auszahlung bei tropischen Temperaturen</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Bezirksvorsteher ruft den Wartenden zu, dass sie ihre Simkarten bereit halten müssen. Danach wird ein Ort aus dem Distrikt nach dem anderen abgearbeitet. Simkarte, Fingerabdruck und die Geldscheine wechseln über einen wackligen Holztisch die Seiten. Der Rest bleibt unbeeindruckt von den tropischen Temperaturen auf dem Rasen sitzen. Im Laufe des Vormittags ziehen tief dunkle Wolken am Horizont auf, aber mit Hektik ist nicht zu rechnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Milton, 71, lebt wie fast alle von Subsitenzlandwirtschaft. Ein kurzer Blick in den Himmel reicht ihm, um zu sagen, dass es erst am Abend regnen wird. Sein Dorf Ocor liegt etwa zehn Kilometer die lehmig rote Straße hinunter. Er hat sich im Morgengrauen in die unendliche Ameisenstraße eingereiht, die sich von Sonnenauf- bis Untergang an den bunten Feldern und dem satten Grün des Moors entlangschlängelt. Die meisten gehen zu Fuß, in Gruppen, in einem Tempo, das nicht zu unterbieten ist. Dazu kommen die Boda-boda Fahrräder mit ausgebauten Gepäckträgern, auf denen unvorstellbare Mengen an Kisten, lebenden Tieren und Beifahren aufgeladen werden. Immer wieder reißen Motorräder Furchen in den Menschenstrom. Sobald Milton sein Geld erhalten hat, wird er sich wieder in den Strom einreihen. Ein guter Tag, sagt Milton.</p>
<p style="text-align: justify;">Neu ist die Idee des Grundeinkommens zur Armutsbekämpfung nicht. Anfang des Jahrtausends wurden so genannte &#8222;Conditional Cash Transfer&#8220; Programme in Lateinamerika getestet. Dabei wurden die Zahlungen an Bedingungen wie etwa den Schulbesuch der Kinder geknüpft. Die Ergebnisse waren vielversprechend und daraufhin wurden weltweit ähnliche Programme umgesetzt. Es zeigte sich aber, dass es sich meist nicht lohnt Bedingungen einzuführen, weil es nicht am Willen der Eltern fehlt, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sondern an den finanziellen Mitteln dafür.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Grundeinkommen breitet sich unter den Armen aus</h2>
<p style="text-align: justify;">Auch ohne die Konditionierung haben die Programme ähnliche Auswirkungen, aber zu geringeren Kosten. Die Ausbreitung von &#8222;Cash Transfer&#8220; Programmen in Afrika ist beeindruckend. Allein bis zum Jahr 2009 zählte eine Weltbankstudie 120 ähnliche Interventionen. Das Programm in Uganda läuft bisher in 15 besonders armen Distrikten mit ungefähr 120.000 Empfängern. Es wurden zwei verschiedene Varianten des Programms getestet. Einmal für alle über 65 und die andere Variante für besonders armutsgefährdete Haushalte gemäß eines Index aus Anzahl an Waisenkindern und arbeitsunfähigen Personen im Haushalt.</p>
<p style="text-align: justify;">Um die Auswirkungen des Programms zu überprüfen, hat eine englische Beraterfirma eine sie untersucht. In der Studie sollten Programmempfänger mit ähnlichen Haushalten, die keine Zahlungen erhielten, verglichen werden. Der Nachweis positiver Effekte sollte auch helfen, das Programm vor politischen Konjunkturen zu schützen, da ein nachweisbar erfolgreiches Programm sich nur schwer zurücknehmen lässt. Allerdings gab es Probleme mit der Vergleichbarkeit der Kontroll- und Vergleichsgruppe, weshalb die Ergebnisse nicht so schlüssig sind, wie man das gerne hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">Klar scheint aber, dass sich nur das Programm für die Senioren bewährt. Zu unverständlich waren die Kriterien für die Vergabe der Zahlungen an die besonders armutsbedrohten Familien. In der Evaluierung gaben einige Empfänger an, dass Gott entscheidet, wer das Geld bekommt. Ganz so ist es nicht, aber gerade in Gegenden mit hoher Armut, kann die Verteilung auch zu sozialen Spannungen führen. Wenn alle arm sind, wieso erhalten einige das Geld und andere nicht? Das Alter zu nehmen ist dagegen einfach zu verstehen und als legitimes Kriterium akzeptiert.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kein Grundeinkommen für alle</h2>
<p style="text-align: justify;">Eine politische Dimension ist aber bei der Entscheidung nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz zu den Kindern gehen gerade die Älteren treu zum Wählen. So wurde im Lauf des Wahlkampfs Anfang des Jahres verkündet, dass das Program in den nächsten fünf Jahren in 40 weiteren Distrikten eingeführt werden soll. Komplett bedingungslos sind die Zahlungen allerdings nicht. Der Sozialwissenschaftler Firminus Mugumya von der Makerere Universität in Kampala weist darauf hin, dass das Programm schnell eingestellt werden würde, wenn es nicht effektiv wäre. Wenn die Menschen anfangen würden das Geld in den Viktoriasee zu werfen, würden die Zahlungen sofort gestoppt werden, schiebt er hinterher, um seinen Punkt zu verdeutlichen.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit dem Program soll die Armut reduziert werden, nur der Weg dorthin bleibt jedem selber überlassen. Auch wenn Firminus Mugumya das Programm als Erfolgsgeschichte bezeichnet, glaubt er nicht, dass es in Zukunft in ganz Uganda umgesetzt wird. Die finanziellen Möglichkeiten sind zu begrenzt und sollen erstmal dafür verwendet werden, den ärmsten Regionen zu helfen. Zu einem Grundeinkommen für alle wird es so schnell nicht kommen.</p>
<p>Bevor das Geld ausgezahlt wird, überweisen Mitarbeiter eines Telefonanbieters vor Ort mobiles Handygeld auf die Simkarten der Empfänger. Wer die Auszahlung verpasst, hat das Geld auf seiner Simkarte gespeichert und kann es sich beim nächsten Mal auszahlen lassen. Handygeld hat sich in Uganda etabliert. In jeden noch so kleinen Dorf gibt es Wechselstuben der Mobilfunkanbieter, in denen man die elektronische Währung in Bargeld tauschen kann. Aber häufig ist das gar nicht nötig. Man kann das Geld verschicken, damit bezahlen und es parallel zum Bargeld verwenden. Selbst ohne Handy kann die Simkarte als Sparkonto verwendet werden. Dazu kommt es aber eher selten, denn der Großteil wird gleich wieder investiert.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Gott liebt die Alten</h2>
<p style="text-align: justify;">Einige der Alten haben sich zu einem Netzwerk zusammengetan. Sie nennen sich „God loves the Elderly“. Gemeinsam bauen sie Zwiebeln an und in Notsituationen legen sie Geld zusammen, um einzelnen Mitgliedern zu helfen. Durch das Programm werden sie selbstständiger, können den Haushalt unterstützen und die Felder von jüngeren Hilfsarbeitern bestellen lassen. Aber nicht nur die Alten haben etwas von dem Programm. Mit dem Geld werden auch Schulkosten für Kinder beglichen und es fließt auch in die lokale Wirtschaft, wovon alle profitieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings gibt es auch Probleme. Die Mittel für das Programms sind so knapp, dass in Zukunft nur die 50 Ältesten Bewohner eines Distrikts das Grundeinkommen erhalten können. Dabei lässt sich oft nicht feststellen, wer wie alt ist, weil gerade die Älteren nicht über Geburtsnachweis oder andere offizielle Dokumente verfügen. In solchen Fällen schätzen Beamte der Regionalverwaltung das Alter. Das mag funktionieren, wenn alle über 65 die Zahlungen bekommen, aber im Zweifel das genaue Geburtsjahr festzustellen, scheint sehr schwierig und viel Raum für Willkür zu bieten. Erst die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich diese Probleme in der Praxis lösen lassen.</p>
<p>Am frühen Nachmittag ist auch das letzte Dorf ausgezahlt. Zum Abschluss hievt der Bezirksvorsteher die letzten Empfänger auf ein Motorradtaxi. In zwei Monaten werden sie wiederkommen, wenn die nächste Auszahlung die Alten hier versammeln wird.</p>
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		<title>Ohne Wasser kein Leben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2014 05:36:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>
		<category><![CDATA[Tiout]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
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					<description><![CDATA[Hassan Morssli erlebt jeden Tag, was es heißt, in Marokko von der Natur abhängig zu sein. Das dringend benötigte Wasser für seine Oase geht Jahr für Jahr ein Stück mehr verloren. Die Bauern in Südmarokko stolpern in einen Wettlauf zwischen Klimaveränderung und autodidaktischer Bauplanung.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ohne-wasser-kein-leben/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Hassan Morssli erlebt jeden Tag, was es heißt, in Marokko von der Natur abhängig zu sein. Das dringend benötigte Wasser für seine Oase geht Jahr für Jahr ein Stück mehr verloren. Die Bauern in Südmarokko stolpern in einen Wettlauf zwischen Klimaveränderung und autodidaktischer Bauplanung.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn Hassan Morssli von seinem Tal auf die Berge blickt, sucht er die hellen Flecken im Schatten der Gipfel. Dort, wo die sengende Sonne Marokkos die hinter Felsen verborgenen Schneefelder noch nicht schmelzen konnte, liegt für ihn der Ursprung seines Lebensunterhalts. Die Schneeschmelze aus den Bergen bringt den Bauern das ersehnte Wasser. Hassan Morssli und die anderen warten jedes Jahr auf einer der Hochebenen Südmarokkos, eingekeilt zwischen Atlas- und Antiatlasgebirge, dass die Natur ihnen gibt, was sie zum Ackerbau brauchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus bis zu 4000 Metern Höhe suchen sich die Flussläufe nach dem Winter ihren Weg durch Schluchten und Täler, die auch Tausende von Touristen auf ihrem Weg durch das Land durchqueren. Im kleinen Dorf Tiout empfängt Hassan Morssli die Reisenden wie ein ruhender Pol inmitten der Aufregung über viel zu viele Eindrücke. Auf den Ackerflächen in den langen grünen Streifen seiner Oase verfolgt er zusammen mit ihnen die letzten Ausläufer der Flüsse, die seine Felder bewässern. Der Weg durch sein selbst ernanntes Paradies führt Hassan Morssli und seine Gäste tief in einen Blätterwald, mal dicht und grün, mal kahl und stachelig. Je nach Jahreszeit, abhängig davon, wie weit das Wasser schon gekommen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Immer wieder geht der 57-jährige Marokkaner in die Knie und hält seine linke Hand in die Kanäle zwischen den Feldern. Sein anderer Arm schweift über die erdigen Beete und Sträucher vor ihm, während er seinen Gästen erzählt. „Was wir hier finden, ist über Jahre hinweg von unseren Eltern gehegt und gepflegt worden. Hier wachsen Mandeln genauso wie alle Arten von Gemüse, immer im Rhythmus der Fruchtfolge und der Reifezeiten. Dieses Reichtum an Ernte und diesen Rhythmus, den unsere Eltern hier einst vorgegeben haben, verfolgen wir seit Jahrzehnten weiter.“</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-tiout-marokko-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="120000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Baum_Ziegen_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Um an die Früchte des Arganbaumes zu gelangen, klettern Ziegen auch gerne mal in Bäume. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_Oase_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Entlang der Wasserläufe im Süden von Marokko wird Ackerbau betrieben. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_trocken_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Durch Hitze und Sonne dörrt die Oberfläche des Bodens aus. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Dattelstauden_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Dattelpalmen wachsen vorwiegend in trockenen Gebieten. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Frauen_waschen_fluss_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Noch heute waschen viele Menschen auf dem Land ihre Wäsche im Fluss. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Oase_fluss_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Entlang einer Wasserquelle grünt das Leben. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Hassan_Morssli_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hassan Morssli will die Tradition der Landwirtschaft der Eltern und Großeltern fortführen. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Wasserreservoire_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das große Wasserreservoir in Tiout, eine Betongrube inmitten der Oase, dient als Auffang- und Sammelbecken. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_Oase_Berge_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Wasserversorgung auf dem Land ist komplizierter. Staatliche Stellen kümmern sich immer erst um die Städte. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_souss_tal_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Oase_Tiout_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In der Oase von Tiout wachsen Orangen, Datteln, Feigen und Granatäpfel, über weite Flächen aus furchigem Boden, dürren Sträuchern und hohen Palmen verteilt. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Tal_Ammeln_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Menschen haben ihre Häuser an den Rand der Oase gebaut. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Anti_Atlas_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Schneeschmelze im Frühjahr bringt das ersehnte Wasser in die Flussläufe. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Sahara_Auslaeufer_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Jedes Jahr wächst die Sahara und verschlingt ein Stück fruchtbaren Boden. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_sahara_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Tilo Mahn</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-tiout-marokko-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Baum_Ziegen_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_Oase_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_trocken_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Dattelstauden_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Frauen_waschen_fluss_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Oase_fluss_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Hassan_Morssli_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img 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<h2 style="text-align: left;">Die Tradition weiterführen</h2>
<p style="text-align: justify;">Nicht weit von der Oase von Tiout, in der nahe gelegenen Stadt Taroudant, ist Hassan Morssli aufgewachsen. Sein Großvater war Bauer, seine Eltern haben die vererbten Parzellen zwischen Palmen und Sträuchern bewirtschaftet. Hassan ist der nächste Erbe und Teil einer neuen Entwicklung in Marokko. Als Sohn einer Bauersfamilie hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition seiner Eltern und Großeltern weiterzuführen. Allerdings kaum noch mit Spitzhacke und Rechen, sondern vielmehr als moderner Verwalter seines Ackerlandes und Fremdenführer für Touristen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer etwas über die Oase in Tiout in Südmarokko am Fuße des Antiatlasgebirges erfahren will, kommt selten an Hassan Morsslis Erzählungen vorbei. An der Straßengabelung zu einem Feldweg Richtung Oase empfängt er seine Gäste und bietet Ihnen gegen Bezahlung eine Tour im eigenen Fahrzeug, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels durch sein Paradies an.</p>
<p style="text-align: justify;">Zusammen mit drei Generationen lebt Hassan Morssli am Rande der Oase von Tiout, eine der größten und fruchtbarsten in Südmarokko. Grüne Terrassen, braune Ackerfurchen und gelbe Dattelstauden zeichnen ein buntes Bild vor die kargen Riesenecken des Antiatlasgebirges. “Klein-Kalifornien” nennen die Marokkaner die Gegend wegen der vielen Zitrusplantagen, die das Braun der Steine und Felsen mit leuchtenden Farben durchbrechen. Doch um ihren Schatz zu bewahren und interessierten Touristen marokkanischen Ackerbau erklären zu können, müssen Hassan Morssli und die anderen Bauern jedes Jahr ein Stück mehr mit den klimatischen Bedingungen in ihrem Land kämpfen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Ständige Suche nach neuen Quellen</h2>
<p style="text-align: justify;">Der gläubige Moslem will seinen Gästen zeigen, was es heißt, von Natur und Wetterwechsel im 21.Jahrhundert abhängig zu sein. Während er den Gruppen auf der Tour durch Schlupflöcher aus weichen Blättern und über Trampelpfade entlang der Ackerfurchen reife Datteln von den Palmen pflückt und frischen Klee vom Feld rupft, erzählt er von früher. „Inzwischen ist der Wasservorrat in Marokko immer weiter zurückgegangen. Viele Trockenzeiten haben das Wasser weniger werden lassen. Unsere Eltern erzählen noch heute von großen Wasserwegen mit 20 bis 25 Kanälen, die sich hier durchgezogen haben. So hatte man noch weit entfernt von den Dörfern Zugang zu Wasser. Heute sieht man deutlich, dass sich die Oase selbst aufgrund des Wassermangels zurückgezogen hat und den Trockenzeiten Tribut zollen muss.“</p>
<p style="text-align: justify;">In der Oase von Tiout wachsen Orangen, Datteln, Feigen und Granatäpfel, über weite Flächen aus furchigem Boden, dürren Sträuchern und hohen Palmen verteilt. Wer hier eine Parzelle als Ackerland hat, kann sicher sein, dass er auch regelmäßig etwas erntet – bei Weitem keine Selbstverständlichkeit im trockenen Marokko. Mal mehr Ertrag, mal weniger, mal früher, mal später. Der Zugang zu Wasser im Land ist bestimmt durch große geologische Unterschiede in den Regionen und stellt die Bevölkerung vor die Herausforderung, ertragreiche Quellen ständig neu erschließen zu müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das große Wasserreservoir in Tiout, eine Betongrube inmitten der Oase, dient als Auffang- und Sammelbecken. Im Sommer gehen Kinder im klaren Gebirgswasser schwimmen. Seinen Gästen erklärt Hassan Morssli am Ufer der Ablaufkanäle, wie die Bauern ihr Wasser speichern und es möglichst verlustfrei auf die riesige Fläche aus Hunderten von Parzellen verteilen. An den abzweigenden Kanälen fischt er einzelne Blätter aus dem Wasser und setzt sie fünfzehn Meter weiter stromaufwärts wieder ein. Die beiden taumelnden grünen Schiffe biegen an einer Abzweigung exakt in den Kanal, aus dem Hassan Morssli sie entnommen hat. Das klare Wasser ohne ein einziges Blatt oder Dreck auf der Oberfläche läuft geradeaus weiter in das weiter verzweigte System, das die Parzellen der Oase von Tiout ernährt. „So reinigen wir auf einfache Weise unser kostbares Wasser“, sagt Hassan Morssli.</p>
<h2 style="text-align: left;">Zuerst die Stadt, dann das Land</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Quellen sind vorhanden, nur müssen sie erschlossen und gesteuert werden. Über Hunderte von Kilometern liegen im Tal rund um die Oasen Leitungen im sandigen Boden begraben. Ein Netz aus Rohren zieht sich über alle Höhenlagen durch ganz Marokko, von Verteilungsschacht zu Verteilungsschacht. Zwischen kargen Hochebenen, trockenen Flussläufen, überlaufenen Städten und satten Oasen sind die Wege oft weit, die das Wasser aus den wenigen Ursprungsquellen und Stauseen zurücklegen muss. Unter der Decke aus Steinen, Sand und Steppe versiegt vieles, bevor es am Ziel ankommt.</p>
<p style="text-align: justify;">Hassan Morssli und die anderen Bauern wollten nie abhängig sein von den geplanten Fernleitungen der Regierung. Sie haben in ihrer Oase ihre eigenen Kanäle geschaffen, um das Wasser zu bündeln und zu leiten. Vom großen Reservoir zweigen lange Betonrinnen in alle Richtungen. An Zwischenmauern läuft das Wasser durch Löcher und fällt in kleinen Wasserfällen auf die nächste Stufe des Bewässerungssystems „Die Kanäle bestanden früher aus Lehm, Erde und Steinen. Aber nachdem die Quelle hier in Hochzeiten viel Wasser anbringt, haben wir uns entschieden, die Kanäle zu begradigen und sie aus Beton zu bauen, damit kein Wasser verloren geht“, erklärt Hassan Morssli.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwischen den großen Städten, entlang der nicht enden wollenden Serpentinenstraßen und Gebirgsketten, liegen immer mehr künstliche Wasserwege vergraben. Alle paar hundert Meter schrauben sich schnabelförmige Wasserrohre aus dem Boden, unter dem die Wasserleitungen im Auftrag der nationalen Trinkwasserbehörde ONEP (Office National de l`Eau Potable) verlegt sind. Die ONEP ist verantwortlich für die Versorgung der Städte. Felder, Oasen oder gar private Anschlüsse weit draußen auf dem Land fallen jedoch nicht in ihr Aufgabengebiet. Zuerst sollen die Zentren versorgt werden. Außerhalb der Städte sind die Leute häufig auf sich alleine gestellt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Immer weniger Regen</h2>
<p style="text-align: justify;">Hassan Mahdi ist einer der Mitarbeiter der ONEP in Taroudant. Wenn er nicht in seinem Büro sitzt, vor Flächenplänen und Skizzen, verfolgt er die Arbeit seiner Angestellten draußen in der Steppe. „Wir haben hier in Marokko ein halbwegs funktionierendes Wasserernährungssystem. Wenn wir allerdings neue Wasserwege erschließen wollen, muss zuerst geprüft werden, wo es eine geeignete Quelle dafür gibt. Und alles muss anhand verlässlicher Informationen belegt sein. Erst dann kann man Bohrungen planen und durchführen. Das Ganze dauert unglaublich lange und ist sehr aufwendig.“</p>
<p style="text-align: justify;">Marokko ist darauf angewiesen, seine geologischen Eigenheiten möglichst effizient zu nutzen. Schmelzwasser aus den Bergen, Niederschläge während des Winters und unterirdische Quellen müssen so erschlossen werden, dass das gesammelte Wasser die Bevölkerung über die trockenen und heißen Sommermonate bringt. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge während der letzten 30 Jahre ist um ein gutes Drittel gesunken im Vergleich zu den vorausgegangenen 30 Jahren. Das wichtige Oberflächenwasser kann in Marokko bisher nur zu knapp zwei Drittel ausgeschöpft werden. Zu schwer ist es in einigen Regionen zugänglich. Zu wenig ist die Infrastruktur in vielen Landesteilen noch ausgebaut.</p>
<p style="text-align: justify;">„Hydrologen kommen zu uns und untersuchen den Untergrund. Ein weiteres Büro, das die beauftragten Studien durchführt, erstellt dann Übersichten, die belegen müssen, ob die Maßnahmen rentabel sind oder nicht. Darin enthalten sein müssen alle anfallenden Kosten und Aufwände, sowohl in Bezug auf Energie als auch auf die Maßnahmen selbst. Das alles muss haargenau nachgewiesen werden“, erzählt Hassan Mahdi, der zuständig ist für die Planung in Taroudant.</p>
<p style="text-align: justify;">In Zusammenarbeit mit europäischen Organisationen versuchen die marokkanischen Behörden, auch auf dem Land das Wasser dorthin zu leiten, wo es am dringendsten gebraucht wird. Nur enden die Vorzeigeverfahren meist bei der Optimierung von Stauseen oder Salzwasser-Wiederaufbereitungsanlagen und erreichen nur selten die abgelegenen Gegenden. Besonders im Landesinneren, in den Tälern zwischen hoch aufragenden Gebirgsketten, müssen die Einwohner häufig auf sehr einfache Weise ihr Wasser speichern und bis zu ihrem Haus oder Grund leiten.</p>
<h2 style="text-align: left;">Am schnellsten hilft sich jeder selbst</h2>
<p style="text-align: justify;">„Wer in Marokko lebt, muss sich den Gegebenheiten der Natur anpassen“, betont Hassan Morssli, wenn er auf seiner Tour entlang der Wasserkanäle Palmblätter zur Seite schiebt und über die Rinde der Stämme streicht. Unterhalb der alten Kasbah, die auf der Anhöhe über der Oase thront und Touristen zum Mittagessen einlädt, deutet er am Wegesrand auf in den Hang geschlagene runde Betonsockel. Die verfallenen Brunnen zeugen von vergeblicher oder vergessener Mühe, an das tief liegende Grundwasser Marokkos zu gelangen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Marokko darf jeder Bürger auf eigene Kosten nach Grundwasser bohren und es für sich auf seinem Grundstück nutzen. Eigene Reservoirs und primitive Kanalanlagen sollen das Wasser dort bündeln, wo die Bewohner es im Haus oder auf dem Feld brauchen. Lange Strecken von Betonrillen, Gartenschläuchen und verrosteten Wasserrohren schlängeln sich zwischen Arganbäumen über die Terrassenlandschaft rund um die kleinen Dörfer unterhalb der Gebirgsketten. Auf dem Land wird der Großteil des in Marokko verfügbaren Oberflächenwassers verbraucht. So schnell wie möglich, so lange es da ist. Immer abhängig davon, was der Winter bereitgestellt und der Sommer übriggelassen hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Klima-Experten sagen dem südlichen Mittelmeerraum eine deutliche Erwärmung voraus. Auch die Regenmassen könnten immer weniger werden, befürchten sie. Bis 2080 könnte sich die durchschnittliche Menge um 20 bis 40 Prozent verringern. Gleichzeitig entstehen in Marokko immer mehr Tourismuszentren und Industrie, deren Durst nach Wasser immer größer wird. Swimmingpools und Golfplätze stehen plötzlich auch dort, wo es eigentlich kaum festen Untergrund gibt. An der Grenze zur Wüste und im trockenen Bergland plantschen die Touristen in hellblau gekachelten Becken, um sich den staubigen Sand vom Körper zu waschen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das Vertrauen in Gott ist größer als in die Regierung</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn Hassan Morssli in seiner Oase zwischen grünem Klee und roten Granatäpfeln steht, deutet er immer wieder stolz in alle Richtungen, um die Ausmaße der größten Grünfläche im Umkreis zu unterstreichen. Den Touristen, die zu ihm kommen, um einen Blick in sein Paradies zu erhaschen, erklärt er geduldig, warum den Bauern für eine ausreichend ertragreiche Ernte immer mehr Erfahrung und Ausdauer fehlen. „Das Wasser ist weniger geworden und im gleichen Atemzug sind die Leute weniger geworden, die hier arbeiten. Wahrscheinlich sind die sogar schneller verschwunden. Die Jugendlichen wollen hier sowieso kaum noch arbeiten. Sie wollen woanders schnell Geld verdienen. Es gibt nur noch wenige, die wirklich Spaß daran haben, auf dem Feld zu sein, etwas mit der Hand zu schaffen oder zumindest einen Traktor zu fahren. Die Jugend zieht es in die Stadt und will leben wie in Europa.“</p>
<p style="text-align: justify;">Für die Zukunft soll auch der 2008 ins Leben gerufene Plan „Maroc vert“, grünes Marokko, der Landwirtschaft Marokkos mehr Aufmerksamkeit und Hilfe bringen. Auch das Thema Wasserversorgung steht als einer der zentralen Punkte ganz oben auf der Liste des Plans. Mit Begriffen wie moderne Anlagentechnik, technische Unterstützung oder begleitende Maßnahmen kann Hassan Morssli für die Zukunft seines Paradieses wenig anfangen. Seit drei Generationen halten seine Familie und die anderen Bauern die Oase von Tiout am Leben. Mit einfachen Mitteln und einem tiefen Vertrauen, das ihnen die Regierung nicht geben kann. „Sobald hier im Winter wieder genug Schnee liegt und es ausreichend regnet, kommt auch das Wasser zu uns zurück. Bisher hatten wir zum Glück nie ganz ernste Probleme. Es gibt immer noch Wasserquellen. Die Quellen unserer Eltern sind am Leben, sie sind nur etwas ermüdet. Dank Gott sind wir hier immer noch im Paradies.“</p>
<p style="text-align: justify;">Als Hassan Morssli beim Erzählen abermals die Hände nach oben reckt und den Blick hebt, streifen seine Augen den Jebel Toubkal. Marokkos höchster Berg verschwimmt am Horizont im Gegenlicht. Im diffusen Bild aus Sonne, Wolken und Nebelschwaden suchen die Augen von Hassan Morssli vergeblich nach hellen Flecken von Schnee. Dann wandert sein Blick weiter nach oben über die Wolken und Hassan Morssli lächelt in den Himmel.</p>
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		<title>A House in Paradise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2014 11:00:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wenn es regnet, versteht man im Haus von Dona Alba das eigene Wort nicht mehr. Das Zinndach verstärkt den Lärm der Regentropfen. Ganz im Süden der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wohnt sie gemeinsam mit ihrem Mann, zwei Kindern und den Großeltern in einem Armenviertel. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/house-paradise/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>In einem Kolumbianischen Armenviertel: Wenn es regnet, versteht man im Haus von Dona Alba das eigene Wort nicht mehr. Das Zinndach verstärkt den Lärm der Regentropfen und die Kälte dringt auch durch die dickste Decke. Ganz im Süden der Hauptstadt Bogotá wohnt Dona Alba in einer Wellblechhütte. Unter dem löchrigen Dach finden außer ihr noch der Vater, ihr Ehemann, die Mutter, der taube Sohn sowie die Tochter ein Plätzchen zum Schlafen.</strong></p>
</p>
</p>
<div class="su-spacer" style="height:1px"></div>
<p style="text-align: center;"><em><a href="http://weltseher.de/autoren/nick-jaussi-2/" target="_blank">von Nick Jaussi</a></em></p>
</p>
<div class="videoWrapper"><iframe src="//www.youtube.com/embed/8e4IJtzHGIs" width="1150" height="647" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></div>
<div class="su-spacer" style="height:50px"></div>
<p style="text-align: justify;">Manchmal bleiben auch die beiden Enkel über Nacht und machen ihre Hausaufgaben an einem wackeligen Tisch im Schlafzimmer. An einem Wochenende im September kamen die Freiwilligen der NGO Techo in das Armenviertel “Paradies”, um der Familie eine würdige Notunterkunft zu bauen. Viele der Freiwilligen sind aus dem reichen Norden der Stadt und studieren an einer der teuren privaten Unis. Trotzdem kommen sie hierher, machen sich schmutzig und bauen an zwei Tagen ein Holzhaus, welches auf Stelzen dem Wasser von oben und unten trotzten soll. Durch die Bauweise kann es besser der Kälte widerstehen und bietet den neuen Bewohnern eine bessere Unterkunft als zuvor. Allerdings ist auch diese gute Tat kein Werk für die Ewigkeit.</p>
</p>
</p>
<div class="su-spacer" style="height:50px"></div>
<h6 style="text-align: center;"><em>Links zum Artikel:</em><br />
<em><a href="http://www.techo.org/en/" target="_blank">Website der NGO Techo</a></em></h6>
<h6 style="text-align: center;">Wie unser Autor Dona Alba gefunden hat und warum er sich in Kolumbien sicher fühlt, erfährst Du im<br />
<a title="Autoreninterview mit Nick Jaussi" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-nick-jaussi/"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></h6></p>
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		<title>Das stinkende Herz von Mumbai</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2014 11:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indien]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Faesecke]]></category>
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					<description><![CDATA[Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-stinkende-herz-von-mumbai/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie weißer Nebel steigt Wasserdampf aus den Wellblechhütten auf und vermischt sich mit der kühlen Morgenluft Mumbais. Nur langsam kehrt Leben in den Slum ein. Müde erheben sich die Menschen in Dharavi von ihren Nachtlagern und schlurfen mit hängenden Schultern vor ihre Hütten, Zeit für die morgendliche Toilette. Allein die Tee-Verkäufer wuseln bereits wie Ameisen durch die engen Gassen und preisen ihre Ware an.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst vor wenigen Minuten brachte mich der Metrozug aus dem touristischen Süden Mumbais in das zentralgelegene Slumgebiet Dharavi. Meine Anwesenheit erntet zahllose ungläubige Blicke. In den Gesichtern der Menschen steht die Frage, was ein Bleichgesicht zu dieser Uhrzeit an diesem Ort zu suchen hat. Hier, wo sich normalerweise keine Touristen hin verirren. Hier, wo die Armut regiert und die Menschen von dem leben, was andere weggeworfen haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Dharavi ist Mumbais größtes zusammenhängendes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern leben bis zu eine Million Menschen. Begrenzt von einem Fluss und zwei Eisenbahnlinien. Liebevoll wird es auch „Heart of Mumbai“ genannt. Es ist ein stinkendes, dreckiges Herz. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist neben der Textil- und Tonwarenherstellung das Recycling von Reststoffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-mumbai-dharavi-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-mumbai-dharavi-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-mumbai-dharavi-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-mumbai-dharavi-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mitten im Herzen von Mumbei liegt das Slumviertel Dharavi. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Teeverkäufer versorgen die Menschen am Morgen mit Chaitee. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Am Morgen lässt sich ein Mann am Straßenrand rasieren. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit Stoffresten werden die Schmelztiegel befeuert. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch aus den alten Kabeln werden die Kupferdrähte entfernt und weiter verwendet. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Überall in Mumbai werden PET-Flaschen eingesammelt und nach Dharavi gebracht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An den großen Abwasserleitungen haben sich Bewohner des Slums angesiedelt. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das aus den PET-Flaschen gewonnene Plastik wird zur Weiterverarbeitung in Klumpen gegossen. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich ein großer Schmelztiegel. Zwei junge Männer halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Schmelztiegel werden Aluminiumspäne eingekocht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-mumbai-dharavi-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Arbeit unter stinkendem Rauch</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich streife durch die engen Gassen und muss ständig aufpassen. Unentwegt donnern kleine Lastwagen hupend durch den Slum knapp an mir vorbei. Nur ein beherzter Sprung in einen Hauseingang rettet mich vor diesen angerosteten Ungetümen. Sie beliefern die vielen kleinen Werkstätten im Nord-Westen Dharavis mit Plastikabfällen, die in den anderen Stadtteilen eingesammelt wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Unzählige kleine Ein-Zimmer-Werkstätten dominieren diesen Teil der Stadt. Hier werden die Plastikabfälle sortiert, unter lautem Maschinenlärm geschrotet und anschließend unter stinkendem Rauch, der in Augen und Mund brennt wieder zu handlichen Formen verschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Männer am Straßenrand schauen mir schmunzelnd bei meinen Ausweichmanövern zu. Sie sitzen auf einem bunten Haufen von Kabel. In mühseliger Handarbeit trennen die beiden die Kabel in Metall und Plastik. Dafür klemmen sie die Schnüre zwischen ihre Zehen, schneiden mit einem alten Messer die Kabel auf und lösen die Kunststoffhülle vom glänzenden Inhalt. Das Metall wird später eingesammelt und ebenfalls eingeschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einige Gassen weiter: Große Säcke, mit Aluminiumspänen gefüllt, ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich eine Feuerstelle, in deren Mitte ein großer Schmelztiegel steht. Zwei Arbeiter halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang, sorgen für eine ausreichende Luftzufuhr und führen dem Tiegel unter eindrucksvollem Auflodern der Flammen immer wieder Aluminiumspäne zu. Der Rauch kann nur begrenzt durch die Schlitze im Dach entweichen. Es ist heiß und stickig. „Was machst du hier?“, fragt einer. Die beiden Männer sind überrascht, mich in ihrer Werkstatt anzutreffen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Leuchtende Suppe im Schmelztiegel</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber schnell verlieren sie wieder das Interesse an mir und wenden sich ab. Die leuchtende Suppe in ihrem Schmelztiegel scheint fertig zu sein. Vorsichtig ziehen sie den Behälter mit langen Stangen aus der Glut und gießen den Inhalt in bereitstehende Brikettformen. Die Hitze wird unerträglich, die Dämpfe benebeln meine Sinne und mir wird schwindlig. Angeschlagen trete ich den Rückzug an und rette mich nach draußen in die Mittagshitze. Sie ist erfrischend.</p>
<p style="text-align: justify;">Draußen bietet mir ein kleiner Junge einen süßen Chai-Tee aus seiner Kanne an. Im Eingang zur Schmelze sitzend schaue ich mich um und trinke vorsichtig den Tee, der den ätzenden Geschmack des Qualms Schluck für Schluck verdrängt. Diese Gelegenheit lassen sich die anderen Arbeiter in der Gasse nicht nehmen. Sie kommen zu mir. Umringen mich. Kurz nach meiner Flucht aus der Schmelze bin ich umgeben von neugierigen Blicken und interessierten Gesichtern. Die Leben hinter den Gesichtern erzählen sehr oft die gleiche Geschichte.</p>
<p style="text-align: justify;">Einer berichtet mir, er habe Frau und Kinder daheim im indischen Rajasthan gelassen. Nur an wenigen Feiertagen im Jahr schaffe er es, sie zu besuchen. Arbeit gebe es dort nicht. Deshalb ist hier, in Dharavi, für viele Arbeiter der erste Anlaufpunkt in Mumbai. Nun schläft er wie so viele andere auf Pappunterlagen direkt neben dem Arbeitsplatz.</p>
<p style="text-align: justify;">Dunkelgraue Wolken steigen aus den Blechhütten auf und trüben das Blau des Himmels als ich wieder im Zug sitze – auf dem Weg zurück in die hübsche Altstadt von Mumbai. Die Feuer in Dharavi werden noch bis spät in die Nacht brennen. Und schon bald wird ein neuer Tag wieder Leben in den Slum bringen.</p>
<p style="text-align: center;"><em> Warum unser Autor Christian Fraesecke Dharavi besuchte, erfährst du im</em></p>
<p><a title="Autoreninterview mit Christian Faesecke" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-christian-faesecke/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
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