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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Geschichte &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Das Königreich der Schlange</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Oct 2017 13:36:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mexiko]]></category>
		<category><![CDATA[Calakmul]]></category>
		<category><![CDATA[Danilo-Roessger]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer sich für die Geschichte der Maya interessiert, aber Touristenhorden vermeiden möchte, sollte nach Calakmul reisen. Die Stadt gehörte seinerzeit zu den mächtigsten Königreichen der Mayawelt und wird gegenwärtig noch zum Großteil von dichtem Regenwald überwuchert.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-koenigreich-der-schlange/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Wer sich für die Geschichte der Maya interessiert, aber Touristenhorden vermeiden möchte, sollte nach Calakmul reisen. Die Stadt gehörte seinerzeit zu den mächtigsten Königreichen der Mayawelt und wird gegenwärtig noch zum Großteil von dichtem Regenwald überwuchert.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Man mag es kaum glauben, wenn man auf die Landkarte schaut: Tief im Dschungel von Mexikos Osten liegt eine der ehemals größten und einflussreichsten Maya-Stätten aller Zeiten. Sie heißt Calakmul und kontrollierte über mehrere Jahrhunderte die gesamte Region.</p>
<p style="text-align: justify;">Nachdem die Mayakultur des zentralen Tieflands im zehnten Jahrhundert kollabierte, wurde das Gebiet immer weiter vom Dschungel verschlungen und geriet in Vergessenheit. Erst 1931 entdeckte der Botaniker Cyrus Lundell das Gelände eher zufällig, als er geeignete Bäume für die Produktion von Kaugummi suchte. Die Archäologen waren fasziniert von den gigantischen Tempeln mitten im Nirgendwo und begannen mit den Ausgrabungen, die jedoch jahrzehntelang nur schleppend vorangingen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Auf eigene Faust</h2>
<p style="text-align: justify;">Mittlerweile gibt es findige Tourenveranstalter, die All-Inklusive-Pakete nach Calakmul anbieten – allerdings ist man dort schnell 60 Euro los. Etwas unangemessen, da der Eintritt zum Gelände umgerechnet weniger als vier Euro kostet. Ich mache mich deshalb auf eigene Faust auf den Weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Die nächstgelegene Stadt ist Xpujil, ein 4000-Seelen-Örtchen entlang des Highways zwischen den beiden Urlaubsorten Campeche und Chetumal. Einzelne Hotels und Restaurants sind vorhanden, dennoch ist Xpujil eher ein Zwischenstopp für müde LKW-Fahrer als ein Traveller-Treff. Aufgrund der günstigen Lage ist es trotzdem keine schlechte Idee, hier zu übernachten.</p>
<p style="text-align: justify;">Um zur Zufahrtsstraße nach Calakmul zu gelangen, ist man zunächst auf den örtlichen Nahverkehr angewiesen. Nur zweimal täglich besteht die Gelegenheit, öffentliche Busse abzupassen: Fünf Uhr in der Frühe und vormittags um elf. Letzterer ist keine Option, wenn man später nicht in Zeitnot geraten möchte. Zudem kann die Mittagshitze in diesen Breitengraden gnadenlos sein, sodass sich zeitiges Erscheinen lohnt.</p>
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<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Viel Glück!&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Bus erscheint überraschend pünktlich. Während ich einsteige, stelle ich fest, dass ich der einzige Nicht-Mexikaner zu sein scheine. Keine Spur von weiteren Touristen. Nach knapp 40 Minuten Fahrt auf schnurgerader Straße hält der Fahrer entlang des Highways an und entlässt mich in die Morgendämmerung. „Hier ist der Zufahrtsweg nach Calakmul. Viel Glück!“</p>
<p style="text-align: justify;">Ich stehe vor einer alten Informationstafel, zwei baufälligen Hütten und einer Schranke, an der zwei Wächter stehen. „Dies hier ist der erste Kontrollpunkt, allerdings können wir dich noch nicht passieren lassen. Das Gelände öffnet erst in anderthalb Stunden“, geben sie mir zu verstehen. Ich frage, wie lange ein Fußmarsch dauern würde und bekomme verdutztes Grinsen entgegengebracht: „Nun, von hier aus sind es zwanzig Kilometer bis ins Biosphärenreservat – und vierzig weitere bis zur Ausgrabungsstätte.“</p>
<p style="text-align: justify;">Öffentlichen Transport zum Eingang der Anlage gäbe es keinen. Allerdings wissen die Schrankenwärter durchaus, dass nicht wenige Individualreisende den Weg nach Calakmul auf sich nehmen. „Bisher ist hier noch niemand hängen geblieben. Trampen ist kein Problem.“ So harre  ich in der Morgenkälte am Rande des Dschungels aus und hoffe auf baldige Erlösung.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Per Anhalter zur Ruine</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach einiger Zeit erscheint das erste Auto. Die Insassen, ein amerikanisches Pärchen älteren Semesters, lassen mich nach kurzem Zögern in ihren Mietwagen einsteigen. Ich bezahle rund 20 Pesos – rund einen Euro – Wegzoll und befinde mich kurz darauf auf einer schmalen Straße, die immer weiter in den Dschungel hineinführt. Nach rund einer Stunde Fahrt entlang üppiger Vegetation ist das Eingangsschild von Calakmul zu erkennen. Der angrenzende Parkplatz ist weder groß noch belebt, lediglich zwei weitere Autos befinden sich hier. Endlich scheint die Morgensonne durch die Bäume.</p>
<p style="text-align: justify;">Drei verschiedene Routen führen über das Gelände: Kurz, mittel und lang, wobei letztere gut und gerne sieben Stunden in Anspruch nehmen kann. Ich entscheide mich für die mittlere Route. Sie deckt die wichtigsten Gebäude ab und führt vorbei an ehemaligen Palästen, Wohnsiedlungen und Zeremonialstätten. Trotz der enormen Ausmaße ist die Wegführung erstaunlich übersichtlich. Überall stehen Wegweiser, damit sich niemand in den Tiefen des Dschungels verirrt. Es ist beinahe wie in einem künstlich angelegten Park.</p>
<p style="text-align: justify;">Calakmul, gemäß dem historischen Namen „Chan“ auch als „Königreich der Schlange“ bezeichnet, lieferte sich mehrere erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft des Tieflandes. Der größte Rivale war dabei das hundert Kilometer entfernte Tikal im heutigen Guatemala, das Calakmul nach mehreren Kriegen schließlich in die Knie zwang. Zahlreiche Inschriften lassen darauf schließen, dass sowohl diese Kriege als auch interne Streitigkeiten den Einfluss des Imperiums nach dem siebenten Jahrhundert rapide verringerten. Bis zum Beginn des zehnten Jahrhunderts können Forscher die Geschichte der Stadt datieren, für die Jahre danach existieren keinerlei Belege mehr über deren Existenz.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wichtige Stelen</h2>
<p style="text-align: justify;">Besonders wichtig für die Historiker sind die 117 Stelen, die sich überall auf dem Gelände befinden und Aufschluss über die Geschichte der Dynastien geben. Viele dieser Stelen sind jedoch kaum noch entzifferbar, sodass über manche Ereignisse nur Vermutungen angestellt werden können. Mexikanische Projekte wie das Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte sorgen seit den 1980er Jahren dafür, dass die Ausgrabungen andauern und immer mehr Informationen über Calakmul zum Vorschein kommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute befindet sich neben einigen Archäologen kaum eine Seele auf dem Gelände – nicht einmal Souvenirhändler. So kann ich mich voll und ganz darauf konzentrieren, die steilen Stufen der Ruinen zu erklimmen. Von oben zeigen sich die wahren Ausmaße des ehemaligen Imperiums: Soweit das Auge reicht: keine Siedlung, kein Haus, kein Sendemast. Nur scheinbar endloser Dschungel, aus dem punktuell Pyramiden und Tempel emporragen. Das mächtigste Bauwerk und gleichzeitig eines der größten der gesamten Maya-Welt ist „Struktur II“, eine 45 Meter hohe Pyramide. Sie wurde nach ihrer Errichtung mehrmals vergrößert und diente den Herrschern als Palastgebäude. Bislang wurden im Inneren der Pyramide vier Gräber entdeckt, unter anderem vom König Yuknoom Yich&#8217;aak K&#8217;ahk&#8216;, der Calakmul in seiner Blütezeit regierte.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Calakmul behält seine Geheimnisse</h2>
<p style="text-align: justify;">Das dichte Blätterdach lässt mich nur mutmaßen, wie viel von dieser riesigen Stätte noch freizulegen ist. Neben den rund 6.000 Bauwerken, die die Ausgrabungen bereits zu Tage gebracht haben, ist eine unbekannte Anzahl weiterer Strukturen noch immer von dichter Vegetation überwuchert. Wie viele es sein mögen, weiß niemand. Auch die tatsächliche Einwohnerzahl lässt die Forscher derzeit noch spekulieren. Man geht davon aus, dass 50.000 Menschen im Siedlungsgebiet lebten – und 100.000 weitere im unmittelbaren Umkreis. Aufgrund der schieren Größe des Geländes ist ein Vielfaches jedoch nicht unwahrscheinlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach rund fünf Stunden erreiche ich erschöpft wieder den Eingang – im Bewusstsein, nur einen Teil des Geländes ausgekundschaftet zu haben. Für den Rückweg bietet mir ein Mitarbeiter eine Fahrt zurück an. Er bringt mich bis zum Ende der Zufahrtsstraße und verlangt bis Xpujil einen saftigen Aufpreis, den ich dankend ablehne. Glücklicherweise wird der Highway von vielen Pendlern frequentiert, sodass mich schon nach kurzer Zeit ein Einheimischer in seinem Sportwagen mitnimmt. Glück gehabt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die teilweise von Ungewissheit geprägte An- und Abfahrt waren dieses Erlebnis definitiv wert. Auch wenn bislang nur ein Bruchteil von Calakmul erforscht wurde, herrscht eine einzigartige Atmosphäre auf dem Gelände. Die Zukunft wird zeigen, wie viel Informationen über die Geschichte des Schlangenkönigreichs noch zum Vorschein kommen – und wie viele Besucher es noch anziehen wird.</p>
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		<title>Radieschen in der Wüste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2015 05:03:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Kolonie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lüderitz]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Schlange zieht sich über fast fünfzig Meter durch die letzten Ausläufer der Wüste. Die müden Arbeiter reihen sich geduldig in einer geraden Linie auf und warten darauf, dass sie sich in einen runtergekommenen Bus zwängen können. Außer der Fischfabrik am Ufer gibt es bis hin zu den Hügeln am Rand der Bucht, nur Sand zu sehen. Einige Meter abseits der Haltestelle zeichnet sich jedoch ein leicht zur Seite geneigter Steinsockel ab, an dem die Geschichte offiziell begonnen hat:</p>
<p style="text-align: justify;">Im August 1884 versammelte sich eine kleine Gruppe aus Angestellten des Tabakhändlers Lüderitz, der Besatzung von zwei Kriegsschiffen sowie dem Kapitän John Fredericks II um diesen Sockel und hisste die deutsche Flagge. Hier, ganz im Süden Namibias, entstand die erste deutsche Kolonie.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Jahr vor der Flaggenhissung hatte der Bremer Adolf Lüderitz die Bucht in der Hoffnung auf Rohstoffe, Geschäfte mit Südafrika, aber wahrscheinlich auch aus Abenteuerlust erworben. Es war kein sonderlich einladender Ort, besonders wenn man davor die grüne afrikanische Westküste entlang gefahren ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Überall Sand, diese Hitze und kein Süßwasser. Allerdings hatten sich Europas Mächte bereits einen Großteil Afrikas gesichert. Für zfradieweihundert Gewehre und einhundert Pfund Sterling kaufte Lüderitz dem Kapitän John Fredericks II, der in der dünn besiedelten Region um die Bucht mit seinem Klan lebte, Land in einem Umkreis von einigen Meilen ab.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Erstes Schutzgebiet in Afrika</h2>
<p style="text-align: justify;">Einmal niedergelassen, weitete Lüderitz sein Land immer weiter aus, wobei er sich zu Nutzen machte, dass die zwei größten Volksgruppen in der Region, die Nama und Herero, sich in ständigen Auseinandersetzungen befanden. Obwohl Reichskanzler Bismarck Kolonien eher ablehnend gegenüberstand, willigte er 1884 ein, auch Gebieten außerhalb Deutschlands staatliche Sicherheit zu garantieren. Die Lüderitzbucht war das erste Gebiet, dem dieser Schutz zugesichert wurde.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz18.jpg" data-caption="Eine lange Schlange an einer Bushaltestelle. Daneben ein Sockel zur Erinnerung an die deutsche Flaggenhissung." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz12.jpg" data-caption="Auch Fußball wird hier in der Wüste gespielt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz2.jpg" data-caption="Das historische Zentrum von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz4.jpg" data-caption="Die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz11.jpg" data-caption="Die Rückseite der Felsenkirche." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz16.jpg" data-caption="Eine Straße für Ernst Göring, Vater des Nazi-Reichsfeldmarschalls und erster Verwalter von Deutsch Südwestafrika." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz3.jpg" data-caption="Die Freiwillige Feuerwehr von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz7.jpg" data-caption="Der örtliche Yachtklub." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz14.jpg" data-caption="Beim &quot;Radiesschen&quot;-Kegelverein." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz13.jpg" data-caption="Ein &quot;Radiesschen&quot;-Kegler." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz10.jpg" data-caption="Fischfabriken wie diese sind Hauptarbeitgeber in Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz9.jpg" data-caption="Eine ehemalige Walfangstation." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz8.jpg" data-caption="Andi sucht Arbeit in einer Fischfabrik." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz6.jpg" data-caption="Das Stadtmuseum." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz17.jpg" data-caption="Auf der Haifischinsel befand sich ein deutsches Konzentrationslager." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Mehr als ein Jahrhundert später zucken die Arbeiter skeptisch mit den Schultern. Ein Denkmal? Hier, wo sie gerade acht Stunden lang afrikanischen Aal zerlegt haben? Die abgelegene Stadt trägt noch immer den Namen ihres deutschen Gründers.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Hauptstadt Windhoek ist für die meisten Einwohner nur mit Minibussen zu erreichen. Eine lange Fahrt, die irgendwo zwischen sieben Stunden und zwei Tagen dauert und wie mit einem Lineal gezogen durch die immer gelblicher werdenden, weitläufigen Landschaften führt.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz hinter der Stadtgrenze beginnt das alte Diamantensperrgebiet, das in etwa ein Drittel der Fläche Bayerns besitzt und Lüderitz auf Abstand zum Rest der Welt hält. Etwas mehr als 10.000 Einwohner leben heute in der Bucht.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Kleinstadt lernt man sich da schnell kennen. Zum Beispiel Boy aus der freiwilligen Feuerwehr. Er ist einer der wenigen Buchtler, wie sich die Bewohner der Stadt nennen, die sich auf beiden Seiten des immer noch tief sitzenden Keils zwischen schwarz und weiß bewegen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kurz Kolonialromantik schnuppern</h2>
<p style="text-align: justify;">Er zeigt mir seine Stadt, ruft an, wenn sich was tut im trägen Alltag. In seinem in die Jahre gekommenen Alfa Romeo fahren wir in das Zentrum. Der Stadtkern wird immer noch von den Häusern der deutschen Siedler geprägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Gut in Stand gehalten zählen die Kolonialbauten zu einer der großen Sehenswürdigkeiten in den Reiseführern. Alle paar Wochen legt ein Kreuzfahrtschiff an und überschwemmt die Innenstadt mit Urlaubern, die das Zentrum in eine ungewohnte Hektik versetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Touristen können kurz Kolonialromantik schnuppern und danach gibt es Bier und Austern, die in dem eiskalten Atlantikwasser fabelhaft wachsen. Im Zentrum befindet sich auch das Stadtmuseum. Es werden vor allem Ausstellungsstücke der Kolonialzeit gezeigt und daneben gibt es noch ein paar vergilbte Schautafeln zu Ureinwohnern, Tieren und Steinen der Region.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Museumswärterin erzählt mir vom Deutschen Klub, der sich in der Turnhalle trifft und so eine Art Lesezirkel sei, bevor sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zuwendet. Noch immer leben zahlreiche deutschstämmige Familien in der Stadt und neben deutschem Radio bekommt man auch eine deutschsprachige Tageszeitung.</p>
<p style="text-align: justify;">Über dem Eingang zur Turnhalle hängt das alte Schild des Männerturnvereins. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo in einem holzverkleideten Raum fünf Männer umzingelt von alten Fotos, Postern und einem Jägermeisterplakat an einem Tresen sitzen und Bier trinken. Der Deutsche Klub, eine Bar, die so auch in jeder tristeren Ecke in Deutschland stehen könnte. Jedes Getränk kostet umgerechnet fünfundsiebzig Cent und nur Mitglieder dürfen bestellen, was ziemlich häufig vorkommt an diesem Abend.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Schnaps spricht mein Nachbar als einziger in der Runde Deutsch, das sich immer wieder mit Afrikaans, Englisch und einem leichten Lallen vermischt. Werner, ein Mittfünfziger mit groben Arbeiterhänden, ist direkt aus seiner Autowerkstatt in den Klub gekommen. Vor über dreißig Jahren ist er nach Lüderitz gefahren, um Urlaub zu machen, hat eine Frau kennengelernt und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Den Deutschen Klub hat er mitgründet, weil er mit seinem Hund nicht mehr in den Yachtklub gehen durfte. Die Männer diskutieren über einen Beschluss des Präsidenten Lüderitz kurzfristig in !NamǂNûs, in die Sprache der Nama, umzubenennen. Angeheitzt werden die Gespräche von einem Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil das zuschnappt, wenn man den falschen Zahn drückt. Über Literatur wird den ganzen Abend nicht gesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz nach der Flaggenhissung musste Lüderitz sein Land unter großem Verlust an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Die Kolonie erreichte eine Ausdehnung von fast 1.200 Kilometern Länge, die sich von der südafrikanischen Grenze bis zum portugiesischen Angola im Norden erstreckte.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gegensatz zu den anderen deutschen Kolonien wurde Deutsch-Südwestafrika, wie das Gebiet genannt wurde, zu einer Siedlerkolonie. So sollte es nicht nur billige Rohstoffquelle werden, sondern auch Bauland für ein neues Deutschland in der Ferne, um der Emigration in die USA entgegenzuwirken. Auf die zirka 200.000 Bewohnern kamen später etwa 12.500 Deutsche.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ersten offiziellen Verwalter des Schutzgebiets entsandte das Deutsche Reich Ernst Göring, den Vater des späteren Reichsfeldmarschalls in Nazideutschland. Später ausgestattet mit zwei Dutzend Soldaten, verwaltete er ein Gebiet größer als das Deutsche Kaiserreich. Die deutsche Unterdrückung sorgte immer wieder für Unruhen. Im Jahr 1904 entlud sich die Wut mit voller Wucht, als sich erst die Herero und später auch die Nama erhoben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Vernichtungsbefehl von General von Trotha</h2>
<p style="text-align: justify;">Erbitterte Kämpfe mündeten in dem Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha. Ohne Rücksicht wurden zurückweichende Herero einschließlich Kindern und Frauen nach einer Schlacht in eine Wüste getrieben, in der ein Großteil verdurstete. Gefangene wurden in Konzentrationslager gesperrt, von denen eines auf Haifischinsel, einer Halbinsel bei Lüderitz, eingerichtet wurde. Von den ursprünglich 100.000 Herero und Nama überlebte schätzungsweise nur ein Viertel den deutschen Kolonialismus.</p>
<p style="text-align: justify;">Entlang der Schotterstraße, die aus dem Stadtzentrum hinaus führt, ist nicht mehr viel von dem Kolonialflair zu spüren. Am Hügel hinter der Bucht wachsen kleine Hütten aus Wellblech, alten Werbetafeln und was auch immer sonst noch zu Verfügung stand, die Felsen hinauf. Dazwischen Spelunken wie dem German Town oder dem George Weah, in denen es ähnlich zugeht wie im Deutschen Klub, nur ohne weiße Buchtler.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Fischfabriken locken Arbeitssuchende aus dem Norden hierher. Die Arbeitslosenquote ist hoch und viele schlagen sich mit informellen Jobs unter der Armutsgrenze durch das Leben. Die Ungleichheit in Lüderitz ist nicht zu übersehen. Schaut man die Bucht hinab, erkennt man in der Ferne die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen.</p>
<p style="text-align: justify;">An den Wochenenden überschwemmt der Alkohol die Stadt. „Lüderitz &#8211; A small drinking town with a fishing problem“, steht auf T-Shirts, die in einer der beliebtesten Bars unter Touristen verkauft werden. Jägermeister und Bier nach „pure Reinheitsgebot“ fließen in Strömen. Die alte Kegelbahn ist auch noch in Betrieb. Einmal die Woche treffen sich hier die sogenannten Radieschen zum Training.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wände sind voll mit alten Mannschaftsbildern und Urkunden des Kegelvereins. Das älteste Foto zeigt die Radieschen im Jahr 1906. Auf den Fotos posieren die weißen Männer in ihren Kegeloutfits, sonnenverbrannt im unteren Teil der Gesichter und hell weiß ab der Stirn, wo der Hut vor der Sonne schützte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bahn ist immer noch die gleiche. Drei der neun Spieler sind deutschstämmig, ein paar arbeiten als Fischer, andere sind nur zu Besuch während ihrer Semesterferien in Südafrika. Aus der Stereoanlage dröhnt „wir feiern vom Balkan bis nach Bayern“, während die erste Kugel die abgenutzte Holzbahn heruntergeworfen wird. Nach dem ersten Spiel wird von den Stühlen im Eingangsbereich gemeinsam der alte Vereinsspruch der Radieschen ausgerufen, der mit „du Sau, du Sau, du Sau“ endet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">1990 erreicht Namibia seine Unabhängigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Als sich der erste Weltkrieg nach Afrika ausbreitete, waren die deutschen Truppen chancenlos unterlegen. Im Juli 1915, vor einhundert Jahren, wurde die Kolonie an die Südafrikanische Union übergeben. Erst 1990 erreichte Namibia seine Unabhängigkeit von Südafrika. Auf eine deutsche Entschuldigung für die Verbrechen wartete man in Namibia lange. Im Jahr 2004 sprach die damalige Entwicklungsministerien Wiecorek-Zeul über die moralische Verantwortung der Deutschen. Entgegen der offiziellen Haltung Deutschlands bat sie „im Sinne des gemeinsamen Vater unser um Vergebung unserer Schuld“.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Straße zur Haifischinsel führt vorbei am Hafen, an dem auch die Diamantenschiffe liegen. Am Ende befindet sich ein Campingplatz. Innerhalb weniger Minuten zieht eine Nebelschwade vom Meer über die Stadt und legt alles unter einen weißen Mantel. Eine Steintafel erinnert an Kapitän John Fredericks II und seinen Klan, der auf dem Land, das er einst Lüderitz verkauft hatte, in dem Konzentrationslager umkam.</p>
<p style="text-align: justify;">Davon steht allerdings nichts auf der Tafel ebenso wenig wie von dem Lager an sich. Nur ein paar Meter weiter wird an die deutschen Gefallenen erinnert und daneben an einen Segler, der in den achtziger Jahren von Lüderitz aus den Atlantik überquert hat. Die Touristen, die zum größten Teil aus Südafrika kommen, erfahren von der Vorgeschichte des Campingplatzes meist nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">Abends ist es sehr ruhig in Lüderitz und die Kolonialbauten erscheinen wie substanzlose Fassaden eines Filmstudios. Ballsaal, Turnhalle, Bücherei. So ganz hat der koloniale Geist die Stadt allerdings nie verlassen. Auf den deutschen Kolonialismus folgte südafrikanische Apartheidpolitik und auch ein Jahrhundert nach dem Abzug, sträubt sich Deutschland noch immer, seine Verbrechen anzuerkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Stattdessen wird mit verstärkter Entwicklungszusammenarbeit versucht der historischen Verantwortung gerecht zu werden. Nicht gerade viel für ein Land, das sonst so gerne historische Aufarbeitung einfordert. Die Spuren sind jedoch eindeutig und in der trockenen Hitze von Lüderitz bestens konserviert worden.</p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Sonne, Popcorn und ein Hauch von Horror</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2014 05:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nelson Mandela]]></category>
		<category><![CDATA[Peter M. Gehrig]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Robben Island]]></category>
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					<description><![CDATA[Während der Apartheid sperrten die weißen Herrscher Südafrikas ihre politischen Gefangenen auf Robben Island ein. Nelson Mandela war einer von Tausenden. Heute führen ehemalige Gefangene Touristen über die Gefängnisinsel.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/sonne-popcorn-und-eine-ahnung-vom-horror/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Während der Apartheid sperrten die weißen Herrscher Südafrikas ihre politischen Gefangenen auf Robben Island ein. Nelson Mandela war einer von Tausenden. Heute führen ehemalige Gefangene Touristen über die Gefängnisinsel.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich war es zu erwarten. „Dies ist genau das Boot, mit dem Madiba von der Insel in die Freiheit fuhr“, verkündet stolz der fast zahnlose Kapitän, während sich mehr als 100 Touristen in der prallen Sommersonne über die Gangway an Bord des betagten Schleppers begeben. Sie haben zuvor in einer Halle gewartet, die an die Abfertigung auf dem Flugplatz von Lahr in der deutschen Provinz erinnert, samt Metalldetektor und obligatem Foto unter dem „Robben-Island-Tour“-Schild.</p>
<p style="text-align: justify;">Die wenigsten wissen, dass Nelson Mandela, Symbolfigur des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika, nach jahrzehntelanger Haft auf der Gefängnisinsel Robben Island 1988 von dort nicht in die Freiheit entlassen, sondern in ein Gefängnis auf dem Festland verlegt wurde und erst zwei Jahre danach freikam.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber wer auf Robben Island, einer kargen Felseninsel rund 12 Kilometer vor Kapstadt, inhaftiert war, muss es wohl als Freiheit empfunden haben, sobald er von dort weg durfte. Heute drängen sich die Touristen, um diese weltweit bekannte Insel zu sehen. Im Internet muss das Ticket für die Überfahrt Tage im Voraus gelöst werden, wenn keine Pauschalreise &#8211; mit Horrorschauer inklusive &#8211; gebucht wurde.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-robben-island-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gang_carolina_Oedman.jpg.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nicht alle Insassen auf Robben Island waren verurteilt, manche nur „interniert“ - Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Eingang_claudia_masur.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">„Wir dienen mit Stolz“, verkündet das Wappen der Gefängnisverwaltung auf Englisch und Afrikaans im Hafen. Foto © Claudia Masur</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Wegweiser_claudia_masur.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Wegweiser für die Touristen. Foto © Claudia Masur</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefaengnis_carolina_Oedman-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit der Ankunft verloren die Häftlinge ihre Identität. Sie waren nur noch eine Nummer. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mandelazelle_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Zelle von Nelson Mandela: Auf vier Quadratmetern musste er viele Jahre leben. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mehrbettzelle_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nicht alle Zellen waren nur vier Quadratmeter groß - es gab auch Gruppenzellen, ausgestattet mit Etagenbetten. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gitterfenster_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Von 1961 bis 1991 diente Robben Island als Gefängnis für politische Gefange. 1996 wurde auch der Trakt für die kriminellen Insassen geschlossen. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenhof_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im großen Innenhof kamen die Gefangenen zum Appell zusammen. © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenentrakt_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auf der Insel ist es im Sommer brütend heiß, vor allem, wenn kein Wind geht, im Winter hingegen empfindlich kalt. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Tafelberg_carolina_Oedman.jpg.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Von Robben Island ist der Tafelberg bei klaren Wetterbedingungen, gut zu sehen. Foto ©Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_freedom_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">1991 wurden die letzten politischen Gefangenen auf Robben Island frei gelassen. Das historische Bild zeigt ihre Überfahrt in die Freiheit. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-robben-island-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gang_carolina_Oedman.jpg-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Eingang_claudia_masur-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Wegweiser_claudia_masur-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefaengnis_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mandelazelle_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mehrbettzelle_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gitterfenster_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenhof_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenentrakt_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Tafelberg_carolina_Oedman.jpg-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_freedom_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">„Wir dienen mit Stolz“</h2>
<p style="text-align: justify;">Nelson Mandela, von den Schwarzen in Südafrika liebevoll Madiba genannt, ist nicht nur Symbolfigur des Freiheitskampfes. Er ist mehr als ein halbes Jahr nach seinem Tod mehr denn je Touristenattraktion. Für die Gefängnistouristen wurde eigens ein Abfertigungsgebäude im Hafen von Kapstadt errichtet mit Nelson-Mandela-Museum, Nelson-Mandela-Café und Nelson-Mandela-Souvenirshop. Hier gibt es die üblichen Souvenirs, Basecaps, T-Shirts, Polohemden, Schlüsselanhänger, Kaffeebecher – alle entweder mit Mandela-Konterfei oder dem modernen Emblem der berüchtigten Insel.</p>
<p style="text-align: justify;">Und die Touristen kaufen gerne. Sie sind zumeist Ausländer, zumeist weiß und wollen eine Ahnung vom Horror mitnehmen, den auch Konzentrationslager vermitteln. Schwarze Touristen sind eher selten. Der Ausflug kostet 250 Rand pro Person, nach derzeitigem Kurs knapp 18 Euro – aber für südafrikanische Verhältnisse beileibe kein Schnäppchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auf der Insel angekommen zeigt sich sofort, wer hier früher das Sagen hatte. „Wir dienen mit Stolz“, verkündet das Wappen der Gefängnisverwaltung auf Englisch und Afrikaans im Hafen. Nur die Angestellten der Justiz empfanden ihre Präsenz wohl als dienen. Für die Häftlinge war es Leiden.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gefangener mit der Nummer 466/64</h2>
<p style="text-align: justify;">Im Hafen warten klimatisierte Busse auf die Besucher, für jeden Gast ein Sitzplatz. Auf der Insel ist es im Sommer brütend heiß, vor allem, wenn kein Wind geht, im Winter hingegen empfindlich kalt. Nur die ausnahmslos weißen Wachen hatten die Möglichkeit, sich vor dem Wetter zu schützen. Die, ebenfalls ausnahmslos, farbigen Häftlinge &#8211; es gab keinen einzigen weißen Gefangenen auf Robben Island &#8211; waren der Witterung ungeschützt ausgesetzt. Sie mussten in den Massenzellen auf dünnen Matten schlafen. Und auch die Einzelzellen boten nicht annähernd den Komfort, den Europäer aus Berichten über ihre Haftanstalten kennen. Mit der Ankunft verloren die Häftlinge &#8211; nicht alle waren verurteilt, manche nur „interniert“ &#8211; ihre Identität. Sie waren nur noch eine Nummer. Mandela trug die Nummer 466/64, Gefangener 466 aus dem Jahr 1964.</p>
<p style="text-align: justify;">Manthatebe ist 1,65 groß und untersetzt. Er war Nummer 677/72 und führt heute die Besucher durch den Zellentrakt. Er ist irgendwann zurückgekommen. Und heute ist er einer der wenigen Bewohner der Insel, die geblieben sind, zumindest auf Zeit. Die meisten von ihnen sind schwarz und alle frei. Sein Leben als Häftling verschafft Manthatebe heute einen bescheidenen Lebensunterhalt. Am Wochenende fahren die Inselbewohner meist mit einer Fähre aufs Festland, auch zum Einkaufen. Einen Laden wie früher gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Schule wurde geschlossen aus Mangel an Kindern. Die Kirche ist noch in Betrieb.</p>
<h2 style="text-align: left;">Augenschäden und karge Essenrationen</h2>
<p style="text-align: justify;">Nummer 677/72 erzählt von der Plackerei in den Steinbrüchen. Wie die grelle Sonne auf dem weißen Kalkstein reflektierte und Augenschäden verursachte. Davon, dass die Arbeit nach einer Zeit Selbstzweck wurde, weil die Steine wohl nicht mehr gefragt waren. Er erzählt von der Mandela-Universität, die sich unter den Gefangenen etablierte, weil der studierte Jurist Mandela darauf bestand, dass seine Mithäftlinge sich weiterbilden sollten. Er sah in ihnen zumindest zum Teil die zukünftige Elite eines freien und gleichen, von Schwarzen regierten Südafrikas. Die Häftlinge lernten in der Freizeit und prüften sich gegenseitig während der Arbeit oder den Appellen im großen Hof oder in den Gemeinschaftszellen.</p>
<p style="text-align: justify;">Manthatebe erzählt ohne Groll. Madiba, der in einer vier Quadratmeter großen Zelle lebte, habe immer den Ausgleich gesucht. Er war der Überzeugung, nur der Starke könne auch vergeben. Die Zelle ist das begehrteste Fotomotiv, die Warteschlange lang. Manthatebe erzählt von kargen Essensrationen, von der Sehnsucht, die der Tafelberg auslöste, wenn man ihn denn sehen konnte. Und er erzählt mit Stolz von einer Leidenszeit, die sich die Besucher heute nur schwer vorstellen können.</p>
<h2 style="text-align: left;">Der Nächste, bitte!</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Besucher drängen bald schon ins Freie, denn der nächste Stopp ist ein „Fotopoint“ auf der knapp 550 Hektar großen Insel in der Tafelbucht. Handy hoch, Lächeln, Selfie vor der malerischen Kulisse des Tafelbergs. Der Nächste, bitte! Hier sieht man auch die Robben und einige Pinguine. Ein „Snackpoint“ nebenan bietet Popcorn, Eiscreme, kalte Getränke und Postkarten an, die man am Hafen in einen besonderen Briefkasten stecken kann. Die Führerin schaut auf ihre Uhr. Sind alle da? Hat niemand etwas vergessen? Gut. Aufbruch.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Busse fahren nicht ganz bis zum Hafen. Ein kleiner Fußweg bleibt, vorbei an den Kanonen, die an die Zeit erinnern, als Robben Island vorgeschobene Garnison war, mit einem letzten Blick auf Stacheldraht und Grabhügel. Wer will, muss jetzt seine Gedanken sortieren oder sehr viel später. Die Rückfahrt auf einer recht rauen See mit Spritzwasser auf dem Oberdeck und intensivem Menschengeruch unter Deck lässt dazu keine Gelegenheit.</p>
<h6 style="text-align: justify;"><em>Die UNESCO hat Robben Island zum Weltkulturerbe erklärt. Auch nach Nelson Mandelas Tod im Dezember 2013 bleibt die Insel eine Attraktion für Touristen. Das Museum von Robben Island bietet <a href="http://www.robben-island.org.za/" target="_blank"><strong><span style="text-decoration: underline;">hier eine virtuelle Tour an.</span></strong><br />
</a></em></h6>
<p style="text-align: justify;">
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