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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Marc Oliver Rühle &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Unterwegs in Nordkorea</title>
		<link>https://www.weltseher.de/unterwegs-in-nordkorea/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2020 20:28:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nord Korea]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Korea]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Oliver Rühle]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem ihm das Regime doch noch ein Visum ausgestellt hat, reist unser Autor durch Nordkorea. Umgeben von kommunistischer Architektur und dem Personenkult der Kims versucht er, eine Frage zu beantworten: Wie sind die Menschen hier wirklich?<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/unterwegs-in-nordkorea/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Nachdem ihm das Regime doch noch ein Visum ausgestellt hat, reist unser Autor durch Nordkorea. Umgeben von kommunistischer Architektur und dem Personenkult der Kims versucht er, eine Frage zu beantworten: Wie sind die Menschen hier wirklich?</strong></p>



<p>Mehrere Anläufe hatte ich gebraucht, um diese Reisen nach Nordkorea überhaupt antreten zu können. Offenbar hatte mich das kommunistische Regime wegen meiner Artikel in deutschen Medien über die Kim-Dynastie auf eine schwarze Liste für Journalisten gesetzt. 2015 hatten mir die Nordkoreaner das Visum für die Begleitung einer deutschen Bundestagsdelegation noch verweigert. Drei Jahre später ging dann plötzlich alles ganz schnell. Es war es wie so oft im Leben: man muss die richtigen Leute kennenlernen.</p>



<p>Ich hatte Glück, dass ich die Fotografin Xiomara Bender für ein Interview zu ihrem Nordkorea-Bildband “The Power of Dreams” traf. Durch sie eröffnete sich mir ein ganz anderer Zugang zu meinem journalistischen Lieblingsthema – der nun schon 72 Jahre alten Diktatur. Xiomara fotografiert seit 2011 regelmäßig in Nordkorea, kennt das Land gut. Durch ihren Vater Andreas Bender, der weltweit als Reiseführer für eher ungewöhnliche Reiseziele operiert und als einer der ersten Deutschen eine Reiseleiterlizenz für Nordkorea seitens des kommunistischen Regimes erhielt, kann sich Xiomara auf ein seit über 30 Jahren quasi gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen ihrer Familie und der nordkoreanischen Tourismusbehörde verlassen.</p>



<p>Die Behörde verfolgt die strikte Aufgabe, alle Ausländer im Land zu kontrollieren und während des Besuchs mit mindestens zwei sogenannten Reiseführern auf Schritt und Tritt zu begleiten. Dank Xiomaras Vater bekam ich nun ganz problemlos ein Visum für Nordkorea und begleitete Sie 2018 zwei Mal in das abgeschottete Land am Ende der Welt.</p>


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                                Der 170 Meter hohe Couch’e-Turm in Pjöngjang, benannt nach der Staatsideologie der Kim-Dynastie.
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<p>Sicher wusste die nordkoreanische Seite, dass ich als Journalist und weniger als Tourist agieren würde. Aber offenbar bekam ich das Prädikat „harmlos“ verliehen. Und ja, Nordkorea hat sich in den letzten Jahren etwas geöffnet, natürlich auch des Geldes wegen. Das von internationalen Handels-Sanktionen geplagte Land hat nicht viele Gelegenheiten, an harte Währungen heranzukommen. Und irgendwie muss Diktator Kim Jong-un ja seinen extravaganten Lebensstil mit Luxusautos, Privatjet, Palästen und Zuchtpferden finanzieren, während sein Volk in ärmlichen Verhältnissen lebt.</p>



<h2>Touristen als Devisen-Bringer fürs Unrechtsregime</h2>



<p>So bin auch ich letztlich nur ein Devisen-Bringer für das Unrechtsregime. Dessen muss sich jeder Nordkoreareisende bewusst sein. Schließlich brachte mein Aufenthalt pro Einreise dem nordkoreanischen Staat etwa 2.500 Euro ein. Ein teures Unterfangen also. Vom Abflug (von Peking oder Shanghai) an übernimmt die staatliche Tourismusbehörde die Kontrolle. Sie legt Hotels, Restaurants und Zeitpläne fest. Wirklich Ruhe vor den “Guides” hat man erst, wenn man von jenen im zentralen “Ausländerhotel” in der Hauptstadt Pjöngjang abgegeben wird und es hinter einem die Türen schließt. Der graue Wolkenkratzer am Ufer des Flusses Taedong ist ein Gefängnis light, denn auf eigene Faust darf man ihn nicht verlassen.</p>



<p>In die internationalen Schlagzeilen war das Hotel 2016 geraten: der junge Student und US-Amerikaner Otto Warmbier wurde verhaftet, weil er hier ein Propagandaplakat von der Wand gestohlen haben soll. Die Nordkoreaner verurteilten den Tourist dafür zu 15 Jahren Arbeitslager. Dort fiel er unter immer noch ungeklärten Umständen ins Koma und starb nach seiner Auslieferung 2017 in den USA.</p>



<p>Hier checke ich ein und beginne meine Nordkorea-Reise. Individuelle Wünsche für Route und Abläufe lassen die Hotel-Angestellten, immer in Abstimmung mit der Tourismusbehörde, bis zuletzt unbeantwortet oder im Vagen. Gleichzeitig versuchen sie aber Alles, um Gäste zufriedenzustellen. Das liegt in der Mentalität der Koreaner.</p>



<p>Für Touristen, die nicht wie ich journalistisch tätig sind, ist der Visa-Antrag heutzutage problemlos. So waren während meines ersten Aufenthalts anlässlich der Feierlichkeiten zu 70 Jahren Nordkorea im September 2018 so viele Ausländer im Land wie niemals zuvor. Der Großteil davon Chinesen, für die Nordkorea eine Art Kolonie ist. Und so führen sie sich vor Ort auch auf. Bald sollen rund eine Million chinesische Touristen pro Jahr kommen, vermelden Nordkorea-Analysten.</p>



<p>Wie das in der Praxis aussehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Für viele Chinesen ist ein Nordkorea-Trip eine Reise in die eigene kommunistisch-maoistische Vergangenheit, inklusive Kontrolle und Gängelung. Viele sind nur bedingt an den Kulturreisen durchs Land interessiert, sondern wollen in die neu gebauten Spa-Hotels oder in die Skigebiete, die allesamt fernab großer Siedlungen liegen und gut zu kontrollieren sind. Aus nordkoreanischer Sicht bedeutet „perfekter Tourismus“, wenn Gäste kommen, die ihr Geld mitbringen – und ansonsten gut abgeschirmt von der Bevölkerung im Hotel oder einem isolierten Gebirge bleiben.</p>



<h2>Leer und sonderbar zart</h2>



<p>Hinter dem Fenster meines Hotelzimmers liegt Pjöngjang. Meine ersten Gedanken: diese große Leere, das Nichts zwischen den Gebäuden und Menschen. Das Leben muss sich hier zwischen breiten Straßen, Plattenbauten und weitläufigen Plätzen und Propaganda-Monumenten abspielen. Damit folgt die nordkoreanische Hauptstadt einer bei kommunistischen Diktaturen beliebten Architektur. Im sowjetischen Moskau – an der sich die &#8222;Demokratische Volksrepublik Nordkorea&#8220; bei der Gründung im Jahr 1948 zunächst orientierte – ließ Stalin historische, verwinkelte Nachbarschaften abreißen, um breite Boulevards und lange Sichtachsen anzulegen. So konnten sich die Bewohner nicht so gut verstecken, aber dafür die Partei und Armee besser aufmarschieren. Gewaltige Monumente mit den Symbolen des Staates und den Antlitzen seiner Führer sollten dem Regime Größe und einen Hauch von Ewigkeit verleihen.</p>


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<p>Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, aber Nordkorea ist noch da. Dessen Propaganda-Apparat erscheint so effektiv, dass selbst Stalin neidisch geworden wäre. Der Personenkult mit Statuen und Plakaten begann mit dem Staatsgründer: Kims Großvater, Kim, der &#8222;Große Führer&#8220; und trotz seines Ablebens vor sechsundzwanzig Jahren heute immer noch der &#8222;ewige Präsident&#8220; Nordkoreas. Und Kims Vater, Kim, die &#8222;Sonne der Nation&#8220;, verstorben 2011, ist immer noch &#8222;ewiger Generalsekretär&#8220; der Kommunistischen Partei.</p>



<p>Seit fast zehn Jahren ist der dritte Kim an der Macht. Das Staatsfernsehen verkündet nur seine Erfolge, die Armut im Land oder die große Hungersnot in den 90er-Jahren werden nicht erwähnt. Für jeden Bürger wäre öffentliche Kritik Selbstmord. Der Staatskult geht sogar soweit, dass die Nordkoreaner ihre Kim-Führer für Halbgötter halten, die anders als Normalsterbliche nie auf Toilette müssen. So berichtete es jedenfalls der nordkoreanische Flüchtling Kang Chol-hwan im Buch &#8222;Die Aquarien von Pjöngjang&#8220;.</p>



<p>Mit diesen Gedanken blicke ich um mich. Kann es wirklich sein, dass die fünfundzwanzig Millionen Menschen in diesem Land an so einen Quatsch glauben? Wenn ich hier leben würde, täte ich sicher nur so, um zu überleben. Aber sicher sein, kann ich nicht. Wer weiß schon, was zwei Generationen Gehirnwäsche anrichten können. Zumal das Regime alles versucht, um Informationen von der Außenwelt fernzuhalten, ein offenes Internet gibt es nicht.</p>



<h2>Ferner Planet</h2>



<p>Bereits auf der Taxi-Fahrt vom Flughafen zum Hotel versuchte ich, einen Blick auf die Menschen in den Straßen zu erhaschen. Sie wirkten auf mich wie uniforme aber zarte, fast zerbrechliche Wesen. Ihre Erscheinung scheint aufrichtig und unbehelligt, und zieht mich sogleich in einen Bann. Sie kommen mir verwandt vor, aber gleichzeitig wie Außerirdische von einem fernen, unbekannten Planeten. Oder bin ich hier der Außerirdische, von einem klassenverfeindeten Himmelskörper?</p>



<p>Ich kann es bis heute nicht benennen, so skurril erscheinen die jeweiligen, gegensätzlichen Wahrheiten, wenn der Rest der Welt – wie ich – auf Nordkorea trifft. Und dann dieses Gefühl, wie in einem Bernstein eingeschlossen zu wandeln, Besucher einer konservierten Kultur zu sein. Zu Gast in einer Apparatur, in welcher Denunziation und strikte Überwachung herrschen, Deportationen und Machtmissbrauch zur Tagesordnung zählen und kaum Individualität möglich ist, bzw. als Entfaltungsform der eigenen Biografie völlig unbekannt sein muss.</p>



<p>Wie unter einer Glocke erscheint mir das Leben hier, draußen Unmengen Wasser, drinnen ein wenig Luft zum Atmen. Sie wissen es einfach nicht besser. Vielleicht ist Nordkorea die Tiefsee unter den Ländern der Erde. Kaum Licht dringt ein. Kein Internet, keine Mode, keine Popkultur, keine Pornografie, kein Hollywood, kein Ami auf dem Mond, keine Droge, keine Verheißung, keine Möglichkeit der freien Entscheidung.</p>



<p>Um so neugieriger stürze ich mich auf den ersten echten Nordkoreaner, mit dem ich sprechen darf. Und das auf fast perfektem Deutsch. Er ist einer meiner Reise-Aufpasser und nennt sich ausgerechnet &#8222;Bruce Lee&#8220;, wie die Hollywood-Kampfsport-Ikone. Ansonsten will er aber von westlicher Kultur noch nichts gehört haben – oder hat es wirklich nicht. &#8222;Die Beatles? Noch nie gehört!&#8220;, sagt er.</p>



<p>Doch dann geht es endlich los. Unsere Reisegruppe samt Aufpasser darf aus dem Hotel und ich sitze in einem Kleinbus-Taxi japanischer Fabrikation. Neben Xiomara, den beiden Aufpassern und mir besteht unsere Gruppe noch aus meinem besten Freund Felix. Auf einer der breiten, endlos wirkenden Straßen der Drei-Millionen-Metropole Pjöngjang, mit den weitläufigen Sichtachsen entlang der in Pastelltönen angemalten Prachtbauten. Viel Verkehr gibt es nicht. Es ist die Straßeninfrastruktur einer Großstadt mit dem Verkehrsaufkommen eines Dorfs. Am Straßenrand absolviert eine Gruppe von uniformierten Frauen einen Appell. So viel Raum und Platz.</p>



<h2>Seltsam bekannt</h2>



<p>Eine Hauptstadt mit der Atmosphäre einer Filmkulisse. Alles erscheint akkurat und künstlich. Nicht am Leben gewachsen, sondern inszeniert nach den Plänen der Kim-Dynastie. Unsere Reiseleiter verordnen Stops vor Gebäuden und Monumenten. &#8222;Bitte nicht mit den Menschen sprechen&#8220;, sagt Bruce Lee. In meiner Erinnerung verschwimmen die Eindrücke. Fast fühle ich mich heimgesucht durch eine seltene Welt – vielleicht die Letzte ihrer Art.</p>



<p>Trotzdem kenne ich die Symmetrien der Stadt bereits von irgendwoher. Manche Farben, auch Gerüche, vielleicht auch die Mode mit ihren strengen Schnitten, kommen mir bekannt vor. Ganz bestimmt aber die Pjöngjanger Straßenbahnen, denn die roten Tatra-Wagen aus der ehemaligen Tschechoslowakei, erinnern mich an meine eigene Kindheit in der DDR. Auf vielleicht denselben Sitzschalen saß ich in Dresden auf dem Weg in den Kindergarten, in welchem wir uns auf den gleichen Klettergerüsten die Knie und Köpfe aufschlugen. Meine eigene Vergangenheit wird lebendig. Die Idee von der sozialistischen Stadt, ich erkenne sie wieder.</p>



<p>Wenn ich jetzt während des Schreibens an Nordkorea zurückdenke, erinnere ich mich vor allem immer wieder an ein zärtliches Gefühl den Menschen gegenüber. Auslöser vor Ort war ein sonderbarer und berührender Moment zugleich – und das ausgerechnet während einer Militärparade.</p>



<p>Die große Parade soll den 70. Gründungstag von Nordkorea feiern. Die Reise-Aufpasser haben uns am Rande eines großen Prachtboulevards positioniert. Erwartet hatte ich Waffen. Stählerne Kanonen und bedrohliche Raketen. Feindselige Prahlerei und frenetisch zelebrierte Propaganda. Vor allem aber rechnete ich mit Aggression und Hysterie – gegen die USA, den Imperialismus, die westliche Welt. Wie sonst sollte die letzte stalinistische Diktatur ihren runden Geburtstag zelebrieren?</p>


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                                Militärparade zum 70. Gründungstag
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<p>Doch es ist der friedvollste, fröhlichste und bunteste Aufmarsch, den ich bisher erlebt habe. Und so stehe ich also da, neugierig und erstaunt, inmitten einer dieser typischen, ausladenden und ellenlang geraden Prachtstraßen Pjöngjangs. Währenddessen rollen die Lastwagenkonvois mit offener Ladefläche vorbei, auf der sehr junge, zierliche Soldaten und Soldatinnen jubeln. Sie halten Luftballons, statt Gewehren, und sie winken ungeniert und lachen fast kindlich zu der Menge an hübsch herausgeputzten Nordkoreanern am Straßenrand, welche ihrerseits je Konvoi ein herzliches &#8222;Danke!&#8220; ausrufen. Die Frauen in traditioneller, bonbonfarbener Tracht, die Männer mit schlichten Krawatten und in grautönigen Sakkos.</p>



<p>Für mich ist es ein Klischee-zerschmetterndes Bild, wie die aus Sowjetzeiten stammenden LKW auf mich zurollen und ausgelassene Freude, statt Zorn transportieren. Ich stehe allein auf weitem Asphalt, keiner der zahlreichen Polizisten, Ordnungshüter oder einer unserer beiden obligatorischen Aufpasser haben mich daran gehindert, die Menschenmenge zu durchbrechen und einfach auf die Fahrbahn zu treten. Ich glaube in diesem Moment war die Kontrolle über uns verlorengegangen, denn ein jeder aus unserer Gruppe verschwand für einige Augenblicke in der Menge der jubelnden Nordkoreaner. Und so recke ich meine Hand mal links mal rechts aus, zu den Händen der vielleicht jüngsten Garde der nordkoreanischen Armee. Die zierlichen Handflächen schlagen von oben auf die meine. Manche der gegenseitigen Berührungspunkte kann ich für Sekunden festhalten, indem sich mein Blickfeld mit dem jeweiligen Kopf auf dem Konvoi mitdreht.</p>



<h2>Formation und Gemeinschaft</h2>


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                                Eine junge Mutter mit Kind in der Siedlung einer Agrargenossenschaft im Nordosten Nordkoreas.
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<p>Und dann endlich verlassen wir Pjöngjang und das Ausländerhotel. Wir dürfen andere Teile Nordkoreas sehen, dessen Fläche etwa so groß ist wie Bayern und Niedersachsen zusammen. Wirkliche Reisefreiheit gibt es natürlich nicht. Die Tourismusbehörde hat die Route samt Unterkünften lange im voraus festgelegt und auch die beiden Aufpasser kommen mit. Trotzdem: besser als nichts. Die wohlhabende Hauptstadt ist für das normale Leben in Nordkorea nicht repräsentativ, die knapp drei Millionen Einwohner gehören vor allem zur gesellschaftlichen Elite und deren Dienstpersonal. Die restlichen zweiundzwanzig Millionen Nordkoreaner brauchen zum Betreten einen Passierschein. Und so rollen wir im Kleinbus mehrere hundert Kilometer Richtung Nordosten ans Japanische Meer, zu den Küstenstädten Hamhung und Wonsan.</p>



<p class="p3"><span class="s1">Wonsan ist ein harter Schnitt zur herausgeputzten Hauptstadt. Hier geht es nun ein paar Stufen abwärts: triste Plattenbauten, kaputte Straßen und Fensterscheiben, bedrückende Stimmung, jeder scheint von Arbeit oder Maßnahmen getrieben, alte LKW transportieren Menschen auf die Reis- und Sojafelder. Undefinierbare Gerüche liegen in der Luft. Spätestens hier wird überdeutlich, dass Nordkorea ein bitterarmes und immer noch vom Krieg geprägtes Land ist. Leben am Ende der Welt, so fühlt es sich an. Dabei wäre die Hafenstadt am Japanischen Meer wohl eine Touristenhochburg, wenn Nordkorea sich weiter öffnen würde. </span></p>



<p class="p3"><span class="s1">Strände mit feinstem Sand machen das Umland von Wonsan, mit den alten Kieferwäldern, nämlich zum Idyll. Stolz führen uns die Reise-Aufpasser an einen dieser Strände und lassen uns baden. Es fühlt sich absurd und beklemmend an. Ich denke an die vielen Menschen, die in diesem Wasser ihr Leben gelassen haben, weil sie der Freiheit am Horizont entgegen ruderten, in der Hoffnung, Japan zu erreichen. Viele Nussschalen verließen schon diese Küste. Mit dem Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können – dabei ist die Küste Japans viel zu weit weg, viele Boote kentern oder die verzweifelten Flüchtlinge verhungern auf offener See. Wer Nordkorea als Nordkoreaner verlässt, muss es für immer tun, tot oder lebendig.</span></p>


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<p>Unser Kleinbus folgt der Küste nach Norden. Nach etwa hundert Kilometern erreichen wir die zweitgrößte Stadt des Landes: Hamhung. An deren<span class="s1"> Wiederaufbau war acht Jahre lang die „Deutsche Arbeitsgruppe Hamhung“ maßgeblich beteiligt, eine Gruppe von Architekten und Ingenieuren aus der DDR. Tatsächlich erinnert es an Eisenhüttenstadt oder Hoyerswerda, mit den Arbeitersiedlungen und Plattenbauwohnungen in Reihe und Glied. Die Industriestadt scheint wie aus der Zeit gefallen, direkt aus den frühen Achtzigern.</span></p>



<p><span class="s1">Während die Hauptstadtbewohner Ausländer mittlerweile gewöhnt sind, fühlt man sich als solcher in Wonsan oder Hamhung wie ein Exot. Die Nordkoreaner reagieren grundsätzlich freundlich und respektvoll, fast zärtlich und naiv. Sie winken oder lachen, wenn man sie dazu animiert. Besonders in Hamhung. Während Wonsan auf mich einen trostlosen Eindruck macht, bleibt von Hamhung der Eindruck eines gewissen Eigenlebens. Menschen, die an der Straßenecke miteinander plaudern, Männer, die hockend Eis essen, Kinder, welche am Springbrunnenrand sitzen. Aber auch hier: Städtebau nach Prinzip. Die Allmacht des Systems in der Architektur. Breite Straßen, überdimensionale Kim-Monumente, weite Flächen und Flure. Hier kann sich niemand verstecken.</span></p>



<h2>Auf dem Land</h2>



<p>Zwischen den Städten passieren wir im Kleinbus das Land mit seinen Dörfern, Fabriken und landwirtschaftlichen Genossenschaften. Sie finden sich am Meer wie im Gebirge. Dazwischen Felder, Ebenen und Hügel. Alle Kraft für die genossenschaftliche Produktion. Ein Eindruck dominierte meine Wahrnehmung dabei immer wieder, egal ob Stadt oder Land: Das Auftreten der Menschen in Formationen und immerzu in Gemeinschaft. Ob bei der Maisernte, beim Tai Chi am Ufer des Flusses Taedong, bei gymnastischen Übungen oder Tanzeinlagen am Straßenrand der pseudo-modernistischen Hauptstadt. Niemand scheint allein, entscheidet selbstständig nach seinem eigenen Gefallen oder hegt auch nur irgendeine denkbare, vergleichbare Freiheit, wie wir sie kennen und um deren Verwirklichung wir uns ereifern. Dieses Wissen schwingt ständig in meinem Hinterkopf mit und trübt das romantische Erscheinungsbild, die sonst ursprüngliche Natürlichkeit des Anblicks.</p>


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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea.jpg" data-caption="Hügelfelder zwischen den Ballungszentren." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-2-1.jpg" data-caption="Irgendwo zwischen Pjöngjang und Wonsan." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-3.jpg" data-caption="Eine LPG in Zentralnordkorea." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-4.jpg" data-caption="Nordkoreanische Landschaft." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-6-1.jpg" data-caption="Frauen auf dem Weg zur Feldarbeit." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-24.jpg" data-caption="Ein Transporter mit Erntehelfern." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-31.jpg" data-caption="Ein Dorf im Norden." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-34.jpg" data-caption="Berglandschaften sind typisch für Nordkorea." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-33.jpg" data-caption="Mit dem Touristen-Bus einmal quer durch Nordkorea." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/zNordkorea-32-1.jpg" data-caption="Transporter mit Arbeitern prägen den Verkehr." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Ländliches Nordkorea</p></div>


<p>Den absoluten Superlativ dieser Gruppendynamik stellt das Arirang-Festival dar, welches ich im &#8222;Stadion Erster Mai&#8220; in Pjöngjang zur Premiere anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten erleben kann. Eine akribisch perfektionierte Inszenierung der siebzigjährigen Geschichte Nordkoreas, eine gewaltige Choreografie abertausender Akrobaten, Tänzer, Athleten, Musiker und Kindergruppen. In einer Synchronität jenseits von etwas je Gesehenem, von welcher hiesige Choreografen nur träumen können. In einer Ästhetik und Epik welche man mit jener einer Leni Riefenstahl vergleichen kann – allerdings in Farbe. Die Organisation von Massen beherrscht wohl kaum ein anderes Land derartig optimiert und konditioniert, wie es die Ideologie der Kim-Dynastie seinen Untertanen durch Drill und Disziplinierung auferlegt hat.</p>



<p>Unsere Tribüne ist keine hundert Meter Luftlinie von der Herrscherloge entfernt, in welcher kein Geringerer als Kim Jong-un selbst Platz genommen hat. Ein sonores Raunen geht durch das größte Stadion der Welt, mit einem Fassungsvermögen für etwa 150.000 Menschen, als der oberste Führer höchstpersönlich in Erscheinung tritt. Gefeiert wie ein Messias, wie ein Gott. Doch was weiß ich schon, der eingebildete Freie? Das ist eine ganz andere Frage, bei welcher ich immer noch überlege, wie meine persönliche Antwort ausfällt.</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-2 is-cropped"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-1200x795.jpg" alt="" data-id="7389" data-full-url="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11.jpg" data-link="https://www.weltseher.de/nordkorea-11/" class="wp-image-7389" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-1200x795.jpg 1200w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-600x398.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-768x509.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-1536x1018.jpg 1536w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-150x99.jpg 150w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-1320x875.jpg 1320w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-1250x828.jpg 1250w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11-400x265.jpg 400w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-11.jpg 2000w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-1200x794.jpg" alt="" data-id="7388" data-full-url="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1.jpg" data-link="https://www.weltseher.de/nordkorea-12-2/" class="wp-image-7388" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-1200x794.jpg 1200w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-600x397.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-768x508.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-1536x1017.jpg 1536w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-150x99.jpg 150w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-1320x874.jpg 1320w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-1250x828.jpg 1250w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1-400x265.jpg 400w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/06/Nordkorea-12-1.jpg 2000w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure></li></ul><figcaption class="blocks-gallery-caption">„The Glorious Country“ – die Choreografie der Massen anlässlich des 70. Geburtstags der Diktatur.</figcaption></figure>



<h2>Der Reisende wird gespiegelt</h2>



<p>So oder so: Nordkorea hält uns Westlern den Spiegel vor. Das Land am Ende der Welt ist schlicht und einfach das ganze Gegenteil dessen, was wir aus Deutschland von unserem Leben im Überfluss kennen. Was an Eindrücken dominiert, fühlt sich absurd und auch befremdlich an. Aber ebenso bleibt eine unglaubliche, seltene Form der Schönheit jenseits der Uniformierung und Kollektivierung zurück.</p>



<p>Was nimmt man mit, zurück in die westliche Welt? Mein Ziel, das wahre Wesen der Menschen in Nordkorea zu erkunden, ist gescheitert. Die Sprachbarriere, das Kontaktverbot und die ständige Beobachtung durch die Reise-Aufpasser haben es unmöglich gemacht – allein durch Lächeln, Nicken und Winken lassen sich keine Lebenswelten austauschen. Ich sah gewissenhafte aber müde, schüchterne aber entschlossene, freundliche aber disziplinierte Menschen. Doch das ist nur mein subjektiver Eindruck.</p>



<p>Der Nordkoreaner, der mir am meisten ans Herz wuchs, war ausgerechnet mein Reise-Aufpasser &#8222;Bruce Lee&#8220;, ein Diener des Propaganda-Systems. Der Abschied am Flughafen ging mir ins Mark. Es ist seltsam, doch die Reiseführer werden automatisch zu Vertrauten, weil sie unsere Sprache sprechen und die einzige Anlaufstelle für Wünsche und Informationen sind. Bei gemeinsamen Mahlzeiten und einem Glas koreanischem Eichelschnaps ergeben sich automatisch Gespräche. Zwar hatte &#8222;Bruce Lee&#8220; behauptet noch nie von den Beatles gehört zu haben, dafür kannte er sich überraschend gut mit aktuellen Entwicklungen in Deutschland aus.&nbsp; </p>



<p>Vielleicht war es nur ein Spiel, doch ich hatte das Gefühl, das sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelte. Je besser wir uns verstanden, desto freier durfte ich mich bewegen, fast wie zur Belohnung. <span class="s1">Es gab sogar Momente der Komplizenschaft, welche ich besser für mich behalte, damit ich niemanden nachhaltig in Gefahr bringe. Wer weiß, wer hier mitliest. Ich möchte glauben, dass Bruce Lee es ehrlich meinte. Die Reiseführer sind in der Regel ausgesprochen gut ausgebildete und wissbegierige Nordkoreaner und Nordkoreanerinnen, welchen normalerweise die Welt offen stehen würde. In einem anderen Land, in einem anderen Leben. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Ausländern wächst auch ihre Neugier an der Welt da draußen.</span></p>



<p>Am Ende bleibt: Die Reise hat meine persönliche Verbindung zu Nordkorea verstärkt, vielleicht wegen der eigenen deutschen Teilungs- und Wiedervereinigungsgeschichte. Ich glaube fest daran, dass eine Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas möglich ist. <span style="font-size: inherit;">Behutsam und sensibel müsste es dann allerdings vonstattengehen. So fragil scheinen die Seelen der Menschen durch ihr Unwissen, ihre Unschuld. Ein Moment bleibt mir in besonderer Erinnerung: Ich lief allein auf weiter Flur über ein paradiesisches Sandstück an der Ostküste Nordkoreas, die Sonne schien wie auf einer Urlaubspostkarte und ich blickte über das Japanische Meer, quasi in Richtung Freiheit. </span></p>


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                                Das Japanische Meer – die Ostküste Nordkoreas bei Wonsan
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<p><span style="font-size: inherit;">Zwei Tage später steige ich ganz selbstverständlich und privilegiert in den Flieger nach Peking. Keinen der Menschen, denen ich in Nordkorea begegnet bin, werde ich wahrscheinlich je wiedersehen.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wo die Zeit still steht</title>
		<link>https://www.weltseher.de/wo-die-zeit-still-steht/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/wo-die-zeit-still-steht/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2018 11:38:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Algerien]]></category>
		<category><![CDATA[Algier]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Oliver Rühle]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man ein Lineal auf eine Mittelmeerkarte legt, kann man fast eine Senkrechte im rechten Winkel von Barcelona nach Algier ziehen, der Hauptstadt Algeriens – des größten Landes Afrikas. Unser Autor hat sich auf die gegenüberliegende Seite begeben und ein unbeweglich wirkendes, starres Land vorgefunden, dessen ambitionierte Jugend die letzte Rettung sein könnte.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/wo-die-zeit-still-steht/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Wenn man ein Lineal auf eine Mittelmeerkarte legt, kann man fast eine Senkrechte im rechten Winkel von Barcelona nach Algier ziehen, der Hauptstadt Algeriens – des größten Landes Afrikas. Unser Autor hat sich auf die gegenüberliegende Seite begeben und ein unbeweglich wirkendes, starres Land vorgefunden, dessen ambitionierte Jugend die letzte Rettung sein könnte.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Flugroute zieht gefühlt eine Gerade im rechten Winkel über die auf dem Bordmonitor angezeigte Landkarte. Zwischen Startpunkt und Landedestination klafft ein großer blauer Fleck, wie ein leeres Zentrum – das Mittelmeer. Die Maschine auf dem Weg zur anderen Seite, ans gegenüberliegende Ufer der katalanischen Metropole Barcelona, ist nur eine Stunde in der Luft und fast leer.</p>
<p style="text-align: left;">Nach der wie mit dem Lineal gezogenen Linie durch die Luft, dreht die Boeing 737 nach Westen ab und unter dem linken Flügel breitet sich die nordafrikanische Küste aus: Unerschlossene Strände, halbmondartige Buchten, Steilküstenabschnitte, Schilfinseln zwischen Feldern, Gewächshäusern, vereinzelt Rauch, dann wieder Feld an Feld, unverputzte Häuser, Betonruinen, Hütten, Minarette, erstaunlich viel grüne Farbe. Die Piloten sehen wahrscheinlich schon die weite Bucht von Algier, der Hauptstadt Algeriens, vor sich ausgebreitet. Die Landschaft erscheint mit jeder Sekunde detaillierter und mit jedem Meter Sinkflug wird mir die baldige Ankunft in Afrikas größtem Land bewusster.</p>
<p style="text-align: justify;"><iframe style="border: 0;" src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m14!1m12!1m3!1d2876704.6747811274!2d1.2317093876101932!3d38.99277412513215!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!5e1!3m2!1sde!2ses!4v1517151258154" width="100%" height="450" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<h2 style="text-align: justify;">Ich war voller Stereotype</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenige Minuten später knallt der Stempel in den Pass. &#8222;Passen Sie auf sich auf&#8220;, hatte der Mitarbeiter der algerischen Botschaft in Berlin-Pankow nach der Visa-Vergabe noch gemahnt. Es klang nach einer Mischung aus Drohung und einem Bruchteil Fürsorge. Algerien zeigt sich skeptisch gegenüber jeder Form von Besuch. Nun verschwinden die Schiebetüren rechts und links in der Wand und die Empfangshalle des Flughafens von Algier eröffnet sich.</p>
<p style="text-align: justify;">Insaf steht unübersehbar links vor einer Säule. Sie ist zierlich, trägt offenes, lockiges Haar, das Größte an ihr ist das Lächeln, welches Sie uns unmittelbar entgegenwirft. Insaf winkt mich und meinen Reisegefährten sofort zu sich. Die Begrüßung ist südländisch, französisch, Küsschen rechts, links. Salut und Salam gleichermaßen. Während im Gebäude selbst fast Stille und vor allem kaum Betriebsamkeit herrscht, geschieht draußen davor das ganze Gegenteil und eine enorme Lebendigkeit umzingelt mich sofort, überwältigt mich gewissermaßen. Unmengen von Autos und kleinen Lieferwagen scheinen alle zur gleichen Zeit gestartet zu sein und wollen sich alle durch dasselbe Ausfahrtstor pressen.</p>
<p style="text-align: justify;">Abgase, Zigarettenrauch, eingedellte Taxis sind erste dominante Eindrücke. Insaf hupt energisch, schimpft vergnügt und schiebt sich kompromisslos und vor allem selbstbewusst mit ihrem kleinen Wagen Reifenlänge um Reifenlänge zum Ausgang vor. Ich sitze amüsiert und angenehm verwundert auf dem Beifahrersitz. Die Medizinstudentin Insaf wirkt beachtlich emanzipiert und freiheitlich, vor allem für ihr junges Alter von 23 Jahren. Beachtlich, weil ich andere Stereotype im Kopf hatte, für die ich mich eigentlich schämen muss: Kopftuch, tradiertes Auftreten, eine gewisse Rückständigkeit. Gegenteile zur westlich geprägten Moderne und weitere Vorurteile.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Insaf statt ISIS</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich habe Insaf über Couchsurfing kennengelernt. Ich war auf der Suche nach Einheimischen vor Ort, die uns treffen, mit Empfehlungen helfen und vor allem mit uns offen sprechen würden. Ich wollte ein paar Dinge in Erfahrung bringen, denn ich weiß nicht viel über das abgeschottete, riesengroße Land, welches unter Europäern nicht unbedingt als Tourismusmagnet gilt und in Deutschland jüngst ausschließlich in den Debatten um sogenannte sichere Herkunftsländer eine Erwähnung findet. Oder aber wenn es um ISIS- oder al-Qaida-Ableger in den südlichen Grenzgebieten zu Libyen, Niger und Mali geht, sprich islamistischen Terrorismus. Insaf war die Erste, die mir auf der Couchsurfing-Seite geantwortet hatte. Und seitdem um unser Wohl besorgt war – bis zum Schluss.</p>
<p>    <div id="aesop-quote-component-7015-1"          class="aesop-component aesop-quote-component    aesop-component-align-center  aesop-quote-type-block   quote-left-right " style="background-color:#fffffe;color:#e26299;height:auto;width:100%;">

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                <span>Meine Mutter weiß es, meine Schwester weiß es. Nur mein Vater nicht.</span>
                <cite class="aesop-quote-component-cite">Insaf, 23 Jahre, über ihre Entscheidung kein Kopftuch mehr zu tragen</cite>            </blockquote>

            
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<p style="text-align: justify;">Stichwort „Sicheres Herkunftsland“: Kaum ein großer Verkehrsknotenpunkt ohne Polizeikontrolle auf dem Weg in die algerische Hauptstadt. Auch mitten auf den Autobahnen sind Checkpoints des Militärs. Auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum von Algier müssen wir gleich an zwei Sperren anhalten. Ein offenbar gängiges Prozedere, welches alle Beteiligten nüchtern und routiniert über sich ergehen lassen. Die schick Uniformierten stehen bei den Kontrollen entweder auf dem Mittelstreifen oder an der Straßenkreuzung, winken durch oder halten an. Bei Dunkelheit schaltet man besser das Licht im Innenraum des Wagens an und löscht die Scheinwerfer. So können die teilweise mit Maschinenpistolen bewaffneten Männer besser erkennen, wer im Auto sitzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir müssen für die Militärs ein sonderbares Bild bieten: Die zarte Insaf mit zwei großgewachsenen, westlich aussehenden Männern in ihrem kleinen Auto. Doch nie werden die Uniformierten unhöflich oder harsch. Im Gegenteil: Die Polizisten und Soldaten gehen wie Gentlemen mit uns um, vor allem mit Insaf. Dabei repräsentiert sie eine Fraulichkeit, die in dem sehr religiösen, islamischen Staat selten zu sehen ist. Vielleicht nur in den Großstädten, wie hier in Algier. Das Kopftuch abzulegen, ist eine grundsätzliche Entscheidung, die einem Beben gleichkommt. Dem Ende eines bisherigen Lebens. Insaf hat sich im letzten Jahr dazu entschieden. Eine bewusste Entscheidung, die Sie keineswegs bereut.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Meine Mutter weiß es, meine Schwester weiß es. Nur mein Vater nicht. Wenn ich nach Hause zu meinen Eltern fahre, lege ich es wieder an. Es würde ihn zu sehr verletzen. Irgendwann werde ich es ihm verraten&#8220;, erklärt Insaf. Sie ist besorgt über den Zustand der Religion: „Ich glaube das Religionen allgemein die Menschen spirituell führen sollen, doch leider wird der Glauben als Werkzeug missbraucht, die Menschen zu dominieren.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">Mondäne Melancholie</h2>
<p style="text-align: justify;">Algier, die weiße Millionen-Stadt am Meer, erstreckt sich die weite urbane Bucht entlang und die Hänge hinauf. Im ehrwürdigen Herzen, der Kasbah, verlieren sich die endlosen Gassen im Gewirr der ineinander geschachtelten Bauten aus überwiegend osmanischer Zeit. Eine bitterarme Gegend, in der es nach Kardamom, Couscous und Kohle riecht, nach Pisse stinkt. Kinder spielen neben in sich zusammensackenden Gebäuden Fußball, dürre Katzen folgen auf Schritt und Tritt. Müllberge häufen sich zu immensen Halden inmitten dieses altstädtischen Wohngebiets aus dem 16. Jahrhundert, eines von sieben UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten in Algerien.</p>
<p style="text-align: justify;">Dagegen breit angelegte Boulevards nach europäischem Vorbild, so wollte die Besatzungsmacht Frankreich einen besseren Überblick, größere Kontrolle über die Algerier erzielen, Meerpromenaden mit weißen, ehrlicherweise verblassenden, bröckelnden französischen Kolonialfassaden unterhalb der Kasbah. Weltstädtische, elegante Bürgerhäuser, gebaut für die einst vielen Franzosen der ehemaligen Kolonialmacht der Maghreb-Staaten Marokko, Algerien und Tunesien. Algiers Äußeres erinnert an sein südfranzösisches Hafengegenüber Marseille. Doch die Anmut Algiers ist eine andere. Mondän charmant auf der einen, orientalisch bescheiden auf der anderen Seite. Und mittendrin Melancholie.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwar scheint die Zeit hier ein Stückweit stehen geblieben zu sein, doch gealtert wurde trotzdem. Der 80-jährige algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika passt dazu ins Bild. Er gilt seit Längerem als gesundheitlich stark angeschlagen. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 trat er kaum mehr öffentlich auf und verließ nur noch selten seine Residenz, in der er gelegentlich ausländische Staatsgäste empfängt. Meistens sitzt er im Rollstuhl. Bouteflika steht seit 1999 an der Spitze Algeriens – bald 20 Jahre. Seit dem Ende des Bürgerkriegs der 1990er-Jahre, als der Staat gegen die Islamisten kämpfte und es bis zu 150.000 Tote gab, galt das System Bouteflika als Garant für Stabilität. Seine Partei gewann auch jüngst wieder die Parlamentswahlen. Zwar mit deutlichen Verlusten, aber an den Machtverhältnissen wird sich zwangsläufig nichts ändern. Insaf möchte über ihren Präsidenten nichts Schlechtes sagen. Algerien habe Bouteflika viel zu verdanken, er habe dem Land Frieden gebracht. Und doch wirkt das riesige Land heute unbeweglich, steckt fest, ohnmächtig vor den gewaltigen Herausforderungen.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-10.jpg" data-caption="Insaf studiert Medizin und spricht gut Deutsch. Sie hofft, ihr Studium in Heidelberg beenden zu können und möchte 
danach gern eine Zeit ehrenamtlich arbeiten – zum Beispiel in den Palästinensergebieten." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-21.jpg" data-caption="Algier – die weiße Stadt. Vor allem die Wasserfront im Zentrum ist im französischen Kolonialstil erbaut, Prachtbauten
des sogenannten „Empire colonial“." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-25.jpg" data-caption="Insaf übersetzt ein Gespräch mit einem Anwohner." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-24.jpg" data-caption="West-Algier erzählt davon, dass die schlechte wirtschaftliche Situation dem Mittelstand stark zusetzt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-22.jpg" data-caption="Die weite Bucht von Algier mit der neuen Moschee im Osten, die wie ein gigantischer Leuchtturm in den Himmel ragt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-17.jpg" data-caption="Im ganzen Land ist die Vielzahl an Moscheen auffällig und überall entstehen weitere, hier ein Gotteshaus eines Fischerdorfs im Osten von Algier." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-7.jpg" data-caption="Viele Fassaden faulen im wahrsten Sinne vor sich hin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-13.jpg" data-caption="Souhil (links) und Zakaria (rechts), Englisch-Studenten aus Algier." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-3.jpg" data-caption="Das Zentrum von Algier mit der berühmten großen Post (links)." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-11.jpg" data-caption="Fußball ist enorm wichtig für Algerier, überall findet man einen Platz, wo gekickt werden kann. Ein Idol ist der Franzose Zinédine Zidane, früherer Weltfußballer und Sohn algerischer Einwanderer." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-5-1.jpg" data-caption="Kinder spielen mit einem kaputten Ball in der Kasbah, der Altstadt von Algier." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-9.jpg" data-caption="Die Menschen leben in der Hauptstadt teilweise in Häusern, die von einer prachtvollen, längst vergangenen Zeit erzählen…" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-12.jpg" data-caption="Med: „Nach mehr als zehn Jahren des Terrors ist Algerien jetzt auch ein sicheres Land. Wir Algerier sind zwar verhältnismäßig
arm, doch sehr sehr freundlich.“" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-15.jpg" data-caption="Außerhalb der Stadt dominiert die Landwirtschaft." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2018/03/Algerien-14.jpg" data-caption="Blick in den frühen Morgenstunden auf den Hafen von Algier." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Marc Oliver Rühle</p></div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Bevölkerung leidet vor allem unter enormer Arbeitslosigkeit, sowie Wohnungsnot, unzureichender Gesundheitsversorgung und steigenden Preisen. Zulange hat sich Algerien auf seine Ölexporte versteift, keine Innovationen angestoßen. Jetzt droht der Staatsbankrott. &#8222;Dabei gehört uns, der Jugend, das Land&#8220;, sagt Insaf. Etwa die Hälfte der rund 40 Millionen Einwohner Algeriens ist unter 30 Jahre alt. Ein Drittel der jungen Algerier hat keinen Job, keine Aufgabe – und ist somit leichte Beute für die Islamisten im Land. Andere wollen ihr Glück im europäischen Ausland versuchen. So auch Insaf.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn es um die algerische Zukunft geht, werden Vergleiche zu Libyen gezogen. Was wird nach Bouteflikas Tod mit Algerien geschehen? Der Zusammenbruch in Einzelteile? So lesen sich die Zeitungsartikel über Algerien, die infolge der sogenannten Flüchtlingskrise seit 2015 in Deutschland publiziert wurden. Die Menschen, die wir treffen, widersprechen dem.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Am liebsten nach Deutschland</h2>
<p style="text-align: justify;">Insaf liebt Algerien wie ihre eigenen Eltern. Sie sagt: „Man sucht sie sich nicht aus, aber lernt von ihren Werten. Und dafür bin ich meinem Land dankbar. Ich fühle mich hier auch sicher, kann nachts alleine nach Hause fahren und fürchte mich nicht. Und das auch, obwohl es ungewöhnlich für eine Frau in Algerien ist, allein zu wohnen, so wie ich. Da aber alle Nachbarn alles beobachten, behaupte ich, ich würde mit meiner Schwester wohnen – die ist oft genug zu Besuch, so dass es den Anschein hat.&#8220; Und dennoch will sie Algerien spätestens in zwei Jahren  verlassen, am liebsten nach Deutschland, um dort Ärztin zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Algerien ist das flächenmäßig größte Land Afrikas (6,5 Mal die Fläche Deutschlands) – es ist fast unmöglich, sich in kurzer Zeit ein umfassendes Bild der Zustände des Maghreb-Staates zu verschaffen. Das lerne ich schon am ersten Tag nach unserer Ankunft. Ich sitze in einem Café am Nationaltheater von Algier. Hier sind ausschließlich Männer, lesen Zeitung, trinken Cola oder Tee. Ich habe mich mit einigen Kontakten von Couchsurfing verabredet, einer ist Souhil. Der 22 Jahre alte Englisch-Student ist voller Stolz auf sein Land. &#8222;Schreib&#8216; nicht&#8220;, sagt er, &#8222;du wärst in Algerien gewesen. Um das behaupten zu können, musst Du den Norden kennen, den Osten und Westen gesehen haben, die Berge und Wüsten bereisen. Überall verschiedene Mentalitäten, unterschiedliche Menschen, völlig andere Gegebenheiten – andere Probleme. Klar, wollen wir alle mal hier raus, aber nicht um jeden Preis. Das hier ist unser Land und hier gehören wir hin.&#8220; Schließlich sei das Leben in Algerien auch immer weiter gegangen und einen weiteren Krieg werde es nicht mehr geben, dafür sei das System zu stark, meint Souhil.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist mir nicht möglich, die Interviewpartner, welche sich mit mir in jenem Café verabredet haben, auf die gemeinsamen Getränke einzuladen. Sie versperren mir den Weg zur Bar, als ich den Anschein mache, die Rechnung zu begleichen. Die berühmte arabische Gastfreundschaft ist omnipräsent. Auf der Straße werden Selfies verlangt und am allersten Tag war es für Insaf alternativlos, mich zu allem und jedem einzuladen.</p>
<p style="text-align: justify;">An einem Nachmittag treffe ich den 67-jährigen Mohammed, der aber lieber Med genannt werden möchte. Wenn er sich nicht im Internet in Foren und auf Blogs politisch oder gesellschaftskritisch äußert, kümmert er sich um Straßenhunde. In einem Land, in dem Hunde als haram (verboten) gelten, ist das keine leichte Aufgabe.<br />
Aus Lautsprechern einer Moschee tönt das Gebet des Muezzin über die Uferpromenade Algiers. Med sagt, dass er mit dem Islam und Religion überhaupt nichts anfangen könne. &#8222;Religion ruft in mir nur schlechte Gedanken hervor. Religion trennt die Menschen voneinander&#8220;, findet er. Trotzdem würde er dem streng islamischen Algerien nie den Rücken kehren. „Algerien ist mein &#8218;home sweet home&#8216; und auch wenn ich beispielsweise in Frankreich gelebt habe, würde ich immer wieder hierher zurückkehren.&#8220;</p>
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                <span>Das System wird weitermachen wie bisher.</span>
                <cite class="aesop-quote-component-cite">Med (67), über die Zukunft Algeriens</cite>            </blockquote>

            
            </div>
            </p>
<p style="text-align: justify;">Wir laufen durch seinen Stadtteil. Die Möwen schreien, über uns die weißgrauen Fassaden mit den blauen Fensterläden, französische Balkone, schmale Austritte, Palmen säumen den Platz. „Nach mehr als zehn Jahren des Terrors ist Algerien jetzt auch ein sicheres Land. Wir Algerier sind zwar verhältnismäßig arm, doch sehr sehr freundlich.“ Was passiert, wenn Präsident Bouteflika stirbt? „Überhaupt nichts. Das System wird weitermachen wie bisher“.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Stille in der Stadt</h2>
<p style="text-align: justify;">So viel Geld muss sein, trotz Finanzkrise und Inflation – ein 1,4 Milliarden Euro teures Prestige-Objekt soll die Bouteflika-Ära in Stein meißeln: In Algier entsteht seit 2011 die größte Moschee Afrikas und nach Mekka und Medina das drittgrößte muslimische Gotteshaus der Welt. Nach einem Entwurf des Frankfurter Architekturbüros &#8222;KSP Jürgen Engel Architekten&#8220;. Übrigens nicht der einzige ausländische Bestandteil des gigantischen Monuments. Denn was als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht war, um die algerische Arbeitslosenquote zu drosseln, hat sich als Täuschung entpuppt. Deutsche Architekten, deutsche Statiker, italienischer und türkischer Kalkstein und vor allem ausschließlich chinesische Bauerbeiter, kaum ein Algerier legt hier Hand an.</p>
<p style="text-align: justify;">Das 265 Meter hohe, höchste Minarett der Welt sticht wie ein gigantischer Leuchtturm des Islam aus der Bucht von Algier heraus. Für diesen Giganten wurden zahlreiche Bewohner evakuiert, die den Baumaßnahmen weichen mussten. Nicht nur deshalb ist die Baustelle bei den Menschen Algiers eher unbeliebt und wird stark kritisiert, statt deren Fertigstellung ersehnt. Abgesehen davon hat Algerien bereits fast 15.000 Moscheen. Wir sehen das moderne Beton-Minarett vom Balkon unserer zentralen Unterkunft aus in den Himmel ragen. Es ist, als bewache das unfertige Gotteshaus den weiten algerischen Küstenstreifen und das Meer vor Eindringlingen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Europa oder Afrika?</h2>
<p style="text-align: justify;">Unter uns Algier eine Stunde nach dem fünften Tagesgebet: Wie ausgestorben, alle Läden geschlossen, kaum ein Auto auf den Straßen, kaum ein Mensch zu sehen. Stille, Trauermoment, Angst, Friedlichkeit, eine seltsame Mischung. Noch nie habe ich eine Metropole derart außer Betrieb erlebt. Fast unvorstellbar, dass vor unserer Haustür in den frühen Morgenstunden wieder der absolute Trubel immense Lautstärken erzeugt. Dattelverkäufer, Teemacher, Motorroller.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin zurück bei Insaf. Sie fährt mich durch die Nacht von Algier, mit der Selbstverständlichkeit eines ausgebufften Taxifahrers, der vor dem Einsteigen seiner Fahrgäste weiß, wohin sie wollen. Die Stadt ist schwach und gelblich beleuchtet, wie ein großer Parkplatz oder ein Kasernenhof. Oben vom militaristischen Freiheitsdenkmal aus sehen wir die große Stille von Algier ausgebreitet vor uns liegen. Ein dunkles Panorama, sonderbar für eine Hauptstadt. Einige Jungs stehen um eine Bank versammelt und rauchen. Nur der Alkohol fehlt und wir wären in einem osteuropäischen Klischeebild. Wo das Meer sein sollte, scheint ein großer schwarzer Vorhang auf der Stadt aufzuliegen und hinter diesem Vorhang, auf der gegenüberliegenden Seite, nur einen geraden Strich entfernt – Europa. So nah, dass ich begreife, dass das hier nicht Afrika ist.</p>
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