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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Marko Mestrovic &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Schlüpf in die Ledersandalen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jan 2015 23:47:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandra Stanic]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Marko Mestrovic]]></category>
		<category><![CDATA[serbische Folklore]]></category>
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					<description><![CDATA[Das hier sind die Füße der Europameister in serbischer Folklore. Sie gehören dem Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien, der sich bei der Europameisterschaft in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, gegen 60 Konkurrenten durchgesetzt hat. Unsere Autoren haben die Tänzer begleitet und berichten, warum der Volksbrauch so wichtig für die serbische Gemeinschaft ist. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/schluepf-die-ledersandalen/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Das hier sind die Füße der Europameister in serbischer Folklore. Sie gehören dem Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien, der sich bei der Europameisterschaft in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, gegen 60 Konkurrenten durchgesetzt hat. Unsere Autoren haben die Tänzer begleitet und berichten, warum der Volksbrauch so wichtig für die serbische Gemeinschaft ist.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ein Mädchen in einer gold verzierten Tracht und mit buntem Haarschmuck aus Silberketten und Federn zieht sich gestrickte Socken über die Knie. Sie bindet lederne Sandalen um ihre Knöchel, streicht ihr Kostüm glatt. Ihr Name ist Suzana Todic, sie ist 19 Jahre alt und Folklore-Tänzerin bei dem serbischen Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien.</p>
<p style="text-align: justify;">Um sie herum herrscht reges Treiben. In der einen Ecke der Garderobe stehen ein paar Jungs, schlüpfen in weiße, mit Blumen bestickte Hemden und helfen sich gegenseitig beim Festmachen des Bauchgürtels. Sie atmen tief ein und halten die Luft an, der Gürtel muss hauteng sitzen. Auf der anderen Seite probt eine Gruppe von stark geschminkten und in Trachten gekleidete Mädchen ein altes serbisches Volkslied.</p>
<p style="text-align: justify;">Suzana richtet sich auf, blickt strahlend in ihr Spiegelbild und erneuert ihren pinken Lippenstift. Bis sie so aussieht, wie es für den Auftritt gedacht ist, braucht sie mindestens eine Stunde. „Das Anziehen und Schminken geht eigentlich schnell, die Frisur kostet am meisten Zeit“, so die 19-Jährige. Obwohl der Gesang im Hintergrund eine beruhigende Wirkung hat, ist die Stimmung im Umkleidezimmer konzentriert und angespannt. Eine der Sängerinnen läuft nervös im Raum hin und her, übt immer wieder den Text ein. „Sie ist aufgeregt, weil sie zum ersten Mal auf der Bühne singen wird“, erklärt Suzana.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Folklore kann man sich in etwa so vorstellen: Eine Gruppe von traditionell gekleideten Mädchen und Jungen performt eine Show, die alte Bräuche widerspiegelt. Manchmal geht es um Hochzeiten, Festlichkeiten oder um ein Neugeborenes. Das Ganze ist kombiniert mit altertümlichem Gesang, Gedichten und einem Volkstanz, der je nach Region eine andere Schrittfolge hat.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Auch das Aussehen der Trachten ist abhängig von der Gegend. Folklore ist auf dem ganzen Balkan verbreitet und beinhaltet die Tradition verschiedener ethnischer Gemeinschaften. In Wien hat sich eine eigene Subkultur entwickelt. In der gesamten ex-jugoslawischen Community ist Folklore ein Bestandteil für die Aufrechterhaltung alter Werte, doch vor allem in der serbischen Szene ist der Volksbrauch wichtig. So gibt es fünf große serbische Vereine in Wien: Stevan Mokranjac, Karadjordje, Branko Radicevic, Bambi und Jedinstvo.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>„Kein simples Herumgeh</b><b>üpfe</b><b>“</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Suzana selbst tanzt seit zwei Jahren bei &#8222;KUD Stevan Mokranjac&#8220; im zehnten Wiener Gemeindebezirk. Der Klub bereitet sich für einen Auftritt beim serbischen Fernsehsender &#8222;RTS&#8220; vor. Mehrere Wiener Vereine sind anwesend, aber als Gewinner der diesjährigen Europameisterschaft in serbischer Folklore muss sich der Klub Stevan Mokranjac von seiner besten Seite zeigen. Im Herbst haben sie sich gegen insgesamt 60 Teilnehmer bei der EM in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, bewiesen und sind nun zum zweiten Mal infolge Sieger.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Mit 99 Punkten von 100 möglichen erreichten sie die höchste Punkte-Vergabe in der Geschichte. Auf die Frage, wie sie das geschafft haben, antwortet der Choreograph des Vereins, Milorad Runjo, folgendes: &#8222;Ich verlange viel Disziplin, es gibt nur fünf Minuten Pause in dem zweistündigen Intensivtraining.&#8220; Das Training findet drei Mal die Woche statt, nur wer regelmäßig trainiert, darf auch mittanzen. Suzana erzählt, dass die Proben knallhart sein, die Tänzer müssten vollen Körpereinsatz zeigen. „Das ist kein simples Herumgehüpfe, nach zwei Stunden ist jeder von uns völlig erschöpft.“</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-serbische-folklore-wien-1" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="160000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_tanzen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_sandalen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_mehrtanzen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_lippenstift-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_kostuem-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_guertel-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gruppe-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gesicht-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_anziehen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_singen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-serbische-folklore-wien-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_tanzen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_sandalen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_mehrtanzen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_lippenstift-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_kostuem-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_guertel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gruppe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gesicht-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_anziehen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_singen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>&#8222;Folklore ist ein Teil von mir&#8220;</b><b></b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Der 36-jährige Choreograph Milorad hat als Kleinkind mit Folklore begonnen und leitete mit 14 seine erste Gruppe. &#8222;Bist du einmal in den Sandalen, bleibst du ein Leben lang in ihnen&#8220;, sagt er lachend. Suzana besucht sein Training regelmäßig. Seit sie mit 12 Jahren mit Folklore angefangen hat, kann sie sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Die Tänzer touren oft durch ganz Europa, besuchen andere serbische Folklore-Vereine und tanzen bei verschiedenen Veranstaltungen. Die Reisen finanzieren sich die Tänzer selbst. &#8222;Ich identifiziere mich als Folklore-Tänzerin&#8220;, erklärt die junge Serbin. &#8222;Folklore ist einfach ein Teil von mir.&#8220; Der Großteil ihres Freundeskreises tanzt, die Mitglieder und der Verein sind eng miteinander verbunden.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Einer von Suzanas Tanzpartnern, Ivan Ban, kann ihr nur zustimmen. Seit vier Jahren tanzt der Schüler bei dem Verein Stevan Mokranjac. &#8222;Tanzen ist alles für mich, es ist wie eine Sucht&#8220;, beschreibt der 18-Jährige seine Folklore-Liebe. Während er redet, schlüpft er in eine bestickte Weste, zieht seine Strümpfe weiter hoch. &#8222;Mein Leben dreht sich um Folklore, alles andere ist nebensächlich&#8220;, sagt Ivan. Vielen anderen in seinem Alter scheint es genauso zu gehen. Allein in dem Klub Stevan Mokranjac tanzen über 200 Personen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Vor allem Kinder und junge Erwachsene haben Gefallen an der Tradition gefunden. &#8222;Sehr viele Eltern schicken ihre Sprösslinge zum Folklore, weil es ein sicherer Ort ist und so die serbische Tradition erhalten bleibt&#8220;, meint Sasa Bozinovic, stellvertretender Obmann des Vereins. Insgesamt gibt es fünf Gruppen, angefangen von den ganz Kleinen bis hin zu der Hauptgruppe. In der Hauptgruppe ist die Jüngste 15, der Älteste 25. Es gibt aber keine fixe Gruppe, die immer auftritt. Es kommt ganz darauf an, wer am besten tanzt, immer bei den Proben ist und wie viele Personen auf die Bühne sollen.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>Tracht, Schritt, Musik</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Der 45-jährige Stellvertreter erzählt weiter, dass der Gesamtwert der Trachten im fünfstelligen Bereich liegt. Es handelt sich um handgefertigte Einzelstücke, die am Balkan hergestellt wurden und bis zu 150 Jahre alt sind. Anhand der Kleidung erkennt jeder Folklore-Kenner, woher die vorgeführten Stücke stammen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Zwei weitere Kriterien sind die Schrittwahl und die Musik. So sieht man anhand dieser drei Dinge, aus welcher Region des Balkans der Tanz gewählt wurde oder ob es sich um kroatische, bosnische oder mazedonische Vereine handelt. Suzana bestätigt diese Aussage. &#8222;Wenn ich die Melodie eines Tanzes höre, weiß ich, was für eine Schrittfolge gewählt wird&#8220;, ist sie sich sicher.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Bei dem Auftritt für das serbische Fernsehen hat sich KUD Stevan Mokranjac für einen vlachischen Tanz entschieden, der aus der Region der serbisch-rumänischen Grenze stammt. Es bleiben noch 20 Minuten, bevor die Show beginnt. Die Mimik des Choreographen wird streng, er befiehlt der Sängerinnen-Gruppe ein letzte Probe. Nebenbei weist er ein paar Jungs zurecht, deren Kappen schief sitzen. Er zieht die Schürze eines Mädchens enger, richtet ihren Haarschmuck. Alle müssen perfekt aussehen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Er unterbricht die Sängerinnen, eine von ihnen kann den Text nicht ganz auswendig. Sie müssen von vorne anfangen. Danach ruft er: &#8222;Jungs und Mädchen, ich will euch nebeneinander stehen sehen!&#8220; Die Tanzpaare platzieren sich in der kleinen Garderobe, halten sich an den Händen. Die Mädchen strahlen über beide Backen, die Jungs blicken stolz ins Nichts.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>Mehr als nur ein Hobby</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Nach stundenlangem Warten und Vorbereiten ist es soweit: Die EM-Sieger sind an der Reihe. Als die Gruppe die Bühne betritt, stimmen die Musiker des Vereins mit Trommel, Ziehharmonika und Flöte die Melodie eines vlachischen Liedes an. 20 Personen bewegen sich in gleichem Tempo, die bunt bestickten Trachten der Mädchen schwingen in der Luft. Ledersandalen berühren kurz den Boden, bevor sie wieder in die Höhe schnellen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Einer der Jungs pfeift zwischendurch, die Mädchen lachen übers ganze Gesicht. Die Melodie wird schneller, ein kurzer, hoher Schrei ertö<span lang="EN-US">nt w</span>ährend des Tanzes &#8211; alles Teil der Show. Das Publikum applaudiert, der Auftritt ist gut gelungen. Die Stimmung der Tänzer ist jetzt entspannt, sie marschieren direkt zur Garderobe, reden ausgiebig miteinander. &#8222;Ich kann es kaum erwarten, raus aus dieser Tracht zu sein&#8220;, sagt Suzana. &#8222;Sie ist zwar schön, aber nicht bequem.&#8220; Am nächsten Tag findet wieder eine Probe statt, der Verein muss sich für die nächsten Auftritte vorbereiten.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Geld verdienen die Tänzer übrigens keins, aber darum geht es den Jugendlichen auch gar nicht. &#8222;Wir tanzen nicht, weil es nur ein Hobby ist oder weil wir Geld bekommen wollen&#8220;, erklärt die 19-Jährige. „Wir tanzen Folklore, weil es eine Verbindung zu unserer Tradition ist.“</p>
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		<title>Die Haut Gottes</title>
		<link>https://www.weltseher.de/die-haut-gottes/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 01:01:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bosnien-Herzegowina]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandra Stanic]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[christlich]]></category>
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		<category><![CDATA[Kulte]]></category>
		<category><![CDATA[Marko Mestrovic]]></category>
		<category><![CDATA[Tattoo]]></category>
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					<description><![CDATA[Verblasste Tinte aus Muttermilch, Spucke und Ruß unter der Haut alter Frauen: In Bosnien-Herzegowina gibt es noch heute Reste eines alten christlichen Tattookults, der noch aus der Zeit der osmanischen Besatzung stammt.   <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-haut-gottes/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong><strong><strong><strong>Verblasste Tinte aus Muttermilch, Spucke und Ruß unter der Haut alter Frauen: </strong></strong></strong>In Bosnien-Herzegowina gibt es noch heute Reste eines alten christlichen Tattookults, der noch aus der Zeit der osmanischen Besatzung stammt. <strong>  </strong></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nicol Lovrić zupft an ihrem Pullover, streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. In ihrer Hand hält sie ein altes, vergilbtes Foto. „Das sind meine Oma und ich“, sagt sie mit traurigem Lächeln. „Sie ist gestorben, als ich sechs war.“ Nicols Vater erzählt der 23-Jährigen immer wie ähnlich sie ihrer toten Großmutter ist. Genauso aufbrausend und stur. Sie hat das gleiche Grübchen wenn sie lacht und dieselben strahlenden Augen. Auf dem Foto erkennt man ein Tattoo auf der Hand ihrer verstorbenen Großmutter. „Ich will es mir unbedingt nachstechen lassen“, erklärt die Sonderschullehrerin. „Es ist nicht nur ein Symbol für meine Oma, sondern auch ein Zeichen der Zugehörigkeit und die Erhaltung einer Tradition.“</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Spiritueller Schutz vor Osmanen</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Die genaue Zahl an traditionell tätowierten, katholischen Frauen auf dem Balkan ist nicht bekannt. Tea Mihajlović begann 2008 mit der Recherche über den über 500 Jahre alten Brauch. Sie machte sich die Nachforschung des alten Katholikenkults zum Hobby, weil sie die Tradition ihrer Vorfahren fasziniert. Die 29-Jährige hat mit etwa 200 traditionell tätowierten Frauen gesprochen. „Es ist mehr als nur Dekoration, es dient zur Identitätserkennung“, erklärt die junge Mutter.</p>
<p style="text-align: justify;">Katholische Gemeinden in Bosnien und Herzegowina litten während der osmanischen Herrschaft. Viele der Katholiken konvertierten zum Islam, Kinder wurden entführt und Mädchen zwangsverheiratet. Junge Frauen tätowierten sich gegenseitig Kreuze und andere historische Zeichen auf Hände, Brust, Rücken und Stirn. So kennzeichneten sie sich für den Fall einer Entführung und verwendeten die Kreuze und Ornamente als spirituellen Schutz vor Osmanen.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Verbindung zur Religion<br />
</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Ganze Gruppen von Mädchen im Alter zwischen drei und sechs wurden meist am 19. März, dem Tag des heiligen Josip, oder am 25. März, „blagovijest“, der „Maria Verkündung“ tätowiert. Beide Termine sind wichtige katholische Feiertage in der Karwoche. Ruža Jonjić war bei ihrer ersten Tätowierung am 19. März 1949 sechs Jahre alt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die heute 70-Jährige Ruža ist in Kupres geboren und aufgewachsen. Hier hat sie geheiratet, Kinder bekommen und ihren Mann verloren. Jeden Sonntag besucht sie die gleiche Kirche, seit über 60 Jahren. Ruža blickt auf ihren Handrücken. Sie empfindet ihre Tätowierung als Verbindung zu ihrer Religion. „Ich bin sehr stolz auf meine Tattoos“, erklärt sie. Sie greift nach dem Anhänger an ihrer goldenen Halskette, es ist ein Kreuz. „Als Katholikin gehören sie zu mir.“ Ihre Stimme wird bestimmter. „Es wäre eine Schande, würde ich mich dafür schämen oder sie gar verstecken.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Tattoos sind verzierte Kreuze oder Ornamente. Die genaue Bedeutung kennen selbst die tätowierten Frauen nicht mehr genau. Es war ein Brauch, der über die Jahrhunderte eingehalten wurde. Die beliebtesten Stellen zum Stechen waren Unterarme, Hände und Finger. Kreuze auf Brust und Stirn waren bei älteren Generationen üblich, nur sind diese Frauen mittlerweile gestorben. Auch die Männer zierten einst die gleichen Zeichen, die sind aber ebenfalls tot.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-die-haut-gottes-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-die-haut-gottes-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-die-haut-gottes-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-die-haut-gottes-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="500000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2432-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Tattoos werden mit Ruß, Honig, Spucke und Kohle gestochen, je nach Region unterscheidet sich die Mixtur. Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2414-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Bedeutung der Ornamente und Zeichen kennen die Menschen nicht mehr. Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2360-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description"> "Hier in der Gegend hat jede Frau in meinem Alter mindestens ein Tattoo“, erzählt die 82-jährige Zora (links). Eine moderne Variante der alten Symbolik: Junge Frauen gehen der Tradition ihrer Großmütter nach (rechts). Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2300-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die 76-Jährige Milica bekam ihr erstes Tattoo mit sieben. Heute sind ihre Hände rau und ledern, die gestochenen Symbole schwer zu erkennen. Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2283-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ruža empfindet ihre Tätowierung als Verbindung zu ihrer Religion (links). Der alte Tattoo-Kult ist Teas Hobby geworden. Auch sie hat ein Symbol auf ihrem Arm verewigt. Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2484-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Tattoos sind verzierte Kreuze oder Ornamente. Die beliebtesten Stellen zum Stechen waren Unterarme, Hände und Finger. Foto © Marko Mestrović </div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-die-haut-gottes-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2432-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2414-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2360-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2300-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2283-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/MG_2484-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Ruß, Honig, Spucke und Muttermilch</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Die 82-jährige Zora Stojanović bekam wie Ruža ihr erstes Tattoo am 19. März, im Jahre 1944. „Ich war damals 13 Jahre alt“, erzählt die 20-fache Großmutter mit schelmischem Lachen.</p>
<p style="text-align: justify;">Für das Stechen der Tätowierungen wurden eine einfache Nadel und eine Mischung aus Ziegen- oder Muttermilch einer Frau, deren Erstgeborenes männlich war, verwendet. Hinzu kam entweder Ruß, Honig, Spucke oder Kohle. Je nach Region unterschied sich die Mixtur. Die meisten traditionell tätowierten Frauen leben in den bosnischen Städten Kupres, Prozor, Travnik und Jajce.</p>
<p style="text-align: justify;">Zora wohnt in einem Dorf in den Bergen der Region Rama in Herzegowina. Sie hat ein kleines Häuschen und nur einen direkten Nachbarn. Die Fahrt in die nächstgelegene Stadt Prozor dauert 20 Minuten. „Hier in der Gegend hat jede Frau in meinem Alter mindestens ein Tattoo“, sagt sie und schenkt sich eine Tasse schwarzen Kaffee ein. „Es war damals einfach eine Kennzeichnung von katholischen Mädchen.“</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Junge Mädchen wurden gehänselt<br />
</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">„Eine alte Legende besagt, dass ein katholisches Mädchen vor langer Zeit von einem Osmanen entführt wurde. Er befahl ihr, dass tätowierte Kreuz von ihrer Haut zu kratzen. Sie folgte seinem Befehl und entdeckte ein in ihren Knochen geritztes Kreuz“, beginnt Milica Simić ihre Erzählung. Die 76-Jährige richtet ihre Frisur, streift ihr schwarzes Kleid glatt. Milicas Einfamilienhaus ist groß und wirkt aufgeräumt. Im Wohnzimmer hängt ein großes Kreuz aus Holz, in der Küche ein Foto des Papstes.</p>
<p style="text-align: justify;">Milica hatte nie Probleme wegen ihrer Tattoos. Obwohl der Trend während des Kommunismus aufhörte. Frauen verloren ihre Arbeitsplätze. Junge Mädchen wurden gehänselt. „Mich haben sie nie schikaniert“, erinnert sich die Witwe. „Aber ich kannte viele Mädchen, die aufgrund der Zeichen ausgelacht wurden.“ Ein Grund warum die letzte traditionell tätowierte Frau 1984 gestochen wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Die 76-Jährige Milica bekam ihr erstes Tattoo mit sieben. Heute sind ihre Hände rau und ledern, die gestochenen Symbole schwer zu erkennen. „Damals hat man sie besser erkannt“, erzählt die praktizierende Katholikin. „Aber ich habe meine Hände eben all die Jahre genutzt, meine Haut ist verbraucht.“</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Der Großmutter huldigend</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Nicols Hände sind jung, unverbraucht und gepflegt. Bald soll die Innenseite ihres Unterarms das gleiche Symbol tragen wie das ihrer verstorbenen Großmutter. „Zwischen meiner Oma und mir gab es immer eine besondere Verbindung“, sagt Nicol und legt das Bild der beiden beiseite.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Vater der 23-Jährigen teilt die Begeisterung seiner Tochter. Mit Freunden hat sie noch nicht darüber gesprochen. „Es ist eher eine familiäre Angelegenheit.“ Nicol will die Tradition ihrer Großmutter aufrechterhalten. Sie will verhindern, dass der katholische Kult in Vergessenheit gerät. Sie wird still, wirkt gedankenverloren. „Meine Oma wäre sicher glücklich über mein Tattoo.“</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Aus alt mach neu</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Wie Nicol hatte auch Maja Brkan eine außergewöhnliche Beziehung zu ihrer Großmutter. Den Rücken der jungen Frau schmückt ein Ornament, das aussieht wie ein Traumfänger. Für Maja ist das Tattoo mehr als nur eine Kennzeichnung ihres Glaubens. „Meine Oma hatte auch eines und ich war als Kind immer so fasziniert davon“, schwelgt die 21-Jährige in Kindheitserinnerungen. „Deswegen habe ich mich auch für ein Symbol aus dieser Zeit entschieden.“</p>
<p style="text-align: justify;">Ob Anker, Federn oder Liebessprüche – Tattoos sind die Modeerscheinung des 21. Jahrhunderts. Mädchen wie Maja und Nicol nutzen die Tradition vergangener Generationen um ihre eigenen Tätowierungen einzigartig zu machen. Sie verbinden Vergangenes mit dem Trend von heute und drücken so ihre Zugehörigkeit aus. Ähnlich wie es ihre Großmütter einst taten. Maja wird im November heiraten. „Ich habe mein Hochzeitskleid extra so ausgesucht, dass mein Tattoo zu sehen ist“, erzählt die zukünftige Ehefrau.</p>
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