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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 Sep 2015 01:39:14 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Martin Bichsel &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Diorella</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2015 21:31:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Bichsel]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Transsexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Stell dir vor, dein Land leidet unter der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten und du bist eine in die Jahre gekommene, transsexuelle Prostituierte. Willkommen in Diorellas Leben. In Griechenland verteilt sie tagsüber Essen an Bedürftige und verkauft nachts ihren Körper. Doch wegen der Wirtschaftskrise geht auch dieses Geschäft schlecht.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ich-bereue-nichts/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Stell dir vor, dein Land leidet unter der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten und du bist eine in die Jahre gekommene, transsexuelle Prostituierte. Willkommen in Diorellas Leben. In Griechenland verteilt sie tagsüber Essen an Bedürftige und verkauft nachts ihren Körper. Doch wegen der Wirtschaftskrise geht auch dieses Geschäft schlecht.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Diorella hockt auf dem Boden, vor sich einen Haufen weißer Plastiktüten. Ihr blondes Haar fällt ihr über die Schultern, emsig füllt sie die einzelnen Tüten mit Lebensmitteln.</p>
<p style="text-align: left;">Jeden Mittwoch sortiert die Griechin Essensspenden, die an bedürftige Menschen aus der Transcommunity verteilt werden. Im Namen der Greek Transgender Association GTGA engagiert sich Diorella für die «am meisten gefährdete Minderheit im Land während der Krise», wie sie selbst sagt.</p>
<p style="text-align: left;">Die 88 Mitglieder der Gruppe bezahlen monatlich einen kleinen Solidaritätsbetrag, um die Miete eines Büros zu bezahlen. Aus diesem Topf kann Diorella auch mal Geld nehmen, um die Säcke in nicht ganz so guten Zeiten aufzufüllen.</p>
<p style="text-align: left;">Neben der Essensverteilung engagiert sich die Sechzigjährige wie ihre anderen Kolleginnen und Kollegen aus der Transcommunity auch auf Demonstrationen oder an Veranstaltungen für eine Verbesserung ihrer rechtlichen Situation.</p>
<p style="text-align: left;">Diorellas Arbeit für die GTGA ist ehrenamtlich. Über die Organisation, die seit 2010 in dieser Form existiert, fand ich den Kontakt zu ihr.</p>
<h2 style="text-align: left;">Grenzschließung verhindert Geschlechtsumwandlung</h2>
<p style="text-align: left;">Diorella wuchs in den Fünfzigerjahren in Athen auf. Mit ungefähr 13 Jahren, sagt sie, realisierte sie ihre weibliche Geschlechtsidentität und führte während ihrer Pubertät eine Beziehung mit einem Mann.</p>
<p style="text-align: left;">Damals organisierte sich Diorella einen Termin beim Gynäkologen Dr. Georges Bouru in Casablanca, einem Pionier der geschlechtsangleichenden Operationen und international bekannt in der Szene. Sie konnte den Termin jedoch nicht wahrnehmen, da die Militärdiktatur in Griechenland die Grenzen abriegelte.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella hatte keine andere Wahl, als sich diesem Schicksal zu fügen. Risikolos wäre sie nicht über die Grenze gekommen. Einen neuen Versuch machte sie nicht, ihre Umwandlung wurde daher nie vollzogen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich durfte Diorella bei unserem Treffen in ihre Wohnung begleiten. Sie besitzt zwei kleine Wohnungen in Athen. In der einen lebt sie, die andere nutzt sie zum Arbeiten – seit einigen Jahren muss Diorella ihren Lebensunterhalt mit Prostitution finanzieren und sagt dazu nur: «Was soll ich sonst noch arbeiten?»</p>
<p style="text-align: left;">Diese Zweitwohnung vermietet sie an andere Frauen weiter. Durch die wirtschaftliche Krise in Griechenland leidet auch die Prostitution. Ein Kunde, der vorher bis zu zwei Mal die Woche bei ihr war, komme heute nur noch alle zwei Monate.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_07.jpg" data-caption="Zu Hause liest Diorella am liebsten ein Buch oder blättert in einem Magazin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_02.jpg" data-caption="Die Frauen der Greek Transgender Association im Büro in Athen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_03.jpg" data-caption="Auf dem Gemüsemarkt in ihrer Nachbarschaft ist Diorella ein bekanntes  Gesicht." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_04.jpg" data-caption="Das Lieblingsparfüm gibt’s im Chinaladen günstiger." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_06.jpg" data-caption="Diorellas Wohnung lebt von alten Erinnerungen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_07.jpg" data-caption="Zu Hause liest Diorella am liebsten ein Buch oder blättert in einem Magazin." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Martin Bichsel</p></div>
<h2 style="text-align: left;">Ein Leben der Lust</h2>
<p style="text-align: left;">Die Wohnung, in der Diorella wohnt, ist ein Museum der Erinnerung. Überall hängen Bilder von Menschen, Porträts, die meisten schwarz-weiss. In filigranen Goldrahmen zieren Babykleider die Wände, Diorellas Schränke sind vollgehängt mit Kostümen aus ihren jüngeren Jahren.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella arbeitete jahrelang als Tänzerin und Entertainerin in diversen Clubs und Cabarets in Athen und auf den griechischen Inseln.</p>
<p style="text-align: left;">Ihr größter Wunsch war es schon als Jugendliche, eine Schauspielschule zu besuchen. Sie schwärmt für die großen Stars der Sechziger Jahre – Marlon Brando, Greta Garbo, Brigitte Bardot. Doch ihre Mutter erlaubte ihr diesen Weg nicht.</p>
<p style="text-align: left;">So erlernte Diorella den Beruf der Dekorateurin und versuchte, sich das Geld für die Schauspielschule selbst zu verdienen. In den Achtzigerjahren lernte sie in Athen eine Frau kennen, die ihr Tanz und Schauspiel näher brachte.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine selbstbewusste Frau, eine Persönlichkeit, die weiß, was sie will. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Geschichte und steht zu sich.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die Schwester erbte zwei Häuser, sie nichts</h2>
<p style="text-align: left;">Als ich die Griechin freitags auf den Markt begleite, trägt sie einen bunten Kaftan über einer orangefarbenen Hose. Ihre Einkaufstasche ist farblich darauf abgestimmt, ihre Augen sind verdeckt von einer übergroßen Sonnenbrille, ihr Haar ist frisch frisiert.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine auffällige Erscheinung, auch auf dem vollen Markt. Aber genauso freundlich wie sie selbst ist, wird sie auch bedient. Sie lacht mit den Leuten an den Marktständen und erledigt ihre Einkäufe mit Gelassenheit. Man kennt sie hier. Sie kauft immer freitags kurz vor Marktschluss ein, weil Obst und Gemüse dann weniger kosten.</p>
<p style="text-align: left;">Als ihre Mutter starb, vererbte diese zwei Häuser an Diorellas Schwester, sie selbst ging damals leer aus. &#8222;Mir wird nichts geschenkt&#8220;, sagt sie.</p>
<p style="text-align: left;">Und trotzdem sagt sie mit Bestimmtheit, dass sie eine gute Mutter gehabt habe. Auch zur Schwester hat Diorella ein gutes Verhältnis – deren Tochter lebt mit Familie in Athen, der Sohn mit sechs Kindern in Amerika.</p>
<h2 style="text-align: left;">Lebensfroh trotz Polizei-Schikanen</h2>
<p style="text-align: left;">Diorellas Nichte besucht sie regelmässig mit ihren vier Kindern, sie kennen ihre Geschichte. Auch ausserhalb ihrer Familie und der Transcommunity pflegt sie viele Freundschaften mit Leuten, die sie kennt «seit wir Babies sind».</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine positive, lebenslustige Frau. Nach der Diktatur in Griechenland gönnte sie sich einige Fernreisen, sie holte den ersehnten Schauspielunterricht nach. Es ist ihr wichtig, liebevoll und sozial gut integriert zu sein.</p>
<p style="text-align: left;">In ihren Erzählungen tauchen aber auch immer wie der Geschichten von Widrigkeiten auf, die nicht nur auf einer wirtschaftlich schwierigen Lage beruhen.</p>
<p style="text-align: left;">Beispielsweise wenn sie davon erzählt, wie sie als Prostituierte manchmal von der Polizei mit Absicht festgehalten und von Freitag bis Montag eingesperrt wurde, um ihr die lukrativen Wochenenden zu vermiesen.</p>
<p style="text-align: left;">Doch auch damit hat Diorella gelernt zu leben, so schnell haut sie nichts um. &#8222;Meine Verrücktheit hält mich am Leben&#8220;, sagt sie und lacht schallend.</p>
<hr />
<p><em>Während acht Jahren hat der Fotograf Martin Bichsel 11 Transmenschen in der Schweiz, Europa, Japan, Sibirien und Nordafrika in deren Alltag fotografiert und die Lebensgeschichten notiert. Das Ergebnis – ein Bild- und Textband – soll Zugang schaffen zu einem Thema, bei welchem zu oft weggeschaut und stigmatisiert wird:<strong> <a href="http://www.amazon.de/Trans-Visit-Lebensgeschichten-Martin-Bichsel/dp/3952411469" target="_blank">zum Buch</a></strong>.</em></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Trans-Visit-Lebensgeschichten-Martin-Bichsel/dp/3952411469" target="_blank">        <div id="aesop-image-component-4728-1"              class="aesop-component aesop-image-component "
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		<title>Trans*visit Japan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2015 05:15:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf der Suche nach den Transmenschen bereist unser Autor Martin Bichsel die Welt. Im japanischen Osaka fand er Rikuto, der sich für einen tabulosen Umgang mit dem Thema Transidentität einsetzt. Dabei hilft ihm eine besondere Eigenheit der japanischen Gesellschaft.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/transvisit-japan/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Auf der Suche nach den Transmenschen bereist unser Autor Martin Bichsel die Welt. Im japanischen Osaka fand er Rikuto, der sich für einen tabulosen Umgang mit dem Thema Transidentität einsetzt. Dabei hilft ihm eine besondere Eigenheit der japanischen Gesellschaft.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Rikuto lebt in Osaka. Vom Stadtzentrum aus dauert die Zugfahrt zu ihm nach Hause eine gute Stunde. Auch wenn man auf dem Weg Reisfelder passiert, ist man hier immer noch in Osaka, einer Stadt, die durch das Zusammenwachsen von Dörfern organisch zu einer Metropole geworden ist. Hier, in einem schmalen, dreistöckigen Einfamilienhaus, wohnt Rikuto. Er ist hier aufgewachsen, es ist sein Elternhaus – mittlerweile jedoch leider ohne Eltern. 2010 starb sein Vater an einem Herzschlag, und seit 2012 seine Mutter an Krebs starb, ist Rikuto Vollwaise.</p>
<p style="text-align: justify;">Sein einziger Bruder lebt mit seiner Frau in Tokio. Alle paar Monate sieht er die beiden, sie kennen Rikutos Lebensgeschichte, ihr Verhältnis ist sehr gut. Meinen ersten Kontakt zu Rikuto hatte ich über Facebook. Durch meine Recherchen in der japanischen Transszene stieß ich auf den Studenten. Rikuto war sofort bereit, mich an seinem Alltag teilhaben zu lassen. Seine einzige Angst waren anfänglich Sprachprobleme; so war bei unserem ersten Treffen ein Übersetzer dabei. Es stellte sich aber rasch heraus, dass Rikutos Sorge unbegründet war. Sein Englisch ist gut, wir unterhielten uns lebhaft.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Merkte es im Jugendalter</h2>
<p style="text-align: justify;">Bereits im Jugendalter spürte Rikuto, dass seine Geschlechtsidentität nicht seinem Körper entsprach. Er informierte sich im Internet und fand auf Foren viele Antworten auf seine offenen Fragen und Menschen mit ähnlichen Geschichten. Mit einigen von ihnen hat er Freundschaften entwickelt und trifft sie ab und zu – sei es für einen persönlichen Austausch oder aber auch, um gemeinsam Veranstaltungen für die Transcommunity zu organisieren. Rikuto ist in verschiedenen Gruppen aktiv.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_01.jpg" data-caption="Rikuto mit Freunden in der Whisky-Bar, in der er viermal pro Woche arbeitet. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_02.jpg" data-caption="Auf dem Weg nach Hause geht Rikuto an einem Reisfeld vorbei." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_03.jpg" data-caption="Beim Mittagessen zuhause. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_05.jpg" data-caption="Rikuto auf dem Weg zur Universität." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_06.jpg" data-caption="Rikuto im Gespräch mit seinen Kommilitoninnen. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/10_Rikuto_08.jpg" data-caption="Rikuto ist Mitorganisator der &quot;LGBT-Jungbürgerfeier&quot;." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Martin Bichsel</p></div>
<p style="text-align: justify;">An einer Privatuniversität in Osaka studiert er Business Administration. Hier gründete der umtriebige Student ein monatliches Treffen für Transmenschen, Homo- und Bisexuelle: die &#8222;Salad Bowl&#8220;. An diesen Abenden kommen mittlerweile gut 20 Menschen zusammen. Sie werden auch an der nächsten &#8222;Kansai Rainbow Parade&#8220; Flyer zur Mitgliederwerbung verteilen. Für diese Parade werden rund 600 Menschen erwartet.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ich Rikuto an die Universität begleite, fällt mir auf, wie oft er stehen bleibt und mit Leuten redet, lacht, sich vertraut austauscht. Viele seiner engen Freundinnen und Freunde hat er im Studium kennengelernt. Sie kennen ihn und seine Geschichte. Auch sein bester Freund Motoki, ebenfalls Transmann, studiert hier. Mit ihm würde er gerne bald eine Europareise machen. Rikutos Vater wusste nie, dass er zwei Söhne und nicht eine Tochter und einen Sohn hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Mutter vertraute sich Rikuto zwar an, sie war mit der Nachricht jedoch überfordert. Um mit der hormonellen Angleichung zu beginnen, brauchte Rikuto Gutachten von zwei verschiedenen Psychiatern, die seine männliche Geschlechtsidentität bestätigen. Einer von ihnen überwies den Studenten später an ein Krankenhaus, wo er mit der Hormontherapie begann.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Fürs Amt ist er noch eine Frau</h2>
<p style="text-align: justify;">Rikutos amtliche Namens- und Geschlechtsänderung kann aber erst erfolgen, wenn er sich einer operativen Sterilisation und einer Mastektomie unterzogen hat. Wenn er in zwei Jahren sein Studium abgeschlossen hat, möchte er die beiden Operationen durchführen lassen. Er wünscht sich, danach offiziell als Mann bei einer Firma eingestellt zu werden. Eine berufliche Karriere ist Rikuto dabei nicht wichtig. Er arbeitet bereits jetzt, während des Studiums, vier Mal wöchentlich als Kellner in einer Whiskybar, um sich etwas für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Jedoch sieht er seine Erfüllung weniger in der Erwerbsarbeit als in seinem Engagement sowohl in eigener Sache als auch für die Community.</p>
<p style="text-align: justify;">Anderen jungen Transmenschen hilft Rikuto als Mitorganisator der &#8222;LGBT-Jungbürgerfeier&#8220; – der Feier zum Erreichen der Volljährigkeit. Normalerweise feiern die Japaner dieses Fest in traditionellen, geschlechterspezifischen Kimonos. An dieser speziellen Feier hingegen darf man sich kleiden, wie man möchte. Obwohl die meisten jungen Erwachsenen innerhalb einer traditionellen Familienstruktur immer noch an der klassischen Feier teilnehmen müssen, ist dieses alternative Angebot ein Lichtblick und ein Ort des Austausches und der Aufklärung.</p>
<p style="text-align: justify;">Zur Aufklärung trägt auch das japanische Fernsehen seinen Teil bei. In einer Gesellschaft, in der Männer problemlos feminin aussehen dürfen, wo die Grenzen zwischen den Geschlechtern sich langsam ästhetisch auflösen, kolportiert auch das Fernsehen entsprechende Bilder. Immer öfter sind Transmenschen Gäste in japanischen Talkshows. Rikuto freut sich darüber: &#8222;Auch das ist Aufklärung und Enttabuisierung&#8220;. Zudem verzichten immer mehr junge Frauen und Männer auf eine geschlechterspezifische Sprache und kommunizieren in einer geschlechtsneutralen Form. So selbstverständlich auch Rikuto.</p>
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<h6 style="text-align: justify;"><em>Während acht Jahren hat der Fotograf Martin Bichsel 11 Transmenschen in der Schweiz, Europa, Japan, Sibirien und Nordafrika in deren Alltag fotografiert und die Lebensgeschichten notiert. Das Ergebnis – ein Bild- und Textband – soll Zugang schaffen zu einem Thema, bei welchem zu oft weggeschaut und stigmatisiert wird:<strong> <a href="http://www.amazon.de/Trans-Visit-Lebensgeschichten-Martin-Bichsel/dp/3952411469" target="_blank">zum Buch</a></strong>.</em></h6>
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