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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 10 Mar 2018 02:17:21 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Minderheiten &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Die Afro-Iraner</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jul 2017 04:54:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Afro-Iraner]]></category>
		<category><![CDATA[Delia-Friess]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[mahdi-ehsaei]]></category>
		<category><![CDATA[Minderheiten]]></category>
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					<description><![CDATA[In den südlichen Provinzen des Iran leben auch Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Die afro-iranische Minderheit bewahrt bis heute afrikanische Traditionen. Der Fotograf Mahdi Ehsaei hat einige Iraner*innen mit afrikanischen Vorfahren getroffen. Unsere Autorin Delia Friess hat ihn zu seiner Arbeit befragt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-afro-iraner/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>In den südlichen Provinzen des Iran leben auch Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Die afro-iranische Minderheit bewahrt bis heute afrikanische Traditionen. Der Fotograf Mahdi Ehsaei hat einige Iraner*innen mit afrikanischen Vorfahren getroffen. Unsere Autorin Delia Friess hat ihn zu seiner Arbeit befragt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Trommelrhytmen und Gesang: Auf den Zuschauertribünen eines Fußballspiels in der iranischen Stadt Shiraz herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die Menschen feiern gemeinsam.</p>
<p style="text-align: justify;">Unter den Fans der Mannschaft aus Hormozgan fällt dem deutsch-iranischen Fotografen Mahdi Ehsaei ein Iraner auf, der das Spiel auf eine ihm neue Art und Weise anfeuert. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OlR3bfJQrxI&amp;feature=youtu.be" target="_blank">Diesen Moment hielt Ehsaei mit seiner Kamera fest.</a></p>
<p style="text-align: justify;">Der 27-Jährige lebt in Deutschland und verbrachte den Sommer bei seinen iranischen Verwandten. Er hat sich dort weiter umgehört und so von der Geschichte der Afro-Iraner erfahren.</p>
<p style="text-align: justify;">Anschließend machte er sich auf in die südiranische Provinz Hormozgan am Persischen Golf, wo diese Bilder von Afro-Iranern entstanden. Sie erschienen als Fotoserie mit dem Titel <strong><a href="http://www.mahdi-ehsaei.com/afro-iran/" target="_blank">“Afro-Iran. The Unknown Minority&#8220;</a></strong> und wurden bisher in Kenia, Deutschland, Kolumbien und Italien ausgestellt.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/06/1-2.jpg" data-caption="Der Khaje-Ata Beach in Bandar Abbas liegt am Persischen Golf.  Dieser Junge ist an diesem Nachmittag zum Spielen gekommen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/3.jpg" data-caption="Die farbenfrohe Kleidung der Frauen ist typisch für den südlichen Iran. Diese Mutter hat ihrem Kind ein grünes Gebetsband angesteckt, zum Schutz vor dem Bösen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/4.jpg" data-caption="Diese zwei Jungs in der Nähe von Bandar Abbas sind Cousins. Sie zeigen die ethnische Vielfalt in der Bevölkerung." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/10.jpg" data-caption="Eine Gruppe von Kindern spielt in einer Gasse." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/06/2-1.jpg" data-caption="Dieser Autoverkäufer lehnt sich an seinen Verlaufsschlager Nummer Eins im Iran: ein Kia Pride. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/06/7-10.jpg" data-caption="Iranische Flaggen wehen an einem Straßenschild in der Stadt Minab. Auch hier leben viele Afro-Iraner, so wie dieser Mann." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/8.jpg" data-caption="Dieser Afro-Iraner mit Afro-Frisur arbeitet als Verkäufer in einem Laden." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/5.jpg" data-caption="Ein Junge steht in einer Gasse, die wie viele andere zum Spenden von Schatten in der heißen Region angelegt wurde." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/06/9-8.jpg" data-caption="Frauen spazieren in einer Gasse. Sie tragen farbenfrohe &#039;Chador Bandaris&#039;, ein leichtes Kleidungsstück, das im Süden Irans oft zu sehen ist." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/07/6.jpg" data-caption="Eine junge afro-iranische Mutter hält ihr schlafendes Kind, Geldbörse, Handy und Schmuck. Sie trägt ein gemustertes „Chador Bandari“." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Mahdi Ehsaei</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Weltseher: Wie haben Afrikaner die Kultur des Irans beeinflusst?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mahdi Ehsaei: Afro-Iraner sind wie Azeri, Kurden, Araber, Belutschen oder Armenier Teil der multiethnischen Gesellschaft Irans. Gleichzeitig sind Traditionen aus der afrikanischen Kultur wie Tanz, Sprache, Kleidung und Musik erhalten geblieben, die teilweise auch typisch für den Süden des Irans geworden sind. Der Einfluss von afrikanischen Kulturen zeigt sich zum Beispiel in der Art des Tanzens, in den Rhythmen der regionalen Musikstile und in den für den Süden typischen bunten Kleidungsstil. Die Gesamtbevölkerung in den südlichen Provinzen Sistan, Baluchistan, Hormozgan und Khuzestanhat hat vieles aus der Kultur der Afro-Iraner übernommen. Etwa die Bandari-Musik, die überall im Iran sehr bekannt ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie selbstbewusst treten die Afro-Iraner im Iran auf?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Menschen, die ich getroffen habe, vor allem die Frauen, wollten sich erst nicht fotografieren lassen. Sie sehen sich als Iraner*innen und ihnen ist es unangenehm auf ihre Herkunft oder Hautfarbe angesprochen zu werden. Viele wussten noch nicht mal davon.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sie haben also keine eigene Sprache und Religion?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Iraner mit afrikanischen Vorfahren sprechen die Sprachen, die üblicherweise im iranischen Süden gesprochen werden: hauptsächlich Persisch mit Banda ri-Dialekt und Arabisch. Ein Großteil der Afro-Iraner, die ich getroffen habe, ist auch muslimisch. Allerdings durfte ich an einem Ritual von Afro-Iranern teilnehmen, bei dem eine Kreolsprache gesprochen wurde: eine Kombination aus Persisch, Arabisch und Swahili.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Was für ein Ritual war das?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In einem Dorf bei Bandar Abbas konnte ich an einer »Zar«-Zeremonie teilnehmen – einer Art Teufelsaustreibung, bei dem sich die Teilnehmer mit Hilfe von Musik und Tanz in Trance versetzen, um betroffene Personen von psychischen Krankheiten zu befreien.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie sind Afrikaner überhaupt in den Iran gelangt?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Geschichte der Iraner mit afrikanischen Vorfahren ist eng mit den Grausamkeiten der Sklaverei verknüpft. Die Hafenstadt Bandar Abbas, die Hauptstadt der Provinz Hormozgan am Persischen Golf, gehört zu einer der 31 Provinzen des Irans. Diese Stadt und die nahegelegenen Inseln Hormuz und Qeshm im Persischen Golf wurden seit Anfang des zehnten Jahrhunderts durch Portugiesen und Spanier nach und nach besetzt. Später wurden die Hafenstädte und Inseln am Persischen Golf auch von niederländischen, britischen und auch arabischen Besatzern eingenommen. Diese Besatzer betrieben zu dieser Zeit einen Sklavenmarkt, nahmen Menschen aus Ostafrika gefangen, kastrierten die Menschen zum Teil und verkauften sie als Sklaven auf Sklavenmärkten. Auf diesen Wegen wurden viele Menschen aus den heutigen Ländern wie Äthiopien, Eritrea,, Madagaskar, Kenia, Somalia, Mosambik und Sansibar in den Iran verschleppt. Knotenpunkte für den persischen Sklavenmarkt waren auch Shiraz und Bushehr. Erst 1928 wurde die Sklaverei im Iran offiziell abgeschafft. Allerdings stammten nicht alle Sklaven im Iran aus Afrika und nicht alle Afrikaner gelangten durch Sklaverei in den heutigen Iran. Zum Beispiel kamen auch Seeleute vom afrikanischen Kontinent in den Iran.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie sah das Leben der afrikanischen Sklaven im Iran aus?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als der iranische Staat vor allem in der Safawiden-Dynastie im 17. Jahrhundert und der Qajar-Dynastie im 19. Jahrhundert wuchs, wurde die Stadt Bandar Abbas Großhandelsposten. Das führte zu einer größeren Nachfrage von bezahlter Arbeit, als auch von Sklavenarbeit. Die Menschen wurden über Qeshm und Hormoz nach Bandar Abbas gebracht und schließlich im ganzen Land verkauft. In der Qajar-Dynastie mussten diese Menschen als Wächter in Harems oder den Frauen dienen. Männliche Sklaven wurden oft als Diener, Soldaten oder Arbeiter in Haushalten eingesetzt. Sklaven galten im Iran als Zeichen des Wohlstandes. Viele Frauen wurden als Dienerinnen oder auch als Konkubinen und für Harems gehandelt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Verbesserte die Islamisierung des Landes die Situation der Menschen, die als Sklaven gehalten wurden?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In der islamischen Zeit wurden die Menschen konvertiert. Durch religiöse Gesetze wurden sie besser behandelt und ihre Freilassung gefördert. Dies steht im Widerspruch zur transatlantischen Sklaverei, bei der Sklaven als persönliches Eigentums ohne Rechte betrachtet wurden. Trotzdem ist Sklaverei in jeder Form grausam.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wie gut ist die Geschichte der Afro-Iraner erforscht?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Weder in Deutschland noch im Iran gibt es viele Quellen oder verifizierte Zahlen. Einer der wenigen Experten war der iranisch-armenisch-georgische Fotograf Antoin Sevruguin (1830-1933). Er fotografierte schon damals die vielen verschiedenen ethnischen Gruppen des Landes. Es gibt außerdem zwei Dokumentarfilme über die Minderheit: &#8222;Afro-Iranian Lives&#8220; und &#8222;The African-Baluchi Trance Dance&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Herrscht ein Mangel an Aufarbeitung der Sklaverei im Iran? </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im Iran wird die Multiethnizität zwar im Geschichtsunterrichts vermittelt. Eine politische oder mediale Repräsentation der afro-iranischen Minderheit fehlt jedoch noch. Immerhin habe ich während meiner Reise keine Diskriminierungen von Afro-Iranern erlebt. Trotzdem kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, dass es keine gibt. Viele Iraner mit afrikanischen Vorfahren leben jedenfalls auch heute noch in ärmlichen und prekären Verhältnissen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Was geschah mit den Afro-Iranern, nachdem die Sklaverei abgeschafft wurde?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nach der Abschaffung der Sklaverei im Iran 1923 bildeten Afrikaner und ihre Nachkommen ihre eigenen Gemeinden und setzten ihre afrikanischen Traditionen in Musik, Tanz, Kleidung und oralen Überlieferungen fort. Die Menschen, die im 19. Jahrhundert in den Iran kamen, ließen sich hauptsächlich entlang der Golfküste nieder. Heute leben sie zum Teil immer noch dort, teils in ärmlichen Verhältnissen, und arbeiten als Seemänner, Fischer oder Landarbeiter auf Dattel- und Zuckerplantagen. Die Mehrheit der Afro-Iraner lebt in kleinen, ärmeren Vierteln der Stadt Bandar Abbas und in den benachbarten Städten und Dörfern wie Minab und Isin.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gibt es auch überregional bekannte Persönlichkeiten mit afrikanischen Vorfahren?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Da dieser Bevölkerungsanteil an den Grenzen des Irans lebt, wo die Bevölkerung eher ärmer und weniger mobil ist, wird er wirtschaftlich, politisch und kulturell von vielen Medien nicht repräsentiert. Es gibt allerdings auch bekannte Persönlichkeiten wie die Musiker Saeid ShanBezadeh, Morteza Karimi und Carlos (Hosein Ghodsi Nezhad) oder Schauspieler wie Reza Daryaie. Auch Sportler wie Mehrab Shahrokhi und Abdol Reza Barzegari, Spieler der iranischen Fußballnationalmannschaft der Siebzigerjahre und Achtzigerjahre, oder der ehemalige iranische Sprinter Peyman Rajabi sind sehr bekannt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sind die Afro-Iraner ein Beispiel der Unterdrückung einer Minderheit in der iranischen Gesellschaft?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nein, im Gegenteil. Für mich sind sie ein Beispiel für die Vielfalt und das friedliche Zusammenleben in der iranischen Gesellschaft heute. Und eben auch für einen Aspekt des Irans, der nur selten in westlichen Medien vermittelt wird.</p>
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		<title>Wir sind Rohingya</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2015 06:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Thailand]]></category>
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		<category><![CDATA[Sandra Weller]]></category>
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					<description><![CDATA[Drei bis vier Millionen Rohingya leben staatenlos im Exil. In ihrer Heimat Myanmar wird die muslimische Minderheit verfolgt. Allein seit 2012 starben Hunderte, Tausende flohen. U Kyaw Thien und seiner Frau gelang die Flucht nach Thailand – aber sie mussten mehr zurücklassen als ihr Hab und Gut.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/wir-sind-rohingya/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Drei bis vier Millionen Rohingya leben staatenlos im Exil. In ihrer Heimat Myanmar wird die muslimische Minderheit verfolgt. Allein seit 2012 starben Hunderte, Tausende flohen. U Kyaw Thien und seiner Frau gelang die Flucht nach Thailand – aber sie mussten mehr zurücklassen als ihr Hab und Gut.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Für uns gibt es keinen Platz. Nirgendwo.&#8220; U Kyaw Thien senkt den Kopf und schüttet ein wenig Butter, Mehl und Wasser in eine blaue Schüssel.</p>
<p style="text-align: justify;">In einer ruhigen Seitenstraße in Bangkok leben er und seine Frau Alima in einem kleinen Zimmer. Sie wohnen dort zur Untermiete in einem einstöckigen Haus. In der von Hochhäusern geprägten, pulsierenden Metropole fallen sie nicht auf. Thailands Hauptstadt hat mehr als 14 Millionen Einwohner, niemand fragt hier, woher sie kommen. Zur Mittagszeit brennt die Sonne auf die Stadt. Trotzdem müssen U Kyaw Thien und Alima in ihrem Zimmer das Neonlicht anschalten. Der Fensterspalt ist zu schmal, um genügend Licht hereinzulassen.</p>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien ist ein ruhiger Mann Anfang fünfzig mit sanfter Stimme. Einen Longy, den traditionellen burmesischen Rock, den auch Männer tragen, hat er um seine Hüfte gebunden. Alima sitzt nicht weit von ihm auf dem Teppich. Regungslos starrt sie auf einen Stapel Fotos. Auf den Bildern ist ihre Tochter zu sehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie haben Küchenutensilien und ein paar Hängeschränke in dem kleinen Zimmer arrangiert. Decke und Kissen, auf denen sie schlafen, werden tagsüber an die Seite gelegt, Hemden und Gebetsteppiche hängen an der Wand. Der Gaskocher steht vor der Tür. Im Hintergrund flimmert ein Fernseher ohne Ton. Koffer stapeln sich in einer Ecke. Es sieht so aus, als sei hier jemand gerade erst eingezogen. U Kyaw Thien wohnt aber schon seit 17 Jahren hier. Alima ist 2012 zu ihm gekommen. Aus ihrem Heimatland Myanmar mussten sie beide fliehen; ihre Tochter konnten sie nicht mitnehmen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-rohingya-1" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-rohingya-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-rohingya-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-rohingya-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_Thien-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">U Kyaw Thien floh in den 90er aus Myanmar nach Thailand. Im ehemaligen Burma hätten ihn die Sicherheitsbehörden sonst eingesperrt.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_frau_thien-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Alima heiratete U Kyaw Thien Mitte der 90er. Wenige Jahre später musste ihr Mann aus dem Land fliehen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_frau_reis-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gemeinsam kochen Alima und U Kyaw Thien Reis.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_frau_lachen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In einem kleinen Zimmer in Bangkok leben Alima und U Kyaw Thien.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_ausweis-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ausweise und die 'Weiße Karte' von U Kyaw Thien.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_stand-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Abends verkauft UKyaw Thien am Straßenrand Roti-Brot.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_stand_kunde-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit dem Verkauf von Roti-Brot an Thailänder kann sich das Paar ein bescheidenes Leben finanzieren.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_zaun-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-rohingya-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_Thien-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_frau_thien-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_frau_reis-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_frau_lachen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_ausweis-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_stand-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_stand_kunde-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/rohingya_weller_thien_zaun-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: justify;">Illegale Einwanderer aus Bangladesch</h2>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien und Alima wurden in einem kleinen Dorf in einer westlichen Provinz geboren, die zu dieser Zeit noch Arakan hieß. Ihre Eltern gehörten einer muslimischen Volksgruppe an, die eine eigene Sprache und Kultur pflegen – den Rohingya.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Herkunft der Rohingya ist stark umstritten. Während sie sich selbst als ursprüngliche Bewohner dieser Region betrachten, sehen viele Burmesen in ihnen illegale Einwanderer aus Bangladesch. Von ihnen werden sie nicht als Rohingya, sondern als „Bengalen“ bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Länder im Osten des Golfs von Bengalen wurde schon seit der Antike von arabischen Händlern besucht. Es gibt Hinweise, dass sich Rohingya bereits im 8. und 9. Jahrhundert in der buddhistisch geprägten Region niedergelassen haben könnten. Während der britischen Kolonialzeit (1823 bis 1948) wurde die Besiedlung durch Arbeiter aus dem heutigen Indien und Bangladesch intensiviert.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Birma sich 1948 die Unabhängigkeit von den Briten erkämpfte, wurden mehr als 130 ethnische Volksgruppen Teil des Unionsstaates Birma. Die Rohingya wurden dabei nicht als eine der offiziellen Volksgruppen des Landes anerkannt- sie sollten nicht zu dem neuen Staat gehören. Nach wenigen Jahren übernahm das Militär die Macht.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Mit der Unabhängigkeit kamen die Repressionen</h2>
<p style="text-align: justify;">Schon seit 1948 litten die Rohingya unter vielfältigen und grausamen Repressionen. Heiligtümer, Infrastruktur und Siedlungsgebiete wurden zerstört, privater Boden konfisziert. Durch auferlegte Reisebeschränkungen und Sprachbarrieren wurde der muslimischen Volksgruppe der Zugang zu Schulen und Krankenhäusern erschwert. Nicht ungewöhnlich waren illegale Inhaftierungen, illegale Besteuerung, Zwangsarbeit; viele wurden gefoltert, manche getötet. Zum ersten großen Exodus kam es während einer brutalen Militäroperation im Jahr 1978, rund 200.000 Rohingya flohen damals in das benachbarte Bangladesch.</p>
<p style="text-align: justify;">Solange U Kyaw Thien denken kann, gab es die Diktatur. Er war drei Jahre alt, als sich das Militär 1962 an die Macht putschte, Diskriminierungen gehörten zu seinem Alltag. 1979 – ein Jahr nach der großen Militäroperation, bei der er Freunde verloren hatte – verließ U Kyaw Thien sein Dorf in Arakan. Er war begeistert, als er in die damalige Hauptstadt Rangun kam. &#8222;Ich war noch sehr jung und fühlte mich zum ersten Mal frei&#8220;, erinnert er sich. Das Militär rekrutierte gerade, auch Rohingya. &#8222;Ich habe mich sofort beworben. Lieber wollte ich mich mit dem Feind verbündete, als gegen ihn zu kämpfen.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify;">Damals war U Kyaw Thien 20 Jahre alt. Die folgenden 13 Jahre kämpfte er auf der Seite des brutalen Regimes. In einem Gefecht gegen die Kachin, eine andere ethnische Volksgruppe, wurde er angeschossen. Mit 33 Jahren und dem Status als Kriegsveteran kehrte er zurück in sein Dorf. Arakan hieß mittlerweile Rakhaing, Rangun hieß Yangon und Birma hieß Myanmar. Das Militär hatte dem Land, den Provinzen und den Städten neue Namen verliehen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Die &#8218;Weiße Karte&#8216;</h2>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien knetet die Masse in der blauen Schüssel zu einem Teig. Bis zum Abend soll der Teig fertig werden. Er wird dann an der Straße stehen und Roti-Brot an Thailänder verkaufen. Mit dem Geld kann er sich und Alima ein bescheidenes Leben finanzieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Teig muss noch etwas stehen. Er wäscht sich die Hände. Dann kramt er Dokumente aus einem der Hängeschränke hervor. Er zieht einen weißen, laminierten Ausweis heraus. Ein junger Mann schaut ernst von dem Foto des Dokuments.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Das ist meine `Weiße Karte`&#8220;, erklärt er, mit den Finger auf die Karte deutend. Auf der &#8222;National Temporary Registration Card&#8220;, der so genannten Weißen Karte /White Card, ist vermerkt: &#8222;Der Inhaber ist kein Staatsbürger von Myanmar.&#8220; Ein Geburtsort ist nicht angegeben.</p>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien greift eine andere Weiße Kart heraus, auf der eine junge Frau abgebildet ist. &#8222;Das ist Alima&#8220;, erklärt er und beginnt zu erzählen: &#8222;Ich habe Alima zum ersten Mal gesehen, nachdem ich 1992 in mein Dorf zurück gekehrt war. Ich half im Laden meines Vaters aus. Sie arbeitete gegenüber in dem Geschäft ihrer Eltern.&#8220; Bald verliebten sie sich. Alima war erst 17 Jahre alt. Deshalb mussten sie noch ein Jahr warten, bis sie heiraten konnten. &#8222;Es war eine glückliche Zeit&#8220;, schwärmt er. Alima lächelt verlegen. Er besaß noch eine Kriegsveteranenkarte aus seiner Zeit beim Militär, mit der er einen besonderen Status genoss.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach drei Jahren änderte sich die Lage. Auf Drängen der Vereinten Nationen hin sollten auch für Rohingya Ausweise vergeben werden. Ohne Dokumente besaßen sie keine Rechte und keinen Anspruch auf Schutzmaßnahmen. Durch die vielen Rohingya-Flüchtlinge, die mangels Pässen oft keinen Immigrantenstatus erhielten, weitete sich das Problem auch auf die umliegenden Länder aus.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Flucht ins Ausland</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Militärregime entwarf für Rohingya die `Weiße Karte`. Diese Karten erhielten freilich nur wenige: Das Ganze war eine Alibi-Handlung, um dem internationalen Druck nachzugeben; um Bereitschaft vorzutäuschen, die Rohingya endlich zu »legalisieren«. Manche mussten dazu gezwungen werden, diese Papiere anzunehmen. Sie wollten das Dokument nicht, das sie zwar ausweist, zugleich aber deutlich macht, dass sie keine Staatsbürger von Myanmar sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Rahmen dieser Erneuerungen verlor U Kyaw Thien 1996 seinen Kriegsveteranenstatus. Sein Dokument wurde durch eine Weiße Karte ersetzt. &#8222;Sie nahmen mir alle meine Rechte&#8220;, erinnert er sich. Verzweifelt fuhr er nach Yangon, in die Stadt, in der er sich einst so frei gefühlt hat. Ohne sich an die nun auch für ihn gültigen Vorschriften zu halten. Denn Rohingya, die sich von einen Ort in einen anderen Ort bewegen wollen, müssen zuvor eine kostenpflichtige Genehmigung beantragen. Erst dann dürfen sie ihren Aufenthaltsort verlassen.</p>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien hatte keine Genehmigung beantragt. In Yangon erreichte ihn eine erschreckende Nachricht: Er stand auf der schwarzen Liste. Grund war das fehlende Reisedokument. Besitzen Rohingya diese Genehmigung nicht oder überschreiten sie die darin ausgewiesene Route, dürfen sie nicht mehr zurückkehren. Sie sind dann verpflichtet, Myanmar zu verlassen; ansonsten werden sie inhaftiert.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit Hilfe eines Schleppers versteckte sich U Kyaw Thien in einem Lastwagen und floh 1996 über die Landgrenze nach Mae Sot in Thailand. Alima, die im Dorf geblieben war, machte sich große Sorgen. Das Letzte, was sie von ihrem Mann gehört hatte, war, dass das Militär nach ihm suchte. Mit finanzieller Unterstützung durch andere geflohene Rohingya gelangte U Kyaw Thien bis nach Bangkok. Dort angekommen, hatte er zum ersten Mal seit seiner Flucht die Möglichkeit, seine Frau zu kontaktieren. Und erfuhr: Alima ist schwanger.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kontakt halten, war nicht einfach</h2>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien greift nach einen Stapel Fotos, der vor Alima liegt. &#8222;Das ist Suemaya, unsere Tochter&#8220;, erklärt er und betrachtet versonnen die Bilder. Auf einem der Fotos sieht man ein kleines Mädchen von drei Jahren. Auf einem anderen trägt das Mädchen eine Schuluniform. Eine weitere Aufnahme zeigt sie neben ihrer Mutter. &#8222;Gesehen habe ich sie nie&#8220;, sagt U Kyaw Thien ganz leise. Auf einem Bild sieht man U Kyaw Thien, Alima und Suemaya dennoch zusammen. &#8222;Da wurde ich mit dem Computer eingesetzt&#8220;, lacht er etwas verlegen und fährt etwas ernster fort: &#8222;Das ist das einzige Familienfoto, das es von uns gibt.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify;">Den Kontakt zu halten, war nicht einfach. &#8222;Wir haben uns Briefe geschrieben und Fotos geschickt&#8220;, erinnert sich Alima. &#8222;Telefonieren war schwierig. Ich musste zwei Stunden von meinem Dorf in die nächste Stadt laufen, wenn ich mit U Kyaw Thien telefonieren wollte.&#8220; Aufgrund der Reisebeschränkungen musste auch Alima jedes Mal eine Reisegenehmigungen beantragen. &#8222;Manchmal hatte ich nicht genug Geld, aber manchmal konnte ich auch Suemaya mit zum Telefonieren in die Stadt nehmen&#8220;, sagt sie, während sie die Bilder betrachtet. &#8222;Das waren schöne Momente, wenn ich meine Tochter mit ihrem Vater sprechen hörte.&#8220;</p>
<p style="text-align: justify;">Später, im Rahmen der ersten Reformen, wurde die Kommunikation etwas einfacher. Eine der Reformen erlaubte zum Beispiel Mobiltelefone.</p>
<p style="text-align: justify;">Myanmar erlebte Anfang des Jahrtausends unruhige Zeiten. Die so genannte Safran-Revolution, die 2007 von Mönchen angeführt wurde, richtete sich zunächst gegen den 500-prozentigen Anstieg der Preise von Benzin und Gas und weitete sich dann zu Protesten gegen das Regime insgesamt aus. Die Demonstrationen, an denen sich mehr als 100.000 Menschen beteiligten, wurden blutig niedergeschlagen; inoffizielle Beobachter sprechen von über 200 Toten. Im Gegensatz zu der großen Revolution von 1988 in Myanmar, die ebenfalls blutig niedergeschlagen wurde, blieben die Ereignisse dieses Mal nicht unbeobachtet. Obwohl die Junta die Internetverbindung unterbrach, gelangten Bilder und Videos in die internationalen Medien.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Internationale Sanktionen beenden Militärdiktatur</h2>
<p style="text-align: justify;">Der internationale Druck wuchs. Die Junta wusste, sie würde den internationalen Sanktionen nicht länger standhalten können. 2010 fanden dann die ersten Wahlen seit 40 Jahren in Myanmar statt. Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wurde aus dem Hausarrest entlassen. Für Rohingya wurden als Zeichen des guten Willens weitere Weiße Karten verteilt. An den Wahlen teilnehmen durften sie aber nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die weder frei noch fair gehaltenen Wahlen wurden schon kurze Zeit später für ungültig erklärt und 2012 wiederholt. Seitdem wurden schrittweise Reformen eingeleitet, und Aung San Suu Kyis Partei, die »Nationale Liga für Demokratie« (NLD), erhielt erstmals, als einzige Oppositionspartei, Sitze im Parlament.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Rohingya hofften, dass nun auch für sie positive Änderungen stattfinden. Für sie ist Aung San Suu Kyi, ebenso wie für die Burmesen, ein Symbol für Menschenrechte und demokratische Freiheit. Doch für Rohingya veränderte sich nichts zum Besseren, ganz im Gegenteil.</p>
<p style="text-align: justify;">Im April 2012 wurde im Rakhaing-Staat – dem ehemaligen Arakan – ein buddhistisches Mädchen tot aufgefunden. Drei muslimische Männer wurden angeklagt. Ein Rachefeldzug begann, der den Anfang einer Reihe von blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimen und Buddhisten in der Provinz markierte. Über 200 Menschen starben auf beiden Seiten, Häuser wurden niedergebrannt und heilige Stätten zerstört. Von den 800.000 in Myanmar lebenden Rohingya wurden rund 110.000 innerhalb des Landes vertrieben. Andere flohen in die umliegenden Länder. In vielen Städten leben sie in Ghetto-ähnlichen Bezirken, ohne Zugriff auf Lebensmittel. Die Vorschriften gegen sie wurden stark verschärft.</p>
<h2 style="text-align: justify;">»Bewegung 969«</h2>
<p style="text-align: justify;">Seit dem Vorfall verzeichnen nationalistische Gruppen großen Zulauf, insbesondere die »Bewegung 969«. Der Name der Gruppe ist eine Art buddhistischer Variante einer Verschwörungstheorie: In einem Land, in dem der Glaube an die Macht der Zahlen stark verankert ist, soll die Zahl 969 den kosmologischen Gegensatz zu der -spirituell aufgeladenen Zahl – 786 aus dem Koran bilden. 969 bezieht sich auf die neun Attribute des Buddhas, die sechs Attribute seiner Lehren und die neun Attribute des Sangha, der Mönchsregeln. Dementsprechend sieht die „Bewegung 969“ sich verantwortlich für den Erhalt des buddhistischen Myanmar. Ihr Kopf ist Wirathu, ein buddhistischer Mönch.</p>
<p style="text-align: justify;">Im April 2013 wurde in einem Kloster im Süden des Landes ein 969-Logo entworfen und überall verteilt. Die Bewegung ergriff das ganze Land und richtete sich nun gegen alle Muslime. 969-Aufkleber schmückten Geschäfte, Taxis, sogar die Polizeiwagen. Sie markieren die buddhistische Zugehörigkeit und besagen, dass Muslime hier unerwünscht sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Viele Burmesen sagen, dass sie Angst haben, ihre buddhistische Identität zu verlieren. Bestärkt durch lokale Medien, glauben sie, dass täglich Rohingya über die Grenze aus dem benachbarten Bangladesch ins Land kommen würden. Vorurteile besagen, dass muslimische Männer viele Frauen haben, die viele Kinder bekommen – zu viele.</p>
<p style="text-align: justify;">Über Generationen weitergegebene Vorurteile lassen sich nicht so einfach beseitigen. Eine Strategie der Militärjunta war es, Unruhe zu stiften, um dann wieder Ordnung zu schaffen. Eine inszenierter Beweis, dass das Militär notwendig ist. Es gibt Vermutungen, dass auch die jetzigen Unruhen strategisch-politisch motiviert sind. Die nächsten Wahlen stehen 2015 an.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Zwei-Kind-Politik für Rohingya</h2>
<p style="text-align: justify;">Auch Aung San Suu Kyi hatte zunächst keine Stellung bezogen zu den Vorwürfen, dass Menschrechtsverletzungen an den Rohingya begangen würden. Für sie ist der Konflikt ein großes Dilemma: Ergreift sie Partei für die Rohingya, verprellt sie ihre burmesischen Anhänger. Schweigt sie, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit als Menschenrechtlerin auf internationaler Ebene. Im Mai 2013 sprach die 68-Jährige sich erstmals gegen die angestrebte Regelung einer Zwei-Kind-Politik für Rohingya aus.</p>
<p style="text-align: justify;">In Yangon sieht man mittlerweile nicht mehr so viele 969-Aufkleber wie in anderen Städten; auch die Straßensperren, die manche muslimische Stadtviertel voneinander trennten, sind abgebaut. Für ausländische Investoren und Touristen wirft es kein gutes Licht auf Myanmar, wenn der Konflikt zu öffentlich, zu sichtbar ist. Eine von den vielen, bis vor kurzem, noch immer gesperrten Regionen Myanmars war der Rakhaing-Staat. Genehmigungen, um dorthin zu reisen, waren kaum zu bekommen: Internationale Berichterstatter wurden nicht gerne gesehen. &#8222;Wenn ein Rohingya mit einem Ausländer in Rakhaing redet, kann er ins Gefängnis kommen&#8220;, beschreibt Alima die Situation.</p>
<p style="text-align: justify;">Es war 2012, als Alima gerade bei Freunden in Yangon zu Besuch war. Ihre Tochter konnte sie nicht begleiten: Sie hatten nicht genug Geld für zwei Reisegenehmigungen. Außerdem musste Suemaya zur Schule gehen, sie blieb deshalb bei ihrer Großmutter.</p>
<p style="text-align: justify;">Alima wollte eigentlich nur kurz bleiben. Als im April die Unruhen ausbrachen, wurden sofort die Reisebeschränkungen verschärft. Rohingya mussten an dem Ort bleiben, an dem sie sich gerade befanden. Alima hörte von gezielten Übergriffen, auch in Yangon. Sie fühlte sich nicht mehr sicher. Zurückkehren in ihr Dorf konnte sie aber auch nicht. Aus Angst lieh sich Alima Geld für einen Schlepper und floh verzweifelt nach Thailand, zu ihrem Mann.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Illegal im Land</h2>
<p style="text-align: justify;">2012 sehen U Kyaw Thien und Alima sich zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder. Die Freude ist jedoch getrübt; zu groß ist die Sorge um ihre Tochter, die Alima zurücklassen musste. &#8222;Wir leben mit Angst in unserem Herzen&#8220;, sagt U Kyaw Thien. Zurückkehren dürfen sie nicht. Ihre Tochter mit Hilfe von Schleppern zu sich zu holen, können sie sich nicht leisten. Außerdem ist eine Flucht gefährlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Suemaya lebt nun bei ihrer Großmutter. &#8222;Sie muss jetzt ihren Schulabschluss machen, das ist das Wichtigste&#8220;, sagt Alima, wie um sich zu beruhigen. Manchmal hellt sich ihre Miene plötzlich auf. Wenn sie davon erzählt, dass ihre Tochter gerne in den Sportunterricht geht. Oder wie hübsch sie in einem Kleid aussieht. Aber schnell legt sich wieder eine Schwere über ihr Gesicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Alima brät vor der Tür noch schnell ein wenig Reis auf dem kleinen Gaskocher, für U Kyaw Thien. Langsam senkt sich die Sonne. Es wird Abend.</p>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien zieht den Longyi aus und streift sich eine Jeans und eine Schürze mit thailändischer Schrift über. Mit dem Longyi würde er zu sehr auffallen, zu anders aussehen, womöglich als Immigrant aus Myanmar erkannt werden. U Kyaw Thien und Alima sind illegal im Land.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie viele Rohingya in Thailand leben, ist nur schwer zu ermitteln. 20.000 bis 30.000 zählt man in Aufnahmelagern. Diejenigen Rohingya, die wie U Kyaw Thien und Alima, die wie viele andere im Untergrund leben, sind nicht verzeichnet.</p>
<p style="text-align: justify;">U Kyaw Thien rollt seinen Wagen, mit dem er die Rotis verkaufen wird, auf die Straße. Schon bald kommen die ersten Kunden und bestellen Roti mit Banane und süßer Milch. Alima steht neben ihm und hilft, wo sie kann. In ihren Gedanken ist sie bei ihrer Tochter.</p>
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		<title>Gelobte, unbekannte Heimat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2014 21:44:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nepal]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
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					<description><![CDATA[In Nepal leben rund 20.000 tibetische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Viele von ihnen ohne Dokumente, ohne Rechte und ohne Tibet jemals gesehen zu haben. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/gelobte-unbekannte-heimat/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>In Nepal leben rund 20.000 tibetische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Viele von ihnen ohne Dokumente, ohne Rechte und ohne Tibet jemals gesehen zu haben.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Lobsang Tsering ist ein ernster, junger Mann. Der 36-Jährige mit dem akkurat frisierten Haar und der randlosen Brille antwortet kurz und präzise, seine Worte wählt er mit Bedacht. Nur wenn er über den Umgang der chinesischen Regierung mit Tibetern spricht, hebt er die Stimme. Dann ahmt er das Geräusch von Schüssen nach und demonstriert, wild gestikulierend, wie Polizisten mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Lobsang ist einer von rund 20.000 Exiltibetern, die heute im südlichen Nachbarland Nepal leben. Seine Eltern waren Teil der ersten großen Flüchtlingswelle, die 1959 – neun Jahre nach dem Einmarsch der chinesischen Armee – das Land verließ. 80.000 Tibeter folgten ihrem Oberhaupt, dem Dalai Lama, damals ins Exil. Die meisten nach Indien; andere, wie Lobsangs Eltern, gingen nach Nepal. Lobsang wurde in der Hauptstadt Kathmandu geboren, ging in eine tibetische Schule, später schloss er sich einem Kloster an. 2002 zog die Klostergemeinschaft nach Pokhara, in den Norden des Landes. Heute ist Lobsang ihr Sekretär, verwaltet die Finanzen und organisiert die Aktivitäten der Klosterschule, die 90 Schüler im Alter von sechs bis 18 Jahren beherbergt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Ich habe in Nepal keine Rechte“, erklärt er, während er über das Schulgelände führt. „Ich darf kein Land kaufen, nicht wählen gehen und nicht einmal Auto fahren“. Der Grund: Lobsang hat keine offiziellen Dokumente. Weil er Bürger eines Staates ist, der international nicht anerkannt wird. Bestechung oder eine Heirat mit einer Nepalesin wären für ihn die einzigen, wenn auch vagen Möglichkeiten auf einen nepalesischen Pass gewesen – Möglichkeiten, die für ihn nicht in Frage kamen. Lobsang ist verheiratet, hat zwei Kinder. Auch seine Frau ist Nachfahre tibetischer Flüchtlinge. Darauf legt er Wert.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-2642-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-2642-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-2642-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-2642-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel3_nrpal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Tashi Palkhiel, der ältesten tibetischen Siedlung bei Pokhara, verteiben sich die Einheimischen ihre Zeit mit Karten spielen. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule1_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description"> Die Pem Tsal Sakya-Klosterschule in Pokhara. Hier leben und lernen etwa 90 Schüler. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule2_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Kinder in der Klosterschule sind im Alter von sechs bis 18 Jahren. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule3_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Koch der Klosterschule verpflegt die 90 Schüler. © Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LobsangTsering_nepal_Luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Lobsang Tsering, Sekretär der Pem Tsal Sakya-Klosterschule, ist Exiltibeter und lebt in Nepal ohne offizielle Dokumente. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LamoNamgang_nepal_Luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Lamo Namgang floh als Kind aus Tibet nach Nepal. © Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_6_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Tashi Palkhiel ist eine Siedlung bei Pokhara. Hier leben etwa 1000 Exiltibeter. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_4_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Viertel entstand Anfang der 1960er Jahre, zunächst als provisorisches Zeltlager. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_5_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit nationaler und internationaler Hilfe wurde aus Tashi Palkhiel eine feste Siedlung. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Stupa_in_Bodnath_bei_Kathmandu_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Herz der tibetischen Gemeinschaft in Kathmandu: Der Stupa von Bodhnath, einer der größten in der Welt. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kloster_bei_TashiPalkhiel_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_nepal_luebbe_haeuser.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_2_Nepal_Luebbe_menschenmenge.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der alltägliche Wahnsinn: Straßenszene aus Kathmandu ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-2642-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel3_nrpal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule1_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule2_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule3_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LobsangTsering_nepal_Luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LamoNamgang_nepal_Luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_6_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_4_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_5_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Stupa_in_Bodnath_bei_Kathmandu_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kloster_bei_TashiPalkhiel_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_nepal_luebbe_haeuser-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_2_Nepal_Luebbe_menschenmenge-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Nach Angaben des UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, besitzt mindestens die Hälfte der Exiltibeter in Nepal keine Dokumente. Bevor 1989 der Kriegszustand über die tibetische Hauptstadt Lhasa verhängt wurde, wurden die Flüchtlinge zwar aufgenommen, die entsprechenden „refugee cards“ aber nur teilweise ausgestellt. Seit 1990 nimmt Nepal gar keine tibetischen Flüchtlinge mehr auf, Neuankömmlinge werden direkt nach Indien geleitet, in einigen Fällen, so vermuten Menschenrechtsorganisationen, sogar zurückgeschickt. Dokumente werden seitdem weder ausgestellt noch verlängert, auch nicht für die in Nepal geborenen tibetischen Nachkommen. Und so sitzen Menschen wie Lobsang bis heute in Nepal fest. Ohne Papiere können sie nicht reisen – und damit auch nicht nach Tibet zurückkehren.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das bestimmende Gefühl ist Aussichtslosigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Lamo Namgang dürfte zurück, sie hat einen nepalesischen Pass. Aber sie will nicht. Nicht so lange die Chinesen in Tibet an der Macht sind. Die 65-Jährige wurde in Lhasa geboren. Ihre Eltern starben kurz nach dem Einmarsch der chinesischen Armee. Und so machte sie sich 1959 allein mit ihren zwei Brüdern und zwei Schwestern auf den beschwerlichen Weg über das Himalaya-Hochland. Zwei Monate habe die Flucht gedauert. „Wir waren Kinder und haben uns ständig verlaufen“, sagt sie. Drei Jahre ging sie in Nepal zur Schule, dann fing sie an, zu sticken und zu weben. Heute verkauft sie selbstgestrickte Socken und Mützen auf einem Marktplatz unweit von Lobsangs Klosters, im Herzen von Tashi Palkhiel, der ältesten der vier tibetischen Siedlungen bei Pokhara. Das Viertel entstand Anfang der 1960er Jahre, zunächst als provisorisches Zeltlager; mit nationaler und internationaler Hilfe, unter anderem der Schweizer Regierung, wurde daraus eine feste Siedlung. Rund 1000 Menschen leben heute hier, in kleinen pittoresken Häusern mit weißen Fassaden. Es ist sauber und gepflegt. Und doch, hört man sich hier um, ist das bestimmende Gefühl Aussichtslosigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wir gelten in Nepal als Menschen zweiter Klasse“, sagt Tenzin Urgyen, ein 23-jähriger kräftiger Mann mit tätowierten Oberarmen und Dreadlocks, der mit seinen Freunden ein paar Meter weiter Fußball spielt. Sein Vater wurde in Tibet geboren, seine Mutter kam auf der Flucht nach Nepal zur Welt. Er selbst wurde hier geboren, in Tashi Palkhiel. Zehn Jahre ging er in eine tibetische Schule. Heute arbeitet er, wie viele seiner Freunde, ohne offizielle Genehmigung in einem Restaurant, verkauft Souvenirs in den Bergen. „Es gibt nur wenige junge Tibeter, die studieren können. Unsere Jobaussichten sind schlecht. Ohne Papiere hat man keine Chance“, sagt der junge Mann. Aber Tenzin lehnte sich auf. Als es im März 2010 zu Protesten in Kathmandu kam, waren auch er und seine Freunde dabei – und wurden inhaftiert. Seitdem habe es Hungerstreiks und eine steigende Zahl von Selbstverbrennungen gegeben, öffentliche Demonstrationen aber seien die Ausnahme. Zu groß sei die Furcht vor Repressionen, im Land herrsche „ein Klima der Angst“.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Eindruck, den Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet (ICT) in Deutschland, bestätigt: „Die Situation der Tibeter in Nepal hat sich drastisch verschlechtert, insbesondere im Zuge der 2008 ausgebrochenen Unruhen in Tibet.“ Müller spricht von Einschränkungen der Versammlungs-, Religions- und Meinungsfreiheit. So sei es Exiltibetern unter anderem verboten, den Geburtstag des Dalai Lama öffentlich zu feiern und tibetische Riten zu zelebrieren. Auch staatliche Überwachung und willkürliche Verhaftungen hätten zugenommen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Leben in der „Sandwich-Situation&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Problem ist Nepals geographische und politische Lage – die „Sandwich-Situation“, wie Gopal Krishna Siwakoti, Präsident der nepalesischen Menschenrechtsorganisation INHURED international, es nennt: „Das kleine Land Nepal liegt eingeklemmt zwischen zwei großen Nationen, China und Indien. Wenn Nepal die tibetischen Flüchtlinge anerkennt und ihre Rechte stärkt, ist das ein deutlicher Schlag gegen die chinesische Regierung. Daher schreckt unsere Regierung davor zurück.“ Immer wieder lasse die Führung in Peking verlauten, dass sie keine pro-tibetischen Strömungen in Nepal toleriere. Siwakoti spricht von „allen Arten von politischen Drohungen“, die China auf Nepal ausübe. „Wir sind von China abhängig, sowohl finanziell als auch politisch. Unsere Regierung demonstriert mit ihrer Politik immer wieder, dass Nepal nicht stark genug ist, um unabhängig zu existieren.“ Indien hingegen, wo heute die meisten Exiltibeter leben, wolle die ohnehin schon komplizierten Beziehungen zu China nicht noch weiter belasten.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so geraten Menschen wie Tenzin zwischen die Mühlen dreier Staaten – gefangen in für sie fremden Ländern. Denn obwohl Tenzin Tibet nie gesehen hat, ist es für ihn doch sein Heimatland. Freundschaftliche Kontakte zu den nepalesischen Nachbarn bestünden zwar, tiefe Bindungen aber gebe es nicht. Die scheiterten nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere; Tenzin spricht Tibetisch, sein Nepalesisch ist bruchstückhaft. Ob er Wünsche hat? Nur zurück nach Tibet, sagt er. Das habe er schon in der Kindheit so gelernt.</p>
<h2 style="text-align: left;">„Wir sollten den Nepalesen dankbar sein“</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber es geht auch anders. Keine 200 Kilometer entfernt, in Kathmandu, ist der Ton schon gemäßigter. „Ich bin hier geboren und lebe hier – also bin ich auch Nepalese“, sagt Tashi Tsering im Garten seines Shechen Guest Houses. Der 36-jährige Hotelier ist groß und stämmig, hat buschiges, wildes Haar, seine Hände sind ständig in Bewegung, wenn er spricht. Auch Tashi ist Nachfahre tibetischer Flüchtlinge, aber einer mit nepalesischem Pass.</p>
<p style="text-align: justify;">Tashi hatte Glück. Seine Siedlung, Jorpati Khampa, habe sich in den 1970ern „gut gestellt“ mit der nepalesischen Regierung, habe den Kontakt gesucht, sich engagiert, sagt er. Und so erhielten die meisten Bewohner nepalesische Pässe. Viele von ihnen hätten heute gut bezahlte Jobs, die Siedlung stehe finanziell deutlich besser da, als viele andere tibetische Enklaven im Land. Aber das hatte seinen Preis: In der tibetischen Gemeinschaft sei der Kurs der Siedlung damals nicht gern gesehen worden. Tashi spricht von Spannungen mit anderen Siedlungen in Nepal, aber auch mit der tibetischen Exilregierung in Indien. Viele hätten die Siedler als „Verräter“ am Heimatland gesehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Tashi indes fühlt sich angekommen in Nepal. Er ist verlobt mit einer Nepalesin, hat Arbeit, kann reisen. „Wir sollten den Nepalesen dankbar sein“, sagt er. „Immerhin haben sie uns aufgenommen und wir bezahlen nichts für das Land, auf dem wir leben“. Er sieht Kooperation als einzigen Weg: Sich im Land zu engagieren – und zu integrieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch Kai Müller von der ICT (International Campaign for Tibet) spricht von den „historisch engen Bindungen zwischen Tibet und Nepal“. Die derzeitige, von Misstrauen geprägte Beziehung beider Völker sei eine „Anomalie“. Doch so lange Nepal wirtschaftlich und politisch von China abhängig bleibt und China die Forderung der tibetischen Exilregierung nach Autonomie der tibetischen Gebiete ablehnt, wird sich daran vermutlich wenig ändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so bleibt den Exiltibetern nur die Möglichkeit, sich mit der Situation zu arrangieren. Jeder auf seine Weise. So unterschiedlich ihre Ansichten dabei auch sind, in einem sind sie sich jedoch einig: in der Verurteilung der unrechtmäßigen Aneignung Tibets durch die Chinesen. Das sieht der traditionsbewusste Schulsekretär Lobsang aus Pokhara so, und das sieht der gut integrierte Hotelier Tashi aus Kathmandu so. Und so sahen sie das auch schon früher. Die beiden gingen gemeinsam zur Schule. Sie sind Freunde, seit Jahren schon.</p>
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