<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title></title>
	<atom:link href="https://www.weltseher.de/tag/stephan-dietrich/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.weltseher.de</link>
	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 10 Mar 2018 02:17:21 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=5.4.16</generator>

<image>
	<url>https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/02/favicon1.png</url>
	<title>Stephan Dietrich &#8211; WELTSEHER</title>
	<link>https://www.weltseher.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Gott liebt die Alten</title>
		<link>https://www.weltseher.de/gott-liebt-die-alten/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/gott-liebt-die-alten/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Dec 2017 23:09:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Senioren]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.weltseher.de/?p=6976</guid>

					<description><![CDATA[Während die Industrieländer noch über das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren, ist es in Uganda bereits Realität – zumindest bei den ärmsten Senioren. Unser Autor war bei der Auszahlung in einem kleinen Dorf dabei.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/gott-liebt-die-alten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Während die Industrieländer noch über das bedingungslose Grundeinkommen diskutieren, ist es in Uganda bereits Realität – zumindest bei den ärmsten Senioren. Unser Autor war bei der Auszahlung in einem kleinen Dorf dabei.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gemächlich bewegen sich die letzten Nachzügler auf ihre Krücken gestützt zum haushohen Fikus-Baum vor den Gemeinderäumen von Otkwac. Im Schatten haben sich bereits die älteren Jahrgänge mehrerer Dörfer versammelt. Insgesamt etwa 400 Frauen und Männer lauschen dort so gut wie es noch geht dem Bezirksvorsteher. Es ist ein besonderer Tag im Distrik Kole im Norden Ugandas, es ist Zahltag. Alle Bewohner über 65 erhalten jeden zweiten Monat 50.000 Schilling, was etwa 15 Euro entspricht, und können damit machen was sie wollen. Eine Rente, ohne dass sie je etwas in ein Rentensystem eingezahlt haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Betrag erscheint bedeutungslos, aber für viele ist es eine wichtige Unterstützung um zumindest den Grundbedarf des Lebens zu decken. Jeder Dritte Bewohner lebt von weniger als einem Dollar am Tag und die Zahlung deckt im Durchschnitt zwei Drittel der monatlichen Ausgaben eines ganzen Haushalts in der Region. Um nach Kole zu kommen, fährt man von der Hauptstadt Kampala Richtung Norden, überquert den Nil kurz nach dem Ursprung im Viktoriasee und landet nach insgesamt etwa 250 Kilometern in einem ländlichen Gebiet voller Menschen, aber ohne Stadt.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Das Armenhaus Ugandas</h2>
<p style="text-align: justify;">Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Südsudan, im Westen liegt der Kongo, im Osten Kenia. Der Norden ist das Armenhaus Ugandas. Bis vor einigen Jahren war er Schauplatz des Bürgerkriegs mit der Lord&#8217;s Resistance Army, dessen Anführer Joseph Kony wegen seiner Kinderarmee und schlimmer Menschenrechtsverletzungen berüchtigt ist. Der Konflikt hat sich in den Kongo verlagert, viele Probleme sind geblieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber Uganda ist mehr als das Trübsal, dass die internationalen Schlagzeilen über den Bürgerkrieg, den ewig herrschenden Präsidenten Museveni oder die Kriminalisierung von Homosexualität vermuten lassen. Uganda ist ein aufstrebendes Land mit starkem Wirtschaftswachstum und sinkenden Armutsraten.</p>
<p style="text-align: justify;">Vor fünf Jahren hat die Regierung das &#8222;Social Assistance Grants for Empowerment Programm&#8220; mit Hilfe von internationalen Partnern ins Leben gerufen. Eine Art bedingungsloses Grundeinkommen, dass armutsbedrohten Menschen helfen soll, ihren Lebensstandard zu verbessern. Die Idee dahinter ist einfach: Die meisten Menschen wissen selber am besten, was ihnen fehlt. Statt viel Geld in die Überwachung und Umsetzung spezifischer Programme zu investieren, bleibt es hier jedem selber überlassen, was er mit dem Geld anfängt.</p>
<div id="aesop-gallery-6984-1"  class="aesop-component aesop-gallery-component aesop-thumbnail-gallery-wrap    " ><div id="aesop-thumb-gallery-6984" class="fotorama" 	data-transition="crossfade"
																			data-width="100%"
																																						data-keyboard="true"
																			data-nav=thumbs																			data-allow-full-screen="native"
																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-10.jpg" data-caption="Zwei Senioren auf dem Weg zur Auszahlungsstation." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-1.jpg" data-caption="Für die Versammlung haben sich alle schick gemacht." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-8.jpg" data-caption="Auf der Versammlung wird ausgezahlt und diskutiert." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-5.jpg" data-caption="Das Geld wird auf die Simkarte überwiesen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-2.jpg" data-caption="Registrierung per Fingerabdruck." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-9.jpg" data-caption="Witwe Adong Rose lebt mit ihren drei Enkelkindern auf einem Hof aus drei kleinen Lehmhütten. Ihr Mann ist letztes Jahr von einem Auto tödlich angefahren worden." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-6.jpg" data-caption="Obwohl das Grundeinkommen der Alten nicht hoch ist, hilft es ihren Familien über die Runden zu kommen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-7.jpg" data-caption="Andrew Newton Ogei ist der technische Direktor im Kole Distrikt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-3.jpg" data-caption="Senioren auf dem Motorrad-Taxi." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/12/Uganda-Senioren-4.jpg" data-caption="Die Landschaft im Kole Distrikt." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Stephan Dietrich</p></div>
<h2 style="text-align: justify;">Die Alten haben es besonders schwer</h2>
<p style="text-align: justify;">Andrew Newton Ogei ist der technische Direktor im Kole Distrikt. Mit seinen 35 Jahren wirkt er jugendhaft zwischen den Senioren. Er erklärt, dass es besonders die Alten schwer haben in einer Region, in der der Staat nur am Rande vorkommt. Sozialabgaben oder direkte Steuern gibt es nicht. Im Alter sind daher viele auf ihre Familie und die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Wie dieses Gerüst in sich zusammenfällt, wenn eine Generation wegbricht, hat die Aids-Epidemie vieler Orts auf tragische Weise deutlich gemacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie zum Beispiel bei Rose, 74. Die Witwe lebt mit ihren drei Enkelkindern auf einem Hof aus drei kleinen Lehmhütten. Ihr Mann ist letztes Jahr von einem Auto tödlich angefahren worden. Ihre Tochter war mit einem Polizisten verheiratetet. Der Mann und seine zwei Ehefrauen – Polygamie wird in Uganda praktiziert – sind an Aids gestorben. Nun kümmert sich Rose alleine um ihre Enkelkinder, auch wenn man ihr die Jahrzehnte harter Arbeit in der Landwirtschaft anmerkt.</p>
<p style="text-align: justify;">Von dem Geld des Programms kann sie Essen besorgen, schickt die Kinder in die Schule und investiert in den Hof. Sie zeigt auf mehrere Hühner, die zwischen den Hütten umherlaufen sowie eine Ziege, die im Hintergrund weidet. Die Auszahlungen in Otkwac sind nach draußen verlegt worden, weil es in den kleinen Verwaltungsräumen der Gemeinde bei weitem nicht genug Platz für die Menschenmenge gibt. Es ist wie ein kleines Ehemaligentreffen der Jahrgänge 1950 und älter. Zu diesem Anlass wird Festtagskleidung getragen. Bunte Röcke, Schlips und ein paar ziemlich große Sonnenbrillen vermischen sich zu einer farbenfrohen Menschenmenge.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Auszahlung bei tropischen Temperaturen</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Bezirksvorsteher ruft den Wartenden zu, dass sie ihre Simkarten bereit halten müssen. Danach wird ein Ort aus dem Distrikt nach dem anderen abgearbeitet. Simkarte, Fingerabdruck und die Geldscheine wechseln über einen wackligen Holztisch die Seiten. Der Rest bleibt unbeeindruckt von den tropischen Temperaturen auf dem Rasen sitzen. Im Laufe des Vormittags ziehen tief dunkle Wolken am Horizont auf, aber mit Hektik ist nicht zu rechnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Milton, 71, lebt wie fast alle von Subsitenzlandwirtschaft. Ein kurzer Blick in den Himmel reicht ihm, um zu sagen, dass es erst am Abend regnen wird. Sein Dorf Ocor liegt etwa zehn Kilometer die lehmig rote Straße hinunter. Er hat sich im Morgengrauen in die unendliche Ameisenstraße eingereiht, die sich von Sonnenauf- bis Untergang an den bunten Feldern und dem satten Grün des Moors entlangschlängelt. Die meisten gehen zu Fuß, in Gruppen, in einem Tempo, das nicht zu unterbieten ist. Dazu kommen die Boda-boda Fahrräder mit ausgebauten Gepäckträgern, auf denen unvorstellbare Mengen an Kisten, lebenden Tieren und Beifahren aufgeladen werden. Immer wieder reißen Motorräder Furchen in den Menschenstrom. Sobald Milton sein Geld erhalten hat, wird er sich wieder in den Strom einreihen. Ein guter Tag, sagt Milton.</p>
<p style="text-align: justify;">Neu ist die Idee des Grundeinkommens zur Armutsbekämpfung nicht. Anfang des Jahrtausends wurden so genannte &#8222;Conditional Cash Transfer&#8220; Programme in Lateinamerika getestet. Dabei wurden die Zahlungen an Bedingungen wie etwa den Schulbesuch der Kinder geknüpft. Die Ergebnisse waren vielversprechend und daraufhin wurden weltweit ähnliche Programme umgesetzt. Es zeigte sich aber, dass es sich meist nicht lohnt Bedingungen einzuführen, weil es nicht am Willen der Eltern fehlt, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sondern an den finanziellen Mitteln dafür.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Grundeinkommen breitet sich unter den Armen aus</h2>
<p style="text-align: justify;">Auch ohne die Konditionierung haben die Programme ähnliche Auswirkungen, aber zu geringeren Kosten. Die Ausbreitung von &#8222;Cash Transfer&#8220; Programmen in Afrika ist beeindruckend. Allein bis zum Jahr 2009 zählte eine Weltbankstudie 120 ähnliche Interventionen. Das Programm in Uganda läuft bisher in 15 besonders armen Distrikten mit ungefähr 120.000 Empfängern. Es wurden zwei verschiedene Varianten des Programms getestet. Einmal für alle über 65 und die andere Variante für besonders armutsgefährdete Haushalte gemäß eines Index aus Anzahl an Waisenkindern und arbeitsunfähigen Personen im Haushalt.</p>
<p style="text-align: justify;">Um die Auswirkungen des Programms zu überprüfen, hat eine englische Beraterfirma eine sie untersucht. In der Studie sollten Programmempfänger mit ähnlichen Haushalten, die keine Zahlungen erhielten, verglichen werden. Der Nachweis positiver Effekte sollte auch helfen, das Programm vor politischen Konjunkturen zu schützen, da ein nachweisbar erfolgreiches Programm sich nur schwer zurücknehmen lässt. Allerdings gab es Probleme mit der Vergleichbarkeit der Kontroll- und Vergleichsgruppe, weshalb die Ergebnisse nicht so schlüssig sind, wie man das gerne hätte.</p>
<p style="text-align: justify;">Klar scheint aber, dass sich nur das Programm für die Senioren bewährt. Zu unverständlich waren die Kriterien für die Vergabe der Zahlungen an die besonders armutsbedrohten Familien. In der Evaluierung gaben einige Empfänger an, dass Gott entscheidet, wer das Geld bekommt. Ganz so ist es nicht, aber gerade in Gegenden mit hoher Armut, kann die Verteilung auch zu sozialen Spannungen führen. Wenn alle arm sind, wieso erhalten einige das Geld und andere nicht? Das Alter zu nehmen ist dagegen einfach zu verstehen und als legitimes Kriterium akzeptiert.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kein Grundeinkommen für alle</h2>
<p style="text-align: justify;">Eine politische Dimension ist aber bei der Entscheidung nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz zu den Kindern gehen gerade die Älteren treu zum Wählen. So wurde im Lauf des Wahlkampfs Anfang des Jahres verkündet, dass das Program in den nächsten fünf Jahren in 40 weiteren Distrikten eingeführt werden soll. Komplett bedingungslos sind die Zahlungen allerdings nicht. Der Sozialwissenschaftler Firminus Mugumya von der Makerere Universität in Kampala weist darauf hin, dass das Programm schnell eingestellt werden würde, wenn es nicht effektiv wäre. Wenn die Menschen anfangen würden das Geld in den Viktoriasee zu werfen, würden die Zahlungen sofort gestoppt werden, schiebt er hinterher, um seinen Punkt zu verdeutlichen.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit dem Program soll die Armut reduziert werden, nur der Weg dorthin bleibt jedem selber überlassen. Auch wenn Firminus Mugumya das Programm als Erfolgsgeschichte bezeichnet, glaubt er nicht, dass es in Zukunft in ganz Uganda umgesetzt wird. Die finanziellen Möglichkeiten sind zu begrenzt und sollen erstmal dafür verwendet werden, den ärmsten Regionen zu helfen. Zu einem Grundeinkommen für alle wird es so schnell nicht kommen.</p>
<p>Bevor das Geld ausgezahlt wird, überweisen Mitarbeiter eines Telefonanbieters vor Ort mobiles Handygeld auf die Simkarten der Empfänger. Wer die Auszahlung verpasst, hat das Geld auf seiner Simkarte gespeichert und kann es sich beim nächsten Mal auszahlen lassen. Handygeld hat sich in Uganda etabliert. In jeden noch so kleinen Dorf gibt es Wechselstuben der Mobilfunkanbieter, in denen man die elektronische Währung in Bargeld tauschen kann. Aber häufig ist das gar nicht nötig. Man kann das Geld verschicken, damit bezahlen und es parallel zum Bargeld verwenden. Selbst ohne Handy kann die Simkarte als Sparkonto verwendet werden. Dazu kommt es aber eher selten, denn der Großteil wird gleich wieder investiert.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Gott liebt die Alten</h2>
<p style="text-align: justify;">Einige der Alten haben sich zu einem Netzwerk zusammengetan. Sie nennen sich „God loves the Elderly“. Gemeinsam bauen sie Zwiebeln an und in Notsituationen legen sie Geld zusammen, um einzelnen Mitgliedern zu helfen. Durch das Programm werden sie selbstständiger, können den Haushalt unterstützen und die Felder von jüngeren Hilfsarbeitern bestellen lassen. Aber nicht nur die Alten haben etwas von dem Programm. Mit dem Geld werden auch Schulkosten für Kinder beglichen und es fließt auch in die lokale Wirtschaft, wovon alle profitieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings gibt es auch Probleme. Die Mittel für das Programms sind so knapp, dass in Zukunft nur die 50 Ältesten Bewohner eines Distrikts das Grundeinkommen erhalten können. Dabei lässt sich oft nicht feststellen, wer wie alt ist, weil gerade die Älteren nicht über Geburtsnachweis oder andere offizielle Dokumente verfügen. In solchen Fällen schätzen Beamte der Regionalverwaltung das Alter. Das mag funktionieren, wenn alle über 65 die Zahlungen bekommen, aber im Zweifel das genaue Geburtsjahr festzustellen, scheint sehr schwierig und viel Raum für Willkür zu bieten. Erst die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich diese Probleme in der Praxis lösen lassen.</p>
<p>Am frühen Nachmittag ist auch das letzte Dorf ausgezahlt. Zum Abschluss hievt der Bezirksvorsteher die letzten Empfänger auf ein Motorradtaxi. In zwei Monaten werden sie wiederkommen, wenn die nächste Auszahlung die Alten hier versammeln wird.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/gott-liebt-die-alten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Radieschen in der Wüste</title>
		<link>https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2015 05:03:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Kolonie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lüderitz]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=4872</guid>

					<description><![CDATA[Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Schlange zieht sich über fast fünfzig Meter durch die letzten Ausläufer der Wüste. Die müden Arbeiter reihen sich geduldig in einer geraden Linie auf und warten darauf, dass sie sich in einen runtergekommenen Bus zwängen können. Außer der Fischfabrik am Ufer gibt es bis hin zu den Hügeln am Rand der Bucht, nur Sand zu sehen. Einige Meter abseits der Haltestelle zeichnet sich jedoch ein leicht zur Seite geneigter Steinsockel ab, an dem die Geschichte offiziell begonnen hat:</p>
<p style="text-align: justify;">Im August 1884 versammelte sich eine kleine Gruppe aus Angestellten des Tabakhändlers Lüderitz, der Besatzung von zwei Kriegsschiffen sowie dem Kapitän John Fredericks II um diesen Sockel und hisste die deutsche Flagge. Hier, ganz im Süden Namibias, entstand die erste deutsche Kolonie.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Jahr vor der Flaggenhissung hatte der Bremer Adolf Lüderitz die Bucht in der Hoffnung auf Rohstoffe, Geschäfte mit Südafrika, aber wahrscheinlich auch aus Abenteuerlust erworben. Es war kein sonderlich einladender Ort, besonders wenn man davor die grüne afrikanische Westküste entlang gefahren ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Überall Sand, diese Hitze und kein Süßwasser. Allerdings hatten sich Europas Mächte bereits einen Großteil Afrikas gesichert. Für zfradieweihundert Gewehre und einhundert Pfund Sterling kaufte Lüderitz dem Kapitän John Fredericks II, der in der dünn besiedelten Region um die Bucht mit seinem Klan lebte, Land in einem Umkreis von einigen Meilen ab.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Erstes Schutzgebiet in Afrika</h2>
<p style="text-align: justify;">Einmal niedergelassen, weitete Lüderitz sein Land immer weiter aus, wobei er sich zu Nutzen machte, dass die zwei größten Volksgruppen in der Region, die Nama und Herero, sich in ständigen Auseinandersetzungen befanden. Obwohl Reichskanzler Bismarck Kolonien eher ablehnend gegenüberstand, willigte er 1884 ein, auch Gebieten außerhalb Deutschlands staatliche Sicherheit zu garantieren. Die Lüderitzbucht war das erste Gebiet, dem dieser Schutz zugesichert wurde.</p>
<div id="aesop-gallery-4876-2"  class="aesop-component aesop-gallery-component aesop-thumbnail-gallery-wrap    " ><div id="aesop-thumb-gallery-4876" class="fotorama" 	data-transition="crossfade"
																			data-width=""
																																						data-keyboard="true"
																			data-nav=thumbs																			data-allow-full-screen="native"
																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz18.jpg" data-caption="Eine lange Schlange an einer Bushaltestelle. Daneben ein Sockel zur Erinnerung an die deutsche Flaggenhissung." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz12.jpg" data-caption="Auch Fußball wird hier in der Wüste gespielt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz2.jpg" data-caption="Das historische Zentrum von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz4.jpg" data-caption="Die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz11.jpg" data-caption="Die Rückseite der Felsenkirche." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz16.jpg" data-caption="Eine Straße für Ernst Göring, Vater des Nazi-Reichsfeldmarschalls und erster Verwalter von Deutsch Südwestafrika." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz3.jpg" data-caption="Die Freiwillige Feuerwehr von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz7.jpg" data-caption="Der örtliche Yachtklub." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz14.jpg" data-caption="Beim &quot;Radiesschen&quot;-Kegelverein." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz13.jpg" data-caption="Ein &quot;Radiesschen&quot;-Kegler." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz10.jpg" data-caption="Fischfabriken wie diese sind Hauptarbeitgeber in Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz9.jpg" data-caption="Eine ehemalige Walfangstation." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz8.jpg" data-caption="Andi sucht Arbeit in einer Fischfabrik." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz6.jpg" data-caption="Das Stadtmuseum." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz17.jpg" data-caption="Auf der Haifischinsel befand sich ein deutsches Konzentrationslager." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Mehr als ein Jahrhundert später zucken die Arbeiter skeptisch mit den Schultern. Ein Denkmal? Hier, wo sie gerade acht Stunden lang afrikanischen Aal zerlegt haben? Die abgelegene Stadt trägt noch immer den Namen ihres deutschen Gründers.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Hauptstadt Windhoek ist für die meisten Einwohner nur mit Minibussen zu erreichen. Eine lange Fahrt, die irgendwo zwischen sieben Stunden und zwei Tagen dauert und wie mit einem Lineal gezogen durch die immer gelblicher werdenden, weitläufigen Landschaften führt.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz hinter der Stadtgrenze beginnt das alte Diamantensperrgebiet, das in etwa ein Drittel der Fläche Bayerns besitzt und Lüderitz auf Abstand zum Rest der Welt hält. Etwas mehr als 10.000 Einwohner leben heute in der Bucht.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Kleinstadt lernt man sich da schnell kennen. Zum Beispiel Boy aus der freiwilligen Feuerwehr. Er ist einer der wenigen Buchtler, wie sich die Bewohner der Stadt nennen, die sich auf beiden Seiten des immer noch tief sitzenden Keils zwischen schwarz und weiß bewegen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kurz Kolonialromantik schnuppern</h2>
<p style="text-align: justify;">Er zeigt mir seine Stadt, ruft an, wenn sich was tut im trägen Alltag. In seinem in die Jahre gekommenen Alfa Romeo fahren wir in das Zentrum. Der Stadtkern wird immer noch von den Häusern der deutschen Siedler geprägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Gut in Stand gehalten zählen die Kolonialbauten zu einer der großen Sehenswürdigkeiten in den Reiseführern. Alle paar Wochen legt ein Kreuzfahrtschiff an und überschwemmt die Innenstadt mit Urlaubern, die das Zentrum in eine ungewohnte Hektik versetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Touristen können kurz Kolonialromantik schnuppern und danach gibt es Bier und Austern, die in dem eiskalten Atlantikwasser fabelhaft wachsen. Im Zentrum befindet sich auch das Stadtmuseum. Es werden vor allem Ausstellungsstücke der Kolonialzeit gezeigt und daneben gibt es noch ein paar vergilbte Schautafeln zu Ureinwohnern, Tieren und Steinen der Region.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Museumswärterin erzählt mir vom Deutschen Klub, der sich in der Turnhalle trifft und so eine Art Lesezirkel sei, bevor sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zuwendet. Noch immer leben zahlreiche deutschstämmige Familien in der Stadt und neben deutschem Radio bekommt man auch eine deutschsprachige Tageszeitung.</p>
<p style="text-align: justify;">Über dem Eingang zur Turnhalle hängt das alte Schild des Männerturnvereins. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo in einem holzverkleideten Raum fünf Männer umzingelt von alten Fotos, Postern und einem Jägermeisterplakat an einem Tresen sitzen und Bier trinken. Der Deutsche Klub, eine Bar, die so auch in jeder tristeren Ecke in Deutschland stehen könnte. Jedes Getränk kostet umgerechnet fünfundsiebzig Cent und nur Mitglieder dürfen bestellen, was ziemlich häufig vorkommt an diesem Abend.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Schnaps spricht mein Nachbar als einziger in der Runde Deutsch, das sich immer wieder mit Afrikaans, Englisch und einem leichten Lallen vermischt. Werner, ein Mittfünfziger mit groben Arbeiterhänden, ist direkt aus seiner Autowerkstatt in den Klub gekommen. Vor über dreißig Jahren ist er nach Lüderitz gefahren, um Urlaub zu machen, hat eine Frau kennengelernt und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Den Deutschen Klub hat er mitgründet, weil er mit seinem Hund nicht mehr in den Yachtklub gehen durfte. Die Männer diskutieren über einen Beschluss des Präsidenten Lüderitz kurzfristig in !NamǂNûs, in die Sprache der Nama, umzubenennen. Angeheitzt werden die Gespräche von einem Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil das zuschnappt, wenn man den falschen Zahn drückt. Über Literatur wird den ganzen Abend nicht gesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz nach der Flaggenhissung musste Lüderitz sein Land unter großem Verlust an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Die Kolonie erreichte eine Ausdehnung von fast 1.200 Kilometern Länge, die sich von der südafrikanischen Grenze bis zum portugiesischen Angola im Norden erstreckte.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gegensatz zu den anderen deutschen Kolonien wurde Deutsch-Südwestafrika, wie das Gebiet genannt wurde, zu einer Siedlerkolonie. So sollte es nicht nur billige Rohstoffquelle werden, sondern auch Bauland für ein neues Deutschland in der Ferne, um der Emigration in die USA entgegenzuwirken. Auf die zirka 200.000 Bewohnern kamen später etwa 12.500 Deutsche.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ersten offiziellen Verwalter des Schutzgebiets entsandte das Deutsche Reich Ernst Göring, den Vater des späteren Reichsfeldmarschalls in Nazideutschland. Später ausgestattet mit zwei Dutzend Soldaten, verwaltete er ein Gebiet größer als das Deutsche Kaiserreich. Die deutsche Unterdrückung sorgte immer wieder für Unruhen. Im Jahr 1904 entlud sich die Wut mit voller Wucht, als sich erst die Herero und später auch die Nama erhoben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Vernichtungsbefehl von General von Trotha</h2>
<p style="text-align: justify;">Erbitterte Kämpfe mündeten in dem Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha. Ohne Rücksicht wurden zurückweichende Herero einschließlich Kindern und Frauen nach einer Schlacht in eine Wüste getrieben, in der ein Großteil verdurstete. Gefangene wurden in Konzentrationslager gesperrt, von denen eines auf Haifischinsel, einer Halbinsel bei Lüderitz, eingerichtet wurde. Von den ursprünglich 100.000 Herero und Nama überlebte schätzungsweise nur ein Viertel den deutschen Kolonialismus.</p>
<p style="text-align: justify;">Entlang der Schotterstraße, die aus dem Stadtzentrum hinaus führt, ist nicht mehr viel von dem Kolonialflair zu spüren. Am Hügel hinter der Bucht wachsen kleine Hütten aus Wellblech, alten Werbetafeln und was auch immer sonst noch zu Verfügung stand, die Felsen hinauf. Dazwischen Spelunken wie dem German Town oder dem George Weah, in denen es ähnlich zugeht wie im Deutschen Klub, nur ohne weiße Buchtler.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Fischfabriken locken Arbeitssuchende aus dem Norden hierher. Die Arbeitslosenquote ist hoch und viele schlagen sich mit informellen Jobs unter der Armutsgrenze durch das Leben. Die Ungleichheit in Lüderitz ist nicht zu übersehen. Schaut man die Bucht hinab, erkennt man in der Ferne die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen.</p>
<p style="text-align: justify;">An den Wochenenden überschwemmt der Alkohol die Stadt. „Lüderitz &#8211; A small drinking town with a fishing problem“, steht auf T-Shirts, die in einer der beliebtesten Bars unter Touristen verkauft werden. Jägermeister und Bier nach „pure Reinheitsgebot“ fließen in Strömen. Die alte Kegelbahn ist auch noch in Betrieb. Einmal die Woche treffen sich hier die sogenannten Radieschen zum Training.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wände sind voll mit alten Mannschaftsbildern und Urkunden des Kegelvereins. Das älteste Foto zeigt die Radieschen im Jahr 1906. Auf den Fotos posieren die weißen Männer in ihren Kegeloutfits, sonnenverbrannt im unteren Teil der Gesichter und hell weiß ab der Stirn, wo der Hut vor der Sonne schützte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bahn ist immer noch die gleiche. Drei der neun Spieler sind deutschstämmig, ein paar arbeiten als Fischer, andere sind nur zu Besuch während ihrer Semesterferien in Südafrika. Aus der Stereoanlage dröhnt „wir feiern vom Balkan bis nach Bayern“, während die erste Kugel die abgenutzte Holzbahn heruntergeworfen wird. Nach dem ersten Spiel wird von den Stühlen im Eingangsbereich gemeinsam der alte Vereinsspruch der Radieschen ausgerufen, der mit „du Sau, du Sau, du Sau“ endet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">1990 erreicht Namibia seine Unabhängigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Als sich der erste Weltkrieg nach Afrika ausbreitete, waren die deutschen Truppen chancenlos unterlegen. Im Juli 1915, vor einhundert Jahren, wurde die Kolonie an die Südafrikanische Union übergeben. Erst 1990 erreichte Namibia seine Unabhängigkeit von Südafrika. Auf eine deutsche Entschuldigung für die Verbrechen wartete man in Namibia lange. Im Jahr 2004 sprach die damalige Entwicklungsministerien Wiecorek-Zeul über die moralische Verantwortung der Deutschen. Entgegen der offiziellen Haltung Deutschlands bat sie „im Sinne des gemeinsamen Vater unser um Vergebung unserer Schuld“.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Straße zur Haifischinsel führt vorbei am Hafen, an dem auch die Diamantenschiffe liegen. Am Ende befindet sich ein Campingplatz. Innerhalb weniger Minuten zieht eine Nebelschwade vom Meer über die Stadt und legt alles unter einen weißen Mantel. Eine Steintafel erinnert an Kapitän John Fredericks II und seinen Klan, der auf dem Land, das er einst Lüderitz verkauft hatte, in dem Konzentrationslager umkam.</p>
<p style="text-align: justify;">Davon steht allerdings nichts auf der Tafel ebenso wenig wie von dem Lager an sich. Nur ein paar Meter weiter wird an die deutschen Gefallenen erinnert und daneben an einen Segler, der in den achtziger Jahren von Lüderitz aus den Atlantik überquert hat. Die Touristen, die zum größten Teil aus Südafrika kommen, erfahren von der Vorgeschichte des Campingplatzes meist nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">Abends ist es sehr ruhig in Lüderitz und die Kolonialbauten erscheinen wie substanzlose Fassaden eines Filmstudios. Ballsaal, Turnhalle, Bücherei. So ganz hat der koloniale Geist die Stadt allerdings nie verlassen. Auf den deutschen Kolonialismus folgte südafrikanische Apartheidpolitik und auch ein Jahrhundert nach dem Abzug, sträubt sich Deutschland noch immer, seine Verbrechen anzuerkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Stattdessen wird mit verstärkter Entwicklungszusammenarbeit versucht der historischen Verantwortung gerecht zu werden. Nicht gerade viel für ein Land, das sonst so gerne historische Aufarbeitung einfordert. Die Spuren sind jedoch eindeutig und in der trockenen Hitze von Lüderitz bestens konserviert worden.</p>
<p style="text-align: justify;">
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
