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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Urlaub &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>&#8222;Die großen Tiere sind am faulsten&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2014 02:36:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Mescoli]]></category>
		<category><![CDATA[Namib]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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		<category><![CDATA[Wüste]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim Wandern in der Namib-Wüste in Namibia kann der Mensch sowohl die absolute Stille, als auch die Lebenskraft der Natur erleben. Unser Autor Felix Mescoli hat es ausprobiert. Eine Wanderung durch eine trockene, aber lebendige Welt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/namib-wueste-leben-im-nichts/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Beim Wandern in der Namib-Wüste in Namibia kann der Mensch sowohl die absolute Stille, als auch die Lebenskraft der Natur erleben. Unser Autor Felix Mescoli hat es ausprobiert. Eine Wanderung durch eine trockene, aber lebendige Welt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dass die Wüste lebt, ist spätestens seit dem gleichnamigen Tierfilm von James Algar, der 1953 zum Welterfolg wurde, kein Geheimnis mehr. Dass aber ausgerechnet ein so ungastliches Exemplar wie die Namib an der Westküste des südlichen Afrika, mit Tagestemperaturen von bis zu 50 und Nachttemperaturen unter 0 Grad, jahrzehntelangen Trockenperioden, regelmäßigen Sandstürmen und turmhoch aufragenden Dünen, ein derart geschäftiges kleines Ödland ist, dass war vor der dreitägigen Wanderung über den feinen, rostroten Sand nicht zu erwarten.</p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich bedeutet die Bezeichnung Namib in der Sprache des dort lebenden Nama-Volkes „Ort, wo nichts ist“ oder „Leerer Platz“. Und die Leute werden sich bei der Namensgebung ja irgendwas gedacht haben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Himmel oder Hölle</h2>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Ein Freund hat mir einmal gesagt, hast du Essen und Wasser, ist die Wüste der Himmel auf Erden. Wenn nicht: die Hölle&#8220;, erzählt Ueeraije Tjambiru fröhlich. Als Führer nimmt er die Wandergesellschaft am Ausgangspunkt der dreitägigen Ödland-Tour auf dem Tok Tokkie-Trail, einem ehemaligen Farmhaus sechs Autostunden südlich der namibischen Hauptstadt Windhoek, in Empfang. Unbarmherzig brennt die Mittagssonne auf das trockene Grasland ringsum. Im Schatten auf der Terrasse ist es angenehm kühl, dennoch schenke ich mir aus dem bauchigen Krug vorsorglich noch einmal Zitronenlimonade nach. Eiswürfel klirren gegen Glas. Aaaahh.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Tisch unter dem schützenden Vordach hat sich unsere sechsköpfige Reisegruppe versammelt;  Frischverheiratete aus dem flämischen Teil Belgiens auf Hochzeitsreise, saturierte Eheleute aus einem Pariser Vorort auf der Flucht vor dem Stress der Großstadt, der Schreiber nebst Reisebegleitung. Tjambiru, den alle nur Domingo nennen, gibt letzte Verhaltensmaßregeln: beim Laufen den Untergrund im Auge behalten &#8211; wegen giftiger Kriechtiere, ausreichend trinken, einen Hut aufsetzen und, auf jeden Fall, statt kurzer Hosen lange tragen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schnell noch die Wasserflaschen auffüllen, dann kommt schon der Marschbefehl. Hintereinanderweg, in Gänseformation dem kräftig ausschreitenden Führer folgend, geht es weg vom Farmhaus, weg von der Zivilisation, hinaus aufs unendlich scheinende Dünenmeer, dem Unbekannten entgegen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Durch messerscharfe Halme</h2>
<p style="text-align: justify;">Aus dem Unbekannten heraus materialisiert sich zunächst hüfthohes Gras. Denn hier, an der Grenze des Namib-Rand-Naturreservats, zusammengefasst aus fünf ehemaligen Farmen, mit 172.000 Hektar einem der größten privaten Naturschutzgebiete Afrikas, sind die Dünen bewachsen. Die messerscharfen Halme ritzen bei unvorsichtiger Berührung sofort die Haut, schnell sind Hände und Unterarme mit juckenden Kratzern übersät. Gebahnte Wege gibt es auf dem Tok Tokkie-Trail nicht. Trotz der brütenden Hitze bin ich plötzlich sehr dankbar für meine langen Hosen.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Das ist Namib Dünengras&#8220;, erklärt Domingo, den Bewuchs mit seinem Wanderstock zur Seite drückend. Auf gar keinen Fall zu verwechseln mit dem sehr ähnlichen Kalahari Dünengras! Was denn der Unterschied sei? Das Namib Dünengras wachse nur hier, sagt Domingo lakonisch, das Kalahari Dünengras nur in der mächtigen Sandwüste weiter im Norden. Eigentlich logisch.</p>
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                                Wüstenführer Domingo. Foto: Felix Mescoli
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<p style="text-align: justify;">Überall dagegen wächst das sich abgerolltem Natodraht ähnelnde Straußengras. &#8222;Ein Gras mit Attitüde&#8220;, wie Domingo lachend erklärt. Ein weiterer Pluspunkt für die langen Hosen. Wie handhaben das nur die in sicherer Entfernung vorbeiziehenden Spießböcke? Die mieden die Stachlbewehrten Halme und hielten sich an zartere Gräser,  berichtet der Guide.</p>
<h2 style="text-align: left;">Auf der Suche nach der weißen Lady</h2>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Stopp!&#8220;, ruft Domingo unvermittelt und deutet mit seinem nun als Zeigestab dienenden Stock auf einen etwa Centstück großen Punkt im Sand. Der Eingang zum Bau einer Radspinne. Er markiert die Öffnung mit einem Grashalm und schiebt den Sand mit den Händen vorsichtig beiseite. Nach einigem Wühlen fördert er einen fast zehn Zentimeter langen Schlauch  aus seidigem Gespinst zu Tage. Im Inneren lauert üblicherweise das gespenstisch bleiche Insekt, auch &#8222;White Lady&#8220; genannt. Lässt sich ein Beutetier verleiten, das Nest zu betreten, zieht es mit einem Faden, zack, die Falltür zu.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch der Bau ist verwaist. Domingo zeigt auf ein Gewirr von Linien im Sand, Spuren. &#8222;Eine Eidechse kam vorbei, es gab einen Kampf mit der Spinne&#8220;, erläutert er die winzigen Abdrücke. Vielleicht habe das Reptil das Insekt vertilgt, vielleicht war es aber auch umgekehrt. Domingo zuckt die Schultern. &#8222;First come first serve&#8220;, sagt er. &#8222;Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.&#8220; Das sei eben das Gesetz der Wüste.</p>
<h2 style="text-align: left;">Im Nachtlager</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach knapp zwei Stunden Fußmarsch erblicken wir in einer Senke das Nachtlager. Domingo teilt die Unterkünfte zu. Zwischen den Dünen sind paarweise Feldbetten aufgestellt, jeweils im gebührendem Abstand zum nächsten &#8222;Doppelzimmer&#8220;. Darunter ein kleiner Teppich, so dass niemand sandigen Fußes in die dicke Bettrolle kriechen muss. Daneben eine Gepäckablage – die Reisehabseligkeiten werden von der Begleitmannschaft transportiert –, ein Beistelltischchen, ein Kanvas-Waschbecken. Darüber: das Himmelszelt.</p>
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                                Dopppelbett unter freiem Himmel. Foto: Felix Mescoli
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<p style="text-align: justify;">Wer möchte, kann sich in der Wüstendusche vom mehlfeinen Staub befreien. Faktotum Willie Lammert, dessen Name so deutsch wie seine äußere Erscheinung afrikanisch ist, füllt dafür warmes Wasser in den im Geäst eines der wenigen Bäume baumelnden Eimer. Daran ist ein Duschkopf befestigt. Als Sichtschutz dient zum Lager hin eine Bretterwand, an den übrigen drei Seiten herrscht freie Sicht. Einerlei, die einzigen Beobachter weit und breit sind die spatzengroßen Webervögel. Und so dicht beieinander wie deren Hängenester in den Akazienkronen angebracht sind, scheren sie sich nicht um Intimität.</p>
<p style="text-align: justify;">Nichts für Zimperlieseln ist auch die Toilette. Sie ähnelt solchen auf Rockfestivals, allerdings fehlen Dach und Tür. Auf letztere allerdings verzichtet man an erhöhter Stelle thronend angesichts der Aussicht gerne. Vor dem Auge liegen sich nahezu unbeschränkt ausbreitende Grasflächen, nur am rechten Rand des Gesichtsfeldes begrenzt von in der Abendsonne blaurot schimmernden Bergen. Auf Neudeutsch nennt man das wohl einen „Wow-Moment“.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die Welt ist weit weg</h2>
<p style="text-align: justify;">Vor dem Dinner vertreibt ein Sundowner auch die letzten verbliebenen Schatten von Alltagssorge. An der ebenfalls im Freien aufgestellten Tafel reichen Willie und Feldköchin Jawnestie Springbock Stroganov mit grünen Bohnen. Die Gäste plaudern über Politik. Die Belgier beteuern, dass die Regierung in Brüssel, die nach mehr als einem Jahr politischer &#8222;Kopflosigkeit&#8220; unter Ministerpräsident Di Rupo die Arbeit aufgenommen hat, nicht bloß eine Fata Morgana sei. Die Franzosen berichten vom Wahlsieg des Sozialisten François Hollande. Doch in der Wüste ist das alles irgendwie weit weg, nicht nur geografisch.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Nacht will sich der Schlaf nicht einstellen. Ob das nun an den dem Mitteleuropäer ungewohnten Sternbildern der südlichen Hemisphere oder der völligen, nahezu in den Ohren dröhnenden, Stille in der Namib liegt? Jedenfalls: kein Tier, kein Vogel, kein Insekt ist zu hören. Nichteinmal der Wind, geschweige denn ein Auto. Absolute Ruhe.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings endet die Nachtruhe schon vor Sonnenaufgang. Domingo steht mit einer heißen Tasse Kaffee am Feldbett, Willie füllt warmes Waschwasser ins Becken. Purer Luxus nach der eisigen Wüstennacht. Das Frühstück wartet schon, Domingo drängt zum Aufbruch noch vor der Hitze des Tages. Doch Stop! Erst Schuhe ausklopfen, falls hier ein Wüstenbewohner vor der nächtlichen Kälte Unterschlupf gesucht hat.</p>
<h2 style="text-align: left;">Feen in der Einöde</h2>
<p style="text-align: justify;">Um sieben ist auch der Letzte startbereit. Während des Vormittags erklimmen wir den Hufeisenberg. Der steile Weg führt über Stock und Stein &#8211; hauptsächlich Stein, denn an Stöcken herrscht Mangel in der felsigen Einöde. Größere Tiere, sogar Pferde leben hier, zeigen sich nicht, nur deren Hinterlassenschaften. Die der mächtigen mannshohen Oryxantilope etwa sind kaum größer als Hasenköttel. Das spare Flüssigkeit, sagt Domingo. Anders als ein in seiner Wässrigkeit nahezu verschwenderischer Kuhfladen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Abstieg wartet die nächste Überraschung. Die Grasflächen, durch die das trockene Flussbett führt, das nun als Weg dient, sind übersät mit kahlen runden Flächen. Warum in diesen sogenannten Feenkreisen nichts wächst, ist nicht abschließend geklärt. Im Verdacht stehen laut Domingo Erntetermiten, die im Umfeld ihres Nests das Gras abfressen, giftige Gase und: Feen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einer von der unerhörten Stille diesmal weniger beeinträchtigten Nachtruhe gibt es als Morgenlektüre die &#8222;Wüstenzeitung&#8220;. Ihre Seiten sind eng bedruckt, die Schrift schwer zu lesen. In Zentimeterabstand ist der orangene Untergrund übersäht mit gewundenen Linien, geraden Strichen, spitzen Zacken und winzigen Punkten, in Einzel- und Doppelreihen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Tierische Geschichten</h2>
<p style="text-align: justify;">Domingo liest vor: Von ihren Abenteuern berichten die beinlose Glattechse, der unter Tage lebende Goldmull, ein bedächtiger Gecko, die stets scharfzüngige Kapkobra, der wie immer schmutzige Wäsche waschende Mistkäfer, die naseweise Wüstenmaus und natürlich, der flinke Vielschreiber und Namenspatron unserer Unternehmung, der langbeinige Tok Tokkie-Käfer. „Seht ihr, die großen Tiere sind faul, aber die kleinen Tiere, die sind immer aktiv“, sagt Domingo. Recht hat er. Ein sehr lebendiges Blatt diese Wüstenzeitung, kein Zweifel.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Zeitungsstudium schreitet Domingo weiter zügig voran über die jetzt unbewachsenen Dünen. Ich lerne, eine Düne zu erklimmen, ist wie eine Rolltreppe entgegen der Laufrichtung hochsteigen. Eine ziemliche Sysiphos-Aufgabe, wegen des stets nachgebenden Sandes. Auf dem Kamm holt Domingo einen Magneten aus der Tasche und zieht ihn über den Sand. Schwarze Eisenpartikel bleiben wie Schuppen daran haften.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Sand komme aus den Drakensbergen im Osten Südafrikas, erklärt Domingo und beginnt mit dem Stock eine Karte auf den Boden zu zeichnen. Von dort hat ihn der Oranje-Strom, der an seinem Unterlauf die Grenze zu Namibia bildet, gut zweitausend Kilometer in seinen Fluten mitgeführt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gigantischer Sandkasten</h2>
<p style="text-align: justify;">An der Flussmündung hat der Benguela-Meeresstrom die Sedimente mitgerissen und weiter im Süden wieder an Land gesspühlt. Von dort hat der Südwestwind die feinen Körner landeinwärts getragen und so, nach und nach, diesen 95.000 Quadratkilometer großen Sandkasten angelegt, durch den unsere Gruppe seit zwei Tagen stapft.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Sowas geschieht natürlich nicht über Nacht&#8220;, sagt Domingo beflissen. Im Gegenteil: 80 Millionen Jahre habe das gedauert. &#8222;Es heißt, die Namib sei die älteste Wüste der Welt&#8220;, fährt er fort.</p>
<p style="text-align: justify;">Respektvoll schauen die Zuhörer auf die in den alten Sand gezogenen Linien der Karte. Schon morgen wird sie der Südwestwind verweht haben. Schließlich wird der leere Platz gebraucht für die neueste Ausgabe der Wüstenzeitung. An Neuigkeiten herrscht kein Mangel. Denn die Wüste lebt.</p>
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		<title>Sonne, Popcorn und ein Hauch von Horror</title>
		<link>https://www.weltseher.de/sonne-popcorn-und-eine-ahnung-vom-horror/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2014 05:51:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nelson Mandela]]></category>
		<category><![CDATA[Peter M. Gehrig]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Robben Island]]></category>
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					<description><![CDATA[Während der Apartheid sperrten die weißen Herrscher Südafrikas ihre politischen Gefangenen auf Robben Island ein. Nelson Mandela war einer von Tausenden. Heute führen ehemalige Gefangene Touristen über die Gefängnisinsel.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/sonne-popcorn-und-eine-ahnung-vom-horror/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Während der Apartheid sperrten die weißen Herrscher Südafrikas ihre politischen Gefangenen auf Robben Island ein. Nelson Mandela war einer von Tausenden. Heute führen ehemalige Gefangene Touristen über die Gefängnisinsel.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich war es zu erwarten. „Dies ist genau das Boot, mit dem Madiba von der Insel in die Freiheit fuhr“, verkündet stolz der fast zahnlose Kapitän, während sich mehr als 100 Touristen in der prallen Sommersonne über die Gangway an Bord des betagten Schleppers begeben. Sie haben zuvor in einer Halle gewartet, die an die Abfertigung auf dem Flugplatz von Lahr in der deutschen Provinz erinnert, samt Metalldetektor und obligatem Foto unter dem „Robben-Island-Tour“-Schild.</p>
<p style="text-align: justify;">Die wenigsten wissen, dass Nelson Mandela, Symbolfigur des Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika, nach jahrzehntelanger Haft auf der Gefängnisinsel Robben Island 1988 von dort nicht in die Freiheit entlassen, sondern in ein Gefängnis auf dem Festland verlegt wurde und erst zwei Jahre danach freikam.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber wer auf Robben Island, einer kargen Felseninsel rund 12 Kilometer vor Kapstadt, inhaftiert war, muss es wohl als Freiheit empfunden haben, sobald er von dort weg durfte. Heute drängen sich die Touristen, um diese weltweit bekannte Insel zu sehen. Im Internet muss das Ticket für die Überfahrt Tage im Voraus gelöst werden, wenn keine Pauschalreise &#8211; mit Horrorschauer inklusive &#8211; gebucht wurde.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-robben-island-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-robben-island-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gang_carolina_Oedman.jpg.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nicht alle Insassen auf Robben Island waren verurteilt, manche nur „interniert“ - Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Eingang_claudia_masur.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">„Wir dienen mit Stolz“, verkündet das Wappen der Gefängnisverwaltung auf Englisch und Afrikaans im Hafen. Foto © Claudia Masur</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Wegweiser_claudia_masur.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Wegweiser für die Touristen. Foto © Claudia Masur</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefaengnis_carolina_Oedman-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit der Ankunft verloren die Häftlinge ihre Identität. Sie waren nur noch eine Nummer. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mandelazelle_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Zelle von Nelson Mandela: Auf vier Quadratmetern musste er viele Jahre leben. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mehrbettzelle_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nicht alle Zellen waren nur vier Quadratmeter groß - es gab auch Gruppenzellen, ausgestattet mit Etagenbetten. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gitterfenster_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Von 1961 bis 1991 diente Robben Island als Gefängnis für politische Gefange. 1996 wurde auch der Trakt für die kriminellen Insassen geschlossen. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenhof_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im großen Innenhof kamen die Gefangenen zum Appell zusammen. © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenentrakt_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auf der Insel ist es im Sommer brütend heiß, vor allem, wenn kein Wind geht, im Winter hingegen empfindlich kalt. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Tafelberg_carolina_Oedman.jpg.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Von Robben Island ist der Tafelberg bei klaren Wetterbedingungen, gut zu sehen. Foto ©Carolina Ödman</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_freedom_carolina_Oedman.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">1991 wurden die letzten politischen Gefangenen auf Robben Island frei gelassen. Das historische Bild zeigt ihre Überfahrt in die Freiheit. Foto © Carolina Ödman</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-robben-island-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gang_carolina_Oedman.jpg-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Eingang_claudia_masur-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Wegweiser_claudia_masur-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefaengnis_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mandelazelle_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Mehrbettzelle_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gitterfenster_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenhof_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Gefangenentrakt_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_Tafelberg_carolina_Oedman.jpg-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/Robbenisland_freedom_carolina_Oedman-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">„Wir dienen mit Stolz“</h2>
<p style="text-align: justify;">Nelson Mandela, von den Schwarzen in Südafrika liebevoll Madiba genannt, ist nicht nur Symbolfigur des Freiheitskampfes. Er ist mehr als ein halbes Jahr nach seinem Tod mehr denn je Touristenattraktion. Für die Gefängnistouristen wurde eigens ein Abfertigungsgebäude im Hafen von Kapstadt errichtet mit Nelson-Mandela-Museum, Nelson-Mandela-Café und Nelson-Mandela-Souvenirshop. Hier gibt es die üblichen Souvenirs, Basecaps, T-Shirts, Polohemden, Schlüsselanhänger, Kaffeebecher – alle entweder mit Mandela-Konterfei oder dem modernen Emblem der berüchtigten Insel.</p>
<p style="text-align: justify;">Und die Touristen kaufen gerne. Sie sind zumeist Ausländer, zumeist weiß und wollen eine Ahnung vom Horror mitnehmen, den auch Konzentrationslager vermitteln. Schwarze Touristen sind eher selten. Der Ausflug kostet 250 Rand pro Person, nach derzeitigem Kurs knapp 18 Euro – aber für südafrikanische Verhältnisse beileibe kein Schnäppchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auf der Insel angekommen zeigt sich sofort, wer hier früher das Sagen hatte. „Wir dienen mit Stolz“, verkündet das Wappen der Gefängnisverwaltung auf Englisch und Afrikaans im Hafen. Nur die Angestellten der Justiz empfanden ihre Präsenz wohl als dienen. Für die Häftlinge war es Leiden.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gefangener mit der Nummer 466/64</h2>
<p style="text-align: justify;">Im Hafen warten klimatisierte Busse auf die Besucher, für jeden Gast ein Sitzplatz. Auf der Insel ist es im Sommer brütend heiß, vor allem, wenn kein Wind geht, im Winter hingegen empfindlich kalt. Nur die ausnahmslos weißen Wachen hatten die Möglichkeit, sich vor dem Wetter zu schützen. Die, ebenfalls ausnahmslos, farbigen Häftlinge &#8211; es gab keinen einzigen weißen Gefangenen auf Robben Island &#8211; waren der Witterung ungeschützt ausgesetzt. Sie mussten in den Massenzellen auf dünnen Matten schlafen. Und auch die Einzelzellen boten nicht annähernd den Komfort, den Europäer aus Berichten über ihre Haftanstalten kennen. Mit der Ankunft verloren die Häftlinge &#8211; nicht alle waren verurteilt, manche nur „interniert“ &#8211; ihre Identität. Sie waren nur noch eine Nummer. Mandela trug die Nummer 466/64, Gefangener 466 aus dem Jahr 1964.</p>
<p style="text-align: justify;">Manthatebe ist 1,65 groß und untersetzt. Er war Nummer 677/72 und führt heute die Besucher durch den Zellentrakt. Er ist irgendwann zurückgekommen. Und heute ist er einer der wenigen Bewohner der Insel, die geblieben sind, zumindest auf Zeit. Die meisten von ihnen sind schwarz und alle frei. Sein Leben als Häftling verschafft Manthatebe heute einen bescheidenen Lebensunterhalt. Am Wochenende fahren die Inselbewohner meist mit einer Fähre aufs Festland, auch zum Einkaufen. Einen Laden wie früher gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Schule wurde geschlossen aus Mangel an Kindern. Die Kirche ist noch in Betrieb.</p>
<h2 style="text-align: left;">Augenschäden und karge Essenrationen</h2>
<p style="text-align: justify;">Nummer 677/72 erzählt von der Plackerei in den Steinbrüchen. Wie die grelle Sonne auf dem weißen Kalkstein reflektierte und Augenschäden verursachte. Davon, dass die Arbeit nach einer Zeit Selbstzweck wurde, weil die Steine wohl nicht mehr gefragt waren. Er erzählt von der Mandela-Universität, die sich unter den Gefangenen etablierte, weil der studierte Jurist Mandela darauf bestand, dass seine Mithäftlinge sich weiterbilden sollten. Er sah in ihnen zumindest zum Teil die zukünftige Elite eines freien und gleichen, von Schwarzen regierten Südafrikas. Die Häftlinge lernten in der Freizeit und prüften sich gegenseitig während der Arbeit oder den Appellen im großen Hof oder in den Gemeinschaftszellen.</p>
<p style="text-align: justify;">Manthatebe erzählt ohne Groll. Madiba, der in einer vier Quadratmeter großen Zelle lebte, habe immer den Ausgleich gesucht. Er war der Überzeugung, nur der Starke könne auch vergeben. Die Zelle ist das begehrteste Fotomotiv, die Warteschlange lang. Manthatebe erzählt von kargen Essensrationen, von der Sehnsucht, die der Tafelberg auslöste, wenn man ihn denn sehen konnte. Und er erzählt mit Stolz von einer Leidenszeit, die sich die Besucher heute nur schwer vorstellen können.</p>
<h2 style="text-align: left;">Der Nächste, bitte!</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Besucher drängen bald schon ins Freie, denn der nächste Stopp ist ein „Fotopoint“ auf der knapp 550 Hektar großen Insel in der Tafelbucht. Handy hoch, Lächeln, Selfie vor der malerischen Kulisse des Tafelbergs. Der Nächste, bitte! Hier sieht man auch die Robben und einige Pinguine. Ein „Snackpoint“ nebenan bietet Popcorn, Eiscreme, kalte Getränke und Postkarten an, die man am Hafen in einen besonderen Briefkasten stecken kann. Die Führerin schaut auf ihre Uhr. Sind alle da? Hat niemand etwas vergessen? Gut. Aufbruch.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Busse fahren nicht ganz bis zum Hafen. Ein kleiner Fußweg bleibt, vorbei an den Kanonen, die an die Zeit erinnern, als Robben Island vorgeschobene Garnison war, mit einem letzten Blick auf Stacheldraht und Grabhügel. Wer will, muss jetzt seine Gedanken sortieren oder sehr viel später. Die Rückfahrt auf einer recht rauen See mit Spritzwasser auf dem Oberdeck und intensivem Menschengeruch unter Deck lässt dazu keine Gelegenheit.</p>
<h6 style="text-align: justify;"><em>Die UNESCO hat Robben Island zum Weltkulturerbe erklärt. Auch nach Nelson Mandelas Tod im Dezember 2013 bleibt die Insel eine Attraktion für Touristen. Das Museum von Robben Island bietet <a href="http://www.robben-island.org.za/" target="_blank"><strong><span style="text-decoration: underline;">hier eine virtuelle Tour an.</span></strong><br />
</a></em></h6>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Das verlassene Paradies</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2014 11:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Jasmin Lörchner]]></category>
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					<description><![CDATA[Jahrelang diente die Kurstadt Villa Epecuén wohlhabenden Argentiniern als Urlaubsoase. Bis 1985 ein Damm brach und die Stadt überflutet wurde. Mehr als 20 Jahre später gibt der See die Stadt wieder frei. Ein Streifzug durch eine bedrückende Ruine.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-verlassene-paradies/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Jahrelang diente die Kurstadt Villa Epecuén wohlhabenden Argentiniern als Urlaubsoase. Bis 1985 ein Damm brach und die Stadt überflutet wurde. Mehr als 20 Jahre später gibt der See die Stadt wieder frei. Ein Streifzug durch eine bedrückende Ruine.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Unwirklich. Das ist mein erster Gedanke, als wir aus dem Auto steigen. Eben waren wir noch im idyllischen Nirgendwo, jetzt sind wir mitten in der Apokalypse. Die Straße endet abrupt vor uns, sie ist überlagert von einer zentimeterdicken Schlammschicht – mit unserem Mietwagen kommen wir hier nicht durch. Vom Horizont her schlängelt sich ein schmaler Graben auf uns zu, in dem schmutziges Wasser steht. Fliegenschwärme hocken auf dem feuchten Boden. Rechts und links der Straße säumen kahle Bäume den Wegesrand, strecken ihre blattlosen Äste wie mahnende Finger gen Himmel. Stumme Zeugen der Zerstörung.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir sind zu den Ruinen von Villa Epecuén gefahren. 60 Jahre lang war die Stadt neben Mar del Plata einer der beliebtesten Urlaubsorte der Argentinier. Bis der angrenzende See Lago Epecuén 1985 über die Ufer trat und die Stadt verschluckte. Erst 24 Jahre später gibt der See den Kurort wieder frei. Seit 2009 zieht sich das Wasser langsam zurück. Straßenzug um Straßenzug taucht wieder auf. Doch auch im Dezember 2012, als wir nach Villa Epecuén kommen, steht ein Teil der Stadt noch immer unter Wasser.</p>
<h2 style="text-align: left;">Der Untergang des Ferienparadieses</h2>
<p style="text-align: justify;">Unser Besuch beginnt in der ehemaligen Bahnstation der Stadt. Sie beherbergt heute ein kleines Museum, das Fotos und Überbleibsel aus der Blütezeit des Ortes konserviert. Hier erfährt man, dass die Stadt in den 20’er Jahren gegründet wurde und sich schon bald zu einem beliebten Urlaubsort mauserte. Villa Epecuén liegt rund 600 Kilometer von Buenos Aires entfernt. Der Salzgehalt des Lago Epecuén ist ähnlich hoch wie der im Toten Meer. Er zog wohlhabende Hauptstädter und einfache Arbeiter in die Stadt, die bald den Ruf eines ausgezeichneten Kurortes hatte. Während gut betuchte Damen mit Heilbädern ihr Hautbild verfeinerten, kurierten Bergarbeiter ihre in den Minen geschundenen Lungen. Zu Spitzenzeiten fanden pro Jahr 25.000 Touristen den Weg in die Stadt, in der sonst nur 1500 Menschen leben. Der Ansturm wurde so groß, dass Villa Epecuén eine eigene Eisenbahnanbindung bekam.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bilder im Museum zeigen einen trubeligen Badeort, auf dessen Hauptstraße sich die Autos drängen. Mittendrin ein Fernbus, der neue Urlauber in die Stadt bringt. Badegäste lachen fröhlich in die Kamera, während sie sich auf einem großen Schwimmreifen durch das Wasser treiben lassen. Die Aufschrift „Lago Epecuén 1984“ auf dem Schwimmreifen datiert das Foto auf wenige Monate vor dem Untergang des Ferienparadieses.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-argentinien-villa-epecuen-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-argentinien-villa-epecuen-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-argentinien-villa-epecuen-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-argentinien-villa-epecuen-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Allee_Loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description"> Die Avenida Alvear liegt etwas höher als der Rest der Stadt. Sie führt zum Campingplatz und dem ehemaligen Schlachthaus von Villa Epecuen. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_wasser_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Als das Wasser begann sich zurückzuziehen, bildeten diese knorzigen Bäume offenbar eine natürliche Barriere. Hier sammelten sich allerhand Kleinteile und Schrott an. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_treppe_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mitten im Trümmerfeld eine Treppe. Die Wände des Hauses, das hier stand, sind eingestürzt und fortgespült worden. Jetzt erobern sich kleine Gräser zaghaft den Lebensraum zurück. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Tische_loerchner-1150x647.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch nach dem Rückzug des Wassers ist der Picknickplatz unbenutzbar. Der Boden ist noch immer so feucht, dass man zentimetertief einsinkt. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Schlachthof_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das ehemalige Schlachthaus der Stadt blieb als einziges von der Zerstörung verschont. Doch auch am "Matadero" nagt der Zahn der Zeit, betreten sollte man die Ruine besser nicht. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_ruinen_loerchner-1150x647.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Treppe ins Nirgendwo scheint ein letztes Überbleibsel der einstigen Vergnügungsmeile: Wenige Meter von hier stand das Tanzlokal "Bim Bam Bum". © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_rost_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In manchen Straßenzügen blieb kein Stein auf dem anderen. Die einstigen Häuser sind verschwunden, an ihrer Stelle blieb nur Schlamm. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Platz_Loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Fundamente, Trümmer und eine schlammige Straße sind die Zeugen der Flut. Mittendrin die Überreste eines Hauses, dessen große Fenster an die Durchreichen eines Schnellrestaurants erinnern. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Baum_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch Waschbecken und Fässer spülte der Lago Epucuén durch die Stadt. Die Überreste des einstigen Lebens der Touristenstadt rosten und rotten in der Sonne vor sich hin. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Auto_baum_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Wasser hat dem alten Ford seine Hülle geraubt. Einzig Karosserie, Motorblock und die von Salz und Witterung weiß geblichenen Reifen sind geblieben. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_auto_loerchner.jpg" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Darüber, warum die Besitzer ihn zurücklassen haben, kann man nur spekulieren. Der alte Ford ist das einzige Gefährt, das wir in der Trümmerstadt zu sehen bekommen. © Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-argentinien-villa-epecuen-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Allee_Loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_wasser_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_treppe_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Tische_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Schlachthof_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_ruinen_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_rost_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Platz_Loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Baum_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_Auto_baum_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Argentinien_Villa_Epecuen_auto_loerchner-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="© Jasmin Lörchner und Joergen Naskrent" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Der Anfang vom Ende</h2>
<p style="text-align: justify;">Eine holprige Allee führt uns in die Stadt. Hier sind die Bäume noch grün – das letzte Leben vor der Einöde. Der Asphalt ist aufgesprungen und zwingt uns zum Slalom. Als wir die Allee verlassen, sehen wir plötzlich die Ruinen von Villa Epecuén – wir wähnen uns in einer Kulisse von Roland Emmerichs nächstem Apokalypse-Film. Die Häuser um uns herum sind teilweise regelrecht pulverisiert.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Anfang vom Ende begann mit einem Wetterumschwung. Jahrlang litt die Region unter einer intensiven Trockenperiode, in deren Folge sich das Wasser des Lago Epecuén immer weiter zurückzog. Um zu verhindern, dass der schwindende See den Touristenstrom unterbricht, ließ die Regionalregierung der Provinz Buenos Aires 1978 einen Kanal bauen, der Wasser aus fernen Gewässern sammelte und in sechs Seen leitete – der letzte von ihnen: der Lago Epecuén. Die Gefahr, der Lago Epecuén könne austrocknen, war gebannt. Doch die Folgen einer Regenperiode hatte offenbar niemand bedacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Als 1985 ein Jahr mit ungewöhnlich viel Regen anbrach, stiegen der Wasserspiegel des Lago Epecuén und des zuführenden Kanals stetig an. Obwohl sich die Lage über Wochen zuspitzte, reagierten die zuständigen Behörden nicht. Provinz und Regierung schienen gelähmt, das Land kämpfte mit den Folgen der Militärdiktatur. Argentinien war zerrüttet und lag wirtschaftlich danieder. Der glücklose neue Präsident Roul Alfonsin kämpfte mit einer viel zu hohen Inflation und versuchte, eine stabile Demokratie aufzubauen. Die Gefahrenlage am Lago Epecuén ging im Regierungschaos unter – es fühlte sich schlichtweg niemand richtig zuständig.</p>
<h2 style="text-align: left;">Tragödie ohne Tote &#8211; ein Wunder</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir laufen die Avenida de Mayo hinunter. Neben uns taucht das Hotel Monterreal auf. In den 70ern eröffnet, beherbergte es 31 Apartments. Heute ist es eines der wenigen Gebäude, das noch steht. Schräg gegenüber liegt das Hotel Parque in Trümmern. Das obere Geschoss des einstigen Prachtbaus von 1937 ist auf die untere Etage gestürzt. Absurd türmen sich die Betonteile übereinander. Dort wo einst sicher ein hübscher Garten war, steht noch eine verrostete Schubkarre. Obwohl das Vorderrad längst weggeschwemmt wurde, wirkt es, als hätte der Gärtner die Karre gerade erst abgestellt. Wäre da nicht dieses Trümmerfeld um uns herum.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Wasser des Lago Epecuén bahnte sich am 10. November 1985 seinen Weg in die Stadt. Nach den wochenlangen Regenfällen hielt der Damm, der die Stadt schützte, den Wassermassen nicht mehr stand. Er brach an mehreren Stellen, so dass das Wasser unaufhaltsam in die Stadt drückte. Einwohner und Touristen mussten fluchtartig die Stadt verlassen – dass niemand zu Tode kam, ist noch heute ein Rätsel. Villa Epecuén versank innerhalb weniger Stunden. Die Fluten konservierten eine blühende Touristenstadt.</p>
<p style="text-align: justify;">27 Jahre später ist davon nichts mehr übrig. Auf den Ruinen blühen die Salzkristalle. Es riecht muffig. Obwohl die Sonne brennt, tragen wir lange Kleidung. Das stehende Gewässer ist ein Paradies für Mücken. Immer wieder müssen wir Pausen einlegen und uns neu mit Mückenspray einnebeln. Dann geht es weiter durch das Trümmerfeld. Die für den Menschen heilende Wirkung des Salzwassers war für die Gebäude der Stadt pures Gift. Das Salz hat sich in den Beton gefressen und ihn porös werden lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Und doch stoßen wir immer wieder auf Spuren der Zivilisation. Inmitten der Ruinen rostet ein Bettgestell vor sich hin. Unter einem toten Baum steckt eine intakte Badewanne im Schlamm fest. Auf einem Betonblock steht ein Kasten unversehrter Cola-Flaschen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Ein Überlebender &#8211; El Matadero</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn uns das Wasser den Weg versperrt, klettern wir über die Ruinen zum nächsten trockenen Platz. Plötzlich stehen wir in einer Hauseinfahrt, in der noch die Sandsäcke liegen. Als hätten die Bewohner erst gestern ihre Vorsichtsmaßnahmen getroffen.</p>
<p style="text-align: justify;">Man erzählt sich, dass einige Einwohner auf die Dächer ihrer Häuser kletterten, um den Rückgang der Fluten abzuwarten. Doch das Wasser wich nicht zurück. Bis zum Frühjahr 1986 stieg der Pegel auf vier Meter. 1993 lagen Teile der Stadt acht bis zehn Meter unter Wasser.</p>
<p style="text-align: justify;">Nur ein einziges Gebäude am Rande der Stadt lag so hoch, dass die Fluten es nie erreichen konnten: el Matadero. Das einstige Schlachthaus ist heute die Heimat unzähliger Taubenkolonien und die perfekte Kulisse für Mutproben. Graffitis zeugen von Ausflügen der örtlichen Jugend hierher. Schon tagsüber wirkt das Gebäude wenig einladend. Wie unheimlich muss es erst nachts sein, wenn die Tauben gurren und das Gebäude nur noch vom Mond angestrahlt wird.Direkt nebenan liegt der alte Campingplatz &#8211; doch nur der verlassene Spielplatz erinnert noch daran, dass hier einst diejenigen Besucher wohnten, die nicht genügend Geld für eines der guten Hotels der Stadt hatten. Ich schubse eine der verwitterten Wippen an. Sie quietscht. Dann legt sich wieder Stille über den Ort.</p>
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		<title>Das Tal der Elefanten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Aug 2014 11:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Thailand]]></category>
		<category><![CDATA[Elefanten]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin Klaus]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Tierschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[In Thailand werden Elefanten für schwere Arbeit eingesetzt, dafür qualvoll trainiert und misshandelt. Eine Frau will das nicht länger hinnehmen und hat auf eigene Faust ein Refugium geschaffen, wo die Tiere in Frieden leben sollen.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-tal-der-elefanten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>In Thailand werden Elefanten für schwere Arbeit eingesetzt, dafür qualvoll trainiert und misshandelt. Eine Frau will das nicht länger hinnehmen und hat auf eigene Faust ein Refugium geschaffen, wo die Tiere in Frieden leben sollen.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schon aus der Ferne erkennt man die grauen Riesen. 60 Kilometer nördlich der thailändischen Metropole Chiang Mai, in einem Tal umgeben von Wäldern auf Bergen, durchschlängelt von einem Fluss, liegt er: der Elephant Nature Park (ENP). Die meisten Tiere hier haben ein hartes Schicksal hinter sich. Tiefe Narben auf ihrer grauen Haut zeugen von Schlägen, Ketten und Stichen. Zugefügt von den „Mahouts“, wie Elefantentrainer in Thailand heißen. Einer von ihnen ist Gawn.</p>
<p style="text-align: justify;">Winzig wirkt er auf dem  Rücken des Elefanten, der sich langsam nähert. Aber er hält nicht den üblichen Elefantenhaken, einen langen Holzstab mit Metallspitze und –haken zum Kontrollieren des Tieres, in der Hand. Stattdessen gibt der Mann mit den schwarzen Haaren geduldig Kommandos und lenkt den Giganten mit Worten in eine andere Richtung. Und Hope, so heißt der 13 Jahre alte Elefantenbulle, gehorcht. „Er folgt mir, weil er mich mag. Und ich mag ihn“, erklärt Gawn. Der 35-Jährige stammt aus dem Nachbarstaat Birma und betreut den Jungbullen bereits seit sieben Jahren.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Seltener Elefant ohne Narben</h2>
<p style="text-align: justify;">„Ich versuche“, sagt Gawn, „jeden Morgen herauszufinden, in welcher Stimmung Hope ist und entscheide dann, was wir an dem Tag machen. Zum Beispiel auf die andere Seite des Flusses zu gehen.“ Auf Hopes Haut findet sich keine einzige Narbe, keine Spur von Schlägen oder Stichen. Das gibt es sehr selten in Asien.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Touristenattraktion lässt sich in asiatischen Ländern viel Geld mit den Dickhäutern verdienen. Das Training dafür beginnt früh. Weibliche Elefantenkälber müssen mit vier Jahren durch die „Phajaan“ Prozedur, männliche sogar schon mit zwei. Für Generationen von Mahouts ist es eine Erziehungskur. Für Tierschützer eine grausame Foltermethode. Und es dauert an, bis der junge Elefant gebrochen wurde. Bis er sich unterwirft. Bis er gehörig ist und keinen eigenen Willen mehr hat.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-1092-3" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-1092-3 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-1092-3 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-1092-3 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten6.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Idyllisches Refugium für geplagte Elefanten: 60 Kilometer nördlich der thailändischen Metropole Chiang Mai liegt der Elephant Nature Park. © Jodi Thomas</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten1.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Park gibt es regelmäßig Elefanten-Nachwuchs. © Jodi Thomas</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten3.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Jungbulle Hope erfrischt sich mit seinem Mahout Gawn im Fluss © Jodi Thomas</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten4.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Gründerin des Elefantenparks hat auch obdachlose Hunde, ein dreibeiniges Pony und zahlreiche Wasserbüffel aufgenommen. © Jodi Thomas</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten5.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Gründerin des Parks: Wegen ihrer Statur nennen sie alle Lek, thailändisch für: die Kleine. © Jodi Thomas</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten7.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Tagsüber können sich die Elefanten frei auf dem 40 Hektar großen Areal bewegen. © Jodi Thomas</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-1092-3-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten6-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten1-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten3-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten4-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten5-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/elefanten7-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Sie schlagen und brüllen, stechen und schikanieren das Elefanten-Baby.&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Dazu kommt er in einen engen Holzkäfig. Der Rest erscheint wie Chaos. Unzählige Männer schlagen und brüllen, stechen und schikanieren. Das Baby leidet unter Schlaf-, Futter- und Wasserentzug. Ihm werden Kommandos beigebracht, die er später befolgen muss. „Nicht den Kopf schütteln, wenn jemand auf dir sitzt! Heb das Bein! Halte still! Schwing deinen Rüssel nicht in meine Richtung!“ Unterstützt durch den Elefantenhaken. Die Füße der Babys sind zusammen gekettet. Flucht aussichtslos. Irgendwann geben sie auf.</p>
<p style="text-align: justify;">Friedlicher ist es auf dem fast 40 Hektar großen Areal des Elefanten-Parks. Dass Hope nie durch das „Phajaan“ musste, hat er einer Frau zu verdanken: Sangduen Chailert. Wegen ihrer Statur nennen sie alle nur „Lek“, die Kleine. Schon als Kind kam sie mit den grauen Riesen durch ihren Großvater in Berührung. Als sie erlebte, wie sie gequält wurden, änderte sich ihr Leben. 1992 rettete sie den ersten Elefanten. Drei Jahre später gründete die 51-Jährige den Elephant Nature Park. Seitdem folgten viele Dickhäuter: Von Elefantenreitstationen, aus Zuchtanlagen, von Zirkussen, von der Straße oder vom illegalen Holztransport. Viele waren krank, als sie in den ENP kamen. Manche blind, auf Landminen getreten, drogenabhängig, verkrüppelt, verstümmelt, massakriert. „Wäre es anders, hätten die Besitzer sie nicht so billig verkauft“, sagt Lek und blickt langsam über das Gelände.</p>
<h2 style="text-align: left;">Touristen informieren sich zu wenig</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Tourismus mit Elefanten boomt in ganz Asien. „Das Problem ist, dass sich die meisten – auch deutsche – Touristen zu wenig informieren“, sagt Lek. Sie wollen nah an einem Elefanten sein, ihn streicheln und auf ihm reiten. Was sie dabei nicht sehen, sind die vielen Narben auf dem Kopf des Elefanten, den Elefantenhaken in der Hand des Mahouts oder die scharfen Klingen hinter den Ohren der Elefanten, damit sie ihren Kopf nicht drehen können.</p>
<p style="text-align: justify;">Gesponsert durch einen Texaner konnte Lek vor gut zehn Jahren auf größeres Land ziehen und baute immer mehr ihr Refugium für Elefanten auf. Mittlerweile helfen 40 Angestellte und viele freiwillige Helfer aus aller Welt. Sie kümmern sich um die derzeit 36 asiatischen Elefanten, die zwischen Gras und Fluss hin und her streifen. Zahlende Besucher, die tagsüber die Tiere baden und füttern können, helfen zusätzlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Unterwegs zum Fluss sind nun auch Jungbulle Hope und sein Mahout Gawn. Zielstrebig stapft das dreieinhalb Tonnen schwere und zweieinhalb Meter hohe Tier auf das erfrischende Wasser zu. Auf dem Rücken thront Gawn. Er ist der einzige, der den Jungbullen reiten darf; und Hope ist der einzige Elefant, der hier geritten wird. Der Grund: Der stürmische Jungbulle schüchtert die Elefantenkühe durch seine bloße Präsenz ein. Der Mahout soll den Bullen von ihnen fern halten. Aber sanft, mit Geduld. Gewalt gegen Elefanten ist im ENP streng verboten, die Mahouts arbeiten mit Futter-Belohnungen. „Hope zu führen ist eine große Verantwortung. Manchmal kann er ein guter Junge sein, manchmal nicht. Deshalb bin ich sehr stolz, dass ich ihn umsorgen und reiten kann ohne einen Elefantenhaken zu benutzen“, sagt Gawn.</p>
<h2 style="text-align: left;">Elefantenpark beherbergt auch Hunde, Ponys und Wasserbüffel</h2>
<p style="text-align: justify;">Gern würde Gründerin Lek noch mehr Tiere aufnehmen. Doch inzwischen gebe es sogar eine Warteliste, sagt sie. Denn nicht nur Elefanten finden bei ihr ein Zuhause. Der ENP quillt geradezu über vor hilfsbedürftigen Tieren, seit sie nach der großen Bangkok-Überschwemmung 2011 hunderten herrenlosen Hunden Zuflucht gewährt hat. Auch ein dreibeiniges Pony und 55 Wasserbüffel leben hier. Hinzu kommt der Elefanten-Nachwuchs: Fünf Babys wurden schon geboren. Ein Erfolg für das Konzept des Parks, da sich Elefanten nur in stressfreier Umgebung fortpflanzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Deshalb ist Lek immer auf der Suche nach neuem Gebiet und Grundstücken, die sie kaufen kann. Die Landbesitzer in der Gegend verlangen exorbitante Preise, weil der ENP so viele Touristen anzieht und sie ein gutes Geschäft wittern. Lek hat bereits 60 Hektar Land im Dschungel angemietet. Sie nennt es „Elephant Haven“. Ihr Ziel ist es, irgendwann alle kräftigen und gesunden Elefanten auf solches Land zu entlassen. Eingezäunt, geschützt, aber groß genug, damit sich Elefanten frei und naturgetreu bewegen können. Auch Hope könnte dorthin.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Mit dem Holztransport hat der Mensch die Elefanten gezwungen, ihren eigenen Lebensraum zu zerstören&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;"> Der Jungbulle genießt mittlerweile das kühle Nass, saugt literweise Flusswasser mit seinem Rüssel auf und sprüht es sich über den Rücken. Auch Gawn ist patschnass. Am Ufer herumliegende Hunde schauen dem regen Treiben zu. Fast könnte man die Probleme vergessen: Vor 100 Jahren gab es noch allein 100.000 Arbeitselefanten. Heute zählen hier alle Dickhäuter zusammen nur noch 3.000, zwei Drittel davon sind zu einem Arbeitsleben verdammt. Besonders zynisch: Mit dem Holztransport hat der Mensch die Elefanten gezwungen, ihren eigenen Lebensraum zu zerstören. Mit dem Verschwinden der Elefanten geht auch die Zahl der Mahouts zurück. Alle, die Im ENP arbeiten, stammen aus dem Nachbarstaat Birma. Für Thailänder ist das nur selten eine Option: Keine Aufstiegschancen, schlechtes Gehalt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Das hat positive und negative Seiten“, erklärt Jodi Thomas. Die 49-jährige US-Amerikanerin lebt seit zehn Jahren im ENP. Sie kam als freiwilliger Helfer und ging nie wieder, unterstützt Lek, wo sie kann und liebt Elefanten wie Menschen. „Mit den Mahouts stirbt auch das Phajaan aus. Aber andererseits geht das Wissen im Umgang mit den Elefanten verloren, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde“, sagt sie und blickt über das weite Land bis zum Fluss, wo Hope und Gawn im Wasser spielen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Elefantenbotschafter wollen die Welt alarmieren</h2>
<p style="text-align: justify;">Jodi koordiniert ein von Lek vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufenes Projekt: Elefantenbotschafter. Ihre Aufgabe und Ziel ist es, ein internationales Netzwerk an solchen Botschaftern aufzubauen, die in ihrer Heimat über die Misere und Gefahren des Asiatischen Elefanten aufklären. 100 Elefantenbotschafter arbeiten bereits mit dem ENP zusammen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Ich glaube an die Macht der Aufklärung“, sagt Lek und wird versuchen Asiens letzte Elefanten zu retten solange sie lebt. Bei den thailändischen Behörden kommt das nicht immer gut an. Während Lek auf globale Probleme aufmerksam machen will, fühlt sich die Regierung von ihrer Aufklärungsarbeit angegriffen. Lek macht aufmerksam auf das, was hinter den Kulissen passiert und regt zum Nachdenken an. Da sie Thailänderin ist, macht sie das in Thailand, erklärt Jodi. Die Bedrohung der Elefanten gibt es aber weltweit.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Abend kommt und endlich kühlt es ab. Elefantenbulle Hope bekommt in seinem Gehege für die Nacht noch ein paar Bündel Mais von Gawn. Was die beiden am nächsten Tag machen, weiß der Mahout noch nicht. Aber er weiß, dass er sich irgendwann verabschieden muss. Irgendwann, so hofft Gawn, wird er einen besser bezahlten Job für sich und seine Familie finden. Und irgendwann wird Hope in den Dschungel entlassen. Wer auch immer zuerst „Tschüss“ sagen muss – vermissen wird Gawn seinen Bullen auf jeden Fall.</p>
<h6 style="text-align: justify;"><span style="text-decoration: underline;"><em>Links zum Artikel: </em></span> <a href="http://www.elephantnaturepark.org/" target="_blank"><em>Der Elephant Nature Park</em></a> <em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=SVckvi_gWVo" target="_blank">Video des &#8222;Phajaan&#8220;</a> (Quelle : Die verstörenden Bilder wurden von Tierschützern auf Youtube gestellt. </em></h6>
<h5 style="text-align: center;"><em>Warum unsere Autorin die Elefanten nicht</em><em> mehr vergessen kann, erfährst Du im</em></h5>
<h5 style="text-align: center;"><a title="Autoreninterview mit Katrin Klaus" href="http://weltseher.de/autoreninterview-katrin-klaus/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></h5>
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