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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 14 Mar 2020 10:37:50 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Afrika &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Slum mit Stil</title>
		<link>https://www.weltseher.de/slum-mit-stil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2020 16:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nairobi]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>
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					<description><![CDATA[In Kenias Hauptstadt Nairobi wohnt ein Drittel der Bevölkerung in Slums.  Eine Million Menschen organisieren ihr Leben zwischen Bretter-Hütten, Rohbauten und Müll. Doch anstatt darüber zu jammern, wollen einige das Beste daraus machen. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/slum-mit-stil/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>In Kenias Hauptstadt Nairobi wohnt ein Drittel der Bevölkerung in Slums. Eine Million Menschen organisieren ihr Leben zwischen Bretter-Hütten, Rohbauten und Müll. Doch anstatt darüber zu jammern, wollen einige das Beste daraus machen. </strong></p>



<p>Mit ausgestrecktem Arm deutet Nicholas Kimeu über Wellblechdächer und ausgewaschene Straßen. »So viele Menschen sind hier aufgewachsen. Und dann leben sie halt einfach hier. Und die nächste Generation führt wieder das gleiche Leben.« Er sitzt auf einem Plastikkanister zwischen Wäscheleinen und wackeligen Regalen. Seine Augen sind leicht zusammengekniffen vor heller Sonne und Staub in der Luft, wenn er erzählt. »So entsteht ein Kreislauf, der immer wieder neu anfängt. Dadurch ändert sich an der Situation hier im Slum aber rein gar nichts.« </p>



<p>Eine Gasse weiter ist er zusammen mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder aufgewachsen. Zu viert in einem Zimmer, auf knapp zehn Quadratmetern, zwischen Holzpritschen, Matratzen, Kanistern und vielen Töpfen. Die Hütte der Eltern haben die Kinder verlassen, als ihre Mutter 2012 starb. Der Bruder wohnt jetzt gegenüber. Von seiner Tür aus kann Nicholas Kimeu auf das Dach des Hauses blicken. Dahinter erscheinen im staubigen Dunst am Horizont die Hochhausfronten der Westlands. Etwas weiter hinten erheben sich die grünen Hügel Nairobis voller moderner Wohnanlagen und »gated communities«, umzäunte Nachbarschaften für wohlhabendere Bewohner.&nbsp;</p>



<h2>Aus dem Slum aufs Cover</h2>



<p>Die Bäume und Wege zum Spazieren dort kennt Nicholas Kimeu nur aus Erzählungen und von Bildern. Er hat die Ellbogen auf den Knien abgestützt, zwischen den Handﬂächen rollt er eine Zeitschrift hin und her. »Hier in Mathare leben wir wie in einem Tal zwischen zu hohen Bergen. Um uns herum ragen die schillernden Gegenden auf. Und wir sitzen hier mittendrin.« Das Titelbild der Zeitschrift in Nicholas Kimeus Händen zeigt eine junge Kenianerin, stark geschminkt in einem orangen Kleid. Das Mädchen, Njoki Muriithi, ist das aktuelle Cover-Model des »Zoom Magazins«. Wie Nicholas Kimeu stammt sie aus Mathare, einem der zahlreichen Slums in Kenias Hauptstadt Nairobi. Die Magazinredaktion hat Njoki Muriithi als Gewinnerin des Monats durch ein Selﬁe von ihr ausgewählt. Für das neue Jugendmagazin mit Themen aus Musik, Mode und Subkultur – über das Leben im Slum.&nbsp;</p>


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																			data-click="true"><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-6.jpg" data-caption="Von Mathare, einem der größten Slums in Nairobi, blickt man über Wellblechdächer hinweg bis zum Horizont mit den Hochhausfronten der Westlands." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-1.jpg" data-caption="In der Bibliothek lesen Freiwillige den Kindern vor. Viele der Bücher stammen aus Spenden." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-2.jpg" data-caption="Nicholas Kimeu vor seiner Holzhütte im Slum – „Empire“, sein eigenes Reich, steht an die Tür gemalt. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-3.jpg" data-caption="Michael Maina ist regelmäßig in Mathare unterwegs – als Sozialarbeiter und Projektmanager. Er ist selbst in einem Slum aufgewachsen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-4.jpg" data-caption="Das Leben in den Slums spielt sich auf der Straße ab. Kleine Geschäfte und Stände bestimmen die Infrastruktur." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-5.jpg" data-caption="Fußball wird überall gespielt und geschaut – die meisten Jugendlichen sind Fans von Vereinen aus der englischen Premier League." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-8.jpg" data-caption="Michael Maina und Nicholas Kimeu kennen sich schon lange. Inzwischen arbeiten sie gemeinsam in Projekten, die den Slum Mathare in einem anderen Licht erscheinen lassen sollen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-9.jpg" data-caption="Ziegenrippchen garen im Rauch von Grillrosten. Von den Ständen weht ein süßlich brennender Geruch, der in der Nase beißt. Staub auf den Straßen weht wirbelnd durch die Luft." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-10.jpg" data-caption="„Es herrscht hier nicht nur Chaos, wie viele Leute gerne behaupten.“ Hinter dem Gewusel auf der Straße herrscht Struktur und Organisation. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-11.jpg" data-caption="Kaufen kann man fast alles am Straßenrand. Einkäufe sind meist verbunden mit einem Gespräch über den Alltag oder Fußball." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-12.jpg" data-caption="Nairobis Slums sind mit Müll überschüttet. Besonders die jüngeren Leute versuchen, dies zu ändern und das Leben im Slum so zu zeigen, wie es tatsächlich ist. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-13.jpg" data-caption="An den Häusern hängen tropfende Kleidungsstücke über Wäscheleinen. Viele der wenigen Häuser sind selbst gebaut." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-14.jpg" data-caption="Man kommt überall schnell hin. Und viele Leute hier betreiben ihren eigenen kleinen Handel. Vor allem aber herrscht Leben!" alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-15.jpg" data-caption="Die meisten Menschen hier nehmen große Strapazen für einfachste Dinge wie Wasser, Essen und eine halbwegs ordentliche Bleibe auf sich. Aber sie wissen trotzdem zu schätzen, wenn sie auch andere Anregungen bekommen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-16.jpg" data-caption="In der MYSA Mathare Library können Kinder und Jugendliche lesen, zuhören und eigene Projekte planen und besprechen." alt=""></a></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Tilo Mahn</p></div>


<p>Nicholas Kimeu hat an der zweiten Ausgabe der Zeitschrift als Fotograf und Autor mitgearbeitet. »Ich habe mich irgendwann gefragt: Warum kommen ständig andere Leute hierher, um dann unsere Geschichten zu erzählen?«, sagt er. »Ich wollte die Gelegenheit nutzen, selbst zu erzählen. Ich wollte den Leuten meine Sicht auf die Kultur Nairobis und in Mathare näherbringen.« Nicholas Kimeu hat lange Zeit über seine Heimat nachgedacht. In Texten, Gedichten, in Filmen und auf Fotos hält er jetzt seine Gedanken, Ideen und Beschreibungen fest. An der Wand neben dem Spiegel hängt das erste Foto, das er gemacht hat: Zwei Kinder blicken hinter einer Ecke hervor in die Kameralinse. Dahinter verliert sich eine Gas se entlang winziger Rinnsale im rötlich lehmigen Bo den vor einem Teppich aus zerdrückten Plastikﬂaschen.&nbsp;</p>



<p>Wohl knapp eine Million von Nairobis geschätzten gut drei Millionen Einwohnern leben in einem der zahlreichen Slums der Stadt. Eingebettet zwischen Häuserblocks und Rohbauten aus Beton erstrecken sich auf riesigen Flächen und in Tälern die Hütten, Gassen und Stände derer, die sich anderen Wohnraum nicht leisten können. Unter ausgeblichenen Sonnenschirmen liegen auf Holztischen Plastikspielzeug und Bananenstauden aus. Ziegenrippchen garen im Rauch von Grillrosten. Kinder laufen Slalom um die Holzstangen der aufgespannten Planen und zwischen den geparkten Mofas. Alltägliches Treiben, wenn man in Mathare unterwegs ist.&nbsp;</p>



<h2>Sport und Bibliothek</h2>



<p>Vor den Füßen von Nicholas Kimeu rollt ein Ball über die Straße. Er kickt ihn in Richtung Straßenrand, hält kurz inne, wartet, was die Kinder machen. »Das hier ist die Wirklichkeit, die gelebte Wirklichkeit.« Als die Kinder dem Ball hinterhersausen, spricht er weiter. »Wir spüren die Trennung, die große Kluft zwischen Arm und Reich jeden Tag. Und der Grund dafür liegt auch in der Politik und im System.« Nicholas Kimeu ist auf dem Weg in die Bibliothek. Fast täglich geht er in die »MYSA Mathare Library«. Freunde hatten ihm vor Jahren beim Fußballspielen davon erzählt, dass sie sich dort regelmäßig treffen. Die Bibliothek ist eines der Projekte der Mathare Youth Sports Association, kurz MYSA. 1987 wurde MYSA als Hilfsorganisation gegründet und gehört mittlerweile zum Leben im Slum dazu – als Anlaufstelle für Beratung, als Ideengeber und als eine Art Kultur- und Sportzentrum. Über Fußball und andere Sportangebote kommen die Mitarbeiter mit Kindern und Jugendlichen auf der Straße und in Schulen in Kontakt. Sie wollen die Jugend stärken, ihnen Anregungen bieten. Das Ziel ist, soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen zu vermitteln.&nbsp;</p>



<p>Bei den Treffen zeigen die Teilnehmer ihre Fotos, erzählen von ihren Projekten und Themen. Dann unterhalten sich die Mitarbeiter von MYSA mit den Jugendlichen über Drogen, Kriminalität und Bürgerrechte. Für diese Treffen fährt Michael Maina regelmäßig von seinem Büroplatz bei MYSA in Komarock im Osten Nairobis nach Mathare. Sein Weg führt ihn über die Juja Road, die oberhalb des Slums entlangführt. Als ehemaliger Teilnehmer von MYSA-Projekten kennt er die Bibliothek in Mathare noch aus den Anfängen. Inzwischen gibt es vier davon, verteilt über die Stadt. An der Straßenecke steigt Michael Maina aus einem der bunten Matatus, der typischen Kleinbusse in Nairobi. Zwischen lautem Motorknattern und dem Hupen der vorbeifahrenden Matatus muss er laut sprechen. »Die meisten Menschen hier nehmen große Strapazen für einfachste Dinge wie Wasser, Essen und eine halbwegs ordentliche Bleibe auf sich. Aber sie wissen trotzdem zu schätzen, wenn sie auch andere Anregungen bekommen.«&nbsp;</p>



<p>Mittlerweile ist er Programm-Manager für das Projekt »Shootback«. MYSA verleiht Kameras und andere Technik, damit die Teilnehmer wie Nicholas Kimeu auf eigene Faust ihr Viertel, ihre Freunde und ihre Umgebung fotograﬁeren, filmen und dokumentieren können. Michael Maina ist selbst in einem Slum groß geworden, etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum. Mit der Arbeit bei MYSA will er auch gegen das trostlose Bild der Viertel ankämpfen. »Es herrscht hier nicht nur Chaos, wie viele Leute gerne behaupten. Die Straßen sind okay, auch wenn sie eben durch ein Slum führen«, sagt er, hebt seine Stimme noch mal an. »Man kommt überall schnell hin. Und viele Leute hier betreiben ihren eigenen kleinen Handel. Vor allem aber herrscht Leben!« Auf dem Weg durch Mathare bleibt Michael Maina alle paar Meter stehen, begrüßt Jugendliche und Kinder vor ihren Hütten mit Handschlag und Ghettofaust. Ein kurzer Spruch, ein schnelles Lächeln. Hammerschläge und Radiomusik begleiten die Gespräche über Alltag und Fußball. Ein süßlich brennender Geruch beißt in der Nase. Staub auf den Straßen weht wirbelnd durch die Luft.</p>



<h2>Kaum Platz zum Lesen</h2>



<p>Am Ende der Gasse bleibt Michael Maina vor einem dreistöckigen, bunt bemalten Haus stehen. Nicholas Kimeu steht hinter dem Blechzaun, auf dem in Grün gemalt steht: MYSA Mathare Library. Er unterhält sich mit anderen Jugendlichen. Michael Maina tippt ihm auf die Schulter. Ein verwunderter Blick, dann ein herzliches Umarmen. Die beiden bücken sich nacheinander durch den niedrigen Eingang der Bibliothek. </p>



<p>Drinnen hinter der Empfangstheke sitzen Kinder auf dem Boden und blättern in Bilderbüchern. Die Wände sind bunt bemalt mit Bäumen, Wiesen und spielenden Kindern. Im oberen Stockwerk stehen Regale voller Romane, Geschichtsbücher und Biograﬁen auf Englisch und Swahili. Michael Maina streift einige Buchrücken entlang. »Die meisten Hütten hier sind winzig. Zugang zu Bildung gibt es kaum. Das ist daheim nicht vorgesehen, und es gibt auch einfach keinen Rückzugsort zum Lesen«, erzählt er, während er Bücher in die Regale zurückschiebt. »Teilweise leben acht Familienmitglieder auf engstem Raum. Ein Zimmer dient häuﬁg als Wohnzimmer, Kinderzimmer und Schlafzimmer zugleich. Da gibt es einfach nicht genug Platz zum Lesen.«</p>



<p>Draußen vor den Fenster-Gitterstäben dreht sich rumpelnd eine Betonmischmaschine. Einige Schaulustige stehen herum. Ein älterer Mann stochert mit der Schaufel im Bauch der Betonmischmaschine. Dahinter stehen niedrige Mauern. Man erahnt den Grundriss für ein neues Haus. Dahinter hängen tropfende Kleidungsstücke über einer Wäscheleine. Nicholas Kimeu sitzt auf einem Stuhl am Fenster und verfolgt das Geschehen. »Wer weiß, vielleicht verlasse ich eines Tages diesen Ort. Aber vorher will ich hier etwas hinterlassen für die Zukunft. Nur vom bloßen Wunsch, hier wegzukommen, wird sich an diesem Ort nie et was ändern.«&nbsp;</p>



<p>Korruption und Konﬂikte zwischen Nationalitäten und Stammeszugehörigkeiten bestimmen seit Jahren das Leben in Kenia. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Nairobi deutlich sichtbar. Selbst Wohnraum im Umland oder an den Stadtgrenzen ist für viele Einwohner Nairobis kaum bezahlbar. Rund um die Bankentürme und Regierungsgebäude im Stadtzentrum entstehen neue Straßen und weitere Hochhäuser. Häuﬁg, bevor klar ist, wie ein Gebäude genutzt werden soll. Vorhaben, stattdessen Wohnungen in den ärmeren Vierteln zu bauen, sind immer wieder im Sand verlaufen. Nicholas Kimeu engagiert sich inzwischen dafür, in Mathare Bäume zwischen die Hütten zu pﬂanzen und die Straßen vor der Regenzeit besser zu befestigen. In einem seiner Texte schreibt er: »Wenn reiche Leute andere reiche Leute dafür bezahlen, da mit Handlanger dann die Ärmsten verantwortlich machen, ist das wie eine Nahrungskette, an deren Ende wir stehen.«&nbsp;</p>


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<p>MYSA will mehr Chancen schaffen, damit Jugendliche in Mathare nicht mehr nur am Ende stehen. Neben Spenden verdient die Organisation inzwischen auch eigenes Geld. Am Hauptsitz in Komarock bieten Mitarbeiter Fitnesskurse und Physiotherapie an. So können Projekte und Personal weiter ﬁnanziert werden. Teilnehmer können zu Mitarbeitern ausgebildet werden. Sie bekommen Punkte, wenn sie bei Fußballturnieren, bei Aufräumaktionen in Mathare oder AIDS-Präventionskursen mitmachen, wachsen lang sam in die Organisation rein. Michael Maina hat selbst diese Erfahrung gemacht. »Weil die Menschen merken, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, versuchen sie inzwischen auch viel mehr, etwas aus sich zu machen.« </p>



<p>Die beiden Freunde sind weitergezogen, um etwas zu essen. Mit einer Schale Kochbananen in der einen Hand und einem Programmheft in der anderen Hand steht Michael Maina im Innenhof eines improvisierten Kulturzentrums. Er unterhält sich mit Nicholas Kimeu über das bevorstehende Filmfest. Einmal im Jahr organisiert MYSA das Mathare Youth Film Festival. Nicholas Kimeu will dort seinen ersten Film vorführen. Michael Maina hofft, mit dem Festival noch mehr Aufmerksamkeit für die Projekte und die Teilnehmer zu bekommen. Er ist überzeugt: »Die meisten Leute, die wirklich etwas erreicht haben, stammen von dieser Seite der Stadt. Sie sind einfach kreativer aufgrund der Umstände, aus denen sie stammen. Manchmal erstaunt es die Slumbewohner selbst, zu was einige Leute im Stande sind.«&nbsp;</p>



<h2>Poesie aus dem Slum</h2>



<p>Michael Maina und die anderen Mitarbeiter gestalten Plakate, suchen weitere freiwillige Helfer. Zwischen den Filmen sollen auch Bands auftreten. Nicholas Kimeu stellt seine Schale zur Seite und räumt Teile einer Bühne aus dem improvisierten Büro vor die Graﬃti-Wand des Innenhofs. »Einige Menschen hier denken, sie sitzen für immer in diesem Loch fest, egal, was kommt. Aber ich sage: Nein!« Er zieht eine Leinwand zum Ausrollen unter dem Schreibtisch hervor, atmet tief. »Ich habe Dinge im Fernsehen gesehen, Bücher gelesen. Und ich habe eine Vorstellung für mich von einem besseren Leben.« Inzwischen hat Nicholas Kimeu so viele Gedichte geschrieben, dass er sie als Band veröffentlichen könnte. Noch sucht er nach einem Verlag, einem Abnehmer. »Das Schreiben über Mathare und mein Leben hat mir sehr geholfen, mit schweren Phasen meines Lebens umzugehen. Trotzdem versuche ich, das Persönliche in meinen Texten so klein wie möglich zu halten.«&nbsp;</p>



<p>Für den Rückweg zu seiner Hütte nimmt Nicholas Kimeu einen Umweg durch die steilen Gassen zwischen den Hütten. Nach dem Aufstieg auf festgetretenem Sandboden und Müllresten öffnet sich der Blick hinter einer Biegung. Auf der Anhöhe hinter einem Mauervorsprung bleibt Nicholas Kimeu stehen. Vor ihm liegt die riesige Fläche aus Brettern, Lehmwänden und Wellblechdächern der Hütten. Er dreht sich um und sagt: »Es geht hier nicht um mich. «</p>
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			</item>
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		<title>Radieschen in der Wüste</title>
		<link>https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2015 05:03:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Kolonie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lüderitz]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Schlange zieht sich über fast fünfzig Meter durch die letzten Ausläufer der Wüste. Die müden Arbeiter reihen sich geduldig in einer geraden Linie auf und warten darauf, dass sie sich in einen runtergekommenen Bus zwängen können. Außer der Fischfabrik am Ufer gibt es bis hin zu den Hügeln am Rand der Bucht, nur Sand zu sehen. Einige Meter abseits der Haltestelle zeichnet sich jedoch ein leicht zur Seite geneigter Steinsockel ab, an dem die Geschichte offiziell begonnen hat:</p>
<p style="text-align: justify;">Im August 1884 versammelte sich eine kleine Gruppe aus Angestellten des Tabakhändlers Lüderitz, der Besatzung von zwei Kriegsschiffen sowie dem Kapitän John Fredericks II um diesen Sockel und hisste die deutsche Flagge. Hier, ganz im Süden Namibias, entstand die erste deutsche Kolonie.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Jahr vor der Flaggenhissung hatte der Bremer Adolf Lüderitz die Bucht in der Hoffnung auf Rohstoffe, Geschäfte mit Südafrika, aber wahrscheinlich auch aus Abenteuerlust erworben. Es war kein sonderlich einladender Ort, besonders wenn man davor die grüne afrikanische Westküste entlang gefahren ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Überall Sand, diese Hitze und kein Süßwasser. Allerdings hatten sich Europas Mächte bereits einen Großteil Afrikas gesichert. Für zfradieweihundert Gewehre und einhundert Pfund Sterling kaufte Lüderitz dem Kapitän John Fredericks II, der in der dünn besiedelten Region um die Bucht mit seinem Klan lebte, Land in einem Umkreis von einigen Meilen ab.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Erstes Schutzgebiet in Afrika</h2>
<p style="text-align: justify;">Einmal niedergelassen, weitete Lüderitz sein Land immer weiter aus, wobei er sich zu Nutzen machte, dass die zwei größten Volksgruppen in der Region, die Nama und Herero, sich in ständigen Auseinandersetzungen befanden. Obwohl Reichskanzler Bismarck Kolonien eher ablehnend gegenüberstand, willigte er 1884 ein, auch Gebieten außerhalb Deutschlands staatliche Sicherheit zu garantieren. Die Lüderitzbucht war das erste Gebiet, dem dieser Schutz zugesichert wurde.</p>
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<p style="text-align: justify;">Mehr als ein Jahrhundert später zucken die Arbeiter skeptisch mit den Schultern. Ein Denkmal? Hier, wo sie gerade acht Stunden lang afrikanischen Aal zerlegt haben? Die abgelegene Stadt trägt noch immer den Namen ihres deutschen Gründers.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Hauptstadt Windhoek ist für die meisten Einwohner nur mit Minibussen zu erreichen. Eine lange Fahrt, die irgendwo zwischen sieben Stunden und zwei Tagen dauert und wie mit einem Lineal gezogen durch die immer gelblicher werdenden, weitläufigen Landschaften führt.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz hinter der Stadtgrenze beginnt das alte Diamantensperrgebiet, das in etwa ein Drittel der Fläche Bayerns besitzt und Lüderitz auf Abstand zum Rest der Welt hält. Etwas mehr als 10.000 Einwohner leben heute in der Bucht.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Kleinstadt lernt man sich da schnell kennen. Zum Beispiel Boy aus der freiwilligen Feuerwehr. Er ist einer der wenigen Buchtler, wie sich die Bewohner der Stadt nennen, die sich auf beiden Seiten des immer noch tief sitzenden Keils zwischen schwarz und weiß bewegen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kurz Kolonialromantik schnuppern</h2>
<p style="text-align: justify;">Er zeigt mir seine Stadt, ruft an, wenn sich was tut im trägen Alltag. In seinem in die Jahre gekommenen Alfa Romeo fahren wir in das Zentrum. Der Stadtkern wird immer noch von den Häusern der deutschen Siedler geprägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Gut in Stand gehalten zählen die Kolonialbauten zu einer der großen Sehenswürdigkeiten in den Reiseführern. Alle paar Wochen legt ein Kreuzfahrtschiff an und überschwemmt die Innenstadt mit Urlaubern, die das Zentrum in eine ungewohnte Hektik versetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Touristen können kurz Kolonialromantik schnuppern und danach gibt es Bier und Austern, die in dem eiskalten Atlantikwasser fabelhaft wachsen. Im Zentrum befindet sich auch das Stadtmuseum. Es werden vor allem Ausstellungsstücke der Kolonialzeit gezeigt und daneben gibt es noch ein paar vergilbte Schautafeln zu Ureinwohnern, Tieren und Steinen der Region.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Museumswärterin erzählt mir vom Deutschen Klub, der sich in der Turnhalle trifft und so eine Art Lesezirkel sei, bevor sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zuwendet. Noch immer leben zahlreiche deutschstämmige Familien in der Stadt und neben deutschem Radio bekommt man auch eine deutschsprachige Tageszeitung.</p>
<p style="text-align: justify;">Über dem Eingang zur Turnhalle hängt das alte Schild des Männerturnvereins. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo in einem holzverkleideten Raum fünf Männer umzingelt von alten Fotos, Postern und einem Jägermeisterplakat an einem Tresen sitzen und Bier trinken. Der Deutsche Klub, eine Bar, die so auch in jeder tristeren Ecke in Deutschland stehen könnte. Jedes Getränk kostet umgerechnet fünfundsiebzig Cent und nur Mitglieder dürfen bestellen, was ziemlich häufig vorkommt an diesem Abend.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Schnaps spricht mein Nachbar als einziger in der Runde Deutsch, das sich immer wieder mit Afrikaans, Englisch und einem leichten Lallen vermischt. Werner, ein Mittfünfziger mit groben Arbeiterhänden, ist direkt aus seiner Autowerkstatt in den Klub gekommen. Vor über dreißig Jahren ist er nach Lüderitz gefahren, um Urlaub zu machen, hat eine Frau kennengelernt und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Den Deutschen Klub hat er mitgründet, weil er mit seinem Hund nicht mehr in den Yachtklub gehen durfte. Die Männer diskutieren über einen Beschluss des Präsidenten Lüderitz kurzfristig in !NamǂNûs, in die Sprache der Nama, umzubenennen. Angeheitzt werden die Gespräche von einem Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil das zuschnappt, wenn man den falschen Zahn drückt. Über Literatur wird den ganzen Abend nicht gesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz nach der Flaggenhissung musste Lüderitz sein Land unter großem Verlust an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Die Kolonie erreichte eine Ausdehnung von fast 1.200 Kilometern Länge, die sich von der südafrikanischen Grenze bis zum portugiesischen Angola im Norden erstreckte.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gegensatz zu den anderen deutschen Kolonien wurde Deutsch-Südwestafrika, wie das Gebiet genannt wurde, zu einer Siedlerkolonie. So sollte es nicht nur billige Rohstoffquelle werden, sondern auch Bauland für ein neues Deutschland in der Ferne, um der Emigration in die USA entgegenzuwirken. Auf die zirka 200.000 Bewohnern kamen später etwa 12.500 Deutsche.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ersten offiziellen Verwalter des Schutzgebiets entsandte das Deutsche Reich Ernst Göring, den Vater des späteren Reichsfeldmarschalls in Nazideutschland. Später ausgestattet mit zwei Dutzend Soldaten, verwaltete er ein Gebiet größer als das Deutsche Kaiserreich. Die deutsche Unterdrückung sorgte immer wieder für Unruhen. Im Jahr 1904 entlud sich die Wut mit voller Wucht, als sich erst die Herero und später auch die Nama erhoben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Vernichtungsbefehl von General von Trotha</h2>
<p style="text-align: justify;">Erbitterte Kämpfe mündeten in dem Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha. Ohne Rücksicht wurden zurückweichende Herero einschließlich Kindern und Frauen nach einer Schlacht in eine Wüste getrieben, in der ein Großteil verdurstete. Gefangene wurden in Konzentrationslager gesperrt, von denen eines auf Haifischinsel, einer Halbinsel bei Lüderitz, eingerichtet wurde. Von den ursprünglich 100.000 Herero und Nama überlebte schätzungsweise nur ein Viertel den deutschen Kolonialismus.</p>
<p style="text-align: justify;">Entlang der Schotterstraße, die aus dem Stadtzentrum hinaus führt, ist nicht mehr viel von dem Kolonialflair zu spüren. Am Hügel hinter der Bucht wachsen kleine Hütten aus Wellblech, alten Werbetafeln und was auch immer sonst noch zu Verfügung stand, die Felsen hinauf. Dazwischen Spelunken wie dem German Town oder dem George Weah, in denen es ähnlich zugeht wie im Deutschen Klub, nur ohne weiße Buchtler.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Fischfabriken locken Arbeitssuchende aus dem Norden hierher. Die Arbeitslosenquote ist hoch und viele schlagen sich mit informellen Jobs unter der Armutsgrenze durch das Leben. Die Ungleichheit in Lüderitz ist nicht zu übersehen. Schaut man die Bucht hinab, erkennt man in der Ferne die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen.</p>
<p style="text-align: justify;">An den Wochenenden überschwemmt der Alkohol die Stadt. „Lüderitz &#8211; A small drinking town with a fishing problem“, steht auf T-Shirts, die in einer der beliebtesten Bars unter Touristen verkauft werden. Jägermeister und Bier nach „pure Reinheitsgebot“ fließen in Strömen. Die alte Kegelbahn ist auch noch in Betrieb. Einmal die Woche treffen sich hier die sogenannten Radieschen zum Training.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wände sind voll mit alten Mannschaftsbildern und Urkunden des Kegelvereins. Das älteste Foto zeigt die Radieschen im Jahr 1906. Auf den Fotos posieren die weißen Männer in ihren Kegeloutfits, sonnenverbrannt im unteren Teil der Gesichter und hell weiß ab der Stirn, wo der Hut vor der Sonne schützte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bahn ist immer noch die gleiche. Drei der neun Spieler sind deutschstämmig, ein paar arbeiten als Fischer, andere sind nur zu Besuch während ihrer Semesterferien in Südafrika. Aus der Stereoanlage dröhnt „wir feiern vom Balkan bis nach Bayern“, während die erste Kugel die abgenutzte Holzbahn heruntergeworfen wird. Nach dem ersten Spiel wird von den Stühlen im Eingangsbereich gemeinsam der alte Vereinsspruch der Radieschen ausgerufen, der mit „du Sau, du Sau, du Sau“ endet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">1990 erreicht Namibia seine Unabhängigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Als sich der erste Weltkrieg nach Afrika ausbreitete, waren die deutschen Truppen chancenlos unterlegen. Im Juli 1915, vor einhundert Jahren, wurde die Kolonie an die Südafrikanische Union übergeben. Erst 1990 erreichte Namibia seine Unabhängigkeit von Südafrika. Auf eine deutsche Entschuldigung für die Verbrechen wartete man in Namibia lange. Im Jahr 2004 sprach die damalige Entwicklungsministerien Wiecorek-Zeul über die moralische Verantwortung der Deutschen. Entgegen der offiziellen Haltung Deutschlands bat sie „im Sinne des gemeinsamen Vater unser um Vergebung unserer Schuld“.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Straße zur Haifischinsel führt vorbei am Hafen, an dem auch die Diamantenschiffe liegen. Am Ende befindet sich ein Campingplatz. Innerhalb weniger Minuten zieht eine Nebelschwade vom Meer über die Stadt und legt alles unter einen weißen Mantel. Eine Steintafel erinnert an Kapitän John Fredericks II und seinen Klan, der auf dem Land, das er einst Lüderitz verkauft hatte, in dem Konzentrationslager umkam.</p>
<p style="text-align: justify;">Davon steht allerdings nichts auf der Tafel ebenso wenig wie von dem Lager an sich. Nur ein paar Meter weiter wird an die deutschen Gefallenen erinnert und daneben an einen Segler, der in den achtziger Jahren von Lüderitz aus den Atlantik überquert hat. Die Touristen, die zum größten Teil aus Südafrika kommen, erfahren von der Vorgeschichte des Campingplatzes meist nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">Abends ist es sehr ruhig in Lüderitz und die Kolonialbauten erscheinen wie substanzlose Fassaden eines Filmstudios. Ballsaal, Turnhalle, Bücherei. So ganz hat der koloniale Geist die Stadt allerdings nie verlassen. Auf den deutschen Kolonialismus folgte südafrikanische Apartheidpolitik und auch ein Jahrhundert nach dem Abzug, sträubt sich Deutschland noch immer, seine Verbrechen anzuerkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Stattdessen wird mit verstärkter Entwicklungszusammenarbeit versucht der historischen Verantwortung gerecht zu werden. Nicht gerade viel für ein Land, das sonst so gerne historische Aufarbeitung einfordert. Die Spuren sind jedoch eindeutig und in der trockenen Hitze von Lüderitz bestens konserviert worden.</p>
<p style="text-align: justify;">
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