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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Kunst &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Wo die Musik wohnt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 May 2016 23:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Schnell]]></category>
		<category><![CDATA[Bluegrass]]></category>
		<category><![CDATA[Blues]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Draheim]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Nashville]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Südstaat Tennessee der USA lebt die Country-Musik. Unsere Autoren begeben sich in Nashville auf Spurensuche und treffen dabei Fiddler, Banjo-Spieler und ehemalige Kollegen von Elvis Presley.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/wo-die-musik-wohnt/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Südstaat Tennessee der USA lebt die Country-Musik. Unsere Autoren begeben sich in Nashville auf Spurensuche und treffen dabei Fiddler, Banjo-Spieler und ehemalige Kollegen von Elvis Presley.</strong></p>
<p>Es ist heiß in Nashville im Sommer, bis spät in die Nacht. Leider ist unser Zimmer ein klimatisierter Albtraum. Ohne Fenster, karg, kalt und laut, ein durchdringender Geruch von Reinigungsmitteln durchweht das noch neue Hostel direkt am Cumberland River. Wir sind in die Hauptstadt der Country-Musik gekommen, um viel Musik zu hören, aber auch, um mehr über die Musiker und ihre Geschichten zu erfahren. Um die Ecke ist der Broadway, an dem wir am Abend unserer Ankunft unsere Erkundungstour beginnen.</p>
<p>Der Broadway ist ein überwältigender Ort. Aus jeder der zahllosen Bars tönt Live-Musik, und wenn es nur ein Mann mit Gitarre ist. Manche Bars haben gleich mehrere Ebenen, wie „Rippy&#8217;s“, die obere Etage ist halb offen, weshalb man dort sogar rauchen darf. Wer allerdings erwartet, dass es in Nashville nur Country zu hören gibt, darf sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Band, die oben bei „Rippy&#8217;s“ spielt, gibt ein bisschen Lynyrd Skynyrd zum Besten, ein bisschen Hendrix. Dazu gibt es Pulled Pork und Fries. Uns ist es zu laut. Auf der Straße ist es allerdings noch lauter. Hier mischen sich die Klänge aus den verschiedenen Clubs mit Straßenmusik.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-2.jpg" data-caption="In den Kneipen am Broadway in Nashville gibt es ohne Pause Livemusik, in einigen wird auch getanzt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-3.jpg" data-caption="In der Country Music Hall of Fame kann man die Instrumente von Country-Größen wie Johnny Cash und Hank Williams anschauen sowie eine beeindruckende Sammlung goldener Schallplatten." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-4.jpg" data-caption="Im Station Inn abseits des Trubels vom Broadway spielen Bluegrass-, Western- und Countrybands. Die Steelguitar ist dabei ein entscheidendes Instruement. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-5.jpg" data-caption="Ein Plattenladen in Nashville: Hier gibt es LPs, Singles und Kassetten mit Bluegrass und Country; CDs findet man nicht. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-7.jpg" data-caption="Buddy Spicher hat als Kind mit dem Fiddle-Spiel begonnen und hat mit zahlreichen Musikern im Studio gestanden, darunter Bob Dylan, Bill Monroe und Dolly Parton. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-9.jpg" data-caption="Geigenreparatur im Fiddle House." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-10.jpg" data-caption="Geigenbauerin Jennifer Halenar schnitzt Intarsien für eine neue Geige." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-11.jpg" data-caption="In Fannys House of Music werden nicht nur Instrumente verkauft, sondern auch große Musikerinnen geehrt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-13.jpg" data-caption="Leigh Maples zeigt ein Bild ihrer Mutter, die als Kind Gitarre spielte. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-14.jpg" data-caption="In Nashville wird überall musiziert - hier an einer Straßenkreuzung in East Nashville." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-18.jpg" data-caption="Auf dem Weg durch die Hügel von Kentucky finden sich am Wegesrand alte Straßenkreuzer." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-21.jpg" data-caption="Die &quot;Rosine Barn Jamboree&quot; findet in einer alten Scheune statt. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-23.jpg" data-caption="Auch die jungen Musiker aus der Gegend sind bei der Jamboree dabei." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-25.jpg" data-caption="Anlässlich der Eröffnung des &quot;Birthplace of Country Music Museum&quot; in Bristol, Tennesse, tritt Ralph Stanley auf. Hier signiert er einem Fan die Gitarre. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-26.jpg" data-caption="Roni Stoneman spielt bei der Eröffnung des Museums Banjo - auch an ihre Eltern wird im neu eröffneten Museum erinnert. " alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Katharina Draheim</p></div>
<p>Und das ist nicht nur am Abend so, wie wir am nächsten Tag feststellen. Es geht schon am Vormittag los. „Tootsie&#8217;s“, eine legendäre Kneipe, in der sich früher Country-Stars die Wartezeit bis zu ihren Konzerten im benachbarten Ryman Auditorium verkürzten, wenn sie im benachbarten Ryman Auditorium auftreten sollten, hat eine große Dachterrasse. Als wir es uns an der Sonne gemütlich gemacht haben, tritt ein Musiker an uns heran. Er sammelt Geld ein. Ob sie bezahlen müssen, um zu spielen, frage ich ihn. Nein, das nicht, 40 Dollar Fixum bekommt er, den Rest machen die Trinkgelder. Das gelte für die meisten hier. „Ein hartes Leben“, stöhnt er. Der Broadway scheint eine Menge Leute auf diese Weise am Leben zu erhalten.</p>
<h2>Vater des Bluegrass</h2>
<p>Aber natürlich wird in Nashville auch immer noch das große Geschäft gemacht. Hier treten auch die großen Stars auf. Wir haben Glück: Im Ryman Auditorium gibt es eine Reihe von Bluegrass-Konzerten, und ein paar Tage nach unserer Ankunft spielt Ricky Skaggs dort, wo früher die „Grand Ole Opry“ residierte, jene legendäre Radioshow, die Nashville eigentlich erst zur „Music City“ machte. Skaggs stand angeblich schon mit sechs Jahren auf der Bühne – neben Bill Monroe, dem Vater der Bluegrass-Musik, einem Stil der Country-Musik, der in teilweise halsbrecherischer Geschwindigkeit auf akustischen Instrumenten gespielt wird und Einflüsse traditioneller Musik aus den Appalachen, Jazz und Blues vereint.</p>
<p><iframe width="930" height="523" src="https://www.youtube.com/embed/KYTvj9Z_rlo?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Seit den Achtzigerjahren ist Skaggs ein Star, der nicht nur Bluegrass spielt. Er war Bandmitglied von Country-Rock-Ikone Emmylou Harris und von Jazz-Legende Charlie Haden.</p>
<p>Ein echtes Urgestein hier ist der Fiddler Buddy Spicher. Vor einigen Tagen hatten wir den 77-Jährigen besucht, um mit ihm über seinen Werdegang zu sprechen. Über Nashville und das Fiddeln. Seit den Fünzigerjahren macht Spicher Musik, spielte mit Dolly Parton, aber auch mit Elvis Presley und Ray Charles.</p>
<p>Heute hat er sich weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen, lebt über dem „Fiddle House“, einer Geigenwerkstatt, gibt aber immer noch Unterricht und hat ab und zu Arbeit im Studio. Er zeigt sich über die heutige Musikszene desillusioniert: „Es geht nur noch ums Geldverdienen.“ Es sei wichtig, gut auszusehen, musikalisches Können hingegen zweitrangig. „Heute wird bei der Aufnahme dafür gesorgt, dass die Musiker passabel klingen.“</p>
<h2>Anfassen verboten</h2>
<p>Buddy Spicher hat sich das Geigenspiel als Kind selbst beigebracht. Seine beiden Onkel, erzählt er, spielten Fiddle, aber er durfte ihre Instrumente nicht berühren. „Wenn sie draußen beim Heumachen waren, habe ich mich hereingeschlichen, und ihre Fiddle unter dem Bett hervorgeholt.“ Er versuchte, die Melodien nachzuahmen, die er auf den Grammophonplatten seiner Mutter hörte. „Ich habe die komplizierten Stellen so oft gehört, bis die Platten völlig abgenutzt waren.“ Musik, so sah es sein Vater, sei ein Zeitvertreib, aber kein Beruf. Mit 13 lief er von zu Hause weg, um in einem Studio vorzuspielen. Mit 14 hatte er die ersten Jobs als Musiker.</p>
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<p>Spicher erzählt uns, wir müssten unbedingt Roni Stoneman kennenlernen, wenn wir mehr über Bluegrass erfahren wollen. Veronica „Roni“ Stoneman sprudelt schon am Telefon über vor Geschichten und will sich gern mit uns unterhalten.</p>
<p>Aber bevor wir Stoneman treffen, verbringen wir den Tag in East Nashville, einem Stadtteil, der nichts von der Betriebsamkeit des Broadway hat. Hier wohnen viele Studenten, das Bild prägen szenige Cafés und Second-Hand-Läden, von denen uns einer ins Auge fällt, weil er von einem großen Gemälde geziert wird, auf dem berühmte Musikerinnen verewigt sind. „Fanny&#8217;s House Of Music“ ist eine Kombination aus Musikladen, Musikschule und einem Raum mit Vintage Clothing.</p>
<h2>Im Haus der Musik</h2>
<p>Leigh Maples und Pamela Cole betreiben seit über fünf Jahren ihr „Haus der Musik“. Selbst in dieser Stadt, in der Musik allgegenwärtig ist, wollen Kinder nicht unbedingt ein Instrument erlernen, erfahren wir im Gespräch mit den beiden. Cole, die im ländlichen Tennessee zur Welt kam, hat miterlebt, dass Musik auch einen ganz anderen Stellenwert haben kann. „Zuhause war die ganze Zeit Musik um uns herum.“</p>
<p>Sie erzählt, dass sehr oft Eltern mit Kindern zu ihnen kommen, die erfolglos versucht hätten, die Zöglinge zu unterrichten. „In Nashville gibt es vielleicht mehr Musiker als anderswo“, sagt sie. „Aber es ist schwierig für Eltern, ihre Kinder zu unterrichten. Die wollen das oft nicht.“ Sie glaube sogar, dass die Präsenz von Musik auch ein Problem sein könne: „Dass Musik etwas Schönes ist und es nicht darum geht, reich und berühmt zu werden, geht in Nashville leicht verloren, gerade wegen des Musikgeschäfts.“</p>
<p>Das war in der Familie von Roni Stoneman, die in den Dreißiger- und Vierzigerjahren aufwuchs, ganz anders. Die Tochter von Ernest „Pop“ Stoneman, einem der ersten kommerziell erfolgreichen Country-Musiker, erzählt uns, dass in ihrem Zuhause überall Instrumente herumstanden. „Er baute sie selbst“, erzählt Stoneman. „Und jedes Mal, wenn jemand von uns Kindern anfing zu spielen oder daran interessiert zu sein schien, räusperte er sich, weil wir uns um die Instrumente prügelten. Wir lebten vier Jahre lang in einem Haus mit nur einem Zimmer. Aber Daddy baute unsere Instrumente, und er beobachtete, um welche Instrumente wir uns stritten. Eines Tages kam er von der Arbeit, mit einem Banjo-Hals, den er während der Mittagspause geschnitzt hatte. Das werde ich nie vergessen.“</p>
<h2>Musikmachen war Männderdomäne</h2>
<p>So kam es, dass Roni Stoneman schon als Kind lernte, Banjo zu spielen. Allerdings merkte sie früh, dass das Musikmachen eine Männerdomäne war. Als einmal ein bekannter Banjo-Spieler bei den Stonemans zu Besuch war, um mit Ronis Bruder Scotty zu spielen, erzählte sie stolz, sie spiele auch Banjo. Der Besuch habe daraufhin gesagt: „Das tust du nicht.“ Der Grund: „Du bist ein Mädchen.” Was die junge Musikerin wütend machte: „Ich trat ihn so doll wie ich konnte, und er schrie, weil ich ihn am Schienbein getroffen hatte.”</p>
<p><iframe width="930" height="523" src="https://www.youtube.com/embed/WFN4Dp-p7cQ?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h2>Papa Pop</h2>
<p>Was Stoneman aber mindestens genauso wichtig ist, ist die Geschichte ihres Vaters Ernest „Pop“ Stoneman, der einen wichtigen Anteil daran hatte, dass der New Yorker Produzent Ralph Peer 1927 sein mobiles Studio in Bristol, Tennessee aufbaute, um sogenannte Hillbilly-Musiker aufzunehmen. Darunter waren unter anderem die Carter Family und Jimmie Rodgers, die ersten Stars der Szene – die Bristol Sessions wurden so zum „Urknall der Country Music“. Dabei war Ernest Stoneman schon vorher als Musiker erfolgreich. Roni nimmt uns mit nach Hause, um uns eine Walze mit „The Titanic“ vorzuspielen, die ihr Vater 1924 aufgenommen hat.</p>
<h2>Uncle Pen</h2>
<p>Nach unserem Besuch in Nashville fahren wir aufs Land und statten der wöchentlichen „Barn Jamboree“ in Rosine, Kentucky, einen Besuch ab. Was uns dort erwartet, davon haben wir nur eine sehr vage Vorstellung. Inmitten der rollenden Hügel von Kentucky liegt das rund 40 Einwohner zählende Dorf, die Wiege des Bluegrass. Hier liegt auch Bill Monroe begraben und hier steht die Hütte von „Uncle Pen“, der einen großen Einfluss auf Monroe hatte. Und zwei Meilen weiter, in Jerusalem Ridge, das Geburtshaus. Seit 22 Jahren treffen sich hier an jedem Freitag Musiker aus der Region und gelegentlich von weiter weg, um in der Scheune miteinander zu spielen. Old Time Music, Bluegrass und ein bisschen Country.<br />
<iframe width="930" height="698" src="https://www.youtube.com/embed/skSUX7pNmSU?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Es scheint zunächst, als würden Repertoire und instrumentale Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben. Aber auch hier haben sich die Zeiten gewandelt. Ein junges Mädchen singt „You Ain’t Woman Enough To Take My Man“ von Loretta Lynn, wobei sie den Text von ihrem Smartphone abliest. Ein zehnjähriger Junge, der mit den Erwachsenen Fiddle spielt, muss mit einigem Nachdruck zum Üben überredet werden. Sein Großvater, auch ein Fiddler, erzählt uns, dass der Junge lieber am Computer spielt. Weswegen die beiden ausgemacht haben: Der Kleine darf eine Stunde am Computer spielen, wenn er dafür eine Stunde an der Geige übt.</p>
<h2>Letzter Überlebender</h2>
<p>Wir fahren weiter ins 550 Kilometer entfernte Bristol zur Eröffnung des „Birthplace of Country Music“-Museums. Zur Feier des Tages hat sich auch Ralph Stanley angekündigt, einer der letzten Überlebenden der ersten Bluegrass-Generation. Wir brechen in strömendem Regen am frühen Morgen auf, um den Stanleys Auftritt noch zu erwischen. Eigentlich hätten wir es gerade so schaffen müssen. Aber wir bekommen nur noch den letzten Song seines Auftritts mit. Bristol liegt einerseits in Tennessee, andererseits in Virginia, wo es immer schon eine Stunde später ist. Das Museum liegt jenseits der Grenze.</p>
<p>Es erzählt von den „Bristol Sessions“, mit allem, was ein modernes Museum zu bieten hat, interaktiv, multimedial, mit Filmen und natürlich viel Musik. So öffnet es den Blick auf eine Welt, in der es noch kein Fernsehen gab, geschweige denn ein Internet. Eine Welt, in der Menschen aus einfachsten Verhältnissen, wie Ernest Stoneman mit seiner Frau und ihren 14 Kindern die Musik schufen, aus der später nicht nur eine millionenschwere Industrie wurde, sondern die auch einen wesentlichen Einfluss auf die gesamte Popkultur hatte: Elvis Presleys erste Platte enthielt mit „Blue Moon of Kentucky“ einen Song von Bill Monroe.</p>
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		<title>Die Unglücksraben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Nov 2015 07:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Broadway]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Huth]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspieler]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer in einer Show auf dem New Yorker Broadway spielt, hat es als Schauspieler geschafft. Für Künstler mit Behinderung nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Um zu zeigen, dass auch sie Talent haben, hat eine kleine Gruppe abseits des Broadway ein eigenes Stück auf die künstlichen Beine gestellt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-ungluecksraben/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Wer in einer Show auf dem New Yorker Broadway spielt, hat es als Schauspieler geschafft. Nahezu unmöglich scheint es für Künstler mit Behinderung zu sein. Sie kämpfen trotzdem für ihren Traum und geben nicht auf.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Mal wieder hat es nicht geklappt. Rachels Schauspielleistung ist, wie so oft, zur Nebensache geworden. Das passiert immer, wenn die Jury bei einem Casting ihre Bein-Prothese bemerkt. „Du bist so inspirierend. Danke vielmals für dein Kommen. Du hörst von uns!“ Natürlich weiß Rachel in diesen Momenten, dass sie nie wieder von ihnen hören wird.</p>
<p style="text-align: left;">So auch bei ihrem jüngsten Vorsprechen für eine Broadway-Show: die Gaunerkomödie „A Gentleman&#8217;s Guide to Love and Murder“ für die Rolle der Phoebe (<em>Role Description: beautiful, virtuous, forthright, romantic, comically earnest, with a backbone of steel!</em>). Mittlerweile ist das schon über ein halbes Jahr her. Dabei hatte sich die 27-Jährige diesmal ernsthaft Hoffnungen gemacht. „Meine Gesangslehrerin kennt den Regisseur und es ist eine Rolle, zu der meine Stimme perfekt passen würde“, sagt sie resigniert. Doch Rachel kann, will und wird nicht aufgeben. Denn sie hat einen Traum.</p>
<p style="text-align: left;">Dieser Traum wohnt am Times Square in New York. Dort wo bunte Werbung von den Fassaden blinkt, wo gelbe Taxis hupen wie wütende Quietscheentchen und wo Menschen zwischen Wolkenkratzern wuseln wie Ameisen. Hier liegt das berühmteste Theaterviertel der Welt, voller schillernder Shows über Löwenkönige, Opern-Phantome und Wunderlampen.</p>
<h2 style="text-align: left;">25.000 Schauspieler wollen es schaffen</h2>
<p style="text-align: left;">Dass Rachel nicht die einzige ist, die diesen Traum träumt, merkt sie jedes Mal, wenn sie mit Hunderten Konkurrenten in meterlangen Warteschlangen für Castings steht. Schätzungen zufolge leben weit über 25.000 professionelle Schauspieler in New York. Und Verbände wie die <a href="http://www.aapacnyc.org/uploads/1/1/9/4/11949532/aapac_stats_2011-2012.pdf" target="_blank">Asian American Performers Action Coalition kritisieren</a>, dass weiße Schauspieler gegenüber Afroamerikanern (16 Prozent), Latinos und Asiaten (je 3 Prozent) auf New Yorker Bühnen mit 77 Prozent überrepräsentiert sind. Rachel ist zwar weiß. Sie gehört mit ihrer Behinderung aber jener Schauspieler-Minderheit an, deren Winzigkeit hier noch niemand gezählt hat. Am Broadway dürfte sie gegen Null gehen.</p>
<p style="text-align: left;">Dabei ist es gerade mal vier Jahre her, als die junge Frau aus New Jersey in den überfüllten Proberäumen der Castings beste Chancen hatte. Rachel war damals gerade erst nach New York gezogen &#8211; mit einem erstklassigen Abschluss aus Princeton in Musical- und Opern-Performance in der Tasche. Eine leidenschaftliche Tänzerin. Voller Stolz berichtet sie, dass sie schnell Rollen in kleineren New Yorker Theatern fand. „Regisseure kannten meinen Namen“, sagt sie und fügt mit Überzeugung hinzu: „Ich war auf Broadway-Kurs.“</p>
<p style="text-align: left;">Damit war es in der Sekunde vorbei, als Rachel nach einem Autounfall im März 2012 ihren abgerissenen Fuß neben ihrem Körper liegen sah. Trotz aller Schmerzen dachte sie noch an zwei Dinge: „Zuerst an meine Eltern, sie mussten doch wissen, was passiert war.“ Und gleich darauf: „Ich werde niemals mehr am Broadway spielen. All die harte Arbeit war umsonst. Das war der härteste Moment meines Lebens.“ Aber Rachel will jetzt kein Mitleid. Das wäre in einer Branche sowieso nur geschäftsschädigend, in der es um Happiness und Perfektion geht.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-10.jpg" data-caption="Rachel Handler hat einen Traum: sie will trotz ihrer Behinderung hier am Broadway auftreten. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-11.jpg" data-caption="Schauspielerin Rachel Handler verlor ihren Unterschenkel bei einem Autounfall. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-4.jpg" data-caption="Regisseurin Stephanie im Schneegestöber von New York. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-6.jpg" data-caption="Der rumänische Waisenjunge Nicu hat Regisseurin Stephanie dazu inspiriert, Schauspielern mit Behinderung eine Chance zu geben. Foto: Victor Ilyukhin. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-13.jpg" data-caption="Schauspieler M. Lopez in seiner Wohnung in Brooklyn. Seine Bein-Prothese ist immer gut versteckt. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-15.jpg" data-caption="Schwerer Aufstieg: Trotz seiner Behinderung kann Anthony heute seinen Lebensunterhalt mit der Schauspielerei bestreiten. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-5.jpg" data-caption="Rachel und Anthony bei den Proben zu &quot;Der Kirschgarten&quot;. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-2.jpg" data-caption="Rachel Handler musste nach ihrer Bein-OP wieder zu ihren Eltern ziehen. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york.jpg" data-caption="Filmemacher Victor mit seiner Kamera. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-7.jpg" data-caption="Die Schauspieler nehmen den Applaus nach dem Tschechow-Stück &quot;Der Kirschgarten&quot; entgegen. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""></div></div>
<h2 style="text-align: left;">Die Beine gut versteckt</h2>
<p style="text-align: left;">Gerade sitzt sie nicht weit von der Aladdin-Spielstätte in einem der angesagten Bio-Fastfood-Restaurants. Die Beine gut versteckt unter dem gedeckten Tisch. Es ist voll hier. Und laut. Über Geschirrgeklapper und Gespräche ist das eigene Wort kaum zu verstehen. Trotzdem triumphiert ihre trainierte Stimme: „Nice to see you! How are you?“ Über dem weißen Pulli glitzert eine Halskette, die langen brünetten Haare rahmen ein Gesicht mit vornehmer Blässe und braunen Augen ein. Man kann sie sich gut in ihren bisherigen Rollen vorstellen. Sie spielte Eliza in My Fair Lady, Königin Anne in Richard III. oder Schneeweißchen in dem Märchen.</p>
<p style="text-align: left;">Bei dem Autounfall auf einem Highway in New Jersey war Rachel ausgerechnet auf dem Weg zu einem Casting. Der Traum von der nächsten Rolle wurde zum realen Albtraum, von jetzt auf gleich Invalide. Und damit könnte die Geschichte der Schauspielerin Rachel Handler hier zu Ende sein. Der Vorhang gefallen über dem letzten Bühnenbild, das sie im Krankenhausbett zeigt. Einen Verband um den Rest ihres linken Beins gewickelt. Weinend beim Anruf des Regisseurs, der ihr eine Rolle zusagen will, aber noch nichts von dem Unfall weiß. Elend wie eine Figur aus Victor Hugos auf die Bühne gebrachten Roman Les Misérables, begleitet vom Lied der todtraurigen Fantine:</p>
<p style="text-align: left;"><em>I had a dream my life would be</em><br />
<em> So different from this hell I&#8217;m living</em><br />
<em> So different now, from what it seemed</em><br />
<em> Now life has killed the dream I dreamed</em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Ich hab&#8216; geträumt, mein Leben wär&#8216;</em><br />
<em> ein Schicksal außerhalb der Hölle.</em><br />
<em> Gott gibt den Wünschen keinen Raum,</em><br />
<em> nichts blieb mir mehr von meinem Traum.</em></p>
<h2 style="text-align: left;">Der nächste Akt</h2>
<p style="text-align: left;">Aber Rachels Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Der nächste Akt beginnt 40 Blocks südlich vom Times Square mit der Szene eines Dokumentarfilms. Dort wo der Broadway keine Traumfabrik mehr ist, sondern nur noch eine Verkehrsstraße. Durchs Schneegestöber stapft eine Frau um die 50 in einem dicken Mantel, die Haare kurz und die Stimme schroff, aber herzlich. Sie wirkt wie jemand, der einem nach einer schlimmen Trennung sagt: Komm schon, hör auf zu heulen! Es gibt noch so viele andere Fische im Wasser! Die Frau heißt Stephanie Barton-Farcas und sie ist Regisseurin.Vor 14 Jahren hat sie das erste inklusive Theaterprojekt der Stadt gegründet: die <a href="http://www.spoontheater.org/" target="_blank">Nicu&#8217;s Spoon Theater Company</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Der Name dieses Theaters geht auf einen rumänischen Waisenjungen zurück, um den sich Stephanie bei sozialer Freiwilligenarbeit in den 1990ern gekümmert hatte. Nicu war geistig und körperlich behindert, stets staunend über die Reflexion des Sonnenlichts in seinem Esslöffel. Er starb bald an Aids. Doch sein Leben währte lang genug, so dass Stephanie ihn nie wieder vergessen konnte und sich fortan für Menschen mit Behinderung in ihrer Branche einsetzte.</p>
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																			<div class="aesop-stacked-caption">Der rumänische Waisenjunge Nicu hat Regisseurin Stephanie dazu inspiriert, Schauspielern mit Behinderung eine Chance zu geben. Foto: Victor Ilyukhin. </div>
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<p style="text-align: left;">Fast zwei Jahrzehnte nach Nicus Tod läuft Stephanie also durch den Dokumentarfilm eines jungen russischen Filmemachers. <a href="http://www.22troublesfilm.com/" target="_blank">„Die Unglücksraben (Two and Twenty Troubles)“</a> handelt davon, wie die Regisseurin ein Tschechow-Stück mit einer Handvoll behinderter und nicht-behinderter Schauspieler auf die Bühne eines kleinen New Yorker Theaters bringen will. Nicht als Therapie. Nicht als Wohltätigkeit. Sondern als gutes Theaterstück. Mit dabei: Rachel Handler.</p>
<p style="text-align: left;">Anderthalb Jahre ist es her, dass sie ihren linken Unterschenkel bei dem Autounfall verloren hat. Es stehen noch weitere Operationen an, und wenn Rachel nicht aufpasst, könnte sie den Oberschenkel auch noch verlieren. Warum also tut sie sich die anstrengenden Theaterproben und sogar einen Filmdreh an?</p>
<p style="text-align: left;">„Es war der eigenartigste Zufall überhaupt“, sagt sie rückblickend, „dass ich schon vor meinem Unfall in Stephanies Aufführungen mitgespielt habe, ohne überhaupt zu wissen, dass es inklusive Projekte für Schauspieler mit Behinderung waren.“ Erstaunt erfährt sie von Stephanie, dass sie nicht trotz, sondern wegen ihrer Behinderung eine Rolle in dem Tschechow-Stück bekommen könne. Rachel muss nicht lange überlegen: „Meine Karriere war nicht vorbei. Dieser Gedanke gab mir neue Kraft.“ Es wird der tragischste Moment des gesamten Films, als sie die Proben wegen einer dringenden Operation schließlich doch abbrechen muss.</p>
<h2 style="text-align: left;">Zombie-Rollen wegen entstelltem Gesicht</h2>
<p style="text-align: left;">Aber davon weiß Rachel in jener Szene noch nichts, als sie sich auf Krücken durch den kleinen Proberaum schwingt und als Hausmädchen Dunjascha den Filmtitel aussprechen darf, indem sie ihren vom Pech verfolgten Bühnen-Verlobten einen „Unglücksraben“ nennt.</p>
<p style="text-align: left;">Die reale Rachel könnte damit auch sich selbst meinen. Oder ihre Kollegen in dem Proberaum. Zum Beispiel den Mann, der nur Zombie-Rollen bekommt, weil sein Gesicht von Geburt an durch eine Fehlbildung entstellt und mehrfach operiert ist. Oder die Frau, der im Alter von sechs Jahren alle Haare vom Kopf fielen. Oder den anderen Hauptprotagonisten des Dokumentarfilms: Anthony M. Lopez, der wie Rachel nur ein gesundes Bein hat. All diese scheinbaren Unglücksraben stehen im Zentrum des Films von Victor Ilyukhin.</p>
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                               title="Filmemacher Victor Ilyukhin. Foto: Markus Huth">
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                                Filmemacher Victor Ilyukhin. Foto: Markus Huth
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<p style="text-align: left;">Für den jungen Filmemacher aus Russland sind sie aber mehr als das: „Sie sind Menschen, die trotz schlimmer Schicksalsschläge nicht aufgeben wollen, die immer weiter für ihre Träume kämpfen“, sagt er in seinem kleinen Büro in Manhattan. Für ihn ist es ein universelles Thema. Aber das Interesse von Investoren an Schauspielern mit Behinderung ist gering. Jedenfalls musste Victor, dessen Assistenten-Job für einen bekannten Künstler gerade so zum Leben reicht, seinen Film durch Crowdfunding und Selbstausbeutung finanzieren. Das Theaterstück wurde auch nicht am Broadway aufgeführt, sondern nur Off-Off-Broadway: je mehr Off, desto weiter weg von der Traumfabrik am Times Square.</p>
<h2 style="text-align: center;">Minderheit, bei der jeder jederzeit Mitglied werden kann</h2>

<p style="text-align: left;">Aber warum ist das so? Schließlich sind Helden, die gegen alle Widrigkeiten für ihre Träume kämpfen, das klassische Thema aus Musical, Film und Theater. Eine Antwort gab der inzwischen verstorbene Dramatiker John Belluso: Das Publikum fürchte sich vor Behinderten, „weil es die einzige Minderheit ist, bei der jeder jederzeit Mitglied werden kann.“ Ein Autounfall wie bei Rachel genügt und man ist unfreiwillig in einer Gemeinschaft, die in den Augen vieler durch Ausgrenzung und Hilfsbedürftigkeit geprägt ist. Daran wolle keiner gerne erinnert werden.</p>
<p style="text-align: left;">Andererseits faszinieren Figuren mit Behinderung. Sie können beim Publikum starke Emotionen auslösen. Filmschauspieler witzeln sogar, dass man für einen Oscar entweder in einem Film über den Holocaust oder eben einen Behinderten spielen muss. Dustin Hoffman gelang das in <em>Rain Main</em>, Daniel Day-Lewis in <em>My Left Foot</em> oder jüngst Eddie Redmayne mit seiner Darstellung des Astrophysikers Stephen Hawking. Alle diese Schauspieler haben eines gemeinsam: Sie spielen eine Behinderung, haben selbst aber keine. Ihre Rollen sind rührende Metaphern über das Leben. Erleichtert kann das Publikum aufatmen, wenn es die Stars wieder unversehrt auf dem Roten Teppich sieht. Alles nicht so schlimm. Es war doch nur gespielt.</p>
<p style="text-align: left;">Einen, den diese Distanzierung stört, ist Anthony M. Lopez. Neben Rachel der zweite Hauptdarsteller der Unglücksraben. Auch er trägt eine Bein-Prothese, wurde aber mit seiner Behinderung geboren. Das Inklusions-Theater war für ihn nach vielen Rückschlägen der Versuch, seine Schauspieler-Karriere wiederzubeleben – und der Versuch glückte. In den vergangenen zwei Jahren bekam Anthony immer mehr Aufträge, konnte schließlich seinen Brotjob als Social-Media-Manager an den Nagel hängen und lebt heute in einer hippen Wohnung zwischen Büchern und Gemälden in Brooklyn. Während sich der Blick von seiner Dachterrasse auf Manhattan öffnet, erzählt er, wie ihm das gelang.</p>
<p style="text-align: left;"> „Egal ob Behinderung oder nicht, die wichtigste Regel für einen Schauspieler lautet: Kenne deinen Typ!“ Der 30-Jährige ist schlaksig, hat eine Glatze und schaut durch seine rote Hipster-Brille immer eine Spur zu streng. „Ich bin der etwas vertrottelte Typ, manchmal auch der Fiese“, meint er ohne eine Miene zu verziehen. Äußerlich ist seine Prothese nicht zu erkennen. Allein der hinkende Gang verrät sie. Für ihn sei das nicht so schlimm wie für Hauptrollen-Typen, meint Anthony. Er sieht es sogar als Vorteil, weil er Aufträge in der Behinderten- und der Nicht-Behinderten-Welt bekommt. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Werbespots, TV-Rollen, Webclips, als Synchronsprecher und in Off-Broadway-Shows. Die schillernde Broadway-Industrie, die Theater- und Musical-Darsteller mit wenigstens 1.800 Dollar pro Woche immer noch am besten bezahlt, sieht er hingegen kritisch. Vor allem wegen solcher Geschichten wie mit Daniel Radcliffe.</p>
<h2 style="text-align: left;">Daniel Radcliffe als &#8222;Krüppel&#8220;</h2>
<p style="text-align: left;">Dazu muss man wissen: Der Broadway ist nicht nur eine Traumfabrik, sondern auch eine Geldmaschine. Allein in der vergangenen Woche spielten die 25 laufenden Shows über 24 Millionen Dollar ein. Und wie ein Auto Benzin, braucht diese Maschine Stars, die zahlende Zuschauer locken. Solche wie Daniel Radcliffe, der als Harry Potter weltbekannt wurde. Im vergangenen Jahr spielte er die Hauptrolle in der <a href="http://www.crippleofinishmaan.com/" target="_blank">Broadway-Komödie „Der Krüppel von Inishmaan“</a>. Die Kritiker feierten ihn unter anderem für seine glaubhafte Darstellung der Behinderung von „Krüppel“ Billy, dessen Körper teilweise gelähmt ist. Broadway und Hollywood funktionieren hier nach denselben Regeln.</p>
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																			<div class="aesop-stacked-caption">Schwerer Aufstieg: Trotz seiner Behinderung kann Anthony heute seinen Lebensunterhalt mit der Schauspielerei bestreiten. Foto: Markus Huth</div>
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<p style="text-align: left;">„Ich bin sicher, Radcliffe war wunderbar“, sagt Anthony mit strengem Blick, „aber ich kenne talentierte Schauspieler mit Behinderung, die diese Rolle hätten spielen können. Sollten nicht nur Darsteller mit Behinderung Figuren mit Behinderung spielen dürfen?“ Anthony, der sich in Rage geredet hat, findet: Ja. Es ist eine Debatte, die in den USA derzeit von einer immer selbstbewusster auftretenden Gemeinschaft behinderter Schauspieler geführt wird. Das geht bis zum Vergleich mit dem sogenannten „Blackfacing“, bei dem weiße Darsteller ihr Gesicht schwarz schminken, etwa um den dunkelhäutigen Shakespeare-Feldherrn Othello zu mimen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Wird es klappen?</h2>
<p style="text-align: left;">Solch radikale Kritik an der Unterhaltungsindustrie ist Rachel fremd. Dabei räumt sie ein, dass sie trotz einiger Rollen von der Schauspielerei nicht leben kann und nebenbei in einer Eventagentur jobben muss. In Rage gerät sie hingegen bei der Frage, ob sie nach einer gewissen Zahl an erfolglosen Castings ihren Traum nicht überdenken möchte. „Frage niemals Schauspieler in New York, ob sie den Broadway aufgeben! Wer hier lebt, verfolgt diesen Traum!“ Sie war bislang einfach nicht gut genug für den Broadway. So sieht sie es.</p>
<p style="text-align: left;">Deswegen will Rachel jetzt noch mehr Unterricht nehmen, sich noch besser auf das nächste Casting vorbereiten, auf ihre große Chance warten und solange eben auf kleineren Bühnen spielen – bald auch wieder mit Nicu&#8217;s Spoon Theater Company. Sie ist sich sicher: Irgendwann wird es klappen.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Frau, die da gerade aus dem Restaurant in die wuselnde Menschenmasse am Times Square verschwindet, scheint nichts aufhalten zu können. Trotz oder gerade wegen ihrer Behinderung.</p>
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