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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Namibia &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Radieschen in der Wüste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2015 05:03:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Kolonie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Lüderitz]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Dietrich]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/radieschen-in-der-wueste/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist Deutschland in das europäische Rennen um Kolonien eingestiegen. Das erste Schutzgebiet entstand in der Lüderitzbucht im heutigen Namibia. Ein Besuch, einhundert Jahre nach dem Ende der deutschen Herrschaft.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Schlange zieht sich über fast fünfzig Meter durch die letzten Ausläufer der Wüste. Die müden Arbeiter reihen sich geduldig in einer geraden Linie auf und warten darauf, dass sie sich in einen runtergekommenen Bus zwängen können. Außer der Fischfabrik am Ufer gibt es bis hin zu den Hügeln am Rand der Bucht, nur Sand zu sehen. Einige Meter abseits der Haltestelle zeichnet sich jedoch ein leicht zur Seite geneigter Steinsockel ab, an dem die Geschichte offiziell begonnen hat:</p>
<p style="text-align: justify;">Im August 1884 versammelte sich eine kleine Gruppe aus Angestellten des Tabakhändlers Lüderitz, der Besatzung von zwei Kriegsschiffen sowie dem Kapitän John Fredericks II um diesen Sockel und hisste die deutsche Flagge. Hier, ganz im Süden Namibias, entstand die erste deutsche Kolonie.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Jahr vor der Flaggenhissung hatte der Bremer Adolf Lüderitz die Bucht in der Hoffnung auf Rohstoffe, Geschäfte mit Südafrika, aber wahrscheinlich auch aus Abenteuerlust erworben. Es war kein sonderlich einladender Ort, besonders wenn man davor die grüne afrikanische Westküste entlang gefahren ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Überall Sand, diese Hitze und kein Süßwasser. Allerdings hatten sich Europas Mächte bereits einen Großteil Afrikas gesichert. Für zfradieweihundert Gewehre und einhundert Pfund Sterling kaufte Lüderitz dem Kapitän John Fredericks II, der in der dünn besiedelten Region um die Bucht mit seinem Klan lebte, Land in einem Umkreis von einigen Meilen ab.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Erstes Schutzgebiet in Afrika</h2>
<p style="text-align: justify;">Einmal niedergelassen, weitete Lüderitz sein Land immer weiter aus, wobei er sich zu Nutzen machte, dass die zwei größten Volksgruppen in der Region, die Nama und Herero, sich in ständigen Auseinandersetzungen befanden. Obwohl Reichskanzler Bismarck Kolonien eher ablehnend gegenüberstand, willigte er 1884 ein, auch Gebieten außerhalb Deutschlands staatliche Sicherheit zu garantieren. Die Lüderitzbucht war das erste Gebiet, dem dieser Schutz zugesichert wurde.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz18.jpg" data-caption="Eine lange Schlange an einer Bushaltestelle. Daneben ein Sockel zur Erinnerung an die deutsche Flaggenhissung." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz12.jpg" data-caption="Auch Fußball wird hier in der Wüste gespielt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Lüderitz2.jpg" data-caption="Das historische Zentrum von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz4.jpg" data-caption="Die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz11.jpg" data-caption="Die Rückseite der Felsenkirche." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz16.jpg" data-caption="Eine Straße für Ernst Göring, Vater des Nazi-Reichsfeldmarschalls und erster Verwalter von Deutsch Südwestafrika." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz3.jpg" data-caption="Die Freiwillige Feuerwehr von Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz7.jpg" data-caption="Der örtliche Yachtklub." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz14.jpg" data-caption="Beim &quot;Radiesschen&quot;-Kegelverein." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz13.jpg" data-caption="Ein &quot;Radiesschen&quot;-Kegler." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz10.jpg" data-caption="Fischfabriken wie diese sind Hauptarbeitgeber in Lüderitz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz9.jpg" data-caption="Eine ehemalige Walfangstation." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz8.jpg" data-caption="Andi sucht Arbeit in einer Fischfabrik." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz6.jpg" data-caption="Das Stadtmuseum." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/08/Luederitz17.jpg" data-caption="Auf der Haifischinsel befand sich ein deutsches Konzentrationslager." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Mehr als ein Jahrhundert später zucken die Arbeiter skeptisch mit den Schultern. Ein Denkmal? Hier, wo sie gerade acht Stunden lang afrikanischen Aal zerlegt haben? Die abgelegene Stadt trägt noch immer den Namen ihres deutschen Gründers.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Hauptstadt Windhoek ist für die meisten Einwohner nur mit Minibussen zu erreichen. Eine lange Fahrt, die irgendwo zwischen sieben Stunden und zwei Tagen dauert und wie mit einem Lineal gezogen durch die immer gelblicher werdenden, weitläufigen Landschaften führt.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz hinter der Stadtgrenze beginnt das alte Diamantensperrgebiet, das in etwa ein Drittel der Fläche Bayerns besitzt und Lüderitz auf Abstand zum Rest der Welt hält. Etwas mehr als 10.000 Einwohner leben heute in der Bucht.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Kleinstadt lernt man sich da schnell kennen. Zum Beispiel Boy aus der freiwilligen Feuerwehr. Er ist einer der wenigen Buchtler, wie sich die Bewohner der Stadt nennen, die sich auf beiden Seiten des immer noch tief sitzenden Keils zwischen schwarz und weiß bewegen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kurz Kolonialromantik schnuppern</h2>
<p style="text-align: justify;">Er zeigt mir seine Stadt, ruft an, wenn sich was tut im trägen Alltag. In seinem in die Jahre gekommenen Alfa Romeo fahren wir in das Zentrum. Der Stadtkern wird immer noch von den Häusern der deutschen Siedler geprägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Gut in Stand gehalten zählen die Kolonialbauten zu einer der großen Sehenswürdigkeiten in den Reiseführern. Alle paar Wochen legt ein Kreuzfahrtschiff an und überschwemmt die Innenstadt mit Urlaubern, die das Zentrum in eine ungewohnte Hektik versetzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Touristen können kurz Kolonialromantik schnuppern und danach gibt es Bier und Austern, die in dem eiskalten Atlantikwasser fabelhaft wachsen. Im Zentrum befindet sich auch das Stadtmuseum. Es werden vor allem Ausstellungsstücke der Kolonialzeit gezeigt und daneben gibt es noch ein paar vergilbte Schautafeln zu Ureinwohnern, Tieren und Steinen der Region.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Museumswärterin erzählt mir vom Deutschen Klub, der sich in der Turnhalle trifft und so eine Art Lesezirkel sei, bevor sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zuwendet. Noch immer leben zahlreiche deutschstämmige Familien in der Stadt und neben deutschem Radio bekommt man auch eine deutschsprachige Tageszeitung.</p>
<p style="text-align: justify;">Über dem Eingang zur Turnhalle hängt das alte Schild des Männerturnvereins. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo in einem holzverkleideten Raum fünf Männer umzingelt von alten Fotos, Postern und einem Jägermeisterplakat an einem Tresen sitzen und Bier trinken. Der Deutsche Klub, eine Bar, die so auch in jeder tristeren Ecke in Deutschland stehen könnte. Jedes Getränk kostet umgerechnet fünfundsiebzig Cent und nur Mitglieder dürfen bestellen, was ziemlich häufig vorkommt an diesem Abend.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Schnaps spricht mein Nachbar als einziger in der Runde Deutsch, das sich immer wieder mit Afrikaans, Englisch und einem leichten Lallen vermischt. Werner, ein Mittfünfziger mit groben Arbeiterhänden, ist direkt aus seiner Autowerkstatt in den Klub gekommen. Vor über dreißig Jahren ist er nach Lüderitz gefahren, um Urlaub zu machen, hat eine Frau kennengelernt und ist nie wieder nach Deutschland zurückgekehrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Den Deutschen Klub hat er mitgründet, weil er mit seinem Hund nicht mehr in den Yachtklub gehen durfte. Die Männer diskutieren über einen Beschluss des Präsidenten Lüderitz kurzfristig in !NamǂNûs, in die Sprache der Nama, umzubenennen. Angeheitzt werden die Gespräche von einem Trinkspiel mit einem Plastikkrokodil das zuschnappt, wenn man den falschen Zahn drückt. Über Literatur wird den ganzen Abend nicht gesprochen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schon kurz nach der Flaggenhissung musste Lüderitz sein Land unter großem Verlust an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufen. Die Kolonie erreichte eine Ausdehnung von fast 1.200 Kilometern Länge, die sich von der südafrikanischen Grenze bis zum portugiesischen Angola im Norden erstreckte.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gegensatz zu den anderen deutschen Kolonien wurde Deutsch-Südwestafrika, wie das Gebiet genannt wurde, zu einer Siedlerkolonie. So sollte es nicht nur billige Rohstoffquelle werden, sondern auch Bauland für ein neues Deutschland in der Ferne, um der Emigration in die USA entgegenzuwirken. Auf die zirka 200.000 Bewohnern kamen später etwa 12.500 Deutsche.</p>
<p style="text-align: justify;">Als ersten offiziellen Verwalter des Schutzgebiets entsandte das Deutsche Reich Ernst Göring, den Vater des späteren Reichsfeldmarschalls in Nazideutschland. Später ausgestattet mit zwei Dutzend Soldaten, verwaltete er ein Gebiet größer als das Deutsche Kaiserreich. Die deutsche Unterdrückung sorgte immer wieder für Unruhen. Im Jahr 1904 entlud sich die Wut mit voller Wucht, als sich erst die Herero und später auch die Nama erhoben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Vernichtungsbefehl von General von Trotha</h2>
<p style="text-align: justify;">Erbitterte Kämpfe mündeten in dem Vernichtungsbefehl des Generals von Trotha. Ohne Rücksicht wurden zurückweichende Herero einschließlich Kindern und Frauen nach einer Schlacht in eine Wüste getrieben, in der ein Großteil verdurstete. Gefangene wurden in Konzentrationslager gesperrt, von denen eines auf Haifischinsel, einer Halbinsel bei Lüderitz, eingerichtet wurde. Von den ursprünglich 100.000 Herero und Nama überlebte schätzungsweise nur ein Viertel den deutschen Kolonialismus.</p>
<p style="text-align: justify;">Entlang der Schotterstraße, die aus dem Stadtzentrum hinaus führt, ist nicht mehr viel von dem Kolonialflair zu spüren. Am Hügel hinter der Bucht wachsen kleine Hütten aus Wellblech, alten Werbetafeln und was auch immer sonst noch zu Verfügung stand, die Felsen hinauf. Dazwischen Spelunken wie dem German Town oder dem George Weah, in denen es ähnlich zugeht wie im Deutschen Klub, nur ohne weiße Buchtler.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Fischfabriken locken Arbeitssuchende aus dem Norden hierher. Die Arbeitslosenquote ist hoch und viele schlagen sich mit informellen Jobs unter der Armutsgrenze durch das Leben. Die Ungleichheit in Lüderitz ist nicht zu übersehen. Schaut man die Bucht hinab, erkennt man in der Ferne die Felsenkirche, eines der kolonialen Wahrzeichen.</p>
<p style="text-align: justify;">An den Wochenenden überschwemmt der Alkohol die Stadt. „Lüderitz &#8211; A small drinking town with a fishing problem“, steht auf T-Shirts, die in einer der beliebtesten Bars unter Touristen verkauft werden. Jägermeister und Bier nach „pure Reinheitsgebot“ fließen in Strömen. Die alte Kegelbahn ist auch noch in Betrieb. Einmal die Woche treffen sich hier die sogenannten Radieschen zum Training.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wände sind voll mit alten Mannschaftsbildern und Urkunden des Kegelvereins. Das älteste Foto zeigt die Radieschen im Jahr 1906. Auf den Fotos posieren die weißen Männer in ihren Kegeloutfits, sonnenverbrannt im unteren Teil der Gesichter und hell weiß ab der Stirn, wo der Hut vor der Sonne schützte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bahn ist immer noch die gleiche. Drei der neun Spieler sind deutschstämmig, ein paar arbeiten als Fischer, andere sind nur zu Besuch während ihrer Semesterferien in Südafrika. Aus der Stereoanlage dröhnt „wir feiern vom Balkan bis nach Bayern“, während die erste Kugel die abgenutzte Holzbahn heruntergeworfen wird. Nach dem ersten Spiel wird von den Stühlen im Eingangsbereich gemeinsam der alte Vereinsspruch der Radieschen ausgerufen, der mit „du Sau, du Sau, du Sau“ endet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">1990 erreicht Namibia seine Unabhängigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Als sich der erste Weltkrieg nach Afrika ausbreitete, waren die deutschen Truppen chancenlos unterlegen. Im Juli 1915, vor einhundert Jahren, wurde die Kolonie an die Südafrikanische Union übergeben. Erst 1990 erreichte Namibia seine Unabhängigkeit von Südafrika. Auf eine deutsche Entschuldigung für die Verbrechen wartete man in Namibia lange. Im Jahr 2004 sprach die damalige Entwicklungsministerien Wiecorek-Zeul über die moralische Verantwortung der Deutschen. Entgegen der offiziellen Haltung Deutschlands bat sie „im Sinne des gemeinsamen Vater unser um Vergebung unserer Schuld“.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Straße zur Haifischinsel führt vorbei am Hafen, an dem auch die Diamantenschiffe liegen. Am Ende befindet sich ein Campingplatz. Innerhalb weniger Minuten zieht eine Nebelschwade vom Meer über die Stadt und legt alles unter einen weißen Mantel. Eine Steintafel erinnert an Kapitän John Fredericks II und seinen Klan, der auf dem Land, das er einst Lüderitz verkauft hatte, in dem Konzentrationslager umkam.</p>
<p style="text-align: justify;">Davon steht allerdings nichts auf der Tafel ebenso wenig wie von dem Lager an sich. Nur ein paar Meter weiter wird an die deutschen Gefallenen erinnert und daneben an einen Segler, der in den achtziger Jahren von Lüderitz aus den Atlantik überquert hat. Die Touristen, die zum größten Teil aus Südafrika kommen, erfahren von der Vorgeschichte des Campingplatzes meist nichts.</p>
<p style="text-align: justify;">Abends ist es sehr ruhig in Lüderitz und die Kolonialbauten erscheinen wie substanzlose Fassaden eines Filmstudios. Ballsaal, Turnhalle, Bücherei. So ganz hat der koloniale Geist die Stadt allerdings nie verlassen. Auf den deutschen Kolonialismus folgte südafrikanische Apartheidpolitik und auch ein Jahrhundert nach dem Abzug, sträubt sich Deutschland noch immer, seine Verbrechen anzuerkennen.</p>
<p style="text-align: justify;">Stattdessen wird mit verstärkter Entwicklungszusammenarbeit versucht der historischen Verantwortung gerecht zu werden. Nicht gerade viel für ein Land, das sonst so gerne historische Aufarbeitung einfordert. Die Spuren sind jedoch eindeutig und in der trockenen Hitze von Lüderitz bestens konserviert worden.</p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>&#8222;Überall auf dem Boden war Blut&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2014 00:01:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Boxen]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Mescoli]]></category>
		<category><![CDATA[Mujandjae Kasuto]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Mittelgewichtsboxer Mujandjae Kasuto gilt als Namibias größte Medaillenhoffnung seit dem Sprinter Frankie Fredericks. Unser Autor Felix Mescoli hat ihn in seiner Küche in einem Windhoeker Armenviertel besucht.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ueberall-auf-dem-boden-war-blut/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Der Mittelgewichtsboxer Mujandjae Kasuto gilt als Namibias größte Medaillenhoffnung seit dem Sprinter Frankie Fredericks. Unser Autor Felix Mescoli hat ihn in seiner Küche in einem Windhoeker Armenviertel besucht.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es riecht nach Schweiß! Mujandjae Kasuto ist gerade dabei, in einer grünen Plastikschüssel seine Trainingsklamotten zu waschen. Wie in Zeitlupe bewegt er die triefenden Jerseys in den blau-rot-grünen Landesfarben Namibias auf und nieder. Kasuto ist müde. Der 26-Jährige hat heute schon zwei aufreibende Übungseinheiten hinter sich. So kurz vor den Olympischen Spielen in London trainiert der Amateurboxer besonders hart. Durchs winzige Küchenfenster fallen die letzten Strahlen der Abendsonne. Es ist eng in der Einzimmerwohnung, die der Sportler mit Frau – sie ist Lehrerin – und Kind im ehemaligen Windhoeker Township Katutura bewohnt.</p>
<p style="text-align: justify;">In seine Trainingseinrichtung, eine heruntergekommene ehemalige Lagerhalle mit eingeworfenen Fensterscheiben, wollte mich die Armee nicht hineinlassen. Kasuto ist Angehöriger der Streitkräfte – fast die einzige Möglichkeit für Namibias ambitionierte Sportler an Geld zu kommen. Eine Nachwuchsförderung durch die Verbände gibt es nur selten. Und Kasutos Vorgesetzte haben eigenwillige Vorstellungen, was die Zugänglichkeit ihrer Athleten für die Öffentlichkeit angeht. Auch dieses Treffen in seiner Wohnung kommt erst nach mehreren Telefonaten und einem Besuch beim nationalen Boxverband (NBF) zustande.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Im südlichen Afrika alles gewonnen</h2>
<p style="text-align: justify;">In der Küche, die auch als Wohzimmer dient, steht ein Fernsher, der Bildschirm hat einen Sprung. „Den hat mein zweijähriger Sohn mit einer meiner Medaillen eingeworfen“, sagt Kasuto breit grinsend und rückt dem Gast einen Plastikschemel zurecht. An der Wand hängen dutzende Trophäen. Auf nationaler Ebene und in der Wettkampfzone 6, dem südlichen Afrika, hat der Mittelgewichtler (bis 75 Kilo) alles gewonnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Jetzt allerdings lasten auf seinen muskulösen Schultern die verbliebenen Medaillenhoffnungen des NBF für die Olympischen Spiele in London. Das fünfköpfige Team von Trainer Ali Muumbembi war nach einem Trainingsaufenthalt in Kuba mit reichlich Vorschusslohrbeeren zur Olympiaqualifikation in die marokanischen Metropole Casablanca gereist. Doch dann musste der Coach, selbst ein ehemaliger Commonwealth-Champion im Weltergewicht, mitansehen, wie seine Boxer der Reihe nach unterlagen: Mannschaftskapitän und Namibias größte Olympia-Hoffnung Jafet Uutoni wurde bereits im Auftaktkampf vom Ägypter Ramy El-Awadi in der ersten Runde ausgeknockt. Teamkollege Simon Johannes schied gar kampflos aus. Er hatte seinen Fight im Hotel verschlafen. Die mitgereisten Offiziellen hatten versäumt, ihrem Schützling die korrekte Anfangszeit zu nennen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-2729-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-2729-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-2729-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-2729-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="40000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kasuto-Titel-1.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Kasuto (links) gegen Sobirdzhon Nazarov aus Tadschikistan bei den Olympischen Spielen 2012 in London. © Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-4.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-2.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-3.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-5.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Am Ende dieses Kampfes.... © Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-1.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">... siegt Kasuko knapp nach Punkten. Trotzdem wird Kasuto am Ende der Spiele ohne Medaille nach hause fahren. © Caroline Quinn, Boxing AIBA</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-2729-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kasuto-Titel-1-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-4-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-2-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-3-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-5-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Mujandjae-Kasuto-1-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: justify;">Katastrophe für den Sonnenstaat</h2>
<p style="text-align: justify;">Schon drohte der erste Olympische Boxwettbewerb ohne namibische Teilnahme seit der Unabhängigkeit von Südafrika 1990. Eine Katastrophe für den stolzen Sonnenstaat, dessen sportliche Aussenbilanz, abgesehen von Wundersprinter Frankie Fredericks, der in den 90er Jahren die bisher einzigen olympischen Medaillen für sein Heimatland gewann, eher bescheiden ausfällt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wir waren top vorbereitet und voller Zuversicht. Aber plötzlich stand ich alleine da“, berichtet Kasuto in seiner Küche. „Ich habe mir gedacht: Mein Freund Uutoni ist ausgeschieden, meine Kameraden auch, es muss was passieren. Dann haben wir alle gemeinsam gebetet. Die anderen sagten, Du bist unsere letzte Hoffnung, der Trainer sagte: Du bist unsere letzte Hoffnung.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">Glocke &#8211; Bing! Tam Tam Tam!</h2>
<p style="text-align: justify;">So gestärkt stürzte sich Kasuto in die Schlacht gegen den Tunesier Hassan Chagtemi. „Das war Krieg“, erzählt der 1,78 Meter große Kämpfer und schüttelt sich schaudernd. „Mein Plan war, das einfach nur durchzustehen. Nach jedem Gong bin ich in die Ecke. Wie steht es? 5:2. Dann die Glocke: Bing! Und ich drauf: Tam Tam Tam!“ Kasuto redet sich in Rage, springt auf und führt eine blitzschnelle Links-Rechts-Kombination aus.</p>
<p style="text-align: justify;">„Dann wieder die Glocke: Bing! 10:9. Bing. Pam Papam! Die anderen schrien, Kasuto, Kasuto, Kasuto! Ich dachte, wenn ich nicht gewinne, mache ich die Computer der Kampfricher platt.“ Der Kampf endete 15:14 zugunsten des Namibiers. Es war verdammt knapp.</p>
<p style="text-align: justify;">Kasuto hat sich durchgeschlagen, mit dem Herz eines Löwen und der Beweglichkeit und Eleganz einer Gazelle. Beobachtet man ihn beim Training mit anderen Boxern, werden die Qualitätsunterschiede deutlich. Seit 20 Jahren betreibt der Junge aus dem Township den Boxsport. „Ein Nachbar hat mich 1992 mit ins Gym genommen“, erzählt er. Er war damals sechs Jahre alt. „Mann, überall auf dem Boden war Blut, da habe ich Angst bekommen und bin weggerannt.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Die haue ich weg&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber schon nach ein paar Wochen zog es den Jungen zurück. „Da waren diesmal noch andere Kinder und ich sagte, gebt mir ein paar Handschuhe, die haue ich weg.“</p>
<p style="text-align: justify;">Auf seinen Premierenkampf musste der Heißsporn allerdings noch vier Jahre warten. Mit zehn stieg er erstmals offiziell in den Ring, im Wüstennest Aranos am Rande der Kalahari. „Meinem Gegner habe ich gleich die Nase blutig gehauen. Ich war stark und mein Motto war: Keiner kann mich schlagen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Weil der junge Kasuto auch in der Schule diesem Wahlspruch folgte, flog er raus.  Nur dank der Fürsprache seiner Eltern wurde der Raufbold wieder aufgenommen, mit der Maßgabe, die Fäuste künftig unten zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Seinen ersten Titel holte Kasuto im Jahr 2003. Die Jugendmeisterschaft in Rundu an der Grenze zum Nachbarstaat Angola. Nicht nur deshalb ein denkwürdiger Kampf: „Mann, der Typ ging zu Boden und hörte auf zu atmen. Dann kam der Doktor und spritzte ihm etwas Wasser ins Gesicht, da ist er wieder aufgewacht. Gott sei Dank!“</p>
<h2 style="text-align: justify;">Stolz in Peking</h2>
<p style="text-align: justify;">Weitere Highlights auf Kasutos langer Liste von Erfolgen: die Afrikameisterschaft 2007 und die Olympischen Spiele in Peking. Da schied der damalige Weltergewichtler (bis 69 Kilo) zwar schon im ersten Kampf gegen den Russen Andrey Balanov aus. Trotzdem hegt er positive Erinnerungen an die Spiele: „Damals waren wir sogar 11 Athleten, Uutoni trug die Flagge bei der Eröffnungsfeier. Es war wunderschön.“ Nach London werden immerhin neun namibische Sportler fahren.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück zur jüngsten Vergangenheit: Er, Kasuto, hatte also die Olympiateilnahme des Box-Teams in London durch seinen Sieg in Marokko gesichert. Im Halbfinale gegen den Algerier Abdelmalek Rahou hätte er es also ruhig angehen lassen können. Doch das kam nicht infrage, der Namibier hatte Blut geleckt. „Wenn der Punkte von mir will, soll er sie sich holen, dachte ich mir und hab ihn kommen lassen.“ Wieder springt er auf, die Fäuste sausen durch die stickige Küchenluft.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Gold oder Nichts</h2>
<p style="text-align: justify;">Am Ende behielt der Schwarzafrikaner mit 12:11 die Oberhand. Silbermedaille. Der Sieg im Finalkampf allerdings ging mit 10:2 überlegen an den Lokalmatador Badr-Eddine Haddioui. „Ich habe ihn gewinnen lassen“, behauptet Kasuto. „Mein Ziel ins Finale zu kommen, hatte ich erreicht. Warum etwas riskieren?“</p>
<p style="text-align: justify;">Und was sind seine Ziele für Olympia in London? „Dazu sage ich nichts. Wenn ich in der ersten Runde rausfliege heißt es sonst, ich hätte was versprochen.“ Sein Lachen hallt bis auf den Hof. „Aber ich bin bereit. Es ist alles möglich. Von Nichts bis Gold.“ Dann wäre die Nation glücklich, und Kasuto-Junior hätte wieder was zum rumschmeißen. Pam, Papam, Tam Tam Tam, tänzelt Kasuto durch seine Küche.</p>
<h5 style="text-align: justify;"><em>Nachtrag: Kasuto errang in der Vorrunde einen knappen Sieg gegen den Tadschiken Sobirjon Nazarov. Verlor aber seinen zweiten Olympiakampf und schied im Achtelfinale gegen den Ungar Zoltán Harcsa aus. Bei den Commonwealth Games 2014 im schottischen Glasgow schied Kasuto ebenfalls im Achtelfinale aus. Er verlor gegen den späteren Silbermedalliengewinner Vijender Vijender aus Indien.</em></h5>
<p style="text-align: justify;"><div class="su-spacer" style="height:30px"></div>
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		<title>&#8222;Die großen Tiere sind am faulsten&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2014 02:36:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Namibia]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Mescoli]]></category>
		<category><![CDATA[Namib]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>
		<category><![CDATA[Wüste]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim Wandern in der Namib-Wüste in Namibia kann der Mensch sowohl die absolute Stille, als auch die Lebenskraft der Natur erleben. Unser Autor Felix Mescoli hat es ausprobiert. Eine Wanderung durch eine trockene, aber lebendige Welt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/namib-wueste-leben-im-nichts/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Beim Wandern in der Namib-Wüste in Namibia kann der Mensch sowohl die absolute Stille, als auch die Lebenskraft der Natur erleben. Unser Autor Felix Mescoli hat es ausprobiert. Eine Wanderung durch eine trockene, aber lebendige Welt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dass die Wüste lebt, ist spätestens seit dem gleichnamigen Tierfilm von James Algar, der 1953 zum Welterfolg wurde, kein Geheimnis mehr. Dass aber ausgerechnet ein so ungastliches Exemplar wie die Namib an der Westküste des südlichen Afrika, mit Tagestemperaturen von bis zu 50 und Nachttemperaturen unter 0 Grad, jahrzehntelangen Trockenperioden, regelmäßigen Sandstürmen und turmhoch aufragenden Dünen, ein derart geschäftiges kleines Ödland ist, dass war vor der dreitägigen Wanderung über den feinen, rostroten Sand nicht zu erwarten.</p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich bedeutet die Bezeichnung Namib in der Sprache des dort lebenden Nama-Volkes „Ort, wo nichts ist“ oder „Leerer Platz“. Und die Leute werden sich bei der Namensgebung ja irgendwas gedacht haben.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Himmel oder Hölle</h2>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Ein Freund hat mir einmal gesagt, hast du Essen und Wasser, ist die Wüste der Himmel auf Erden. Wenn nicht: die Hölle&#8220;, erzählt Ueeraije Tjambiru fröhlich. Als Führer nimmt er die Wandergesellschaft am Ausgangspunkt der dreitägigen Ödland-Tour auf dem Tok Tokkie-Trail, einem ehemaligen Farmhaus sechs Autostunden südlich der namibischen Hauptstadt Windhoek, in Empfang. Unbarmherzig brennt die Mittagssonne auf das trockene Grasland ringsum. Im Schatten auf der Terrasse ist es angenehm kühl, dennoch schenke ich mir aus dem bauchigen Krug vorsorglich noch einmal Zitronenlimonade nach. Eiswürfel klirren gegen Glas. Aaaahh.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Tisch unter dem schützenden Vordach hat sich unsere sechsköpfige Reisegruppe versammelt;  Frischverheiratete aus dem flämischen Teil Belgiens auf Hochzeitsreise, saturierte Eheleute aus einem Pariser Vorort auf der Flucht vor dem Stress der Großstadt, der Schreiber nebst Reisebegleitung. Tjambiru, den alle nur Domingo nennen, gibt letzte Verhaltensmaßregeln: beim Laufen den Untergrund im Auge behalten &#8211; wegen giftiger Kriechtiere, ausreichend trinken, einen Hut aufsetzen und, auf jeden Fall, statt kurzer Hosen lange tragen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schnell noch die Wasserflaschen auffüllen, dann kommt schon der Marschbefehl. Hintereinanderweg, in Gänseformation dem kräftig ausschreitenden Führer folgend, geht es weg vom Farmhaus, weg von der Zivilisation, hinaus aufs unendlich scheinende Dünenmeer, dem Unbekannten entgegen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Durch messerscharfe Halme</h2>
<p style="text-align: justify;">Aus dem Unbekannten heraus materialisiert sich zunächst hüfthohes Gras. Denn hier, an der Grenze des Namib-Rand-Naturreservats, zusammengefasst aus fünf ehemaligen Farmen, mit 172.000 Hektar einem der größten privaten Naturschutzgebiete Afrikas, sind die Dünen bewachsen. Die messerscharfen Halme ritzen bei unvorsichtiger Berührung sofort die Haut, schnell sind Hände und Unterarme mit juckenden Kratzern übersät. Gebahnte Wege gibt es auf dem Tok Tokkie-Trail nicht. Trotz der brütenden Hitze bin ich plötzlich sehr dankbar für meine langen Hosen.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Das ist Namib Dünengras&#8220;, erklärt Domingo, den Bewuchs mit seinem Wanderstock zur Seite drückend. Auf gar keinen Fall zu verwechseln mit dem sehr ähnlichen Kalahari Dünengras! Was denn der Unterschied sei? Das Namib Dünengras wachse nur hier, sagt Domingo lakonisch, das Kalahari Dünengras nur in der mächtigen Sandwüste weiter im Norden. Eigentlich logisch.</p>
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                                Wüstenführer Domingo. Foto: Felix Mescoli
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<p style="text-align: justify;">Überall dagegen wächst das sich abgerolltem Natodraht ähnelnde Straußengras. &#8222;Ein Gras mit Attitüde&#8220;, wie Domingo lachend erklärt. Ein weiterer Pluspunkt für die langen Hosen. Wie handhaben das nur die in sicherer Entfernung vorbeiziehenden Spießböcke? Die mieden die Stachlbewehrten Halme und hielten sich an zartere Gräser,  berichtet der Guide.</p>
<h2 style="text-align: left;">Auf der Suche nach der weißen Lady</h2>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Stopp!&#8220;, ruft Domingo unvermittelt und deutet mit seinem nun als Zeigestab dienenden Stock auf einen etwa Centstück großen Punkt im Sand. Der Eingang zum Bau einer Radspinne. Er markiert die Öffnung mit einem Grashalm und schiebt den Sand mit den Händen vorsichtig beiseite. Nach einigem Wühlen fördert er einen fast zehn Zentimeter langen Schlauch  aus seidigem Gespinst zu Tage. Im Inneren lauert üblicherweise das gespenstisch bleiche Insekt, auch &#8222;White Lady&#8220; genannt. Lässt sich ein Beutetier verleiten, das Nest zu betreten, zieht es mit einem Faden, zack, die Falltür zu.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch der Bau ist verwaist. Domingo zeigt auf ein Gewirr von Linien im Sand, Spuren. &#8222;Eine Eidechse kam vorbei, es gab einen Kampf mit der Spinne&#8220;, erläutert er die winzigen Abdrücke. Vielleicht habe das Reptil das Insekt vertilgt, vielleicht war es aber auch umgekehrt. Domingo zuckt die Schultern. &#8222;First come first serve&#8220;, sagt er. &#8222;Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.&#8220; Das sei eben das Gesetz der Wüste.</p>
<h2 style="text-align: left;">Im Nachtlager</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach knapp zwei Stunden Fußmarsch erblicken wir in einer Senke das Nachtlager. Domingo teilt die Unterkünfte zu. Zwischen den Dünen sind paarweise Feldbetten aufgestellt, jeweils im gebührendem Abstand zum nächsten &#8222;Doppelzimmer&#8220;. Darunter ein kleiner Teppich, so dass niemand sandigen Fußes in die dicke Bettrolle kriechen muss. Daneben eine Gepäckablage – die Reisehabseligkeiten werden von der Begleitmannschaft transportiert –, ein Beistelltischchen, ein Kanvas-Waschbecken. Darüber: das Himmelszelt.</p>
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                                Dopppelbett unter freiem Himmel. Foto: Felix Mescoli
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<p style="text-align: justify;">Wer möchte, kann sich in der Wüstendusche vom mehlfeinen Staub befreien. Faktotum Willie Lammert, dessen Name so deutsch wie seine äußere Erscheinung afrikanisch ist, füllt dafür warmes Wasser in den im Geäst eines der wenigen Bäume baumelnden Eimer. Daran ist ein Duschkopf befestigt. Als Sichtschutz dient zum Lager hin eine Bretterwand, an den übrigen drei Seiten herrscht freie Sicht. Einerlei, die einzigen Beobachter weit und breit sind die spatzengroßen Webervögel. Und so dicht beieinander wie deren Hängenester in den Akazienkronen angebracht sind, scheren sie sich nicht um Intimität.</p>
<p style="text-align: justify;">Nichts für Zimperlieseln ist auch die Toilette. Sie ähnelt solchen auf Rockfestivals, allerdings fehlen Dach und Tür. Auf letztere allerdings verzichtet man an erhöhter Stelle thronend angesichts der Aussicht gerne. Vor dem Auge liegen sich nahezu unbeschränkt ausbreitende Grasflächen, nur am rechten Rand des Gesichtsfeldes begrenzt von in der Abendsonne blaurot schimmernden Bergen. Auf Neudeutsch nennt man das wohl einen „Wow-Moment“.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die Welt ist weit weg</h2>
<p style="text-align: justify;">Vor dem Dinner vertreibt ein Sundowner auch die letzten verbliebenen Schatten von Alltagssorge. An der ebenfalls im Freien aufgestellten Tafel reichen Willie und Feldköchin Jawnestie Springbock Stroganov mit grünen Bohnen. Die Gäste plaudern über Politik. Die Belgier beteuern, dass die Regierung in Brüssel, die nach mehr als einem Jahr politischer &#8222;Kopflosigkeit&#8220; unter Ministerpräsident Di Rupo die Arbeit aufgenommen hat, nicht bloß eine Fata Morgana sei. Die Franzosen berichten vom Wahlsieg des Sozialisten François Hollande. Doch in der Wüste ist das alles irgendwie weit weg, nicht nur geografisch.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Nacht will sich der Schlaf nicht einstellen. Ob das nun an den dem Mitteleuropäer ungewohnten Sternbildern der südlichen Hemisphere oder der völligen, nahezu in den Ohren dröhnenden, Stille in der Namib liegt? Jedenfalls: kein Tier, kein Vogel, kein Insekt ist zu hören. Nichteinmal der Wind, geschweige denn ein Auto. Absolute Ruhe.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings endet die Nachtruhe schon vor Sonnenaufgang. Domingo steht mit einer heißen Tasse Kaffee am Feldbett, Willie füllt warmes Waschwasser ins Becken. Purer Luxus nach der eisigen Wüstennacht. Das Frühstück wartet schon, Domingo drängt zum Aufbruch noch vor der Hitze des Tages. Doch Stop! Erst Schuhe ausklopfen, falls hier ein Wüstenbewohner vor der nächtlichen Kälte Unterschlupf gesucht hat.</p>
<h2 style="text-align: left;">Feen in der Einöde</h2>
<p style="text-align: justify;">Um sieben ist auch der Letzte startbereit. Während des Vormittags erklimmen wir den Hufeisenberg. Der steile Weg führt über Stock und Stein &#8211; hauptsächlich Stein, denn an Stöcken herrscht Mangel in der felsigen Einöde. Größere Tiere, sogar Pferde leben hier, zeigen sich nicht, nur deren Hinterlassenschaften. Die der mächtigen mannshohen Oryxantilope etwa sind kaum größer als Hasenköttel. Das spare Flüssigkeit, sagt Domingo. Anders als ein in seiner Wässrigkeit nahezu verschwenderischer Kuhfladen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Abstieg wartet die nächste Überraschung. Die Grasflächen, durch die das trockene Flussbett führt, das nun als Weg dient, sind übersät mit kahlen runden Flächen. Warum in diesen sogenannten Feenkreisen nichts wächst, ist nicht abschließend geklärt. Im Verdacht stehen laut Domingo Erntetermiten, die im Umfeld ihres Nests das Gras abfressen, giftige Gase und: Feen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einer von der unerhörten Stille diesmal weniger beeinträchtigten Nachtruhe gibt es als Morgenlektüre die &#8222;Wüstenzeitung&#8220;. Ihre Seiten sind eng bedruckt, die Schrift schwer zu lesen. In Zentimeterabstand ist der orangene Untergrund übersäht mit gewundenen Linien, geraden Strichen, spitzen Zacken und winzigen Punkten, in Einzel- und Doppelreihen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Tierische Geschichten</h2>
<p style="text-align: justify;">Domingo liest vor: Von ihren Abenteuern berichten die beinlose Glattechse, der unter Tage lebende Goldmull, ein bedächtiger Gecko, die stets scharfzüngige Kapkobra, der wie immer schmutzige Wäsche waschende Mistkäfer, die naseweise Wüstenmaus und natürlich, der flinke Vielschreiber und Namenspatron unserer Unternehmung, der langbeinige Tok Tokkie-Käfer. „Seht ihr, die großen Tiere sind faul, aber die kleinen Tiere, die sind immer aktiv“, sagt Domingo. Recht hat er. Ein sehr lebendiges Blatt diese Wüstenzeitung, kein Zweifel.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Zeitungsstudium schreitet Domingo weiter zügig voran über die jetzt unbewachsenen Dünen. Ich lerne, eine Düne zu erklimmen, ist wie eine Rolltreppe entgegen der Laufrichtung hochsteigen. Eine ziemliche Sysiphos-Aufgabe, wegen des stets nachgebenden Sandes. Auf dem Kamm holt Domingo einen Magneten aus der Tasche und zieht ihn über den Sand. Schwarze Eisenpartikel bleiben wie Schuppen daran haften.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Sand komme aus den Drakensbergen im Osten Südafrikas, erklärt Domingo und beginnt mit dem Stock eine Karte auf den Boden zu zeichnen. Von dort hat ihn der Oranje-Strom, der an seinem Unterlauf die Grenze zu Namibia bildet, gut zweitausend Kilometer in seinen Fluten mitgeführt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gigantischer Sandkasten</h2>
<p style="text-align: justify;">An der Flussmündung hat der Benguela-Meeresstrom die Sedimente mitgerissen und weiter im Süden wieder an Land gesspühlt. Von dort hat der Südwestwind die feinen Körner landeinwärts getragen und so, nach und nach, diesen 95.000 Quadratkilometer großen Sandkasten angelegt, durch den unsere Gruppe seit zwei Tagen stapft.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Sowas geschieht natürlich nicht über Nacht&#8220;, sagt Domingo beflissen. Im Gegenteil: 80 Millionen Jahre habe das gedauert. &#8222;Es heißt, die Namib sei die älteste Wüste der Welt&#8220;, fährt er fort.</p>
<p style="text-align: justify;">Respektvoll schauen die Zuhörer auf die in den alten Sand gezogenen Linien der Karte. Schon morgen wird sie der Südwestwind verweht haben. Schließlich wird der leere Platz gebraucht für die neueste Ausgabe der Wüstenzeitung. An Neuigkeiten herrscht kein Mangel. Denn die Wüste lebt.</p>
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