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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 14 Mar 2020 10:37:50 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Tilo Mahn &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Slum mit Stil</title>
		<link>https://www.weltseher.de/slum-mit-stil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2020 16:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nairobi]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>
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					<description><![CDATA[In Kenias Hauptstadt Nairobi wohnt ein Drittel der Bevölkerung in Slums.  Eine Million Menschen organisieren ihr Leben zwischen Bretter-Hütten, Rohbauten und Müll. Doch anstatt darüber zu jammern, wollen einige das Beste daraus machen. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/slum-mit-stil/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>In Kenias Hauptstadt Nairobi wohnt ein Drittel der Bevölkerung in Slums. Eine Million Menschen organisieren ihr Leben zwischen Bretter-Hütten, Rohbauten und Müll. Doch anstatt darüber zu jammern, wollen einige das Beste daraus machen. </strong></p>



<p>Mit ausgestrecktem Arm deutet Nicholas Kimeu über Wellblechdächer und ausgewaschene Straßen. »So viele Menschen sind hier aufgewachsen. Und dann leben sie halt einfach hier. Und die nächste Generation führt wieder das gleiche Leben.« Er sitzt auf einem Plastikkanister zwischen Wäscheleinen und wackeligen Regalen. Seine Augen sind leicht zusammengekniffen vor heller Sonne und Staub in der Luft, wenn er erzählt. »So entsteht ein Kreislauf, der immer wieder neu anfängt. Dadurch ändert sich an der Situation hier im Slum aber rein gar nichts.« </p>



<p>Eine Gasse weiter ist er zusammen mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder aufgewachsen. Zu viert in einem Zimmer, auf knapp zehn Quadratmetern, zwischen Holzpritschen, Matratzen, Kanistern und vielen Töpfen. Die Hütte der Eltern haben die Kinder verlassen, als ihre Mutter 2012 starb. Der Bruder wohnt jetzt gegenüber. Von seiner Tür aus kann Nicholas Kimeu auf das Dach des Hauses blicken. Dahinter erscheinen im staubigen Dunst am Horizont die Hochhausfronten der Westlands. Etwas weiter hinten erheben sich die grünen Hügel Nairobis voller moderner Wohnanlagen und »gated communities«, umzäunte Nachbarschaften für wohlhabendere Bewohner.&nbsp;</p>



<h2>Aus dem Slum aufs Cover</h2>



<p>Die Bäume und Wege zum Spazieren dort kennt Nicholas Kimeu nur aus Erzählungen und von Bildern. Er hat die Ellbogen auf den Knien abgestützt, zwischen den Handﬂächen rollt er eine Zeitschrift hin und her. »Hier in Mathare leben wir wie in einem Tal zwischen zu hohen Bergen. Um uns herum ragen die schillernden Gegenden auf. Und wir sitzen hier mittendrin.« Das Titelbild der Zeitschrift in Nicholas Kimeus Händen zeigt eine junge Kenianerin, stark geschminkt in einem orangen Kleid. Das Mädchen, Njoki Muriithi, ist das aktuelle Cover-Model des »Zoom Magazins«. Wie Nicholas Kimeu stammt sie aus Mathare, einem der zahlreichen Slums in Kenias Hauptstadt Nairobi. Die Magazinredaktion hat Njoki Muriithi als Gewinnerin des Monats durch ein Selﬁe von ihr ausgewählt. Für das neue Jugendmagazin mit Themen aus Musik, Mode und Subkultur – über das Leben im Slum.&nbsp;</p>


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																			data-click="true"><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-6.jpg" data-caption="Von Mathare, einem der größten Slums in Nairobi, blickt man über Wellblechdächer hinweg bis zum Horizont mit den Hochhausfronten der Westlands." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-1.jpg" data-caption="In der Bibliothek lesen Freiwillige den Kindern vor. Viele der Bücher stammen aus Spenden." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-2.jpg" data-caption="Nicholas Kimeu vor seiner Holzhütte im Slum – „Empire“, sein eigenes Reich, steht an die Tür gemalt. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-3.jpg" data-caption="Michael Maina ist regelmäßig in Mathare unterwegs – als Sozialarbeiter und Projektmanager. Er ist selbst in einem Slum aufgewachsen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-4.jpg" data-caption="Das Leben in den Slums spielt sich auf der Straße ab. Kleine Geschäfte und Stände bestimmen die Infrastruktur." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-5.jpg" data-caption="Fußball wird überall gespielt und geschaut – die meisten Jugendlichen sind Fans von Vereinen aus der englischen Premier League." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-8.jpg" data-caption="Michael Maina und Nicholas Kimeu kennen sich schon lange. Inzwischen arbeiten sie gemeinsam in Projekten, die den Slum Mathare in einem anderen Licht erscheinen lassen sollen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-9.jpg" data-caption="Ziegenrippchen garen im Rauch von Grillrosten. Von den Ständen weht ein süßlich brennender Geruch, der in der Nase beißt. Staub auf den Straßen weht wirbelnd durch die Luft." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-10.jpg" data-caption="„Es herrscht hier nicht nur Chaos, wie viele Leute gerne behaupten.“ Hinter dem Gewusel auf der Straße herrscht Struktur und Organisation. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-11.jpg" data-caption="Kaufen kann man fast alles am Straßenrand. Einkäufe sind meist verbunden mit einem Gespräch über den Alltag oder Fußball." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-12.jpg" data-caption="Nairobis Slums sind mit Müll überschüttet. Besonders die jüngeren Leute versuchen, dies zu ändern und das Leben im Slum so zu zeigen, wie es tatsächlich ist. " alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-13.jpg" data-caption="An den Häusern hängen tropfende Kleidungsstücke über Wäscheleinen. Viele der wenigen Häuser sind selbst gebaut." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-14.jpg" data-caption="Man kommt überall schnell hin. Und viele Leute hier betreiben ihren eigenen kleinen Handel. Vor allem aber herrscht Leben!" alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-15.jpg" data-caption="Die meisten Menschen hier nehmen große Strapazen für einfachste Dinge wie Wasser, Essen und eine halbwegs ordentliche Bleibe auf sich. Aber sie wissen trotzdem zu schätzen, wenn sie auch andere Anregungen bekommen." alt=""></a><a href="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2020/01/Nairobi-16.jpg" data-caption="In der MYSA Mathare Library können Kinder und Jugendliche lesen, zuhören und eigene Projekte planen und besprechen." alt=""></a></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Tilo Mahn</p></div>


<p>Nicholas Kimeu hat an der zweiten Ausgabe der Zeitschrift als Fotograf und Autor mitgearbeitet. »Ich habe mich irgendwann gefragt: Warum kommen ständig andere Leute hierher, um dann unsere Geschichten zu erzählen?«, sagt er. »Ich wollte die Gelegenheit nutzen, selbst zu erzählen. Ich wollte den Leuten meine Sicht auf die Kultur Nairobis und in Mathare näherbringen.« Nicholas Kimeu hat lange Zeit über seine Heimat nachgedacht. In Texten, Gedichten, in Filmen und auf Fotos hält er jetzt seine Gedanken, Ideen und Beschreibungen fest. An der Wand neben dem Spiegel hängt das erste Foto, das er gemacht hat: Zwei Kinder blicken hinter einer Ecke hervor in die Kameralinse. Dahinter verliert sich eine Gas se entlang winziger Rinnsale im rötlich lehmigen Bo den vor einem Teppich aus zerdrückten Plastikﬂaschen.&nbsp;</p>



<p>Wohl knapp eine Million von Nairobis geschätzten gut drei Millionen Einwohnern leben in einem der zahlreichen Slums der Stadt. Eingebettet zwischen Häuserblocks und Rohbauten aus Beton erstrecken sich auf riesigen Flächen und in Tälern die Hütten, Gassen und Stände derer, die sich anderen Wohnraum nicht leisten können. Unter ausgeblichenen Sonnenschirmen liegen auf Holztischen Plastikspielzeug und Bananenstauden aus. Ziegenrippchen garen im Rauch von Grillrosten. Kinder laufen Slalom um die Holzstangen der aufgespannten Planen und zwischen den geparkten Mofas. Alltägliches Treiben, wenn man in Mathare unterwegs ist.&nbsp;</p>



<h2>Sport und Bibliothek</h2>



<p>Vor den Füßen von Nicholas Kimeu rollt ein Ball über die Straße. Er kickt ihn in Richtung Straßenrand, hält kurz inne, wartet, was die Kinder machen. »Das hier ist die Wirklichkeit, die gelebte Wirklichkeit.« Als die Kinder dem Ball hinterhersausen, spricht er weiter. »Wir spüren die Trennung, die große Kluft zwischen Arm und Reich jeden Tag. Und der Grund dafür liegt auch in der Politik und im System.« Nicholas Kimeu ist auf dem Weg in die Bibliothek. Fast täglich geht er in die »MYSA Mathare Library«. Freunde hatten ihm vor Jahren beim Fußballspielen davon erzählt, dass sie sich dort regelmäßig treffen. Die Bibliothek ist eines der Projekte der Mathare Youth Sports Association, kurz MYSA. 1987 wurde MYSA als Hilfsorganisation gegründet und gehört mittlerweile zum Leben im Slum dazu – als Anlaufstelle für Beratung, als Ideengeber und als eine Art Kultur- und Sportzentrum. Über Fußball und andere Sportangebote kommen die Mitarbeiter mit Kindern und Jugendlichen auf der Straße und in Schulen in Kontakt. Sie wollen die Jugend stärken, ihnen Anregungen bieten. Das Ziel ist, soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen zu vermitteln.&nbsp;</p>



<p>Bei den Treffen zeigen die Teilnehmer ihre Fotos, erzählen von ihren Projekten und Themen. Dann unterhalten sich die Mitarbeiter von MYSA mit den Jugendlichen über Drogen, Kriminalität und Bürgerrechte. Für diese Treffen fährt Michael Maina regelmäßig von seinem Büroplatz bei MYSA in Komarock im Osten Nairobis nach Mathare. Sein Weg führt ihn über die Juja Road, die oberhalb des Slums entlangführt. Als ehemaliger Teilnehmer von MYSA-Projekten kennt er die Bibliothek in Mathare noch aus den Anfängen. Inzwischen gibt es vier davon, verteilt über die Stadt. An der Straßenecke steigt Michael Maina aus einem der bunten Matatus, der typischen Kleinbusse in Nairobi. Zwischen lautem Motorknattern und dem Hupen der vorbeifahrenden Matatus muss er laut sprechen. »Die meisten Menschen hier nehmen große Strapazen für einfachste Dinge wie Wasser, Essen und eine halbwegs ordentliche Bleibe auf sich. Aber sie wissen trotzdem zu schätzen, wenn sie auch andere Anregungen bekommen.«&nbsp;</p>



<p>Mittlerweile ist er Programm-Manager für das Projekt »Shootback«. MYSA verleiht Kameras und andere Technik, damit die Teilnehmer wie Nicholas Kimeu auf eigene Faust ihr Viertel, ihre Freunde und ihre Umgebung fotograﬁeren, filmen und dokumentieren können. Michael Maina ist selbst in einem Slum groß geworden, etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum. Mit der Arbeit bei MYSA will er auch gegen das trostlose Bild der Viertel ankämpfen. »Es herrscht hier nicht nur Chaos, wie viele Leute gerne behaupten. Die Straßen sind okay, auch wenn sie eben durch ein Slum führen«, sagt er, hebt seine Stimme noch mal an. »Man kommt überall schnell hin. Und viele Leute hier betreiben ihren eigenen kleinen Handel. Vor allem aber herrscht Leben!« Auf dem Weg durch Mathare bleibt Michael Maina alle paar Meter stehen, begrüßt Jugendliche und Kinder vor ihren Hütten mit Handschlag und Ghettofaust. Ein kurzer Spruch, ein schnelles Lächeln. Hammerschläge und Radiomusik begleiten die Gespräche über Alltag und Fußball. Ein süßlich brennender Geruch beißt in der Nase. Staub auf den Straßen weht wirbelnd durch die Luft.</p>



<h2>Kaum Platz zum Lesen</h2>



<p>Am Ende der Gasse bleibt Michael Maina vor einem dreistöckigen, bunt bemalten Haus stehen. Nicholas Kimeu steht hinter dem Blechzaun, auf dem in Grün gemalt steht: MYSA Mathare Library. Er unterhält sich mit anderen Jugendlichen. Michael Maina tippt ihm auf die Schulter. Ein verwunderter Blick, dann ein herzliches Umarmen. Die beiden bücken sich nacheinander durch den niedrigen Eingang der Bibliothek. </p>



<p>Drinnen hinter der Empfangstheke sitzen Kinder auf dem Boden und blättern in Bilderbüchern. Die Wände sind bunt bemalt mit Bäumen, Wiesen und spielenden Kindern. Im oberen Stockwerk stehen Regale voller Romane, Geschichtsbücher und Biograﬁen auf Englisch und Swahili. Michael Maina streift einige Buchrücken entlang. »Die meisten Hütten hier sind winzig. Zugang zu Bildung gibt es kaum. Das ist daheim nicht vorgesehen, und es gibt auch einfach keinen Rückzugsort zum Lesen«, erzählt er, während er Bücher in die Regale zurückschiebt. »Teilweise leben acht Familienmitglieder auf engstem Raum. Ein Zimmer dient häuﬁg als Wohnzimmer, Kinderzimmer und Schlafzimmer zugleich. Da gibt es einfach nicht genug Platz zum Lesen.«</p>



<p>Draußen vor den Fenster-Gitterstäben dreht sich rumpelnd eine Betonmischmaschine. Einige Schaulustige stehen herum. Ein älterer Mann stochert mit der Schaufel im Bauch der Betonmischmaschine. Dahinter stehen niedrige Mauern. Man erahnt den Grundriss für ein neues Haus. Dahinter hängen tropfende Kleidungsstücke über einer Wäscheleine. Nicholas Kimeu sitzt auf einem Stuhl am Fenster und verfolgt das Geschehen. »Wer weiß, vielleicht verlasse ich eines Tages diesen Ort. Aber vorher will ich hier etwas hinterlassen für die Zukunft. Nur vom bloßen Wunsch, hier wegzukommen, wird sich an diesem Ort nie et was ändern.«&nbsp;</p>



<p>Korruption und Konﬂikte zwischen Nationalitäten und Stammeszugehörigkeiten bestimmen seit Jahren das Leben in Kenia. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Nairobi deutlich sichtbar. Selbst Wohnraum im Umland oder an den Stadtgrenzen ist für viele Einwohner Nairobis kaum bezahlbar. Rund um die Bankentürme und Regierungsgebäude im Stadtzentrum entstehen neue Straßen und weitere Hochhäuser. Häuﬁg, bevor klar ist, wie ein Gebäude genutzt werden soll. Vorhaben, stattdessen Wohnungen in den ärmeren Vierteln zu bauen, sind immer wieder im Sand verlaufen. Nicholas Kimeu engagiert sich inzwischen dafür, in Mathare Bäume zwischen die Hütten zu pﬂanzen und die Straßen vor der Regenzeit besser zu befestigen. In einem seiner Texte schreibt er: »Wenn reiche Leute andere reiche Leute dafür bezahlen, da mit Handlanger dann die Ärmsten verantwortlich machen, ist das wie eine Nahrungskette, an deren Ende wir stehen.«&nbsp;</p>


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<p>MYSA will mehr Chancen schaffen, damit Jugendliche in Mathare nicht mehr nur am Ende stehen. Neben Spenden verdient die Organisation inzwischen auch eigenes Geld. Am Hauptsitz in Komarock bieten Mitarbeiter Fitnesskurse und Physiotherapie an. So können Projekte und Personal weiter ﬁnanziert werden. Teilnehmer können zu Mitarbeitern ausgebildet werden. Sie bekommen Punkte, wenn sie bei Fußballturnieren, bei Aufräumaktionen in Mathare oder AIDS-Präventionskursen mitmachen, wachsen lang sam in die Organisation rein. Michael Maina hat selbst diese Erfahrung gemacht. »Weil die Menschen merken, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, versuchen sie inzwischen auch viel mehr, etwas aus sich zu machen.« </p>



<p>Die beiden Freunde sind weitergezogen, um etwas zu essen. Mit einer Schale Kochbananen in der einen Hand und einem Programmheft in der anderen Hand steht Michael Maina im Innenhof eines improvisierten Kulturzentrums. Er unterhält sich mit Nicholas Kimeu über das bevorstehende Filmfest. Einmal im Jahr organisiert MYSA das Mathare Youth Film Festival. Nicholas Kimeu will dort seinen ersten Film vorführen. Michael Maina hofft, mit dem Festival noch mehr Aufmerksamkeit für die Projekte und die Teilnehmer zu bekommen. Er ist überzeugt: »Die meisten Leute, die wirklich etwas erreicht haben, stammen von dieser Seite der Stadt. Sie sind einfach kreativer aufgrund der Umstände, aus denen sie stammen. Manchmal erstaunt es die Slumbewohner selbst, zu was einige Leute im Stande sind.«&nbsp;</p>



<h2>Poesie aus dem Slum</h2>



<p>Michael Maina und die anderen Mitarbeiter gestalten Plakate, suchen weitere freiwillige Helfer. Zwischen den Filmen sollen auch Bands auftreten. Nicholas Kimeu stellt seine Schale zur Seite und räumt Teile einer Bühne aus dem improvisierten Büro vor die Graﬃti-Wand des Innenhofs. »Einige Menschen hier denken, sie sitzen für immer in diesem Loch fest, egal, was kommt. Aber ich sage: Nein!« Er zieht eine Leinwand zum Ausrollen unter dem Schreibtisch hervor, atmet tief. »Ich habe Dinge im Fernsehen gesehen, Bücher gelesen. Und ich habe eine Vorstellung für mich von einem besseren Leben.« Inzwischen hat Nicholas Kimeu so viele Gedichte geschrieben, dass er sie als Band veröffentlichen könnte. Noch sucht er nach einem Verlag, einem Abnehmer. »Das Schreiben über Mathare und mein Leben hat mir sehr geholfen, mit schweren Phasen meines Lebens umzugehen. Trotzdem versuche ich, das Persönliche in meinen Texten so klein wie möglich zu halten.«&nbsp;</p>



<p>Für den Rückweg zu seiner Hütte nimmt Nicholas Kimeu einen Umweg durch die steilen Gassen zwischen den Hütten. Nach dem Aufstieg auf festgetretenem Sandboden und Müllresten öffnet sich der Blick hinter einer Biegung. Auf der Anhöhe hinter einem Mauervorsprung bleibt Nicholas Kimeu stehen. Vor ihm liegt die riesige Fläche aus Brettern, Lehmwänden und Wellblechdächern der Hütten. Er dreht sich um und sagt: »Es geht hier nicht um mich. «</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die letzten Trapper von Alaska</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Mar 2017 05:08:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Alaska]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>
		<category><![CDATA[Trapper]]></category>
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					<description><![CDATA[Mike und Nate Turner glauben an ein Leben im Einklang mit der Natur. In der Weite und Abgeschiedenheit Alaskas wollen Vater und Sohn das harte und ursprüngliche Leben der alten Trap­per und Jäger führen – im Kampf mit der Natur. Doch ihre Reise in die einsame Wildnis macht sie zu Entdeckern und  Lebensphilosophen.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-letzten-trapper-von-alaska/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Mike und Nate Turner glauben an ein Leben im Einklang mit der Natur. In der Weite und Abgeschiedenheit Alaskas wollen Vater und Sohn das harte und ursprüngliche Leben der alten Trap­per und Jäger führen – im Kampf mit der Natur. Doch ihre Reise in die einsame Wildnis macht sie zu Entdeckern und  Lebensphilosophen.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als er das knarzende Geräusch aus dem Lautsprecher hört, drückt Mike Turner sein Ohr fest gegen die Plastikoberfläche des Funkgeräts. Er lauscht, bis er die Wortfetzen der kratzigen Stimme seines Sohnes aus dem Lautsprecher deutlicher versteht. »Ich bin auf dem Weg zum Nowitna River, muss vor Sonnenuntergang noch da sein.« Zwischen den abgehackten Wortstücken dröhnt, langsam näher kommend, ein Flugzeugmotor über den Baumwipfeln. Mike hat die rote Cessna seines Sohnes schon lange vorher gehört. Sofort ist er vor die Tür gegangen und hat zum Funkgerät gegriffen. »Fran hat Abendessen gekocht. Willst du nicht kurz landen?« Sein Blick aus den tiefen blauen Augen, umzogen von Lachfalten und dunklen Rändern, bleibt am Horizont über dem Flussufer haften. Mike Turner hat gewartet: Auf seinen Sohn, auf Kontakt zur Außenwelt, Neuigkeiten aus der alaskischen Wildnis. »Sorry, Dad, das wird heute zu knapp, ich fliege gleich weiter«, antwortet die Stimme aus dem Funkgerät, gerade als das winzige Wasserflugzeug keine 50 Meter über dem Flussufer in einer Schleife über die Bäume hinweg zieht.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Niemand außer dir</h2>
<p style="text-align: justify;">In Mike Turners Blockhütte am Ufer des Kantishna River sind Besucher selten. Hier lebt er 120 Flugmeilen entfernt von der nächsten größeren Stadt Fairbanks mit seiner zweiten Frau Fran im Nirgendwo von Alaska. Der Funkspruch aus dem Flugzeug ist seit Tagen die erste Nachricht von Mikes Sohn Nate. Das Leben hier im Busch, wie die wenigen Bewohner den Ort hier nennen, fernab von Straßen, Städten und Stromleitungen, gibt einen anderen Rhythmus vor. Stille bestimmt den Tag. In ihrem ersten Winter haben Mike und Nate Turner vier Monate lang keinen anderen Menschen gesehen. Das war vor über 30 Jahren, als sich Vater und Sohn entschieden hatten, eine alte Trapperhütte mitten im alaskischen Busch zu kaufen und zu ihrem Zuhause zu machen.</p>
<p style="text-align: justify;">»Man kommt in dieses riesige Land, und außer dir ist im Umkreis von Meilen wirklich niemand. Das wird dir schlagartig klar. Damit muss man erstmal zurechtkommen«, erzählt Mike Turner in seinem einsamen Heim, umgeben von penibel aufgereihten Schneeschuhen, zerschlissenen Hosen, die zum Trocknen aufgehängt wurden, und blechernen Töpfen, die an der Wand lehnen. Er denkt lange nach, bevor er weiterspricht. Sein Schaukelstuhl knarrt und schabt auf dem Holzboden. Die Schlittenhunde Vern und Lissi tapsen durch die Küche gleich gegenüber. Sonst ist da nichts. Mike Turner versinkt in der Ruhe des Erzählens. »Wir Alaskaner brauchen Stille. Wir brauchen viel Platz, einen riesigen Garten und unsere Freiheit. Denn Alaskaner sind sehr spezielle Individuen. Sogar die, die in der Stadt leben.«</p>
<p style="text-align: justify;">Auf dem Grundstück der Turners steht zwischen Kartoffelacker, Salatbeeten, Gewächshaus und hochgestelzter Vorratskammer bis heute die ursprüngliche Hütte, in der alles begann. Man muss sich tief bücken, um durch den niedrigen Eingang der Holztür zu treten und einzutauchen in Mikes und Nates Geschichte. »Während der gesamten Fahrt hierher hat mir mein Vater eingetrichtert, dass wir etwas tun werden, von dem andere Leute behaupten, dass es gar nicht mehr getan werden kann«, erzählt Nate Turner, als er am nächsten Morgen die vergilbten Vorhänge aufzieht, um etwas Licht durch die winzigen Glasfenster einzulassen. »Viele der alten Trapper hatten damals ihr Glück in kleinen Städten, ihr Leben in Kasinos, im Tourismus oder im Alkohol gefunden. Die meisten Blockhütten an den Flussufern und den Hängen der Hügel waren verwahrlost und verlassen.«</p>
<p style="text-align: justify;">Zwischen einem Holzofen, drei Betten und einem Küchenbord mit Campinggeschirr verbrachten die Turners ihre ersten Jahre. Der heute 75-jährige Vater Mike wollte alles hinter sich lassen, vor allem die alte Farm, dann seine Scheidung, außerdem die harte Schufterei auf der Farm. Zusammen mit seiner ersten Frau hatte Turner im Bundesstaat New York die Milchfarm seines Vaters betrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Die gemeinsamen Söhne Mat und Nate sind wie ihr Vater an der Ostküste der USA geboren und hatten ihr Leben bis dahin auf dem Land, am Rande der Stadt Syracuse, verbracht. Als der Vater sich mit seinen Söhnen vor über 30 Jahren auf den Weg nach Alaska machte, kannten die drei niemanden. Nach tagelangem Suchen fanden sie den Verkäufer einer Trappline – der Route, an der entlang ein Trapper seine Fallen aufstellt. Sie sollte ihre Lebensgrundlage werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Verkäufer drückte ihnen zur Begrüßung eine Karte in die Hand. Ein Netz aus Strichen: Lauter verwachsene Trails, die sich über Meilen hinweg entlang der Baumnarben als Markierungen durch die Wildnis zogen. Fortan bestimmte Trappen im Winter den Alltag der Turners. Beim Schneisen schlagen durch das Dickicht der kahlen Bäume, deren Äste die alten Zugänge über den Sommer häufig komplett zu gewuchert hatten, durchtrennte sich Nate Turner beim Bäume fällen mehrere Muskelsehnen seines linken Oberarms. Ärztliche Versorgung? Fehlanzeige. »Hier sind wir auf uns gestellt.«</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-10.jpg" data-caption="Drei Trapper-Generationen: Mike Turner und sein Sohn Nate und dessen Sohn." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-31.jpg" data-caption="Mit dem Kanu fährt der Trapper zum Jagdcamp." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-5.jpg" data-caption="Die Trapperhütte im Winter." alt=""><img src="" data-caption="" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-17.jpg" data-caption="Mike Turners Blockhütte in der kurzen, warmen Jahreszeit." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-19.jpg" data-caption="Statt Menschen haben die Turners Wildtiere als Nachbarn, wie diesen Elch." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-20.jpg" data-caption="Der Mount Denali vom Fluss Kantishna aus gesehen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-23.jpg" data-caption="Die Cessna ist das wichtigste Transportmittel für die Turners." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-33.jpg" data-caption="Mike Turner und seine Frau Fran am Flugzeug." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska.jpg" data-caption="Mike Turner in seiner Trapperhütte." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-12.jpg" data-caption="Dank des Gewächshauses haben die Turners das ganze Jahr über Gemüse." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-14.jpg" data-caption="Der Denali Nationalpark in Alaska." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-4.jpg" data-caption="Ein Biber ist in Turners Falle getappt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-34.jpg" data-caption="Hier hat Turner den gefangenen Biber aufgehängt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/03/Alaska-29-1.jpg" data-caption="Alaska im Herbst." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Tilo Mahn</p></div></p>
<h2 style="text-align: justify;">Eine Chance</h2>
<p style="text-align: justify;">Einige Wochen Pause, warten, weiterarbeiten. Bei Minus dreißig Grad Celsius fuhren Mike und Nate Turner Winter für Winter mit dem Holzschlitten über die vereisten Flüsse, Hügel hinauf und hinab. Immer auf der Suche nach geeigneten Plätzen, um zu den Trails im verwilderten Busch vorzudringen. Zwischen Bäumen und Sträuchern spannten sie die mit Ködern bestückten eisernen Fallen aus Federn, Streben und Schlingen und versteckten sie im Schnee oder in Astgabeln. Tag für Tag, Jahr für Jahr. Suchen, verstecken, warten – bis heute.</p>
<p style="text-align: justify;">Nate Turner bückt sich unterm niedrigen Türstock der ursprünglichen Hütte hindurch, wischt sich den Staub von der Jacke und deutet auf die kleinen Kerben an den Bäumen gegenüber. »Hier sind wir auf unseren ersten Trail gestartet. Auch wenn uns andere Buschbewohner gesagt haben: Kehrt lieber um, das wird nichts. Selbst die noch aktiven Trapper meinten, dass man davon nicht mehr leben könne.« Doch genau dieses Leben haben die Turners gesucht, um noch einmal neu zu beginnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nur der jüngere Sohn Nate ist mit seinem Vater im Busch geblieben. Schon als Teenager und aufmüpfiger Schüler hatte er den Erzählungen seines Vaters zugehört und in dem vergessen geglaubten Leben eines Trappers eine Chance gesehen, der Schule und dem Alltagstrott zu entkommen. Mike und Nate Turner waren sich schon immer nah. Mittlerweile lebt Nate mit seiner Frau Cathy, einer gebürtigen Alaskanerin, und vier kleinen Kindern in seiner eigenen Trapperhütte. Den Winter verbringt er etwa zwanzig Minuten Flugzeit entfernt vom Grundstück seines Vaters am Kantishna River. Immer im Herbst, kurz vor dem ersten Frost, wechseln Vater und Sohn den Wohnort, verlassen die Sommerbehausung, um mehrere Monate gemeinsam mit ihren Familien abgeschieden in einer Hütte auf einer Anhöhe zu leben und sich um die Trails zu kümmern; erst im Frühjahr kehren sie in die Sommerhütten zurück.</p>
<p style="text-align: justify;">»Mein Vater sagte mir: Ich brauche deine Hilfe. Wir müssen das tun! Es erwartet uns ein reiches Leben. Er hatte so viel darüber gelesen und jetzt wollte er den Traum verwirklichen«, erzählt Nate Turner, als er abends seine Cessna am Flugplatz von Fairbanks an den Pollern festbindet. Wellblechhütten und hohes Gras säumen den Weg zum matschigen Parkplatz. Noch eingepackt in dicker Jacke, mit dem Gewehr in der Hand und hüfthohen Stiefeln an den Beinen schwingt Nate Turner sich hinter das Steuer seines roten Ford. »Wir sind hier nicht hergekommen, um Urlaub zu machen. Wir wollten unseren Traum in die Tat umsetzen, mitten in der Wildnis sein und von der Natur leben. Wir hatten eigentlich keine Ahnung, was das bedeutet. Aber wir wollten es tun, egal, was auf uns zukäme.«</p>
<h2 style="text-align: justify;">Allein verantwortlich</h2>
<p style="text-align: justify;">Auf dem Weg vom winzigen Flugplatz in die 30.000-Einwohner-Ansammlung Fairbanks biegt Nate Turner in eine der holprigen Nebenstraßen am Stadtrand ab. Versteckt hinter den Betonblöcken der Geschäfte steht ein blau gestrichenes Holzhaus. Der Pelzhändler Jo Mattie erwartet Nate Turner bereits. »Wird’s ein gutes Jahr?« Er streicht mit der Hand über Biberfelle, die er auf Holzbrettern sorgsam ausgebreitet hat. Auf dem Schreibtisch davor liegen Listen über Wareneingang und -ausgang: Biber, Schwarzbären, Vielfraß und sogar Eichhörnchen. »Wir werden sehen.« Nate Turner ist schon wieder auf dem Sprung, nachdem er sich die Listen und Formulare seines Händlers für die neue Trapping- Saison in die Jackentasche gesteckt hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Geschäft mit dem Pelz ist in Alaska bis heute verbreitet. Doch Konkurrenz, schwankende Nachfrage und gefälschte Produkte haben vielen den Mut genommen, einzusteigen. Es gibt bessere und schlechtere Jahre. Die Einkommen schwanken wie die Preise. Viele der wenigen noch verbliebenen Trapper fürchten um das Erbe, das in ihren Familien über Jahrzehnte weitergegeben worden ist. Ihr Beruf ist Teil nostalgischer Erinnerungen. Die alten Schneisen der Trails frei schlagen, Fallen spannen und verstecken, Tiere fangen – für die wenigen verbliebenen Trapper ist das Geschäft immer schwieriger geworden.</p>
<p style="text-align: justify;">Lizenzen sind ausschließlich an bestehende Trapperhütten und -gebiete gebunden. Tiere gibt es ausreichend, doch immer weniger Abnehmer für das Fell. Konkurrenten aus Russland oder China drücken die Preise. Selbst viele Alaskaner halten den Beruf für zu rückständig, zu altertümlich und zu wenig ertragreich. In dicken Baumwollhemden und mit pelzigen Fliegerkappen auf dem Kopf lehnen die Einheimischen von Fairbanks an ihren Pickups und Geländewagen – aufgereiht auf überdimensionalen Supermarktparkplätzen – und diskutieren über den bevorstehenden Winter und das Wetter.</p>
<p style="text-align: justify;">Nate Turner hat seinen roten Ford bis unter das Dach beladen. Die Vorräte, die von Wascheimern übers Bier bis hin zur Schokolade reichen, muss er ins Wintercamp fliegen, bevor die Flüsse zufrieren und er die Cessna umrüsten muss: Die Schwimmer abbauen, dafür Kufen ans Flugzeug schrauben. »Dieses Leben sucht man sich nur selbst aus. Du allein bist dafür verantwortlich«, sagt er, während er Kiste für Kiste auf die noch freie Rückbank hievt. »Das Feuerholz wird nicht geliefert, das Wasser fließt nicht einfach aus dem Hahn. Die Trails schlagen sich nicht von alleine frei. Ohne Eigeninitiative gibt es im Busch nichts zu holen.«</p>
<h2 style="text-align: justify;">Instinkte entwickeln</h2>
<p style="text-align: justify;">Die wenigen Laubbäume hinter dem Haus der Turners, die vom Flugzeug aus als winzige Farbtupfer erscheinen, sind bereits gelb gefärbt. Die Zwergbirken am Ufer des Kantishna River leuchten rot im Wasserspiegel, als das Flugzeug zum Stehen kommt. Es kündigt sich der kurze alaskische Herbst an, der bald das gesamte Waldgebiet um das Grundstück in einen Farbteppich der herbstlichen Tundra verwandeln wird. An das Ufer des mit Sand durchspülten Wassers dringen entferntes Wolfsheulen und gelegentliche Rufe von Jägern. Sie versuchen, Elchbullen näher ans Wasser zu locken. Die stark reglementierte Jagd in Alaska soll der Bevölkerung ermöglichen, ihr eigenes Fleisch für den Winter zu schießen. In den jeweils freigegebenen Zeiten für Elch, Schwarzbär oder Grizzly legen die staatlichen Behörden fest, wann und wie viel geschossen werden darf.</p>
<p style="text-align: justify;">Mike Turner hat seinen Schwarzbären schon in Einzelteile zerlegt. Sie liegen in der vom Generator betriebenen Tiefkühltruhe hinter dem Haus. Bald wird die Schneedecke das Kühlen übernehmen. Das Bärenfleisch soll für sechs Monate reichen. »Du musst hier draußen wie ein Tier denken, Instinkte entwickeln. Das kann der Mensch nur mit der Zeit langsam lernen«, sagt Nate Turner, während er in der offenen Tür seines Flugzeugs steht, um neues Benzin in den Tank zu füllen. »Man muss die Natur genau beobachten, sie verstehen lernen und darf auf keinen Fall versuchen, sich über sie zu erheben. Denn dann wird sie gnadenlos zurückschlagen.«</p>
<p style="text-align: justify;">Seit einiger Zeit ist er auch Pächter eines Jagdgebietes. Touristen zahlen viel Geld dafür, unter Anleitung angestellter einheimischer Jäger Tiere schießen zu dürfen. Nate Turner will seinen Gästen den nachhaltigen Umgang mit der Wildnis auch bei der Jagd näherbringen. Ihnen einen Hauch von authentischem Leben mit auf den Weg zurück in die Zivilisation geben. Wenn Jäger über mehrere Tage hinweg Zeit mit ihren einheimischen Guides verbringen, sollen die Touristen verstehen, dass sie keine Abschussgarantie gekauft haben, sondern sich mit der Natur messen müssen. Nate Turner hält seine Guides an, den Gästen aus aller Welt zu erklären, wie sich die Tiere in Alaska verhalten und dass der überwiegende Teil von ihnen noch nie in Kontakt mit Menschen war. »Die meisten Dinge hier geschehen außerhalb menschlichen Einflusses. Das sollten wir akzeptieren. Und beibehalten. Denn am Ende entscheidet genau diese Demut gegenüber der Natur darüber, ob es gelingt, hier in der Wildnis zu überleben.«</p>
<h2 style="text-align: justify;">Platz und Freiheit</h2>
<p style="text-align: justify;">Mike Turner und seine Frau Fran haben die letzten Wochen von morgens bis abends Vorräte für den Winter geerntet und getrocknet, Bären gehäutet und die Vorratskammer winterfest gezimmert, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Auf ihrem Grundstück haben sie sich mittlerweile ihr eigenes Reich geschaffen. Die Wildnis kennt keine Bauauflagen. Die einstige Trapperhütte am Rande des Waldes ist längst Teil eines durchdachten Sammelsuriums aus Möglichkeiten und Erfindungen. Mike Turner balanciert auf den Holzbalken zwischen den Parzellen in seinem Garten. »Hier, die Karotten! Fast doppelt so groß wie letztes Jahr.«</p>
<p style="text-align: justify;">Seine Frau Fran hat schon die Trockensiebe ausgelegt. Gemeinsam füllen die beiden das letzte Gemüse in riesige Plastikzuber. »Wir nutzen die Natur und bereichern uns an ihr, soweit es geht und solange sie die Lücken wieder schließen kann.« Fran Turner hievt Zuber für Zuber in die Vorratskammer. »Wir sind in unserem Land auch dafür verantwortlich, das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod, Säen und Ernten zu halten, ja es gewissenhaft mit zu steuern«, erzählt sie auf der Leitersprosse stehend. Das eigene kleine Sägewerk genau wie die Trockenkammer für Gemüse und Fleisch, das Fischrad, das die Hechte und Lachse des Kantishna River auf die Rutsche vor dem Grundstück der Turners treibt – all das hilft ihnen, so unabhängig wie möglich mitten in der Natur und mit ihrer Hilfe zu leben.</p>
<p style="text-align: justify;">Als die späte Sonne den Horizont vor den weit entfernten Bergen der Brooks Range rot färbt, läuft Mike Turner noch immer und immer wieder vom Fischrad am Ufer die Böschung hinauf und hinab. In der rechten Hand hält er einen Eimer voll mit Lachsen, in der linken das Messer zum Ausweiden der Tiere. »Jeden Tag wird jemand mit dem gleichen Ziel geboren, das auch ich habe: in der Wildnis alleine zu überleben. Davon bin ich fest überzeugt. Und auch diese Menschen brauchen Freiheit und Platz für ihr Dasein«, sagt Mike Turner, als er Fisch für Fisch mit einem Haken im Maul an die Stange zum Trocknen unter dem Holzdach hängt. »Deswegen muss Alaska ein wildes Land bleiben.«</p>
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		<title>Ohne Wasser kein Leben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Oct 2014 05:36:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>
		<category><![CDATA[Tiout]]></category>
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					<description><![CDATA[Hassan Morssli erlebt jeden Tag, was es heißt, in Marokko von der Natur abhängig zu sein. Das dringend benötigte Wasser für seine Oase geht Jahr für Jahr ein Stück mehr verloren. Die Bauern in Südmarokko stolpern in einen Wettlauf zwischen Klimaveränderung und autodidaktischer Bauplanung.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ohne-wasser-kein-leben/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Hassan Morssli erlebt jeden Tag, was es heißt, in Marokko von der Natur abhängig zu sein. Das dringend benötigte Wasser für seine Oase geht Jahr für Jahr ein Stück mehr verloren. Die Bauern in Südmarokko stolpern in einen Wettlauf zwischen Klimaveränderung und autodidaktischer Bauplanung.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn Hassan Morssli von seinem Tal auf die Berge blickt, sucht er die hellen Flecken im Schatten der Gipfel. Dort, wo die sengende Sonne Marokkos die hinter Felsen verborgenen Schneefelder noch nicht schmelzen konnte, liegt für ihn der Ursprung seines Lebensunterhalts. Die Schneeschmelze aus den Bergen bringt den Bauern das ersehnte Wasser. Hassan Morssli und die anderen warten jedes Jahr auf einer der Hochebenen Südmarokkos, eingekeilt zwischen Atlas- und Antiatlasgebirge, dass die Natur ihnen gibt, was sie zum Ackerbau brauchen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus bis zu 4000 Metern Höhe suchen sich die Flussläufe nach dem Winter ihren Weg durch Schluchten und Täler, die auch Tausende von Touristen auf ihrem Weg durch das Land durchqueren. Im kleinen Dorf Tiout empfängt Hassan Morssli die Reisenden wie ein ruhender Pol inmitten der Aufregung über viel zu viele Eindrücke. Auf den Ackerflächen in den langen grünen Streifen seiner Oase verfolgt er zusammen mit ihnen die letzten Ausläufer der Flüsse, die seine Felder bewässern. Der Weg durch sein selbst ernanntes Paradies führt Hassan Morssli und seine Gäste tief in einen Blätterwald, mal dicht und grün, mal kahl und stachelig. Je nach Jahreszeit, abhängig davon, wie weit das Wasser schon gekommen ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Immer wieder geht der 57-jährige Marokkaner in die Knie und hält seine linke Hand in die Kanäle zwischen den Feldern. Sein anderer Arm schweift über die erdigen Beete und Sträucher vor ihm, während er seinen Gästen erzählt. „Was wir hier finden, ist über Jahre hinweg von unseren Eltern gehegt und gepflegt worden. Hier wachsen Mandeln genauso wie alle Arten von Gemüse, immer im Rhythmus der Fruchtfolge und der Reifezeiten. Dieses Reichtum an Ernte und diesen Rhythmus, den unsere Eltern hier einst vorgegeben haben, verfolgen wir seit Jahrzehnten weiter.“</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-tiout-marokko-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-tiout-marokko-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="120000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Baum_Ziegen_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Um an die Früchte des Arganbaumes zu gelangen, klettern Ziegen auch gerne mal in Bäume. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_Oase_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Entlang der Wasserläufe im Süden von Marokko wird Ackerbau betrieben. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_trocken_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Durch Hitze und Sonne dörrt die Oberfläche des Bodens aus. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Dattelstauden_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Dattelpalmen wachsen vorwiegend in trockenen Gebieten. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Frauen_waschen_fluss_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Noch heute waschen viele Menschen auf dem Land ihre Wäsche im Fluss. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Oase_fluss_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Entlang einer Wasserquelle grünt das Leben. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Hassan_Morssli_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hassan Morssli will die Tradition der Landwirtschaft der Eltern und Großeltern fortführen. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Wasserreservoire_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das große Wasserreservoir in Tiout, eine Betongrube inmitten der Oase, dient als Auffang- und Sammelbecken. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Ackerbau_Oase_Berge_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Wasserversorgung auf dem Land ist komplizierter. Staatliche Stellen kümmern sich immer erst um die Städte. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_souss_tal_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Oase_Tiout_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In der Oase von Tiout wachsen Orangen, Datteln, Feigen und Granatäpfel, über weite Flächen aus furchigem Boden, dürren Sträuchern und hohen Palmen verteilt. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Tal_Ammeln_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Menschen haben ihre Häuser an den Rand der Oase gebaut. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Anti_Atlas_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Schneeschmelze im Frühjahr bringt das ersehnte Wasser in die Flussläufe. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Sahara_Auslaeufer_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Jedes Jahr wächst die Sahara und verschlingt ein Stück fruchtbaren Boden. © Tilo Mahn</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_sahara_tilo_Mahn.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Tilo Mahn</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-tiout-marokko-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Marokko_Baum_Ziegen_tilo_Mahn-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img 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<h2 style="text-align: left;">Die Tradition weiterführen</h2>
<p style="text-align: justify;">Nicht weit von der Oase von Tiout, in der nahe gelegenen Stadt Taroudant, ist Hassan Morssli aufgewachsen. Sein Großvater war Bauer, seine Eltern haben die vererbten Parzellen zwischen Palmen und Sträuchern bewirtschaftet. Hassan ist der nächste Erbe und Teil einer neuen Entwicklung in Marokko. Als Sohn einer Bauersfamilie hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition seiner Eltern und Großeltern weiterzuführen. Allerdings kaum noch mit Spitzhacke und Rechen, sondern vielmehr als moderner Verwalter seines Ackerlandes und Fremdenführer für Touristen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer etwas über die Oase in Tiout in Südmarokko am Fuße des Antiatlasgebirges erfahren will, kommt selten an Hassan Morsslis Erzählungen vorbei. An der Straßengabelung zu einem Feldweg Richtung Oase empfängt er seine Gäste und bietet Ihnen gegen Bezahlung eine Tour im eigenen Fahrzeug, zu Fuß oder auf dem Rücken eines Esels durch sein Paradies an.</p>
<p style="text-align: justify;">Zusammen mit drei Generationen lebt Hassan Morssli am Rande der Oase von Tiout, eine der größten und fruchtbarsten in Südmarokko. Grüne Terrassen, braune Ackerfurchen und gelbe Dattelstauden zeichnen ein buntes Bild vor die kargen Riesenecken des Antiatlasgebirges. “Klein-Kalifornien” nennen die Marokkaner die Gegend wegen der vielen Zitrusplantagen, die das Braun der Steine und Felsen mit leuchtenden Farben durchbrechen. Doch um ihren Schatz zu bewahren und interessierten Touristen marokkanischen Ackerbau erklären zu können, müssen Hassan Morssli und die anderen Bauern jedes Jahr ein Stück mehr mit den klimatischen Bedingungen in ihrem Land kämpfen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Ständige Suche nach neuen Quellen</h2>
<p style="text-align: justify;">Der gläubige Moslem will seinen Gästen zeigen, was es heißt, von Natur und Wetterwechsel im 21.Jahrhundert abhängig zu sein. Während er den Gruppen auf der Tour durch Schlupflöcher aus weichen Blättern und über Trampelpfade entlang der Ackerfurchen reife Datteln von den Palmen pflückt und frischen Klee vom Feld rupft, erzählt er von früher. „Inzwischen ist der Wasservorrat in Marokko immer weiter zurückgegangen. Viele Trockenzeiten haben das Wasser weniger werden lassen. Unsere Eltern erzählen noch heute von großen Wasserwegen mit 20 bis 25 Kanälen, die sich hier durchgezogen haben. So hatte man noch weit entfernt von den Dörfern Zugang zu Wasser. Heute sieht man deutlich, dass sich die Oase selbst aufgrund des Wassermangels zurückgezogen hat und den Trockenzeiten Tribut zollen muss.“</p>
<p style="text-align: justify;">In der Oase von Tiout wachsen Orangen, Datteln, Feigen und Granatäpfel, über weite Flächen aus furchigem Boden, dürren Sträuchern und hohen Palmen verteilt. Wer hier eine Parzelle als Ackerland hat, kann sicher sein, dass er auch regelmäßig etwas erntet – bei Weitem keine Selbstverständlichkeit im trockenen Marokko. Mal mehr Ertrag, mal weniger, mal früher, mal später. Der Zugang zu Wasser im Land ist bestimmt durch große geologische Unterschiede in den Regionen und stellt die Bevölkerung vor die Herausforderung, ertragreiche Quellen ständig neu erschließen zu müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das große Wasserreservoir in Tiout, eine Betongrube inmitten der Oase, dient als Auffang- und Sammelbecken. Im Sommer gehen Kinder im klaren Gebirgswasser schwimmen. Seinen Gästen erklärt Hassan Morssli am Ufer der Ablaufkanäle, wie die Bauern ihr Wasser speichern und es möglichst verlustfrei auf die riesige Fläche aus Hunderten von Parzellen verteilen. An den abzweigenden Kanälen fischt er einzelne Blätter aus dem Wasser und setzt sie fünfzehn Meter weiter stromaufwärts wieder ein. Die beiden taumelnden grünen Schiffe biegen an einer Abzweigung exakt in den Kanal, aus dem Hassan Morssli sie entnommen hat. Das klare Wasser ohne ein einziges Blatt oder Dreck auf der Oberfläche läuft geradeaus weiter in das weiter verzweigte System, das die Parzellen der Oase von Tiout ernährt. „So reinigen wir auf einfache Weise unser kostbares Wasser“, sagt Hassan Morssli.</p>
<h2 style="text-align: left;">Zuerst die Stadt, dann das Land</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Quellen sind vorhanden, nur müssen sie erschlossen und gesteuert werden. Über Hunderte von Kilometern liegen im Tal rund um die Oasen Leitungen im sandigen Boden begraben. Ein Netz aus Rohren zieht sich über alle Höhenlagen durch ganz Marokko, von Verteilungsschacht zu Verteilungsschacht. Zwischen kargen Hochebenen, trockenen Flussläufen, überlaufenen Städten und satten Oasen sind die Wege oft weit, die das Wasser aus den wenigen Ursprungsquellen und Stauseen zurücklegen muss. Unter der Decke aus Steinen, Sand und Steppe versiegt vieles, bevor es am Ziel ankommt.</p>
<p style="text-align: justify;">Hassan Morssli und die anderen Bauern wollten nie abhängig sein von den geplanten Fernleitungen der Regierung. Sie haben in ihrer Oase ihre eigenen Kanäle geschaffen, um das Wasser zu bündeln und zu leiten. Vom großen Reservoir zweigen lange Betonrinnen in alle Richtungen. An Zwischenmauern läuft das Wasser durch Löcher und fällt in kleinen Wasserfällen auf die nächste Stufe des Bewässerungssystems „Die Kanäle bestanden früher aus Lehm, Erde und Steinen. Aber nachdem die Quelle hier in Hochzeiten viel Wasser anbringt, haben wir uns entschieden, die Kanäle zu begradigen und sie aus Beton zu bauen, damit kein Wasser verloren geht“, erklärt Hassan Morssli.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwischen den großen Städten, entlang der nicht enden wollenden Serpentinenstraßen und Gebirgsketten, liegen immer mehr künstliche Wasserwege vergraben. Alle paar hundert Meter schrauben sich schnabelförmige Wasserrohre aus dem Boden, unter dem die Wasserleitungen im Auftrag der nationalen Trinkwasserbehörde ONEP (Office National de l`Eau Potable) verlegt sind. Die ONEP ist verantwortlich für die Versorgung der Städte. Felder, Oasen oder gar private Anschlüsse weit draußen auf dem Land fallen jedoch nicht in ihr Aufgabengebiet. Zuerst sollen die Zentren versorgt werden. Außerhalb der Städte sind die Leute häufig auf sich alleine gestellt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Immer weniger Regen</h2>
<p style="text-align: justify;">Hassan Mahdi ist einer der Mitarbeiter der ONEP in Taroudant. Wenn er nicht in seinem Büro sitzt, vor Flächenplänen und Skizzen, verfolgt er die Arbeit seiner Angestellten draußen in der Steppe. „Wir haben hier in Marokko ein halbwegs funktionierendes Wasserernährungssystem. Wenn wir allerdings neue Wasserwege erschließen wollen, muss zuerst geprüft werden, wo es eine geeignete Quelle dafür gibt. Und alles muss anhand verlässlicher Informationen belegt sein. Erst dann kann man Bohrungen planen und durchführen. Das Ganze dauert unglaublich lange und ist sehr aufwendig.“</p>
<p style="text-align: justify;">Marokko ist darauf angewiesen, seine geologischen Eigenheiten möglichst effizient zu nutzen. Schmelzwasser aus den Bergen, Niederschläge während des Winters und unterirdische Quellen müssen so erschlossen werden, dass das gesammelte Wasser die Bevölkerung über die trockenen und heißen Sommermonate bringt. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge während der letzten 30 Jahre ist um ein gutes Drittel gesunken im Vergleich zu den vorausgegangenen 30 Jahren. Das wichtige Oberflächenwasser kann in Marokko bisher nur zu knapp zwei Drittel ausgeschöpft werden. Zu schwer ist es in einigen Regionen zugänglich. Zu wenig ist die Infrastruktur in vielen Landesteilen noch ausgebaut.</p>
<p style="text-align: justify;">„Hydrologen kommen zu uns und untersuchen den Untergrund. Ein weiteres Büro, das die beauftragten Studien durchführt, erstellt dann Übersichten, die belegen müssen, ob die Maßnahmen rentabel sind oder nicht. Darin enthalten sein müssen alle anfallenden Kosten und Aufwände, sowohl in Bezug auf Energie als auch auf die Maßnahmen selbst. Das alles muss haargenau nachgewiesen werden“, erzählt Hassan Mahdi, der zuständig ist für die Planung in Taroudant.</p>
<p style="text-align: justify;">In Zusammenarbeit mit europäischen Organisationen versuchen die marokkanischen Behörden, auch auf dem Land das Wasser dorthin zu leiten, wo es am dringendsten gebraucht wird. Nur enden die Vorzeigeverfahren meist bei der Optimierung von Stauseen oder Salzwasser-Wiederaufbereitungsanlagen und erreichen nur selten die abgelegenen Gegenden. Besonders im Landesinneren, in den Tälern zwischen hoch aufragenden Gebirgsketten, müssen die Einwohner häufig auf sehr einfache Weise ihr Wasser speichern und bis zu ihrem Haus oder Grund leiten.</p>
<h2 style="text-align: left;">Am schnellsten hilft sich jeder selbst</h2>
<p style="text-align: justify;">„Wer in Marokko lebt, muss sich den Gegebenheiten der Natur anpassen“, betont Hassan Morssli, wenn er auf seiner Tour entlang der Wasserkanäle Palmblätter zur Seite schiebt und über die Rinde der Stämme streicht. Unterhalb der alten Kasbah, die auf der Anhöhe über der Oase thront und Touristen zum Mittagessen einlädt, deutet er am Wegesrand auf in den Hang geschlagene runde Betonsockel. Die verfallenen Brunnen zeugen von vergeblicher oder vergessener Mühe, an das tief liegende Grundwasser Marokkos zu gelangen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Marokko darf jeder Bürger auf eigene Kosten nach Grundwasser bohren und es für sich auf seinem Grundstück nutzen. Eigene Reservoirs und primitive Kanalanlagen sollen das Wasser dort bündeln, wo die Bewohner es im Haus oder auf dem Feld brauchen. Lange Strecken von Betonrillen, Gartenschläuchen und verrosteten Wasserrohren schlängeln sich zwischen Arganbäumen über die Terrassenlandschaft rund um die kleinen Dörfer unterhalb der Gebirgsketten. Auf dem Land wird der Großteil des in Marokko verfügbaren Oberflächenwassers verbraucht. So schnell wie möglich, so lange es da ist. Immer abhängig davon, was der Winter bereitgestellt und der Sommer übriggelassen hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Klima-Experten sagen dem südlichen Mittelmeerraum eine deutliche Erwärmung voraus. Auch die Regenmassen könnten immer weniger werden, befürchten sie. Bis 2080 könnte sich die durchschnittliche Menge um 20 bis 40 Prozent verringern. Gleichzeitig entstehen in Marokko immer mehr Tourismuszentren und Industrie, deren Durst nach Wasser immer größer wird. Swimmingpools und Golfplätze stehen plötzlich auch dort, wo es eigentlich kaum festen Untergrund gibt. An der Grenze zur Wüste und im trockenen Bergland plantschen die Touristen in hellblau gekachelten Becken, um sich den staubigen Sand vom Körper zu waschen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das Vertrauen in Gott ist größer als in die Regierung</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn Hassan Morssli in seiner Oase zwischen grünem Klee und roten Granatäpfeln steht, deutet er immer wieder stolz in alle Richtungen, um die Ausmaße der größten Grünfläche im Umkreis zu unterstreichen. Den Touristen, die zu ihm kommen, um einen Blick in sein Paradies zu erhaschen, erklärt er geduldig, warum den Bauern für eine ausreichend ertragreiche Ernte immer mehr Erfahrung und Ausdauer fehlen. „Das Wasser ist weniger geworden und im gleichen Atemzug sind die Leute weniger geworden, die hier arbeiten. Wahrscheinlich sind die sogar schneller verschwunden. Die Jugendlichen wollen hier sowieso kaum noch arbeiten. Sie wollen woanders schnell Geld verdienen. Es gibt nur noch wenige, die wirklich Spaß daran haben, auf dem Feld zu sein, etwas mit der Hand zu schaffen oder zumindest einen Traktor zu fahren. Die Jugend zieht es in die Stadt und will leben wie in Europa.“</p>
<p style="text-align: justify;">Für die Zukunft soll auch der 2008 ins Leben gerufene Plan „Maroc vert“, grünes Marokko, der Landwirtschaft Marokkos mehr Aufmerksamkeit und Hilfe bringen. Auch das Thema Wasserversorgung steht als einer der zentralen Punkte ganz oben auf der Liste des Plans. Mit Begriffen wie moderne Anlagentechnik, technische Unterstützung oder begleitende Maßnahmen kann Hassan Morssli für die Zukunft seines Paradieses wenig anfangen. Seit drei Generationen halten seine Familie und die anderen Bauern die Oase von Tiout am Leben. Mit einfachen Mitteln und einem tiefen Vertrauen, das ihnen die Regierung nicht geben kann. „Sobald hier im Winter wieder genug Schnee liegt und es ausreichend regnet, kommt auch das Wasser zu uns zurück. Bisher hatten wir zum Glück nie ganz ernste Probleme. Es gibt immer noch Wasserquellen. Die Quellen unserer Eltern sind am Leben, sie sind nur etwas ermüdet. Dank Gott sind wir hier immer noch im Paradies.“</p>
<p style="text-align: justify;">Als Hassan Morssli beim Erzählen abermals die Hände nach oben reckt und den Blick hebt, streifen seine Augen den Jebel Toubkal. Marokkos höchster Berg verschwimmt am Horizont im Gegenlicht. Im diffusen Bild aus Sonne, Wolken und Nebelschwaden suchen die Augen von Hassan Morssli vergeblich nach hellen Flecken von Schnee. Dann wandert sein Blick weiter nach oben über die Wolken und Hassan Morssli lächelt in den Himmel.</p>
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