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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Westeuropa &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Das Sperma der Götter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 May 2016 08:43:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Druiden]]></category>
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		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[In England blüht die Tradition der Druiden wieder auf. Unser Autor Sebastian Hesse hat einige von ihnen besucht, um herauszufinden was der ganze Hokuspokus um Bäume, Misteln und Steinkreise soll.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-sperma-der-goetter/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In England blüht die Tradition der Druiden wieder auf. Unser Autor Sebastian Hesse hat einige von ihnen besucht, um herauszufinden was der ganze Hokuspokus um Bäume, Misteln und Steinkreise soll.</strong></p>
<p>Allzu viel Phantasie braucht man nicht, um sich vom Glastonbury Tor aus eine Inselwelt herbeizu(tag)träumen. Zahlreiche Hügel haben die radikale Kultivierung der Landschaft in der Grafschaft Somerset überstanden. Früher, so erklärt es mir Pat Mead, sei die Gegend regelmässig überschwemmt worden. Feuchtes Marschland, das große Teile des Jahres unter Wasser stand. Die Hügel jedoch hätten aus der Wasserfläche heraus geragt. Sie seien zu Inseln geworden. Und, wie so oft im südenglischen Nebel, nur noch schemenhaft zu erkennen gewesen. Hier entstand einst die Legende von Avalon. Jener mythischen Insel, auf der das irdische Leben des Sagenkönigs Artus endete. Die Apfelinsel, wie die Kelten sie nannten. Pat jedoch erzählt die Geschichte anders. Für Pat liegt hier tatsächlich Avalon. Bis heute. Wegen Avalon ist sie einst nach Glastonbury gezogen. Denn Pat Mead ist Druidin.</p>
<p>In England berichten Menschen mit einer spirituellen Ader häufig über ihre prägende Begegnung mit einem Ort. Die Zuneigung für einen Landstrich wird gerne schwärmerisch verklärt. Landbewohner in England ziehen ein Lebensgefühl aus der Geographie, die sie umgibt. Sie verspüren eine intensive Verbundenheit mit natürlichen Orten: Achtung, Tiefe. Das hat mit der Schönheit unberührten Landes zu tun, seinen Farben und Gerüchen. Aber auch mit dem, was Menschen mit entsprechendem Sensorium in diese Landschaften hineinlesen können. Was sie an Mythologie dechiffrieren an Orten, zu denen sie sich intuitiv hingezogen fühlen. An solchen Orten überlappen sich geographische und mythische Landschaften. Nach keltischem Glauben existieren an bestimmten Orten Übergänge zwischen der Menschenwelt und der Anderswelt.</p>
<h2>Für König Artus</h2>
<p>Diese instinktive Verbundenheit mit einem Landstrich war es, die Pat Mead einst nach Glastonbury gebracht hat. „Ich bin wegen Artus zum ersten Mal hierher gekommen“, erzählt sie mir. „In einem Buch hatte ich ein Bild vom Glastonbury Tor gesehen. Und eine innere Stimme sagte: Geh da hin! Das haben wir dann auch gemacht, mein Mann und ich. Sind hierher gezogen!“ Ursprünglich stammt sie aus den britischen Midlands bei Birmingham. Einer spontanen Eingebung folgend verlagerte sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann ihren Lebensmittelpunkt an den Fuß des Glastonbury Tors. Über Nacht brachen sie ihre Zelte ab, um einem merkwürdigen Sog gen Westen zu folgen.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-2.jpg" data-caption="Zum Ritual geschmückte Frauen mit Blumenschmuck auf dem Primrose Hill" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-9.jpg" data-caption="Druiden haben sich zum &quot;Spring Equinox Ritual&quot; am Tower Hill in London aufgereiht" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-10.jpg" data-caption="Druiden bilden am Tower Hill in London einen rituellen Kreis" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-4.jpg" data-caption="Am Primrose Hill wird ins Horn geblasen" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-5.jpg" data-caption="Diese zwei Kinder finden das mystische Spektakel am Primrose Hill besonders spannend" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-6.jpg" data-caption="Ein Blumenmädchen am Primrose Hill" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-7.jpg" data-caption="Rechts im Bild: Philip Carr-Gomm" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-8.jpg" data-caption="Druiden-Spektakel vor der berühmten Tower Bridge in London" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden.jpg" data-caption="Ob hier wirklich alles Jungfrauen sind, wissen wir nicht. Jedenfalls erklimmt der &quot;Jungfrauenzug&quot; den Primrose Hill" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/04/druiden-3.jpg" data-caption="Druidisches Schattenspiel am Primrose Hill " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-21.jpg" data-caption="Druidinnen am Tower Hill" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23.jpg" data-caption="Bei dieserZeremonie vor dem Glastonbury-Tor reißt diese Druidein beschwörend die Arme nach oben" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-26.jpg" data-caption="Zwei Druidinnen in Avebury" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-27.jpg" data-caption="Adrian und JJ bei der Mistelernte" alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Sebastian Hesse</p></div>
<p>Pats Bungalow hat wenig gemeinsam mit den urigen Cottages des ländlichen Englands. Er ist modern, funktional, eher einfach und schmucklos. Auch die Einrichtung läßt nicht darauf schließen, dass hier jemand mit ausgeprägt spirituellem Sensorium lebt. Pat und ich sitzen in ihrem kleinen Wohnzimmer, auf einer Sofagarnitur, die bessere Tage gesehen hat. Wir trinken Tee und beobachten die Dachse, die auf ihrer kleinen Terrasse nach Leckerbissen suchen. Pat hat als junges Mädchen Deutsch gelernt und hört heute noch regelmässig deutsche Radiosendungen. Sie spielt im Verein Tischtennis. Und Theater in einer Laienspieltruppe. Und sie engagiert sich in ihrem druidischen Grove. Grove, Hain, nach den heiligen Hainen der heidnischen Priester. So nennen sich die Ortsgruppen der druidischen Orden. Der in Glastonbury nennt sich Appleseed Grove.</p>
<h2>Lebendiger Mythos</h2>
<p>So unscheinbar ihr Haus, so spektakulär ist die Lage ihres Grundstücks. Ein Hohlweg führt vom Chalice Well Garden den Hügel hinauf zu Pat. Wenn man ihn zu Ende läuft, steht man am Fusse des Tor. Mehrfach am Tag schaut sie hoch auf den magischen Hügel. Hinauf zu dem geheimnisvollen Turm auf seinem Gipfel. Die erhabene Szenerie bestärkt sie immer wieder aufs Neue darin, dass der Umzug nach Glastonbury zwangsläufig und alternativlos war. Der alte Mythos ist für Pat sehr lebendig: „Oh, er lebt, ja! Vor allem, wenn ich von Westen her nach Glastonbury hereinkomme. Da fährt man über eine bestimmte Brücke, die Pomparles Bridge. Früher war hier ein großer See, den der Fluß Brue gespeist hat. Das soll der See der ‚Lady of the Lake’ gewesen sein, die Artus das Schwert Excalibur gab. Daran muss ich immer denken, wenn ich über die Brücke fahre: Das ist wie nach Hause kommen. Ich bin zurück in Avalon und ich bin in Sicherheit!“</p>
<p>Dieses besondere Gespür für die Magie eines Ortes ist auf den britischen Inseln bemerkenswert ausgeprägt. In seltsamem Kontrast zum beinahe völligen Verschwinden von Wildnis und unberührter Natur in den englischen Grafschaften. Adrian Rooke ist wie Pat Mitglied des größten britischen Druidenordens, des Order of Bards, Ovates and Druids, kurz OBOD. Ich besuche ihn in Bristol. Dort wohnt der Sozialarbeiter im Gartenhaus auf dem Grundstück seines Sohnes. Adrian entspricht viel mehr als die pensionierte Lehrerin Pat meinen Vorstellungen von jemandem neuheidnischen, naturreligiösen Glaubens.</p>
<h2>Schamanischer Steinkreis</h2>
<p>Adrian trägt sein angegrautes Haar lang, ist über und über mit tribal tatoos bedeckt. Er schmückt sich mit Amuletten, Ohrringen und allerhand anderem Schmuck, den er teilweise selber hergestellt hat. Ein gewaltiges Bett füllt das Wohn- und Schlafzimmer in seinem Gartenhaus fast völlig aus. Für Adrian ist es weit mehr als nur eine Schlafstätte. Hier meditiert er, liest dicke Wälzer über Glaube, Leben und Rituale seiner Ahnen. Hier schnitzt er die Zauberstäbe, die er auf Druidentreffen verkauft. Handschmeichler sind Adrians hölzerne Fetische. Und obendrein sollen sie Glück bringen. Adrian hat Suppe gekocht. Nach dem Essen nimmt er mich mit zu einem Steinkreis in der Nähe von Bristol. Zu einer Art schamanischer Séance.</p>
<p>Tags drauf fahre ich mit Adrian und seinem Freund Jay-Jay auf eine Apfelfarm auf dem Lande, irgendwo zwischen Bristol und Glastonbury. Die beiden haben mich eingeladen an einer jährlichen Zeremonie teilzunehmen, die ihnen heilig ist. Und zu der sie noch nie einen Außenstehenden mitgenommen haben. Wir gehen Misteln schneiden. In den Baumkronen der Apfelbäume wächst und gedeiht die heilige Pflanze der Druiden besonders üppig. Der Apfel-Farmer ist froh, dass ihm jemand den Parasiten dezimiert. Und Adrian und Jay-Jay machen reiche Beute für die bevorstehende Wintersonnenwendfeier ihres Druidenordens.</p>
<p>Auf dem Farmgelände steigt Adrian mit einer Leiter in die Baumkronen, sägt die Mistelzweige ab und wirft sie mit Bedacht vom Baum. So, dass JJ sie auffangen kann. Damit sie nicht den Boden berühren. „Die Mistel ist eine einzigartige Pflanze. Weil sie keine Wurzeln hat, die sie mit der Erde verbinden“, erklärt mir Adrian. „Misteln sind Himmelspflanzen, Sonnenpflanzen.“</p>
<h2>Göttliches Sperma</h2>
<p>Er zerdrückt die weißen Beeren der Mistel in seiner Hand. Und hat die klebrige Masse daraus zwischen den Fingern. Die erinnert an Sperma. „Unsere Ahnen haben geglaubt, es handele sich um das Sperma der Götter“, sagt er, „das mitten im Winter das Land neu befruchtet.“ Und JJ ergänzt: „Die alten Druiden haben die Mistel besonders verehrt, wenn sie in den Kronen der Eichen wuchs. Die Eiche galt als Baum der Sonne. Bei der rituellen Mistelernte wurde der Samen der Sonne wieder mit der Erde verbunden.“ Darum sei die Mistel ein Symbol für die Wiedergeburt zur Wintermitte. Die Rückkehr der Sonne. „Deshalb küsst man sich heute noch unter dem Mistelzweig“, schmunzelt JJ, „weil dieses Ritual etwas Lebensbejahendes hat!“</p>
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<p>JJ, Adrian und ich laden die frisch geschnittenen Mistelzweige in den Kofferraum von Adrians klapprigem Toyota. Am Abend werden die beiden den Versammlungsraum für das Druidentreffen mit den heiligen Pflanzen dekorieren. „Das verbindet uns mit diesem Land und dieser Jahreszeit“, sagt Adrian Rooke bevor wir abfahren. „Und es verbindet uns mit etwas sehr Altem, das seit Jahrtausenden verehrt wird!“ Diese Verbundenheit mit Natur und Geschichte, so viel habe ich bereits begriffen, ist die zentrale Erfahrung im modernen Druidentum.</p>
<h2>Ritual in der längsten Nacht</h2>
<p>Beim Morgengrauen des nächsten Tages stehe ich dann, am Ende der längsten Nacht des Jahres, zu Sonnenaufgang im Chalice Well Garden in Glastonbury. Es liegt noch Frühnebel über der Gartenanlage am Fusse des Tor, wenige Fussminuten von Pat Meads Haus entfernt. Nur schemenhaft sind die Teilnehmer des Rituals zu erkennen, mit dem die Rückkehr des Lichts begrüßt werden soll. Rund hundert Neo-Druiden würdigen am kürzesten Tag des Jahres mit ihrer Zusammenkunft den ewigen Kreislauf der Natur. Den verläßlichen Wechsel von Finsternis und Absterben zu neuem Licht und Leben. Ein Grossteil der Druiden trägt ein langes, mönchsähnliches Gewand aus grobem, ungefärbtem Leinen. Verziert allenfalls mit Fibeln oder Broschen in keltischem Ornament. Ein großer Kreis wird gebildet. In der Mitte steht Ann-Marie, die das Ritual anleitet.</p>
<p>Ann-Marie trägt bei der morgendlichen Kälte eine Pelzmütze und einen langen, grünen Samtüberwurf. Wie Pat hatte auch sie ein Erweckungserlebnis in der Natur, das sie für das Druidentum empfänglich machte. „Das war in Cornwall“, erzählt sie mir, „dort gibt es noch Ecken, die vom Menschen unberührt scheinen. Das Bodmin Moor etwa. Dort konnte ich die Seele der Erde spüren!“ Seither geht es ihr nach eigener Aussage darum, “am kosmischen Tanz teilzunehmen.“ Dieses Grundgefühl begleitet sie inzwischen längst durch den Alltag: „Wenn ich morgens die Augen öffne, dann ist da dieser kurze Moment, bevor man ganz wach wird. Als wenn man dem ganzen Universum einen guten Morgen wünscht!“</p>
<p>Zur Sonnenwende begrüßt Ann-Marie die Mitglieder des größten britischen Druidenordens. Um mit ihnen das Wiedererwachen der Natur zur Halbzeit ihres winterlichen Tiefschlafs zu begehen. Dieses Ritual ehrt ein zyklisch wiederkehrendes Naturereignis, spiegelt den natürlichen Kreislauf, betont sie. Es geht in der Zeremonie um das scheinbar absterbende Licht, seine Wiederkehr, das Schneiden der Mistelzweige, die heute noch in Großbritannien zur Weihnachtszeit gehören wie der Christbaum. In jeder der vier Himmelsrichtungen verkörpert je ein Druide den Norden, den Süden, den Westen, den Osten. Die vier Himmelsrichtungen haben in der druidischen Naturverehrung eine ähnlich große Bedeutung wie die vier Elemente oder die vier Jahreszeiten.</p>
<p>Das Licht, das sich am kürzesten Tag weitgehend zurückgezogen hat, wird durch eine Kerze in einem sturmfesten Leuchter versinnbildlicht. Die Kerze erlischt und wird sogleich wieder entzündet. So wie das das Licht im Frühjahr zurückkehrt, stärker wird, länger die Natur erhellt und diese allmählich aus dem Winterschlaf zurückholt. Um diesen Prozess des Absterbens und Neuerwachens, des Regenerierens in der Dunkelheit, des neuen Lebens, das dem abgestorbenen Alten verlässlich folgt, geht es in dem Ritual.</p>
<h2>„AAAWWWEEENNN!!!“</h2>
<p class="p1"><span class="s1">AWEN intonieren die Druiden von Glastonbury stimmgewaltig aus vielen Kehlen. Es klingt wie ein Urlaut, dem buddhistischen OM nicht unähnlich. Der ganze Körper vibriert, wenn man das keltische Wort AWEN möglichst langgestreckt singt. Es entsteht eine Schwingung, eine Art Ur-Rhythmus, der die Ritual-Teilnehmer in Gleichklang mit ihrer natürlichen Umwelt bringen soll. AWEN ist nicht nur das Mantra, sondern auch das graphische Symbol des Druidenordens. Und bedeutet so viel wie ‚die drei Lichtstrahlen’. Viele Druiden tragen das AWEN-Symbol als Brosche oder Amulett. Es zeigt drei Lichtpunkte, aus denen drei Lichtstrahlen fallen, umrahmt von drei konzentrischen Kreisen. Die Lichtpunkte symbolisieren Sonnenaufgänge. In, je nach Jahreszeit, leicht unterschiedlicher Himmelsrichtung. Und die Kreise stehen für die drei Zirkel der Schöpfung in der keltischen Mythologie. Intoniert wird das AWEN bei jeder neo-druidischen Zusammenkunft, als fester Bestandteil jedes neo-druidischen Rituals. Ebenso wichtig ist der ‚Sacred Vow’: „We swear by peace and love to stand, heart by heart and hand to hand. Mark, oh Spirit, and hear us now, confirming this, our sacred vow!“ Wie das ‚Vater unser’ zum christlichen Gottesdienst gehört dieser Schwur zu jeder druidischen Zusammenkunft. Aber wie authentisch sind diese modernen Zeremonien? Wie stark wurzeln sie in wahrhaft uralten Traditionen?</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Es gibt da nämlich ein Dilemma. Von den historischen Vorbildern der Neo-Druiden, der vorchristlichen Priesterkaste der keltischen Hemisphäre, ist eigentlich recht wenig bekannt. In einem der uralten Wirtshäuser von Glastonbury treffe ich eine Koryphäe auf diesem Gebiet: Den Historiker </span><span class="s2">Ronald Hutton</span><span class="s1">. Der Geschichtsprofessor aus Bristol entspricht kaum den gängigen Vorstellungen von einem Hochschullehrer und Wissenschaftler. Hutton trägt das dünne Haar mehr als schulterlang. Seine dicke Brille scheint einige Nummern zu groß für einen schmächtigen Mann wie ihn. Sein listiges Blinzeln entgeht mir jedoch nicht, als er mich über einem Pint Ale freundlich angrinst. Und zunächst einmal desillusioniert: „Die Quellenlage zu den Druiden ist mehr als dürftig“, sagt Hutton, „alle zeitgenössischen Quellen stammen aus griechischer oder römischer Feder. Und man könnte sie locker auf sechs Seiten abdrucken!“</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Die keltischen Priester verfügten nicht über eine eigene Schriftkultur. „Etwas mehr findet sich in der mittelalterlichen Literatur Irlands“, sagt der Geschichtsprofessor, „aber die ist hunderte von Jahren nach der Christianisierung entstanden!“ Sonst gibt es nur noch Volkssagen und Mythen. „Als postmoderne Menschen können wir uns da etwas herauspicken und unser eigenes Druidenbild zusammen stellen.“ Bei aller Beliebigkeit sei eines aber klar, so der Spezialist für Naturreligionen: „Die Druiden waren im antikischen Europa die einzigen Leute, die von den Römern und Griechen respektiert wurden! Die sie gefürchtet haben. Und von denen sie sich inspirieren ließen!“ Daran ändere auch die Widersprüchlichkeit der zeitgenössischen Quellen nichts, meint Hutton. „Für manchen Autoren der Antike waren die Druiden weise und gütig, verstanden sie die Welt besser als jeder andere. Für andere waren sie blutrünstige Wilde und Barbaren.“ Dieser Kontrast mache sie so faszinierend.</span></p>
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<p>Sprachwissenschaftler sagen, der Begriff ‚Druide’ setzt sich aus zwei Silben zusammen. Aus dem gälischen und auch walisischen ‚Dru’ &#8212; zu deutsch: Eiche. Und ‚Id’, &#8211; abgeleitet vom indogermanischen ‚Wid’ &#8212; zu deutsch: Wissen. Der Druide bringt also Wildnis und Wissen, Natur und Weisheit zusammen. Der Begriff Druide kann als Aufforderung verstanden werden, die Qualitäten von ‚Dru-’, der Wildnis, und ‚-id’, der Weisheit, in sich zu vereinen.</p>
<p>Ronald Huttons Hinweis auf den postmodernen Selbstbedienungsladen hatte mich aufhorchen lassen. Keine Naturreligion in Europa kann auf eine durchgängige, gewachsene, Jahrhunderte überdauernde Geschichte zurückblicken. Was heute wieder auflebt, ist zwangsläufig eine Konstruktion aus Projektionen, Wunschphantasien, Wissensfragmenten, Idealisierungen und Phantasieelementen. „Die größte Schwäche des Druidentums ist gleichzeitig seine größte Stärke“, sagt Philip Carr-Gomm. Er sollte es wissen, denn er ist ‚Chief Druid’, der Mann an der Spitze des ‚Orders of Bards, Ovates and Druids’.</p>
<h2>Besuch beim Chef-Druiden</h2>
<p>Ich habe Philip Carr-Gomm in Glastonbury kennen gelernt. Und dann so manches Mal wiedergetroffen. Seinen Druidenorden leitet der 1952 geborene aus seinem Privathaus in Sussex, in dem malerischen Städtchen Lewis. Wir sitzen bei einer Tasse Tee in seinem Arbeitszimmer, das erwartungsgemäss bis unter die Decke mit Büchern vollgestopft ist. Philip stammt aus London, hat Psychologie studiert, eine Montessori-Schule gegründet, Bücher geschrieben und Tarot-Decks designed. Und eben eine druidische Gemeinschaft aus dem 18. Jahrhundert weiter entwickelt zu einem Esoterik-Angebot, das Anhänger in ganz Europa und den USA hat.</p>
<p>Wer den Weg des Druiden gehen will, in Carr-Gomms Auslegung, der kann einen Fernkurs absolvieren. Den muss man bestellen, sich schicken lassen und und sich über drei Initiationsstufen hinweg zum Neo-Druiden ausbilden lassen. Und das tun überraschend viele: 1200 Leute arbeiten sich gerade durch den druidischen Lehrstoff, erklärt mir Carr-Gomm. Schaffen sich keltische Mythologie, Naturkunde, Anleitungen zu Kreativität drauf. Den Lehrstoff gibt es nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Tschechisch, Französisch, Holländisch, Deutsch, Italienisch und Portugiesisch. „Den Kurs haben U-Boot-Matrosen der amerikanischen Navy absolviert“, sagt Carr-Gomm nicht ohne Stolz. „Leute, die in der Wüste in einem Flüchlingslager in Darfour arbeiteten. Obwohl das hart ist. Denn beim Druidentum geht es ja auch um die Beziehung zwischen Orten und Spiritualität. Es wurzelt in Wäldern, in europäischen Landschaften. Nicht in der Wüste, wie Christentum und Islam.“</p>
<h2>Bruderschaft wie Freimaurer</h2>
<p>Die weltweit rund zehntausend Mitglieder seines Druidenordens sieht Philip Carr-Gomm als Nachfahren derer, die das Druidentum vor rund 300 Jahren widerbelebt haben. Grob habe es das drei Strömungen gegeben, erklärt mir der Chief Druid. ‚Kulturelle Druiden’ nennt er diejenigen, die keltische Sprachen und Mythologie rekonstruieren. Dann gäbe es die ‚druidischen Bruderschaften’, eine Art Freimaurertum, das sich im 19. Jahrhundert ausbildete. In deren Logen wurde Mummenschanz gepflegt, mit langen Gewändern und falschen Bärten. Es gibt ein legendäres Photo von Sir Winston Churchill mit falschem Bart in Stonehenge. Auch Churchill war Mitglied einer Druidenloge. „Und schließlich gibt es als dritte Spielart uns: Leute, die Druidentum als einen spirituellen Weg sehen.“</p>
<p>Auch der junge Carr-Gomm war ein Suchender, als er mit elf Jahren Ross Nichols über den Weg lief. Der 1902 geborene und 1975 gestorbene Nichols war Dichter und Hochschullehrer. Als Druide nannte er sich ‚Nuinn’. „Als 11-jähriger bin ich dem damaligen Chef Druid begegnet. Er hat mir dieses Empfinden von Landschaft als heilige Landschaft vermittelt. Das Gespür für magische Orte. Heilige Haine, Steinkreise, Zauberberge. Das hat mich angesprochen: Diese Ahnung, dass sich hinter der Oberfläche von Autobahnkreuzen und Industrielandschaften etwas anderes befindet. Dass hinter dieser Fassade noch immer verzauberte Landschaften schlummern!“</p>
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<p>1988 trat der Psychologe Carr-Gomm an die Spitze des Druidenordens. Geleitet wurde er von der Überzeugung, dass viele seine eigene spirituelle Orientierungslosigkeit und diffuse Ahnung von etwas sehr Altem, aber längst Vergessenem teilen. „Je mehr sich die Menschen von den etablierten Religionen entfremdeten“, sagt Carr-Gomm, „je mehr ihr Unbehagen angesichts der ökologischen Krise wuchs, desto stärker wurde das Bedürfnis nach neuen spirituellen Wegen. Nach etwas, das in Traditionen wurzelt, das authentisch ist und vor allem frei von Dogmen.“</p>
<h2>Bedürfnis nach Gemeinschaft</h2>
<p>Ebenso ausgeprägt, so Carr-Gomms Überzeugung, sei das Bedürfnis nach Anleitung und Gemeinschaft. Um seinen Orden möglichst frei von Dogmen zu halten und eine größtmögliche Klientel anzusprechen, hat er die rituelle Naturverehrung zum zentralen Kern seiner Lehre gemacht. „Sich in der Natur zu bewegen, die natürlichen Kreisläufe annehmen und etwa die Jahreszeiten wirklich leben: Das macht uns menschlicher und mitfühlender“, so Carr-Gomm. „Als Druiden wollen wir das verstärken, indem wir über das Jahresrund hinweg diesen Kreislauf mit Ritualen begleiten.“ So wie zur Wintersonnenwende in Gastonbury.</p>
<p>Das Neo-Druidentum, übrigens seit 2011 offiziell von der ‚Charity Commission for England and Wales’ als Religion anerkannt und damit steuerlich auf einer Stufe mit der Church of England, ist beileibe kein ländliches Phänomen. Zweimal im Jahr, jeweils zur Tag-und-Nacht-Gleiche, kann man in der achteinhalb-Millionen-Metropole London Druiden beim Ausüben ihrer Rituale beobachten. Im Frühjahr am Themseufer, direkt neben dem Tower. Und im Herbst auf dem Primrose Hill, am Nordrand des Regent’s Park, der Erhebung mit dem besten Blick über die Stadt. Als wären sie einer Zeitkapsel entstiegen tauchen an diesen beiden symbolträchtigen Tagen urplötzlich die Druiden im hektischen Großstadtgewusel auf.</p>
<p>Die meisten von ihnen tragen knöchellange weiße Gewänder mit Hauben, die eher an altmodische Krankenschwestertracht erinnern, denn an das Outfit von Naturreligiösen. Einige der teilnehmenden Frauen haben sich jedoch Blumen ins Haar geflochten. Manche tragen Erntegaben in Schalen. Andere ein Schwert oder das meterlange Horn, dessen Klang die Zeremonie eröffnet. Die beginnt und endet damit, dass die Druiden einen Kreis bilden. Ein gemeinsames Ganzes, das keinen Anfang und kein Ende kennt.</p>
<h2>Beim Stadt-Druiden</h2>
<p>Auf dem Primrose Hill lerne ich bei einer dieser Zeremonien JT Morgan kennen. Mit einem kleinen Kreis Gleichgesinnter zelebriert er im Hawthorn Grove, einem Hagedornhain, seine eigenen, selbstgeschriebenen Rituale. JT ist für mich der Inbegriff eines Stadt-Druiden. Anderntags besuche ich ihn auf Arbeit. Morgan ist Schneidermeister von Beruf, nennt sich daher auch Jay the Tailor, und betreibt seine Schneiderei in einem alten Eisenbahnbogen im Londoner Stadtteil Hammersmith. Ein urbaneres Setting kann man sich kaum vorstellen. Morgan hat es nie auf’s Land gezogen. Allein auf freier Wildbahn ist sein Ding nicht. Dafür kennt JT in den Londoner Parks jeden Strauch, jeden Baum und beinahe jeden Halm. Die Vögel, die Nagetiere. Alles was kreucht und fleucht.</p>
<p>JT sucht und bewundert die Natur in ihren Nischen. Die natürlichen Mikrokosmen, die es an den unerwartetsten Stellen zu entdecken gilt. In Hinterhöfen, auf Verkehrsinseln, an den Rändern der Parkplätze, auf den Dachterrassen, sogar in den Schlaglöchern. Wo immer der Asphalt aufbricht und den Boden entsiegelt, da kommt Natur zurück. Für JT Morgan ist es kein Widerspruch, großstädtisch zu leben und gleichzeitig Natur zu verehren. Das ist für ihn auch der Kern seines Druidentums: „Wenn jemand nicht nur mit den Bäumen redet, sondern auch noch eine Antwort erhält, dann ist er ein Druide.“ Ansonsten ist JT herrlich gelassen und undogmatisch. Man dürfe das mit den Druiden auch nicht allzu ernst nehmen, meint er. Und müsse aufpassen, die Riten und Gebräuche nicht ins Lächerliche zu ziehen.</p>
<p>„Druiden lieben es, keltische Begriffe zu benutzen. Bei näherer Betrachtung entpuppen die sich aber oft als erfunden: Sie sind unecht. Und viele wissen nicht einmal, wie man sie ausspricht!“ Morgans eigene Rituale sind daher durchgehend auf Englisch. Um möglichst viele anzusprechen, denn der kleinste gemeinsame Nenner sei die Ahnung davon, dass die Welt aus mehr als nur einer stofflich-materiellen Ebene besteht: „Die Liebe zur Natur muss mit einem gewissen Hang zu Spiritualität einhergehen; – ohne eine spirituelle Ebene des Daseins zu akzeptieren geht es nicht!“</p>
<h2>Dunkle Germanen vs. keltische Lichtgestalten</h2>
<p>Naturverehrung und Geschichtsbewusstsein – das hatte mir schon der Geschichtsprofessor Ronald Hutton als wichtigste Zutaten des druidischen Gebräus anempfohlen. „Die Abgelöstheit von natürlichen Lebenszusammenhängen und einer geschichtlichen Tradition; das ist am Ende das Dilemma des modernen Menschen“, so der Akademiker, der zwischen Hörsaal und heiligen Hainen pendelt. Ich muss an Deutschland denken. Wo zwar die Ökologiebewegung stark ist; was übrigens immer wieder von den britischen Druiden hervorgehoben wird. Sich jedoch in einer germanischen Tradition zu verorten, kann einen bekanntlich schnell in Erklärungsnöte bringen. Vermutlich boomt deshalb die Rückbesinnung auf das keltische Erbe in den entsprechenden deutschen Regionen.</p>
<p><img class="aligncenter wp-image-6398 size-full" src="http://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23.jpg" alt="3-23" width="1700" height="1134" data-id="6398" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23.jpg 1700w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-600x400.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-768x512.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-1200x800.jpg 1200w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-150x100.jpg 150w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-1250x834.jpg 1250w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/3-23-400x267.jpg 400w" sizes="(max-width: 1700px) 100vw, 1700px" /></p>
<p>Wie Pilze sind in den zurückliegenden Jahren Keltenmuseen, Keltenforts, Keltenhügel und Keltenfestivals aus dem Boden geschossen. Wo die Germanen die dunklen Ahnen sind, erleben die keltischen Lichtgestalten jetzt ihre unerwartete Renaissance. Ronald Hutton und Philip Carr-Gomm könnten in ihrer Analyse der Defizite des modernen Menschen im Digitalzeitalter recht haben. Weit über ihr englisches Wirkungsfeld hinaus.</p>
<p>Das Druidentum, das beide praktizieren, hat mich jedoch zunächst wegen seiner so britischen Schrulligkeit angezogen. Und dazu gehören zentral die Schauplätze. Stonehenge, Avebury, Tintagel, das Bodmin Moor und immer wieder dieses Glastonbury, wohin wir zum Schluss noch einmal zurückkehren.</p>
<h2>Liegt hier König Artus?</h2>
<p>Die vielen skurrilen Esoterik-Läden im Ortskern von Glastonbury, das Überangebot an Selbsterfahrungs-Seminaren und Kursen, die schamlose Vermarktung des Images als spirituell besonderer Ort haben den Ort dennoch nicht seine unbestreitbare Magie genommen. Im Herzen von Glastonbury findet sich eine der malerischsten Ruinen Englands: Die der Glastonbury Abbey, geschliffen im 16. Jahrhundert während der Reformationswirren. Ihre Überreste sind immer noch so eindrucksvoll, das man eine Ahnung kriegt von deren Pracht, als sie noch die wohlhabendste Klosterkirche Englands war.</p>
<p>Zur Legende wurde sie, als im 12. Jahrhundert das Gerücht aufkam, Artus sei auf dem Klostergelände begraben. Die britische Krone war elektrisiert. Mönche wurden mit umfangreichen Ausgrabungsarbeiten beauftragt. 1191 soll der Legende nach, zwei Meter unter der Erde, ein großes Kreuz aus Blei gefunden. Darauf soll gestanden haben: ‚Hier ruht König Artus, begraben in Avalon’. Zwei weitere Meter tiefer wurde dann angeblich ein Eichensarg ausgebuddelt. Mit zwei Skeletten darin. Das eines großen Mannes mit einer Schwertwunde im Schädel. Und das einer Frau, vermutlich Ginevra, Artus’ Gattin.</p>
<p>Der Auftraggeber und Finanzier des archäologischen Unterfangens, König Edward I., ein erklärter Artus-Fan, ließ die Gebeine daraufhin in einer pompösen Zeremonie beisetzen und eine prunkvolle Artus-Grabstätte errichten. Dabei ging es auch ganz profan um weltliche Macht. Edward wußte um die mythologische Bedeutung des Sagenkönigs für die aufmüpfigen Waliser. Ähnlich wie beim Kyffhäuser glaubten die, Artus schlafe nur und könne ihnen jederzeit in der Stunde der Not zur Hilfe eilen. Dem konnte Edward nun entgegen halten: Seht, Artus ist tot. Wir haben seine Gebeine. Er wird niemals zurückkommen.</p>
<h2>Die bizarrste Attraktion</h2>
<p>Heute freilich gibt es keine Spur mehr vom Bleikreuz, von den königlichen Knochen und der edwardianischen Prunkstätte mit dem Grabstein aus schwarzem Marmor. Alles verschwunden, zerstört, 1539 geschliffen unter Heinrich VIII. Doch als Mythos ist die Sage so lebendig wie eh und je. Ich schlendere mit Julie Hayes über das Klostergelände. Sie ist die Museumspädagogin der Abbey und erzählt mir ihre persönliche Geschichte. Mit Worten, die mich sehr an die Erlebnisse der Druiden erinnern: „Ich selber stamme ursprünglich nicht von hier, sondern aus Nottinghamshire. Aber ich hatte das Gefühl, nach Hause zurück zu kehren. Dieser Ort ist ganz besonders: Er strahlt Ruhe aus. Man vergisst, dass es eine Welt jenseits von Glastonbury gibt!“</p>
<p>Die vielleicht bizarrste Attraktion von Glastonbury verbindet den Ort aber nicht mit Keltenerbe oder Artus-Mythos, sondern dem blutjungen Christentum. Die Briten glauben, sie seien eine der ersten Nationen Europas gewesen, zu der die Lehre des Gekreuzigten weitergetragen wurde. Als Beweis dafür muss der Glastonbury Thorn herhalten: Ein Dornenbusch, der aus dem Wanderstab von Josef von Arimathäa gewachsen sein soll. Als der Mann, der dem hingerichteten Erlöser sein Grab in Jerusalem überlassen haben soll, nach Christi Kreuzigung ausgerechnet nach Glastonbury kam. Der feste Glaube daran, dass England in der Hierarchie der auserwählten Länder kurz hinter dem Heiligen Land kommt, reicht bis ins Herz des Königshauses hinein. Wenn die Queen alljährlich ihre Weihnachtsansprache im Fernsehen hält, dann liegt ein Zweig dieses Weißdornbusches vor ihr auf dem Tisch. Angeblich hat Josef von Arimathäa auch den Heiligen Gral mit nach Glastonbury gebracht. Genug Sagenstoff also, um Heerscharen von Sinnsuchern anzulocken. So mancher bleibt für immer. So wie Pat Mead.</p>
<p>Ich treffe mich mit Pat auf dem Hügel, auf dem der Thorn thront. Oder gethront hat, denn kurz vor unserem Wiedersehen haben Vandalen den mythenumrankten Busch in einer nächtlichen Aktion abgeholzt. Ein unerhörtes Sakrileg, das tagelang für Schlagzeilen im Königreich sorgte. Da aber über die Jahre genügend Ableger des verehrten Gehölzes an anderen Orten erfolgreich eingepflanzt wurden, etwa im Londoner Kew Gardens, konnte der Weißdorn durch einen gärtnerischen Kniff wiederbelebt werden. Das robuste Gehölz wurde zu neuem Leben erweckt.</p>
<h2>Heiliger Stumpf</h2>
<p>Als ich Pat treffe, stehen wir noch vor einem traurigen Stumpf. „Ich hatte das erst für einen kranken Scherz gehalten“, erinnert sie sich. Doch die Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer in Glastonbury verbreitet, war wahr. Eine „Schockwelle“ sei durch den Ort gegangen, so Pat, Menschen aller Weltanschauungen seien zu dem Baumstumpf gepilgert, um sich ein Bild von der zerstörerischen Tat zu machen. Für die Druidin lag jedoch auch etwas Tröstliches in der Tragödie: „Wicca-Hexen waren da, Druiden, Vertreter der örtlichen Kirchen – alle waren schockiert und verstört angesichts des trostlosen Baumstumpfs, der lange eines der Wahrzeichen von Glastonbury war. Alle haben beieinander gestanden.“ Und so hatte der Weißdorn auch im Ableben noch Magie über den Ort gebracht.</p>
<p>Diese Episode bringt für mich sowohl den genius loci von Glastonbury, als auch das Erfolgsrezept der Druiden-Renaissance auf den Punkt. Wie hatte es schon Ronald Hutton formuliert, der druidische Gelehrte: „As postmodern people we take our pick!“ Wir basteln uns unsere ganz eigene Patchwork-Spiritualität. Auch Philip Carr-Gomm, der Chief Druid, weiss, dass im Zeitalter der Beliebigkeit nicht nur Sehnsucht nach Sinn entsteht, sondern aufgrund der zahllosen Ausweichmöglichkeiten auch eine tiefsitzende Scheu vor Bindung und Verpflichtung. Sein Neo-Druidentum ist eine Art naturschwärmerische Meditationsanleitung, dem Zen gar nicht so unähnlich, und daher kompatibel mit fast allen Credos auf dem Markt.</p>
<p>„Und so gibt es Leute, die sich Druiden nennen und Monotheisten sind, oder Duotheisten, Polytheisten, Pantheisten. Ja, sogar Atheisten“, sagt Carr-Gomm und schüttelt den Kopf. „Dieses ganze Konzept von Theismen bringt uns nicht weiter. Das Druidentum zieht wenig aus Theologie. Und viel aus der Natur: Sich in ihr bewegen, sich von ihr nähren lassen.“</p>
<p>Pat Mead verkörpert diese Haltung wie niemand sonst, den ich auf meinen Druidenpfaden getroffen habe. Und sie ist am richtigen Ort, denn nirgends sonst als in Glastonbury gibt es diesen postmodernen Cocktail aus Mythen und Traditionen. Wir stehen am Thorn und blicken hinüber zum Tor: Wie der sich über der Kleinstadt erhebt mit dem Turm der geschliffenen Klosteruine St. Michaels auf seinem Gipfel. Vielleicht ist die Erfolgsgeheimnis der spirituellen Hauptstadt Britanniens in Wahrheit ganz banal. Und erklärt sich schlicht aus der betörenden Schönheit dieses Anblicks.</p>
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		<title>Wiederauferstehung einer Eule</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2015 11:40:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Chemnitz]]></category>
		<category><![CDATA[Claas Christophersen]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrin Brunnhofer]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
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					<description><![CDATA[Nur weil Tierpräparator Holger Rathaj das Leben aus innerster Perspektive kennt, kann er Tierleichen lebendig aussehen lassen. Ein Besuch im Chemnitzer Museum für Naturkunde.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/wiederauferstehung-einer-eule/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Nur weil Tierpräparator Holger Rathaj das Leben aus innerster Perspektive kennt, kann er Tierleichen lebendig aussehen lassen. Ein Besuch im Chemnitzer Museum für Naturkunde.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bedrohlich wirkt er eigentlich nicht, der Bär. Er ist nur sehr, sehr groß. 2,87 Meter, um genau zu sein, so, wie er sich auf den Hinterbeinen aufrichtet und in das Vormittagslicht schaut, das den überdachten Innenhof des hellen Neubaus durchdringt. Vor dem Exponat steht, mehr als einen Meter kürzer, in Jeans und beigefarbenem T-Shirt, Holger Rathaj, Tierpräparator im Chemnitzer Museum für Naturkunde.</p>
<p style="text-align: justify;">Er ist derjenige, der dem Bären seine letzte Gestalt verliehen hat. Der riesige Grizzly, dessen Maße selbst erfahrene Ranger und Jäger aus Nordamerika verblüfften, ist das größte Tier, das Rathaj jemals „zusammengebaut“ hat, wie das im Jargon seines Faches heißt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Die Präparate sind zwar Nachbildungen, aber den Leuten kommt es darauf an, zu wissen, dass alle mal echte Tiere waren“, sagt der 43-jährige. Trotzdem imitiert er nicht einfach nur die Echtheit des Lebendigen, sondern drückt dem Abbild einen eigenen Stempel auf. „Es gibt eine individuelle Handschrift jedes Präparators. Jeder kann sich ja irgendwie ausdrücken, durch Malerei, Musik oder Hula-Hoop-Reifen-Sprünge. Und ein Präparator eben durch sein Präparat“, erklärt Rathaj.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Marx und der Bär</h2>
<p style="text-align: justify;">Während der Museumsangestellte seine Tätigkeit beschreibt, drängt sich mir plötzlich der Gedanke an Karl Marx auf &#8211; vielleicht ausgerechnet an Marx, weil nicht weit vom Museum entfernt der auf sieben Meter vergrößerte Kopf des ehemaligen Namensgebers der sächsischen Stadt steht. Bei der Bronze-Plastik, die nach Entwürfen des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel gefertigt und 1971 aufgestellt wurde, soll es sich immerhin um die größte Porträtbüste der Welt handeln. Wie der Bär ist also auch Marx steif und leblos der Nachwelt erhalten. Zu Lebzeiten, als besonders rebellischer junger Mann, hatte Marx aber noch gefordert, die Philosophen sollten die Welt nicht nur interpretieren, sondern verändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Für Tierpräparatoren gilt genau das Gegenteil: Sie wollen unbedingt die Natur interpretieren. Selbst wenn es um größtmögliche Authentizität geht, wie Holger Rathaj betont: „Meinen Präparaten wird nachgesagt, dass sie die Tiere sehr sanft darstellen. So, wie sie auch in der Natur aussehen und sich verhalten, wenn sie nicht vom Menschen bedroht werden.“ Der Stil gefiel offensichtlich auch den Juroren der Tierpräparatoren-WM 2008 in Salzburg. Mit einem Graupapagei landete der Präparator immerhin auf Platz drei in der entsprechenden Kategorie.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate018.jpg" data-caption="Holger Rathaj in seinem hellen und aufgeräumten Atelier beim Fönen der Waldohreule. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/192Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Kritisch begutachtet Rathaj die Körperhaltung des Tieres. Durch die innen liegenden Drähte kann er noch nachjustieren." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/049Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Vor den Augen der Schulklasse stülpt der Tierpräparator die Eule vorsichtig auf links, um alles zu entfernen, was verderben könnte, wie z.B. Gewebe oder Muskeln." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/132Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Nach dem Waschen und Schleudern der Eulenhülle hat das Tier kaum Federn gelassen. Sein Federkleid erweist sich als genauso robust wie der alte DDR Trockner, der Holger Rathaj immer noch gute Dienste leistet." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/308Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Das Wichtigste für einen lebensnahe Erscheinung sind die Augen. Rathaj wählt sie sorgfältig aus einem großen Sortiment aus." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/311Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Der mit Draht und Glasaugen versehene Schädelknochen kann nun wieder in der Hülle verschwinden." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/137Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Das Ohr der Waldohreule ist ein filigranes Organ." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate020.jpg" data-caption="Diese Braunbärdame wohnt im sogenannten Archiv. Der Keller des Museums beherbergt viele Präparate, die sich nicht in der aktuellen Ausstellung befinden. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate017.jpg" data-caption="Die prächtigen Pranken des amerikanischen Grizzlies sorgen auch in ausgestopftem Zustand für Gänsehaut." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate005.jpg" data-caption="Die Bärin im Archiv ist ein gutes Beispiel für Rathajs Stil. Er verlieh ihr einen neugierigen Blick und eine zum Fischen angehobene Tatze. Sie soll in ihrem natürlichen Verhalten gezeigt werden, nicht als aggressives Monster, wie das eine Zeit lang unter Präparatoren üblich war." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/340Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Der Eulenkörper des späteren Präparats kann wie hier aus Styropor, aber auch aus Holz modelliert werden. Mit Drähten wird er verankert." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate014.jpg" data-caption="Das sorgfältige Fönen des Gefieders ist wichtig für eine gesunde und natürliche Ausstrahlung des Tieres. Wie auch bei den anderen Arbeitsschritten geht Holger Rathaj sehr behutsam mit dem toten Körper um." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate001.jpg" data-caption="Ein Schrank fertig präparierter Eulen im Archiv des Museums." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Kathrin Brunnhofer</p></div>
<h2 style="text-align: justify;">Der Kinderschreck</h2>
<p style="text-align: justify;">Wie solche preisgekrönten Arbeiten zustande kommen, das zeigt der dreifache Vater mit dem jugendlich wirkenden Gesicht und dem wuscheligen dunkelbraunem Haar an diesem Morgen einer sechsten Mittelschulklasse. Sein weiß gekachelter Arbeitsraum im Hintertrakt des Museums ist bereits erfüllt von den Stimmen der Kinder, die sich um einen langen Tisch aus blauer Keramik drängen. Mitten zwischen den Schülern hat sich der Präparator niedergelassen &#8211; vor sich eine leblose Waldohreule, die zusammen mit weiteren 1.000 in Plastiktüten verpackten Fauna-Kollegen seit 2004 in Rathajs Kühlkammer ihrer Wiederauferstehung harrte.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Augen des Museumsangestellten blitzen. Es macht ihm sichtlich Spaß vor Zuschauern zu arbeiten. Mit dem Skalpell setzt er zum ersten Schnitt in die Brustmuskulatur des bräunlich-weiß gefiederten Vogels an. „So, jetzt alle mal die Luft anhalten“, befiehlt er, „aber nicht wegen des Geruchs, sondern damit ich mich richtig beim Schneiden konzentrieren kann. Und wenn es anfängt zu bluten, kommt das nicht von der Eule, sondern weil ich mir in den Finger geschnitten habe.“</p>
<p style="text-align: justify;">Als der wächsern rote Hautsack, der die Eingeweide des Vogels umschließt, zum Vorschein kommt, dreht sich nur ein Mädchen kurz weg und intoniert ein inbrünstiges „Igitt“. Doch die meisten der Schüler betrachten interessiert das Innenleben der Eule, auf das Rathaj sofort mit Gips angesetztes weißes Kartoffelmehl schüttet, weil es die Feuchtigkeit der Innereien aufsaugt.</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Das gibt&#8217;s heute zu Mittag&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Um den Kindern zu zeigen, dass bei seiner Tätigkeit weder Blut fließt noch Eingeweide spritzen, setzt der Präparator derben Humor ein. „So kann der Körper gleich paniert in die Pfanne – das gibt’s heute zu Mittag“, verkündet er, trennt den vom Kartoffelmehl weiß gefärbten inneren Hautsack samt Wirbelsäule aus der Eule heraus und legt ihn auf Zeitungspapier.</p>
<p style="text-align: justify;">Für die Schüler reicht der Eindruck dieser ersten groben Präparations-Schritte. Sie sind vorher bereits durch die Dauerausstellung geführt worden, die vor allem den „versteinerten Wald“ zeigt. Die geologische Formation, die in Chemnitz vor 290 Millionen Jahren nach einem Vulkanausbruch entstand, bildet das Kernstück der hauseigenen Marketing-Strategie. Doch daneben leistet sich die Naturkunde-Einrichtung trotz chronisch klammer Kassen auch weiterhin einen biologischen Präparator – seit nunmehr 23 Jahren arbeitet Holger Rathaj bereits hier. „Ich habe schon eine Inventarnummer. Wenn ich sterbe, werde ich hier mit großer Nadel an einen Kasten gespießt“, scherzt er, kurz bevor die Sechstklässler gehen. „Wie die Schmetterlinge“, ruft ein Junge noch.</p>
<p style="text-align: justify;">Ohne Publikum hält Rathaj danach im Waschraum, der von seiner Werkstatt abgeht, den blanken Vogelschädel unter Wasser. Dass er der Waldohreule mit einer Schere die Augen aussticht und danach mit einer Pinzette durch das Hinterhauptsloch, an dem die Wirbelsäule befestigt war, das Gehirn, eine rötliche Masse in einer kleinen Hauttasche, aus dem Schädel holt – dies wirkt auf einmal nicht brutal und eklig, sondern irgendwie organisch. „Man identifiziert sich mit dem Tier, weil man weiß, dass dies ein echtes Lebewesen ist. Und das ist der große Vorteil von Berufen wie Präparatoren oder Pathologen: sie wissen so auch um den Aufbau und die Funktionen ihres eigenen Körpers“, erklärt Rathaj.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Tot aber lebensecht</h2>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/067Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Eine Schülerin betrachtet den jungen Wolf eingehend. Ist er wirklich tot?" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate009.jpg" data-caption="Der junge Wolf stammt aus dem Chemnitzer Wildpark. Er starb an einer Krankheit. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate002.jpg" data-caption="Rathaj präpariert keine Jagdtrophäen sondern nur Tiere, die eines natürlichen Todes oder beispielsweise bei einem Wildunfall gestorben sind." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/275Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Dieser Maki schaut mit großen neugierigen Augen aus einem der Archivregale." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate004.jpg" data-caption="
Die Nadeln fixieren die Mimik des Waschbären, solange der Kleber noch nicht ganz getrocknet ist." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/276Chemnitz-Tierpräperator.jpg" data-caption="Der Luchs wohnt ein Stockwerk unter dem Maki." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate006.jpg" data-caption="Beinahe hört man die Wasservögel zwitschern. Es herrscht aber Totenstille." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate007.jpg" data-caption="Dieses Präparat eines Löwen ist schon mehrere Jahrzehnte alt, was man nur an den Ohren etwas erkennen kann. Die älteren Präparate darf man oft nicht berühren, da damals teilweise mit Arsen gearbeitet wurde. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate008.jpg" data-caption="Aus dem Kuriositätenkabinett: Dieses zweiköpfige Kalb wurde vor mehr als 100 Jahren ziemlich grob zusammengeflickt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate010.jpg" data-caption="Hier im Regal Nummer 9 leben die unterschiedlichsten Affen in stummer Eintracht zusammen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate011.jpg" data-caption="Das Frettchen, so scheint es, schaut Rathaj bei der Arbeit zu. Leider ist es tot." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate013.jpg" data-caption="Der riesige Greifvogel passt nicht mehr ins Regal, seine Spannweite ist einfach zu groß. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/11/tierpräparate016.jpg" data-caption="Dieser 2,87 Meter große Grizzlybär ist Rathajs bisher größtes Präparat." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Kathrin Brunnhofer</p></div>
<p style="text-align: justify;">An ein Lebewesen erinnert das Präparat nicht gerade, nachdem es in Spülmittel eingeweicht, anschließend geschleudert und eine geschlagene Stunde trocken gefönt worden ist. „Es sind die Augen, die das Leben bringen“, weiß Rathaj. In die mit Modelliermasse ausgestrichenen Augenhöhlen setzt er zwei speziell angefertigte Glasaugen ein, stülpt vorsichtig den Schädel um, so dass ihm wieder das Kopf-Federkleid aufliegt und ihn am Ende tatsächlich eine Eule anschaut.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Schleudern hatte das Tier viel eher einem leicht gebogenen Brett geähnelt. Ein magischer Moment – und dann wieder doch nicht, denn das Verfolgen der Arbeit des Präparators entmystifiziert die Wiederbelebung der Toten. Und hier funkt mir schon wieder Karl Marx dazwischen, nur jetzt der ältere, der Autor des weltberühmten „Kapitals“. Marx sagte, dass lebendige Arbeit sich in totes Kapital verwandle. Aber Rathaj arbeitet früher Lebendiges in dauerhaft Totes um, dem er dazu noch die täuschend echte Illusion der Lebendigkeit verleiht.</p>
<p style="text-align: justify;">Das kann der Tierpräparator nur, weil er in vielen Berufsjahren genaueste anatomische Kenntnisse gesammelt hat. Während seiner Ausbildung Anfang der 1980er Jahre im Phyletischen Museum Jena, lernte Rathaj lediglich die Technik des Präparierens, nicht aber, wie zum Beispiel eine Eule zu schauen hat, nämlich immer starr geradeaus. Oder dass sie, wenn sie ruhig dasitzt, ihre Krallen nah nebeneinander setzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Um die Gelenke in die gewünschte Haltung zu bewegen, versieht Rathaj den Vogel mit Hals-, Flügel- und Beindrähten, die er in einem Imitat des Eingeweidesackes aus einem speziellen Schaum verankert. Dann näht er noch schnell die Außenhaut mit einem groben Hexenschnitt wieder zusammen. „Und nun kommt die Sisyphosarbeit“, kündigt der gebürtige Chemnitzer &#8211; oder Karl-Marx-Städter &#8211; an, „das Federnsortieren.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">Der letzte Ast</h2>
<p style="text-align: justify;">Mit einer Pinzette zieht er vorsichtig an beinahe jeder Feder der obersten Schicht, spürt nach, „wo sie hin will“, wo sie also eigentlich liegen müsste. So entstehen bräunlich-weiße Musterungen, die zuvor bei dem ganzen Waschen, Schleudern und Fönen durcheinander geraten sind. Die Gefiederflecken erinnern an einen knorrigen alten Baum, in dem die Waldohreule somit perfekt getarnt ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Sein letzter Ast wird dem Vogel erst in der nächsten Ausstellung unter die Krallen kommen. Noch sitzt er auf einem Holzklotz im Schraubstock – nach dem filigranen Federnlegen endlich „ganz relaxed aufgebutzelt“, wie Holger Rathaj es haben wollte. Am Ende des Arbeitstages wird klar: Immer etwas starr geradeaus schaut hier von dem langen blauen Tisch eine Eule, die zugleich keine mehr ist. Marx hätte wohl gesagt, dass der tote Vogel durch die lebendige Arbeit des Präparatoren in Bildungskapital für zukünftige Museumsbesucher umgewandelt wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Nur zehn Minuten Fußweg von Rathajs Werkstatt entfernt, starrt derweil der „Nischel“, wie die Chemnitzer ihren monumentalen Marx-Kopf nennen, düster entschlossen in die tiefer stehende Sonne. Ebenso entschlossen schaut auch der tote Museums-Bär. Und dann ist da natürlich noch der ausgestopfte Lenin, der seit über 90 Jahren leblos aufgebahrt auf dem Roten Platz in Moskau liegt. Der Sozialismus, so scheint mir, war für die Präparation der Toten eine wahre Blütezeit.</p>
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		<title>Schlüpf in die Ledersandalen!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jan 2015 23:47:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandra Stanic]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Marko Mestrovic]]></category>
		<category><![CDATA[serbische Folklore]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
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					<description><![CDATA[Das hier sind die Füße der Europameister in serbischer Folklore. Sie gehören dem Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien, der sich bei der Europameisterschaft in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, gegen 60 Konkurrenten durchgesetzt hat. Unsere Autoren haben die Tänzer begleitet und berichten, warum der Volksbrauch so wichtig für die serbische Gemeinschaft ist. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/schluepf-die-ledersandalen/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Das hier sind die Füße der Europameister in serbischer Folklore. Sie gehören dem Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien, der sich bei der Europameisterschaft in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, gegen 60 Konkurrenten durchgesetzt hat. Unsere Autoren haben die Tänzer begleitet und berichten, warum der Volksbrauch so wichtig für die serbische Gemeinschaft ist.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ein Mädchen in einer gold verzierten Tracht und mit buntem Haarschmuck aus Silberketten und Federn zieht sich gestrickte Socken über die Knie. Sie bindet lederne Sandalen um ihre Knöchel, streicht ihr Kostüm glatt. Ihr Name ist Suzana Todic, sie ist 19 Jahre alt und Folklore-Tänzerin bei dem serbischen Verein „Kud Stevan Mokranjac“ aus Wien.</p>
<p style="text-align: justify;">Um sie herum herrscht reges Treiben. In der einen Ecke der Garderobe stehen ein paar Jungs, schlüpfen in weiße, mit Blumen bestickte Hemden und helfen sich gegenseitig beim Festmachen des Bauchgürtels. Sie atmen tief ein und halten die Luft an, der Gürtel muss hauteng sitzen. Auf der anderen Seite probt eine Gruppe von stark geschminkten und in Trachten gekleidete Mädchen ein altes serbisches Volkslied.</p>
<p style="text-align: justify;">Suzana richtet sich auf, blickt strahlend in ihr Spiegelbild und erneuert ihren pinken Lippenstift. Bis sie so aussieht, wie es für den Auftritt gedacht ist, braucht sie mindestens eine Stunde. „Das Anziehen und Schminken geht eigentlich schnell, die Frisur kostet am meisten Zeit“, so die 19-Jährige. Obwohl der Gesang im Hintergrund eine beruhigende Wirkung hat, ist die Stimmung im Umkleidezimmer konzentriert und angespannt. Eine der Sängerinnen läuft nervös im Raum hin und her, übt immer wieder den Text ein. „Sie ist aufgeregt, weil sie zum ersten Mal auf der Bühne singen wird“, erklärt Suzana.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Folklore kann man sich in etwa so vorstellen: Eine Gruppe von traditionell gekleideten Mädchen und Jungen performt eine Show, die alte Bräuche widerspiegelt. Manchmal geht es um Hochzeiten, Festlichkeiten oder um ein Neugeborenes. Das Ganze ist kombiniert mit altertümlichem Gesang, Gedichten und einem Volkstanz, der je nach Region eine andere Schrittfolge hat.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Auch das Aussehen der Trachten ist abhängig von der Gegend. Folklore ist auf dem ganzen Balkan verbreitet und beinhaltet die Tradition verschiedener ethnischer Gemeinschaften. In Wien hat sich eine eigene Subkultur entwickelt. In der gesamten ex-jugoslawischen Community ist Folklore ein Bestandteil für die Aufrechterhaltung alter Werte, doch vor allem in der serbischen Szene ist der Volksbrauch wichtig. So gibt es fünf große serbische Vereine in Wien: Stevan Mokranjac, Karadjordje, Branko Radicevic, Bambi und Jedinstvo.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>„Kein simples Herumgeh</b><b>üpfe</b><b>“</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Suzana selbst tanzt seit zwei Jahren bei &#8222;KUD Stevan Mokranjac&#8220; im zehnten Wiener Gemeindebezirk. Der Klub bereitet sich für einen Auftritt beim serbischen Fernsehsender &#8222;RTS&#8220; vor. Mehrere Wiener Vereine sind anwesend, aber als Gewinner der diesjährigen Europameisterschaft in serbischer Folklore muss sich der Klub Stevan Mokranjac von seiner besten Seite zeigen. Im Herbst haben sie sich gegen insgesamt 60 Teilnehmer bei der EM in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina, bewiesen und sind nun zum zweiten Mal infolge Sieger.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Mit 99 Punkten von 100 möglichen erreichten sie die höchste Punkte-Vergabe in der Geschichte. Auf die Frage, wie sie das geschafft haben, antwortet der Choreograph des Vereins, Milorad Runjo, folgendes: &#8222;Ich verlange viel Disziplin, es gibt nur fünf Minuten Pause in dem zweistündigen Intensivtraining.&#8220; Das Training findet drei Mal die Woche statt, nur wer regelmäßig trainiert, darf auch mittanzen. Suzana erzählt, dass die Proben knallhart sein, die Tänzer müssten vollen Körpereinsatz zeigen. „Das ist kein simples Herumgehüpfe, nach zwei Stunden ist jeder von uns völlig erschöpft.“</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-serbische-folklore-wien-1" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-serbische-folklore-wien-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="160000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_tanzen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_sandalen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_mehrtanzen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_lippenstift-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_kostuem-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_guertel-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gruppe-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gesicht-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_anziehen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_singen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-serbische-folklore-wien-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_tanzen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_sandalen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_mehrtanzen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_lippenstift-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_kostuem-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_guertel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gruppe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_gesicht-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_anziehen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/stanic_wien_folklore_singen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>&#8222;Folklore ist ein Teil von mir&#8220;</b><b></b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Der 36-jährige Choreograph Milorad hat als Kleinkind mit Folklore begonnen und leitete mit 14 seine erste Gruppe. &#8222;Bist du einmal in den Sandalen, bleibst du ein Leben lang in ihnen&#8220;, sagt er lachend. Suzana besucht sein Training regelmäßig. Seit sie mit 12 Jahren mit Folklore angefangen hat, kann sie sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Die Tänzer touren oft durch ganz Europa, besuchen andere serbische Folklore-Vereine und tanzen bei verschiedenen Veranstaltungen. Die Reisen finanzieren sich die Tänzer selbst. &#8222;Ich identifiziere mich als Folklore-Tänzerin&#8220;, erklärt die junge Serbin. &#8222;Folklore ist einfach ein Teil von mir.&#8220; Der Großteil ihres Freundeskreises tanzt, die Mitglieder und der Verein sind eng miteinander verbunden.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Einer von Suzanas Tanzpartnern, Ivan Ban, kann ihr nur zustimmen. Seit vier Jahren tanzt der Schüler bei dem Verein Stevan Mokranjac. &#8222;Tanzen ist alles für mich, es ist wie eine Sucht&#8220;, beschreibt der 18-Jährige seine Folklore-Liebe. Während er redet, schlüpft er in eine bestickte Weste, zieht seine Strümpfe weiter hoch. &#8222;Mein Leben dreht sich um Folklore, alles andere ist nebensächlich&#8220;, sagt Ivan. Vielen anderen in seinem Alter scheint es genauso zu gehen. Allein in dem Klub Stevan Mokranjac tanzen über 200 Personen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Vor allem Kinder und junge Erwachsene haben Gefallen an der Tradition gefunden. &#8222;Sehr viele Eltern schicken ihre Sprösslinge zum Folklore, weil es ein sicherer Ort ist und so die serbische Tradition erhalten bleibt&#8220;, meint Sasa Bozinovic, stellvertretender Obmann des Vereins. Insgesamt gibt es fünf Gruppen, angefangen von den ganz Kleinen bis hin zu der Hauptgruppe. In der Hauptgruppe ist die Jüngste 15, der Älteste 25. Es gibt aber keine fixe Gruppe, die immer auftritt. Es kommt ganz darauf an, wer am besten tanzt, immer bei den Proben ist und wie viele Personen auf die Bühne sollen.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>Tracht, Schritt, Musik</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Der 45-jährige Stellvertreter erzählt weiter, dass der Gesamtwert der Trachten im fünfstelligen Bereich liegt. Es handelt sich um handgefertigte Einzelstücke, die am Balkan hergestellt wurden und bis zu 150 Jahre alt sind. Anhand der Kleidung erkennt jeder Folklore-Kenner, woher die vorgeführten Stücke stammen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Zwei weitere Kriterien sind die Schrittwahl und die Musik. So sieht man anhand dieser drei Dinge, aus welcher Region des Balkans der Tanz gewählt wurde oder ob es sich um kroatische, bosnische oder mazedonische Vereine handelt. Suzana bestätigt diese Aussage. &#8222;Wenn ich die Melodie eines Tanzes höre, weiß ich, was für eine Schrittfolge gewählt wird&#8220;, ist sie sich sicher.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Bei dem Auftritt für das serbische Fernsehen hat sich KUD Stevan Mokranjac für einen vlachischen Tanz entschieden, der aus der Region der serbisch-rumänischen Grenze stammt. Es bleiben noch 20 Minuten, bevor die Show beginnt. Die Mimik des Choreographen wird streng, er befiehlt der Sängerinnen-Gruppe ein letzte Probe. Nebenbei weist er ein paar Jungs zurecht, deren Kappen schief sitzen. Er zieht die Schürze eines Mädchens enger, richtet ihren Haarschmuck. Alle müssen perfekt aussehen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Er unterbricht die Sängerinnen, eine von ihnen kann den Text nicht ganz auswendig. Sie müssen von vorne anfangen. Danach ruft er: &#8222;Jungs und Mädchen, ich will euch nebeneinander stehen sehen!&#8220; Die Tanzpaare platzieren sich in der kleinen Garderobe, halten sich an den Händen. Die Mädchen strahlen über beide Backen, die Jungs blicken stolz ins Nichts.</p>
<h2 class="TextA" style="text-align: justify;"><b>Mehr als nur ein Hobby</b></h2>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Nach stundenlangem Warten und Vorbereiten ist es soweit: Die EM-Sieger sind an der Reihe. Als die Gruppe die Bühne betritt, stimmen die Musiker des Vereins mit Trommel, Ziehharmonika und Flöte die Melodie eines vlachischen Liedes an. 20 Personen bewegen sich in gleichem Tempo, die bunt bestickten Trachten der Mädchen schwingen in der Luft. Ledersandalen berühren kurz den Boden, bevor sie wieder in die Höhe schnellen.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Einer der Jungs pfeift zwischendurch, die Mädchen lachen übers ganze Gesicht. Die Melodie wird schneller, ein kurzer, hoher Schrei ertö<span lang="EN-US">nt w</span>ährend des Tanzes &#8211; alles Teil der Show. Das Publikum applaudiert, der Auftritt ist gut gelungen. Die Stimmung der Tänzer ist jetzt entspannt, sie marschieren direkt zur Garderobe, reden ausgiebig miteinander. &#8222;Ich kann es kaum erwarten, raus aus dieser Tracht zu sein&#8220;, sagt Suzana. &#8222;Sie ist zwar schön, aber nicht bequem.&#8220; Am nächsten Tag findet wieder eine Probe statt, der Verein muss sich für die nächsten Auftritte vorbereiten.</p>
<p class="TextA" style="text-align: justify;">Geld verdienen die Tänzer übrigens keins, aber darum geht es den Jugendlichen auch gar nicht. &#8222;Wir tanzen nicht, weil es nur ein Hobby ist oder weil wir Geld bekommen wollen&#8220;, erklärt die 19-Jährige. „Wir tanzen Folklore, weil es eine Verbindung zu unserer Tradition ist.“</p>
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		<title>Der Ruf der Steine</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2015 22:01:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Julien Menand]]></category>
		<category><![CDATA[Kulte]]></category>
		<category><![CDATA[Mark Heywinkel]]></category>
		<category><![CDATA[Sonnenwende]]></category>
		<category><![CDATA[Stonehenge]]></category>
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					<description><![CDATA[Niemand weiß, wer Stonehenge vor Tausenden von Jahren errichtet hat. Umso stärker wirkt heute die Anziehungskraft des mysteriösen Bauwerks in England. Vor allem zu den Sonnenwenden. Dann kommen Druiden und Schaulustige zusammen, um den Lauf der Sonne zu feiern.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/der-ruf-der-steine/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Niemand weiß, wer Stonehenge vor Tausenden von Jahren errichtet hat. Umso stärker wirkt heute die Anziehungskraft des mysteriösen Bauwerks in England. Vor allem zu den Sonnenwenden. Dann kommen Druiden und Schaulustige zusammen, um den Lauf der Sonne zu feiern.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Zeremonie beginnt kurz vor Sonnenaufgang. Eigentlich würde die Sonne nun genau zwischen zwei riesigen Megalithen aufsteigen. Denn die Steine von Stonehenge sind so angelegt, dass die Wintersonnenwende zum mystischen Spektakel wird. Doch leider ist es bewölkt. Und kalt. Und windig. Ein Mann, Ende 50, in weißem Baumwollgewand und mit Cowboyhut, lässt sich davon nicht die Stimmung vermiesen und setzt zu einer Ansprache an. „Willkommen!“, ruft er mit ausgebreiteten Armen und seine Zuhörer drängen näher heran, um trotz des starken Windes seine Worte zu verstehen. Immerhin ist der Cowboyhutträger ein Druide.</p>
<p style="text-align: justify;">Der keltische Kult der Druiden ist in Großbritannien als Religion anerkannt. Dessen Anhänger verehren Naturgottheiten wie Donner, Berge, Flüsse und die Sonne. Ihre Kultstätten sind die rund 100 englischen Henges (Steinkreise). Heute, am frühen Morgen des 22. Dezember 2014, fehlt ihrer bekanntesten Kultstätte Stonehenge neben der Sonne vor allem eines: Platz.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wie aus einem Fantasy-Film</h2>
<p style="text-align: justify;">Zwischen den fünf Meter hohen, grob geschlagenen Steinkolossen drängen sich Familien mit kleinen Kindern, junge Hipster, asiatische Touristen, ein Dutzend weiterer, in bunte Gewänder gehüllte Druiden – rund 6.400 Menschen sind in der frostigen Graslandschaft Wiltshires zusammengekommen, um gemeinsam die Wintersonnenwende zu feiern.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Gros der Besucher reckt aus einiger Distanz Smartphones und Tablets in die Höhe, um das Geschehen zumindest auf Band zu bannen. Eine Gruppe von Druiden entzündet ein Feuer, sie sind gehüllt in erdfarbene Kostüme wie aus einem Fantasy-Film. Andere setzen mit Trommeln zu einem steten Viervierteltakt an. Ein Duo spielt auf Saiteninstrumenten mittelalterliche Musik dazu.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann verebben die Klänge im kalten Wind und der Druide mit Cowboyhut hält eine Plädoyer für Weltfrieden und Zusammenhalt, das ebenso gut auf ein Hippie-Festival gepasst hätte. Am Ende bittet er seine Zuhörer, gemeinsam mit erhobenen Händen Liebe und Frieden in alle vier Himmelsrichtungen zu entsenden.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-stonehenge-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-stonehenge-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-stonehenge-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-stonehenge-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="6000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_02.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Kurz vor den Sonnenaufgang des 22. Dezember 2014 sind etwa 6400 Schaulustige in Stonehenge zusammengekommen, um das Ende der längsten Nacht des Jahres zu feiern.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9711.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Eine Besucherin auf Tuchfühlung mit den Steinen. Nur zu den Sonnenwenden ist es erlaubt, die Megalithen zu berühren.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9737.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Eine Gruppe von neuzeitlichen Druiden tauscht sich nach der Veranstaltung aus. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9768.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Entgegen der allgemeinen Vorstellung vom Druiden als alten Mann mit langem Bart, gibt es auch weibliche Druiden.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9849.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">"Die Steine haben mich gerufen", erklärt eine junge Druidin in die Kamera eines TV-Teams.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9757.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein Mädchen sitzt zwischen den Steinen und wundert sich, was die Erwachsenen für einen Bohei machen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_03.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Trommeln zum Fest: Dank des starken Windes sind die Klänge der Druidenzeremonie schon aus der Ferne zu hören.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_05.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Liebe in alle Richtungen: Die Gäste und Druiden senden "Love and Peace" in alle vier Himmelsrichtungen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_06.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Trotz des Bartes kein Druide: Zwei hippe Engländer schießen Schnappschüsse vom Wintersonnenwende-Event.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_07.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Amelia May Heath (rechts) hat in der Menge der Stonehenge-Besucher eine Beifahrerin für ihren Weg nach Bristol gefunden.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_10.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Zwei junge Britinnen haben sich für ihren Ausflug nach Stonehenge als Druidinnen verkleidet.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9707.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Über Stonehenge geht die Sonne auf, doch hinter den dicken Wolken über Wiltshire ist sie nur zu erahnen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9779.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gut gewappnet: Einige Besucher des Events haben sich für den kalten Morgen vorsorglich mit warmem Tee und Tassen ausgestattet.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9667.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein paar Besucher sind bereits einen Tag früher angereist, um auf den umliegenden Äckern zu zelten und zu feiern.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9673.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Camper haben den Kaffeeverkäufer Camden angelockt: Er tourt mit seinem Bulli durch England, um bei Festivals Heißgetränke zu verkaufen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_09.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Druidin Charlotte kommt nach dem Event an den Steinen zur Ruhe. Seit zehn Jahren kommt sie her, um die Kraft Stonehenges zu spüren.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_11.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Für die Kinder werden die Steinzeitbrocken schnell zum Klettergerüst. Während der regulären Öffnungszeit wäre das streng verboten.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-stonehenge-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_02-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9711-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9737-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9768-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9849-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9757-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_03-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_05-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_06-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_07-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_10-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9707-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9779-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9667-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/MG_9673-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_09-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Stonehenge_11-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Als schließlich statt goldenen Strahlen nur mageres Sonnenlicht durch die Megalithen bricht und sich die Silhouette Stonehenges allmählich vom dem tristen Grün-Grau der Landschaft löst, stimmen die Druiden mit ihrer Gemeinde in die Worte “So mote it be” ein. Die keltische Version des “Amen” in der Kirche. Die längste Nacht des Jahres ist zu Ende. Eine neue Sonne ist geboren.</p>
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                                                    <p class="aesop-character-cap"> Amelia May Heath: Meine Mutter ist eine Hexe.</p>
                        
                        
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<p style="text-align: justify;">Die gebürtige Bristolerin Amelia May Heath kennt viele solcher Druidenriten. “Meine Mutter ist eine Hexe“, erzählt die 22-Jährige mit den weißblonden Haaren. „Sie hat mir immer die Wahl gelassen, ob ich mich mit ihrem Glauben auseinandersetze.“ Daher weiß Amelia einiges über den Glauben der neuzeitlichen Druiden an die Wiedergeburt oder mystische Naturkräfte, und sie kennt die wilden Geschichten über die Herkunft der Druiden aus Atlantis und ihre vermeintlich seherischen Fähigkeiten. „Meine Mutter glaubt an vieles davon, im Bekanntenkreis hilft sie als Heilerin und feiert ab und zu auch die Feste der Druiden“, sagt Amelia. Sie selbst könne dem Ganzen aber nicht viel mehr als Neugier abgewinnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ihre Neugier reicht allerdings so weit, dass die Geschichtsstudentin des renommierten King&#8217;s College mitten in der Nacht aufgestanden ist, um in ihrem silbernen Kleinwagen zwei Stunden von London nach Stonehenge zu tingeln. „Ob man nun spirituell ist oder nicht, Stonehenge ist in jedem Fall ein besonderer Ort“, meint Amelia. Und obwohl sie bereits für ihr Studium das Unesco-Weltkulturerbe ausgiebig erkundet hat, schlängelt sie sich auch bei der Veranstaltung zur Wintersonnenwende in aller Ruhe durch die Touristenscharen, um das Megalithwerk von allen Seiten zu begutachten. Annähernd fünf Meter ragen die massiven Steinkolosse empor – geheimnisvolle Relikte einer Epoche Großbritanniens, über die trotz intensiver Forschung noch immer wenig bekannt ist. Inspirationsquelle für fantastische Geschichten. Projektionsfläche für die krudesten Theorien. Vor allem am heutigen Tag.</p>
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<h2 style="text-align: left;">Nicht berühren! Nicht besteigen!</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach der Zeremonie verharrt der Großteil der Schaulustigen in der Kälte, um Stonehenge zu bestaunen – und es ausgiebig anzufassen. Denn normalerweise herrschen hier strenge Regeln: Hunde sind verboten, Müll darf auf dem Gelände um die Steinkreise nicht entsorgt werden. Enttäuscht sind viele Besucher über den Passus der Hausordnung, der ihnen verbietet, den Steinen zu nah zu kommen oder sie gar anzufassen. Knapp eine Million Gäste reist jedes Jahr an, um das von einem schulterhohen Zaun geschützte Weltkulturerbe zu besichtigen. Umgerechnet etwa 17 Euro müssen Stonehenge-Besucher für den Zaunblick bezahlen.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber heute ist alles anders. Zur Sommer- und Wintersonnenwende lockert die English Heritage, die sämtliche historische Bauten in Großbritannien verwaltet, ihre Regeln. Dann öffnet sie das seit 1901 eingezäunte Gelände, der Eintritt ist nun frei und kostenlos. Und das Security-Team aus Museumsmitarbeitern, Freiwilligen und abgestellten Polizisten ahndet Vergehen gegen die Hausordnung mit nachlässiger Gleichgültigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Zur Sommersonnenwende 1972 hat die Heritage erstmals zur gemeinsamen Feier geladen, seitdem haben sich die Events zu den Sonnenwenden zu Touristenattraktionen entwickelt. Beim Sommerevent herrschen gar Festival-artige Zustände: Im vergangenen Jahr kamen über 30.000 Menschen zusammen, campten auf den nahegelegenen Äckern, tranken und feierten.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei der Wintersonnenwende geht es wesentlich gediegener zu. Viele Touristen posen fröstelnd für Erinnerungsfotos an den verwitterten Steinen. Einige klettern ungehindert auf ihnen herum. Erst als ein paar Wagemutige versuchen, ein Stück als Souvenir aus den Doleriten der Bronzezeit herauszubrechen, schreitet die Security ein.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wenig Fakten, viele Theorien</h2>
<p style="text-align: justify;">Amelia hält respektvolle Distanz zu den Steinen. „Ich habe sie einmal angefasst, das reicht mir“, sagt sie. „Ich muss jetzt nicht auch noch darauf rumklettern.“ Lieber wandelt sie zwischen den Touristen umher, um deren Gespräche zu belauschen. Wer Stonehenge besucht, scheint automatisch inspiriert zu sein, eigene Theorien zur Bedeutung des Steinkreises zu entwickeln. Ein paar von dicken Outdoor-Jacken geschützte Mittdreißger witzeln, jeden Moment könne ein Ufo landen, um sie alle einzusammeln. Ein älterer Herr mit Kappe tippt auf das Ziffernblatt auf seiner Uhr, um gespielt erleichtert ein „Die Welt ist ja immer noch nicht untergegangen?“ auszustoßen. Ein Druidin mit Efeukranz auf dem Kopf erklärt einem Kamerateam, Stonehenge habe eine magische Wirkung auf sie. „Die Steine haben mich gerufen. Es ist ein innerer Drang, hierher zu kommen.“</p>
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		</div>

		
<h2 style="text-align: justify;">5.000 Jahre alt</h2>
<p style="text-align: justify;">Amelia meint, sie sei zu sehr rationale Wissenschaftlerin, als dass sie sich eine eigene Theorie zu Stonehenge aus den Fingern saugen würde. Wie die Steine aus den 240 Kilometer entfernten Preseli Hills ihren Weg nach Wiltshire gefunden haben, wer sie dorthin gebracht hat und zu welchem Zweck, ob als frühes Observatorium, reine Grabanlage oder Opferstätte &#8211; all diese Fragen hat die Wissenschaft bislang nicht eindeutig beantwortet. Inzwischen datieren Forscher den Ursprung Stonehenges auf 3.100 vor Christus. Die noch heute sichtbaren Steine sind vermutlich bis 2.000 v. Chr. errichtet worden.</p>
<p style="text-align: justify;">Eines zumindest ist klar: Die Erbauer legten die Steine so an, dass sich der Stand von Sonne und Mond im Lauf der Jahreszeiten verfolgen ließ. Die Steinzeitmenschen, so vermuten Wissenschaftler, konnten so die Jahreszeiten einteilen und den Ackerbau planen. Die beiden Sonnenwenden im Jahr, die den tiefsten und höchsten Abstand der Sonne vom Horizont markieren, sind dabei ganz besondere Ereignisse. Ob hier allerdings Menschen den Göttern geopfert oder selbsternannte Magier am Werk waren, das ist reine Spekulation.</p>
<p style="text-align: justify;">Sicher ist nur, dass die alten Druiden, deren selbsternannte Nachfolger sich hier gerade als Hüter der Zeremonie geben, mit dem Bau von Stonehenge nichts zu tun hatten. Ihre Bewegung war erst im zweiten Jahrhundert vor Christus entstanden, später von der Christianisierung verdrängt und erst im 16. Jahrhundert von britischen Gelehrten wieder zum Leben erweckt worden. Den Touristen ist es egal, sie feiern den Druiden mit dem Cowboyhut.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ufologen, Touristen und Hipster</h2>
<p style="text-align: justify;">Noch lange nach dem Sonnenaufgang umkreisen die Druiden die Steine und legen mit geschlossenen Augen Hand an die vermeintlichen spirituellen Energiequellen, um zu innerer Ruhe zu finden. Ein paar Mitzwanziger haben sich im Windschatten der Kolosse niedergelassen, um Joints zu drehen. Kinder haben einen umgestürzten Stein zu ihrem Klettergerüst erklärt. Mit der Zeit kommen viele von ihnen ins Gespräch: Ufologen halten fröhlichen Smalltalk mit Touristen. Angeschäkerte Hipster tanzen Hand in Hand mit Yuppies in Treckingklamotten um die Steine herum.</p>
<p style="text-align: justify;">“Ich mag diese sehr offene, herzliche Atmosphäre”, sagt Hexen-Tochter Amelia. “Stonehenge erfüllt trotz der vielen Jahrhunderte Geschichte vermutlich immer noch den gleichen Zweck: Die Neugier bringt die Menschen zusammen.“ In bestimmten Zeiten sollen 40 Prozent der damals noch bedeutend kleineren britischen Bevölkerung hergepilgert sein, um die Sonnenwenden zu feiern. Jetzt reisen Menschen von überall her an, um zusammen zu rätseln.</p>
<p style="text-align: justify;">Um kurz vor zehn Uhr wird das Miteinander beendet. Die Security geleitet die Besucher nach und nach vom Gelände, damit der reguläre, kostenpflichtige Museumsbetrieb fortgesetzt werden kann. Amelia wandert zurück zu ihrem Auto. Keine höhere Erkenntnis ist über sie gekommen. Kein Druide hat ihr einen Wundertrank gereicht. Kein Ufo hat sie abgeholt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dafür ist sie mit zwei Trampern ins Gespräch gekommen, die über die Weihnachtsfeiertage auch nach Bristol fahren wollen. “Ich nehme sie jetzt mit”, sagt Amelia und strahlt. “So spare ich zumindest ein bisschen Spritgeld.” Und sie hat jemanden, mit dem sie noch ein bisschen länger das Geheimnis von Stonehenge diskutieren kann.</p>
<div class="anzeige"><a href="http://hisalisbury-stonehenge.co.uk/?gclid=CICYx7zencMCFanMtAodHk8AqA" target="_blank"><img src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/holiday-inn-stonehenge.jpg" alt="" width="160px" align="left" border="0" /></a><br />
<a href="https://www.germanwings.com/de.html" target="_blank"><img src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/Germanwings.jpg" alt="" width="160px" align="left" border="0" /></a></p>
<p class="anzeigentext">Diese Reportage konnte Dank der Unterstützung von <a href="http://hisalisbury-stonehenge.co.uk/?gclid=CIa75IHgncMCFQHJtAodIiMA-Q" target="_blank"><strong>Holiday Inn Salisbury-Stonehenge</strong></a> und <a href="https://www.germanwings.com/de.html" target="_blank"><strong>Germanwings</strong></a> entstehen. Damit war keinerlei Einflussnahme auf die Berichterstattung verbunden.</p>
<p class="anzeigentext">
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		<title>Einmal durch den Schlamm, bitte!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Oct 2014 22:41:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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					<description><![CDATA[Marathon, Triathlon, Ironman: Es gibt zahlreiche Sportwettkämpfe in denen sich Männer wie Frauen selbst beweisen können wie ausdauernd, schnell und stark sie sind. „Tough Mudder“ will anders sein. Hier geht es nicht um Einzelkämpfer, sondern Teamarbeit. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/tough-mudder-einmal-durch-den-schlamm-bitte/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Marathon, Triathlon, Ironman: Es gibt zahlreiche Sportwettkämpfe in denen sich Männer wie Frauen selbst beweisen können wie ausdauernd, schnell und stark sie sind. „Tough Mudder“ will anders sein. Hier geht es nicht um Einzelkämpfer, sondern Teamarbeit.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Stromkabel hängen wie ein Lianendickicht von oben herab. 10.000 Volt sollen durch die hellen Weidezaundrähte fließen. Es ist die letzte Hürde auf einem 18 Kilometer langen Hindernislauf. Nur wenige Meter trennen die Läufer an dieser Stelle noch vom Ziel. Gemeinsam rennen die „Drei Wetter Toughs“ hinein in die sogenannte „Electroshock Therapy“. Zwei schaffen es, einer fällt. Stromschläge knocken den 28-Jährigen für einen kurzen Moment aus und lassen ihn mit dem Gesicht im Schlamm wieder zu sich kommen.</p>
<p style="text-align: justify;">An dieser Stelle gibt es berechtigte Fragen: Wieso machen drei junge Männer so etwas mit? Wieso nehmen sie an einem Rennen teil, bei dem es darum geht, freiwillig durch Schlamm zu kriechen, in Eiswasser zu tauchen und seinen Körper Stromschlägen auszusetzen?</p>
<p style="text-align: justify;">Alles begann zwei Monate zuvor, im August 2014. Im Internet stieß Philipp auf den Hindernislauf. In seinem Freundeskreis sucht er nach Mitstreitern. Nach diversen Absagen und Apellen an seinen geistigen Zustand, findet er zwei, die sich trauen. Daniel und Michael. Gemeinsam melden sie sich als das „Drei Wetter Tough“-Team an. Das Ziel ist bei den dreien das gleiche &#8211; den Parcours bewältigen – ins Ziel kommen. Da sie nicht in ein und derselben Stadt wohnen, bleibt ein gemeinsames Training aus.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-tough-mudder-bei-hamburg-3" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-tough-mudder-bei-hamburg-3 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-tough-mudder-bei-hamburg-3 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-tough-mudder-bei-hamburg-3 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Eiswasser_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_schwur_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Teilnehmer beim Tough Mudder-Lauf in Basthorst, in der Nähe von Hamburg, sprechen vor dem Start den heiligen Schwur - das Tough-Mudder-Ehrenwort. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_kuscheln_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nach dem Schwur gibt es noch einmal eine Umarmung und dann ... © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">... geht es auch schon los. 18 Kilometer Laufstrecke und 23 Hindernisse warten auf die Sportler. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Eiswasser_auftauchen_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Philipp (r.), Daniel (l.) und Michael durchtauchen das mit Eiswürfeln gefüllte Becken. Die Temperatur liegt bei vier Grad. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_raus_Eiswasser_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Sichtlich durchgefroren steigen Philipp (v.) und Michael (h.) aus dem Eiswürfelbecken. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matschdreijungs_ende_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">"Double Mud Mile": Philipp versucht geschickt mit Sprüngen, die schlammigen Gräben zu umgehen. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_jungs_2_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Es gelingt ihm aber nur zum Teil. Beim letzten Sprung landet er in der Grube und muss sich aus dem Modder rauskämpfen. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_5_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ohne Hilfe ist es jedoch meistens fast unmöglich, sich allein aus dem Matsch zu befreien. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_jungs_schwung_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">"Hangin' Tough": An diesem Hindernis scheitern alle drei. Auch wenn Michael (an dem Ring) es fast geschafft hätte. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_wasser_jungs_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein Bad im Wasser unter den Ringen bleibt unausweichlich. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_frau_ausgang_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nur wenige schaffen dieses Hindernis. Für die meisten Teilnehmer endet der Versuch im Wasser. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_typ_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">"Electric Eel": Die Drähte sind geladen und verpassen jedem, der sie berührt, einen Schlag. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Es ist schier unmöglich, ohne einen Stromschlag durch dieses Hindernis zu gelangen. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_3jungs_laufen_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nach dem Eletric Eel liegen noch neun Kilometer und weitere elf Hindernisse vor Philipp (r.), Daniel (l.) und Michael (M.). © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_mount_sprinten_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der "Everest": Nach fast 18 Kilometer laufen und 20 Hindernissen, gelangen die Teilnehmer an eine Quaterpipe. Mit einem kurzen Sprint ... © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_everest_1_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">... und der Hilfe von anderen "Muddern", ist diese Hürde zu schaffen. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_schild_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">"Electroshock Therapy" ist das letzte Hindernis bei diesem Tough Mudder-Lauf. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_trupp_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Bis zu 10.000 Volt sollen durch die Drähte fließen. Ein Stromschlag fühlt sich schlimmer an, als ein Schlag von einem Weidezaun. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Stromtherapie_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Philipp versucht sich geschickt, durch die Drähte zu schlängeln. Es gelingt ihm nicht ganz. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Ziel_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Philipp (M.), Daniel (l.) und Michael (r.) haben es geschafft. Direkt nach dem Ziel bekommen sie orange Stirnbänder verliehen. © Oliver Alegiani</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-tough-mudder-bei-hamburg-3-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Eiswasser_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_schwur_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_kuscheln_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Eiswasser_auftauchen_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_raus_Eiswasser_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matschdreijungs_ende_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_jungs_2_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_5_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_jungs_schwung_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_wasser_jungs_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_frau_ausgang_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_typ_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_3jungs_laufen_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_mount_sprinten_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_everest_1_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_schild_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_trupp_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Stromtherapie_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Ziel_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Flo, der Einschreier</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Zwei Monate später stehen die drei gemeinsam mit etwa Hundert anderen Teilnehmern in Basthorst, in der Nähe von Hamburg, auf einem Feld und lassen sich von Flo, ihrem Einschreier, auf die bevorstehende Strecke einstimmen. Vorfreude, Aufregung und Nervosität machen sich in ihnen breit.</p>
<p style="text-align: justify;">Flo treibt die Meute an, zuerst kommen ein paar Aufwärmübungen: Kniebeugen, Liegestützen und auf der Stelle Laufen. Mit stadiontauglichen Sprechchören wie „when I say Tough, you say Mudder: Tough Mudder!“ heizt der Einschreier die Laune der Teilnehmer weiter an. Und immer wieder bläut Flo der Läufergemeinde ein: Bei Tough Mudder gehe es nicht um den Sieg und die beste Zeit. Das wichtigste sei die Teilnahme im Team und der Spaß.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dieser großen Portion Motivation und Teamgeist muss das erste Hindernis, eine mannshohe Holzwand, überwunden werden – nur so zur Einstimmung und noch vor dem Startschuss.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Tough Mudder als Ersatzreligion</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Wer nun erwartet, dass als nächstes der Lauf beginnt, täuscht sich. Flo hüpft in seinem orang-schwarzen Outfit behände auf ein Podest aus Autoreifen und lässt die Teilnehmer im Startbereich niederknien. Die „Drei Wetter Toughs“, ebenfalls auf ihren Knien, sprechen gemeinsam mit dem Rest der Gemeinde den heiligen Schwur der Tough Mudder.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie geloben, dass dies kein Rennen sei, sondern eine Herausforderung. Dass Teamgeist und Teamwork Vorrang vor der eigenen Streckenzeit haben. Dass sie nicht jammern werden, denn das sei etwas für Kinder. Zudem versprechen sie, ihren Mudder-Kollegen zu helfen und alle Ängste zu überwinden.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach gibt es eine Runde Umarmen in der Gruppe. Die Teilnehmer schauen sich verstohlen um und kichern etwas verlegen. Mancher wischt sich noch die Hände ab, um sie von Schmutz zu säubern. Es scheint ihnen noch nicht so richtig klar zu sein, dass dieser Dreck in den nächsten dreieinhalb Stunden ihre geringste Sorge sein wird.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Der Sprung ins kalte Wasser </strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Das Wetter meint es gut mit den Läufern. Es ist zwar bewölkt, aber die Temperaturen sind angenehm für Mitte Oktober. Kein Regen und kaum Wind. Und dann kommt der große Moment: 11:20 Uhr – das Startsignal! Eingenebelt in orangen Rauch läuft die so eben eingeschworene Gemeinde los. Leichtfüßig begeben sie sich auf einen Parcours, der jeden Einzelnen an seine Grenzen treiben wird – aber noch haben sie ein Lächeln im Gesicht. So auch Philipp und seine beiden Freunde.</p>
<p style="text-align: justify;">Das erste Hindernis entpuppt sich als einfache Übung. Es geht über ein paar Heuballen hinweg. Doch schnell wird klar woher das Rennen seinen Namen hat: Das zweite Hindernis heißt „Kiss of Mud“. Der Name ist Programm. Die Teilnehmer müssen bäuchlings unter Stacheldraht durch Schlamm hindurch robben. Für die „Drei Wetter Toughs“ ist es eine leichte Übung. Einziger Nachteil: Nun sind sie durchnässt und mit Modder bedeckt. Es warten noch 21 weitere Hindernisse auf sie.</p>
<p style="text-align: justify;">Gemeinsam kommen Philipp, Daniel und Michael beim nächsten Hindernis an. Es ist 11:37 Uhr. Sie wussten, dass es an der dritten Station kalt werden würde. Hieß es doch im Vorfeld, dass im „Artic Enema“ vier Grad kaltes Wasser auf die Teilnehmer warten würde. Aber Philipp hatte seine Bedenken, ob es die Veranstalter wirklich schaffen würden, dass Wasser auf diese Temperatur abzukühlen. Doch sein erster Blick in das Becken lässt ihn erstaunen. Es ist gefüllt mit Eiswürfeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit den Füssen zuerst steigen die drei in das Becken. Die Kälte zieht sofort in ihre Knochen. Besonders schlimm wird es, als sie mit dem Kopf unter einer Planke durch das eiskalte Wasser tauchen müssen. Michael bekommt das Gefühl sein Gehirn wird schockgefroren und hat nur einen Wunsch: so schnell wie möglich raus aus dem Becken. Mit einem lauten Schrei taucht er auf der anderen Seite der Planke aus den Eiswürfeln wieder auf. Sein Körper fühlt sich taub an. Doch nachdem sie das Eiswasserbecken hinter sich haben, kehrt das Gefühl wie auch das Lächeln langsam wieder zurück und es kann weitergehen.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Wer stecken bleibt, kommt alleine nicht mehr raus</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Die Grundidee für Tough Mudder kam dem Briten Will Dean bei einem Marathonlauf. Auf der Strecke versuchte er, seine Jacke zu öffnen. Doch der Reißverschluss klemmte. Als er versuchte, Hilfe von den anderen Teilnehmern zu bekommen, wurde er bitter enttäuscht. Der mangelnde Teamgeist wurmte Dean und er beschloss ein Hindernisrennen zu entwickeln, bei dem es genau darauf ankommt. Gemeinsam mit Guy Livingston gründete er dann Tough Mudder. Die Strecke für den Lauf wurde nach dem Vorbild der Trainingscamps für Elitesoldaten gebaut – kein Wunder, war doch Dean selbst einmal bei den britischen Spezialkräften.</p>
<p style="text-align: justify;">Als die beiden dann ihr Konzept 2009 bei einem Wettbewerb der Harvard Business School vorstellten, war im Halbfinale Schluss. Denn als sie erklärten, dass sie rund 4.000 Teilnehmer für ihre Veranstaltung brauchten, winkte die Jury ab &#8211; zu unrealistisch. Sie ließen sich trotzdem nicht von ihrem Plan abbringen und richteten im folgenden Jahr das erste Rennen in den USA aus. Vier Jahre später überzeugt Tough Mudder mit 60 Events in sieben verschiedenen Ländern.</p>
<p style="text-align: justify;">Am heutigen Wochenende laufen etwa 8000 Männer und Frauen verteilt auf diverse Startergruppen beim ersten Tough Mudder-Rennen in Norddeutschland mit. Etwa 75 Prozent der Teilnehmer werden das Ziel erreichen. Am Ende werden viele mit Schrammen, Kratzern und anderen Blessuren aus dem Rennen gehen. Und natürlich mit Schlamm überzogen sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Richtig dreckig wird es in der „Double Mud Mile“. Hier müssen die Teilnehmer über rutschige und matschige Hügel und durch tiefe schlammige Gräben kommen. Es gibt niemanden, der aus dieser Nummer sauber rauskommt. Und jeder, der in einem Graben versackt, schafft es nur mit der Hilfe von anderen wieder raus. Philipp, Daniel und Michael hüpfen, krabbeln und ziehen sich gemeinsam durch die Mühle.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Ein bitterer Vorgeschmack aufs Ende</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen die drei das „Electric Eel“. Bisherige Bilanz: Sie mussten sich durch noch mehr Schlamm kämpfen, über eine vier Meter hohe Holzwand klettern, an Ringen über einem Wasserbecken entlang hangeln und durch eine halb mit Wasser gefüllte schmale Röhre kriechen. Die drei sind durchnässt, von oben bis unten mit Modder beschmiert und das Lächeln ist nur noch halb zu sehen. Aber sie haben immerhin schon die Hälfte der Strecke und elf Hindernisse geschafft. Es ist 12:54 Uhr.</p>
<p style="text-align: justify;">Die zwölfte Station hat es aber in sich. Erneut müssen Philipp und seine Freunde auf dem Bauch durch den Schlamm robben. Was für sich genommen, keine Herausforderung mehr für die drei ist – nach allem was sie bisher schon bewältigt haben. Doch dieses Hindernis hat eine besondere Eigenheit. Statt Stacheldraht gibt es dieses Mal Drähte, die von oben herab hängen und bei Berührung Stromschläge austeilen.</p>
<p style="text-align: justify;">Schnell ist den drei Freunden klar: Hier geht es um Schnelligkeit. Sie robben so schnell es geht durch den Schlamm. Jedes Mal wenn einer von ihnen einen Draht berührt, knackt es und ein Stromschlag durchfährt sie. Schmerzverzerrt kommen die jungen Männer auf der anderen Seite wieder zum Stehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Von nun an wissen die drei was ihnen am Ende der Strecke blüht. Neun Kilometer Strecke und zehn Hindernisse liegen noch zwischen Philipp, Daniel und Michael und der „Electroshock Therapy“, dem letzten Hindernis des Parcours. Und wie sich die Stromschläge anfühlen, ist ihnen jetzt klar. Es ist viel schlimmer, als an einen Weidezaun zu fassen.</p>
<h2 style="text-align: left;"><strong>Electroshock Therapy</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Um 14:28 Uhr liegt das letzte Hindernis vor ihnen. Bedrohlich hängen die Kabel von oben herab. Philipp, Daniel und Michael stehen nebeneinander. Hinter der „Eletroshock Therapy“ liegt das Ziel. Nur noch dieses eine Hindernis müssen sie bewältigen und dann haben sie es geschafft. Warme Klamotten, Dusche und Bier warten auf sie – auf der anderen Seite des Hindernisses. Gemeinsam laufen sie los. Philipp hält sich links, versucht geschickt ohne Berührung durch die Kabel durchzuschlüpfen. Daniel läuft rechts, mit den Armen vor dem Kopf, gerade durch. Michael versucht sein Glück in der Mitte, ebenfalls mit den Armen vor dem Kopf.</p>
<p style="text-align: justify;">Alle drei Laufen. Philipp schlängelt sich durch, Daniel schafft es mit Schnelligkeit. Doch etwa nach der Hälfte der Strecke erwischt es Michael. Er berührt ein Kabel, ein Stromschlag trifft ihn, er strauchelt und fällt zu Boden. Erst mit der Nase im Schlamm kommt er wieder zu Bewusstsein. Robbt unter den Kabeln aus dem Hindernis raus. Hier helfen ihm Philipp und Daniel auf. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Michael fehlen nur ein paar Erinnerungen an den Sturz, sonst nichts. Weiter geht es, das Ziel liegt direkt vor ihnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach etwas mehr als drei Stunden voller Qual, Kälte, Dreck und Wasser – nach 18 Kilometern Laufstrecke und 23 Hindernissen haben es die „Drei Wetter Thoughs“ gemeinsam geschafft. Zitternd, erschöpft und mit einem breiten Grinsen freuen sie sich über ihre Leistung. Und das ist alles, was für die drei Freunde zählt.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-tough-mudder-zusatz-4" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-tough-mudder-zusatz-4 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-tough-mudder-zusatz-4 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-tough-mudder-zusatz-4 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="4000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_2_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_vierergruppe_laufen_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_zusammenstoss_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_frau_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img 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class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_1_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_mount_krampf_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_mount_hochhelfen_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_jungs_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matschdreijungs_ende_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_eingesunken_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_4_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_dreijungs_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_4_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_Matsch_3_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_matsch_2_alegiani.jpg" alt="" 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class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_funky_monkey_1_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_im_Eiswasser_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img 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Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_dreijungs_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_boa_typ_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_boa_frau_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_boa_2frauen_1typ_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_jungs_alegiani.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">© Oliver Alegiani</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-tough-mudder-zusatz-4-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_ringe_2_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_vierergruppe_laufen_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_therapy_zusammenstoss_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/Deutschland_toughmudder_hamburg_strom_robben_frau_alegiani-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img 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		<title>Bis die Finger bluten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2014 11:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Philipp Guelland]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Bayern lieben ihre Traditionen und pflegen sie mit Hingabe, auch wenn das zuweilen Leidensbereitschaft erfordert – etwa bei der 55. Deutschen Meisterschaft im Fingerhakeln. Hier zählt nur eine Frage: Wer ist der Stärkste? <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/bis-die-finger-bluten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Die Bayern lieben ihre Traditionen und pflegen sie mit Hingabe, auch wenn das zuweilen Leidensbereitschaft erfordert – etwa bei der 55. Deutschen Meisterschaft im Fingerhakeln. Hier zählt nur eine Frage: Wer ist der Stärkste?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Warm ist es im Festzelt am Wittelsbacherpark. Der Geruch von Leberkas und Brathendl liegt in der Luft, dazu Tabak, Bier und Blasmusik. Langsam füllt sich der Raum unter dem großen weißen Zeltdach. Menschen in Tracht nehmen an Biertischen unter Kunsttannen-Girlanden Platz. Wohin ich auch schaue: Dirndl, Lederhosen, Wadlwärmer, Trachtenschmuck. Fesche Madln und gestandene Mannsbilder, davon viele mit Bart, Bauch und Bizeps.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Bühne ist bereitet, die Spiele können beginnen. An einem Sonntagvormittag im August beginnt in Garmisch-Partenkirchen ein Kraftwettkampf, der bayrischer nicht sein könnte. Fingerhakeln. An einem festgeschraubten Tisch sitzen sich die zwei „Hakler“, etwa gleich schwere Kontrahenten, auf Hockern gegenüber und versuchen sich gegenseitig hinüber zu ziehen. Dazu stecken sie ihre austrainierten und mit Magnesiapulver bestäubten Mittelfinger durch einen Lederring von etwa zehn Zentimetern Durchmesser.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-fingerhakeln-5" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-fingerhakeln-5 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-fingerhakeln-5 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-fingerhakeln-5 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="4000000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_09.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Geschafft! Anton Baders Freude über den Meistertitel im Mittelgewicht ist grenzenlos. Die Gelassenheit seines Auffängers auch. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_08.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Zuvor hatte Bader im Finale acht Sekunden lang alles gegeben. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_06.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Zu Beginn eines Kampfes suchen die Kontrahenten unter Aufsicht des Schiedsrichters Halt im Lederring.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_10.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gespannt wartet das Publikum auf den Start. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_05.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Und dann beginnt ein schmerzhaftes Ringen um jeden Zentimeter. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_04.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Verlierer wird "über den Tisch gezogen". Daher stammt auch die Redensart. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_01.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Früh übt sich, wer ein großer Fingerhakler werden will: im Trainingslager "Fliegengewicht". Um Verletzungen zu vermeiden, lernt der Nachwuchs auch wie wichtig die Vorbereitung ist. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_02.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Etwa das warm Föhnen der Hände und das Einpudern mit Magnesium. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_03.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Oder das Aufwärmen mit Fußhilfe und umgebauten Expandern. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_07.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Trotz guter Vorbereitung kommt es immer wieder zu blutigen Fingern, die beim Wettkampf schnell verarztet werden müssen. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_11.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch für ihn hat sich das Durchhalten gelohnt: Josef Utzschneider ist wieder deutscher Meister im Schwergewicht. Trotzdem hat Finalverlierer Michael Kölbl noch genug Sportsgeist für ein Lächeln übrig. © Philipp Guelland</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_12.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Prost. Ein Bayer trinkt am Liebsten aus dem Siegerpokal. © Philipp Guelland</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-fingerhakeln-5-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_09-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_08-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_06-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_10-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_05-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_04-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_01-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_02-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_03-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_07-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_11-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/fingerhakeln_PGU_12-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;"> &#8222;Ohne Leidensfähigkeit geht in diesem Sport nichts.&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;"> Als ich die Teilnehmer bei ihren Vorbereitungen beobachte, wird mir klar: Das hier ist ernst, keine Touristengaudi und kein Kirmesboxen. Hier geht es wirklich um Tradition, Männlichkeit, und um Sieg oder Niederlage. Hinter der Bühne: Tracht und Tunnelblick, überall konzentrierte Gesichter. Finger werden geknetet und aufgewärmt, gepulvert und geföhnt. Für Bier und Brathendl ist jetzt noch keine Zeit, erst wird gekämpft.</p>
<p style="text-align: justify;">Ohne Leidensfähigkeit geht in diesem Sport nichts, denn das Zerren am Lederring verursacht Dehnungsschmerzen an Finger, Hand und Arm. Oft reißt die punktuelle Belastung auch die Haut am Hakelfinger auf. Immer wieder sehe ich Teilnehmer mit blutenden Fingern von der Bühne kommen und Richtung Sanitäter gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Fingerhakler, erfahre ich von Mitorganisator Hubert, trainieren gezielt für ihren Sport. Mit Gewichten, Expandern und Klimmzügen am Hakelfinger. Wichtig seien vor allem Schnellkraft und Technik, erklärt er mir weiter. Man muss den Gegner überraschen um ihn „über den Tisch zu ziehen“.</p>
<p style="text-align: justify;">Tatsächlich geht die Redensart auf den skurrilen alpenländischen Kraftsport zurück, der seinen Ursprung im 17. Jahrhundert hat. Mit Fingerhakeln wurde früher Streit friedlich ausgetragen, heißt es. Das harte Leben in den Alpentälern Bayerns und Österreichs prägte rauhe Sitten und der Wettstreit half, Raufereien oder Schlimmeres zu vermeiden. Heute ist das Hakeln dort ein organisierter Sport mit Vereinen, genormten Wettkampfgeräten, festen Regeln, Gewichts- und Altersklassen, Schiedsrichtern und eben Meisterschaften.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie in anderen professionellen Sportarten ist alles genormt, von den 8 Milimeter starken Lederriemen über die 109 Zentimeter langen Tische bis zu den 48 Zentimetern hohen Hockern. Die Tischplatte ist an den Kanten gepolstert, um Verletzungen zu vermeiden.</p>
<h2 style="text-align: left;">Fertig, ziagt’s!</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Wettkampf an sich ist kurz und intensiv: Die Gegner setzen sich an den Tisch, haken ihre Finger ein, bauen Körperspannung auf, der Schiedsrichter gibt sein Kommando &#8222;Beide Hakler fertig, ziagt’s!&#8220; und dann wird gezerrt und gezogen, was Muskeln und Bänder hergeben. Hochrote Köpfe, zusammengebissene Zähne, entschlossene Blicke oder zugekniffene Augen, manchmal Stöhnen und Prusten verraten die Anstrengung der Kontrahenten. Nach fünf bis 45 Sekunden geht einer über den Tisch, Hocker kippen, der andere hat gewonnen. Kurze Gratulation des Verlierers, Hocker wieder aufstellen, neues Paar, nächster Kampf.</p>
<p style="text-align: justify;">Rund 150 Männer und Jungen kämpfen in den neun verschiedenen Gewichts- und Altersklassen um Punkte – für sich selbst und ihre Vereine. Als Königsklasse gilt, wie in vielen Kraftsportarten, das Schwergewicht. Hier dominiert seit Jahren der Ohlstädter Josef Utzschneider, den die Sueddeutsche Zeitung einmal den „Usain Bolt des Fingerhakelns“ nannte. Utzschneider ist amtierender bayrischer, deutscher und alpenländischer Meister.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Einundreißigjährige mit den breiten Schultern und dem glattrasierten freundlichen Gesicht dominiert seit mehreren Jahren die Wettkämpfe, er gilt auch heute als Favorit. Doch sein Finalgegner Michael Kölb sieht gut dreißig Kilo schwerer aus und wirkt mit seinem dichten Vollbart eher bärenhaft – jemand, der jedes Kräftemessen spielend gewinnen dürfte. Wackelt die Titelverteidigung?</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Brüllend und mit gestreckten Fäusten liegt er in den Armen seines Auffängers.&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Finale im Mittelgewicht ist kurz und emotional. Anton Bader – Vollbart, Lederhose, grünes Hemd – reißt knapp acht Sekunden am Lederring, das Gesicht eine Grimasse, dann ist da nur noch die Emotion. Brüllend und mit gestreckten Fäusten liegt er in den Armen seines Auffängers. Zehn von zehn Punkten auf der Jubelskala, für mich das Bild des Tages.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Nachmittag neigt sich. Ein Sommergewitter ist prasselnd und donnernd über dem Festzelt niedergegangen. Es ist kühler geworden, Zeit für das Finale in der Königsklasse. Josef Utzschneider und Michael Kölb nehmen ihre Plätze ein, greifen durch den Ring und stemmen die Schienbeine vor die Tischkanten. Ich entscheide mich zunächst für ein Bild von den anfeuernden Zuschauern. Ehe ich das im Kasten habe, steht der Sieger jubelnd hinter mir – Usain Bolt hat wieder zugeschlagen.</p>
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