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	<description>Magazin für Reportagen</description>
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	<title>Gilbert Kolonko &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Heile Welt in Gefahr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2015 05:42:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Norden Pakistans zwischen China und Afghanistan liegt die Region Gojal. Hier leben die Menschen gemeinschaftlich in Oasen voller Aprikosenbäume mit viel Respekt und Toleranz ihrem Nächsten gegenüber. Doch diese heile Welt steht vor großen Schwierigkeiten. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/heile-welt-in-gefahr/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong> Im Norden Pakistans zwischen China und Afghanistan liegt die Region Gojal. Hier leben die Menschen gemeinschaftlich in Oasen voller Aprikosenbäume mit viel Respekt und Toleranz ihrem Nächsten gegenüber. Doch diese heile Welt steht vor großen Schwierigkeiten.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl einige der Kleinstadt- und Dorfbewohner noch in Stein-Lehmhäusern leben, sieht man auf den Straßen in der Region Gojal im Norden Pakistans keine armen Menschen &#8211;  aber auch keine reichen. Wer hier Geld hat, zeigt es, in dem er einen hohen Betrag für die Gemeinschaft spendet. Die Analphabetenrate in der neuen Generation ist gleich Null, und schon die Kleinsten mit ihren Schnoddernasen wachsen zwei- bis dreisprachig auf. Trotzdem leben die Alten und die Jungen noch gemeinsam in einem Haus.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Frauen auf dem Basar in der Ortschaft Gulmit strahlen in ihren langen, hochgeschlossenen Kleidern eine würdige Eleganz und ihr Lächeln eine Natürlichkeit aus. Die Polizisten sitzen mangels Beschäftigung meistens in den Teeläden am Hafen, wo sie die 6.000 Meter hohen Passu Kathedralen bewundern. Wenn die Uniformierten die Langweile zu erdrücken scheint, geht es auch mal zum 2.600 Meter hoch gelegenen Borith-See, in dem sich der 7.388 Meter hohe Ultar spiegelt. Hier hat die 63-jährige Frohnatur Mr. Khan sein Hotel und bevor es für mich einen Tee gibt, schmeißt er sein altes Radio an. Es wird dann zu den Klängen traditioneller Wachi-Musik gemeinsam über die Terrasse gehopst.</p>
<p style="text-align: justify;">Was wie das Paradies auf Erden scheint, nennt sich Hunza-Gojal und ist Heimat der Ismailiten, eine islamische Glaubensgemeinschaft. Das 8.500 Quadratkilometer große Gebiet liegt im Karakorum-Gebirge in Nord Pakistan und grenzt an China und den Wakhan Korridor zu Afghanistan. Nur etwa 20.000 Menschen leben in diesem riesigen Canyon, der gespickt ist mit atemberaubenden Siebentausendern und gewaltigen Gletschern. Diese machen sich die Menschen zu nutzen, um mit Hilfe von Wasserkanälen Oasen voller Aprikosen, Apfel- und Kirschbäume zu schaffen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Räuber der Seidenstraße</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn einem die Gojalis, wie die Bewohner der Region genannt werden, mit ihrem gutmütigen Blicken und toleranten Wesen mal wieder zu heilig erscheinen und man sich selbst voller Sünden vorkommt, hilft nur eins: „Ach, du alter Räuber der Seidenstraße, nun lass mal gut sein.“ Dann sieht man ein gespielt beschämtes Lächeln über das gegerbte Gesicht eines älteren Herrn huschen, denn natürlich war man auch hier nicht immer so „perfekt“. Von Orten wie dem 700 Jahre alten Gulmit Fort überfielen die Vorfahren der Gojalis Handelskarawanen auf dem Weg zur Seidenstraße.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_karakorum_highway.jpg" data-caption="Auf dem Karakorum Highway geht  es in das Gojal-Tal -  oft auch zu Fuß" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_Passu-Gletscher.jpg" data-caption="Der Passu Gletscher" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_Borith-Lake.jpg" data-caption="Der Borith Lake in Gojal" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_Hafen_gulmit.jpg" data-caption="Der Hafen in Gulmin" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_bruecke.jpg" data-caption="Gojal ist nicht nur wegen seiner einmaligen Landschaft ein Vorbild" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_Mr-Khan-mit-Frau.jpg" data-caption="Mr. Kahn und seine Frau" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_2010_enstandenen-Atabadsee.jpg" data-caption="Die Region Gojal hat immer noch mit den Folgen des im Jahre 2010 enstandenen Atabadsee zu kampfen." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Auch das Denken war früher nicht so fortschrittlich: „Als ich vor 40 Jahren Besuch von einem Verwandten bekam, nahm der mich beim Abschied zur Seite und fragte tadelnd, was ich denn für ein Mann sei, da ich so freundlich zu meiner Frau sei“, erzählt mir ein alter Bewohner Gulkins. Doch als gegen Ende der Siebzigerjahre der Karakorum-Highway vom südlich gelegenen Rawalpindi endlich Gojal erreichte und über den 4.700 Meter hohen Khunjerab Pass nach China führte, kamen auch die Entwicklungsprogramme und Schulen der Aga-Khan-Stiftung.</p>
<p style="text-align: justify;">Aga Khan ist das geistige Oberhaupt der Ismailiten. Jetzt, im Jahr 2014, sind es Männer aus Dörfern wie Passu, die in den Süden Pakistans reisen und mit Hilfe von NGOs Entwicklungsarbeit leisten. „Geduld, man hatte sehr viel Geduld mit uns“, sagt mir ein älterer Herr aus Shishkot und fügt trocken hinzu: „Normalerweise fehlt bei Entwicklungsprogrammen die Nachhaltigkeit. Ein paar Schulen, Geld und dann verziehen sich die NGOs zum nächsten Ort“.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Riss zwischen den Generationen</h2>
<p style="text-align: justify;">Am Nachmittag auf dem Polo-Platz in Gulmit sitze ich mit einer angesehenen Persönlichkeit der hiesigen Gemeinschaft zusammen. Vor uns spielen die Jungen Fußball, während die Mädchen im Gemeinschaftshaus ein Seminar abhalten. Thema: Wie sehe ich Gojal in zehn Jahren. „Auch wir merken hier langsam die Kehrseiten des Fortschritts. Gerade die jungen Männer und Frauen, die aus dem Süden Pakistans zurückkommen, leben in einer Computer und Fernseh-Welt. Ihre Wünsche sind unrealistische Träume und sie haben die Fähigkeit verloren, unserer Gemeinschaft mit nützlichen Ideen weiter zu helfen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Während unserer Unterhaltung kommen Kinder und Jugendliche und grüßen meinen Gesprächspartner ehrerbietig und so sage ich kopfschüttelnd: „Und trotzdem lebt ihr in einer Gemeinschaft, die in der westlichen Welt ausgestorben zu sein scheint. Wie macht ihr das?“ Bescheiden lächelnd antwortet er: „Unser geistiges Oberhaupt Aga Khan gibt uns Ratschläge. Er sagt zum Beispiel, dass Rauchen oder das Trinken von Alkohol nicht gut für die Gesundheit sei. Doch wie man die Ratschläge umsetzt, bleibt jedem selbst überlassen. Toleranz. Toleranz ist das Fundament unserer Gemeinschaft, denn jeder Mensch hat sein eigenes Tempo.“</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Mikrokosmos ist umso bemerkenswerter, da das Schicksal die Menschen Gojals in den letzten Jahren hart getroffen hat. Der größte Schlag wurde schon im Jahr 2002 von einem tadschikischen Ingenieur vorausgesagt. Er machte die Gojalis darauf aufmerksam, dass sich 13 Kilometer vor Gulmit, an einer besonders engen Stelle des Canyons, ein großer Erdrutsch anbahnt. Trotzdem bauten die Menschen Gulmits weiter Häuser und Hotels an das Ufer des Hunza Flusses.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Handel und Tourismus versiegt</h2>
<p style="text-align: justify;">„Hätten wir die Menschen zwingen sollen?“, antwortete einer der damaligen lokalen Verantwortlichen auf meine Frage, warum die Menschen nach der Warnung nicht umgesiedelt worden sind. Im Januar 2010 passierte es dann. An exakt der vorausgesagten Stelle kam es zu einem riesigen Erdrutsch, der dem Hunza Fluss den Weg versperrte. Sieben Monate später hatte sich ein 23 Kilometer langer und 100 Meter tiefer See gebildet, der große Teile Gulmits überflutete und die Ortschaft Shishkot zu einer Insel machte.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute ist der See immer noch 13 Kilometer lang und Gojal vom Rest Pakistans abgeschnitten und nur per Boot erreichbar, was den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte der Region unrentabel macht. Auch die andere Einnahmequelle der Gojalis, der Tourismus, ist völlig versiegt. Dafür ist nur teilweise der schlechte Ruf Pakistans verantwortlich. Noch bis vor ein paar Jahren gab es ein Visa on arrival am nördlichsten Grenzübergang Pakistans, in Sust, für ausländische Gäste, die aus China einreisten.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch nicht nur das wurde eingestellt: Auch in touristischen Hochburgen wie Nepal, Indien oder Thailand stellen die pakistanischen Konsulate keine Visa mehr aus. So verwundert es nicht, dass die Menschen im Norden Pakistans nicht vom „war against terrorism“ sprechen, sondern vom „war against tourism“. Zudem überschwemmt das Schmelzwasser des Gulkin-Gletscher in den letzten Sommern regelmäßig den Karakorum Highway Besonders für die Alten und Kranken ist der Fußmarsch durch das eiskalte Wasser eine Tortur. An manchen Tagen ist selbst das Durchwaten unmöglich und dann muss jeder zu Fuß über den Gletscher &#8211; mit Koffern, Kleinkindern oder der Ziege.</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Warum sollen wir Indien hassen?&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich treffe die Kricket Mannschaft von Gulmit, die auf ihrem Rückweg von einer Niederlage im Charpursan Tal unterwegs ist. Einer von ihnen trägt ein Indien-Trikot und fünf andere Mützen mit der indischen Flagge. Als sie meinen verdutzten Gesichtsausdruck sehen, antwortet einer von ihnen lachend: „Warum sollen wir Indien hassen? Selbst unsere Polizisten hören indische Bollywood-Musik.“</p>
<p style="text-align: justify;">Am Borith-See hat Mr. Khan neben den ausbleibenden Gästen noch andere Probleme. Gemeinsam geht es auf den benachbarten schwarzen Gulkin-Gletscher. In der Mitte treffen wir auf ein großes Wasserloch, von dem Plastikrohre das Wasser hinunter ins Dorf transportieren: „Die Gletscher gehen zurück und beinahe jedes Jahr müssen wir neue Kanäle anlegen. Doch die Jungen ziehen der Arbeit wegen in die großen Städte nach Süd-Pakistan“, sagt Mr. Khan. Dann lacht er plötzlich, zeigt auf seinen angespannten Oberarm und fügt hinzu: „Aber wir Alten sind stark und wir werden kämpfen bis die Jungen wieder zurückkommen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Vom Borith-See geht es eine Stunde Richtung Osten bis zum weißen Passu-Gletscher. In einem schmalen Streifen zwischen der Gletscher-Moräne und den schroffen Steinwänden des Borith Sar sind kleine Alpen. Von dort geht es auf den Gletscher, der um diese Jahreszeit wirkt wie eine riesige weiße Boa in unruhigem Schlaf. Überall kracht es, es öffnen sich Spalten und Flüsse fließen aus Eiswasser. Doch bevor ich mir einbilden kann, Reinhold Messner zu sein, kommt mir im Eislabyrinth ein Alter in abgelatschten Turnschuhen entgegen. Als ich ihm meine Bewunderung ausspreche, winkt er nur müde ab und sagt: „Im Frühling und Herbst laufen hier selbst unsere Kühe rüber.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Das Paradis wird weiter leben&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Zurück am Borith-See stehe ich mit dem Sohn von Mr. Khan auf der Hotel Terrasse. Die letzten Jahre studierte er in Peschawar und konnte seinem Vater nur in den Sommermonaten helfen. Ich sage ihm, dass ich das Paradies in Gojal langsam dahin schwinden sehe und nenne ihm einige Beispiele &#8211; unter anderem, dass die Jugend abwandert oder die Chinesen, die zurzeit den Karakorum Highway ausbessern und einen Tunnel oberhalb des Atabad Sees bauen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie überschwemmen die Gegend mit billigem Alkohol und ihr eher geschäftsorientiertes Verhalten scheint schon auf die Gojalis abzufärben, wie man an der Taxi Mafia am Hafen in Gulmit sieht: Mangels eines funktionierenden staatlichen Transportsystems saugen Einheimische Einheimische aus. „Nein, es sind nur ein paar wenige und auch sie muss man verstehen. Wir haben hier jede Möglichkeit, Geld zu verdienen, verloren. Doch auch die paar Menschen werden wieder zur Besinnung kommen. Unser Paradies mag zurzeit in Schwierigkeiten sein, aber schließlich sind es die Menschen, die es ausmachen. Ich werde auf jeden Fall zurückkommen und versuchen, unsere Traditionen mit dem zu ergänzen, was ich an der Universität lerne.“ Dann lacht er plötzlich wie sein Vater und fügt trotzig hinzu: „Das Paradies wird weiter leben.“</p>
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		<title>Chaos in Karatschi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2015 06:10:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Offiziell ist Pakistan eine Demokratie und ein Helfer im Kampf gegen den Terror. Doch wie sieht es eigentlich im Land selber aus? Unser Autor reiste im September 2014 nach Karatschi und in die umliegende Provinz Sindh und berichtet von Terror, Korruption und Kriminalität.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/chaos-in-karatschi/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Offiziell ist Pakistan eine Demokratie und ein Helfer im Kampf gegen den Terror. Doch wie sieht es eigentlich im Land selber aus? Unser Autor reiste im September 2014 nach Karatschi und in die umliegende Provinz Sindh und berichtet von Terror, Korruption und Kriminalität.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich. Nawaz Scharif und Zardari sind über Nacht zu Demokraten geworden und die Taliban sind alle mit dem Boot in den Irak“, sagt ein Mittfünfziger mit gequältem Lächeln und deutet dabei über den abgesperrten Strand von Clifton aufs Arabische Meer. Dann fährt er fort: „Auch wenn die pakistanischen Taliban geschwächt sind und ihre Antwort auf den Einmarsch der pakistanischen Armee auf sich hat warten lassen. Vor drei Tagen ist der Sohn des schiitischen Führers in Karatschi erschossen worden und gestern gab es vor der Küste einen Angriff auf ein Boot der pakistanischen Marine – drei Soldaten wurden entführt. Das vor drei Wochen mehrere Maskierte in Karatschi drei Sufis in einem Schrein erschossen haben, gehört dagegen zum täglichen Wahnsinn in unserer Stadt.“</p>
<p style="text-align: justify;">Wir hatten über die derzeitigen Demonstrationen in Islamabad gesprochen, und die aktuelle Zurückhaltung der pakistanischen Taliban. Die Plakate von Leichen direkt neben der Absperrung des Strandes passt zu unserer Stimmung. Vor sechs Wochen sind hier an einem Tag 45 Menschen ertrunken, seitdem dürfen die eh schon gebeutelten Bürger Karatschis nicht einmal mehr an den Strand ihrer Stadt. Dabei ist er einer der wenigen Orte an dem man nicht Angst haben muss, ein Opfer der täglich etwa 20.000 verübten Straftaten Karatschis zu werden, oder eines der jährlichen 2500 Opfer ethnisch und politisch motivierter Auftragsmorde.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwar hatten die Polizei und die Rangers vor ein paar Monaten mehrere „Säuberungsoperationen“ durchgeführt, was die Bürger kurzfristig aufatmen ließ, doch fehlte auch diesmal die Nachhaltigkeit: Die großen politischen Parteien der 18 Millionen Einwohner Metropole sind weiterhin an der Macht – angeblich werden sie von Bandenchefs beherrscht.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Taliban mischen bei Erpressung und Schutzgeld mit</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Auch die pakistanischen Taliban (TTP) wildern weiter in den vorwiegend mit Paschtunen bewohnten Außenbezirken Karatschis: Das tun sie nicht um missionarische Arbeit zu leisten; In Karatschi ist man zum Geldverdienen mit Erpressung und Schutzgeld. Dabei bevorzugen sie sogenannte weiche Ziele: die ethnischen Minderheiten.</p>
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<p style="text-align: justify;">„Die Taliban spazieren einfach in die Wohnungen unserer Mitglieder, die in den illegal gebauten Siedlungen in den Randbezirken Karatschis liegen. Im besten Falle stellen sie die jeweilige Familie vor die Wahl, eine hohe Geldsumme an sie zu zahlen oder das Haus zu verlassen. In der Regel übernehmen die Taliban einfach die Wohnung oder das Haus. Wir haben in diesem Land keine Lobby“, erzählte mir ein Angehöriger der islamischen Sondergemeinschaft Ahmadiyya vor kurzem nicht zum ersten Mal. Unter der Bhutto Regierung wurden die Ahmadyyas in den Siebzigerjahren per Gesetzt als Nicht-Muslime eingestuft. Ihr Makel: Sie glauben nicht, dass Mohamed der letzte Prophet war. Auch in ihrem Fall hat keine der demokratisch gewählten Regierungen, die seit sechs Jahren das Land regieren, nur einen Finger gekrümmt.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Vater und Sohn auf offener Straße erschossen</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Tag stehe ich etwas ratlos vor einem Stand mit Fruchtsäften am Lee Market im Stadtteil Lyari. Eigentlich sollte dort einer meiner bevorzugten Teestände sein. Da kommt einer der stämmigen Lastenkutscher und schlägt mir lachend etwas zu kräftig auf die Schulter: „4000 US-Dollar Schulden. Weg ist er.“ Dann zwinkert er mir zu und sagt leise aber freudig grinsend: „No problem. Er ist Okay.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Freude, dass mal ein kleiner Teeverkäufer die „Großen“ übers Ohr gehauen hat, ist dem Lastenkutscher deutlich anzumerken. Noch gestern war hier in der Nähe ein Vater und sein dreijähriger Sohn auf offener Straße erschossen worden; einfach so. Ob das Opfer den Schutzgeldforderungen der hiesigen Banden nicht nachgekommen ist, oder ob ein anderer Grund hinter der Hinrichtung stand, wird wohl auch diesmal nicht aufgeklärt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Fest steht nur, dass in Lyari immer noch die P.P.P (Pakistan People Party) das Sagen hat, eine der zwei großen demokratischen Parteien Pakistans. Ihr Parteivorsitzender Zardari steht gerade in Islamabad Nawaz Scharif bei, um die Demokratie Pakistans zu retten. In Lyari, der wichtigsten Handelsgegend Karatschis, stützt sich die P.P.P zum Machterhalt auf die Schusskraft bewaffneter Banden und den hier lebenden Belutschen.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Ohne Geldquellen gibt es keine Macht</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Den Rest der Innenstadt kontrolliert die MQM, die die 1947 aus Indien übergesiedelten Mohajirs vertritt. Sie ist die am besten organisierte „Gang“ Karatschis und hat laut Dokumenten, die Wikileaks veröffentlicht hat, bis zu 25.000 Mann unter Waffen. Das sind etwa 7000 mehr als die Polizei Karatschis, wenn man die Beamten abzieht, die als Personenschutz für Politiker und andere V.I.P abgestellt sind. So bleibt ein Polizist zum Schutz von 1524 Bürgern Karatschis übrig. In London ist das Verhältnis 1 zu 152.</p>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Morgen sitze ich in einem der buntverzierten Rumpelbusse der Stadt. Neben mir ein junger Mann der Bohra, einer Abzweigung der Sunniten. Letzte Woche sei er auf der gleichen Buslinie ausgeraubt worden, erzählt er, und der Rest der Businsassen dazu: „Vor den letzten Wahlen kam der MQM-Führer unserer Gegend ins Gemeindezentrum und erklärte ganz offen, dass sie rausfinden werden, wenn wir ihm nicht unsere Stimmen geben. Dann hätten wir als religiöse Minderheit niemanden mehr, der uns bei stehte“.</p>
<p style="text-align: justify;">Kurz darauf stehe ich auf dem Empress Markt, wo auf dem kolonialen Uhrenturm die rote Fahne der Awami Liga (ANP) mittlerweile in Fetzen hängt. Sie war die dritte politische Kraft Karatschis und kurz davor, der MQM militärisch gefährlich zu werden. Aber die Taliban waren in den Randbezirken einfach die brutalere Gang und haben die Geldquellen der ANP übernommen. Doch wie sagte ein Einheimischer letztes Jahr zu mir: „Weiter als Orangi werden die Taliban nicht nach Karatschi vorstoßen. Hier ist es nicht, wie in ihren Bergen.&#8220;</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Tausende fliehen nach Karatschi, wieso?</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Die MQM habe jahrzehntelange Erfahrung im Großstadtkrieg. Bis jetzt hat der Mann Recht behalten. Ansonsten ist am Empress Markt alles beim alten. Hunderte obdachlose Männer und Frauen sitzen vor den Restaurants und warten auf kostenlosen Tee und Fladenbrot, während die Raubvögel durch die Gassen schweben. Obwohl es auch den kleinen Geschäftsbesitzern Karatschis wirtschaftlich nicht gut geht, scheint es für sie eine moralische Pflicht, jeden Hungrigen mit einem Frühstück zu versorgen. An kaum einem anderen Ort ist Herzlichkeit reiner und klarer zu erkennen. Vielleicht weil sie in Karatschi inmitten von lähmender Angst und brutaler Gewalt gelebt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Täglich strömen Tausende mehr in die Mega-Metropole. Die Balutschen und Paschtunen fliehen vor den bewaffneten Auseinandersetzungen in ihren Regionen. Warum die restlichen Landbewohner an einen Ort wie Karatschi flüchten, wird verständlich, sobald man den Blick in die ländlichen Gegenden nördlich wirft: Ansammlungen von Lehmhütten mit Strohdächern, umgeben von Feldern auf denen Baumwolle, Chili und Getreide angebaut wird. Dahinter karge Steinwüste, dann wieder ein paar Lehmhütten. Die Namen der Dörfer spielen keine große Rolle, auch nicht ob die Bewohner Hindus, Christen oder Muslime sind. Von Karatschi bis hinunter zur Provinz Punjab sieht es in der Region Sindh beinahe überall gleich aus.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Kreislauf der Abhängigkeit</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Beinahe gleich sind auch die Bedingungen unter denen die Dorfbewohner leben. Die Hälfte der Ernte hat man den Landlords abzugeben, viele der Schulen werden als Lagerhäuser benutzt. Funktionierende Krankenhäuser sind rar. Die großen Landlords sind gleichzeitig auch die gewählten Volksvertreter und in der Regel vertreten sie die Partei der Bhutto Familie, die Pakistan People Party (PPP). Diese hat ihren Sitz in Larkana. Wenn man in Enzyklopädien nachschlägt, trifft man in Verbindung mit den Bhuttos öfter auf die Wörter: linksliberal, demokratisch, sozial. Trotzdem reicht auch für die Lebensbedingungen der Untertanen der Bhuttos in Larkana ein Wort aus. Mittelalter.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Rechtfertigungen der „Könige“ des Sindhs klingen nicht anders als ihrer „Kollegen“ in Indien oder Nepal: „Wir geben ihnen Arbeit und Unterkunft. Sie sind wie unsere Kinder, ohne uns würden sie doch verhungern.“ Schulen und Bildung würden den jahrhundertealten Kreislauf der Abhängigkeit wohl nur stören; das wissen auch die Bhuttos. So wurde in den Jahren 2008 bis 2013, als die Bhuttos mit ihrer PPP nicht nur Sindh sondern auch Pakistan regierten, der eh schon mickrige Bildungsetat weiter gekürzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Der jetzige Premier Pakistans, Nawaz Scharif, ist zwar Industrieller, aber da auch er nicht an den Pfeilern des jahrhundertealten Abhängigkeitsverhältnisses zwischen „König“ und Untertanen rüttelt, sind auch ihm die Stimmen der Landlords seiner Region Punjab gewiss. Dass auch seine Partei, die PML-N, ein Familienunternehmen ist, in dem der Vorsitzende nicht gewählt sondern bestimmt wird, ist da beinahe logisch.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Alles hängt miteinander zusammen</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Doch einen Unterschied nannte mir einer der wenigen gebildeten Mittelständler der Provinz. „Egal ob die Scharifs oder die Bhuttos, beide sind sie korrupt. Doch während die Bhuttos einen großen Teil ihres Vermögens ins Ausland bringen, investieren die Scharifs ihr gestohlenes Geld wieder in den Punjab.“ Deshalb gebe es in Lahore zumindest drei Mal so viel Polizisten pro Einwohner wie in Karatschi.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles hängt hier miteinander zusammen: Dass Sharifs Gegenspieler Imran Khan bei den letzten Wahlen im Mai 2013 halb so viele Stimmen erringen konnte, aber sechs Mal weniger Parlamentssitze bekam. Dass gerade Teile der Mittelklasse Pakistans in Islamabad auch mit undemokratischen Mitteln wirkliche Demokratie erzwingen wollen. Dass Menschen so verzweifelt sind, dass sie an einen Ort wie Karatschi flüchten. Dass die pakistanischen Taliban nur als eine von vielen kriminellen Gruppen sich in Karatschi ihre Kriegskasse auffüllen können.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="su-tabs su-tabs-style-default su-tabs-mobile-stack Infopakst" data-active="1" data-scroll-offset="0"><div class="su-tabs-nav"><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Anmerkung des Autors</span><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Reisewarnung des Auswärtigen Amtes</span></div><div class="su-tabs-panes"><div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Anmerkung des Autors">&#8222;Bei meinem letzten Besuch in Karatschi, kurz nach dem Schulmassaker im November 2014 in Peschawar wurden allein in zwei Feuergefechten 16 Taliban von der Polizei erschossen. Im Jahr 2014 wurden im Schnitt jeden Tag mehr als 9 Menschen in Karatschi Opfer eines Gewaltverbrechens (In ganz Deutschland sind es etwa 0.8 am Tag). Aktuell steht eine neue großangelegte &#8222;Säuberungsaktion&#8220; der Rangers und der Polizei in Karatschi an; die gefühlte 108 in den letzten Jahren. Doch der Schlüssel zu einer Befriedung Karatschis ist meiner Meinung nach der Multi-Millionär Altaf Hussain. Er ist der Führer der MQM und zieht von seinem Exil in London aus die Fäden in der Partei. Gerade trat er von seinem Posten als Vorsitzender zurück, das gefühlte 109 Mal, nur um kurz darauf vom Rücktritt zurück zu treten. Wenn ihm das Handwerk gelegt werden könnte, würde die MQM in kürzester Zeit unter internen Machtkämpfen zusammenbrechen. Doch da in Pakistan eine große politische Krähe der anderen nicht das Auge aushackt (mal abgesehen von Imran Khan), sind derzeit die englischen Behörden die einzige Hoffnung: da sie ein Verfahren wegen Geldwäsche gegen Altaf eröffnet haben. Nebenbei ist Imran Khan wieder ins pakistanische Parlament zurückgekehrt nachdem er  er mit seinen Anhängern mehre Monate die Gegend vor dem Parlamentsgebäude in Islamabad besetzt hatte. Seine Anhänger hoffen, dass er dieses Mal mit Taten in seiner Provinz Khyber Pakhtunkhwa, die aktuelle Form von Demokratie in Pakistan zu Fall bringen kann.&#8220;</div>
<div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Reisewarnung des Auswärtigen Amtes">&#8222;In Karachi kommt es häufig zu innenpolitisch, religiös, ethnisch oder kriminell motivierten Anschlägen und Auseinandersetzungen bis hin zu bewaffneten Straßenschlachten. Wegen der angespannten Sicherheitslage und der hohen Kriminalität sollte vom Besuch abgelegener Stadtbezirke abgesehen werden. Vor Stadterkundungen sollte ortskundiger Rat eingeholt werden. Generell empfiehlt sich für Besucher eine enge Abstimmung ihrer Reisepläne mit den Partnern vor Ort oder mit dem deutschen Generalkonsulat in Karachi. Auch im inneren Sindh besteht eine Gefährdung durch hohe Kriminalität.&#8220; <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/PakistanSicherheit.html" target="_blank">Stand 12.4.2015</a></div></div></div>
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