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	<title>USA &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Ruhe jetzt!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Sep 2017 20:52:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Przybilla]]></category>
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					<description><![CDATA[Kein Internet, kein Radio, keine Handys: In West Virginia befindet sich das größte Funkloch der USA. Die staatlich verordnete „stille Zone“ entwickelt sich zu einem Zufluchtsort für alle, die abschalten wollen. Oder müssen.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ruhe-jetzt/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Kein Internet, kein Radio, keine Handys: In West Virginia befindet sich das größte Funkloch der USA. Die staatlich verordnete „stille Zone“ entwickelt sich zu einem Zufluchtsort für alle, die abschalten wollen. Oder müssen. </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwo im Wald, auf der State Route 28, endet die Zivilisation. Das Handy-Display blinkt warnend auf, weil kein Netz mehr verfügbar ist. Im Radio nur noch Rauschen. Im Tal thront eine mächtige Ranch: zwei Korbsessel auf der Veranda, daneben die Hollywoodschaukel. Auf Rasenmähern, die so groß wie Traktoren sind, sitzen Männer im Rentenalter. Sie tragen Schirmmützen, Holzfällerhemden, Jeans und Turnschuhe. Die Bärte lang, die Haut ledern vom rauen Klima. Hillbillies nennen sie solche Menschen in Amerika. Hinterwäldler. Landeier.</p>
<p style="text-align: justify;">In den Hügeln von West Virginia leben besonders viele Hillbillies. Schon ihre Väter haben versucht, die Natur zu bezwingen. Und vor ihnen ihre Großväter. Die Wälder, die heute so urzeitlich wirken, wurden im 19. Jahrhundert fast komplett abgeholzt. Später kam der Bergbau hinzu, dann die Eisenbahn. Doch die Natur ist stark, sie kämpft sich schnell an die Oberfläche zurück. Wie bei den Autowracks, die am Straßenrand stehen, rostig und überwuchert von Enzian. Bedeckt mit Laub, das im gleichen Gelb schimmert wie der Mittelstreifen des Highways.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Zeit scheint still zu stehen in diesem einsamen Landstrich. West Virginia, einst der Stolz der amerikanischen Kohleindustrie, ist heute einer der ärmsten Bundesstaaten des Landes. Vor allem junge Leute hält hier nichts. Wer es sich leisten kann, geht aufs College. Die anderen suchen sich Jobs an der Ostküste. So droht eine ganze Gegend auszubluten. Straßen bröckeln, Fabriken schließen, Häuser vergammeln. Diejenigen, die bleiben, sind oft frustriert, kochen Crystal Meth oder moonshine (selbst gebrannten Schnaps) in ihren Waldhütten. „Keine Lust mehr, Fünfzigster zu sein?“, fragt ein Wahlplakat am Straßenrand. Eine Anspielung auf West Virginias Rang unter den 50 Bundesstaaten. Im Gras daneben steckt ein Schild mit nur zwei Worten: Vote Trump. Wählt Trump.</p>
<p style="text-align: justify;">Dabei wäre das touristische Potenzial eigentlich riesig. Eigentlich, weil die markanteste Attraktion bislang gar nicht beworben wird. Eine Attraktion, die in der westlichen, von Reizüberflutung geprägten Welt wirklich einmalig ist: Stille. Und das per Gesetz. Die Rede ist von der „National Radio Quiet Zone“, ein staatlich verordnetes Funkloch von der Größe Nordrhein-Westfalens. Wer die Quiet Zone betritt, schaltet das Handy am besten aus. Es funktioniert sowieso nicht. Auch drahtloses Internet ist tabu. Im Radio empfängt man, wenn überhaupt, nur einen einzigen Sender: WVMR, der Sound der Berge.</p>
<p style="text-align: justify;">Verantwortlich für das Funkloch ist das Green Bank Telescope (GBT) im gleichnamigen Örtchen. Es ist das größte bewegliche Teleskop der Welt: 148 Meter hoch, fast doppelt so groß wie die Freiheitsstatue. Zwischen Farmhäusern und Kuhwiesen ragt die Satellitenschüssel in den Himmel. Das GBT ist eine staatliche Einrichtung, die sich mit dem Urknall befasst, mit der Geburt von Sternen, mit schwarzen Löchern, Photonen und der Möglichkeit außerirdischen Lebens. Um ins All zu horchen, braucht das GBT vor allem eines: Ruhe. Funkwellen von Handymasten, Radiosendern oder drahtlosen Netzwerken würden die Messungen empfindlich stören oder ganz unmöglich machen. Daher das Funkloch.</p>
<div id="attachment_6873" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-6873" data-id="6873"  src="http://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-600x400.jpg" alt="Das Teleskop in Green Bank würde durch Funkwellen gestört werden. (Foto: Steve Przybilla)" width="600" height="400" class="size-medium wp-image-6873" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-600x400.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-768x512.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-1200x798.jpg 1200w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-150x100.jpg 150w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-1250x833.jpg 1250w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2-400x267.jpg 400w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-2.jpg 1700w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><p id="caption-attachment-6873" class="wp-caption-text">Das Teleskop in Green Bank würde durch Funkwellen gestört werden.<br />(Foto: Steve Przybilla)</p></div>
<p style="text-align: justify;">Die stille Zone existiert schon seit 1958. Als Reiseziel gewinnt sie aber erst seit wenigen Jahren an Bedeutung, weil es immer mehr Menschen gibt, die dem Online-Wahn entfliehen möchten. Endlich mal kein Facebook, kein Whatsapp, kein Snapchat. Und erst recht kein Selfie-Stick. Was für viele wie der blanke Horror klingen mag, war für Diane Schou die Rettung. Die Rentnerin – Brille, Buntfaltenhose, lange graue Haare – zog vor neun Jahren nach Green Bank. „Ich wollte dem Elektrosmog entfliehen“, sagt sie. „In meiner Heimat Iowa hatte ich Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Stiche in der Brust. Alles Symptome, die in meinem Alter gefährlich werden können.“ Wie alt sie ist, verrät Schou nicht, wahrscheinlich Mitte 60. Einen Satz wiederholt sie dafür gleich mehrfach: „Ich bin nicht verrückt. Und es gibt immer mehr von uns.“</p>
<div id="attachment_6861" style="width: 431px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-6861" class="size-medium wp-image-6861" src="http://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-421x600.jpg" alt="Diane Schou ist nach Green Bank gezogen, um elektromagnetischer Strahlung zu entfliehen (Foto: Steve Przybilla)" width="421" height="600" data-id="6861" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-421x600.jpg 421w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-768x1093.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-843x1200.jpg 843w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-600x854.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-105x150.jpg 105w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6-400x570.jpg 400w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-6.jpg 1194w" sizes="(max-width: 421px) 100vw, 421px" /><p id="caption-attachment-6861" class="wp-caption-text">Diane Schou ist nach Green Bank gezogen, um elektromagnetischer Strahlung zu entfliehen (Foto: Steve Przybilla)</p></div>
<p style="text-align: justify;">Uns – gemeint sind Menschen, die unter Elektrosmog leiden. Schou hat für sie eine „Rettungsstation“ (wie sie sagt) aufgebaut: einen Campingplatz am Rande von Green Bank, ausgestattet mit Holzhütten, Grillstelle und Dixi-Klo. Fließendes Wasser gibt es nicht, auch keinen Strom. „Für viele ist die Umstellung erst mal ein Schock“, erzählt Schou. Die meisten „Flüchtlinge“ kämen direkt aus den Metropolen, aus New York, Washington oder Miami. Manchmal sogar aus Europa. Doch es ist nicht einfach, das Zusammentreffen von linksliberalen Smartphone-Junkies und kauzigen Hillbillies. Die meisten „Flüchtlinge“ bleiben nicht lange. Sie gönnen sich eine kurze Auszeit in Green Bank und fahren wieder nach Hause, um ihre E-Mails zu checken.</p>
<p style="text-align: justify;">Diane Schou aber möchte nie wieder weg. „Das ist der einzige Ort, an dem meine Krankheit besser wird“, sagt Schou, während sie verträumt in die Herbstsonne schaut. Sie selbst habe jahrelang in einem Faraday’schen Käfig gelebt, um sich vor elektromagnetischer Strahlung zu schützen. „Manche Leute denken, wir seien verrückt“, meint Schou. „Aber dachte man früher nicht auch, Rauchen sei unbedenklich? Und warum werden bei uns so viele Menschen von der Polizei erschossen? Weil der Stress zunimmt. Immer mehr.“</p>
<p style="text-align: justify;">Im Dorf reagieren die Einwohner gemischt auf die ältere Dame und ihre Besucher. Die einen mögen sie, weil sie frischen Wind in die 150-Seelen-Gemeinde bringen. Die anderen verdrehen genervt die Augen, wenn sie an Begegnungen mit den Neubürgern denken. Weil sie in der Kirche aufstehen und den Pfarrer bitten, das Funk-Mikrofon auszuschalten. Oder den Tankwart beknien, die schädlichen Neonröhren doch endlich mal wegzuwerfen. Und die elektrische Heizung am besten gleich mit. All das verursache schließlich Strahlung.</p>
<p style="text-align: justify;">„Manche von denen sind schon ein wenig durchgeknallt“, sagt Sherry Chestnut. Die 53-Jährige arbeitet bei „Trent’s General Store“, einer Mischung aus Tante-Emma-Laden, Tankstelle und Mini-Baumarkt. In letzter Zeit hat sie viele Besucher kommen und gehen sehen. „Die meisten halten es hier nicht lange aus“, sagt sie. „Die hängen zu sehr an ihren Geräten.“ Und die Einheimischen? „Mich stört das Funkloch überhaupt nicht“, antwortet Chestnut ohne zu zögern.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch ihre junge Kollegin Debbie vermisst nichts. „Ich bin in Washington aufgewachsen und vor fünf Jahren hergekommen“, sagt die 25-Jährige. „Wenn ich mit Freunden rede, sind die erst mal schockiert. Kein WLAN, kein Smartphone – wie soll das denn gehen?“ Ein Facebook-Profil hat sie trotzdem. „Aber das checke ich einmal am Tag – abends, am PC.“</p>
<p style="text-align: justify;">Das Leben in der Quiet Zone verläuft ruhiger, ursprünglicher. Das ist nicht das Amerika, das über geschlechtsneutrale Toiletten und beleuchtete Radwege diskutiert. In diesem Amerika regiert der Pick-up-Truck. Eine Gegend, in der (mit Ausnahme von Schulbussen) erst gar kein öffentlicher Nahverkehr existiert. Eine Gegend, in der man Shoppingmalls und Multiplex-Kinos bestenfalls aus dem Fernsehen kennt. Vor den Kneipen hängen Banner, die Jäger willkommen heißen. In diesem Hinterland, wo der Sheriff eine halbe Stunde zum Einsatzort braucht, besitzt sowieso jeder eine Waffe.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit solchen Mitbürgern wollen es sich die Wissenschaftler am GBT nicht verderben. Jonah Bauserman (37) sitzt in einem mit Technik vollgestopften Geländewagen. Wo sich normalerweise der Beifahrersitz befindet, stapeln sich Radioempfänger, GPS-Peilgeräte und Laptops. Bausermans Aufgabe ist es, illegale Funkquellen in Green Bank aufzuspüren. „Radio Police“ nennen das die Einheimischen scherzhaft, aber nicht zu Unrecht. Denn er weiß genau, in welchem Haus sich ein drahtloser Drucker, ein schnurloses Telefon oder ein Router befindet. Momentan gebe es 100 illegale WLAN-Netze in Green Bank, sagt Bauserman – in einem Ort mit 150 Einwohnern. „Ich melde das meinen Vorgesetzen“, erklärt der Techniker. „Aber das war’s dann auch. Es klopft niemand von uns an die Haustür und ruft: ,Mach mal dein Internet aus.‘“</p>
<div id="attachment_6869" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img aria-describedby="caption-attachment-6869" class="size-medium wp-image-6869" src="http://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-600x391.jpg" alt="Jonah Bauserman sucht illegale Wlan-Netze (Foto: Steve Przybilla)" width="600" height="391" data-id="6869" srcset="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-600x391.jpg 600w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-768x501.jpg 768w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-1200x783.jpg 1200w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-150x98.jpg 150w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-1250x815.jpg 1250w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3-400x261.jpg 400w, https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2017/09/USA-3.jpg 1700w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><p id="caption-attachment-6869" class="wp-caption-text">Jonah Bauserman sucht illegale Wlan-Netze (Foto: Steve Przybilla)</p></div>
<p style="text-align: justify;">Existiert die Quiet Zone also nur auf dem Papier? „Überhaupt nicht“, betont Bauserman. „Rein rechtlich könnten wir den Bezirksstaatsanwalt damit beauftragten, die Netze stillzulegen. Aber ich habe keine Lust, mit einer kugelsicheren Weste durch den Ort zu laufen.“ Ein schmales Lächeln zeichnet sich auf den Lippen des Technikers ab, aber es bleibt offen, wie ernst er den Satz meint. Dann könne er sich auch gleich selbst anzeigen, meint Bauserman. „Ich habe zu Hause eine Nintendo Wii. Und die ist schließlich auch internetfähig.“</p>
<p style="text-align: justify;">Verglichen mit anderen Gegenden ist die Quiet Zone trotzdem eine Insel der Ruhe. Selbst Urlauber müssen sich auf die besonderen Gegebenheiten einstellen. Im „Inn at Snowshoe“, einem Motel für Wintersportler, gibt es kein Internet in den Zimmern – normalerweise ein Reklamationsgrund, hier einfach ein Teil des Lebens. Ganz loslassen können oder wollen die meisten aber dann doch nicht. Im Frühstücksraum sitzen selbst am späten Abend noch Gäste, die Smartphones liebevoll in der Hand. Ihre Hoffnung: Vielleicht reicht das WLAN, das es zumindest an der Rezeption gibt, ja doch ein paar Meter weiter.</p>
<p style="text-align: justify;">Selbst die NSA würde sich an der stillen Zone die Zähne ausbeißen. In der Krimiserie „Person of Interest“ flieht eine ehemalige Regierungsmitarbeiterin nach Green Bank, um der staatlichen Überwachung zu entkommen. Verräterische Handy-Signale, angezapfte Webcams, Fitnessarmbänder mit GPS-Sensor – all das gibt es in der Zone schließlich nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Frage ist nur: Was bringt dem Bundesstaat die kostenlose Werbung im Fernsehen? Lockt sie eine neue Zielgruppe an oder vergrault sie alle anderen? Die Tourismusbehörde hadert noch, wie sie mit dem Ruhe-Potenzial umgehen soll. Was, wenn die Menschen ihr Handy eben doch nicht zur Seite legen wollen, sei es auch nur für einen Tag? Oder das Land überrannt wird von Menschen wie Diane Schou, die am liebsten sogar die Elektroheizung abschalten würden?</p>
<p style="text-align: justify;">Am Nachmittag bricht ein heftiges Unwetter über West Virginia herein. Das Wasser rauscht die Berge hinunter, mehrere Straßen werden überflutet. Nach einem Blitzschlag ist auch noch der Fernseher tot, der letzte Draht zur Außenwelt. Ein Grund zum Verzweifeln? Anderswo vielleicht, aber nicht in der Quiet Zone. Kaum bricht die Dunkelheit an, versammelt sich das gesamte Dorf im „Fiddlehead“, einer Musikkneipe, in der deftige Steaks und noch deftigere Anmachsprüche serviert werden. Nachdem die ersten Biergläser leer sind, versuchen sich die Einheimischen im Karaoke. Der Gesang ist scheußlich, doch das stört an diesem Abend niemanden. Wieso auch? Im Internet wird das Spektakel ja so schnell nicht landen.</p>
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		<title>Highle Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Apr 2017 13:11:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit im US-Bundesstaat Colorado das Kiffen erlaubt ist, boomt der Cannabis-Tourismus. Besonders beliebt: Organisierte Rundfahrten, inklusive Joint und Bierdose.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/highle-welt/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Seit im US-Bundesstaat Colorado das Kiffen erlaubt ist, boomt der Cannabis-Tourismus. Besonders beliebt: Organisierte Rundfahrten, inklusive Joint und Bierdose.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Fahrt im Cadillac startet mit einem kräftigen Zug – nicht am Bong (das kommt später), sondern an der Schublade mit den Wasserflaschen. „Vergesst nicht, zwischendurch immer etwas zu trinken“, sagt Timothy Vee, ein groß gewachsener Mittvierziger, der früher als Restaurant-Manager gearbeitet hat. Heute betreibt Vee ein anderes Geschäft. Als Inhaber von „Colorado Highlife Tours“ kutschiert er Marihuana-liebende Touristen in einer Luxuslimousine durch Denver. Wobei kutschieren das falsche Wort ist. Vee lässt fahren. Er selbst fläzt sich auf die gepolsterten Ledersitze, dreht die Musik auf und steckt sich den ersten Joint an. Die Kaffeefahrt für Kiffer hat begonnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist eng im Cadillac. Obwohl das Gefährt zwölf Meter lang ist, stoßen die Insassen mit dem Kopf gegen die Decke. Die Mitfahrer – fünf Männer und eine Frau – sitzen sich Knie an Knie gegenüber. Doch das stört an diesem Nachmittag niemanden. Schon fünf Minuten nach der Abfahrt wabert dichter Rauch durch den Innenraum, ein Joint macht die Runde. Im Sektkühler liegt eine Wasserpfeife; die Champagnergläser dienen als Aschenbecher. Durch die Lautsprecher dröhnt Bob Marley. Als der Cadillac durch ein Schlagloch rumpelt, muss der erste Mitfahrer rülpsen. „Dass ihr mir ja nicht ins Auto kotzt“, sagt Tourguide Vee mit gespielt ernster Miene. „Das habe ich schließlich auch nur geliehen. Oder meint ihr etwa, ich könnte mir so eine Karre leisten?“</p>
<h2 style="text-align: justify;">USA öffnen sich für Marihuana</h2>
<p style="text-align: justify;">Noch vor wenigen Jahren wären Ausflüge wie dieser undenkbar gewesen. Eine Kontrolle durch die Polizei, und schon hätten die Teilnehmer nicht nur ihren Joint, sondern auch jede Menge Geld verloren – wenn nicht sogar ihre Freiheit. Doch seit einiger Zeit dreht sich in den USA der Wind, was den Umgang mit Marihuana angeht. Immer mehr Bundesstaaten wenden sich vom Totalverbot ab und erlauben zumindest in kleinen Mengen den privaten Konsum.</p>
<p style="text-align: justify;">Am liberalsten geht es in Colorado zu, wo seit 2012 nicht nur zu medizinischen Zwecken, sondern auch zum privaten Vergnügen gekifft werden darf. Einheimische wie Touristen können sich in offiziellen Abgabestellen, den sogenannten Dispensaries, mit allem eindecken, was das Kifferherz begehrt. Zumindest solange die Menge von 28 Gramm nicht überschritten wird. Der Staat verdient durch die Steuereinnahmen kräftig mit, agiert also gewissermaßen als Dealer. Allein 2015 hat die Cannabis-Industrie in Colorado fast eine Milliarde Dollar Umsatz gemacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Für viele Amerikaner ist der Bundesstaat daher das gelobte Land. Längst klagen die Nachbarstaaten Nebraska und Oklahoma darüber, dass massenhaft „Gras“ über die innerstaatlichen Grenzen geschmuggelt wird. Bisher ohne Erfolg: Der Oberste Gerichtshof verwarf erst Ende März 2016 eine Beschwerde, die gegen Colorados Marihuana-Gesetz eingereicht worden war.</p>
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<h2 style="text-align: justify;">Die Liebe meines Lebens: der Joint</h2>
<p style="text-align: justify;">Während die Luft im Cadillac immer dicker wird, erzählen sich die Mitfahrer ihre Leidensgeschichten. „Zu Hause kann man höchstens in einer stillen Ecke rauchen“, meint die 21-jährige Stacey, die aus Wisconsin kommt und ihren Nachnamen lieber nicht nennen möchte. Aus „Angst vor Stigmatisierung“, wie sie sagt. Ihr Freund Ken (23) berichtet, er sei in der Highschool das erste Mal high gewesen: „Der Joint wurde die Liebe meines Lebens. Das war ein wahnsinniges Gefühl.“ Michael Rosales, ein 35-jähriger Reisegruppenleiter aus Hawaii, steht zu seinem Drogenkonsum. „Ich kiffe einfach überall: am Strand, an der Bushaltestelle, auf dem Bürgersteig. Und wisst ihr was? Mich hat noch niemand angehalten. Sie können uns schließlich nicht alle verhaften!“</p>
<p style="text-align: justify;">Als die Limousine ihren ersten Stopp einlegt, fällt das Aussteigen schwer. „Ich bin so was von zugedröhnt“, kichert ein junger Mann mit Jamaika-Mütze, der sich selbst Angel nennt. Auch Tourguide Vee spricht nun etwas langsamer, auch wenn er sich Mühe gibt, die Contenance zu wahren. Schließlich waren die Tütchen im Auto nur ein erster Vorgeschmack.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Staat freut sich über Kiffer-Steuer</h2>
<p style="text-align: justify;">Bei „3D“, einer der vielen offiziellen Cannabis-Plantagen in Denver, können die Tourteilnehmer den Entstehungsprozess ihrer Droge beobachten. Ein Anblick wie aus einem Polizeibericht, nur dass er hier legal ist. Hinter dickem Glas sind Hunderte von Pflanzen zu sehen, die unter gelblichem Licht gedeihen. „Unglaublich, wie viel Geld dem Staat früher entgangen ist“, meint Derrick Davis (32), der als Botaniker in der Plantage arbeitet. „Gekifft haben die Leute schon immer, aber jetzt kann das Geld sinnvoll eingesetzt werden.“ Allein im Jahre 2015 hat Colorado rund 135 Millionen Dollar an Marihuana-Steuern eingenommen. Ein Großteil des Geldes fließt in Schulen, aber auch in Kampagnen gegen Drogenmissbrauch – und in Entzugskliniken.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück im Cadillac setzt Timothy Vee seine Brille auf. „Wenn ihr kifft wie ich, ist das Sehvermögen nicht mehr so gut“, sagt der Tourguide und lacht über seinen eigenen Witz. Dann dreht er das Gebläse hoch, um den Kopf wieder freizubekommen. Der eingebaute Disco-Laser und das Bob-Marley-Gedudel sind ihm nun nicht mehr geheuer. Doch ein Joint geht immer. Schnell unterhalten sich wieder alle über ihre Lieblingsprodukte. Die Gespräche drehen sich um Haschkekse, Schmerzlinderung durchs Kiffen und Cannabis-Farmer, die ihre Pflanzen mit verbotenen Pestiziden besprühen. Den Tipp mit den Wasserflaschen beherzigt kaum jemand. Stattdessen zischen die Bierdosen, die in den Kühlfächern der Stretch-Limousine lagern.</p>
<p style="text-align: justify;">In einem Außenbezirk von Denver kommt der Cadillac erneut zum Stehen. Ein Mann mit Krawatte und weißem Hemd öffnet die Tür. Er stellt sich als Chauffeur vor. Für solche Details haben die Fahrgäste freilich keine Augen. Sie wollen lieber die 10.000-Dollar-Bongs sehen, die in der Glasbläserei „Illuzions“ dargeboten werden – alles Anfertigungen lokaler Künstler, wie die Verkäufer betonen. Gleich nebenan liegt „Peak“, eine Abgabestelle, in der am Eingang erst mal die Ausweise kontrolliert werden. Genau wie Alkohol ist Marihuana unter 21 Jahren nämlich tabu, Legalisierung hin oder her.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kiffen als Ventil</h2>
<p style="text-align: justify;">Innen wirkt die Dispensary wie eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Apotheke. Im Regal reihen sich Glasbehälter mit Cannabis-Produkten in allen Formen und Farben; ein unverkennbarer Geruch liegt in der Luft. Hinter der Ladentheke plaudert Eigentümer Justin Hinderson persönlich mit seinen Kunden. „Das Arbeitsleben in den USA ist so hart, da braucht man ab und zu ein Ventil“, sagt er und klagt über bürokratische Hürden, die seine Branche immer noch ausstehen müsse. „Weil Cannabis auf Bundesebene illegal ist, dürfen wir kein Konto eröffnen“, erzählt der Geschäftsmann. Einmal im Jahr müsse er deshalb bis zu 60.000 Dollar an Steuern zum Finanzamt bringen. Und zwar in bar.</p>
<p style="text-align: justify;">Längst toben die Diskussionen darüber, wie weit man die Legalisierung noch treiben darf. In einer Umfrage, die das Gesundheitsministerium von Colorado im Sommer 2015 veröffentlichte, gaben fast 13,6 Prozent aller Befragten an, regelmäßig zu kiffen. Das ist fast doppelt so hoch wie der amerikanische Durchschnittswert, der zuletzt 2013 erhoben wurde. Während religiöse Gruppen und Ärzte eher zur Zurückhaltung mahnen, prescht vor allem die Tourismus-Industrie weiter vor. Hotels bieten Kiffer-freundliche Räume an, in Denver steigt ein jährliches „Highlife-Festival“, und Timothy Vee ist längst nicht der Einzige, der rauchige Rundfahrten anbietet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Vergessen verboten</h2>
<p style="text-align: justify;">Nach drei Stunden hält die Limousine wieder in der Innenstadt von Denver. „Das ist fast wie Amsterdam“, jauchzt Angel, als er im Zeitlupentempo aussteigt. „Am besten, ihr raucht das Zeug ziemlich schnell auf“, rät Tourguide Vee, denn jenseits von Colorado ist Marihuana nach wie vor verboten. Wobei es für vergessliche Kiffer eine Notlösung gebe. „Am Flughafen stehen Amnestie-Boxen“, erklärt Vee. „Wenn ihr euer Zeug bis dahin immer noch bei euch habt, ist das eure letzte Chance.“</p>
<p style="text-align: justify;">Mit einem Winken schlägt der Profi-Kiffer die Tür des Cadillacs hinter sich zu. Dann ist er so schnell wieder weg, wie er gekommen war. Nur die Abgaswolke hängt noch einige Zeit zwischen den Häusern.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="https://www.startnext.com/unitedstatesoffood"><em>Wer mehr USA-Reportagen von Steve lesen möchte, kann ihn hier bei seiner Crowdfunding-Kampagne unterstützen!</em></a></p>
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		<title>Wo die Musik wohnt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 May 2016 23:50:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Schnell]]></category>
		<category><![CDATA[Bluegrass]]></category>
		<category><![CDATA[Blues]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Draheim]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Nashville]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Südstaat Tennessee der USA lebt die Country-Musik. Unsere Autoren begeben sich in Nashville auf Spurensuche und treffen dabei Fiddler, Banjo-Spieler und ehemalige Kollegen von Elvis Presley.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/wo-die-musik-wohnt/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Südstaat Tennessee der USA lebt die Country-Musik. Unsere Autoren begeben sich in Nashville auf Spurensuche und treffen dabei Fiddler, Banjo-Spieler und ehemalige Kollegen von Elvis Presley.</strong></p>
<p>Es ist heiß in Nashville im Sommer, bis spät in die Nacht. Leider ist unser Zimmer ein klimatisierter Albtraum. Ohne Fenster, karg, kalt und laut, ein durchdringender Geruch von Reinigungsmitteln durchweht das noch neue Hostel direkt am Cumberland River. Wir sind in die Hauptstadt der Country-Musik gekommen, um viel Musik zu hören, aber auch, um mehr über die Musiker und ihre Geschichten zu erfahren. Um die Ecke ist der Broadway, an dem wir am Abend unserer Ankunft unsere Erkundungstour beginnen.</p>
<p>Der Broadway ist ein überwältigender Ort. Aus jeder der zahllosen Bars tönt Live-Musik, und wenn es nur ein Mann mit Gitarre ist. Manche Bars haben gleich mehrere Ebenen, wie „Rippy&#8217;s“, die obere Etage ist halb offen, weshalb man dort sogar rauchen darf. Wer allerdings erwartet, dass es in Nashville nur Country zu hören gibt, darf sich schnell eines Besseren belehren lassen. Die Band, die oben bei „Rippy&#8217;s“ spielt, gibt ein bisschen Lynyrd Skynyrd zum Besten, ein bisschen Hendrix. Dazu gibt es Pulled Pork und Fries. Uns ist es zu laut. Auf der Straße ist es allerdings noch lauter. Hier mischen sich die Klänge aus den verschiedenen Clubs mit Straßenmusik.</p>
<div id="aesop-gallery-6357-2"  class="aesop-component aesop-gallery-component aesop-thumbnail-gallery-wrap    " ><div id="aesop-thumb-gallery-6357" class="fotorama" 	data-transition="crossfade"
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																			data-nav=thumbs																			data-allow-full-screen="native"
																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-2.jpg" data-caption="In den Kneipen am Broadway in Nashville gibt es ohne Pause Livemusik, in einigen wird auch getanzt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-3.jpg" data-caption="In der Country Music Hall of Fame kann man die Instrumente von Country-Größen wie Johnny Cash und Hank Williams anschauen sowie eine beeindruckende Sammlung goldener Schallplatten." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-4.jpg" data-caption="Im Station Inn abseits des Trubels vom Broadway spielen Bluegrass-, Western- und Countrybands. Die Steelguitar ist dabei ein entscheidendes Instruement. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-5.jpg" data-caption="Ein Plattenladen in Nashville: Hier gibt es LPs, Singles und Kassetten mit Bluegrass und Country; CDs findet man nicht. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-7.jpg" data-caption="Buddy Spicher hat als Kind mit dem Fiddle-Spiel begonnen und hat mit zahlreichen Musikern im Studio gestanden, darunter Bob Dylan, Bill Monroe und Dolly Parton. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-9.jpg" data-caption="Geigenreparatur im Fiddle House." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-10.jpg" data-caption="Geigenbauerin Jennifer Halenar schnitzt Intarsien für eine neue Geige." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-11.jpg" data-caption="In Fannys House of Music werden nicht nur Instrumente verkauft, sondern auch große Musikerinnen geehrt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-13.jpg" data-caption="Leigh Maples zeigt ein Bild ihrer Mutter, die als Kind Gitarre spielte. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-14.jpg" data-caption="In Nashville wird überall musiziert - hier an einer Straßenkreuzung in East Nashville." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-18.jpg" data-caption="Auf dem Weg durch die Hügel von Kentucky finden sich am Wegesrand alte Straßenkreuzer." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-21.jpg" data-caption="Die &quot;Rosine Barn Jamboree&quot; findet in einer alten Scheune statt. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-23.jpg" data-caption="Auch die jungen Musiker aus der Gegend sind bei der Jamboree dabei." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-25.jpg" data-caption="Anlässlich der Eröffnung des &quot;Birthplace of Country Music Museum&quot; in Bristol, Tennesse, tritt Ralph Stanley auf. Hier signiert er einem Fan die Gitarre. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/05/Bluegrass-26.jpg" data-caption="Roni Stoneman spielt bei der Eröffnung des Museums Banjo - auch an ihre Eltern wird im neu eröffneten Museum erinnert. " alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Katharina Draheim</p></div>
<p>Und das ist nicht nur am Abend so, wie wir am nächsten Tag feststellen. Es geht schon am Vormittag los. „Tootsie&#8217;s“, eine legendäre Kneipe, in der sich früher Country-Stars die Wartezeit bis zu ihren Konzerten im benachbarten Ryman Auditorium verkürzten, wenn sie im benachbarten Ryman Auditorium auftreten sollten, hat eine große Dachterrasse. Als wir es uns an der Sonne gemütlich gemacht haben, tritt ein Musiker an uns heran. Er sammelt Geld ein. Ob sie bezahlen müssen, um zu spielen, frage ich ihn. Nein, das nicht, 40 Dollar Fixum bekommt er, den Rest machen die Trinkgelder. Das gelte für die meisten hier. „Ein hartes Leben“, stöhnt er. Der Broadway scheint eine Menge Leute auf diese Weise am Leben zu erhalten.</p>
<h2>Vater des Bluegrass</h2>
<p>Aber natürlich wird in Nashville auch immer noch das große Geschäft gemacht. Hier treten auch die großen Stars auf. Wir haben Glück: Im Ryman Auditorium gibt es eine Reihe von Bluegrass-Konzerten, und ein paar Tage nach unserer Ankunft spielt Ricky Skaggs dort, wo früher die „Grand Ole Opry“ residierte, jene legendäre Radioshow, die Nashville eigentlich erst zur „Music City“ machte. Skaggs stand angeblich schon mit sechs Jahren auf der Bühne – neben Bill Monroe, dem Vater der Bluegrass-Musik, einem Stil der Country-Musik, der in teilweise halsbrecherischer Geschwindigkeit auf akustischen Instrumenten gespielt wird und Einflüsse traditioneller Musik aus den Appalachen, Jazz und Blues vereint.</p>
<p><iframe width="930" height="523" src="https://www.youtube.com/embed/KYTvj9Z_rlo?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Seit den Achtzigerjahren ist Skaggs ein Star, der nicht nur Bluegrass spielt. Er war Bandmitglied von Country-Rock-Ikone Emmylou Harris und von Jazz-Legende Charlie Haden.</p>
<p>Ein echtes Urgestein hier ist der Fiddler Buddy Spicher. Vor einigen Tagen hatten wir den 77-Jährigen besucht, um mit ihm über seinen Werdegang zu sprechen. Über Nashville und das Fiddeln. Seit den Fünzigerjahren macht Spicher Musik, spielte mit Dolly Parton, aber auch mit Elvis Presley und Ray Charles.</p>
<p>Heute hat er sich weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen, lebt über dem „Fiddle House“, einer Geigenwerkstatt, gibt aber immer noch Unterricht und hat ab und zu Arbeit im Studio. Er zeigt sich über die heutige Musikszene desillusioniert: „Es geht nur noch ums Geldverdienen.“ Es sei wichtig, gut auszusehen, musikalisches Können hingegen zweitrangig. „Heute wird bei der Aufnahme dafür gesorgt, dass die Musiker passabel klingen.“</p>
<h2>Anfassen verboten</h2>
<p>Buddy Spicher hat sich das Geigenspiel als Kind selbst beigebracht. Seine beiden Onkel, erzählt er, spielten Fiddle, aber er durfte ihre Instrumente nicht berühren. „Wenn sie draußen beim Heumachen waren, habe ich mich hereingeschlichen, und ihre Fiddle unter dem Bett hervorgeholt.“ Er versuchte, die Melodien nachzuahmen, die er auf den Grammophonplatten seiner Mutter hörte. „Ich habe die komplizierten Stellen so oft gehört, bis die Platten völlig abgenutzt waren.“ Musik, so sah es sein Vater, sei ein Zeitvertreib, aber kein Beruf. Mit 13 lief er von zu Hause weg, um in einem Studio vorzuspielen. Mit 14 hatte er die ersten Jobs als Musiker.</p>
<p><iframe width="930" height="698" src="https://www.youtube.com/embed/Tldh5hKPvSA?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Spicher erzählt uns, wir müssten unbedingt Roni Stoneman kennenlernen, wenn wir mehr über Bluegrass erfahren wollen. Veronica „Roni“ Stoneman sprudelt schon am Telefon über vor Geschichten und will sich gern mit uns unterhalten.</p>
<p>Aber bevor wir Stoneman treffen, verbringen wir den Tag in East Nashville, einem Stadtteil, der nichts von der Betriebsamkeit des Broadway hat. Hier wohnen viele Studenten, das Bild prägen szenige Cafés und Second-Hand-Läden, von denen uns einer ins Auge fällt, weil er von einem großen Gemälde geziert wird, auf dem berühmte Musikerinnen verewigt sind. „Fanny&#8217;s House Of Music“ ist eine Kombination aus Musikladen, Musikschule und einem Raum mit Vintage Clothing.</p>
<h2>Im Haus der Musik</h2>
<p>Leigh Maples und Pamela Cole betreiben seit über fünf Jahren ihr „Haus der Musik“. Selbst in dieser Stadt, in der Musik allgegenwärtig ist, wollen Kinder nicht unbedingt ein Instrument erlernen, erfahren wir im Gespräch mit den beiden. Cole, die im ländlichen Tennessee zur Welt kam, hat miterlebt, dass Musik auch einen ganz anderen Stellenwert haben kann. „Zuhause war die ganze Zeit Musik um uns herum.“</p>
<p>Sie erzählt, dass sehr oft Eltern mit Kindern zu ihnen kommen, die erfolglos versucht hätten, die Zöglinge zu unterrichten. „In Nashville gibt es vielleicht mehr Musiker als anderswo“, sagt sie. „Aber es ist schwierig für Eltern, ihre Kinder zu unterrichten. Die wollen das oft nicht.“ Sie glaube sogar, dass die Präsenz von Musik auch ein Problem sein könne: „Dass Musik etwas Schönes ist und es nicht darum geht, reich und berühmt zu werden, geht in Nashville leicht verloren, gerade wegen des Musikgeschäfts.“</p>
<p>Das war in der Familie von Roni Stoneman, die in den Dreißiger- und Vierzigerjahren aufwuchs, ganz anders. Die Tochter von Ernest „Pop“ Stoneman, einem der ersten kommerziell erfolgreichen Country-Musiker, erzählt uns, dass in ihrem Zuhause überall Instrumente herumstanden. „Er baute sie selbst“, erzählt Stoneman. „Und jedes Mal, wenn jemand von uns Kindern anfing zu spielen oder daran interessiert zu sein schien, räusperte er sich, weil wir uns um die Instrumente prügelten. Wir lebten vier Jahre lang in einem Haus mit nur einem Zimmer. Aber Daddy baute unsere Instrumente, und er beobachtete, um welche Instrumente wir uns stritten. Eines Tages kam er von der Arbeit, mit einem Banjo-Hals, den er während der Mittagspause geschnitzt hatte. Das werde ich nie vergessen.“</p>
<h2>Musikmachen war Männderdomäne</h2>
<p>So kam es, dass Roni Stoneman schon als Kind lernte, Banjo zu spielen. Allerdings merkte sie früh, dass das Musikmachen eine Männerdomäne war. Als einmal ein bekannter Banjo-Spieler bei den Stonemans zu Besuch war, um mit Ronis Bruder Scotty zu spielen, erzählte sie stolz, sie spiele auch Banjo. Der Besuch habe daraufhin gesagt: „Das tust du nicht.“ Der Grund: „Du bist ein Mädchen.” Was die junge Musikerin wütend machte: „Ich trat ihn so doll wie ich konnte, und er schrie, weil ich ihn am Schienbein getroffen hatte.”</p>
<p><iframe width="930" height="523" src="https://www.youtube.com/embed/WFN4Dp-p7cQ?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<h2>Papa Pop</h2>
<p>Was Stoneman aber mindestens genauso wichtig ist, ist die Geschichte ihres Vaters Ernest „Pop“ Stoneman, der einen wichtigen Anteil daran hatte, dass der New Yorker Produzent Ralph Peer 1927 sein mobiles Studio in Bristol, Tennessee aufbaute, um sogenannte Hillbilly-Musiker aufzunehmen. Darunter waren unter anderem die Carter Family und Jimmie Rodgers, die ersten Stars der Szene – die Bristol Sessions wurden so zum „Urknall der Country Music“. Dabei war Ernest Stoneman schon vorher als Musiker erfolgreich. Roni nimmt uns mit nach Hause, um uns eine Walze mit „The Titanic“ vorzuspielen, die ihr Vater 1924 aufgenommen hat.</p>
<h2>Uncle Pen</h2>
<p>Nach unserem Besuch in Nashville fahren wir aufs Land und statten der wöchentlichen „Barn Jamboree“ in Rosine, Kentucky, einen Besuch ab. Was uns dort erwartet, davon haben wir nur eine sehr vage Vorstellung. Inmitten der rollenden Hügel von Kentucky liegt das rund 40 Einwohner zählende Dorf, die Wiege des Bluegrass. Hier liegt auch Bill Monroe begraben und hier steht die Hütte von „Uncle Pen“, der einen großen Einfluss auf Monroe hatte. Und zwei Meilen weiter, in Jerusalem Ridge, das Geburtshaus. Seit 22 Jahren treffen sich hier an jedem Freitag Musiker aus der Region und gelegentlich von weiter weg, um in der Scheune miteinander zu spielen. Old Time Music, Bluegrass und ein bisschen Country.<br />
<iframe width="930" height="698" src="https://www.youtube.com/embed/skSUX7pNmSU?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Es scheint zunächst, als würden Repertoire und instrumentale Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben. Aber auch hier haben sich die Zeiten gewandelt. Ein junges Mädchen singt „You Ain’t Woman Enough To Take My Man“ von Loretta Lynn, wobei sie den Text von ihrem Smartphone abliest. Ein zehnjähriger Junge, der mit den Erwachsenen Fiddle spielt, muss mit einigem Nachdruck zum Üben überredet werden. Sein Großvater, auch ein Fiddler, erzählt uns, dass der Junge lieber am Computer spielt. Weswegen die beiden ausgemacht haben: Der Kleine darf eine Stunde am Computer spielen, wenn er dafür eine Stunde an der Geige übt.</p>
<h2>Letzter Überlebender</h2>
<p>Wir fahren weiter ins 550 Kilometer entfernte Bristol zur Eröffnung des „Birthplace of Country Music“-Museums. Zur Feier des Tages hat sich auch Ralph Stanley angekündigt, einer der letzten Überlebenden der ersten Bluegrass-Generation. Wir brechen in strömendem Regen am frühen Morgen auf, um den Stanleys Auftritt noch zu erwischen. Eigentlich hätten wir es gerade so schaffen müssen. Aber wir bekommen nur noch den letzten Song seines Auftritts mit. Bristol liegt einerseits in Tennessee, andererseits in Virginia, wo es immer schon eine Stunde später ist. Das Museum liegt jenseits der Grenze.</p>
<p>Es erzählt von den „Bristol Sessions“, mit allem, was ein modernes Museum zu bieten hat, interaktiv, multimedial, mit Filmen und natürlich viel Musik. So öffnet es den Blick auf eine Welt, in der es noch kein Fernsehen gab, geschweige denn ein Internet. Eine Welt, in der Menschen aus einfachsten Verhältnissen, wie Ernest Stoneman mit seiner Frau und ihren 14 Kindern die Musik schufen, aus der später nicht nur eine millionenschwere Industrie wurde, sondern die auch einen wesentlichen Einfluss auf die gesamte Popkultur hatte: Elvis Presleys erste Platte enthielt mit „Blue Moon of Kentucky“ einen Song von Bill Monroe.</p>
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		<title>Die Unglücksraben</title>
		<link>https://www.weltseher.de/die-ungluecksraben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Nov 2015 07:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Broadway]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Huth]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspieler]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer in einer Show auf dem New Yorker Broadway spielt, hat es als Schauspieler geschafft. Für Künstler mit Behinderung nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Um zu zeigen, dass auch sie Talent haben, hat eine kleine Gruppe abseits des Broadway ein eigenes Stück auf die künstlichen Beine gestellt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-ungluecksraben/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Wer in einer Show auf dem New Yorker Broadway spielt, hat es als Schauspieler geschafft. Nahezu unmöglich scheint es für Künstler mit Behinderung zu sein. Sie kämpfen trotzdem für ihren Traum und geben nicht auf.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Mal wieder hat es nicht geklappt. Rachels Schauspielleistung ist, wie so oft, zur Nebensache geworden. Das passiert immer, wenn die Jury bei einem Casting ihre Bein-Prothese bemerkt. „Du bist so inspirierend. Danke vielmals für dein Kommen. Du hörst von uns!“ Natürlich weiß Rachel in diesen Momenten, dass sie nie wieder von ihnen hören wird.</p>
<p style="text-align: left;">So auch bei ihrem jüngsten Vorsprechen für eine Broadway-Show: die Gaunerkomödie „A Gentleman&#8217;s Guide to Love and Murder“ für die Rolle der Phoebe (<em>Role Description: beautiful, virtuous, forthright, romantic, comically earnest, with a backbone of steel!</em>). Mittlerweile ist das schon über ein halbes Jahr her. Dabei hatte sich die 27-Jährige diesmal ernsthaft Hoffnungen gemacht. „Meine Gesangslehrerin kennt den Regisseur und es ist eine Rolle, zu der meine Stimme perfekt passen würde“, sagt sie resigniert. Doch Rachel kann, will und wird nicht aufgeben. Denn sie hat einen Traum.</p>
<p style="text-align: left;">Dieser Traum wohnt am Times Square in New York. Dort wo bunte Werbung von den Fassaden blinkt, wo gelbe Taxis hupen wie wütende Quietscheentchen und wo Menschen zwischen Wolkenkratzern wuseln wie Ameisen. Hier liegt das berühmteste Theaterviertel der Welt, voller schillernder Shows über Löwenkönige, Opern-Phantome und Wunderlampen.</p>
<h2 style="text-align: left;">25.000 Schauspieler wollen es schaffen</h2>
<p style="text-align: left;">Dass Rachel nicht die einzige ist, die diesen Traum träumt, merkt sie jedes Mal, wenn sie mit Hunderten Konkurrenten in meterlangen Warteschlangen für Castings steht. Schätzungen zufolge leben weit über 25.000 professionelle Schauspieler in New York. Und Verbände wie die <a href="http://www.aapacnyc.org/uploads/1/1/9/4/11949532/aapac_stats_2011-2012.pdf" target="_blank">Asian American Performers Action Coalition kritisieren</a>, dass weiße Schauspieler gegenüber Afroamerikanern (16 Prozent), Latinos und Asiaten (je 3 Prozent) auf New Yorker Bühnen mit 77 Prozent überrepräsentiert sind. Rachel ist zwar weiß. Sie gehört mit ihrer Behinderung aber jener Schauspieler-Minderheit an, deren Winzigkeit hier noch niemand gezählt hat. Am Broadway dürfte sie gegen Null gehen.</p>
<p style="text-align: left;">Dabei ist es gerade mal vier Jahre her, als die junge Frau aus New Jersey in den überfüllten Proberäumen der Castings beste Chancen hatte. Rachel war damals gerade erst nach New York gezogen &#8211; mit einem erstklassigen Abschluss aus Princeton in Musical- und Opern-Performance in der Tasche. Eine leidenschaftliche Tänzerin. Voller Stolz berichtet sie, dass sie schnell Rollen in kleineren New Yorker Theatern fand. „Regisseure kannten meinen Namen“, sagt sie und fügt mit Überzeugung hinzu: „Ich war auf Broadway-Kurs.“</p>
<p style="text-align: left;">Damit war es in der Sekunde vorbei, als Rachel nach einem Autounfall im März 2012 ihren abgerissenen Fuß neben ihrem Körper liegen sah. Trotz aller Schmerzen dachte sie noch an zwei Dinge: „Zuerst an meine Eltern, sie mussten doch wissen, was passiert war.“ Und gleich darauf: „Ich werde niemals mehr am Broadway spielen. All die harte Arbeit war umsonst. Das war der härteste Moment meines Lebens.“ Aber Rachel will jetzt kein Mitleid. Das wäre in einer Branche sowieso nur geschäftsschädigend, in der es um Happiness und Perfektion geht.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-10.jpg" data-caption="Rachel Handler hat einen Traum: sie will trotz ihrer Behinderung hier am Broadway auftreten. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-11.jpg" data-caption="Schauspielerin Rachel Handler verlor ihren Unterschenkel bei einem Autounfall. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-4.jpg" data-caption="Regisseurin Stephanie im Schneegestöber von New York. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-6.jpg" data-caption="Der rumänische Waisenjunge Nicu hat Regisseurin Stephanie dazu inspiriert, Schauspielern mit Behinderung eine Chance zu geben. Foto: Victor Ilyukhin. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-13.jpg" data-caption="Schauspieler M. Lopez in seiner Wohnung in Brooklyn. Seine Bein-Prothese ist immer gut versteckt. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-15.jpg" data-caption="Schwerer Aufstieg: Trotz seiner Behinderung kann Anthony heute seinen Lebensunterhalt mit der Schauspielerei bestreiten. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-5.jpg" data-caption="Rachel und Anthony bei den Proben zu &quot;Der Kirschgarten&quot;. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-2.jpg" data-caption="Rachel Handler musste nach ihrer Bein-OP wieder zu ihren Eltern ziehen. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york.jpg" data-caption="Filmemacher Victor mit seiner Kamera. Foto: Markus Huth" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/sw-new-york-7.jpg" data-caption="Die Schauspieler nehmen den Applaus nach dem Tschechow-Stück &quot;Der Kirschgarten&quot; entgegen. Foto: Victor Ilyukhin." alt=""></div></div>
<h2 style="text-align: left;">Die Beine gut versteckt</h2>
<p style="text-align: left;">Gerade sitzt sie nicht weit von der Aladdin-Spielstätte in einem der angesagten Bio-Fastfood-Restaurants. Die Beine gut versteckt unter dem gedeckten Tisch. Es ist voll hier. Und laut. Über Geschirrgeklapper und Gespräche ist das eigene Wort kaum zu verstehen. Trotzdem triumphiert ihre trainierte Stimme: „Nice to see you! How are you?“ Über dem weißen Pulli glitzert eine Halskette, die langen brünetten Haare rahmen ein Gesicht mit vornehmer Blässe und braunen Augen ein. Man kann sie sich gut in ihren bisherigen Rollen vorstellen. Sie spielte Eliza in My Fair Lady, Königin Anne in Richard III. oder Schneeweißchen in dem Märchen.</p>
<p style="text-align: left;">Bei dem Autounfall auf einem Highway in New Jersey war Rachel ausgerechnet auf dem Weg zu einem Casting. Der Traum von der nächsten Rolle wurde zum realen Albtraum, von jetzt auf gleich Invalide. Und damit könnte die Geschichte der Schauspielerin Rachel Handler hier zu Ende sein. Der Vorhang gefallen über dem letzten Bühnenbild, das sie im Krankenhausbett zeigt. Einen Verband um den Rest ihres linken Beins gewickelt. Weinend beim Anruf des Regisseurs, der ihr eine Rolle zusagen will, aber noch nichts von dem Unfall weiß. Elend wie eine Figur aus Victor Hugos auf die Bühne gebrachten Roman Les Misérables, begleitet vom Lied der todtraurigen Fantine:</p>
<p style="text-align: left;"><em>I had a dream my life would be</em><br />
<em> So different from this hell I&#8217;m living</em><br />
<em> So different now, from what it seemed</em><br />
<em> Now life has killed the dream I dreamed</em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Ich hab&#8216; geträumt, mein Leben wär&#8216;</em><br />
<em> ein Schicksal außerhalb der Hölle.</em><br />
<em> Gott gibt den Wünschen keinen Raum,</em><br />
<em> nichts blieb mir mehr von meinem Traum.</em></p>
<h2 style="text-align: left;">Der nächste Akt</h2>
<p style="text-align: left;">Aber Rachels Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Der nächste Akt beginnt 40 Blocks südlich vom Times Square mit der Szene eines Dokumentarfilms. Dort wo der Broadway keine Traumfabrik mehr ist, sondern nur noch eine Verkehrsstraße. Durchs Schneegestöber stapft eine Frau um die 50 in einem dicken Mantel, die Haare kurz und die Stimme schroff, aber herzlich. Sie wirkt wie jemand, der einem nach einer schlimmen Trennung sagt: Komm schon, hör auf zu heulen! Es gibt noch so viele andere Fische im Wasser! Die Frau heißt Stephanie Barton-Farcas und sie ist Regisseurin.Vor 14 Jahren hat sie das erste inklusive Theaterprojekt der Stadt gegründet: die <a href="http://www.spoontheater.org/" target="_blank">Nicu&#8217;s Spoon Theater Company</a>.</p>
<p style="text-align: left;">Der Name dieses Theaters geht auf einen rumänischen Waisenjungen zurück, um den sich Stephanie bei sozialer Freiwilligenarbeit in den 1990ern gekümmert hatte. Nicu war geistig und körperlich behindert, stets staunend über die Reflexion des Sonnenlichts in seinem Esslöffel. Er starb bald an Aids. Doch sein Leben währte lang genug, so dass Stephanie ihn nie wieder vergessen konnte und sich fortan für Menschen mit Behinderung in ihrer Branche einsetzte.</p>
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																			<div class="aesop-stacked-caption">Der rumänische Waisenjunge Nicu hat Regisseurin Stephanie dazu inspiriert, Schauspielern mit Behinderung eine Chance zu geben. Foto: Victor Ilyukhin. </div>
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<p style="text-align: left;">Fast zwei Jahrzehnte nach Nicus Tod läuft Stephanie also durch den Dokumentarfilm eines jungen russischen Filmemachers. <a href="http://www.22troublesfilm.com/" target="_blank">„Die Unglücksraben (Two and Twenty Troubles)“</a> handelt davon, wie die Regisseurin ein Tschechow-Stück mit einer Handvoll behinderter und nicht-behinderter Schauspieler auf die Bühne eines kleinen New Yorker Theaters bringen will. Nicht als Therapie. Nicht als Wohltätigkeit. Sondern als gutes Theaterstück. Mit dabei: Rachel Handler.</p>
<p style="text-align: left;">Anderthalb Jahre ist es her, dass sie ihren linken Unterschenkel bei dem Autounfall verloren hat. Es stehen noch weitere Operationen an, und wenn Rachel nicht aufpasst, könnte sie den Oberschenkel auch noch verlieren. Warum also tut sie sich die anstrengenden Theaterproben und sogar einen Filmdreh an?</p>
<p style="text-align: left;">„Es war der eigenartigste Zufall überhaupt“, sagt sie rückblickend, „dass ich schon vor meinem Unfall in Stephanies Aufführungen mitgespielt habe, ohne überhaupt zu wissen, dass es inklusive Projekte für Schauspieler mit Behinderung waren.“ Erstaunt erfährt sie von Stephanie, dass sie nicht trotz, sondern wegen ihrer Behinderung eine Rolle in dem Tschechow-Stück bekommen könne. Rachel muss nicht lange überlegen: „Meine Karriere war nicht vorbei. Dieser Gedanke gab mir neue Kraft.“ Es wird der tragischste Moment des gesamten Films, als sie die Proben wegen einer dringenden Operation schließlich doch abbrechen muss.</p>
<h2 style="text-align: left;">Zombie-Rollen wegen entstelltem Gesicht</h2>
<p style="text-align: left;">Aber davon weiß Rachel in jener Szene noch nichts, als sie sich auf Krücken durch den kleinen Proberaum schwingt und als Hausmädchen Dunjascha den Filmtitel aussprechen darf, indem sie ihren vom Pech verfolgten Bühnen-Verlobten einen „Unglücksraben“ nennt.</p>
<p style="text-align: left;">Die reale Rachel könnte damit auch sich selbst meinen. Oder ihre Kollegen in dem Proberaum. Zum Beispiel den Mann, der nur Zombie-Rollen bekommt, weil sein Gesicht von Geburt an durch eine Fehlbildung entstellt und mehrfach operiert ist. Oder die Frau, der im Alter von sechs Jahren alle Haare vom Kopf fielen. Oder den anderen Hauptprotagonisten des Dokumentarfilms: Anthony M. Lopez, der wie Rachel nur ein gesundes Bein hat. All diese scheinbaren Unglücksraben stehen im Zentrum des Films von Victor Ilyukhin.</p>
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                               title="Filmemacher Victor Ilyukhin. Foto: Markus Huth">
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                                Filmemacher Victor Ilyukhin. Foto: Markus Huth
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<p style="text-align: left;">Für den jungen Filmemacher aus Russland sind sie aber mehr als das: „Sie sind Menschen, die trotz schlimmer Schicksalsschläge nicht aufgeben wollen, die immer weiter für ihre Träume kämpfen“, sagt er in seinem kleinen Büro in Manhattan. Für ihn ist es ein universelles Thema. Aber das Interesse von Investoren an Schauspielern mit Behinderung ist gering. Jedenfalls musste Victor, dessen Assistenten-Job für einen bekannten Künstler gerade so zum Leben reicht, seinen Film durch Crowdfunding und Selbstausbeutung finanzieren. Das Theaterstück wurde auch nicht am Broadway aufgeführt, sondern nur Off-Off-Broadway: je mehr Off, desto weiter weg von der Traumfabrik am Times Square.</p>
<h2 style="text-align: center;">Minderheit, bei der jeder jederzeit Mitglied werden kann</h2>

<p style="text-align: left;">Aber warum ist das so? Schließlich sind Helden, die gegen alle Widrigkeiten für ihre Träume kämpfen, das klassische Thema aus Musical, Film und Theater. Eine Antwort gab der inzwischen verstorbene Dramatiker John Belluso: Das Publikum fürchte sich vor Behinderten, „weil es die einzige Minderheit ist, bei der jeder jederzeit Mitglied werden kann.“ Ein Autounfall wie bei Rachel genügt und man ist unfreiwillig in einer Gemeinschaft, die in den Augen vieler durch Ausgrenzung und Hilfsbedürftigkeit geprägt ist. Daran wolle keiner gerne erinnert werden.</p>
<p style="text-align: left;">Andererseits faszinieren Figuren mit Behinderung. Sie können beim Publikum starke Emotionen auslösen. Filmschauspieler witzeln sogar, dass man für einen Oscar entweder in einem Film über den Holocaust oder eben einen Behinderten spielen muss. Dustin Hoffman gelang das in <em>Rain Main</em>, Daniel Day-Lewis in <em>My Left Foot</em> oder jüngst Eddie Redmayne mit seiner Darstellung des Astrophysikers Stephen Hawking. Alle diese Schauspieler haben eines gemeinsam: Sie spielen eine Behinderung, haben selbst aber keine. Ihre Rollen sind rührende Metaphern über das Leben. Erleichtert kann das Publikum aufatmen, wenn es die Stars wieder unversehrt auf dem Roten Teppich sieht. Alles nicht so schlimm. Es war doch nur gespielt.</p>
<p style="text-align: left;">Einen, den diese Distanzierung stört, ist Anthony M. Lopez. Neben Rachel der zweite Hauptdarsteller der Unglücksraben. Auch er trägt eine Bein-Prothese, wurde aber mit seiner Behinderung geboren. Das Inklusions-Theater war für ihn nach vielen Rückschlägen der Versuch, seine Schauspieler-Karriere wiederzubeleben – und der Versuch glückte. In den vergangenen zwei Jahren bekam Anthony immer mehr Aufträge, konnte schließlich seinen Brotjob als Social-Media-Manager an den Nagel hängen und lebt heute in einer hippen Wohnung zwischen Büchern und Gemälden in Brooklyn. Während sich der Blick von seiner Dachterrasse auf Manhattan öffnet, erzählt er, wie ihm das gelang.</p>
<p style="text-align: left;"> „Egal ob Behinderung oder nicht, die wichtigste Regel für einen Schauspieler lautet: Kenne deinen Typ!“ Der 30-Jährige ist schlaksig, hat eine Glatze und schaut durch seine rote Hipster-Brille immer eine Spur zu streng. „Ich bin der etwas vertrottelte Typ, manchmal auch der Fiese“, meint er ohne eine Miene zu verziehen. Äußerlich ist seine Prothese nicht zu erkennen. Allein der hinkende Gang verrät sie. Für ihn sei das nicht so schlimm wie für Hauptrollen-Typen, meint Anthony. Er sieht es sogar als Vorteil, weil er Aufträge in der Behinderten- und der Nicht-Behinderten-Welt bekommt. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Werbespots, TV-Rollen, Webclips, als Synchronsprecher und in Off-Broadway-Shows. Die schillernde Broadway-Industrie, die Theater- und Musical-Darsteller mit wenigstens 1.800 Dollar pro Woche immer noch am besten bezahlt, sieht er hingegen kritisch. Vor allem wegen solcher Geschichten wie mit Daniel Radcliffe.</p>
<h2 style="text-align: left;">Daniel Radcliffe als &#8222;Krüppel&#8220;</h2>
<p style="text-align: left;">Dazu muss man wissen: Der Broadway ist nicht nur eine Traumfabrik, sondern auch eine Geldmaschine. Allein in der vergangenen Woche spielten die 25 laufenden Shows über 24 Millionen Dollar ein. Und wie ein Auto Benzin, braucht diese Maschine Stars, die zahlende Zuschauer locken. Solche wie Daniel Radcliffe, der als Harry Potter weltbekannt wurde. Im vergangenen Jahr spielte er die Hauptrolle in der <a href="http://www.crippleofinishmaan.com/" target="_blank">Broadway-Komödie „Der Krüppel von Inishmaan“</a>. Die Kritiker feierten ihn unter anderem für seine glaubhafte Darstellung der Behinderung von „Krüppel“ Billy, dessen Körper teilweise gelähmt ist. Broadway und Hollywood funktionieren hier nach denselben Regeln.</p>
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																			<div class="aesop-stacked-caption">Schwerer Aufstieg: Trotz seiner Behinderung kann Anthony heute seinen Lebensunterhalt mit der Schauspielerei bestreiten. Foto: Markus Huth</div>
																	</div>
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<p style="text-align: left;">„Ich bin sicher, Radcliffe war wunderbar“, sagt Anthony mit strengem Blick, „aber ich kenne talentierte Schauspieler mit Behinderung, die diese Rolle hätten spielen können. Sollten nicht nur Darsteller mit Behinderung Figuren mit Behinderung spielen dürfen?“ Anthony, der sich in Rage geredet hat, findet: Ja. Es ist eine Debatte, die in den USA derzeit von einer immer selbstbewusster auftretenden Gemeinschaft behinderter Schauspieler geführt wird. Das geht bis zum Vergleich mit dem sogenannten „Blackfacing“, bei dem weiße Darsteller ihr Gesicht schwarz schminken, etwa um den dunkelhäutigen Shakespeare-Feldherrn Othello zu mimen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Wird es klappen?</h2>
<p style="text-align: left;">Solch radikale Kritik an der Unterhaltungsindustrie ist Rachel fremd. Dabei räumt sie ein, dass sie trotz einiger Rollen von der Schauspielerei nicht leben kann und nebenbei in einer Eventagentur jobben muss. In Rage gerät sie hingegen bei der Frage, ob sie nach einer gewissen Zahl an erfolglosen Castings ihren Traum nicht überdenken möchte. „Frage niemals Schauspieler in New York, ob sie den Broadway aufgeben! Wer hier lebt, verfolgt diesen Traum!“ Sie war bislang einfach nicht gut genug für den Broadway. So sieht sie es.</p>
<p style="text-align: left;">Deswegen will Rachel jetzt noch mehr Unterricht nehmen, sich noch besser auf das nächste Casting vorbereiten, auf ihre große Chance warten und solange eben auf kleineren Bühnen spielen – bald auch wieder mit Nicu&#8217;s Spoon Theater Company. Sie ist sich sicher: Irgendwann wird es klappen.</p>
<p style="text-align: left;">Diese Frau, die da gerade aus dem Restaurant in die wuselnde Menschenmasse am Times Square verschwindet, scheint nichts aufhalten zu können. Trotz oder gerade wegen ihrer Behinderung.</p>
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		<title>&#8222;Makai, Dude!&#8220;</title>
		<link>https://www.weltseher.de/makai-dude/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2014 06:57:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Bräuche]]></category>
		<category><![CDATA[Kalifornien]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Huth]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Surfen]]></category>
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					<description><![CDATA[In Kalifornien ist Surfen nicht nur Wassersport, sondern Kultur. Im Küstenort Oceanside gibt es dafür sogar ein Museum. Neben einem Hai-Gebiss und jeder Menge Brettern hütet das Haus ein ganz besonderes Exponat.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/makai-dude/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>In Kalifornien ist Surfen nicht nur Wassersport, sondern Kultur. Im Küstenort Oceanside gibt es dafür sogar ein Museum. Neben einem Hai-Gebiss und jeder Menge Brettern hütet das Haus ein ganz besonderes Exponat.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Von der Küste vor San Francisco runter nach Los Angeles bis zur mexikanischen Grenze nach San Diego: In Rudeln lauern Surfer auf ihren Brettern und starren auf den Pazifik. Plötzlich: Tzzzschhh! Kurz vor dem zischenden Geräusch der brechenden Welle weiß jeder Surfer: Jetzt geht’s los. Aufstehen, Gleichgewicht halten und die Welle reiten wie ein Cowboy den Bullen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Awesome, Dude!“, rufen sich die Wellenreiter am Ufer zu, egal ob langhaarig und durchtrainiert oder moppelig und kahlköpfig. Mit triefenden Surfbrett unterm Arm, die Haut durch jahrelange Sonnenbestrahlung ganz golden, kommen sie breit lächelnd und pitschnass aus dem Ozean getrottet. „Super, Kumpel!“ reicht hier als Übersetzung wohl nicht aus.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die Hüterin des Surf-Erbes</h2>
<p style="text-align: justify;">Denn Surfen ist in Kalifornien nicht nur Wassersport. Es ist Lebensgefühl, Mentalität, ja sogar Teil des kulturellen Erbes. Das findet zumindest Jane Schmauss. Die Dame in der bunten Blümchenbluse ist hauptberufliche Hüterin dieses Erbes – als  Mitbegründerin und Historikerin des <a href="http://surfmuseum.org/" target="_blank">„California Surf Museums“</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Gebäude in der Küstenstadt Oceanside ist nicht größer als eine Fastfood-Filiale, hat ein wellenförmiges Dach und einen Metallsurfer als Logo an der Fassade. Innen stehen Surfbretter in allen Farben, hübsch ausgeleuchtet wie Skulpturen in einer Galerie. Dazu Erklärtafeln und historische Fotos von tollkühnen Männern und Frauen, Legenden der Surf-Geschichte.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-surfen-kalifornien-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-surfen-kalifornien-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-surfen-kalifornien-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-surfen-kalifornien-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="40000000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6965.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Surfer gehören in kalifornischen Küstenorten zum Alltagsbild. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7808.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Kalifornien machte Surfen zu einer Industrie und das Image vom langhaarigen, gebräunten Wellenreiter zum weltweiten Exportschlager. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7132.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Sogar Verkehrsschilder mit Surfern darauf gibt es. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6592.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Hüterin des kalifornischen Surf-Erbes: Jane Schmauss ist Historikerin am "California Surf Museum". © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6746.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Museum sind historisch wichtige Surfbretter wie Skulpturen ausgestellt. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6775.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In den Anfangstagen des Surfens waren die Bretter noch lang und schwer. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6789.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Moderne Surfbretter sind kürzer, spitzer, schneller und haben Steuerflossen am Boden. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6969.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Doch egal welches Brett: Nass wird jeder Surfer. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6651.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch das Gebiss eines Tigerhais bewahrt Schmauss im Museum auf. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6722.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein Hai hatte 2003 auch die 13-jährige Surferin Bethany Hamilton vor Hawaii attackiert und biss ihr den Arm ab. Hamilton schaffte es einarmig zur Profisurferin und ihr Unfallbrett steht heute im Museum. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6711.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Tigerhai biss ein großes Stück des Surfbretts heraus. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6984.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch vor Kalifornien gibt es Haie. Das Risiko einer Attacke ist aber gering. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7055.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Liebe zu Wellen lässt Surfer einfach nicht los. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7989.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Surfer sind Rudeltiere. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_5627.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Aber eine Welle kann immer nur ein Surfer reiten. © Markus Huth</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_8048.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Begründer des modernen Surfens: In der "Surf City" Huntington Beach haben sie Duke Kahanamoku ein Denkmal errichtet. © Markus Huth</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-surfen-kalifornien-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6965-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7808-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7132-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6592-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6746-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6775-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6789-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6969-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6651-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6722-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6711-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_6984-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7055-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_7989-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_5627-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/10/MG_8048-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Museum platzt aus allen Brettern</h2>
<p style="text-align: justify;">„Surfen hat die kalifornische Identität mitgeprägt“, behauptet die Historikerin. Statt zwischen Bücherregalen, steht ihr Schreibtisch zwischen Surfbrettern. Langen und kurzen, bunten und schmucklosen, spitzen und abgerundeten. Über 300 Bretter befinden sich im Museum, einige in den Ausstellungen, die meisten im Lagerraum. Das Museum platze inzwischen aus allen Nähten, sagt Schmauss. Was vor fast 30 Jahren als Freundschafts-Projekt von ein paar Surf-Liebhabern begann, ziehe heute immer mehr Besucher an. Weit über 500.000 Menschen hätten das kleine Museum seitdem besucht.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Schmauss, damals noch Restaurant-Besitzerin, und ihre Freunde 1986 anfingen, ein paar alte Bretter in ihrem Lokal auszustellen, war die Erinnerung an die Anfänge der kalifornischen Surfwelt noch präsent. „Geld spielte für die ersten Surfer keine Rolle. Wir wollten die Erinnerung dieser Pionierphase für die nachfolgenden Generationen bewahren&#8220;, sagt Schmauss. Denn heute ist Surfen zu einer milliardenschweren Industrie geworden.</p>
<h2 style="text-align: left;">Teures Brett</h2>
<p style="text-align: justify;">Es gibt Wettkämpfe, Werbung, vermarktbare Stars und Mode. Bretter für jede Wellen- und Wetterlage werden industriell gefertigt und weltweit verkauft, genauso wie Neoprenanzüge. Experten-Schätzungen zufolge surfen in den USA um die zwei Millionen Menschen, weltweit könnten es über 20 Millionen sein. „Es ist ein riesiger Markt geworden“, sagt Schmauss. Und einige Museums-Exponate, die die Vorbesitzer damals auf den Müll werfen wollten, sind heute viel Geld wert.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum Beispiel das von Kratzern und Rillen durchfurchte Brett am Beginn der Ausstellung „Eine kurze Geschichte der Surfbretter“. Das drei Meter lange Teil aus Mammutbaumholz sieht aus wie ein gigantisches Bügelbrett. Nahe der Spitze ist das Wort „Makai“ eingraviert. „Das ist Hawaiianisch und bedeutet: Zum Meer“, erklärt Schmauss und fügt hinzu: „Falls es authentisch ist, ist es heute über 15.000 Dollar wert.“</p>
<h2 style="text-align: left;">Der Vater des modernen Surfens</h2>
<p style="text-align: justify;">Grund für den stolzen Preis ist der Mann auf dem Schwarzweiß-Foto daneben: Mit nacktem Oberkörper und altmodischen Badehosen bis unter die durchtrainierte Brust lächelt er in die Kamera :„Duke Kahanamoku – Der Vater des modernen Surfens“, steht über dem Foto. Der 1890 in Honolulu geborene Surfvater, sagt Schmauss, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schöpfer des Bretts. Gesichert ist es aber nicht, da er es leider nicht signiert hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Kahanamoku surfte, waren die Bretter viel länger und schwerer als die heutigen. Perfekt für gemächliche Langstrecken-Wellenritte, wie der Besucher im Surf-Museum erfährt. Auch dass das Surfen eine jahrhundertelange Tradition in Polynesien hat. Nach Kalifornien kam der Sport vor ziemlich genau 100 Jahren.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Juni 1914 heuerte ein Hawaiianer als Rettungsschwimmer im benachbarten Touristenörtchen Huntington Beach an. Im Gepäck hatte er ein zweieinhalb Meter langes Brett, womit er unter den staunenden Augen von Passanten auf den Wellen herumritt. Sogar die Lokalzeitung berichtete am nächsten Tag. Der Mann hatte bald Schüler und Kalifornien wurde die Wellenreiter nicht mehr los.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die tragische &#8222;Mona-Lisa&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">In allen kalifornischen Küstenorten sind sie inzwischen Teil des Alltags. Surfen wird in der Schule unterrichtet, Wettkämpfe ziehen tausende Zuschauer an die Strände und es gibt sogar Verkehrsschilder mit Surfern darauf. In Huntington Beach, genannt „Surf City“, steht heute eine Statue von Duke Kahanamoku. Und es gibt auch hier ein Surf-Museum. „Aber wir sind älter“, insistiert Jane Schmauss schroff und geht zügig zum nächsten Exponat: „Unsere Mona-Lisa.“ Die lächelt allerdings nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Stattdessen scheint das Exponat, ein weiß-rotes-blaues Surfbrett, das Maul aufzureißen wie ein angreifender Hai. Tatsächlich hat ein Tigerhai ein Stück herausgebissen – und den Arm der darauf liegenden Surferin gleich mit. Das Schicksal der 13-jährigen US-Amerikanerin Bethany Hamilton hatte 2003 in der Szene für Aufsehen gesorgt.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Surfer sind Kämpfer&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Auf dem besten Weg zur Profisurferin verlor sie bei einem Haiangriff vor Hawaii fast ihr Leben und schließlich den linken Arm. Dann passierte das Unglaubliche. Keine drei Wochen später stand das blonde Mädchen wieder auf einem Surfbrett. Auch einarmig schaffte Hamilton es zur Profisurferin, gewann zahlreiche Wettkämpfe und ist heute eine gefragte Motivationsrednerin.</p>
<p style="text-align: justify;">„Surfer sind eben Kämpfer“, sagt Schmauss. Dem Hai dürfe man indes nicht böse sein. „Der hatte sie wahrscheinlich mit einer Meeresschildkröte verwechselt.“ Was auch immer die Absichten des Hais gewesen sein mögen: Das Surfbrett wollte Hamilton wegen der bösen Erinnerung nicht mehr in ihrer Nähe haben und hat es dem Museum geliehen. Und das, sagt Schmauss, obwohl ihr andere viel Geld dafür geboten hätten. Aber sie habe mit der Tragödie keinen Profit machen wollen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Surfer leben gefährlich</h2>
<p style="text-align: justify;">Aus ihrem Arbeitszimmer holt die Surf-Historikerin ein Tigerhai-Gebiss und hantiert damit herum. „Fühlen Sie mal diese scharfen Zähne!“ Mit dem Ding erschrecke sie oft Kinder, erzählt sie, damit die im Ozean gut aufpassen. Denn auch vor Kalifornien gibt es Haie. Und manchmal auch stürmische See.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Einklang mit der Natur leben, das Hier und Jetzt genießen, weil es vielleicht kein Morgen gibt – das sei die Mentalität von Surfern. „Deshalb lassen manche die Arbeit auch mal liegen, wenn die Wellen gerade gut sind“, fügt Schmauss grinsend hinzu. Das Wort „faul“ käme ihr nie über die Lippen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gefährlicher Lieblingstrick</h2>
<p style="text-align: justify;">Derweil lauern draußen am Pier von Oceanside, keine 500 Meter vom Surf-Museum entfernt, zwei Dutzend Wellenreiter auf die nächste Welle. Die Abendsonne legt goldene Farbtöne auf das Wasser, in dem sich die Köpfe als dunkle Pünktchen mit den Wellen auf und ab bewegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Mann mit blondem Bart, der aussieht wie ein tätowierter Wikinger, springt auf und gleitet schwungvoll zum Ufer. Kaum angekommen, schwimmt er samt Brett auch schon wieder &#8222;Makai&#8220; – zum Meer. Doch den Lieblingstrick des kalifornischen Publikums schafft heute keiner: Wenn es einem Surfer gelingt, zwischen den hölzernen Pfeilern des Piers hindurchzugleiten, schreien alle besonders laut: „Awesome, Dude!“</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-surfen-kalifornien-zusatz-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-surfen-kalifornien-zusatz-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-surfen-kalifornien-zusatz-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-surfen-kalifornien-zusatz-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" 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