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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 Sep 2015 01:39:14 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Wirtschaft &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Diorella</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2015 21:31:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Bichsel]]></category>
		<category><![CDATA[Prostitution]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Transsexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Stell dir vor, dein Land leidet unter der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten und du bist eine in die Jahre gekommene, transsexuelle Prostituierte. Willkommen in Diorellas Leben. In Griechenland verteilt sie tagsüber Essen an Bedürftige und verkauft nachts ihren Körper. Doch wegen der Wirtschaftskrise geht auch dieses Geschäft schlecht.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ich-bereue-nichts/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Stell dir vor, dein Land leidet unter der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten und du bist eine in die Jahre gekommene, transsexuelle Prostituierte. Willkommen in Diorellas Leben. In Griechenland verteilt sie tagsüber Essen an Bedürftige und verkauft nachts ihren Körper. Doch wegen der Wirtschaftskrise geht auch dieses Geschäft schlecht.</strong></p>
<p style="text-align: left;">Diorella hockt auf dem Boden, vor sich einen Haufen weißer Plastiktüten. Ihr blondes Haar fällt ihr über die Schultern, emsig füllt sie die einzelnen Tüten mit Lebensmitteln.</p>
<p style="text-align: left;">Jeden Mittwoch sortiert die Griechin Essensspenden, die an bedürftige Menschen aus der Transcommunity verteilt werden. Im Namen der Greek Transgender Association GTGA engagiert sich Diorella für die «am meisten gefährdete Minderheit im Land während der Krise», wie sie selbst sagt.</p>
<p style="text-align: left;">Die 88 Mitglieder der Gruppe bezahlen monatlich einen kleinen Solidaritätsbetrag, um die Miete eines Büros zu bezahlen. Aus diesem Topf kann Diorella auch mal Geld nehmen, um die Säcke in nicht ganz so guten Zeiten aufzufüllen.</p>
<p style="text-align: left;">Neben der Essensverteilung engagiert sich die Sechzigjährige wie ihre anderen Kolleginnen und Kollegen aus der Transcommunity auch auf Demonstrationen oder an Veranstaltungen für eine Verbesserung ihrer rechtlichen Situation.</p>
<p style="text-align: left;">Diorellas Arbeit für die GTGA ist ehrenamtlich. Über die Organisation, die seit 2010 in dieser Form existiert, fand ich den Kontakt zu ihr.</p>
<h2 style="text-align: left;">Grenzschließung verhindert Geschlechtsumwandlung</h2>
<p style="text-align: left;">Diorella wuchs in den Fünfzigerjahren in Athen auf. Mit ungefähr 13 Jahren, sagt sie, realisierte sie ihre weibliche Geschlechtsidentität und führte während ihrer Pubertät eine Beziehung mit einem Mann.</p>
<p style="text-align: left;">Damals organisierte sich Diorella einen Termin beim Gynäkologen Dr. Georges Bouru in Casablanca, einem Pionier der geschlechtsangleichenden Operationen und international bekannt in der Szene. Sie konnte den Termin jedoch nicht wahrnehmen, da die Militärdiktatur in Griechenland die Grenzen abriegelte.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella hatte keine andere Wahl, als sich diesem Schicksal zu fügen. Risikolos wäre sie nicht über die Grenze gekommen. Einen neuen Versuch machte sie nicht, ihre Umwandlung wurde daher nie vollzogen.</p>
<p style="text-align: left;">Ich durfte Diorella bei unserem Treffen in ihre Wohnung begleiten. Sie besitzt zwei kleine Wohnungen in Athen. In der einen lebt sie, die andere nutzt sie zum Arbeiten – seit einigen Jahren muss Diorella ihren Lebensunterhalt mit Prostitution finanzieren und sagt dazu nur: «Was soll ich sonst noch arbeiten?»</p>
<p style="text-align: left;">Diese Zweitwohnung vermietet sie an andere Frauen weiter. Durch die wirtschaftliche Krise in Griechenland leidet auch die Prostitution. Ein Kunde, der vorher bis zu zwei Mal die Woche bei ihr war, komme heute nur noch alle zwei Monate.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_07.jpg" data-caption="Zu Hause liest Diorella am liebsten ein Buch oder blättert in einem Magazin." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_02.jpg" data-caption="Die Frauen der Greek Transgender Association im Büro in Athen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_03.jpg" data-caption="Auf dem Gemüsemarkt in ihrer Nachbarschaft ist Diorella ein bekanntes  Gesicht." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_04.jpg" data-caption="Das Lieblingsparfüm gibt’s im Chinaladen günstiger." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_06.jpg" data-caption="Diorellas Wohnung lebt von alten Erinnerungen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/06/9_Diorella_07.jpg" data-caption="Zu Hause liest Diorella am liebsten ein Buch oder blättert in einem Magazin." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Martin Bichsel</p></div>
<h2 style="text-align: left;">Ein Leben der Lust</h2>
<p style="text-align: left;">Die Wohnung, in der Diorella wohnt, ist ein Museum der Erinnerung. Überall hängen Bilder von Menschen, Porträts, die meisten schwarz-weiss. In filigranen Goldrahmen zieren Babykleider die Wände, Diorellas Schränke sind vollgehängt mit Kostümen aus ihren jüngeren Jahren.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella arbeitete jahrelang als Tänzerin und Entertainerin in diversen Clubs und Cabarets in Athen und auf den griechischen Inseln.</p>
<p style="text-align: left;">Ihr größter Wunsch war es schon als Jugendliche, eine Schauspielschule zu besuchen. Sie schwärmt für die großen Stars der Sechziger Jahre – Marlon Brando, Greta Garbo, Brigitte Bardot. Doch ihre Mutter erlaubte ihr diesen Weg nicht.</p>
<p style="text-align: left;">So erlernte Diorella den Beruf der Dekorateurin und versuchte, sich das Geld für die Schauspielschule selbst zu verdienen. In den Achtzigerjahren lernte sie in Athen eine Frau kennen, die ihr Tanz und Schauspiel näher brachte.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine selbstbewusste Frau, eine Persönlichkeit, die weiß, was sie will. Sie macht keinen Hehl aus ihrer Geschichte und steht zu sich.</p>
<h2 style="text-align: left;">Die Schwester erbte zwei Häuser, sie nichts</h2>
<p style="text-align: left;">Als ich die Griechin freitags auf den Markt begleite, trägt sie einen bunten Kaftan über einer orangefarbenen Hose. Ihre Einkaufstasche ist farblich darauf abgestimmt, ihre Augen sind verdeckt von einer übergroßen Sonnenbrille, ihr Haar ist frisch frisiert.</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine auffällige Erscheinung, auch auf dem vollen Markt. Aber genauso freundlich wie sie selbst ist, wird sie auch bedient. Sie lacht mit den Leuten an den Marktständen und erledigt ihre Einkäufe mit Gelassenheit. Man kennt sie hier. Sie kauft immer freitags kurz vor Marktschluss ein, weil Obst und Gemüse dann weniger kosten.</p>
<p style="text-align: left;">Als ihre Mutter starb, vererbte diese zwei Häuser an Diorellas Schwester, sie selbst ging damals leer aus. &#8222;Mir wird nichts geschenkt&#8220;, sagt sie.</p>
<p style="text-align: left;">Und trotzdem sagt sie mit Bestimmtheit, dass sie eine gute Mutter gehabt habe. Auch zur Schwester hat Diorella ein gutes Verhältnis – deren Tochter lebt mit Familie in Athen, der Sohn mit sechs Kindern in Amerika.</p>
<h2 style="text-align: left;">Lebensfroh trotz Polizei-Schikanen</h2>
<p style="text-align: left;">Diorellas Nichte besucht sie regelmässig mit ihren vier Kindern, sie kennen ihre Geschichte. Auch ausserhalb ihrer Familie und der Transcommunity pflegt sie viele Freundschaften mit Leuten, die sie kennt «seit wir Babies sind».</p>
<p style="text-align: left;">Diorella ist eine positive, lebenslustige Frau. Nach der Diktatur in Griechenland gönnte sie sich einige Fernreisen, sie holte den ersehnten Schauspielunterricht nach. Es ist ihr wichtig, liebevoll und sozial gut integriert zu sein.</p>
<p style="text-align: left;">In ihren Erzählungen tauchen aber auch immer wie der Geschichten von Widrigkeiten auf, die nicht nur auf einer wirtschaftlich schwierigen Lage beruhen.</p>
<p style="text-align: left;">Beispielsweise wenn sie davon erzählt, wie sie als Prostituierte manchmal von der Polizei mit Absicht festgehalten und von Freitag bis Montag eingesperrt wurde, um ihr die lukrativen Wochenenden zu vermiesen.</p>
<p style="text-align: left;">Doch auch damit hat Diorella gelernt zu leben, so schnell haut sie nichts um. &#8222;Meine Verrücktheit hält mich am Leben&#8220;, sagt sie und lacht schallend.</p>
<hr />
<p><em>Während acht Jahren hat der Fotograf Martin Bichsel 11 Transmenschen in der Schweiz, Europa, Japan, Sibirien und Nordafrika in deren Alltag fotografiert und die Lebensgeschichten notiert. Das Ergebnis – ein Bild- und Textband – soll Zugang schaffen zu einem Thema, bei welchem zu oft weggeschaut und stigmatisiert wird:<strong> <a href="http://www.amazon.de/Trans-Visit-Lebensgeschichten-Martin-Bichsel/dp/3952411469" target="_blank">zum Buch</a></strong>.</em></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Trans-Visit-Lebensgeschichten-Martin-Bichsel/dp/3952411469" target="_blank">        <div id="aesop-image-component-4728-1"              class="aesop-component aesop-image-component "
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		<title>Für ein paar Dollar am Tag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2015 04:26:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bangladesch]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Mertens]]></category>
		<category><![CDATA[Bekleidungsindustrie]]></category>
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					<description><![CDATA[Bangladesch gilt als der zweitgrößte Textilhersteller der Welt. Im April 2013 stürzte eine der vielen Fabriken des Landes in sich zusammen. Über 1.100 Menschen starben bei dem Unglück in Dhaka. Seitdem hat sich einiges geändert.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/fuer-ein-paar-dollar-am-tag/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Bangladesch gilt als der zweitgrößte Textilhersteller der Welt. Im April 2013 stürzte eine der vielen Fabriken des Landes in sich zusammen. Über 1.100 Menschen starben bei dem Unglück in Dhaka. Seitdem hat sich einiges geändert.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es klappert und rattert. Tausende Hände ziehen flink Stoffteile über die Stichplatten. Hier ein Ärmel, dort eine Knopfleiste. Das Tempo ist schwindelerregend. Die Köpfe über die Nähmaschinen gebeugt sind die Arbeiter in der Textilfabrik in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka in ihre Aufgabe vertieft. Hunderte Frauen und Männer arbeiten an schmalen Arbeitsplätzen in einer weitläufigen Halle, manche barfuß im traditionellen Kamiz, andere tragen weiße Kittel und Häubchen, manche auch einen Mundschutz. Viele blicken kurz auf, als der Junior Managing Direktor durch die Reihen geht.</p>
<p style="text-align: justify;">Raiyan ist ein sympathischer junger Mann, er lächelt viel, tritt bescheiden auf. Sein Vater hat die Firma in Dhaka vor mehr als 30 Jahren aufgebaut. Nach Abschluss seines Studiums in den USA sei sein Vater 1975 als Chemieingenieur in sein Heimatland zurückgekehrt, erzählt Raiyan. Bangladesch hatte erst wenige Jahre zuvor, 1971, in einem blutigen Krieg mit Pakistan seine Unabhängigkeit errungen und war von Ostpakistan zum „Land der Bengalen“ geworden. Das kriegserschütterte Land habe vor allem neue Arbeitsplätze gebraucht, sagt Raiyan. Die Fabrik war nach eigenen Angaben die siebte in Bangladesch, heute gibt es laut Raiyan mehr als 5.000 Fabriken.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Einsturz des Rana Plaza im April 2013 wurden gut ein Dutzend Fabriken aus Sicherheitsbedenken geschlossen. Das neunstöckige Fabrik- und Bürogebäude war wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Mehr als 1.100 Menschen, vor allem Frauen, starben bei dem Unglück. Am Tag vor der Katastrophe hatte die Polizei an den Mauern Risse festgestellt und das Gebäude gesperrt. Dennoch erschienen vor allem Näherinnen zur Arbeit, offenbar da die Fabrikleitung darauf gedrungen hatte. Der Fabrikbesitzer wurde festgenommen.  Nach Angaben des Untersuchungsberichts war grobe Fahrlässigkeit Schuld für das Unglück. Zudem sei das Baumaterial minderwertig und nicht für die Größe und Höhe des Gebäudes geeignet gewesen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Für 2,80 Dollar am Tag</h2>
<p style="text-align: justify;">Raiyan weiß, dass Arbeitsbedingungen in Textil-Fabriken in Bangladesch ein viel diskutiertes Thema sind. Er sei mehrfach vor allem in Sozialen Netzwerken mit Vorwürfen konfrontiert worden, vor allem unmittelbar nach dem Einsturz. Umso wichtiger sei es, dass endlich die Regierung, die Produzenten und die Kunden ihre soziale Verantwortung ernst nähmen, betont Raiyan. „Der Mindestlohn in Bangladesch liegt mittlerweile bei 68 Dollar im Monat, rund 80 Prozent mehr als vor dem Einsturz“, erzählt er. Das sind  gut 2,80 Dollar pro Werktag. In der Firma der Familie werde den Arbeitern nach eigenen Angaben etwa 20 Prozent mehr gezahlt. Nach einem ersten Auftragseinbruch und Einbußen aufgrund des gestiegenen Mindestlohns laufe das Geschäft  wieder.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_mertens_Naeherinnen_nah.jpg" data-caption="An den Nähmaschinen arbeiten fast nur Frauen. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Naeherinnen.jpg" data-caption="Etwa 1.850 Menschen auf vier Stockwerke verteilt arbeiten an sechs Tagen in der Woche in der Fabrik. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Frauen_stoff.jpg" data-caption="Die Produktion eines Kleidungsstückes ist in viele kleine Einzelschritte zerlegt, damit die Herstellung möglichst reibungslos abläuft." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_mertens_frauen_arbeit.jpg" data-caption="Etwa 700 Nähmaschinen kommen in der Fabrik zum Einsatz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Hemden_folie.jpg" data-caption="Die Fabrik in Dhaka produziert etwa 500.000 Kleidungsstücke im Jahr. Der Mindestlohn für einen Arbeiter liegt bei rund 68 Dollar im Monat." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Doch der Druck durch die Auftraggeber sei hoch. An den Wänden im Treppenhaus hängen Zertifikate unterschiedlicher Unternehmen, mit denen die Familienfabrik kooperiert oder ehemals zusammengearbeitet hat. Neben Thommy Hilfiger und Van Heusen gehört zum Beispiel auch die britische Kette Marks &amp; Spencer zum Kundenstamm. Insgesamt sind es nach Angaben der Firma rund 400 Auftraggeber, vor allem aus dem höheren und gehobenen Segment. Mit einem bekannten schwedischen Kunden habe die Firma die Zusammenarbeit abgebrochen, erzählt Raiyan. Die hätten die Preise für ihre Bestellungen zu sehr nach unten drücken wollen. Das sei für sie auch im Sinne der Arbeitnehmer nicht vertretbar gewesen. Zahlen nennt Raiyan keine. Die Filialen der weltweit agierenden Ladenkette sprießen indes weiter wie Pilze aus dem Boden.</p>
<p style="text-align: justify;">Mittlerweile ist der junge Bengale in viele Geschäftsbereiche des Familienbetriebs involviert, vor allem in den internationalen Vertrieb. Raiyan arbeitet von London aus. Dort hat er am London College of Fashion und an der Cass Business School studiert; in der Stadt an der Themse lebt er die meiste Zeit des Jahres. „Wenn mein Vater sich zur Ruhe setzt, plane ich nach Bangladesch zurückzuziehen “, sagt Raiyan. Die Familie wohnt in Dhaka in einer hübschen Villa.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Sechs Tage Arbeit in der Woche ist normal</h2>
<p style="text-align: justify;">Heute führt der Junior durch das Herz des Unternehmens: die 1983 mit Hilfe von koreanischen und deutschen Technikern gegründete Produktionsstätte in Dhakas „Gewerbegebiet“ Mirpur. Eine weitere Fabrik befindet sich im Aufbau &#8211; Anfang kommenden Jahres soll ihr Produktionsvolumen voll ausgelastet sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Schuhe sind noch staubbedeckt beim Betreten des Gebäudes. Die Straße vor dem Eingang ist wie viele in Dhaka nicht geteert. Unzählige Menschen wuseln von einer Straßenseite zur gegenüberliegenden &#8211; Bangladesch ist das am dichtesten besiedelte Land der Welt, mehr als 1.000 Menschen leben auf einem Quadratkilometer, allein in Dhaka sind es offiziell etwa 15 Millionen, im ganze Land mehr als 155. Rikschas und Autos brettern über den Lehmboden; es ist laut, warm und in der Luft liegt der Geruch von gebratenem Fleisch.</p>
<p style="text-align: justify;">Der schmale blaugetünchte Eingangsbereich der Fabrik lässt kaum erahnen, dass in den vier Stockwerken darüber 1.850 Menschen arbeiten, sechs Tage die Woche, wie das in Bangladesch üblich ist. Dabei arbeiten augenscheinlich mehr Frauen als Männer an den 700 Nähmaschinen und bei der Vorbereitung der Stoffe und Schnitte. Jeder Mitarbeiter ist hier für einen Mini-Produktionsschritt verantwortlich; das reicht vom Annähen des rechten Knopfes an der rechten Manschette, dem Glätten eines Ärmels, bis hin zum Durchstechen der Knopflöcher. Die Produktion soll durch viele Einzelschritte möglichst reibungslos ablaufen, erklärt Raiyan. Im Monat produziert die Fabrik bis zu 500.000 Kleidungsstücke.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Männer bügeln besser</h2>
<p style="text-align: justify;">Eine Etage tiefer ist das Bild ein anderes: Kaum eine Frau zu sehen, dafür dutzende Männer. Sie stehen in einer Reihe an großen Bügelbrettern. Die Arbeiter tragen wie viele Näherinnen weiße Kittel, die ein wenig an Arztpraxis oder Fleischerei erinnern. „Die Männer können besser mit den Bügeleisen umgehen“, erklärt Raiyan. Die Geräte sind keine weißen Plastikeisen nach europäischen Standards, sondern schwere, gusseiserne. Sie hängen an langen Stromkabeln und werden in Präzision von den Männern über die bunt-karierten Hemden geschwungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Gerade drapiert ein Mitarbeiter ein fertig gebügeltes Hemd auf einem Bügel und hängt es an einen Kleiderständer. Dort sammeln sich bereits Hunderte Herrenhemden in allen Farben und Mustern. Unzählige davon sind in Größe XXL oder XXXL. „Wir arbeiten für viele Firmen, die vorrangig in den USA verkaufen“, erzählt Raiyan. Thommy Hilfiger oder Van Heusen verlangen im Laden stattliche Preise für ihre Hemde. Der Mitarbeiter selbst würde in dem Hemd wohl gänzlich verschwinden, falls sie es sich leisten könnten.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Treppenhaus wirkt stabil, oben befindet sich ein Gemeinschaftsplatz für die Mitarbeiter. „Wer möchte, kann seine Mittagspause hier verbringen“, erzählt Raiyan. Die Sicherheitsstandards in der Fabrik werden nach eigenen Angaben regelmäßig von verschiedenen Instanzen, etwa dem Zertifizierungsprogramm „Worldwide Accredited Responsible Production“, kurz WRAP, überprüft. “Es ist sehr traurig, dass weiterhin so viele Firmen nicht ausreichend für die Sicherheit der Mitarbeiter sorgen”, sagt er.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Enormer Konkurrenzdruck</h2>
<p style="text-align: justify;">Dennoch sieht er die Debatte über die Arbeitsbedingungen mit gemischten Gefühlen. Seines Erachtens schwingen darin auch Vorbehalte gegenüber dem vorrangig muslimischen Land mit. Er hoffe sehr, dass sich das pauschale Bild über die Textilindustrie in Bangladesch wieder wandelt. Bangladesch sei der zweitgrößte Textilhersteller der Welt &#8211; gleich nach China &#8211; und der Konkurrenzkampf sei groß. Zu den 5.000 Fabriken im Land kämen Produktionsstätten in China, Taiwan, Indien und der Türkei.</p>
<p style="text-align: justify;">Einen Raum weiter werden die frischgenähten Hemden noch einmal „durchgepustet“, um eventuelle Fadenreste oder andere Überbleibsel der Produktion zu beseitigen. Dann wird Hemd oder Bluse, feinsäuberlich gebügelt und ordentlich zusammengefaltet, in Plastikfolie verpackt. Das Produkt ist fertig für die Reise in die westliche Welt. Raiyan greift in den Stapel und holt eine schicke rosafarbene Damenbluse hervor. „Für dich, ein Andenken.“ Im Hintergrund ist noch das laute Klappern und Rattern zu hören.</p>
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		<title>Goldrausch in den Karpaten</title>
		<link>https://www.weltseher.de/goldrausch-den-karpaten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jan 2015 01:44:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Konzett]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gold]]></category>
		<category><![CDATA[Mihai Stoica]]></category>
		<category><![CDATA[Rosia Montana]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[In den rumänischen Bergen schickt ein kanadischer Investor sich an, Edelmetalle mit Zyanid abzubauen. Obwohl noch Lizenzen für den Abbau fehlen, hat die Abwanderung aus dem Städtchen Rosia Montana längst begonnen. Sogar die Toten weichen dem Golddurst. Und das alles für ein Projekt, welches vielleicht nie zustande kommen wird. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/goldrausch-den-karpaten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1" style="text-align: left;"><strong>In den rumänischen Bergen schickt ein kanadischer Investor sich an, Edelmetalle mit Zyanid abzubauen. Obwohl noch Lizenzen für den Abbau fehlen, hat die Abwanderung aus dem Städtchen Rosia Montana längst begonnen. Sogar die Toten weichen dem Golddurst. Und das alles für ein Projekt, welches vielleicht nie zustande kommen wird.</strong></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Dass der ganze Spuk vorbei sein könnte, weiß Sorin Jurca, als die Nachbarin sein Geschäft betritt. Älter sieht sie aus, gedrückter mit dem Mantel, der ihr irgendwie an den Schultern hängt, wie das Kleidungsstück eines älteren Geschwisters, in das das jüngere noch nicht hineingewachsen ist. „Ich möchte bitte Milch und Zucker“, sind die ersten Worte, die Sorin Jurca von seiner Nachbarin hört, nach etlichen Jahren, in denen sie ihn ignorierte. Bei zufälligen Begegnungen im Dorf hat sie ihn nicht einmal mehr gegrüßt.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Als Kinder haben sie  in derselben Straße gespielt. Es war keine persönliche Fehde, die die beiden getrennt hat. Auch keine längst vergangene Liebschaft hat sie auseinander gebracht, in der die Enttäuschung des einen noch nachwirkt. Die Teilung der beiden Nachbarn, die nicht nur die beiden betrifft, sondern auch das ganze Dorf entzweit hat, bringt ein Außenstehender. Das kanadische Bergbau-Unternehmen Gabriel Resources ist in den 1990er Jahren ins siebenbürgische Dorf Roṣia Montana im Apuseni-Gebirge, einen Ausläufer der Karpaten, gekommen. Hier, 430 Kilometer von der rumänischen Hauptstadt Bukarest entfernt, verspricht der Investor der verarmten Gemeinde seitdem eine goldene Zukunft. Wenn sie nur ihre Berge für eine Mine opfern. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Für die einen kommen die Kanadier als letzte Rettung, die anderen glauben den salbungsvollen Worten nicht. Sorin Jurca gehört zu der zweiten Gruppe. Die Nachbarin nicht. In Roṣia Montana bedeutet dies über Jahre den Bann von Freundschaften. Den Verlust von Kollegen und Stille in den Familien.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">In dem Gestein rund um Roṣia Montana lagern heute noch die größten Gold- und Silbervorkommen Europas. Bereits in der Antike haben die Menschen hier Stollen in den Berg getrieben. Im Mittelalter kennt halb Europa das Gold aus dem Osten. Jahrhunderte später mühen sich die Minenarbeiter in Roṣia Montana für den Ruhm der Habsburger ab. Erst in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen schuften die Menschen in Rosia Montana in den eigenen Säckel, bevor die Minen unter dem kommunistischen Regime verstaatlicht werden. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-3404-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-3404-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-3404-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-3404-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="0"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_haus_see_nebel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An einem See liegt dieses alte Holzhaus oberhalb von Rosia Montana. Die Ortschaft ist eine der ältesten in Rumänien.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_weg_mann.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein Mitarbeiter der Rosia Montana Gold Corp. (RMGC) unternimmt einen Morgenspaziergang. Die meisten Mitarbeiter des Unternehmens sind nur befristet eingestellt.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_stadt_rosiamontana.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mitten in Rosia Montana - ein RMGC Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit. Viele Menschen haben die Stadt bereits verlassen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_frau_bauer.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Diese beiden Menschen in Rosia Montana wehren sich seit vielen Jahren gegen das Bergbau-Projekt.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_fluss_zyankalie.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die rote Farbe des Baches kommt durch einen hohen Gehalt an Eisen und anderen Mineralien. Diesem Wasserlauf verdankt die Ortschaft ihren Namen. Rosia ist eine Ableitung von "roşu", was im rumänischen "rot" bedeutet. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_bergbau_uebertage_wuest.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Blick auf eine der ehemaligen Goldabbaustellen über der Stadt Rosia Montana.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_frau_schnaps.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Corna, einem Dorf in der Nähe von Rosia Montana, sollen Auffangbecken für das Bergbau-Projekt gebaut werden. Adriana Cioara und ihre Familie weigern sich, ihr Haus dafür zu verkaufen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_zimmer_gebeugt.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Loredan Cioara fühlt sich von dem Bergbauunternehmen unter Druck gesetzt, weil er sich mit seiner Frau weigert, sein Haus zu verkaufen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_kanzel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Arpad Palfi, der Priester der unitarischen Kirche in Rosia Montana, hat während der Exhumierung des ersten Grabes aus der BIbel gelesen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_mann.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Später haben Arpad und Dorel, der Totengräber, versucht, sich gegen die Verlegung der Toten zu wehren. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_grab_leer.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein bereits leer geräumtes Grab in Rosia Montana. Die Gebeine wurden nach Abrud gebracht.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_grab_negru.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Abrud, eine Stadt in der Nähe von Rosia Montana, werden die Toten wieder zur Ruhe gebettet - in neuen Gräbern. Viele der neuen Gräber sind aber noch leer. Es sind die Ruhestätten für die noch lebenden - bezahlt von RMGC.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_tisch.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Cătălin Hosu, ein Sprecher von RMGC, erklärt, dass die Ausbeutung des verbliebenen Goldes bei Rosia Montana mit Zyanid zu 100% nachhaltig ist und die Umwelt nicht schädigen würde. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_Tuer_bergbau_zeichen.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Eingang zum Bergbaumuseum des staatlichen Bergwerks: In Rosia Montana wurde über viele Jahrhunderte hinweg Gold abgebaut. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_raum_leer_stuehle_bergbau.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An den Wänden hängen Poster aus vergangenen Zeiten. Rosia Montana hat eine über zwei Jahrtausende alte Goldbergbaugeschichte. </div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-3404-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_haus_see_nebel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_weg_mann-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_stadt_rosiamontana-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_frau_bauer-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_fluss_zyankalie-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_bergbau_uebertage_wuest-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_frau_schnaps-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_zimmer_gebeugt-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_kanzel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_mann-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_grab_leer-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_grab_negru-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_mann_tisch-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_Tuer_bergbau_zeichen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/01/konzett_rum_raum_leer_stuehle_bergbau-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Doch auch der Kommunismus ringt dem Berg nicht alle seine Schätze ab. Geschätzte 3000 Tonnen Gold und 1600 Tonnen Silber schlummern noch immer in der Region. Auf sie hat es Gabriel Resources abgesehen. In einem Joint-Venture mit dem Staat, der Roṣia Montana Gold Corporation (RMGC), wollen die Kanadier den Berg mit Zyanid anbohren. Die Edelmetalle haben verschiedenen Schätzungen und je nach Goldpreis einen Wert von sieben bis 30 Milliarden Dollar. Ende der 1990er Jahre erhält das Joint-Venture eine erste Tagebaulizenz. 2002 wird der erste Bebauungsplan vorgestellt. </span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">Angst vor dem giftigen Zyanid</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Doch die Dorfbewohner fürchten das Zyanid, welches das Gold aus dem Stein waschen soll. Sie glauben den Versprechungen von RMGC nicht vorbehaltlos, die in ihren Hochglanzprospekten von Umweltstandards sprechen. Sie wissen um die tödliche Kraft des Zyanids.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Mehr als hundert Meter hoch soll die Staumauer des Abklärungsbecken werden, in dem sich der zyanidhaltige Schlamm sammelt. Ein ähnliches Becken ist 2000 im 200 Kilometer entfernten Baia Mare gebrochen. Zyanid, wenn auch in höherer Konzentration als in Roşia Montana vorgesehen, vergiftete die Böden und das Grundwasser. Es war eine der größten Naturkatastrophen Südosteuropas. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Die Menschen haben Baia Mare nicht vergessen. In einem Land wie Rumänien, das Umweltverordnungen immer noch als Prügel aus Brüssel versteht, stützen sie sich eher auf die eigene Erfahrung denn auf das Vertrauen in die Politiker in der Hauptstadt. Zahlreiche Dorfbewohner haben Angst, auf einem Giftberg sitzen zu bleiben, wenn die Investoren längst wieder verschwunden sind. „Wäre es nicht besser die antiken Stollen nicht zu fluten, und dieses Erbe dafür touristisch zu nutzen?“ fragt Sorin Jurca laut. Die eigene Identität als Bergbaudorf auszustellen, anstatt dem Berg  noch einmal und nur für wenige Jahre zu Leibe zu rücken?</span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">Auch die Toten verlassen den Ort</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Sorin Jurca ist eine Seele von einem Mann. Großgewachsen mit einem kleinen Bauch, der das T-Shirt, nach außen wölbt, serviert er den Gästen in seinem kleinen Laden Kaffee. Bis zur Decke stapelt sich auf wenigen Quadratmetern hier alles, was die Dorfbewohner zum Leben brauchen. Seifen, Servietten und sogar Südfrüchte hat der Mitt-40-er mit raspelkurzen Haaren im Angebot. Hinter dem Tresen frieren zwei Wellensittiche im Käfig. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Sorin Jurca hat sich seit Anbeginn gegen das Goldminenprojekt gestellt. „Ich habe mich nicht blenden lassen“, sagt er und bietet Kekse an. Als in den 1990er Jahren die ersten Gäste aus Westeuropa gekommen sind, habe er verstanden, wie gut sich die historische Bergarbeiterkultur inmitten idyllischer Landschaft touristisch verkaufen lasse. „Außerdem liegt mir etwas an diesem Flecken hier“, sagt er. Seine Vorfahren haben schon in Roṣia Montana gelebt und geschuftet, manchmal mehr und manchmal weniger erfolgreich. Hier liegen seine Wurzeln begraben. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Nur die Großeltern sind fortgegangen – allerdings erst nach ihrem Tod. „Meine Tante hat mir die Großeltern gestohlen“, erzählt Sorin Jurca. Vor drei Jahren will er Blumen an ihr Grab legen, doch Großvater und Großmutter sind nicht mehr da. Die Tante hat in Roşia Montana alles verkauft und ist in die Kreisstadt Alba Iulia umgezogen. Ihre verstorbenen Eltern hat sie mitgenommen. Sorin Jurca erzählt eine Geschichte, die im Werbeprospekt von RMCG nicht vorkommt. Es ist die Geschichte der Toten in Roşia Montana. Und wie sie gegangen sind. Hunderte müssen es sein. </span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">Der Tod ist die letzte große Investition</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Die Toten sind den Bohrungen des Bergbaukonzerns im Weg. Ebenso hunderte Häuser rund um den Dorfkern herum. Für beide hat das Unternehmen eine Lösung gefunden: Wer seine Liegenschaft verkauft, darf seine Verstorbenen mitnehmen, so der Handel, mit dem RMGC in Roṣia Montana von Häuschen zu Häuschen geht. Die Firma zahlt die Exhumierung der Verstorbenen und ein neues Grab im Tal. Eine letzte Ruhestätte für die Lebenden zahlt das Unternehmen gleich mit. Umgerechnet 3000 Euro kostet hier ein Grab. Für die Menschen in der Region ist das mehr als ein halber Jahreslohn. Der eigene Tod ist für viele Rumänen die letzte große Investition. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Arpad Palfi ist einer der Pfarrer, die sich um das Seelenwohl der Menschen in Roşia Montana kümmert. Mit einem großen Eisenschlüssel öffnet er das Nebentor der Kirche, der unitarischen Gemeinde, eine protestantische Kirche der ungarischen Minderheit. Seit den 1970er Jahren steht der kleine Mann mit dem Spitzbart der unitarischen Gemeinde in Roşia Montana vor. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Er hat seine Gemeinde durch die Jahre des Kommunismus geführt, als die eigene Meinung wenig zählt, das Prestige der Bergarbeiter dafür umso mehr. Und durch die Jahre danach, die für viele Bewohner schlimmer sind. Als die Arbeitslosigkeit um sich greift, weil die staatlich gestützten Minen nicht wirtschaftlich arbeiten. Als mit dem Ende des Bergbaus auch das Selbstbewusstsein der Bergkumpel schwindet und nur noch trotziger Stolz übrig bleibt. </span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">Trotz fehlender Lizenzen sind Hunderte schon umgezogen</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Palfi war es auch, der die erste Exhumierung begleitete. Der Bischof hatte ihn darum gebeten. Und so steigt der Pfarrer im Sommer 2004 auf die Kanzel, die Bibel in der Hand. Er schlägt das Buch Ezechiel auf: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel“, beginnt Palfi zu lesen. Die Stelle hat er selbst ausgesucht. Für die Exhumierung eines Gläubigen gibt es keine Liturgie.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Es werden nicht zum ersten Mal Tote umgebettet. Auch in Rumänien nicht. Doch in Roṣia Montana werden die Friedhöfe zu einem Zeitpunkt umgegraben, als noch niemand sagen kann, ob das Projekt überhaupt umgesetzt wird. Schließlich fehlen noch wesentliche Lizenzen, etwa die Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Behörden in Bukarest halten den Entscheid zurück. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Hunderte Familien sind aber schon in die eigens gebauten Siedlungen am Bergrand umgezogen – nicht immer ganz freiwillig, sagen sie im Dorf. Die Schornsteine ihrer bunten Häuser, die sich an den engen Gassen entlang des Hanges schmiegen, sind den Winter über kalt geblieben. Auf den Wäschespinnen in den kleinen Gärten, neben dem Gemüsebeet, hängen keine Tücher. Auf der ungepflasterten Straße gehen nur noch wenige zu den letzten Ausläufern des Dorfes, oben am Waldrand hoch. </span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">30 Familien blockieren das Bergbauprojekt</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">2013 sind es noch rund 30 Familien, die sich dagegen sperren, ihre Häuser zu verkaufen. Doch 30 Familien reichen aus, um den Projektablauf hinauszuzögern. Denn nach bestehendem rumänischem Recht können sie nicht von einem privaten Unternehmen enteignet werden. Eine Hürde, die die sozialdemokratisch geführte Regierung trotz Eigeneinsatz nicht schleifen kann. Mehrfach greift sie in diesem Jahr mit ihren projektfreundlichen Gesetzesentwürfen in die parlamentarische Leere, weil einige sich nicht an den Fraktionszwang halten, als draußen Tausende Rumänen auf die Straße gehen. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Die Menschen demonstrieren für den Umweltschutz und gegen das Projekt und die Machenschaften, die sie dahinter vermuteten. Millionen Euro, die RMGC in landesweite Werbekampagnen steckt, versickern. Die schwarz-weiße Botschaft von Fortschritt oder Untergang im strukturschwachen Apuseni-Gebirge kommt bei den Rumänen immer weniger an. Selten hat Bukarest mehr versammelte Bürger gesehen.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Auch die Rumänische Akademie, die höchste wissenschaftliche Instanz des Landes, hat sich gegen das Projekt ausgesprochen und dieses Urteil mehrfach bestätigt. In Siebenbürgen mobilisieren die protestantischen Kirchen die ungarische Minderheit gegen die Mine. Schließlich kommt das Projekt unter die Wahlkampfräder der Präsidentschaftswahlen im November 2014. </span></p>
<h2 class="p2" style="text-align: left;">Regierung spricht von misslungener Privatisierung</h2>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Denn niemand greift die Goldschürfer auf, solange in Bukarest die Machtverhältnisse nicht geklärt sind. Der inzwischen neu gewählte rumänische Präsident Klaus Iohannis hat das Projekt aber bereits im Sommer als „misslungene Privatisierung“ bezeichnet, die nur dem Investor zu Gute komme. Unterstützung hört sich anders an. Da hat der Investor schon mit einer Milliardenklage gedroht.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Weniger als 20 Jahre, nachdem die Kanadier den ersten Schritt in das Dorf im Apuseni-Gebirge gesetzt haben, ist heute nur dessen Hülle übrig geblieben. Dutzende Häuser im Dorf stehen ungenutzt da, wie bunte Plastikgebäude einer Modelleisenbahn. Auf dem runden Dorfplatz trifft sich keiner mehr. Nur noch ein Auto nutzt hier und da die Leere Fläche als Abstellplatz. Die Apotheke hat längst zugemacht. Der Arzt kommt nur noch zweimal in der Woche nach Roṣia Montana. In den Schulen werden zwei Stufen in einer Klasse unterrichtet. Und selbst die Kirchen leiden. In seiner kleinen unitarischen Gemeinde muss Arpad Palfi den sonntäglichen Gottesdienst manchmal alleine halten. Doch der Pfarrer hat das Dorf noch nicht aufgegeben. Wo eine Kirche stehe, da gebe es auch Leben, sagt er. Auf den Friedhöfen ist Gras über die Grabnarben gewachsen. </span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Die Nachbarin komme jetzt regelmäßig, versuche aber immer noch, das Geschäft unerkannt wieder zu verlassen, sagt Sorin Jurca und lächelt milde. Tief sitzt das Misstrauen in den Gassen und zwischen den Menschen in Roṣia Montana. Es ist das einzige Erbe, das die Kanadier Rosia Montana hinterlassen haben. Ihre Büros in der Gemeinde haben sie offenbar geräumt, allen Angestellten jedenfalls gekündigt. Vom großen Versprechen nach Arbeitsplätzen und einer goldenen Zukunft sind nur die zerfransten Poster an den Säulen und Hauswänden geblieben.</span></p>
<p class="p2" style="text-align: justify;"><span class="s1">Zumindest könne er seine Nachbarin jetzt am nächsten Sonntag auf dem Weg zu Kirche grüßen, seufzt Jurca. Sie, die im März ihren Job bei RMGC verloren hat, möchte nun die Zimmer in ihrem Haus an Touristen vermieten. Nur ein Bad muss sie zuvor noch bauen.</span></p>
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		<title>Ausverkauf im Kaffeeparadies</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2014 07:20:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Panama]]></category>
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					<description><![CDATA[Carlos verdient sein Geld mit Kaffeebohnen, seit er zehn Jahre alt ist. Seine Farm liegt in Boquete, einem kleinen Dorf umgeben von Bergen und Regenbögen. Doch Carlos sieht sein Kaffeeparadies in Gefahr, seit der Bürgermeister den Ort als Altersresidenz für US-Bürger vermarktet: mit eingezäunten Wohnanlagen und Cheeseburgern zum Schnäppchenpreis.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ausverkauf-im-kaffeeparadies/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Carlos verdient sein Geld mit Kaffeebohnen, seit er zehn Jahre alt ist. Die Farm, auf der er arbeitet, liegt in Boquete, einem kleinen Dorf umgeben von Bergen und Regenbögen. Der örtliche Bürgermeister hat die Schönheit des Ortes erkannt und vermarktet ihn als Altersresidenz für US-Bürger: mit eingezäunten Wohnanlagen und Cheeseburgern zum Schnäppchenpreis.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Se vende“ &#8211; „Zu verkaufen“ steht auf vielen Schildern am Rande der Hauptstraße, die sich wie ein endloses Band über die kleinen Hügel durch den lebendigen Stadtkern schlängelt. In Mitten eines Tals in der Hochebene von Chiriqui und am Fuße des Vulkans Baru liegt das panamaische Bergdorf Boquete, ein 22.000-Einwohner-Paradies mit unzähligen Kaffeefeldern und farbenfrohen Blumenplantagen, das derzeit zu großen Teilen zum Verkauf steht.</p>
<p style="text-align: justify;">„Erst kürzlich war ein englischer Tourist hier, der die zwei Wörter auf den Schildern für den Namen des Dorfes gehalten hat, so verbreitet sind die hier“, erzählt Carlos und seine Stimme klingt dabei so verbittert, dass man ihm die eigentlich viel zu perfekte Anekdote fast glauben möchte.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn er die Stirn in Falten legt, dann funkeln seine dunklen Augen und er wirkt entschieden. Carlos hat in seinem Leben für hiesige Verhältnisse schon viel erreicht. Der Sohn einer Kaffeepflückerfamilie ist in Boquete geboren und aufgewachsen, verdient sein Geld mit der roten Kaffeefrucht, seit er im Alter von zehn Jahren nach der Schule mit seinen Geschwistern auf der Plantage zum Lebensunterhalt der Familie beitrug.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-kaffeeanbau-panama-2" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-kaffeeanbau-panama-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-kaffeeanbau-panama-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-kaffeeanbau-panama-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_carlos_kaffee_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Carlos arbeitet auf einer Kaffeeplantage in Panama. Im Alter von zehn Jahren, direkt nach der Schule, hat er so zum Lebensunterhalt der Familie beigetragen. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_boquete_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Mitten eines Tals in der Hochebene von Chiriqui und am Fuße des Vulkans Baru liegt das panamaische Bergdorf Boquete. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_Kaffee_setzlinge_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die kleinen Setzlinge werden später einmal die Bohnen hervor bringen, die den morgendlichen Kaffee möglich machen. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_mokka_kaffee_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Boquete sind die Bedingungen für den Kaffeeanbau optimal. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffeebohnen_ungepuhlt_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Eigentlich sind Kaffeebohnen die Kerne innerhalb der roten Kaffeefrucht. Erst wenn die Schale entfernt ist kommen die "Bohnen" zum Vorschein. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_ungeroestet_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ohne die rote Hülle und noch ungeröstet sind die Kerne eher hellbraun. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_roestanlage_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Vor der Röstung müssen die "Bohnen" noch getrocknet werden. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_trocknen_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auf den Plantagen werden die "Bohnen" in der Sonne getrocknet und später dann je nach Bedarf geröstet. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_plantage_online.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Land auf dem die Plantage liegt kostet mittlerweile ein Vielfaches seines ursprünglichen Preises. © Birte Schmidt</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_carlos_bohnen_riechen.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description"> © Birte Schmidt</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-kaffeeanbau-panama-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_carlos_kaffee_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_boquete_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_Kaffee_setzlinge_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_mokka_kaffee_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffeebohnen_ungepuhlt_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_ungeroestet_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_roestanlage_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_trocknen_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_kaffee_plantage_online-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/panama_schmidt_carlos_bohnen_riechen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Ideale Bedingungen für den Kaffeeanbau</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Bedingungen für den Kaffeeanbau hier sind ideal: Das Klima im Hochland ist konstant warm, selten heiß, und Regen gibt es hier fast zehn Monate im Jahr. Dazu sorgt das Vulkangestein für einen besonders nährstoffreichen und fruchtbaren Boden. Bäume bunt bedeckt mit Orangen, Zitronen, Mango, Papaya, Bananen, Avocado und Guave spenden dem Kaffee zudem tagein tagaus den so notwendigen Schatten.</p>
<p style="text-align: justify;">Inzwischen ist Carlos 34 und seine Haut gezeichnet von der jahrelangen harten Arbeit auf den Feldern unter der brütenden Sonne Zentralamerikas. Graue Linien durchziehen sein schwarzes Haar, die ihn ein bisschen älter machen und einen lustigen Kontrast zu seinem jungenhaften Charme schaffen, mit dem er stolz von dem Haus am Stadtrand erzählt, das er für sich und seine Familie gekauft hat. Das Geld für den Kredit verdient er als festangestellter Fremdenführer, der Touristen über die Kaffeeplantagen von „Café Ruiz“ führt und Kaffeeseminare gibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Carlos spricht fließend Englisch, das sei wichtig sagt er, denn während viele Touristen zumindest rudimentäre Spanischkenntnisse mitbringen, kann sich eine immer größer werdende Gruppe gar nicht in der Landessprache verständigen. Gringos nennen sie die hier, die englischsprachigen Ausländer vor allem aus den USA.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gringos entdecken die Idylle</h2>
<p style="text-align: justify;">Ende der 80er kamen die ersten Fremden in die Stadt, kauften günstiges Land in dem Ort, der ebenso sicher wie modern und für US-amerikanische Verhältnisse besonders günstig war. „Ein Freund von mir hat sein Land für 50 Cent pro Quadratmeter verkauft, 5000 Dollar der Hektar“, erzählt Carlos und lässt vermuten, dass er es ihm noch heute übel nimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn in den kommenden Jahren entdeckten immer mehr Gringos Carlos’ kleines Paradies zwischen den grünen Berghängen, als einen sicheren Ort, klimatisch günstig gelegen, perfekt geeignet als Alterssitz mit allen Vorzügen, die ihnen aus der Heimat bekannt sind – nur eben zu einem viel günstigeren Preis.</p>
<p style="text-align: justify;">„Die erste Gated Community, eine umzäunte Wohnanlage also, entstand dort, wo zuvor eine wunderschöne Kaffeefarm gelegen hatte, fruchtbar, grün, umgeben nur von Bäumen und mit einem kleinen Fluss, der mitten hindurch floss“, erzählt Carlos. Heute stehen dort 300 Häuser, nahezu identisch im Aussehen mit ihren cremefarbenen Fassaden, dazu gibt es einen Golfplatz, zahlreiche Swimmingpools, Bars, Restaurants und ein Theater. „Eine kleine eingezäunte Stadt mit 24-stündiger Sicherheitsüberwachung“, sagt Carlos. Auch ein Hotel steht auf dem Gelände, 450 Dollar kostet die Übernachtung. „Mehr als ein durchschnittlicher Monatslohn in Boquete“, fügt Carlos mit dunkler Stimme hinzu.</p>
<h2 style="text-align: left;">Hinter Zäunen leben die US-Amerikaner</h2>
<p style="text-align: justify;">„Wenn du in so einer Community lebst, darfst du dein Haus nicht einfach in der Farbe streichen, wie du es möchtest, alle sind einheitlich beige. Du darfst deine Wäsche nicht raushängen, Kinder dürfen nicht in den Pool springen und du darfst nicht mehr als einen Hund haben. Es ist ein Gefängnis für reiche Leute.“</p>
<p style="text-align: justify;">Den Amerikanern aber gefällt’s. Hinter großen Zäunen verbarrikadieren sich auf einem Gelände, zu dem Carlos als Einheimischer keinen Zutritt hat. Und wenn, dann nur unter strengen Sicherheitsmaßnahmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nachdem ein Lifestyle-Magazin in den USA über Boquete berichtet hatte, gab es hier einen regelrechten Bau-Boom. Die Einheimischen verkauften ihr Land und die sechs Meter hohen Bäume wichen Golfplätzen und Hotelanlagen. Eine Million Dollar gibt es inzwischen für einen Hektar Land und Carlos Freund wird sich vermutlich über seinen schlechten Deal von einst ärgern.</p>
<h2 style="text-align: left;">Discounts und Benefits, sogar für Burger von McDonald</h2>
<p style="text-align: justify;">Man brauche kein Spanisch lernen, wenn man es nicht wollte, wirbt das amerikanische Lifestyle-Magazin AARP, und im Supermarkt gebe es importierte US-Produkte. Man könne einem Bridgeclub beiwohnen, Golf spielen, Freiwilligenarbeit unterstützen und Freunde zum Lunch oder während der Happy Hour in Bars und Restaurants treffen. Mit einem Budget von 2000 Dollar käme man als Paar gut über die Runden heißt es. Der US-Dollar ist übrigens Landeswährung.</p>
<p style="text-align: justify;">Dazu gibt es jede Menge Discounts und Benefits. 20 bis 50 Prozent Rabatt bekommen Auswanderer auf Flüge, Busse und Züge, auf Filme, Konzerte, Restaurantbesuche, ja sogar auf Arzt- und Krankenhausrechnungen. Ein älterer Herr, der von seiner Rente lebt, verkündet stolz, dass er sogar Rabatt für einen McDonald’s Burger bekommt.</p>
<p style="text-align: justify;">Für manch einen bedeutet der Umzug auch den Beginn eines Neuanfangs. Das Rentnerehepaar Rich Lipner und Dee Harris, beide pensionierte Lehrer, kamen 2003 aus Kalifornien nach Boquete, kauften dort eine sieben Hektar große Kaffeeplantage für 135.000 Euro. Der amerikanischen Huffingtonpost erzählen sie, was aus dem Land geworden ist. „In den vergangenen Jahren haben wir ungefähr 80.000 Euro investiert, um ein neues 1000 Quadratmeter großes Gästehaus zu bauen und das ursprüngliche 2000 Quadratmeter große Haus zu renovieren“, sagt Lipner. „Wir leben hier sehr komfortabel von unseren Pensionsgehältern. Wir haben ein neues und wunderbares Kapitel in unserem Leben begonnen.“</p>
<h2 style="text-align: left;">Landverkauf bringt mehr als Kaffeeanbau</h2>
<p style="text-align: justify;">„Man macht mehr Geld, wenn man sein Land verkauft, als wenn man eine Kaffeefarm betreibt“, sagt Carlos und blickt trübselig auf das weite grüne Land seiner Heimat.</p>
<p style="text-align: justify;">Der ursprüngliche Eigentümer hatte es einst seinem Sohn Plinio vererbt, der, heute 92, jahrelang sparte und schließlich weiteres Land dazukaufte in dem Vertrauen, dass hier die Kaffeepflanzen besonders gut und ertragreich gediehen. Inzwischen ist es zum größten Kaffeeunternehmen Panamas herangewachsen, die elf Plantagen liegen weiter fest in Familienhand. Längst schon arbeiten auch Plinios Kinder mit.</p>
<p style="text-align: justify;">„Die Farm ist 60 Hektar groß, das gebe 60 Millionen Dollar“, weiß Carlos. Trotzdem hat die Familie Ruiz bisher allen Verlockungen widerstanden, das Land für ein Vielfaches seines Ursprungspreises zu verkaufen. Vielleicht, weil ihre Geschäfte noch gut laufen. Vielleicht aber auch nur so noch lange, wie sie es sich leisten kann. Denn die Umsätze der Kaffeeindustrie in Panama sinken stetig.</p>
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		<title>Die Opium-Bauern vom Sinai</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2014 00:14:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Opium]]></category>
		<category><![CDATA[Sinai]]></category>
		<category><![CDATA[Theresa Breuer]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit der blutigen Revolution 2011 bleiben in Ägypten die Touristen aus. Ein harter Schlag für die Beduinen auf der Sinai-Halbinsel. Viele von ihnen haben damit ihre Haupteinnahmequelle verloren. Ihre Alternative ist der Anbau von Opium<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-opium-bauern-vom-sinai/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong><span class="_5yl5" data-reactid=".33.$mid=11411729605940=20df68ccc472fbe2680.2:0.0.0.0.0"><span class="null">Seit der blutigen Revolution 2011 bleiben in Ägypten die Touristen aus. Ein harter Schlag für die Beduinen auf der Sinai-Halbinsel. Viele von ihnen haben damit ihre Haupteinnahmequelle verloren. Ihre Alternative ist der Anbau von Opium.</span></span></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als Abu Saleh* seine Kamele zum Schlachter brachte, wusste er, dass es kein Zurück mehr gibt. Obwohl der stämmige Mann ihm nur einen Bruchteil des Geldes bot, das die Tiere eigentlich wert waren, blieb dem Beduinen keine andere Wahl. „Was hätte ich tun sollen“, sagt er, „ich hätte sie nicht weiter halten können“.</p>
<p style="text-align: justify;">Abu Saleh lebt im Süden der ägyptischen Sinai-Halbinsel, in der Nähe der Badeorte Scharm el-Scheich und Dahab. Früher hat er hier mit Touristen Safaritouren unternommen und damit seinen Lebensunterhalt verdient. Deutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner saßen auf den Rücken seiner Kamele. Heute kommen keine Touristen mehr. Und dort, wo er früher mit ihnen entlang ritt, wächst jetzt Opium.</p>
<h2 style="text-align: left;">Jede Saison kommen neue Felder hinzu</h2>
<p style="text-align: justify;">Seit zwei Jahren baut Abu Saleh den Stoff an. Fast jeden Tag fährt er mit seinem Toyota Pick-up Truck in die Wüste, um nach seinen Pflanzen zu sehen. Straßen gibt es hier nicht. Doch er weiß genau, wo es langgeht. Nach wenigen Kilometern tauchen die ersten Felder auf. Allein bis zu seiner Anbaufläche passiert er 13 Opiumplantagen. Insgesamt weiß er von etwa 100 Feldern in der nahen Umgebung. „Vor drei Jahren gab es hier noch kein einziges“, sagt er, „jede Saison kommen neue hinzu“.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie Abu Saleh geht es vielen Beduinen. Sie alle haben als Köche in Hotelanlagen gearbeitet, als Tourguides und als Musiker, die abends traditionelle Beduinenmusik für Urlauber gespielt haben. Doch seit dem Beginn der Revolution 2011 meiden Touristen Ägypten als Reiseziel. Im vergangenen Jahr reisten knapp 9,5 Millionen Menschen in das Land. 2010, im Jahr vor der Revolution, kamen noch 14,7 Millionen. Seitdem fällt die Zahl jedes Jahr, auch für 2014 sind die Prognosen düster.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-aegypten-opium-bauern-3" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-aegypten-opium-bauern-3 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-aegypten-opium-bauern-3 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-aegypten-opium-bauern-3 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="40000000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6734.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein Beduine überprüft, ob der Schlafmohn reif für die Ernte ist. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6668.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Aus dem Saft des Schlafmohns wird später Heroin hergestellt. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6497.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Abu Saleh sorgt sich, dass das Militär seine Opiumfelder zerstört: "Dann könnte ich meine Familie nicht mehr ernähren." Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6507.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Abu Saleh und seine Kollegen beim Tee: Sie alle haben ihre Arbeit verloren, seit Touristen den Sinai meiden. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6577.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Abu Saleh vor seinem Opiumfeld: Er sagt, er wisse nicht, dass aus Opium Heroin hergestellt wird. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6583.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Neben seinem Zelt gräbt Abu Saleh ein Loch, um darin Brot fürs Mittagessen zu backen. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6594.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Einer von Abu Salehs jugendlichen Helfern knetet Teig für Brot, das die Beduinen im Feuer rösten. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6722.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der weiße Saft verfärbt sich an der Luft braun, später kann daraus Heroin gewonnen werden. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6541.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Opiumfelder im Süden des Sinai liegen nur wenige Kilometer von der Straße entfernt. Früher sind hier Touristen auf Kamelen durchgeritten. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6550.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Idylle trügt: Das rosa-lila Blumenmeer wird vielen Heroin-Abhängigen den Tod bringen. Foto © Theresa Breuer</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-aegypten-opium-bauern-3-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6734-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6668-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6497-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6507-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6577-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6583-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6594-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6722-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6541-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/09/IMG_6550-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Touristen fürchten den Sinai</h2>
<p style="text-align: justify;">Wie das ägyptische Finanzministerium jüngst mitteilte, ist die Besucherzahl im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr wiederum um knapp 30 Prozent eingebrochen. Für viele Familien ist das eine Katastrophe, denn der Tourismus ist der Motor der ägyptischen Wirtschaft. Direkt und indirekt hängen von ihm rund vier Millionen Arbeitsplätze ab – und damit etwa 16 Millionen Familienmitglieder. Keine Region hat es so hart getroffen wie den Sinai.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenige Meter von der asphaltierten Straße entfernt, die in den 50 Kilometer entfernten Badeort Dahab führt, sitzen einige Beduinen in einer heruntergekommenen Hütte. Die Stimmung ist gedrückt. In der Ecke kniet ein junges Mädchen. Es hat einen kleinen Teppich vor sich ausgebreitet, darauf liegt handgefertigter Schmuck, den niemand kauft.</p>
<p style="text-align: justify;">„Vor der Revolution kamen mindestens 60 Touristen am Tag“, klagt ihre Großmutter, die daneben sitzt. Sie hätten sich für die Safaris mit Essen eingedeckt und Souvenirs gekauft. „Heute kommt niemand mehr.“ Normalerweise wäre im März die beste Zeit für Wüstentouren. Das Wetter ist schon warm, aber die Sommerhitze ist noch nicht über die Halbinsel hereingebrochen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Von der Revolution gezeichnet</h2>
<p style="text-align: justify;">Von hier aus hat auch Abu Saleh früher seine Touren zum Katharinenkloster begonnen, dem ältesten bewohnten Kloster des Christentums. Der Beduine ist 30 Jahre alt, doch er sieht älter aus. Obwohl einen seine Augen freundlich anblicken, wirkt er vom Leben in der Wüste und in den Bergen gezeichnet: die Zähne sind schwarz verfärbt, seine Füße und Hände voller Schwielen. Wenn er spricht, klingt seine Stimme resigniert. Die drei Jahre des Umbruchs in Ägypten haben Spuren hinterlassen.</p>
<p style="text-align: justify;">„Dabei kenne ich den Tahrir-Platz nur aus dem Fernsehen“, sagt er, „ich war noch nie in Kairo“. Es frustriert ihn, dass sein Leben so drastisch von Ereignissen beeinflusst wurde, von denen er sich weit entfernt fühlt. „Was haben wir mit irgendwelchen Revolutionen zu tun?“, fragt er und meint damit die Gemeinschaft der Beduinen. „Keine Regierung hat sich jemals um uns gekümmert, und das wird sich auch mit der nächsten Regierung nicht ändern, egal, wer an die Macht kommt.“</p>
<h2 style="text-align: left;">Vom Tourismus zum Opium</h2>
<p style="text-align: justify;">Abu Saleh hat sein ganzes Leben im Sinai verbracht. Hier sind Großfamilien noch die Norm, er hat elf Brüder und Schwestern. Seine Familie gehört zu den Muszeina-Beduinen, dem zweitgrößten Stamm im Süden der Halbinsel. Das Hauptgeschäft der Muszeina war bisher der Tourismus. Auch Abu Saleh hat schon als kleiner Junge am Strand Steine und Handarbeiten an Touristen verkauft. Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr ist er zur Schule gegangen, danach hat er mit den Safaris begonnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr der Touristen hat er aufgegeben. Vor wenigen Wochen erst hat das Auswärtige Amt die Reisewarnung für den Sinai verschärft. Mitte Februar war eine Bombe in einem Bus an der ägyptisch-israelischen Grenze detoniert. Daraufhin haben die großen deutschen Reiseanbieter die noch verbliebenen Touristen ausgeflogen.</p>
<p style="text-align: justify;">Drei südkoreanische Touristen sowie der ägyptische Busfahrer waren bei dem Attentat ums Leben gekommen. Zu dem Anschlag hatten sich die Islamisten von Ansar Bait al-Maqdis bekannt. Ein alarmierender Vorfall, denn bis dato hatte die Terrorgruppe hauptsächlich im Nordsinai agiert und Ziele ägyptischer Sicherheitsbehörden angegriffen. Nun haben sie angekündigt, auch Touristen ins Visier nehmen zu wollen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Rosa und lila</h2>
<p style="text-align: justify;">Abu Salehs Feld liegt in einem flachen Tal, das von schroffen Bergen umringt ist. Er hat zwei Jungs angestellt, die zwischen den Pflanzen umherlaufen, sie bewässern und prüfen. In diesen Tagen blühen sie rosa und lila, sie stehen kurz vor der Ernte. Sechs Monate wächst das Opium, dann liegen die Felder bis September brach.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Mittagspause sitzt Abu Saleh mit den Jungs in einem kleinen Zelt, wo sie Brot nach Beduinenart backen. Dafür legen sie einen Teigfladen aus Wasser, Mehl und Salz direkt in glühende Holzkohle. Einige Minuten später klopfen sie das fertige Brot mit Stöcken ab. Zu dem noch immer leicht staubigen Fladen gibt es Schafskäse und süßen Tee. So verbringen sie hier die Tage. Bis das Opium reif ist.</p>
<h2 style="text-align: left;">Beduinen dürfen kein Land besitzen</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Land, das sie bestellen, gehört ihnen nicht, denn Beduinen dürfen keinen Grund besitzen. Traditionell ist es so, dass jeder Beduinenstamm ein bestimmtes Gebiet kontrolliert. Will jemand auf dem Land etwas anbauen, legt er Steine um das Feld. Die Markierung signalisiert, dass es von jemandem beansprucht wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass Beduinen nach ägyptischem Gesetz kein Land besitzen dürfen, hat auch seine Vorteile: Selbst wenn das Militär Felder findet und diese zerstört, können sie nur selten jemanden dafür zur Rechenschaft ziehen – schließlich gehört das Land offiziell dem Staat und nicht den Bauern.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch das Militär scheint sich in diesen Tagen ohnehin wenig für die Opiumbauern zu interessieren. „Vor zwei Monaten haben Jeeps die Gegend hier patrouilliert“, sagt Abu Saleh. Die Arbeiter auf den Feldern hätten sich dann in den Bergen versteckt. „Doch zerstört haben sie zum Glück nichts.“</p>
<h2 style="text-align: left;">Tolerieren die Behörden den Opium-Anbau?</h2>
<p style="text-align: justify;">Es gibt verschiedene Theorien, warum die Beduinen derzeit unbehelligt Opium anbauen können. Eine ist, dass Militär und Regierung aufgrund der politischen Umbrüche momentan andere Sorgen haben. Viele Opiumbauern glauben außerdem, dass die Behörden den Anbau tolerieren, weil sie schon genug Probleme mit Terroristen im Sinai haben und nicht auch noch frustrierte, arbeitslose Beduinen gegen sich aufbringen wollen. So steht in dem in dem Anfang März erschienenen Bericht der ägyptischen Antidrogenbehörde, dass seit 2011 „wegen Sicherheitsbedenken“ keine Felder mehr zerstört wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine konkrete Zahl, wie viel Opium insgesamt im Sinai angebaut wird, gibt es nicht. Experten sind sich jedoch einig, dass sie im Vergleich zu Afghanistan und dem &#8222;Goldenen Dreieck&#8220; – bestehend aus Myanmar, Laos und Thailand – verschwindend gering ist. Laut den Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr allein Laos und Myanmar knapp 900 Tonnen Opium produziert, 18 Prozent der globalen Produktion. Und das ist noch wenig im Vergleich zu Afghanistan: 2013 wurden hier 5500 Tonnen Opium produziert.</p>
<h2 style="text-align: left;">Gerüchte machen die Runde</h2>
<p style="text-align: justify;">Doch trotz der geringen Größe bleibt das Opiumgeschäft auch für die Bauern im Sinai heikel. Einige Beduinen erzählen, wie das Militär morgens ihren Feldern gefährlich nahe gekommen sei, und Gerüchte machen die Runde, dass Soldaten Felder zerstört hätten. Abu Saleh sagt: „Wenn sie jetzt kämen, würde ich alles verlieren.“</p>
<p style="text-align: justify;">Der Beduine hat seine gesamten Ersparnisse in sein Feld gesteckt, 340 Quadratmeter misst es. Opium ist für die Bauern kein lukratives Geschäft, aber immer noch ertragreicher als Tomaten oder Gurken. Gemüse anzubauen würde sich in der Wüste nicht rechnen, da den geringen Verkaufserlösen hohe Bewässerungskosten gegenüber stünden. Die Beduinen müssen zur Bewässerung tiefe Brunnen betreiben, um an salzarmes Wasser zu gelangen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Der Gewinn? Ein Witz.</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn alles glatt läuft, wird Abu Saleh in dieser Saison knapp fünf Kilo rohes Opium ernten können. Für ein Kilo zahlen ihm Dealer etwas weniger als tausend Euro. Doch den Gewinn muss er sich mit seinem Geschäftspartner teilen. Dieser hatte das Feld zur Verfügung gestellt, im Gegenzug bewirtschaftet es der 30-Jährige. Abzüglich der Kosten für Samen, Bewässerung und Hilfskräfte rechnet er mit einem Gewinn von knapp 600 Euro. „Ein Witz“, sagt Abu Saleh, „als Tourguide habe ich im Jahr viel mehr verdient.“</p>
<p style="text-align: justify;">Abu Salehs Haus ist ein karger Betonbau in einem kleinen Dorf, durch das Kamele, Esel und Ziegen laufen. Das Leben eines Drogenbarons stellt man sich anders vor. In den Zimmern stehen keine Möbel, Licht gibt es nur in der Küche und im Wohnzimmer, in dem Teppiche als Sitzgelegenheiten dienen. Er hofft, dass er sich über den Sommer mit Gelegenheitsjobs durschlagen kann, um seine Frau und seine vier Kinder zu ernähren.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Wir sind einfach zu unerfahren&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Einige Kilometer weiter teilen sich Hamed, Mahmoud und Mohammed ein Feld. Auch sie sehnen sich nach der Zeit, als noch die Touristen in den Sinai strömten. Sie sagen, sie hätten gute Arbeit gehabt, als Musiker und Köche in Hotelanlagen. Auch ihre größte Sorge ist es, dass sie mit dem Opiumanbau nicht genug Geld zum Leben haben werden. „Wir sind einfach zu unerfahren“, sagt Hamed, 26, „es ist das erste Mal, dass wir Opium anbauen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Hamed steht am Feldrand und ritzt die Samenkapsel einer Pflanze mit einer Rasierklinge an. Dicker, weißer Saft quillt aus ihr heraus. Im getrockneten Zustand kann er zu Heroin verarbeitet werden. Doch damit wollen die Männer im Sinai nichts zu tun haben.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wenn wir das Opium geerntet haben, kommen Dealer aus Oberägypten und kaufen es uns ab,“ sagt sein Partner Mohammed, 37. Sie sagen, sie wüssten nicht, was danach mit dem Stoff passiert. Ihnen scheint auch nicht bewusst zu sein, dass aus Opium Heroin entstehen kann. „Das kann nicht sein, das muss eine andere Pflanze sein“, sagt Hamed, „Opium ist doch gut, es lindert Schmerzen.“</p>
<h2 style="text-align: left;">Seit der Revolution sind die Drogen-Preise gestiegen</h2>
<p style="text-align: justify;">Tatsächlich gibt es keine Indizien dafür, dass Heroin in Ägypten im großen Stil hergestellt wird. Früher ging das meiste Opium nach Israel, wo es weiterverarbeitet wurde. Doch seit den Unruhen in Ägypten sichert Israel seine Grenzen wieder verstärkt und unterbindet damit weitgehend den Drogenhandel. Experten messen dies auch an einem Fakt: Seit der Revolution 2011 sind die Preise für Marihuana, Haschisch und Opium in Israel massiv gestiegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Drogenanbau ist den streng gläubigen Beduinen nach der Lehre des Islam eigentlich verboten. Auch die Stammesführer haben jahrelang versucht, den Anbau zu unterbinden. Die Beduinen erzählen, wie die Clanchefs immer wieder darauf hingewiesen haben, dass die Stammesmitglieder ihr Geld im Tourismus machen sollen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Hoffen auf die Touristen</h2>
<p style="text-align: justify;">Abu Saleh sagt bitter: „Wir lassen uns von ihnen nichts mehr sagen. Schließlich können sie uns keine Alternativen bieten. Und was sollen sie schon machen? Wir haben doch kaum noch etwas zu verlieren.“</p>
<p style="text-align: justify;">Hamed, Mahmoud und Mohammed sehen das genauso. Aber wenn sie die Möglichkeit hätten, würden sie alle sofort wieder einer legalen Tätigkeit nachgehen. Der 24-jährige Mahmoud sagt: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass die Touristen zurückkommen und ich wieder als Koch arbeiten kann.“</p>
<h6 style="text-align: justify;"><em>*Name geändert</em></h6>
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		<title>Im Höllenschlund von Gunung Ijen</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jul 2014 11:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Indonesien]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Annabel Trautwein]]></category>
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					<description><![CDATA[Der aktive Vulkan Gunung Ijen gehört zu den gefährlichsten auf der indonesischen Insel Java. Täglich steigen Minenarbeiter in den Krater herab, um Schwefel abzubauen. Unsere Autorin Annabel Trautwein hat sich in den Höllenschlund gewagt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/im-hoellenschlund-von-gunung-ijen/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Der aktive Vulkan Gunung Ijen gehört zu den gefährlichsten auf der indonesischen Insel Java. Täglich steigen Minenarbeiter in den Krater herab, um Schwefel abzubauen. Unsere Autorin Annabel Trautwein hat sich in den Höllenschlund gewagt.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der nächtliche javanische Wald hält den Atem an. Der Regen ist vorbei, die Malaria-Mücken haben ihr erstes Blutmahl schon hinter sich. Kein Hahn, keine Grillen, kein Mofageknatter im Dorf. Nur aus den Zimmern der Touristen strahlt Neonlicht. Victor, ein 24-Jähriger mit Topfhaarschnitt und Brille klopft an die Türen: „Are you ready? Can we go now?“ Heute Nacht ist er der Guide, nicht nur Touristikstudent aus der Provinzstadt Batu. Gleich soll er die Touristen auf den Gunung Ijen führen, einen der gefährlichsten Vulkane der indonesischen Insel. Victor selbst war noch nie dort. Aber er weiß: Touristen müssen zur Eile getrieben werden. „Are you ready?“ Wer das blaue Feuer von Gunung Ijen sucht, muss vor dem Tageslicht im Krater sein. Kurz darauf bremst Friendick, der Fahrer. Aus seinem Jeep fallen die Passagiere in die Finsternis.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach und nach klettern schlaftrunkene Gestalten aus Autos und trotten los. Es geht steil bergauf, immer weiter durch die Schwärze der Nacht. Der Urwald schluckt das Licht der Taschenlampen und behält seine Geheimnisse für sich. Nebel verhüllt das Himmelszelt. Selten reißt die Decke auf – dann lösen die Menschen ihren Blick vom Boden, heben die Köpfe und taumeln unter der Wucht des Sternenhimmels. Nur manche sind dabei, die nicht aufblicken. Sie nahen von hinten, ihre Schritte knirschen auf dem grindigen Pfad. Die Nacht verbirgt ihre Gesichter. Alle schweigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Weg streckt sich auf den Rücken des Kraterrands, in der Tiefe versinkt der Wald – keuchend erreichen die Wanderer den Grat. Die Lichtkegel ihrer Taschenlampen tasten sich einen Abhang hinab. Nichts als Fels und Geröll. Noch steiler als zuvor bergauf geht es nun in die Tiefe. Friendick klettert voran und beleuchtet den Weg. Er kennt ihn und seine Tücken. Schritt für Schritt tippelt das Grüppchen hinter seinem Lichtkegel her. Warnungen und Worte des Danks irren durchs Dunkel, die Felsen kippeln unter den Sohlen der Trekkingschuhe. Der Abstieg scheint Stunden zu dauern. Victor redet von dem „blue light“, einem einzigartigen Naturspektakel. Noch ist kein Schimmer davon zu sehen, nur Fels, Geröll, Finsternis.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-java-gunung-ijen-4" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-java-gunung-ijen-4 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-java-gunung-ijen-4 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-java-gunung-ijen-4 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Vulkan_Danger.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gunung Ijen - einer der gefährlichsten Vulkane der indonesischen Insel Java. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Schwefel_Quelle_Rauch.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Vulkan ist aktiv, 1999 brach er zuletzt aus und bedeckte das Tal mit Asche und Schlamm. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Tonnen_Rauch.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Unablässig quillt der Schwefeldampf daraus hervor. Mitten in den beißenden Schwaden steht ein Bergarbeiter und bricht mit einer Eisenstange den Schwefelbelag von den Felsen. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Traeger_Berg.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Weg zum Vulkan führt über einen schmalen Bergrücken. Die Träger laufen diesen Weg auch in der Dunkelheit. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Schwefel_Transportweg_Traeger.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der gelbe Atem von Gunung Ijen ist ein Rohstoff, der sich gut verkaufen lässt. Die Industrie verarbeitet ihn zu Streichhölzern oder verwendet ihn bei der Raffinade von Zucker. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Transportweg_Traeger.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Dorf_Schwefel_Traeger_Korb.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Träger bringen ihre Ladung ins Dorf. Hier wird der Schwefel dann gewogen. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Traeger_Korb_schwefel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die meisten Schwefelträger seien sogar schon mit 50 körperlich am Ende. In der Regel schafften sie auf einer Tour 80 bis 90 Kilo, manche auch 100. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Gunung_Waage_Schwefel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Waage im Dorf. ©Michael Ziehl</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-java-gunung-ijen-4-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Vulkan_Danger-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Schwefel_Quelle_Rauch-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Tonnen_Rauch-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Traeger_Berg-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Schwefel_Transportweg_Traeger-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Transportweg_Traeger-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Dorf_Schwefel_Traeger_Korb-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/05/Gunung_Traeger_Korb_schwefel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Gunung_Waage_Schwefel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Gestalt in den Schwaden</h2>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich wabert hellgelber Dampf durch die Ödnis. Jeder Atemzug schöpft fauliges Gas in Hals und Lunge, die Luft brennt in den Augen. Menschen mit Rucksäcken wandern hustend auf die Quelle zu und stieren durch die Sucher ihrer Spiegelreflex-Kameras. Immer dichter quillt das gelbe Gas. Eine Gestalt erscheint in den Schwaden – den Kopf verhüllt eine Gasmaske, zerschlissene Kleider, Gummistiefel. Wortlos streckt der Minenarbeiter seine Hand vor. Zwei Figürchen liegen darauf: Ein Flugzeug und eine Schildkröte, gepresst aus leuchtend gelbem Schwefel. Der Mann schweigt und wartet. Für 120.000 Rupien, gut 16 Euro wechselt das Flugzeug schließlich in die Hand einer Touristin. Ein Souvenir zum Preis von etwa zwei Tageslöhnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der gelbe Atem von Gunung Ijen ist ein Rohstoff, der sich gut verkaufen lässt, erklärt Friendick. Die Industrie verarbeitet ihn zu Streichhölzern oder verwendet ihn bei der Raffinade von Zucker, damit der schön weiß wird. Um den Bodenschatz zu bergen, trieb eine Firma ein Rohr in die Flanke des Vulkans. Unablässig quillt der Schwefeldampf daraus hervor. Mitten in den beißenden Schwaden steht ein Bergarbeiter und bricht mit einer Eisenstange den Schwefelbelag von den Felsen. Er trägt weder Handschuhe noch Gasmaske. Die Touristen zücken ihre Spiegelreflex-Kameras.</p>
<p style="text-align: justify;">„Are you ready now? Can we go on?“ Victor treibt seine Gruppe zur Eile an. Das blaue Feuer, deshalb waren doch alle gekommen. Es sei nun nicht mehr weit. Die Fotografen klicken und drehen an ihren Geräten herum. Gleich kann es weitergehen, nur noch ein Versuch in einer anderen Einstellung, einem neuen Winkel&#8230;  Zu spät: Der Wind dreht, der Schwefeldampf presst sich in die Gesichter und brennt in den Bronchien. Hustend und in den Augen reibend flüchten die Nachzügler aus dem Höllendunst. Der Bergarbeiter schuftet weiter, während Victor das blaue Feuer präsentiert: Tief in den Klüften der Felswand flackert das brennende Gas, das rastlose Innere von Gunung Ijen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Vulkan kann jederzeit ausbrechen</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Vulkan ist aktiv, 1999 brach er zuletzt aus und bedeckte das Tal mit Asche und Schlamm. Es kann jederzeit wieder passieren, sagt Friendick. 1976 kamen 49 Minenarbeiter bei einer Eruption zu Tode. Ein junger Italiener will wissen, was denn heute zum Schutz der Männer unternommen werde. Friendick deutet auf ein Schild: „Danger“. Die Bergarbeiter tragen scherzend ihre Körbe mit Schwefel daran vorüber.</p>
<p style="text-align: justify;">Älter als 60 werde hier keiner, meint Friendick. Die meisten Schwefelträger seien sogar schon mit 50 körperlich am Ende. In der Regel schafften sie auf einer Tour 80 bis 90 Kilo, manche auch 100. Sie schleppen die Bruchstücke aus dem Krater über den Rand des Vulkans zur Waage, wo der Preis für die Ladung bestimmt wird. Danach folgen vier Kilometer Abstieg ins Tal. Je nach Gewicht verdienten sie pro Tour etwa 60.000 Rupien – pro Tag rund 8 Euro. Wieso denn keine Seilbahn gebaut würde, will ein Ingenieur aus Deutschland wissen. Technisch sei das doch ganz einfach machbar. „But then they will all lose their jobs“, wendet Friendick ein. Schuften bis zum frühen Exitus oder Arbeitslosigkeit und Armut – andere Optionen hätten die Arbeiter nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Morgendämmerung gibt dem Krater Minute für Minute seine Formen und Farben zurück: Rostrot leuchten die Kanten der Felsschichten, weiß-graue Schraffuren fluchten zum tiefsten Punkt, der sich nach und nach türkisblau färbt: Der opake Spiegel eines Sees, Kawah Ijen. Nur die schwefelgelbe Gasfontäne büßt im Tageslicht an Kraft ein. Die Träger mit den beladenen Korbgestellen auf der Schulter singen, während sie über die Felsen steigen. Grell leuchtet der Schwefel in ihren Körben auf dem Grat des Vulkanrands.</p>
<h2 style="text-align: left;">Mit 100 Kilo auf den Schultern</h2>
<p style="text-align: justify;">Beim Abstieg ins Tal glitzert der Tau auf den Böschungen. In kurzen, schnellen Schritten eilt ein Mann vorüber, das Korbgestell auf den nackten Schultern. Wie Beulen wölben sich seine Nackenmuskeln unter dem Bambusstab. Er grinst und setzt das Gestell ab: Ob einer der Europäer es mal versuchen wolle? Der Deutsche passt, er hat es im Rücken.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Italiener will es zumindest versuchen: Unter den ängstlichen Blicken seiner Freundin und dem Grinsen des Javaners klemmt er die Schulter unter den Bambusstab und hebt die Körbe prustend einige Zentimeter an. „How much?“ 100 Kilo, sagt der Schwefelträger und schwellt die Brust. Lächelnd nimmt er  einen Schluck Wasser und eine Zigarette in Empfang. Dann schultert er den Korb und setzt seinen Abstieg fort, durch die erwachende Berglandschaft Javas.</p>
<h5 style="text-align: center;"><em>Warum jeder Mal einen Vulkan besteigen sollte, erzählt Annabel im</em></h5>
<p><a title="Autoreninterview mit Annabel Trautwein" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-annabel-trautwein/"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Das stinkende Herz von Mumbai</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Jul 2014 11:00:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-stinkende-herz-von-mumbai/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie weißer Nebel steigt Wasserdampf aus den Wellblechhütten auf und vermischt sich mit der kühlen Morgenluft Mumbais. Nur langsam kehrt Leben in den Slum ein. Müde erheben sich die Menschen in Dharavi von ihren Nachtlagern und schlurfen mit hängenden Schultern vor ihre Hütten, Zeit für die morgendliche Toilette. Allein die Tee-Verkäufer wuseln bereits wie Ameisen durch die engen Gassen und preisen ihre Ware an.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst vor wenigen Minuten brachte mich der Metrozug aus dem touristischen Süden Mumbais in das zentralgelegene Slumgebiet Dharavi. Meine Anwesenheit erntet zahllose ungläubige Blicke. In den Gesichtern der Menschen steht die Frage, was ein Bleichgesicht zu dieser Uhrzeit an diesem Ort zu suchen hat. Hier, wo sich normalerweise keine Touristen hin verirren. Hier, wo die Armut regiert und die Menschen von dem leben, was andere weggeworfen haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Dharavi ist Mumbais größtes zusammenhängendes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern leben bis zu eine Million Menschen. Begrenzt von einem Fluss und zwei Eisenbahnlinien. Liebevoll wird es auch „Heart of Mumbai“ genannt. Es ist ein stinkendes, dreckiges Herz. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist neben der Textil- und Tonwarenherstellung das Recycling von Reststoffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-mumbai-dharavi-5" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mitten im Herzen von Mumbei liegt das Slumviertel Dharavi. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Teeverkäufer versorgen die Menschen am Morgen mit Chaitee. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Am Morgen lässt sich ein Mann am Straßenrand rasieren. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit Stoffresten werden die Schmelztiegel befeuert. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch aus den alten Kabeln werden die Kupferdrähte entfernt und weiter verwendet. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Überall in Mumbai werden PET-Flaschen eingesammelt und nach Dharavi gebracht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An den großen Abwasserleitungen haben sich Bewohner des Slums angesiedelt. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das aus den PET-Flaschen gewonnene Plastik wird zur Weiterverarbeitung in Klumpen gegossen. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich ein großer Schmelztiegel. Zwei junge Männer halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Schmelztiegel werden Aluminiumspäne eingekocht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-mumbai-dharavi-5-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Arbeit unter stinkendem Rauch</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich streife durch die engen Gassen und muss ständig aufpassen. Unentwegt donnern kleine Lastwagen hupend durch den Slum knapp an mir vorbei. Nur ein beherzter Sprung in einen Hauseingang rettet mich vor diesen angerosteten Ungetümen. Sie beliefern die vielen kleinen Werkstätten im Nord-Westen Dharavis mit Plastikabfällen, die in den anderen Stadtteilen eingesammelt wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Unzählige kleine Ein-Zimmer-Werkstätten dominieren diesen Teil der Stadt. Hier werden die Plastikabfälle sortiert, unter lautem Maschinenlärm geschrotet und anschließend unter stinkendem Rauch, der in Augen und Mund brennt wieder zu handlichen Formen verschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Männer am Straßenrand schauen mir schmunzelnd bei meinen Ausweichmanövern zu. Sie sitzen auf einem bunten Haufen von Kabel. In mühseliger Handarbeit trennen die beiden die Kabel in Metall und Plastik. Dafür klemmen sie die Schnüre zwischen ihre Zehen, schneiden mit einem alten Messer die Kabel auf und lösen die Kunststoffhülle vom glänzenden Inhalt. Das Metall wird später eingesammelt und ebenfalls eingeschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einige Gassen weiter: Große Säcke, mit Aluminiumspänen gefüllt, ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich eine Feuerstelle, in deren Mitte ein großer Schmelztiegel steht. Zwei Arbeiter halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang, sorgen für eine ausreichende Luftzufuhr und führen dem Tiegel unter eindrucksvollem Auflodern der Flammen immer wieder Aluminiumspäne zu. Der Rauch kann nur begrenzt durch die Schlitze im Dach entweichen. Es ist heiß und stickig. „Was machst du hier?“, fragt einer. Die beiden Männer sind überrascht, mich in ihrer Werkstatt anzutreffen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Leuchtende Suppe im Schmelztiegel</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber schnell verlieren sie wieder das Interesse an mir und wenden sich ab. Die leuchtende Suppe in ihrem Schmelztiegel scheint fertig zu sein. Vorsichtig ziehen sie den Behälter mit langen Stangen aus der Glut und gießen den Inhalt in bereitstehende Brikettformen. Die Hitze wird unerträglich, die Dämpfe benebeln meine Sinne und mir wird schwindlig. Angeschlagen trete ich den Rückzug an und rette mich nach draußen in die Mittagshitze. Sie ist erfrischend.</p>
<p style="text-align: justify;">Draußen bietet mir ein kleiner Junge einen süßen Chai-Tee aus seiner Kanne an. Im Eingang zur Schmelze sitzend schaue ich mich um und trinke vorsichtig den Tee, der den ätzenden Geschmack des Qualms Schluck für Schluck verdrängt. Diese Gelegenheit lassen sich die anderen Arbeiter in der Gasse nicht nehmen. Sie kommen zu mir. Umringen mich. Kurz nach meiner Flucht aus der Schmelze bin ich umgeben von neugierigen Blicken und interessierten Gesichtern. Die Leben hinter den Gesichtern erzählen sehr oft die gleiche Geschichte.</p>
<p style="text-align: justify;">Einer berichtet mir, er habe Frau und Kinder daheim im indischen Rajasthan gelassen. Nur an wenigen Feiertagen im Jahr schaffe er es, sie zu besuchen. Arbeit gebe es dort nicht. Deshalb ist hier, in Dharavi, für viele Arbeiter der erste Anlaufpunkt in Mumbai. Nun schläft er wie so viele andere auf Pappunterlagen direkt neben dem Arbeitsplatz.</p>
<p style="text-align: justify;">Dunkelgraue Wolken steigen aus den Blechhütten auf und trüben das Blau des Himmels als ich wieder im Zug sitze – auf dem Weg zurück in die hübsche Altstadt von Mumbai. Die Feuer in Dharavi werden noch bis spät in die Nacht brennen. Und schon bald wird ein neuer Tag wieder Leben in den Slum bringen.</p>
<p style="text-align: center;"><em> Warum unser Autor Christian Fraesecke Dharavi besuchte, erfährst du im</em></p>
<p><a title="Autoreninterview mit Christian Faesecke" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-christian-faesecke/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
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