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	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Mon, 26 Oct 2015 22:13:31 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Südasien &#8211; WELTSEHER</title>
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		<title>Suche in Trümmern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2015 22:03:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nepal]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeben]]></category>
		<category><![CDATA[Helfer]]></category>
		<category><![CDATA[Kathmandu]]></category>
		<category><![CDATA[Naturkatastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Stenzel]]></category>
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					<description><![CDATA[Im April und Mai erschütterte Nepal eine Serie von verheerenden Erdbeben. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben. Viele Nationen schickten Helfer in die Krisenregion im Himalaja. Doch nicht alle fanden jemanden zum helfen.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/nepal-suche-in-truemmern/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Im April und Mai erschütterte <strong>Nepal</strong> eine Serie von verheerenden Erdbeben. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben. Viele Nationen schickten Helfer in die Krisenregion im Himalaja. Doch nicht alle fanden jemanden zum helfen.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Mit angestrengtem Blick versucht Irakli West, etwas mit dem Fernglas aus dem kleinen ovalen Flugzeugfenster hinaus in der Dunkelheit zu erkennen. Der Airbus kreist seit einer gefühlten Ewigkeit im Luftraum über dem Flughafen Kathmandu – in der Hoffung, endlich eine Landegenehmigung zu erhalten. An Board der Air-India-Maschine sind nicht nur Nepalesen, die zurück in ihre Heimat wollen – auch drei Rettungsteams aus Deutschland und Großbritannien fliegen mit. Irakli West, 46 Jahre, ist Teamleader des sechsköpfigen Search-and- Rescue-Teams der deutschen Hilfsorganisation „@fire“, dem auch ich angehöre.</p>
<p style="text-align: justify;">Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben, das Ende April Nepal und Teile von China und Indien erschütterte, sind wir endlich in der Hauptstadt Kathmandu gelandet. Das Land befindet sich im Ausnahmezustand. Niemand interessiert sich ernsthaft für die Sicherheitskontrolle. Obwohl die Metalldetektoren wild piepen, können wir unbesehen den Passagierbereich verlassen. Der Eingang zur Abflughalle ist von Menschen belagert, im Ankunftsbereich warten unzählige Nepalesen auf Angehörige – zahlreiche Männer und Frauen liegen auf den Bürgersteigen eng an eng und schlafen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Schlafen neben Flugzeugen</h2>
<p style="text-align: justify;">Unser Camp schlagen wir schließlich am späten Abend auf einer großen Wiese auf dem Flughafengelände auf. Soldaten patrouillieren am Zaun. Endlich, nach der 24-stündigen kräftezehrenden Reise, liege ich auf einem Feldbett und schließe die Augen. Durch einen ohrenbetäubenden Lärm schrecke ich wieder auf – es klingt, als würde gleich ein Flugzeug durch unser Zelt fliegen. Stattdessen landet es auf der Landebahn rund 200 Meter neben uns. In den kommenden Tage nehme ich die fünfminütlichen Starts und Landungen direkt neben unserem Basislager kaum noch wahr.</p>
<p style="text-align: justify;">Am darauffolgenden Tag kann unsere Arbeit endlich beginnen. Viel zu viel Zeit ist seit dem Beben bereits vergangen – die Überlebenschancen in den Trümmern schwinden mit jeder Stunde. Gerade aufgrund der in Nepal vorherrschenden Ziegelbauweise gibt es in zusammengestürzten Häusern kaum Hohlräume, in denen Verschüttete länger überleben können. Mit unseren beiden Rettungshunden und technischem Ortungsgerät brechen wir am Morgen zusammen mit einem englischen Rettungsteam in das Naturschutzgebiet Sundarijal zehn Kilometer nordöstlich von Kathmandu auf. Wir haben den Auftrag, mehrere Gebäudekomplexe, darunter ein Hotel, ein Militärstützpunkt und eine Wasseraufbereitungsanlage, zu erkunden und nach Überlebenden abzusuchen.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0241.jpg" data-caption="Teamleader Irakli West während der Sucharbeiten in der Ortschaft Nayapati." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0192.jpg" data-caption="Rettungshund Loki und Hundeführer Denny Stübling bei der Fahrt zum Einsatzort." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0181.jpg" data-caption="Das gemischte Team von @fire und SARAID bepackt den gemieteten Transporter in der Base of Operations." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150429_AtFire_EQ-Nepal_sst-0309.jpg" data-caption="Drei Männer stehen an einem eingestürzten Haus in Kathmandu." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150429_AtFire_EQ-Nepal_sst-0324.jpg" data-caption="Ein Schulgebäude in Kathmandu ist umgekippt und lehnt an einem Nachbargebäude." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150429_AtFire_EQ-Nepal_sst-0366.jpg" data-caption="An einem Haus in einem Dorf in Kathmandu ist die Giebelwand eingestürzt - die Ziegel liegen auf der Straße." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0208.jpg" data-caption="Ein Motorroller liegt in Nayapati unter dem Schutt einer Hausfront begraben." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150429_AtFire_EQ-Nepal_sst-0430.jpg" data-caption="Helfer im Gespräch mit der Armed Police Force." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0240.jpg" data-caption="Die Bewohner der Ortschaft Nayapati und Militärs beobachten die Sucharbeiten des deutschen Rettungsteams." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150428_AtFire_EQ-Nepal_sst-0189.jpg" data-caption="Am Straßenrand haben Menschen in Kathmandu Zelte aufgeschlagen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150430_AtFire_EQ-Nepal_sst-0514.jpg" data-caption="Hundeführer Denny Stübling setzt seinen Rettungshund Loki in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in Kathmandu ein." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150430_AtFire_EQ-Nepal_sst-0724.jpg" data-caption="Ein @fire-Helfer schaut in ein Loch zu einem Hohlraum, in dem zwei SARAID-Helfer nach Überlebenden suchen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150430_AtFire_EQ-Nepal_sst-0527.jpg" data-caption="Zahlreiche Menschen verfolgen die Sucharbeiten an einem eingestürzten Gebäude in Kathmandu." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/20150427_AtFire_EQ-Nepal_sst-0068.jpg" data-caption="Das @fire-Team auf dem Flughafen in Kathmandu." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Sebastian Stenzel</p></div>
<h2 style="text-align: justify;">Los gehts</h2>
<p style="text-align: justify;">Unsere Gerätschaften &#8211; eine Searchcam, ein Horchgerät und Werkzeuge &#8211; verstauen wir auf dem Dach eines Sprinters, den wir vor Ort mitsamt eines Fahrers organisiert haben. Bei der Fahrt durch die Straßen Kathmandus fällt auf: Obwohl die meisten Häuser unversehrt sind, schlafen viele Menschen im Freien. Auf allen Wiesen sind Zelte aufgeschlagen – sogar auf dem begrünten Mittelstreifen einer vierspurigen Straße. Angespannt beobachten meine Teammitglieder und ich die asiatische Fahrweise. Hupend und im Gegenverkehr überholend schlängeln wir uns wie unzählige andere Autos und Mopeds. Die Situation in der Hauptstadt scheint nicht so schlimm wie angenommen. Nur vereinzelt sind Gebäude beschädigt oder eingestürzt. Die meisten kleinen Garagengeschäfte am Straßenrand haben geöffnet, auf den Straßen, die am Rande der Stadt mehr Feldwegen gleichen, herrscht reger Verkehr.</p>
<p style="text-align: justify;">Langsam nähern wir uns dem Ziel, die Straße wird schmaler, die Steigung extremer. In einer Ortschaft treffen wir etliche Menschen auf einem Platz, die unter Planen Schutz vor dem Regen suchen, Kinder nutzen herumstehende Busse zum Spielen. Wir halten, damit unser Teamleader nach dem weiteren Weg schauen kann. Sofort sind wir von einer Menschentraube umgeben, die Leute wollen wissen, wer wir sind und was wir machen. „What’s the name of the dog“, fragt mich ein kleiner Junge. „Pollux, ein belgischer Schäferhund“, antworte ich ihm.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann bitten uns auch schon Bewohner um Hilfe. In einem der Häuser könnten noch Verschüttete sein. In gebrochenem Englisch sagt einer: „Das war ein Hotel, zwei Personen kamen noch rechtzeitig heraus, zwei andere könnten noch drin sein.&#8220; Mein Kollege Lars Prößler schickt Pollux ins Gebäude. Mehrmals klettert der Hund über die Trümmer der eingebrochenen Decke, doch er findet niemanden. Mit der Searchcam &#8211; einer Teleskopkamera &#8211; schaue ich noch durch ein Fenster in das zweite Obergeschoss. Auch hier ist nichts zu erkennen, das auf Überlebende hinweist.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Kaputt in den Feldbetten</h2>
<p style="text-align: justify;">Mittlerweile ist Nachmittag. Der Gebäudekomplex in Sundarijal, den wir eigentlich absuchen sollen, ist wegen der zerstörten Straßen nicht mehr mit dem Auto zu erreichen. Lediglich ein vierstündiger Fußmarsch führt noch in das Gebiet – ohne Helikopter macht das für ein Rettungsteam keinen Sinn. Nach Tüten-Fertiggerichten als Abendessen fallen wir müde und kaputt auf unsere Feldbetten.</p>
<p style="text-align: justify;">Früh morgens geht es wieder weiter. Diesmal wird unser Team geteilt. Ich fahre mit der ersten Gruppe samt der beiden Hunde durch Kathmandu. Plötzlich hören wir eine Lautsprecherdurchsage. Unser Dolmetscher erklärt uns: „Das ist ein Sprecher, der von der Regierung bezahlt wird. Er sagt, dass alles sicher sei, sich niemand Sorgen machen müsse und das normale Leben weitergehe.“</p>
<p style="text-align: justify;">Als wir nach einiger Fahrtzeit das Stadtzentrum verlassen, treffen wir auf unzählige der typischen, bunt bemalten nepalesisch-indischen Lastwagen. Wir halten am Straßenrand. Zwei Kameraden machen sich auf die Suche nach unserer Einsatzstelle &#8211; einer eingestürzten Schule. Mit einem Rettungshund und weiteren Kollegen kommen wir kurz darauf nach. Aber eingestürzt ist die Schule nicht, eher nach rechts weggeknickt und nun lehnt sie an einem Nachbarhaus. Wenn zum Zeitpunkt des Bebens Menschen im Schulgebäude waren, werden sie sich längst selbst gerettet haben &#8211; auch die Anwohner vermissen niemanden. Die Rettungshunde schlagen nicht an.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Was sollen wir eigentlich hier?</h2>
<p style="text-align: justify;">Klar, an dieser Stelle kann man sich fragen: Was sollen wir eigentlich hier? Braucht man unsere Hilfe überhaupt? Nichts als rumfahren. Vergeblich nach jemanden suchen, den wir aus den Trümmern retten können. Und vor allem: warten. Aber ich bin nicht frustriert. Denn so ist der Alltag von Katastrophenhelfern. Wir wollen nicht die Helden spielen, sondern sind Teil eines koordinierten Einsatzes der Vereinten Nationen. Nur so kann den Menschen in Nepal bei dieser unfassbaren Tragödie wenigstens etwas geholfen werden. Ich erfahre, dass andere Teams Überlebende aus eingestürzten Gebäuden retten können. Das klappt nur, weil sich alle Retter darauf verlassen können, dass jeder sich um seinen Sektor kümmert. Und mein Sektor heißt: J.</p>
<p style="text-align: justify;">Der liegt im Nordosten Kathmandus. Mit unserem Sprinter und einem Minibus fahren wir am nächsten Morgen die Straßen ab. Vorbei an kleinen Garagengeschäften gelangen wir zu einem vollständig eingestürzten Gebäude. Menschenmassen stehen um die Trümmer herum, mit bloßen Händen graben Anwohner und Soldaten im Schutt. Im Gespräch mit den Anwohnern versuchen wir mehr herauszufinden. „Das war ein fünfstöckiges Haus“, erzählen uns zwei Männer. „Und hier war mal ein Spielplatz.&#8220; Sie deuten auf den Trümmerhaufen vor ihnen. Vermisst werde aber niemand mehr.</p>
<p style="text-align: justify;">Um sicherzugehen, dass sich tatsächlich niemand mehr unter dem Schuttberg befindet, kommen erneut unsere beiden Rettungshunde zum Einsatz. In einem Randbereich der Trümmer hält Loki inne. Der Hundeführer gibt allerdings schnell Entwarnung: Unter den Trümmern liegen nur Schweineköpfe aus einer Metzgerei.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ein Klopfen</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Hunde sind bereits zurück in den Fahr­zeu­gen, da ordern uns die eng­li­schen Kollegen, mit denen wir unterwegs sind, zurück. Sie möchten wei­ter­su­chen, jemand will ein Klop­fen gehört haben. Mit schril­len­den Tril­ler­pfei­fen ver­treibt die nepa­le­si­sche Poli­zei die Schau­lus­ti­gen. Doch wie­der schnüf­feln die Hunde ver­ge­bens. Das Klop­fen ist nicht mehr zu hören. So bre­chen wir schließ­lich end­gül­tig ab. Nach dem Besuch eines Klos­ters, das kaum zer­stört ist, machen wir uns wie­der auf den Rück­weg. Sektor J haben wir erkundet.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Basislager wartet schon unser Team­lei­ter Ira­kli West. „Für uns ist der Ein­satz vorbei“, sagt er. „Die Such- und Ret­tungs­phase wurde für been­det erklärt. Jetzt geht es um die Ber­gung von Lei­chen, das ist nicht unsere Auf­gabe.” Ich hatte mich vor diesem Einsatz natürlich mental auf den Anblick von Toten vorbereitet. Retter, die nach dem furchtbaren Erdbeben vor fünf Jahren in Haiti waren, hatten mir von ihren Erlebnissen damit erzählt. Am Ende wird einen aber nichts auf diese Erfahrungen vorbereiten können. Ich bin erleichtert, dass mir das erspart geblieben ist. Schon morgen soll es nach Hause gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Freitagmorgen. In einem Lastwagen des saudi-arabischen Teams und einem nepalesischen Militär-Laster fahren wir zum „Tribhuvan International Airport“, dem Flughafen in Kathmandu. Nach 24 Stunden Wartezeit hebt der Airbus endlich ab &#8211; und damit fällt auch die Anspannung von mir.</p>
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		<title>Für ein paar Dollar am Tag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2015 04:26:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bangladesch]]></category>
		<category><![CDATA[Anna Mertens]]></category>
		<category><![CDATA[Bekleidungsindustrie]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Textilindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Bangladesch gilt als der zweitgrößte Textilhersteller der Welt. Im April 2013 stürzte eine der vielen Fabriken des Landes in sich zusammen. Über 1.100 Menschen starben bei dem Unglück in Dhaka. Seitdem hat sich einiges geändert.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/fuer-ein-paar-dollar-am-tag/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Bangladesch gilt als der zweitgrößte Textilhersteller der Welt. Im April 2013 stürzte eine der vielen Fabriken des Landes in sich zusammen. Über 1.100 Menschen starben bei dem Unglück in Dhaka. Seitdem hat sich einiges geändert.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es klappert und rattert. Tausende Hände ziehen flink Stoffteile über die Stichplatten. Hier ein Ärmel, dort eine Knopfleiste. Das Tempo ist schwindelerregend. Die Köpfe über die Nähmaschinen gebeugt sind die Arbeiter in der Textilfabrik in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka in ihre Aufgabe vertieft. Hunderte Frauen und Männer arbeiten an schmalen Arbeitsplätzen in einer weitläufigen Halle, manche barfuß im traditionellen Kamiz, andere tragen weiße Kittel und Häubchen, manche auch einen Mundschutz. Viele blicken kurz auf, als der Junior Managing Direktor durch die Reihen geht.</p>
<p style="text-align: justify;">Raiyan ist ein sympathischer junger Mann, er lächelt viel, tritt bescheiden auf. Sein Vater hat die Firma in Dhaka vor mehr als 30 Jahren aufgebaut. Nach Abschluss seines Studiums in den USA sei sein Vater 1975 als Chemieingenieur in sein Heimatland zurückgekehrt, erzählt Raiyan. Bangladesch hatte erst wenige Jahre zuvor, 1971, in einem blutigen Krieg mit Pakistan seine Unabhängigkeit errungen und war von Ostpakistan zum „Land der Bengalen“ geworden. Das kriegserschütterte Land habe vor allem neue Arbeitsplätze gebraucht, sagt Raiyan. Die Fabrik war nach eigenen Angaben die siebte in Bangladesch, heute gibt es laut Raiyan mehr als 5.000 Fabriken.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Einsturz des Rana Plaza im April 2013 wurden gut ein Dutzend Fabriken aus Sicherheitsbedenken geschlossen. Das neunstöckige Fabrik- und Bürogebäude war wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Mehr als 1.100 Menschen, vor allem Frauen, starben bei dem Unglück. Am Tag vor der Katastrophe hatte die Polizei an den Mauern Risse festgestellt und das Gebäude gesperrt. Dennoch erschienen vor allem Näherinnen zur Arbeit, offenbar da die Fabrikleitung darauf gedrungen hatte. Der Fabrikbesitzer wurde festgenommen.  Nach Angaben des Untersuchungsberichts war grobe Fahrlässigkeit Schuld für das Unglück. Zudem sei das Baumaterial minderwertig und nicht für die Größe und Höhe des Gebäudes geeignet gewesen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Für 2,80 Dollar am Tag</h2>
<p style="text-align: justify;">Raiyan weiß, dass Arbeitsbedingungen in Textil-Fabriken in Bangladesch ein viel diskutiertes Thema sind. Er sei mehrfach vor allem in Sozialen Netzwerken mit Vorwürfen konfrontiert worden, vor allem unmittelbar nach dem Einsturz. Umso wichtiger sei es, dass endlich die Regierung, die Produzenten und die Kunden ihre soziale Verantwortung ernst nähmen, betont Raiyan. „Der Mindestlohn in Bangladesch liegt mittlerweile bei 68 Dollar im Monat, rund 80 Prozent mehr als vor dem Einsturz“, erzählt er. Das sind  gut 2,80 Dollar pro Werktag. In der Firma der Familie werde den Arbeitern nach eigenen Angaben etwa 20 Prozent mehr gezahlt. Nach einem ersten Auftragseinbruch und Einbußen aufgrund des gestiegenen Mindestlohns laufe das Geschäft  wieder.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_mertens_Naeherinnen_nah.jpg" data-caption="An den Nähmaschinen arbeiten fast nur Frauen. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Naeherinnen.jpg" data-caption="Etwa 1.850 Menschen auf vier Stockwerke verteilt arbeiten an sechs Tagen in der Woche in der Fabrik. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Frauen_stoff.jpg" data-caption="Die Produktion eines Kleidungsstückes ist in viele kleine Einzelschritte zerlegt, damit die Herstellung möglichst reibungslos abläuft." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_mertens_frauen_arbeit.jpg" data-caption="Etwa 700 Nähmaschinen kommen in der Fabrik zum Einsatz." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/05/Bangladesch_Mertens_Hemden_folie.jpg" data-caption="Die Fabrik in Dhaka produziert etwa 500.000 Kleidungsstücke im Jahr. Der Mindestlohn für einen Arbeiter liegt bei rund 68 Dollar im Monat." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Doch der Druck durch die Auftraggeber sei hoch. An den Wänden im Treppenhaus hängen Zertifikate unterschiedlicher Unternehmen, mit denen die Familienfabrik kooperiert oder ehemals zusammengearbeitet hat. Neben Thommy Hilfiger und Van Heusen gehört zum Beispiel auch die britische Kette Marks &amp; Spencer zum Kundenstamm. Insgesamt sind es nach Angaben der Firma rund 400 Auftraggeber, vor allem aus dem höheren und gehobenen Segment. Mit einem bekannten schwedischen Kunden habe die Firma die Zusammenarbeit abgebrochen, erzählt Raiyan. Die hätten die Preise für ihre Bestellungen zu sehr nach unten drücken wollen. Das sei für sie auch im Sinne der Arbeitnehmer nicht vertretbar gewesen. Zahlen nennt Raiyan keine. Die Filialen der weltweit agierenden Ladenkette sprießen indes weiter wie Pilze aus dem Boden.</p>
<p style="text-align: justify;">Mittlerweile ist der junge Bengale in viele Geschäftsbereiche des Familienbetriebs involviert, vor allem in den internationalen Vertrieb. Raiyan arbeitet von London aus. Dort hat er am London College of Fashion und an der Cass Business School studiert; in der Stadt an der Themse lebt er die meiste Zeit des Jahres. „Wenn mein Vater sich zur Ruhe setzt, plane ich nach Bangladesch zurückzuziehen “, sagt Raiyan. Die Familie wohnt in Dhaka in einer hübschen Villa.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Sechs Tage Arbeit in der Woche ist normal</h2>
<p style="text-align: justify;">Heute führt der Junior durch das Herz des Unternehmens: die 1983 mit Hilfe von koreanischen und deutschen Technikern gegründete Produktionsstätte in Dhakas „Gewerbegebiet“ Mirpur. Eine weitere Fabrik befindet sich im Aufbau &#8211; Anfang kommenden Jahres soll ihr Produktionsvolumen voll ausgelastet sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Schuhe sind noch staubbedeckt beim Betreten des Gebäudes. Die Straße vor dem Eingang ist wie viele in Dhaka nicht geteert. Unzählige Menschen wuseln von einer Straßenseite zur gegenüberliegenden &#8211; Bangladesch ist das am dichtesten besiedelte Land der Welt, mehr als 1.000 Menschen leben auf einem Quadratkilometer, allein in Dhaka sind es offiziell etwa 15 Millionen, im ganze Land mehr als 155. Rikschas und Autos brettern über den Lehmboden; es ist laut, warm und in der Luft liegt der Geruch von gebratenem Fleisch.</p>
<p style="text-align: justify;">Der schmale blaugetünchte Eingangsbereich der Fabrik lässt kaum erahnen, dass in den vier Stockwerken darüber 1.850 Menschen arbeiten, sechs Tage die Woche, wie das in Bangladesch üblich ist. Dabei arbeiten augenscheinlich mehr Frauen als Männer an den 700 Nähmaschinen und bei der Vorbereitung der Stoffe und Schnitte. Jeder Mitarbeiter ist hier für einen Mini-Produktionsschritt verantwortlich; das reicht vom Annähen des rechten Knopfes an der rechten Manschette, dem Glätten eines Ärmels, bis hin zum Durchstechen der Knopflöcher. Die Produktion soll durch viele Einzelschritte möglichst reibungslos ablaufen, erklärt Raiyan. Im Monat produziert die Fabrik bis zu 500.000 Kleidungsstücke.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Männer bügeln besser</h2>
<p style="text-align: justify;">Eine Etage tiefer ist das Bild ein anderes: Kaum eine Frau zu sehen, dafür dutzende Männer. Sie stehen in einer Reihe an großen Bügelbrettern. Die Arbeiter tragen wie viele Näherinnen weiße Kittel, die ein wenig an Arztpraxis oder Fleischerei erinnern. „Die Männer können besser mit den Bügeleisen umgehen“, erklärt Raiyan. Die Geräte sind keine weißen Plastikeisen nach europäischen Standards, sondern schwere, gusseiserne. Sie hängen an langen Stromkabeln und werden in Präzision von den Männern über die bunt-karierten Hemden geschwungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Gerade drapiert ein Mitarbeiter ein fertig gebügeltes Hemd auf einem Bügel und hängt es an einen Kleiderständer. Dort sammeln sich bereits Hunderte Herrenhemden in allen Farben und Mustern. Unzählige davon sind in Größe XXL oder XXXL. „Wir arbeiten für viele Firmen, die vorrangig in den USA verkaufen“, erzählt Raiyan. Thommy Hilfiger oder Van Heusen verlangen im Laden stattliche Preise für ihre Hemde. Der Mitarbeiter selbst würde in dem Hemd wohl gänzlich verschwinden, falls sie es sich leisten könnten.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Treppenhaus wirkt stabil, oben befindet sich ein Gemeinschaftsplatz für die Mitarbeiter. „Wer möchte, kann seine Mittagspause hier verbringen“, erzählt Raiyan. Die Sicherheitsstandards in der Fabrik werden nach eigenen Angaben regelmäßig von verschiedenen Instanzen, etwa dem Zertifizierungsprogramm „Worldwide Accredited Responsible Production“, kurz WRAP, überprüft. “Es ist sehr traurig, dass weiterhin so viele Firmen nicht ausreichend für die Sicherheit der Mitarbeiter sorgen”, sagt er.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Enormer Konkurrenzdruck</h2>
<p style="text-align: justify;">Dennoch sieht er die Debatte über die Arbeitsbedingungen mit gemischten Gefühlen. Seines Erachtens schwingen darin auch Vorbehalte gegenüber dem vorrangig muslimischen Land mit. Er hoffe sehr, dass sich das pauschale Bild über die Textilindustrie in Bangladesch wieder wandelt. Bangladesch sei der zweitgrößte Textilhersteller der Welt &#8211; gleich nach China &#8211; und der Konkurrenzkampf sei groß. Zu den 5.000 Fabriken im Land kämen Produktionsstätten in China, Taiwan, Indien und der Türkei.</p>
<p style="text-align: justify;">Einen Raum weiter werden die frischgenähten Hemden noch einmal „durchgepustet“, um eventuelle Fadenreste oder andere Überbleibsel der Produktion zu beseitigen. Dann wird Hemd oder Bluse, feinsäuberlich gebügelt und ordentlich zusammengefaltet, in Plastikfolie verpackt. Das Produkt ist fertig für die Reise in die westliche Welt. Raiyan greift in den Stapel und holt eine schicke rosafarbene Damenbluse hervor. „Für dich, ein Andenken.“ Im Hintergrund ist noch das laute Klappern und Rattern zu hören.</p>
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		<title>Heile Welt in Gefahr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2015 05:42:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im Norden Pakistans zwischen China und Afghanistan liegt die Region Gojal. Hier leben die Menschen gemeinschaftlich in Oasen voller Aprikosenbäume mit viel Respekt und Toleranz ihrem Nächsten gegenüber. Doch diese heile Welt steht vor großen Schwierigkeiten. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/heile-welt-in-gefahr/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong> Im Norden Pakistans zwischen China und Afghanistan liegt die Region Gojal. Hier leben die Menschen gemeinschaftlich in Oasen voller Aprikosenbäume mit viel Respekt und Toleranz ihrem Nächsten gegenüber. Doch diese heile Welt steht vor großen Schwierigkeiten.<br />
</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl einige der Kleinstadt- und Dorfbewohner noch in Stein-Lehmhäusern leben, sieht man auf den Straßen in der Region Gojal im Norden Pakistans keine armen Menschen &#8211;  aber auch keine reichen. Wer hier Geld hat, zeigt es, in dem er einen hohen Betrag für die Gemeinschaft spendet. Die Analphabetenrate in der neuen Generation ist gleich Null, und schon die Kleinsten mit ihren Schnoddernasen wachsen zwei- bis dreisprachig auf. Trotzdem leben die Alten und die Jungen noch gemeinsam in einem Haus.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Frauen auf dem Basar in der Ortschaft Gulmit strahlen in ihren langen, hochgeschlossenen Kleidern eine würdige Eleganz und ihr Lächeln eine Natürlichkeit aus. Die Polizisten sitzen mangels Beschäftigung meistens in den Teeläden am Hafen, wo sie die 6.000 Meter hohen Passu Kathedralen bewundern. Wenn die Uniformierten die Langweile zu erdrücken scheint, geht es auch mal zum 2.600 Meter hoch gelegenen Borith-See, in dem sich der 7.388 Meter hohe Ultar spiegelt. Hier hat die 63-jährige Frohnatur Mr. Khan sein Hotel und bevor es für mich einen Tee gibt, schmeißt er sein altes Radio an. Es wird dann zu den Klängen traditioneller Wachi-Musik gemeinsam über die Terrasse gehopst.</p>
<p style="text-align: justify;">Was wie das Paradies auf Erden scheint, nennt sich Hunza-Gojal und ist Heimat der Ismailiten, eine islamische Glaubensgemeinschaft. Das 8.500 Quadratkilometer große Gebiet liegt im Karakorum-Gebirge in Nord Pakistan und grenzt an China und den Wakhan Korridor zu Afghanistan. Nur etwa 20.000 Menschen leben in diesem riesigen Canyon, der gespickt ist mit atemberaubenden Siebentausendern und gewaltigen Gletschern. Diese machen sich die Menschen zu nutzen, um mit Hilfe von Wasserkanälen Oasen voller Aprikosen, Apfel- und Kirschbäume zu schaffen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Räuber der Seidenstraße</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenn einem die Gojalis, wie die Bewohner der Region genannt werden, mit ihrem gutmütigen Blicken und toleranten Wesen mal wieder zu heilig erscheinen und man sich selbst voller Sünden vorkommt, hilft nur eins: „Ach, du alter Räuber der Seidenstraße, nun lass mal gut sein.“ Dann sieht man ein gespielt beschämtes Lächeln über das gegerbte Gesicht eines älteren Herrn huschen, denn natürlich war man auch hier nicht immer so „perfekt“. Von Orten wie dem 700 Jahre alten Gulmit Fort überfielen die Vorfahren der Gojalis Handelskarawanen auf dem Weg zur Seidenstraße.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_karakorum_highway.jpg" data-caption="Auf dem Karakorum Highway geht  es in das Gojal-Tal -  oft auch zu Fuß" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_Passu-Gletscher.jpg" data-caption="Der Passu Gletscher" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_Borith-Lake.jpg" data-caption="Der Borith Lake in Gojal" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_Hafen_gulmit.jpg" data-caption="Der Hafen in Gulmin" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_Kolonko_bruecke.jpg" data-caption="Gojal ist nicht nur wegen seiner einmaligen Landschaft ein Vorbild" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_Mr-Khan-mit-Frau.jpg" data-caption="Mr. Kahn und seine Frau" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Gojal_kolonko_2010_enstandenen-Atabadsee.jpg" data-caption="Die Region Gojal hat immer noch mit den Folgen des im Jahre 2010 enstandenen Atabadsee zu kampfen." alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">Auch das Denken war früher nicht so fortschrittlich: „Als ich vor 40 Jahren Besuch von einem Verwandten bekam, nahm der mich beim Abschied zur Seite und fragte tadelnd, was ich denn für ein Mann sei, da ich so freundlich zu meiner Frau sei“, erzählt mir ein alter Bewohner Gulkins. Doch als gegen Ende der Siebzigerjahre der Karakorum-Highway vom südlich gelegenen Rawalpindi endlich Gojal erreichte und über den 4.700 Meter hohen Khunjerab Pass nach China führte, kamen auch die Entwicklungsprogramme und Schulen der Aga-Khan-Stiftung.</p>
<p style="text-align: justify;">Aga Khan ist das geistige Oberhaupt der Ismailiten. Jetzt, im Jahr 2014, sind es Männer aus Dörfern wie Passu, die in den Süden Pakistans reisen und mit Hilfe von NGOs Entwicklungsarbeit leisten. „Geduld, man hatte sehr viel Geduld mit uns“, sagt mir ein älterer Herr aus Shishkot und fügt trocken hinzu: „Normalerweise fehlt bei Entwicklungsprogrammen die Nachhaltigkeit. Ein paar Schulen, Geld und dann verziehen sich die NGOs zum nächsten Ort“.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Riss zwischen den Generationen</h2>
<p style="text-align: justify;">Am Nachmittag auf dem Polo-Platz in Gulmit sitze ich mit einer angesehenen Persönlichkeit der hiesigen Gemeinschaft zusammen. Vor uns spielen die Jungen Fußball, während die Mädchen im Gemeinschaftshaus ein Seminar abhalten. Thema: Wie sehe ich Gojal in zehn Jahren. „Auch wir merken hier langsam die Kehrseiten des Fortschritts. Gerade die jungen Männer und Frauen, die aus dem Süden Pakistans zurückkommen, leben in einer Computer und Fernseh-Welt. Ihre Wünsche sind unrealistische Träume und sie haben die Fähigkeit verloren, unserer Gemeinschaft mit nützlichen Ideen weiter zu helfen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Während unserer Unterhaltung kommen Kinder und Jugendliche und grüßen meinen Gesprächspartner ehrerbietig und so sage ich kopfschüttelnd: „Und trotzdem lebt ihr in einer Gemeinschaft, die in der westlichen Welt ausgestorben zu sein scheint. Wie macht ihr das?“ Bescheiden lächelnd antwortet er: „Unser geistiges Oberhaupt Aga Khan gibt uns Ratschläge. Er sagt zum Beispiel, dass Rauchen oder das Trinken von Alkohol nicht gut für die Gesundheit sei. Doch wie man die Ratschläge umsetzt, bleibt jedem selbst überlassen. Toleranz. Toleranz ist das Fundament unserer Gemeinschaft, denn jeder Mensch hat sein eigenes Tempo.“</p>
<p style="text-align: justify;">Dieser Mikrokosmos ist umso bemerkenswerter, da das Schicksal die Menschen Gojals in den letzten Jahren hart getroffen hat. Der größte Schlag wurde schon im Jahr 2002 von einem tadschikischen Ingenieur vorausgesagt. Er machte die Gojalis darauf aufmerksam, dass sich 13 Kilometer vor Gulmit, an einer besonders engen Stelle des Canyons, ein großer Erdrutsch anbahnt. Trotzdem bauten die Menschen Gulmits weiter Häuser und Hotels an das Ufer des Hunza Flusses.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Handel und Tourismus versiegt</h2>
<p style="text-align: justify;">„Hätten wir die Menschen zwingen sollen?“, antwortete einer der damaligen lokalen Verantwortlichen auf meine Frage, warum die Menschen nach der Warnung nicht umgesiedelt worden sind. Im Januar 2010 passierte es dann. An exakt der vorausgesagten Stelle kam es zu einem riesigen Erdrutsch, der dem Hunza Fluss den Weg versperrte. Sieben Monate später hatte sich ein 23 Kilometer langer und 100 Meter tiefer See gebildet, der große Teile Gulmits überflutete und die Ortschaft Shishkot zu einer Insel machte.</p>
<p style="text-align: justify;">Heute ist der See immer noch 13 Kilometer lang und Gojal vom Rest Pakistans abgeschnitten und nur per Boot erreichbar, was den Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte der Region unrentabel macht. Auch die andere Einnahmequelle der Gojalis, der Tourismus, ist völlig versiegt. Dafür ist nur teilweise der schlechte Ruf Pakistans verantwortlich. Noch bis vor ein paar Jahren gab es ein Visa on arrival am nördlichsten Grenzübergang Pakistans, in Sust, für ausländische Gäste, die aus China einreisten.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch nicht nur das wurde eingestellt: Auch in touristischen Hochburgen wie Nepal, Indien oder Thailand stellen die pakistanischen Konsulate keine Visa mehr aus. So verwundert es nicht, dass die Menschen im Norden Pakistans nicht vom „war against terrorism“ sprechen, sondern vom „war against tourism“. Zudem überschwemmt das Schmelzwasser des Gulkin-Gletscher in den letzten Sommern regelmäßig den Karakorum Highway Besonders für die Alten und Kranken ist der Fußmarsch durch das eiskalte Wasser eine Tortur. An manchen Tagen ist selbst das Durchwaten unmöglich und dann muss jeder zu Fuß über den Gletscher &#8211; mit Koffern, Kleinkindern oder der Ziege.</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Warum sollen wir Indien hassen?&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich treffe die Kricket Mannschaft von Gulmit, die auf ihrem Rückweg von einer Niederlage im Charpursan Tal unterwegs ist. Einer von ihnen trägt ein Indien-Trikot und fünf andere Mützen mit der indischen Flagge. Als sie meinen verdutzten Gesichtsausdruck sehen, antwortet einer von ihnen lachend: „Warum sollen wir Indien hassen? Selbst unsere Polizisten hören indische Bollywood-Musik.“</p>
<p style="text-align: justify;">Am Borith-See hat Mr. Khan neben den ausbleibenden Gästen noch andere Probleme. Gemeinsam geht es auf den benachbarten schwarzen Gulkin-Gletscher. In der Mitte treffen wir auf ein großes Wasserloch, von dem Plastikrohre das Wasser hinunter ins Dorf transportieren: „Die Gletscher gehen zurück und beinahe jedes Jahr müssen wir neue Kanäle anlegen. Doch die Jungen ziehen der Arbeit wegen in die großen Städte nach Süd-Pakistan“, sagt Mr. Khan. Dann lacht er plötzlich, zeigt auf seinen angespannten Oberarm und fügt hinzu: „Aber wir Alten sind stark und wir werden kämpfen bis die Jungen wieder zurückkommen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Vom Borith-See geht es eine Stunde Richtung Osten bis zum weißen Passu-Gletscher. In einem schmalen Streifen zwischen der Gletscher-Moräne und den schroffen Steinwänden des Borith Sar sind kleine Alpen. Von dort geht es auf den Gletscher, der um diese Jahreszeit wirkt wie eine riesige weiße Boa in unruhigem Schlaf. Überall kracht es, es öffnen sich Spalten und Flüsse fließen aus Eiswasser. Doch bevor ich mir einbilden kann, Reinhold Messner zu sein, kommt mir im Eislabyrinth ein Alter in abgelatschten Turnschuhen entgegen. Als ich ihm meine Bewunderung ausspreche, winkt er nur müde ab und sagt: „Im Frühling und Herbst laufen hier selbst unsere Kühe rüber.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">&#8222;Das Paradis wird weiter leben&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Zurück am Borith-See stehe ich mit dem Sohn von Mr. Khan auf der Hotel Terrasse. Die letzten Jahre studierte er in Peschawar und konnte seinem Vater nur in den Sommermonaten helfen. Ich sage ihm, dass ich das Paradies in Gojal langsam dahin schwinden sehe und nenne ihm einige Beispiele &#8211; unter anderem, dass die Jugend abwandert oder die Chinesen, die zurzeit den Karakorum Highway ausbessern und einen Tunnel oberhalb des Atabad Sees bauen.</p>
<p style="text-align: justify;">Sie überschwemmen die Gegend mit billigem Alkohol und ihr eher geschäftsorientiertes Verhalten scheint schon auf die Gojalis abzufärben, wie man an der Taxi Mafia am Hafen in Gulmit sieht: Mangels eines funktionierenden staatlichen Transportsystems saugen Einheimische Einheimische aus. „Nein, es sind nur ein paar wenige und auch sie muss man verstehen. Wir haben hier jede Möglichkeit, Geld zu verdienen, verloren. Doch auch die paar Menschen werden wieder zur Besinnung kommen. Unser Paradies mag zurzeit in Schwierigkeiten sein, aber schließlich sind es die Menschen, die es ausmachen. Ich werde auf jeden Fall zurückkommen und versuchen, unsere Traditionen mit dem zu ergänzen, was ich an der Universität lerne.“ Dann lacht er plötzlich wie sein Vater und fügt trotzig hinzu: „Das Paradies wird weiter leben.“</p>
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		<title>Chaos in Karatschi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2015 06:10:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gilbert Kolonko]]></category>
		<category><![CDATA[Karatschi]]></category>
		<category><![CDATA[Taliban]]></category>
		<category><![CDATA[Terror]]></category>
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					<description><![CDATA[Offiziell ist Pakistan eine Demokratie und ein Helfer im Kampf gegen den Terror. Doch wie sieht es eigentlich im Land selber aus? Unser Autor reiste im September 2014 nach Karatschi und in die umliegende Provinz Sindh und berichtet von Terror, Korruption und Kriminalität.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/chaos-in-karatschi/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Offiziell ist Pakistan eine Demokratie und ein Helfer im Kampf gegen den Terror. Doch wie sieht es eigentlich im Land selber aus? Unser Autor reiste im September 2014 nach Karatschi und in die umliegende Provinz Sindh und berichtet von Terror, Korruption und Kriminalität.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Natürlich. Nawaz Scharif und Zardari sind über Nacht zu Demokraten geworden und die Taliban sind alle mit dem Boot in den Irak“, sagt ein Mittfünfziger mit gequältem Lächeln und deutet dabei über den abgesperrten Strand von Clifton aufs Arabische Meer. Dann fährt er fort: „Auch wenn die pakistanischen Taliban geschwächt sind und ihre Antwort auf den Einmarsch der pakistanischen Armee auf sich hat warten lassen. Vor drei Tagen ist der Sohn des schiitischen Führers in Karatschi erschossen worden und gestern gab es vor der Küste einen Angriff auf ein Boot der pakistanischen Marine – drei Soldaten wurden entführt. Das vor drei Wochen mehrere Maskierte in Karatschi drei Sufis in einem Schrein erschossen haben, gehört dagegen zum täglichen Wahnsinn in unserer Stadt.“</p>
<p style="text-align: justify;">Wir hatten über die derzeitigen Demonstrationen in Islamabad gesprochen, und die aktuelle Zurückhaltung der pakistanischen Taliban. Die Plakate von Leichen direkt neben der Absperrung des Strandes passt zu unserer Stimmung. Vor sechs Wochen sind hier an einem Tag 45 Menschen ertrunken, seitdem dürfen die eh schon gebeutelten Bürger Karatschis nicht einmal mehr an den Strand ihrer Stadt. Dabei ist er einer der wenigen Orte an dem man nicht Angst haben muss, ein Opfer der täglich etwa 20.000 verübten Straftaten Karatschis zu werden, oder eines der jährlichen 2500 Opfer ethnisch und politisch motivierter Auftragsmorde.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwar hatten die Polizei und die Rangers vor ein paar Monaten mehrere „Säuberungsoperationen“ durchgeführt, was die Bürger kurzfristig aufatmen ließ, doch fehlte auch diesmal die Nachhaltigkeit: Die großen politischen Parteien der 18 Millionen Einwohner Metropole sind weiterhin an der Macht – angeblich werden sie von Bandenchefs beherrscht.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Taliban mischen bei Erpressung und Schutzgeld mit</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Auch die pakistanischen Taliban (TTP) wildern weiter in den vorwiegend mit Paschtunen bewohnten Außenbezirken Karatschis: Das tun sie nicht um missionarische Arbeit zu leisten; In Karatschi ist man zum Geldverdienen mit Erpressung und Schutzgeld. Dabei bevorzugen sie sogenannte weiche Ziele: die ethnischen Minderheiten.</p>
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																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Pakistan_Karatschi_gilbert_kolonko_Sadar_Basar.jpg" data-caption="Der Sadar Basar in Karatschi am Morgen" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Pakistan_Karatschi_gilbert_kolonko_polizei.jpg" data-caption="Empress Market in Karatschi" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Pakistan_Karatschi_gilbert_kolonko_Morgens.jpg" data-caption="" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Pakistan_Karatschi_gilbert_kolonko_Manghopir_Schrein.jpg" data-caption="Manghopir Schrein" alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Pakistan_Karatschi_gilbert_kolonko_Lee_market_in.jpg" data-caption="Lee Mar­ket im Stadt­teil Lyari in Karatschi" alt=""></div></div>
<p style="text-align: justify;">„Die Taliban spazieren einfach in die Wohnungen unserer Mitglieder, die in den illegal gebauten Siedlungen in den Randbezirken Karatschis liegen. Im besten Falle stellen sie die jeweilige Familie vor die Wahl, eine hohe Geldsumme an sie zu zahlen oder das Haus zu verlassen. In der Regel übernehmen die Taliban einfach die Wohnung oder das Haus. Wir haben in diesem Land keine Lobby“, erzählte mir ein Angehöriger der islamischen Sondergemeinschaft Ahmadiyya vor kurzem nicht zum ersten Mal. Unter der Bhutto Regierung wurden die Ahmadyyas in den Siebzigerjahren per Gesetzt als Nicht-Muslime eingestuft. Ihr Makel: Sie glauben nicht, dass Mohamed der letzte Prophet war. Auch in ihrem Fall hat keine der demokratisch gewählten Regierungen, die seit sechs Jahren das Land regieren, nur einen Finger gekrümmt.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Vater und Sohn auf offener Straße erschossen</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Tag stehe ich etwas ratlos vor einem Stand mit Fruchtsäften am Lee Market im Stadtteil Lyari. Eigentlich sollte dort einer meiner bevorzugten Teestände sein. Da kommt einer der stämmigen Lastenkutscher und schlägt mir lachend etwas zu kräftig auf die Schulter: „4000 US-Dollar Schulden. Weg ist er.“ Dann zwinkert er mir zu und sagt leise aber freudig grinsend: „No problem. Er ist Okay.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Freude, dass mal ein kleiner Teeverkäufer die „Großen“ übers Ohr gehauen hat, ist dem Lastenkutscher deutlich anzumerken. Noch gestern war hier in der Nähe ein Vater und sein dreijähriger Sohn auf offener Straße erschossen worden; einfach so. Ob das Opfer den Schutzgeldforderungen der hiesigen Banden nicht nachgekommen ist, oder ob ein anderer Grund hinter der Hinrichtung stand, wird wohl auch diesmal nicht aufgeklärt werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Fest steht nur, dass in Lyari immer noch die P.P.P (Pakistan People Party) das Sagen hat, eine der zwei großen demokratischen Parteien Pakistans. Ihr Parteivorsitzender Zardari steht gerade in Islamabad Nawaz Scharif bei, um die Demokratie Pakistans zu retten. In Lyari, der wichtigsten Handelsgegend Karatschis, stützt sich die P.P.P zum Machterhalt auf die Schusskraft bewaffneter Banden und den hier lebenden Belutschen.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Ohne Geldquellen gibt es keine Macht</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Den Rest der Innenstadt kontrolliert die MQM, die die 1947 aus Indien übergesiedelten Mohajirs vertritt. Sie ist die am besten organisierte „Gang“ Karatschis und hat laut Dokumenten, die Wikileaks veröffentlicht hat, bis zu 25.000 Mann unter Waffen. Das sind etwa 7000 mehr als die Polizei Karatschis, wenn man die Beamten abzieht, die als Personenschutz für Politiker und andere V.I.P abgestellt sind. So bleibt ein Polizist zum Schutz von 1524 Bürgern Karatschis übrig. In London ist das Verhältnis 1 zu 152.</p>
<p style="text-align: justify;">Am nächsten Morgen sitze ich in einem der buntverzierten Rumpelbusse der Stadt. Neben mir ein junger Mann der Bohra, einer Abzweigung der Sunniten. Letzte Woche sei er auf der gleichen Buslinie ausgeraubt worden, erzählt er, und der Rest der Businsassen dazu: „Vor den letzten Wahlen kam der MQM-Führer unserer Gegend ins Gemeindezentrum und erklärte ganz offen, dass sie rausfinden werden, wenn wir ihm nicht unsere Stimmen geben. Dann hätten wir als religiöse Minderheit niemanden mehr, der uns bei stehte“.</p>
<p style="text-align: justify;">Kurz darauf stehe ich auf dem Empress Markt, wo auf dem kolonialen Uhrenturm die rote Fahne der Awami Liga (ANP) mittlerweile in Fetzen hängt. Sie war die dritte politische Kraft Karatschis und kurz davor, der MQM militärisch gefährlich zu werden. Aber die Taliban waren in den Randbezirken einfach die brutalere Gang und haben die Geldquellen der ANP übernommen. Doch wie sagte ein Einheimischer letztes Jahr zu mir: „Weiter als Orangi werden die Taliban nicht nach Karatschi vorstoßen. Hier ist es nicht, wie in ihren Bergen.&#8220;</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Tausende fliehen nach Karatschi, wieso?</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Die MQM habe jahrzehntelange Erfahrung im Großstadtkrieg. Bis jetzt hat der Mann Recht behalten. Ansonsten ist am Empress Markt alles beim alten. Hunderte obdachlose Männer und Frauen sitzen vor den Restaurants und warten auf kostenlosen Tee und Fladenbrot, während die Raubvögel durch die Gassen schweben. Obwohl es auch den kleinen Geschäftsbesitzern Karatschis wirtschaftlich nicht gut geht, scheint es für sie eine moralische Pflicht, jeden Hungrigen mit einem Frühstück zu versorgen. An kaum einem anderen Ort ist Herzlichkeit reiner und klarer zu erkennen. Vielleicht weil sie in Karatschi inmitten von lähmender Angst und brutaler Gewalt gelebt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Täglich strömen Tausende mehr in die Mega-Metropole. Die Balutschen und Paschtunen fliehen vor den bewaffneten Auseinandersetzungen in ihren Regionen. Warum die restlichen Landbewohner an einen Ort wie Karatschi flüchten, wird verständlich, sobald man den Blick in die ländlichen Gegenden nördlich wirft: Ansammlungen von Lehmhütten mit Strohdächern, umgeben von Feldern auf denen Baumwolle, Chili und Getreide angebaut wird. Dahinter karge Steinwüste, dann wieder ein paar Lehmhütten. Die Namen der Dörfer spielen keine große Rolle, auch nicht ob die Bewohner Hindus, Christen oder Muslime sind. Von Karatschi bis hinunter zur Provinz Punjab sieht es in der Region Sindh beinahe überall gleich aus.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Kreislauf der Abhängigkeit</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Beinahe gleich sind auch die Bedingungen unter denen die Dorfbewohner leben. Die Hälfte der Ernte hat man den Landlords abzugeben, viele der Schulen werden als Lagerhäuser benutzt. Funktionierende Krankenhäuser sind rar. Die großen Landlords sind gleichzeitig auch die gewählten Volksvertreter und in der Regel vertreten sie die Partei der Bhutto Familie, die Pakistan People Party (PPP). Diese hat ihren Sitz in Larkana. Wenn man in Enzyklopädien nachschlägt, trifft man in Verbindung mit den Bhuttos öfter auf die Wörter: linksliberal, demokratisch, sozial. Trotzdem reicht auch für die Lebensbedingungen der Untertanen der Bhuttos in Larkana ein Wort aus. Mittelalter.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Rechtfertigungen der „Könige“ des Sindhs klingen nicht anders als ihrer „Kollegen“ in Indien oder Nepal: „Wir geben ihnen Arbeit und Unterkunft. Sie sind wie unsere Kinder, ohne uns würden sie doch verhungern.“ Schulen und Bildung würden den jahrhundertealten Kreislauf der Abhängigkeit wohl nur stören; das wissen auch die Bhuttos. So wurde in den Jahren 2008 bis 2013, als die Bhuttos mit ihrer PPP nicht nur Sindh sondern auch Pakistan regierten, der eh schon mickrige Bildungsetat weiter gekürzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Der jetzige Premier Pakistans, Nawaz Scharif, ist zwar Industrieller, aber da auch er nicht an den Pfeilern des jahrhundertealten Abhängigkeitsverhältnisses zwischen „König“ und Untertanen rüttelt, sind auch ihm die Stimmen der Landlords seiner Region Punjab gewiss. Dass auch seine Partei, die PML-N, ein Familienunternehmen ist, in dem der Vorsitzende nicht gewählt sondern bestimmt wird, ist da beinahe logisch.</p>
<h2 style="text-align: justify;"><strong>Alles hängt miteinander zusammen</strong></h2>
<p style="text-align: justify;">Doch einen Unterschied nannte mir einer der wenigen gebildeten Mittelständler der Provinz. „Egal ob die Scharifs oder die Bhuttos, beide sind sie korrupt. Doch während die Bhuttos einen großen Teil ihres Vermögens ins Ausland bringen, investieren die Scharifs ihr gestohlenes Geld wieder in den Punjab.“ Deshalb gebe es in Lahore zumindest drei Mal so viel Polizisten pro Einwohner wie in Karatschi.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles hängt hier miteinander zusammen: Dass Sharifs Gegenspieler Imran Khan bei den letzten Wahlen im Mai 2013 halb so viele Stimmen erringen konnte, aber sechs Mal weniger Parlamentssitze bekam. Dass gerade Teile der Mittelklasse Pakistans in Islamabad auch mit undemokratischen Mitteln wirkliche Demokratie erzwingen wollen. Dass Menschen so verzweifelt sind, dass sie an einen Ort wie Karatschi flüchten. Dass die pakistanischen Taliban nur als eine von vielen kriminellen Gruppen sich in Karatschi ihre Kriegskasse auffüllen können.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="su-tabs su-tabs-style-default su-tabs-mobile-stack Infopakst" data-active="1" data-scroll-offset="0"><div class="su-tabs-nav"><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Anmerkung des Autors</span><span class="" data-url="" data-target="blank" tabindex="0" role="button">Reisewarnung des Auswärtigen Amtes</span></div><div class="su-tabs-panes"><div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Anmerkung des Autors">&#8222;Bei meinem letzten Besuch in Karatschi, kurz nach dem Schulmassaker im November 2014 in Peschawar wurden allein in zwei Feuergefechten 16 Taliban von der Polizei erschossen. Im Jahr 2014 wurden im Schnitt jeden Tag mehr als 9 Menschen in Karatschi Opfer eines Gewaltverbrechens (In ganz Deutschland sind es etwa 0.8 am Tag). Aktuell steht eine neue großangelegte &#8222;Säuberungsaktion&#8220; der Rangers und der Polizei in Karatschi an; die gefühlte 108 in den letzten Jahren. Doch der Schlüssel zu einer Befriedung Karatschis ist meiner Meinung nach der Multi-Millionär Altaf Hussain. Er ist der Führer der MQM und zieht von seinem Exil in London aus die Fäden in der Partei. Gerade trat er von seinem Posten als Vorsitzender zurück, das gefühlte 109 Mal, nur um kurz darauf vom Rücktritt zurück zu treten. Wenn ihm das Handwerk gelegt werden könnte, würde die MQM in kürzester Zeit unter internen Machtkämpfen zusammenbrechen. Doch da in Pakistan eine große politische Krähe der anderen nicht das Auge aushackt (mal abgesehen von Imran Khan), sind derzeit die englischen Behörden die einzige Hoffnung: da sie ein Verfahren wegen Geldwäsche gegen Altaf eröffnet haben. Nebenbei ist Imran Khan wieder ins pakistanische Parlament zurückgekehrt nachdem er  er mit seinen Anhängern mehre Monate die Gegend vor dem Parlamentsgebäude in Islamabad besetzt hatte. Seine Anhänger hoffen, dass er dieses Mal mit Taten in seiner Provinz Khyber Pakhtunkhwa, die aktuelle Form von Demokratie in Pakistan zu Fall bringen kann.&#8220;</div>
<div class="su-tabs-pane su-u-clearfix su-u-trim" data-title="Reisewarnung des Auswärtigen Amtes">&#8222;In Karachi kommt es häufig zu innenpolitisch, religiös, ethnisch oder kriminell motivierten Anschlägen und Auseinandersetzungen bis hin zu bewaffneten Straßenschlachten. Wegen der angespannten Sicherheitslage und der hohen Kriminalität sollte vom Besuch abgelegener Stadtbezirke abgesehen werden. Vor Stadterkundungen sollte ortskundiger Rat eingeholt werden. Generell empfiehlt sich für Besucher eine enge Abstimmung ihrer Reisepläne mit den Partnern vor Ort oder mit dem deutschen Generalkonsulat in Karachi. Auch im inneren Sindh besteht eine Gefährdung durch hohe Kriminalität.&#8220; <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/PakistanSicherheit.html" target="_blank">Stand 12.4.2015</a></div></div></div>
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		<title>Traumwelt mit Schattenseiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2015 23:16:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Malediven]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Janina Marie Krupop]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Im indischen Ozean liegen die Malediven - ein islamischer Inselstaat. Die Inseln mit ihren weißen Sandstränden und dem türkisblauen Wasser sind ein inszeniertes Paradies für Touristen.  Die wirklichen Probleme, vor denen die Republik steht, bleiben dem Pauschalurlauber verborgen.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/traumwelt-mit-schattenseiten/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Weiße Sandstrände, türkisblaues Wasser &#8211; die Malediven sind ein Paradies, inszeniert für Touristen. Doch die wirklichen Probleme, vor denen der islamische Inselstaat im Indischen Ozean steht, bleiben dem Pauschalurlauber verborgen.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Sand wie Puderzucker, Wasser so türkis und klar, dass ich die Papageienfische gut am Grund sehen kann, 30 Grad und der Himmel strahlend blau. Der perfekte Strand. Schöner könnte es ein Reisekatalog nicht anpreisen. Doch dieser Strand ist menschenleer. Und das, obwohl sich dicht hinter mir Wohnhäuser an sauber betonierten Straßen reihen. Zudem stehen in regelmäßigen Abständen unübersehbare Hinweisschilder: „Baden im Bikini verboten“.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin im Paradies und trotzdem fühl ich mich fehl am Platz. Ich bin auf den Malediven. Als ich mich für einen spontanen Ausflug von Sri Lanka hierher entschied, habe ich noch von bunten Korallenriffs und schneeweißen Stränden geträumt, an welchen ich in der Sonne liegend eisgekühlte Cocktails schlürfe. Prinzipiell lassen sich diese Wünsche hier auch erfüllen, aber ich reise nicht zu einem Fünf Sterne Hotel, sondern auf das Herz der Inseln: die Hauptstadt Malé.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu der gleichnamigen Insel gehören auch die kleinen Inseln Villingili, Hulhulé und Hulhumalé. Letztere ist künstlich erschaffen worden, denn Platz ist knapp auf den Malediven und auf der Hauptinsel wird stetig neu gebaut. Während die übrigen Inseln eher ruhig und schwach entwickelt sind, findet in Malé das Leben statt. Die Menschen strömen zum arbeiten, studieren und leben in die Stadt. Als Folge explodierten die Mietpreise.</p>
<h2 style="text-align: justify;">„Gegen Mittag wird ihr schwindlig“</h2>
<p style="text-align: justify;">Es ist ein Tag im Juli 2014, Ramadan Zeit. Vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang finde ich niemanden, der mir einen Kaffee, geschweige denn eisgekühlte Cocktails verkauft. Und während ich in sengender Hitze an geschlossenen Bars vorüber schlendere, durch enge Gässchen mit geschlossenen Restaurants, aus deren Fenstern der Duft von warmen Speisen weht, die schon jetzt für das Abendessen zubereitet werden, frage ich mich, wie all diese Menschen den Tag ohne einen einzigen Schluck Wasser überstehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-zauberwelt-malediven-1" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-zauberwelt-malediven-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-zauberwelt-malediven-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-zauberwelt-malediven-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="16000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_Krupop_steg_meer-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Malediven sind ein Sinnbild für ein Urlaubsparadis mit fantastischen weißen Sandstränden und türkisblauem Meer.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_boot_insel_touristen-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit kleinen Booten, können sich Touristen von einer Insel zur nächsten bringen lassen. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_hotel_insel-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Touristeninseln werden von den Einheimischen als „unbewohnte Inseln“ bezeichnet. Denn hier spielt sich eine Parallelwelt ab: Die Damenröcke sind kurz und der Alkohol fließt in Strömen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_inseln_flugzeug-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Malediven bestehen aus etwa 1200 Inseln. Etwa 330.000 Menschen leben in dem islamischen Staat.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_hauptinsel-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Malé ist die Hauptstadt und auch Hauptinsel der Malediven. Offiziell sind die Malediven eine Republik.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_vespa_kopftuch-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit kleinen Rollern düsen die jungen Menschen über die Hauptinseln. Die Frauen tragen dabei immer Kopftuch.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_frau_korb-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auf den Malediven ist der Islam Staatsreligion. Wer kein Moslem ist, verliert seine Staatsbürgerschaft und muss das Inselparadis verlassen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_bekini_verbot-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An den öffentlichen Stränden ist das tragen eines Bikinis verboten. Nur auf den speziellen Touristeninseln ist es erlaubt.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_strand_allein-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Es ist nicht so viel los auf dieser Touristeninsel. Unsere Autorin ist ganz allein am Strand.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_muell-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Klimaveränderungen, Müll und Umweltschutz: Probleme, die früher oder später die Existenz der Malediven bedrohen könnten. </div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-zauberwelt-malediven-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_Krupop_steg_meer-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_boot_insel_touristen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_hotel_insel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_inseln_flugzeug-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_hauptinsel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_vespa_kopftuch-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_frau_korb-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_bekini_verbot-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_krupop_strand_allein-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/03/malediven_muell-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Sie tun es im Übrigen nicht immer besonders gut, erklärt mir Siad, den ich treffe, als ich zwischen all den sandfarbenen, zweistöckigen Häusern meine Low-Budget-Unterkunft suche. Siad ist selbstständiger Leiter einer kleinen Touristenagentur. Lange Jahre hat er in Deutschland studiert und gelebt, ist dann in sein Heimatland zurückgekehrt, um für Hotels zu arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit einem zweideutigen Lächeln zeigt er auf ein kleines Mädchen, sie läuft gegenüber auf dem Fußweg. „Gegen Mittag wird ihr schwindlig“, sagt Siad. Er schimpft nicht, er stellt fest und wirft Fragen auf, die ich ihm nicht beantworten kann. Wer das Fasten bricht oder am Freitag arbeitet, riskiert eine Gefängnisstrafe. Denn der Freitag ist Feiertag.</p>
<h2 style="text-align: justify;">„Fürs Arbeiten werde ich hier eingesperrt“</h2>
<p style="text-align: justify;">„Fürs Arbeiten werde ich hier eingesperrt“, bemerkt er achselzuckend. Auch die Schule bleibt während des gesamten Ramadans geschlossen. Doch wofür das alles, fragt mich Siad. „Wer glaubt, der weiß es nicht“, sagt er leise. Aber <em>er</em> glaube nicht an einen Gott, für den er den ganzen Tag nichts essen und trinken dürfe. Es sei nicht immer so gewesen. „Ich lebe nicht wegen der Politik hier, ich lebe hier, weil die Inseln so schön sind“. Siad lacht und schüttelt den Kopf, zeigt zum Himmel und fragt sich, welche Götter das jetzt wohl gehört haben und ihn dafür verdammen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Malediven bestehen aus 1190 Inseln, von denen lediglich etwas mehr als 200 bewohnt sind. 80 Inseln sind allein für Touristen reserviert. Drei Jahrzehnte lang beherrschte der konservativ-islamische Präsident Maumoon Abdul Gayoom das Land. Seit 2013 ist sein Halbbruder Abdulla Yameen an der Macht.</p>
<p style="text-align: justify;">Er hat damit sämtliche seit 2011 aufkeimende Reformbewegungen des Menschenrechtsaktivisten und Oppositionsführers Mohamed Nasheed wieder im Keim erstickt. Nasheed versuchte seit Mai 2011 durch eine friedliche Revolution das Land für mehr Toleranz und Nachhaltigkeit zu öffnen. Bis 2020 wollte er es klimaneutral gestalten. Vor allem für junge Menschen symbolisierte er die Hoffnung auf mehr Freiheit.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Steigt der Meeresspiegel an, verschwinden die Malediven</h2>
<p style="text-align: justify;">Doch mit den Rufen nach Demokratie, wurden auch die konservativen Gegenstimmen lauter. Schließlich sollten sie gewinnen. Nasheed verlor die Wahl gegen den Konservativsten Yameen. Alkoholkonsum, außerehelicher Geschlechtsverkehr, Abfall vom Glauben &#8211; darauf kann auf den Malediven die Todesstrafe drohen. Andere Religionen sind verboten. Konvertiten wird kurzerhand die Staatsbürgerschaft entzogen. Mit dieser Vorgehensweise sind die Malediven wahrhaft einzigartig in der Welt. Hinzu kommen die enormen ökologischen Herausforderungen, vor denen die nur knapp über dem Meeresspiegel liegenden Inseln stehen: sollte dieser steigen, werden die Malediven von der Weltkarte bald verschwunden sein.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich buche eine Tour bei Siad, um in den vermeintlich wahren Genuss der Traumwelt zu gelangen. Für 150 US-Dollar fährt er mich mit seinem Privatboot auf eine der Hotelinseln. Wir starten von einem abgelegenen Hafen, an welchem die Fischer in Hängematten schaukelnd die Mittagshitze überbrücken. Ihre Blicke schweifen teilnahmslos in die Ferne. Nur die Müllberge neben den Anlegestellen aus Beton stören die Idylle.</p>
<p style="text-align: justify;">Siads Boot ist winzig und die Wellen umso höher. Schon nach zwei Minuten an Bord, ist mein Kleid durchnässt. Salzwasser schlägt mir ins Gesicht, vorbei rauschen kleine Inseln mit strahlend blauen Lagunen. Bald sitze ich nur noch im Bikini bekleidet da und Siad lacht, weil meine Freizügigkeit bestimmt die Götter verärgern wird.</p>
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<h2 style="text-align: justify;">Kurze Röcke und Alkohol gibt es nur auf den Touristeninseln</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Touristeninseln werden von den Einheimischen als „unbewohnte Inseln“ bezeichnet. Denn hier spielt sich eine Parallelwelt ab: Die Damenröcke sind kurz, der Alkohol fließt und auch sonst bleiben Touristen weitestgehend unberührt von allen islamischen Verboten auf den übrigen Inseln. Nur im Dezember 2011 war die schöne freie Welt bedroht, als die zahlreichen Massagesalons wegen „unislamischer Aktivitäten“ geschlossen werden sollten.</p>
<p style="text-align: justify;">Letztlich konnten jedoch auch die konservativen Malediven nicht auf die Einkommensquelle Tourismus verzichten und so blieb das Verbot aus. Im „Paradise Island Resort“, auf welchem ich den Tag verbringe, ist Baden im Bikini dann zumindest erlaubt.</p>
<p style="text-align: justify;">Direkt am Strand beginnen die bunten Korallenriffe, voll mit exotischen Fischen. Mittendrin paddle ich mit meinem Schnorchel herum und bin fasziniert von der Schönheit der Unterwasserwelt. Doch auch dieses Erlebnis besitzt einen bitteren Beigeschmack. Das überschaubare Areal ist nur ein Überbleibsel der einst riesigen Riffe. Es wurde bewusst als Touristenattraktion erhalten.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ist der Tourismus für die Malediven Fluch und Segen zugleich?</h2>
<p style="text-align: justify;">Ursprünglich dienten die Korallenriffe als wichtiger und natürlicher Schutz vor Überschwemmungen. Durch den Bau der Hotelkomplexe wurden viele zerstört, zudem bedrohen Bauschutt und Abfälle, welche direkt ins Meer geleitet werden, das Ökosystem seit Jahren. Ich frage mich, ob der Tourismus, der den Malediven zur Berühmtheit verhalf, vielleicht auch ihr Untergang sein wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Gegen Abend kehre ich zu meiner <em>bewohnten</em> Insel zurück. Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und Leben eingekehrt. Ich bin mit Nattu verabredet, einem 28-jährigen Webdesigner und Hobbyfotografen, der in Malé lebt. Von Hulhumalé nach Malé gelange ich mit der öffentlichen Fähre, doch es ist 19 Uhr und das gesamte Personal irgendwo zum Abendessen verschwunden. Das kann ich ihnen nicht verübeln. An einem Kiosk winken mich herzlich lächelnd ein paar Einheimische näher, spendieren mir Kaffee und Chili Nüsse und überbrücken mir so die Wartezeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Licht ist gedämpft in dem kleinen Restaurant „Seahouse“, in dem ich schließlich Nattu treffe. Von der Terrasse weht der Geruch des salzigen Meeres durch die glaslosen Fensterrahmen. An den Holztischen sitzen junge Frauen und Männer wie ich und trinken Tee, Orangensaft oder Cola, während sie gebannt das WM Fußballspiel Belgien gegen Argentinien verfolgen. Auch Nattu ist freundlich und aufgeschlossen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wer die Freiheit nicht kennt, vermisst sie auch nicht</h2>
<p style="text-align: justify;">Stundenlang berichtet er mir von seiner Arbeit und seinen Reisen. Mich interessiert vor allem, wie er das Leben in einem Land voller Verbote empfindet. Nattu, der erst letztes Jahr mit dem Rucksack durch Europa getrampt ist, hat dort eine Welt kennengelernt, in der vieles erlaubt ist, was hier unmöglich scheint. Aber er lächelt mich an, zuckt mit den Schultern: „Das ist mein Land, mein Zuhause. Ich bin so aufgewachsen. Und wer die grenzenlose Freiheit nicht kennt, der vermisst sie auch nicht.“</p>
<p style="text-align: justify;">Ich versuche zu erfahren, wie es war, als letztes Jahr die Wahlen stattfanden und das politische Klima sich hätte ändern können. Aber über Politik und Religion redet auf den Malediven niemand gerne und auch Nattu senkt die Stimme und erklärt mir in nur wenigen Worten, dass er sich, wie viele andere, über einen Wahlsieg des Demokraten Nasheed gefreut hätte, aber so ist es jetzt nun einmal.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Malediven, so stelle ich bald fest, sind ein inszeniertes Paradies für Menschen wie mich &#8211; Touristen. Die wirklichen Probleme, vor dem das Land steht, bleiben dem Pauschalurlauber verborgen: die mangelhafte Infrastruktur und Verbindung zwischen den Inseln, der Müll, die Zerstörung der Umwelt und vor allem die streng islamische, konservative Autokratie.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die Politik sich nicht ändert und der Umweltschutz nicht verbessert wird, wird es die Malediven irgendwann nicht mehr geben. Doch trotz all dieser ernüchternden Einblicke, bleiben die Inseln in ihrer natürlichen Beschaffenheit ebenso wie die Wärme und Gelassenheit ihrer Bewohner einzigartig. Bei einem Spaziergang am Abend erinnern nur noch die Kopftuch tragenden Damen, welche auf ihren Motorrollern durch die engen Gassen sausen, dass das Leben hier von zahlreichen Vorschriften diktiert wird.</p>
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		<title>Plötzlich Terroristen</title>
		<link>https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2015 06:36:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Benedict Karl]]></category>
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		<category><![CDATA[Khyber Pass]]></category>
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		<category><![CDATA[Marcus Karl]]></category>
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		<category><![CDATA[Terroristen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende April 2014 schafften es zwei Brüder aus Berlin unfreiwillig auf die Titelseite der "BILD"-Zeitung. Die Schlagzeile: "Zwei deutsche Extremisten in Pakistan gefasst!" Doch die vermeintlichen Terroristen waren nur Touristen. Einer der Brüder berichtet auf SIEH DIE WELT, wie es dazu kam.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Ende April 2014 schafften es zwei Brüder aus Berlin unfreiwillig auf die Titelseite der &#8222;BILD&#8220;-Zeitung. Die Schlagzeile: &#8222;Zwei deutsche Extremisten in Pakistan gefasst!&#8220; Doch die vermeintlichen Terroristen waren nur Touristen. Einer der Brüder berichtet auf WELTSEHER, wie es dazu kam.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es ist Frühling in Pakistan. Die Sonne schmilzt nach und nach die letzten Gebirgspässe im Nordwesten frei. Das Land atmet auf und die Menschen tun es auch. Mein kleiner Bruder, ein alter Freund und ich setzen unsere Reise nach sechs Wochen voller schöner Momente und gastfreundlicher Menschen fort.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir wollen weiter gen Westen &#8211; nach Afghanistan. Mit den nötigen Visa ausgestattet bleibt nur die Frage, wie wir dahin gelangen sollen. Der kurze Flug von der grenznahen Stadt Peshawar nach Kabul ist uns entschieden zu teuer. Und nicht nur das: Ein Flug erscheint uns dreien auch äußerst langweilig.</p>
<p style="text-align: justify;">Also reisen wir auf dem Landweg. Doch unseren Freund müssen wir zurücklassen. Ihm geht es nicht gut. Das Essen in den Straßenrestaurants hat ihn krank gemacht. Wahrscheinlich, weil man dort die fettigen Teller nur mit schmierigen Lappen trocken abwäscht. Notgedrungen muss er später mit dem Flugzeug nachkommen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Über den Chaiber-Pass nach Afghanistan</h2>
<p style="text-align: justify;">Mein Bruder Benedict und ich fahren nach Peshawar nahe der Grenze zu Afghanistan. Vor Ort versuchen wir uns schlau zu machen, wie es mit der Einreise per Bus über den berühmten Chaiber-Pass (engl. Khyber Pass) aussieht. Es ist die einzige offizielle Straßenverbindung zwischen Pakistan und Afghanistan. Überall hören wir uns um. Doch von jedem bekommen wir eine andere Antwort. Viele Einheimische haben Bedenken. Zu unsicher sei die Route über den Pass.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Weg über den Chaiber Pass ist berühmt-berüchtigt für Überfälle und Entführungen. Offizielle Stellen raten von einer Grenzüberquerung in dieser Region ab, weil ein Großteil der Strecke durch die gefürchteten &#8222;Tribal Areas&#8220; führt &#8211; die Stammesgebiete im Grenzgebiet der beiden Länder, die ihren ganz eigenen Gesetzen unterliegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="160000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_kreuzung_polizei-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Aabpara-Market in Islamabad. Die Stadt wurde in den 1960er am Reißbrett entworfen und ist vergleichsweise modern und progressiv. Gute Infrastruktur, hohes Bildungslevel und Frauen können sich hier auch mal ohne Kopftuch bewegen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_esel_karren-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Altstadt von Peshawar. Pferde und Esel sind abseits der großen Straßen noch immer häufig vertreten, da sie sich auch bei Stau und schlechten Straßenzuständen gut bewegen und zudem eine Menge transportieren können.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_bus_strasse-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der öffentliche Verkehr läuft im Norden meist mit den kleinen Suzuki-Bussen, da nur diese mit völliger Überladung die horrenden Steigungen meistern können. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/Pakistan_kuhn_aufm-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Um nicht zu sehr in Pakistan und besonders in der Grenzregion aufzufallen, haben sich die beiden Brüder und ihr Freund Bärte wachsen lassen. Zudem tauschten sie ihre Jeans gegen einen gemütlichen Shalwar-Kamiz.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_kreuzung_polizei-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_esel_karren-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_bus_strasse-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/Pakistan_kuhn_aufm-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Das Gebiet ist außerdem als Rückzugsort für die Taliban bekannt. Das gilt allerdings eher für den südlichen Teil der Stammesgebiete. Als wir schließlich in der Region Chaiber ankommen, wimmelt es nur so von Polizisten und Soldaten. Das erzeugt bei uns ein Gefühl relativer Sicherheit.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ohne Sondergenehmigung läuft nichts</h2>
<p style="text-align: justify;">Zudem haben wir uns in den Wochen zuvor ordentliche Bärte wachsen lassen. Statt Hemd und Jeans tragen wir nun konsequent die in der Region üblichen Shalwar Kamiz, einen Zweiteiler aus einer Pumphose und einer Art Nachthemd. Damit sind wir als Europäer in dieser Gegend zwar nicht unsichtbar aber zumindest deutlich weniger auffällig. Oft verwechseln uns die Menschen mit Paschtunen. Die traditionelle Kopfbedeckung macht unsere Verkleidung komplett.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einigen Tagen in der geschichtsträchtigen Hauptstadt der Paschtunen versuchen wir unser Glück. Um zur afghanischen Grenze zu gelangen, müssen wir zunächst zum Karkhano Market, dem letzten westlichen Ausläufer von Peshawar. Mitten auf dem Markt verläuft die unsichtbare Grenze zu den Stammesgebieten. Von hier aus soll es möglich sein, einen Bus zu ergattern – oder notfalls auch für 20 US-Dollar ein Taxi zu der 50 Kilometer entfernten Landesgrenze zu nehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nahe dem berüchtigten Schmugglerbasar an der Busstation sagt uns jemand, dass hier ohne eine Sondergenehmigung nichts laufen wird. Und dann auch das noch: Das zuständige Büro in der Stadt ist für die nächsten drei Tage geschlossen. Drei Tage! Das ist nichts, was ein Reisender gern hört, schon gar nicht, wenn er unbedingt weiter fahren möchte. Einige ominöse und verwegen aussehende Taxifahrer bieten uns an, uns auf Schleichwegen zur Grenze zu bringen – doch ihnen steht eine gewissenlose Durchtriebenheit ins Gesicht geschrieben. Wir lehnen dankend ab. Resigniert spazieren wir über den Markt und gönnen uns eine Limonade, um die ganze Sache in Ruhe zu überdenken. Das Resultat ist einfach, wir geben unsere Pläne mit der Afghanistanreise auf.</p>
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										offset 			= obj.offset().top,
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										windowHeight 	= $(window).height(),
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									if (rect.bottom<=0 || (rect.top+100) > $(window).height()) 
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																		   var dist = (obj.parent().height())*0.33;
																		
									
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										obj.css({'transform':'translate3d(0px, -'+ ratio*dist+'px, 0px)'});
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										obj.css({'transform':'translate3d(0px, '+ ratio*dist+'px, 0px)'});
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		</div>

		
<h2 style="text-align: justify;">Per Zufall illegal ins Stammesgebiet</h2>
<p style="text-align: justify;">Vor dem Heimweg wollen wir uns noch schnell etwas zum Essen kaufen und in Ruhe über den Markt flanieren. Unbedacht schlendern wir durch die Marktgassen und vergessen, dass irgendwo auf diesem Markt die unsichtbare Grenze zu den Stammesgebieten verläuft. Kein Schild weist einen darauf hin. Aber irgendwo, für uns zu dem Zeitpunkt leider unbekannt, gibt es einen Grenzposten.</p>
<p style="text-align: justify;">So kommt es, dass wir keine zehn Meter vor einer Kebab-Bude von einem Polizisten angesprochen und zu seinem Vorgesetzten geführt werden. Die Grenzstation befindet sich am hinteren Ende des Marktes. Der Vorgesetzte, ein dicklicher Mann mit Brille und Schnauzer, erhebt sich sofort mit einem Lächeln von seinem Stuhl und bietet ihn meinem Bruder an. Ein weiterer Herr mit Schnauzbart macht eine weitere Sitzmöglichkeit für mich frei.</p>
<p style="text-align: justify;">Es folgt ein kurzes Gespräch. Wie sich dabei herausstellt, waren wir ohne es zu wissen hinter den Straßengrenzposten geschlendert. Soweit ist das offenbar aber erst einmal kein Problem. Die Beamten sind freundlich und entspannt. Jedenfalls so lange, bis ein junger und übermotivierter Kamerad ins Zimmer kommt und wild mit seinem Finger vor unserer Nase herumfuchtelt. Er macht uns noch einmal lautstark deutlich, dass wir hier bereits in den Stammesgebieten seien und das ja eigentlich nicht erlaubt sei.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Weiter Richtung Grenze, oder doch nicht?</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir erklären erneut unser Anliegen, nach Afghanistan reisen zu wollen. Die Polizisten geben uns Limonade. Nach gemeinsamen Herumalbern, versprechen sie uns, per Telefon eine Genehmigung zu erwirken.</p>
<p style="text-align: justify;">Voller Freude hüpfen mein Bruder und ich auf einen Pickup, der uns durch das berühmte Chaiber-Tor fahren und in eine größere Grenzstation in Jamrud bringen soll. Wir düsen in Zielrichtung ab und lassen Pakistan zurück. In diesem Moment, so denken wir, sieht alles wieder gut aus. Wir haben mal wieder mehr Glück als Verstand. Zu dem Zeitpunkt ahnen wir nicht, wohin unsere Reise noch führen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In Jamrud ist man uns ebenfalls sehr freundlich gesonnen. Wir werden direkt zum Chef der Polizeistation geführt, der davon von seinem Nickerchen auf einer Liege geweckt wird. Wir setzen uns, sprechen belangloses Zeug und im Minutentakt kommen neue, scheinbar noch wichtigere Persönlichkeiten.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ausweise und frittierte Hühnchen</h2>
<p style="text-align: justify;">Jedes Mal läuft es auf dieselbe Art ab. Begrüßen und Smalltalk: &#8222;Wie geht&#8217;s? Bist du verheiratet? Wie findest du Pakistan? Bist du Moslem? Deutsche sind unsere Brüder!&#8220; Alles scheint einem festgelegten Prozedere zu folgen. Als dann der Raum zum Bersten voll ist und wir unsere Geschichte bereits vier Mal aufs Neue erzählt haben, macht jemand eine bedeutsame und ernste Ansage. Fast alle verlassen nun den Raum.</p>
<p style="text-align: justify;">Also alles wieder auf Anfang. Nach und nach tröpfeln neue Gestalten herein und das große Begrüßen und Erzählen beginnt aufs Neue. Wir bekommen langsam Kohldampf und reiben uns auffällig unauffällig die Bäuche. Diese subtile Botschaft wird verstanden. Jemand schickt einen Jungen los, um frittiertes Hühnchen zu besorgen. Als das Essen eintrifft, rollen sie auf dem Boden ein Tischtuch aus und wir langen kräftig zu. Plötzlich springen alle auf und drücken den Rücken durch.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein junger dicker Mann in weißer, traditioneller Kleidung betritt den Raum, grüßt alle gelangweilt und blättert mit ernster Miene in unseren Pässen. Das hatten 15 andere Männer vor ihm auch schon getan. Doch diesmal ist es anders. Während sich der Dicke mit unseren Ausweisen beschäftigt, schauen die anderen Anwesenden ausdruckslos an die Zimmerwände. Keiner macht einen Mucks. Nur der Zweitwichtigste im Raum murmelt mit unterwürfigem Ton Erklärungen zu unseren Pässen und assistiert beim Blättern.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Zurück nach Peshawar</h2>
<p style="text-align: justify;">Die zuvor fröhliche und ausgelassene Stimmung ist mit dem Neuankömmling stark abgekühlt. Eine weitere Person in Zivil kommt hinzu und blättert in unseren Ausweisen und greift zum Telefon. Mit mitleidiger Stimme teilt er uns schießlich mit, dass der Landweg für uns leider nicht möglich sei. Er habe alles versucht, aber der Weg sei nicht ungefährlich, selbst mit einer Militäreskorte, die man uns selbstverständlich stellen wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Schade! Es war ein netter Versuch und zudem ein spannendes Intermezzo mit der Tribal-Police. Zum Abschied versammelt sich die gesamte Belegschaft auf dem Innenhof der Polizeistation. Wir verabschieden uns mit Handschlag und Umarmung und bekommen ein paar Polizisten, mit Kalaschnikows bewaffnet, als Geleitschutz für die Rückreise nach Peshawar mit. Wir gucken dann aber nicht schlecht, als der Pickup nicht direkt zurück in die Stadt fährt, sondern unterwegs zu einer anderen Polizeistation abbiegt. Wir sind höchst verwirrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die neuen Polizisten sind deutlich beschäftigter, das Büro ist voller Menschen und wir werden nicht gefragt, was denn bei uns eigentlich Sache sei. Die Beamten beginnen gleich mit dem massenhaften Kopieren unserer Pässe. Scheinbar braucht jeder der Anwesenden mit Sternen auf der Schulter sein ganz persönliches Exemplar. Zudem studiert jeder Einzelne mit höchster Konzentration unsere Papiere.</p>
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		</div>

		
<h2 style="text-align: justify;">Die Alpen sind auch schön</h2>
<p style="text-align: justify;">Besonders mein Pass gibt den Männern in Uniform große Rätsel auf. Bis auf eine Seite ist dieser voll mit Visa und Stempel aller Herren Länder. Meine Erläuterungsversuche, was es mit den vielen Reisen auf sich hat, treffen aber nur auf Unverständnis. Stattdessen werden wir wieder mit Limonade versorgt. Polizisten und Zivilisten geben uns ihre privaten Nummern und wollen sich mit uns verabreden oder bieten an, dass man sie im Ernstfall kontaktieren solle.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein kollektiver Ratschlag der Anwesenden lautet: Wir sollen besser wegfliegen. Und zwar nicht nach Kabul, sondern eher zurück nach Deutschland. Die Alpen seien doch auch ganz wunderbar. Zumindest glaubt einer der Anwesenden, das einmal im Fernsehen gesehen zu haben. Es formiert sich eine Art gut gemeinte Abschiebe-Front gegen uns. Von verschiedenen Seiten quasseln die Leuten auf uns ein, unser Reiseziel spontan um einige Tausend Kilometer nach Westen zu verlegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich betreten zwei Männer mit einer Kamera den Raum. An uns haben sie offenbar kein Interesse – sie sprechen nur mit dem Chef. Ohne uns weiter etwas dazu zu denken, plaudern wir weiter mit den beiden Soldaten. Doch kurze Zeit später bekomme ich eine SMS von einem pakistanischen Freund. Er habe uns gerade in den Nachrichten im Fernsehen gesehen. Die Meldung lautet: &#8222;Two German nationals were arrested, illegally passing to Afghanistan through the tribal area Khyber Agency.&#8220;</p>
<h2 style="text-align: justify;">Für unsere persönliche Sicherheit</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Abend ist längst angebrochen, als wir endlich gehen dürfen. Die Polizisten sagen uns, dass wir in ein Hotel in Peshawar gefahren werden. Die Beamten rufen ihre Kollegen vor Ort an und kündigen uns an. Inzwischen sind seit unserem Aufgreifen auf dem Markt gute fünf Stunden vergangen. Ausruhen wäre schön. Stattdessen sollen wir nun noch in der Polizeistation neben dem Hotel vorsprechen. Es gehe um unsere persönliche Sicherheit, heißt es.</p>
<p style="text-align: justify;">Langsam zehrt das Ganze an unseren Nerven. Wir sind müde und haben alles gesagt, was gesagt werden muss. Wieder springen wir auf den Pickup. In der Polizeistation in der Altstadt beginnt das Spiel nun zum dritten Mal von vorne. Die Schranke zum Innenhof des Geländes geht hoch, die Tore öffnen sich, Maschinengewehrschützen salutieren. Hinter den Mauern im Hof steht das ausgebrannte Auto vom letzten großen Anschlag auf die Station. Hier sind die Sicherheitskräfte deutlich nervöser. Ich muss daran denken, wie ein einheimischer Freund mir erklärte, dass die Polizei sich in der Stadt hauptsächlich selbst schützen müsse.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wir sind Brüder und Gäste</h2>
<p style="text-align: justify;">Wieder werden die Daten der Pässe abgeschrieben und massenhaft Kopien angefertigt. Wieder sind die Diensthabenden durcheinander. Wieder erscheinen Leute mit Kameras, setzen sich auf die andere Seite des Raumes und versuchen uns unauffällig zu filmen. Das rote Licht an der Kamera leuchtet auf, also stützen wir den Kopf auf die Hände und kratzten uns im Gesicht. Mein Bruder steht irgendwann auf, möchte die Aufnahmen sehen und schaut dem Typen über die Schulter. Mein Gesicht ist in der Großaufnahme, also fordert er streng: &#8222;Stop filming!&#8220; – worauf jener nur &#8222;No problem!&#8220; erwidert – und weiterdreht.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir beschweren uns bei den Polizisten, finden aber kein Gehör. Erst als einer der Reporter etwas zum Chef sagt, schnauzt dieser den Journalisten an und das Presseteam muss das Büro verlassen. Wie sich dann herausstellt, dachten die Journalisten, wir wären Terroristen. Alle im Raum beteuern nun, dass wir ihre Brüder und Gäste seien.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Standpauken</h2>
<p style="text-align: justify;">Zur Erfrischung gibt es wieder eine Runde Limonade. Bevor wir die Wache verlassen dürfen, werden die Angestellten unseres Wunschhotels einbestellt. Sie sollen uns gefälligst abholen, meinen die Polizisten. Wir freuen uns, dass der Spuk endlich ein Ende hat. Der Polizeichef faltet die Hotelleute allerdings ordentlich zusammen, weil ihr Hotel nicht im Ansatz den Sicherheitsbestimmungen entspreche, um Ausländer aufzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einen Moment lang sieht es wieder so aus, als dürften wir endlich gehen. Wir schütteln wieder Hände, werden umarmt und satteln gerade unsere Rucksäcke, als ein freundlich aussehender Herr in blütenweißem Shalwar Kamiz den Raum betritt. Wir satteln wieder ab, unterhalten uns ein wenig auf Englisch und bekommen schließlich einen langen Vortrag darüber, dass wir weder hier noch in Kabul etwas zu suchen hätten. Alles sei viel zu gefährlich für Ausländer. Ich verkneife mir die Frage, ob seiner Meinung nach die Alpen eine Alternative wären und nicke.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Standpauke über unsere Reisegewohnheiten scheint kein Ende zu nehmen und wie zwei Schuljungen senken wir demütig die Köpfe. Als wir ausreichend väterlich ausgeschimpft sind, nimmt er schließlich Zettel und Stift und schreibt ebenfalls die Daten aus unseren Reisepässen ab. Neu ist nur, dass wir auch unseren &#8222;Tribe&#8220; (Stamm) angeben sollen. Wir stutzen etwas und entscheiden uns dafür, einmal Franke und einmal Friese anzugeben – &#8222;Friesistan&#8220;, wie mein Bruder stolz verkündet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Das Verhör beginnt</h2>
<p style="text-align: justify;">Erst jetzt, nach guten sieben Stunden, beginnt das eigentliche Verhör. Das erste Mal werden wir ernsthaft befragt. Wo wir denn die Zeit über in Pakistan gewesen seien, das Einreisedatum und die Uhrzeit, welche Städte haben wir besucht, in welchen Hotels haben wir gewohnt? Was haben wir gemacht, mit wem haben wir gesprochen? Und überhaupt, was wollen wir eigentlich in Pakistan?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Antworten sind nicht einfach. Wir sind viel herumgereist, getrampt, hatten draußen oder bei spontanen Bekanntschaften geschlafen und an die paar Hotels, in denen wir waren, können wir uns namentlich kaum erinnern. Dass wir dazu auch keine Quittung für die Preise von ein bis zwei Euro pro Nacht aufgehoben haben, macht uns in seinen Augen höchst verdächtig.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass wir die Bevölkerung in Pakistan als nett, gastfreundlich und zuvorkommend beschreiben und uns hier pudelwohl fühlen, ergibt in seinen Augen keinen Sinn. Irgendetwas muss bei den Jungs im Busch sein! Er untersucht unsere Telefone, notiert Nummern und liest unsere privaten SMS. Mir wird flau im Magen, wir wollen unsere Freunde nicht mit in die Sache hineinziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Als dann ein Haufen an den Händen zusammengeschnürter Verbrecher in das Büro gedrängt wird und der Polizeichef lautstark auf sie ein brüllt, werden wir in einen speziellen Untersuchungsraum geführt. Hier stehen zwei Tische, ein paar alte Stühle. Eine Glühbirne hängt von der Decke. Es ist wie im Film – Der Putz blättert von den Wänden und es gibt kein Fenster. Langsam dämmert uns, dass der Typ kein Polizist, sondern vom Geheimdienst sein muss, da seine Erscheinung an sich schon imposant und beeindruckend ist aber vor allem, weil seine Fragen um einiges schärfer klingen als alles andere, was wir bisher beantworten mussten.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Guter Bulle, böser Bulle</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Verhör zieht sich. Zwei weitere Männer, die sich direkt als Agenten vom pakistanischen Geheimdienst ISI vorstellen, stoßen dazu. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Uns wird deutlich gemacht, dass es ganz wichtig sei, dass wir uns an alles erinnern und ausschließlich die Wahrheit sagen. Wir nicken beklommen. Diese Jungs meinen es ernst und greifen bei ihrem Verhör auch gleich ganz tief in den Methodenkoffer. Wir werden etwas gefragt, antworten und werden unterbrochen, bekommen eine neue Frage, werden wieder unterbrochen und eine der vorherigen Frage wird wiederholt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann spielen sie noch guter Bulle, böser Bulle und lassen währenddessen unser Gepäck von drei Handlangern inspizieren. Wir müssen die Bilder auf unserer Kamera und dem Laptop zeigen und Personen identifizieren. Und erklären, wie und unter welchen Umständen wir Leute kennengelernt haben und was wir überhaupt in Pakistan machen. Dies sei schließlich kein Ort für Touristen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Alles nur zu unserer Sicherheit</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir nennen die schöne Natur und die freundlichen Menschen als Grund, doch das wollen sie nicht gelten lassen. Bitte nur die Wahrheit, ermahnt uns einer der Agenten. Was haben wir in Peshawar getrieben? Waren wir auf dem Basar? Was haben wir gekauft, von wem und wie viel haben wir bezahlt? Und warum? Wieder viel Misstrauen, da die Stände alle gleich aussehen und wir keine Verkäufer namentlich nennen können, nur den ungefähren Ort ihrer Läden. Auch die wenig exakten Aufenthaltsdauern in den jeweiligen Gebieten und Städten treiben Furchen in die Stirn meines Gegenübers.</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann wird mir das ganze Spielchen zu bunt. Ich erhebe mich ruckartig vom Stuhl, sodass dieser nach hinten wegkippt und frage lautstark mit einer Mischung aus Ernst, Wut und Verdrossenheit, was man denn eigentlich wirklich von uns wolle? Die Nummer mit unserer &#8222;persönlichen Sicherheit&#8220; sei unter diesen Umständen doch wirklich absurd. Ich frage direkt: &#8222;Halten Sie uns für Spione oder Terroristen?&#8220; Nur schwer kann ich die Lautstärke meiner Stimme drosseln, diese perfide Art des Verhörs macht mich sauer. Die Antwort lautet wieder: &#8222;Nein, niemals!&#8220;, alles sei nur zu unserer Sicherheit.</p>
<p style="text-align: justify;">Und die Fragen gehen weiter. Nach etwa einer weiteren Stunde, in der wir kaum antworten können, entdeckt einer der drei Männer etwas auf meinem Laptop. Nach einem kurzen Gespräch von dem ich nichts verstehen kann, wechselt die Stimmung plötzlich ins Gelassene, ja fast schon Freundschaftliche. Zu unserem Erstaunen dürfen wir endlich gehen. Die Agenten helfen sogar noch das Gepäck wieder zu verstauen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">An Schlaf ist nicht zu denken</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir sind höchst verwirrt, was diese plötzliche Entlassung verursacht hat. Schnell gehen wir Richtung Ausgang und sind kaum überrascht, als kurz vor dem Verlassen der Station noch ein weiterer Typ auftaucht. Er bittet uns in das bisher größte Büro des heutigen Tages. Es beginnt das übliche Prozedere: Passkopieren und Fragen. Es ist inzwischen halb eins am Morgen. Unsere Antworten fallen nur noch einsilbig aus. Zum Ende fragt uns der Oberbeamte in welches Hotel wir möchten. Wir geben das Hotel drei Häuser weiter an, dessen Angestellte noch immer im Nebenraum sitzen und auf uns warten. Ein Polizist führt sie herein und der Chef gibt Anweisungen. Plötzlich sei das Hotel leider ausgebucht. Sonst seien wir aber immer willkommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Glücklicherweise weiß er von einem guten Luxushotel um die Ecke. Drei bewaffnete Polizisten begleiten uns zum Pickup und wir fahren zum Hotel. Einchecken, endlich! Die Polizisten weisen den Hotelangestellten an, für den nächsten Tag ein Taxi zum Busbahnhof zu organisieren. Wir sollen nach Islamabad abreisen.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach dürfen wir auf unser Zimmer gehen. Es liegt im obersten Stockwerk, die drei Polizisten, die uns zum Hotel begleitet haben, beziehen ihre Position auf unserer Etage. Mein Bruder und ich sind völlig im Eimer und fallen erschöpft auf die Betten. Doch Schlaf ist uns noch nicht vergönnt. Das Telefon klingelt und wir müssen noch einmal runter zur Rezeption, weil jemand nach uns verlangt.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Neue Agenten, neue Fragen</h2>
<p style="text-align: justify;">Zwei neue Agenten warten in der Lobby. Sie verzichten auf eine Begrüßung und verlangen direkt unsere Reisepässe, dann beginnen sie mit ihren Fragen. Nach einem kurzen Gespräch dürfen wir wieder auf unser Zimmer.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber wir trauen dem Braten noch nicht. Es ist nun fast zwei Uhr, wir sind völlig übermüdet, können aber nicht mehr schlafen und werden etwas paranoid. Wird unser Zimmer abgehört? Was wollen die eigentlich wirklich, also so WIRKLICH wirklich von uns und warum wurde das Verhör mit dem ISI so plötzlich abgebrochen, wo doch viele Fragen unsererseits noch gar nicht beantwortet waren.</p>
<p style="text-align: justify;">Jedenfalls dämmert es uns, dass wir nicht zufällig im sechsten Stock untergebracht wurden und die drei Polizisten vor unserem Zimmer nicht zu unserem Schutz sondern als Wachen da sind. Wir stehen quasi unter einer Art Luxus-Arrest. Zur Vorsicht notieren wir die Notfallnummer der deutschen Botschaft auf unseren Innenschenkeln und versuchen vergeblich, die Zahlenkette auswendig zu lernen. Wir flüstern nur noch, versuchen dabei möglichst zu nuscheln und Plattdeutsch zu sprechen. Ein wildes Schreckensszenario jagt in unseren Köpfen das nächste. Wer wird uns morgen wecken? Dürfen wir wirklich abreisen? Können wir noch jemanden kontaktieren und über unseren Verbleib informieren? Gegen halb vier fallen wir endlich in einen unruhigen Schlaf.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Paranoide Vorstellungen und ein Knall</h2>
<p style="text-align: justify;">Der nächste Morgen bringt keine bösen Überraschungen mehr. Das Hotel und die Wachen verabschieden uns mit einem wissenden mürrischen Nicken. Dieses eher provokante Nicken, wobei Kopf und Kinn ruckartig nach oben und vorne geschoben werden. Man steckt uns in ein Taxi, zwei Bewaffnete folgen uns auf einem Motorrad. Und tatsächlich, wir atmen auf, als der Wagen die Straße zum Busbahnhof einbiegt. Der Taxifahrer lässt sich auf ausgewickeltem Schokoladenpapier von uns quittieren, dass wir mit seiner Hilfe ein Ticket für einen Nobel-Bus nach Islamabad gekauft haben und verschwindet.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir sind fast raus aus der Sache, aber wir sind immer noch völlig paranoid. Folgt uns jemand? Wieso gucken die beiden Typen dauernd rüber und ist das die Silhouette einer Pistole unter seinem Hemd? Es ist verzwickt, denn hier wird man als Ausländer dauern angestarrt, aber plötzlich ist in unseren Augen jeder ein potenzieller Spion. Wir fühlen uns wie damals mit dreizehn Jahren, als wir heimlich geraucht hatten. Jeder Blick eines Erwachsenen war durchbohrend. Es scheint als wüsste jeder haargenau, was man verbrochen hat. Wir haben die Nase gestrichen voll und wollen endlich weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einer quälenden halben Stunde des Wartens startet endlich der Motor des Busses. Beim Hinausfahren aus der Stadt rumst es plötzlich in der Nähe so gewaltig, dass der Busfahrer abrupt abbremst. Alle im Bus pressen ihre Nasen gegen die Scheiben und spähen nach draußen. Eine Bombe? Ein Anschlag? Uns sausen in Sekundenschnelle Verschwörungstheorien durch den Kopf. Ob die Explosion vom ISI veranlasst wurde, um sie uns anzuhängen? Zeitlich würde es doch perfekt passen. Kalter Schweiß bedeckt meine Brust und ich bleibe auf meinem Sitz, die Hände in die Lehnen gekrallt starre ich geradeaus. Aber nein, alle Vermutungen liegen völlig daneben. Es war nur ein geplatzter Autoreifen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">In der Heimat auf Seite eins</h2>
<p style="text-align: justify;">Im Bus gibt es eine englischsprachige Zeitung. Auf Seite zwei entdecken wir eine Meldung über unser Ergreifen. In Islamabad angekommen gehen wir direkt in ein Internetcafe. Unsere E-Mail-Postfächer sind voll. Manch einer gratuliert humorvoll zu einer Erwähnung auf der Titelseite der &#8222;BILD&#8220;-Zeitung, andere fragen besorgt nach unserem Wohlergehen. Jedenfalls scheint jeder zu wissen, dass es sich bei den Berliner Brüdern um uns handelt. Wir fühlen uns irgendwie prominent, sind aber auch ängstlich, dass jemand die Boulevardpresse mit Namen und Bildern versorgen könnte. Aber irgendwie ist Deutschland gerade auch ganz weit weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier haben wir dringendere Probleme. Wir beschließen die Beine in die Hand zu nehmen und begeben uns auf eine Reise nach Norden in die Berge. Die Straße ist teils gesperrt und so brauchen wir ganze vier Tage für knapp 300 Kilometer, um uns wieder mit unserem Reisepartner zu vereinen. Unterwegs versuchen wir den Kontakt zur Polizei zu vermeiden, aber das ist auf dem berühmten Karakoum-Highway kaum möglich, da sich hier einige Zeit zuvor Schiiten und Sunniten in die Haare bekommen haben und alles voller Checkpoints ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Beim Frühstück in Abottabad verlangt ein Mann in Zivil unsere Pässe. Uns rutscht das Herz in die Hose. Nicht noch einmal! Der Mann verschwindet für einige Minuten. Kommentarlos kehrt er an unseren Tisch zurück und händigt uns die Papiere wieder aus. Wir schlussfolgern, dass wir nun bespitzelt werden, dass wir uns zwar frei bewegen dürfen, aber die ganze Zeit im Auge behalten werden. Und tatsächlich, in Gilgit treffen wir unseren Freund und telefonieren mit seinem Telefon unsere pakistanischen Bekannten ab. Viele von Ihnen wurden vom Geheimdienst kontaktiert, man hatte sie auf Dinge angesprochen, die nur dem SMS-Verkehr entnommen sein konnten. Ich bemerke auch, dass meine deutsche SIM-Card, man hatte sie mir im Verhörzimmer zur Überprüfung abgenommen und später wiedergegeben, völlig leer ist. Alle Kontakte sind gelöscht.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Im Blick der Geheimdienste</h2>
<p style="text-align: justify;">In den folgenden Wochen treffen wir immer wieder auf ominösen Gestalten, die uns nachstellen. Solange wir uns in den Bergen durch die Natur wandern, fällt uns niemand auf. Doch sobald wir in belebtere Gegenden kommen, hängt sich wieder ein verdächtiger Typ an unsere Hacken und das mehr schlecht als recht, in der Regel unbeabsichtigt auffällig.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Angst vom ISI wieder aufgegriffen zu werden, verfliegt mit der Zeit. Wir amüsieren uns über die Typen und ihr dilettantisches Nachspionieren. Mein Favorit ist ein kleiner schmieriger Typ, der sich oben in Hunza in einem leeren Hostel im Speiseraum unaufgefordert neben uns setzt und sich mit einem schleimigem Lächeln als Einheimischer vorstellt. Er sieht nur leider kein bisschen wie ein Einheimischer aus. Keine Wettergegerbte Haut, kein heller Teint.</p>
<p style="text-align: justify;">Derweil geht der Medienrummel in der Heimat offenbar weiter. Ein Journalist von Spiegel Online meldet sich und will ein Interview über Skype führen. Ich nutze die Gelegenheit und erkläre, dass wir keine Terroristen, Islamisten oder Fundamentalisten sind. Eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur hatte das Gegenteil behauptet und von unserer Verhaftung im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet berichtet. So landeten wir auch auf der Titelseite der &#8222;BILD&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich erkläre, dass wir zu keinem Zeitpunkt verhaftet worden sind, sondern vor allem viel Limonade bekommen haben. Ich und mein Bruder sind nur Touristen. Daraufhin klingt der Journalist fast wie die ISI-Agenten: &#8222;Aber warum ausgerechnet ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet? Die Region gilt als extrem gefährlich.&#8220; Ich antworte, dass wir hier die gastfreundlichsten Menschen getroffen haben. Wir machen uns gerne selbst ein Bild von der Welt.</p>
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		<title>Gelobte, unbekannte Heimat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2014 21:44:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nepal]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Minderheiten]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Lübbe]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksale]]></category>
		<category><![CDATA[Tibet]]></category>
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					<description><![CDATA[In Nepal leben rund 20.000 tibetische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Viele von ihnen ohne Dokumente, ohne Rechte und ohne Tibet jemals gesehen zu haben. <p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/gelobte-unbekannte-heimat/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>In Nepal leben rund 20.000 tibetische Flüchtlinge und deren Nachkommen. Viele von ihnen ohne Dokumente, ohne Rechte und ohne Tibet jemals gesehen zu haben.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Lobsang Tsering ist ein ernster, junger Mann. Der 36-Jährige mit dem akkurat frisierten Haar und der randlosen Brille antwortet kurz und präzise, seine Worte wählt er mit Bedacht. Nur wenn er über den Umgang der chinesischen Regierung mit Tibetern spricht, hebt er die Stimme. Dann ahmt er das Geräusch von Schüssen nach und demonstriert, wild gestikulierend, wie Polizisten mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Lobsang ist einer von rund 20.000 Exiltibetern, die heute im südlichen Nachbarland Nepal leben. Seine Eltern waren Teil der ersten großen Flüchtlingswelle, die 1959 – neun Jahre nach dem Einmarsch der chinesischen Armee – das Land verließ. 80.000 Tibeter folgten ihrem Oberhaupt, dem Dalai Lama, damals ins Exil. Die meisten nach Indien; andere, wie Lobsangs Eltern, gingen nach Nepal. Lobsang wurde in der Hauptstadt Kathmandu geboren, ging in eine tibetische Schule, später schloss er sich einem Kloster an. 2002 zog die Klostergemeinschaft nach Pokhara, in den Norden des Landes. Heute ist Lobsang ihr Sekretär, verwaltet die Finanzen und organisiert die Aktivitäten der Klosterschule, die 90 Schüler im Alter von sechs bis 18 Jahren beherbergt.</p>
<p style="text-align: justify;">„Ich habe in Nepal keine Rechte“, erklärt er, während er über das Schulgelände führt. „Ich darf kein Land kaufen, nicht wählen gehen und nicht einmal Auto fahren“. Der Grund: Lobsang hat keine offiziellen Dokumente. Weil er Bürger eines Staates ist, der international nicht anerkannt wird. Bestechung oder eine Heirat mit einer Nepalesin wären für ihn die einzigen, wenn auch vagen Möglichkeiten auf einen nepalesischen Pass gewesen – Möglichkeiten, die für ihn nicht in Frage kamen. Lobsang ist verheiratet, hat zwei Kinder. Auch seine Frau ist Nachfahre tibetischer Flüchtlinge. Darauf legt er Wert.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-2642-3" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-2642-3 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-2642-3 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-2642-3 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="12000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel3_nrpal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">In Tashi Palkhiel, der ältesten tibetischen Siedlung bei Pokhara, verteiben sich die Einheimischen ihre Zeit mit Karten spielen. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule1_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description"> Die Pem Tsal Sakya-Klosterschule in Pokhara. Hier leben und lernen etwa 90 Schüler. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule2_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Kinder in der Klosterschule sind im Alter von sechs bis 18 Jahren. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule3_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Koch der Klosterschule verpflegt die 90 Schüler. © Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LobsangTsering_nepal_Luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Lobsang Tsering, Sekretär der Pem Tsal Sakya-Klosterschule, ist Exiltibeter und lebt in Nepal ohne offizielle Dokumente. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LamoNamgang_nepal_Luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Lamo Namgang floh als Kind aus Tibet nach Nepal. © Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_6_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Tashi Palkhiel ist eine Siedlung bei Pokhara. Hier leben etwa 1000 Exiltibeter. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_4_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Viertel entstand Anfang der 1960er Jahre, zunächst als provisorisches Zeltlager. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_5_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit nationaler und internationaler Hilfe wurde aus Tashi Palkhiel eine feste Siedlung. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Stupa_in_Bodnath_bei_Kathmandu_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Herz der tibetischen Gemeinschaft in Kathmandu: Der Stupa von Bodhnath, einer der größten in der Welt. ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kloster_bei_TashiPalkhiel_nepal_luebbe.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_nepal_luebbe_haeuser.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">©Sascha Lübbe</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_2_Nepal_Luebbe_menschenmenge.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der alltägliche Wahnsinn: Straßenszene aus Kathmandu ©Sascha Lübbe</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-2642-3-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel3_nrpal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule1_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule2_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Klosterschule3_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LobsangTsering_nepal_Luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/LamoNamgang_nepal_Luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_6_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_4_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/TashiPalkhiel_5_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Stupa_in_Bodnath_bei_Kathmandu_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kloster_bei_TashiPalkhiel_nepal_luebbe-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_nepal_luebbe_haeuser-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Kathmandu_2_Nepal_Luebbe_menschenmenge-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Nach Angaben des UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, besitzt mindestens die Hälfte der Exiltibeter in Nepal keine Dokumente. Bevor 1989 der Kriegszustand über die tibetische Hauptstadt Lhasa verhängt wurde, wurden die Flüchtlinge zwar aufgenommen, die entsprechenden „refugee cards“ aber nur teilweise ausgestellt. Seit 1990 nimmt Nepal gar keine tibetischen Flüchtlinge mehr auf, Neuankömmlinge werden direkt nach Indien geleitet, in einigen Fällen, so vermuten Menschenrechtsorganisationen, sogar zurückgeschickt. Dokumente werden seitdem weder ausgestellt noch verlängert, auch nicht für die in Nepal geborenen tibetischen Nachkommen. Und so sitzen Menschen wie Lobsang bis heute in Nepal fest. Ohne Papiere können sie nicht reisen – und damit auch nicht nach Tibet zurückkehren.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das bestimmende Gefühl ist Aussichtslosigkeit</h2>
<p style="text-align: justify;">Lamo Namgang dürfte zurück, sie hat einen nepalesischen Pass. Aber sie will nicht. Nicht so lange die Chinesen in Tibet an der Macht sind. Die 65-Jährige wurde in Lhasa geboren. Ihre Eltern starben kurz nach dem Einmarsch der chinesischen Armee. Und so machte sie sich 1959 allein mit ihren zwei Brüdern und zwei Schwestern auf den beschwerlichen Weg über das Himalaya-Hochland. Zwei Monate habe die Flucht gedauert. „Wir waren Kinder und haben uns ständig verlaufen“, sagt sie. Drei Jahre ging sie in Nepal zur Schule, dann fing sie an, zu sticken und zu weben. Heute verkauft sie selbstgestrickte Socken und Mützen auf einem Marktplatz unweit von Lobsangs Klosters, im Herzen von Tashi Palkhiel, der ältesten der vier tibetischen Siedlungen bei Pokhara. Das Viertel entstand Anfang der 1960er Jahre, zunächst als provisorisches Zeltlager; mit nationaler und internationaler Hilfe, unter anderem der Schweizer Regierung, wurde daraus eine feste Siedlung. Rund 1000 Menschen leben heute hier, in kleinen pittoresken Häusern mit weißen Fassaden. Es ist sauber und gepflegt. Und doch, hört man sich hier um, ist das bestimmende Gefühl Aussichtslosigkeit.</p>
<p style="text-align: justify;">„Wir gelten in Nepal als Menschen zweiter Klasse“, sagt Tenzin Urgyen, ein 23-jähriger kräftiger Mann mit tätowierten Oberarmen und Dreadlocks, der mit seinen Freunden ein paar Meter weiter Fußball spielt. Sein Vater wurde in Tibet geboren, seine Mutter kam auf der Flucht nach Nepal zur Welt. Er selbst wurde hier geboren, in Tashi Palkhiel. Zehn Jahre ging er in eine tibetische Schule. Heute arbeitet er, wie viele seiner Freunde, ohne offizielle Genehmigung in einem Restaurant, verkauft Souvenirs in den Bergen. „Es gibt nur wenige junge Tibeter, die studieren können. Unsere Jobaussichten sind schlecht. Ohne Papiere hat man keine Chance“, sagt der junge Mann. Aber Tenzin lehnte sich auf. Als es im März 2010 zu Protesten in Kathmandu kam, waren auch er und seine Freunde dabei – und wurden inhaftiert. Seitdem habe es Hungerstreiks und eine steigende Zahl von Selbstverbrennungen gegeben, öffentliche Demonstrationen aber seien die Ausnahme. Zu groß sei die Furcht vor Repressionen, im Land herrsche „ein Klima der Angst“.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Eindruck, den Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet (ICT) in Deutschland, bestätigt: „Die Situation der Tibeter in Nepal hat sich drastisch verschlechtert, insbesondere im Zuge der 2008 ausgebrochenen Unruhen in Tibet.“ Müller spricht von Einschränkungen der Versammlungs-, Religions- und Meinungsfreiheit. So sei es Exiltibetern unter anderem verboten, den Geburtstag des Dalai Lama öffentlich zu feiern und tibetische Riten zu zelebrieren. Auch staatliche Überwachung und willkürliche Verhaftungen hätten zugenommen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Leben in der „Sandwich-Situation&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Problem ist Nepals geographische und politische Lage – die „Sandwich-Situation“, wie Gopal Krishna Siwakoti, Präsident der nepalesischen Menschenrechtsorganisation INHURED international, es nennt: „Das kleine Land Nepal liegt eingeklemmt zwischen zwei großen Nationen, China und Indien. Wenn Nepal die tibetischen Flüchtlinge anerkennt und ihre Rechte stärkt, ist das ein deutlicher Schlag gegen die chinesische Regierung. Daher schreckt unsere Regierung davor zurück.“ Immer wieder lasse die Führung in Peking verlauten, dass sie keine pro-tibetischen Strömungen in Nepal toleriere. Siwakoti spricht von „allen Arten von politischen Drohungen“, die China auf Nepal ausübe. „Wir sind von China abhängig, sowohl finanziell als auch politisch. Unsere Regierung demonstriert mit ihrer Politik immer wieder, dass Nepal nicht stark genug ist, um unabhängig zu existieren.“ Indien hingegen, wo heute die meisten Exiltibeter leben, wolle die ohnehin schon komplizierten Beziehungen zu China nicht noch weiter belasten.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so geraten Menschen wie Tenzin zwischen die Mühlen dreier Staaten – gefangen in für sie fremden Ländern. Denn obwohl Tenzin Tibet nie gesehen hat, ist es für ihn doch sein Heimatland. Freundschaftliche Kontakte zu den nepalesischen Nachbarn bestünden zwar, tiefe Bindungen aber gebe es nicht. Die scheiterten nicht zuletzt aufgrund der Sprachbarriere; Tenzin spricht Tibetisch, sein Nepalesisch ist bruchstückhaft. Ob er Wünsche hat? Nur zurück nach Tibet, sagt er. Das habe er schon in der Kindheit so gelernt.</p>
<h2 style="text-align: left;">„Wir sollten den Nepalesen dankbar sein“</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber es geht auch anders. Keine 200 Kilometer entfernt, in Kathmandu, ist der Ton schon gemäßigter. „Ich bin hier geboren und lebe hier – also bin ich auch Nepalese“, sagt Tashi Tsering im Garten seines Shechen Guest Houses. Der 36-jährige Hotelier ist groß und stämmig, hat buschiges, wildes Haar, seine Hände sind ständig in Bewegung, wenn er spricht. Auch Tashi ist Nachfahre tibetischer Flüchtlinge, aber einer mit nepalesischem Pass.</p>
<p style="text-align: justify;">Tashi hatte Glück. Seine Siedlung, Jorpati Khampa, habe sich in den 1970ern „gut gestellt“ mit der nepalesischen Regierung, habe den Kontakt gesucht, sich engagiert, sagt er. Und so erhielten die meisten Bewohner nepalesische Pässe. Viele von ihnen hätten heute gut bezahlte Jobs, die Siedlung stehe finanziell deutlich besser da, als viele andere tibetische Enklaven im Land. Aber das hatte seinen Preis: In der tibetischen Gemeinschaft sei der Kurs der Siedlung damals nicht gern gesehen worden. Tashi spricht von Spannungen mit anderen Siedlungen in Nepal, aber auch mit der tibetischen Exilregierung in Indien. Viele hätten die Siedler als „Verräter“ am Heimatland gesehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Tashi indes fühlt sich angekommen in Nepal. Er ist verlobt mit einer Nepalesin, hat Arbeit, kann reisen. „Wir sollten den Nepalesen dankbar sein“, sagt er. „Immerhin haben sie uns aufgenommen und wir bezahlen nichts für das Land, auf dem wir leben“. Er sieht Kooperation als einzigen Weg: Sich im Land zu engagieren – und zu integrieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch Kai Müller von der ICT (International Campaign for Tibet) spricht von den „historisch engen Bindungen zwischen Tibet und Nepal“. Die derzeitige, von Misstrauen geprägte Beziehung beider Völker sei eine „Anomalie“. Doch so lange Nepal wirtschaftlich und politisch von China abhängig bleibt und China die Forderung der tibetischen Exilregierung nach Autonomie der tibetischen Gebiete ablehnt, wird sich daran vermutlich wenig ändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Und so bleibt den Exiltibetern nur die Möglichkeit, sich mit der Situation zu arrangieren. Jeder auf seine Weise. So unterschiedlich ihre Ansichten dabei auch sind, in einem sind sie sich jedoch einig: in der Verurteilung der unrechtmäßigen Aneignung Tibets durch die Chinesen. Das sieht der traditionsbewusste Schulsekretär Lobsang aus Pokhara so, und das sieht der gut integrierte Hotelier Tashi aus Kathmandu so. Und so sahen sie das auch schon früher. Die beiden gingen gemeinsam zur Schule. Sie sind Freunde, seit Jahren schon.</p>
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		<title>Im Bauch der Panzerkröte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2014 11:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Heimken]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[OP North]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Norden Afghanistans haben die Taliban selbst gebastelte Sprengfallen auf den Straßen versteckt. Sie sollen die  internationalen Truppen treffen, töten aber oft auch Kinder und Unbeteiligte. Soldaten der Bundeswehr entschärfen die Sprengsätze. Unser Autor Axel Heimken hat sie bei ihrem lebensgefährlichen Job begleitet.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/im-bauch-der-panzerkroete/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Im Norden Afghanistans haben die Taliban selbst gebastelte Sprengfallen auf den Straßen versteckt. Sie sollen die  internationalen Truppen treffen, töten aber oft auch Kinder und Unbeteiligte. Soldaten der Bundeswehr entschärfen die Sprengsätze. Unser Autor Axel Heimken hat sie bei ihrem lebensgefährlichen Job begleitet.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Noch ist es kalt und grau hier oben. Doch nach und nach tüncht die aufsteigende Sonne die Berge Afghanistans in braun-grüne Farbe, und ich erklimme den Gipfel des &#8222;OP North&#8220;. Ein entlegener Außenposten der Bundeswehr, den die Soldaten in den Bergen der Provinz Baghlan errichtet haben. Von hier aus überblicken sie die umliegenden Täler, die sich zwischen kargen Bergketten hindurch winden wie ein Knäuel aus Schlangen. Mit Sturmgewehren vom Typ G36 halten die Soldaten Wache. Immer auf Ausschau nach feindlichen Kämpfern, den Taliban.</p>
<p style="text-align: justify;">Von mir nehmen sie hingegen kaum Notiz. Und so ächze ich die provisorische Holztreppe hinauf, die sie an den Fels gehauen haben. Oben angekommen traue ich meinen Augen nicht. Da steht doch tatsächlich ein Kühlschrank. “Wenn der kleine Hunger kommt”, feichst ein Obergefreiter, der gerade aus dem Zelt des Kommandeurs kommt. Zwei dösende Katzen vor dem Zelt beobachten mich durch schwere Augenlider, als ob sie den Kühlschrank bewachen.</p>
<p style="text-align: justify;">“Das sind Heckler und Koch”, sagt der Obergefreite. Soldaten hätten die abgemagerten Tiere gefunden und jetzt kümmere sich das Lager um sie. Katzen nach einem Waffenhersteller zu benennen, das ist der typische Humor hier. Plötzlich spuckt das Zelt des Kommandeurs eine Pioniereinheit aus. Sie hat gerade einen Auftrag erhalten. “Patrouille”, knurrt mich ein Feldwebel an und zeigt auf einige gepanzerte Fahrzeuge mit riesigen Reifen, die unten am Fuß der Treppe in Reih und Glied geparkt sind. “Steig ein.”</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-afghanistan-heimken-4" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-afghanistan-heimken-4 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-afghanistan-heimken-4 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-afghanistan-heimken-4 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Kinder_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit gepanzerten Fahrzeugen vom Typ "Dingo" machen sich Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans auf die Suche nach Sprengfallen am Straßenrand. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Wegesrand_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Während die Soldaten nach versteckten Sprengfallen suchen, rollt der alltägliche Verkehr über die viel befahrene Straße. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Mann_Fahrrad_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch für ihn können die selbst gebastelten Sprengladungen der Taliban tödlich sein: Ein Einheimischer auf dem Fahrrad. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Patroullie_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gepanzerte Bundeswehr-Fahrzeuge vom Typ "Fuchs". © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldat_Wegesrand_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Soldaten suchen mit bloßen Augen nach Drähten oder Metallplatten, die auf eine Sprengfalle deuten können. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldaten_Bombensuchen_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Während ein Soldat mögliche Sprengfallen untersucht, sichern ihn seine Kameraden mit der Waffe im Anschlag. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Nebel_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein gepanzertes Bundeswehr-Fahrzeug vom Typ "Dingo" fährt an einem bepackten Esel vorbei. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_nah_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Bundeswehr-Außenposten "OP North" aus der Vogelperspektive. Inzwischen ist die Bundeswehr von hier abgezogen. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_Deutschland_Heimken.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-afghanistan-heimken-4-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Kinder_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Wegesrand_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Mann_Fahrrad_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Patroullie_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldat_Wegesrand_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldaten_Bombensuchen_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Nebel_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_nah_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_Deutschland_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Eingeklemmt zwischen sieben Soldaten, voll ausgerüstet mit Schutzwesten, Helmen und Gewehren, wird mir ganz mulmig. Sie sollen den afghanischen Todbringer Nummer 1 finden und unschädlich machen: hinterhältige Sprengfallen, sogenannte IEDs (Improvised Explosive Devices). Selbst gebastelt und zumeist an Straßen versteckt. Die Taliban hoffen, damit die Militärfahrzeuge der internationalen Truppen zu treffen. Doch, sagt der Soldat neben mir, oft erwische es die Zivilbevölkerung. Ich denke an die Fußball spielenden Kinder, die ich am Tag zuvor am Straßenrand gesehen habe. Der Auftrag der Pioniere lautet: Sucht die Sprengfallen. Auf den Straßen, in Abwasserkanälen. Findet sie und macht sie unschädlich. Zum Glück dröhnt und rattert es in dem Fahrzeug so laut, dass mein schweres Schlucken nicht zu hören ist.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Die Sorge, über eine Sprengfalle zu rollen, fährt immer mit.&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">“Ruhig Blut”, krächzt die Stimme des Sitznachbars aus meinem Kopfhörer. “Wir sind hier schon seit einer ganzen Weile nicht mehr beschossen worden.” Die Gegend um den &#8222;OP North&#8220; gelte inzwischen als ruhig. Und so ruckelt der Konvoi aus mehreren gepanzerten Fahrzeugen über die staubigen Bergstraßen in Richtung der Provinzhauptstadt Pol-e Chomri. Die Soldaten nennen die Radmonster &#8222;Dingos&#8220; und &#8222;Füchse&#8220;, doch der langsam fahrende Konvoi erinnert mich mehr an ein Rudel überdimensionaler Schildkröten.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich ein Ruck. Die behelmten Köpfe wackeln einmal vor und zurück. Unsere Schildkröte hält. “Absitzen”, sagt der Feldwebel mit ruhiger Stimme. Die Pioniere sollen den Straßenrand nach Sprengfallen absuchen. Alle sind froh, endlich raus zu können. Denn die Sorge, über eine Sprengfalle zu rollen, fährt immer mit.</p>
<p style="text-align: justify;">Während ich mit eingezogenem Kopf aussteige, suchen meine Augen die inzwischen gleißend helle Umgebung ab. Zu meiner Erleichterung fällt kein Schuss, schallt keine Explosion. Stattdessen passiert ein Auto nach dem anderen die viel befahrene Straße. Auf mich wirkt die Situation irgendwie absurd: Menschen fahren zur Arbeit, gehen ihrem Alltag nach. Und die deutschen Soldaten suchen am Straßenrand nach Sprengfallen. Klick.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Pionier zuckt kurz, als meine Kamera auslöst. Es sei schon vorgekommen, sagt er nach einer kleinen Pause, dass Sprengfallen aus der Ferne per Funk gezündet wurden. Deswegen haben die Bundeswehr-Fahrzeuge große Antennen auf den Dächern, die Funkwellen blockieren sollen. Weil der Sprengstoff aber eigentlich durch das Gewicht von Fahrzeugen aktiviert wird, parken die Radpanzer 100 Meter von uns entfernt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Niemand spricht</h2>
<p style="text-align: justify;">Drei quälend lange Stunden verbleiben die Pioniere am Straßenrand. Während zwei Soldaten mit bloßem Auge suchen &#8211; nach Kabeln, Drähten, Batterien oder einer Kontaktplatte &#8211; sichern zwei Kameraden mit Sturmgewehren. Es ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Besonders perfide: Manchmal warten die Täter, bis die Soldaten weg sind, um genau an dieser Stelle eine Sprengfalle zu legen. Heute finden die Pioniere: nichts. Ich weiß nicht, ob sie erleichtert oder enttäuscht sind, aber auf der Rückfahrt zum &#8222;OP North&#8220; spricht niemand.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich stoße die Dachluke des Panzers auf, um Fotos zu machen. Vor mir erheben sich gewaltige Staubfontänen, aufgewirbelt von den Militärfahrzeugen. Fotos gelingen mir keine. Schon nach wenigen Augenblicken ist die Linse des Objektivs mit einer dicken Staubschicht überzogen. Hustend krieche ich zurück auf meinen Platz. Mein Ungeschick sorgt für Erheiterung im Bauch der Schildkröte. Das erste Lachen an diesem Tag.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück im &#8222;OP North&#8220; steige ich mit mit den Pionieren die Bergtreppe hinauf. Sie wollen dem Kommandeur Bericht erstatten. Es fühlt sich leichtfüßiger an als am Morgen. Heckler und Koch dösen immer noch vor dem Kühlschrank. Wäre Alkohol auf dem Gefechtsstützpunkt nicht streng verboten, gerne hätte ich mit den Soldaten mit einem kalten Bier angestoßen. Auf das Leben.</p>
<h6 style="text-align: justify;"><em>Anmerkung der Redaktion: Unser Autor Axel Heimken erlebte diese Geschichte 2012. Inzwischen hat die Bundeswehr den OP North im Rahmen ihres Abzugs aus Afghanistan aufgegeben.<br />
</em></h6>
<h5 style="text-align: center;"><em> Warum unser Autor Axel Heimken nach Afghanistan wollte, erfährst du im</em></h5>
<p><a title="Autoreninterview mit Axel Heimken" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-axel-heimken/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
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		<title>Das stinkende Herz von Mumbai</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jul 2014 11:00:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/das-stinkende-herz-von-mumbai/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Dharavi ist Mumbais größtes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern hausen und arbeiten bis zu eine Million Menschen. Hier leben viele von dem, was andere wegschmeißen. Touristen verirren sich nur sehr selten an diesen Ort.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wie weißer Nebel steigt Wasserdampf aus den Wellblechhütten auf und vermischt sich mit der kühlen Morgenluft Mumbais. Nur langsam kehrt Leben in den Slum ein. Müde erheben sich die Menschen in Dharavi von ihren Nachtlagern und schlurfen mit hängenden Schultern vor ihre Hütten, Zeit für die morgendliche Toilette. Allein die Tee-Verkäufer wuseln bereits wie Ameisen durch die engen Gassen und preisen ihre Ware an.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst vor wenigen Minuten brachte mich der Metrozug aus dem touristischen Süden Mumbais in das zentralgelegene Slumgebiet Dharavi. Meine Anwesenheit erntet zahllose ungläubige Blicke. In den Gesichtern der Menschen steht die Frage, was ein Bleichgesicht zu dieser Uhrzeit an diesem Ort zu suchen hat. Hier, wo sich normalerweise keine Touristen hin verirren. Hier, wo die Armut regiert und die Menschen von dem leben, was andere weggeworfen haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Dharavi ist Mumbais größtes zusammenhängendes Slumgebiet. Auf etwa zwei Quadratkilometern leben bis zu eine Million Menschen. Begrenzt von einem Fluss und zwei Eisenbahnlinien. Liebevoll wird es auch „Heart of Mumbai“ genannt. Es ist ein stinkendes, dreckiges Herz. Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist neben der Textil- und Tonwarenherstellung das Recycling von Reststoffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-mumbai-dharavi-5" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-mumbai-dharavi-5 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mitten im Herzen von Mumbei liegt das Slumviertel Dharavi. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Teeverkäufer versorgen die Menschen am Morgen mit Chaitee. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Am Morgen lässt sich ein Mann am Straßenrand rasieren. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit Stoffresten werden die Schmelztiegel befeuert. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch aus den alten Kabeln werden die Kupferdrähte entfernt und weiter verwendet. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Überall in Mumbai werden PET-Flaschen eingesammelt und nach Dharavi gebracht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">An den großen Abwasserleitungen haben sich Bewohner des Slums angesiedelt. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das aus den PET-Flaschen gewonnene Plastik wird zur Weiterverarbeitung in Klumpen gegossen. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich ein großer Schmelztiegel. Zwei junge Männer halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang. © Christian Faesecke</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Schmelztiegel werden Aluminiumspäne eingekocht. © Christian Faesecke</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-mumbai-dharavi-5-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Werkstatt-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Chai_Mann-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_barbir-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_feuer_stoffreste-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Kabel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_LKW_plastik-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Muell_huetten-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Plastik_fertig-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze_jungs-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Mumbai_Schmelze-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Arbeit unter stinkendem Rauch</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich streife durch die engen Gassen und muss ständig aufpassen. Unentwegt donnern kleine Lastwagen hupend durch den Slum knapp an mir vorbei. Nur ein beherzter Sprung in einen Hauseingang rettet mich vor diesen angerosteten Ungetümen. Sie beliefern die vielen kleinen Werkstätten im Nord-Westen Dharavis mit Plastikabfällen, die in den anderen Stadtteilen eingesammelt wurden.</p>
<p style="text-align: justify;">Unzählige kleine Ein-Zimmer-Werkstätten dominieren diesen Teil der Stadt. Hier werden die Plastikabfälle sortiert, unter lautem Maschinenlärm geschrotet und anschließend unter stinkendem Rauch, der in Augen und Mund brennt wieder zu handlichen Formen verschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei Männer am Straßenrand schauen mir schmunzelnd bei meinen Ausweichmanövern zu. Sie sitzen auf einem bunten Haufen von Kabel. In mühseliger Handarbeit trennen die beiden die Kabel in Metall und Plastik. Dafür klemmen sie die Schnüre zwischen ihre Zehen, schneiden mit einem alten Messer die Kabel auf und lösen die Kunststoffhülle vom glänzenden Inhalt. Das Metall wird später eingesammelt und ebenfalls eingeschmolzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einige Gassen weiter: Große Säcke, mit Aluminiumspänen gefüllt, ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Hinter einer schmalen Wellblechwand befindet sich eine Feuerstelle, in deren Mitte ein großer Schmelztiegel steht. Zwei Arbeiter halten abwechselnd das lodernde Feuer in Gang, sorgen für eine ausreichende Luftzufuhr und führen dem Tiegel unter eindrucksvollem Auflodern der Flammen immer wieder Aluminiumspäne zu. Der Rauch kann nur begrenzt durch die Schlitze im Dach entweichen. Es ist heiß und stickig. „Was machst du hier?“, fragt einer. Die beiden Männer sind überrascht, mich in ihrer Werkstatt anzutreffen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Leuchtende Suppe im Schmelztiegel</h2>
<p style="text-align: justify;">Aber schnell verlieren sie wieder das Interesse an mir und wenden sich ab. Die leuchtende Suppe in ihrem Schmelztiegel scheint fertig zu sein. Vorsichtig ziehen sie den Behälter mit langen Stangen aus der Glut und gießen den Inhalt in bereitstehende Brikettformen. Die Hitze wird unerträglich, die Dämpfe benebeln meine Sinne und mir wird schwindlig. Angeschlagen trete ich den Rückzug an und rette mich nach draußen in die Mittagshitze. Sie ist erfrischend.</p>
<p style="text-align: justify;">Draußen bietet mir ein kleiner Junge einen süßen Chai-Tee aus seiner Kanne an. Im Eingang zur Schmelze sitzend schaue ich mich um und trinke vorsichtig den Tee, der den ätzenden Geschmack des Qualms Schluck für Schluck verdrängt. Diese Gelegenheit lassen sich die anderen Arbeiter in der Gasse nicht nehmen. Sie kommen zu mir. Umringen mich. Kurz nach meiner Flucht aus der Schmelze bin ich umgeben von neugierigen Blicken und interessierten Gesichtern. Die Leben hinter den Gesichtern erzählen sehr oft die gleiche Geschichte.</p>
<p style="text-align: justify;">Einer berichtet mir, er habe Frau und Kinder daheim im indischen Rajasthan gelassen. Nur an wenigen Feiertagen im Jahr schaffe er es, sie zu besuchen. Arbeit gebe es dort nicht. Deshalb ist hier, in Dharavi, für viele Arbeiter der erste Anlaufpunkt in Mumbai. Nun schläft er wie so viele andere auf Pappunterlagen direkt neben dem Arbeitsplatz.</p>
<p style="text-align: justify;">Dunkelgraue Wolken steigen aus den Blechhütten auf und trüben das Blau des Himmels als ich wieder im Zug sitze – auf dem Weg zurück in die hübsche Altstadt von Mumbai. Die Feuer in Dharavi werden noch bis spät in die Nacht brennen. Und schon bald wird ein neuer Tag wieder Leben in den Slum bringen.</p>
<p style="text-align: center;"><em> Warum unser Autor Christian Fraesecke Dharavi besuchte, erfährst du im</em></p>
<p><a title="Autoreninterview mit Christian Faesecke" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-christian-faesecke/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
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