<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title></title>
	<atom:link href="https://www.weltseher.de/tag/konflikte/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.weltseher.de</link>
	<description>Magazin für Reportagen</description>
	<lastBuildDate>Sun, 10 Jan 2016 22:28:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=5.4.16</generator>

<image>
	<url>https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2016/02/favicon1.png</url>
	<title>Konflikte &#8211; WELTSEHER</title>
	<link>https://www.weltseher.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Flucht als Dauerzustand</title>
		<link>https://www.weltseher.de/flucht-als-dauerzustand/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/flucht-als-dauerzustand/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2015 06:28:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Huth]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=5073</guid>

					<description><![CDATA[Anderthalb Jahre nach Ausbruch des ukrainischen Bürgerkrieges sitzen noch immer 1,4 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land fest. Eine Reise in die Donbass-Stadt Kramatorsk am Rande der Front.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/flucht-als-dauerzustand/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Anderthalb Jahre nach Ausbruch des ukrainischen Bürgerkrieges sitzen noch immer 1,4 Millionen Flüchtlinge im eigenen Land fest. Eine Reise in die Donbass-Stadt Kramatorsk am Rande der Front.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es sei doch nur Feuerwerk, logen die Eltern, als Granaten hinter dem Zug einschlugen. In der sprichwörtlich letzten Minute war Familie Tratschuk den Kämpfen um Luhansk entkommen. Alles hatte schnell gehen müssen. Rasch noch von den Nachbarn verabschieden, die trotz der Gefahr bleiben wollten. Würden sie auf die beiden Katzen und die Schildkröte aufpassen? Danke und passt auf euch auf!, fielen sie sich beim Abschied in die Arme. Dann schnell zum Bahnhof, den Zug nach Kiew erwischen. Die Zwillinge schrien. Veronika und Viktoria, acht Jahre alt, leiden unter frühkindlichem Autismus. Im Gleichklang schlugen sie panisch die Hände über dem Kopf zusammen – wie immer, wenn eine Kleinigkeit von ihrer täglichen Routine abwich, etwa eine neue Jacke. Bei der Flucht vor Granatangriffen wirkte die Geste seltsam untertrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">„Feuerwerk kennen sie und der Gedanke hat sie beruhigt“, sagt Mutter Julia, die die Geschichte in der Sicherheit des Caritas-Büros in Kiew erzählt, wo die Familie psychologisch betreut wird. Kuscheltiere und bunte Stifte für die Maltherapie liegen herum. Seit jenem Julitag im vergangenen Jahr leben die Tratschuks bei Verwandten in der 800 Kilometer entfernten Hauptstadt der Ukraine.</p>
<h2 style="text-align: justify;">2,3 Millionen auf der Flucht</h2>
<p style="text-align: justify;">Sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein. Nach <a href="http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ocha_ukraine_situation_update_number_7_14_august_2015.pdf" target="_blank">Angaben der Vereinten Nationen</a> mussten rund 2,3 Millionen Menschen wegen der Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und pro-russischen Separatisten das Donbass verlassen. 925.000 gingen ins Ausland, 1,4 Millionen blieben in der Ukraine. Viele haben Unterschlupf bei Verwandten oder Freunden in sicheren Teilen des Landes gefunden. Die meisten aber harren am Rande der Konflikzone aus. Bald würde wieder Frieden sein, hatten viele gehofft. Doch inzwischen sind schon 19 Monate vergangen. Die Waffenruhe ist brüchig. Immer wieder kommt es zu Gefechten. Eine politische Lösung ist nicht in Sicht.</p>
<p style="text-align: justify;">An das ferne Echo von Gewehrfeuer hat man sich auch in Kramatorsk gewöhnt, einer 160.000-Einwohner-Stadt direkt an der Frontlinie. Wie graue Riesen erheben sich die Umrisse von Plattenbauten in die Dunkelheit, ihre Fenster hängen wie grimmige Augen über den Straßen. Wir befinden uns hier noch auf ukrainischem Gebiet. Aber keine 80 Kilometer südlich thronen schon die ebenso grauen Plattenbauten der &#8222;Volksrepublik Donezk&#8220;. Und 130 Kilometer östlich die der &#8222;Volksrepublik Luhansk&#8220;. Es spielt keine Rolle, dass kein Staat der Welt die selbsternannten Republiken der Separatisten anerkennt. In der umkämpften Donbass-Region zählt nur die durch Waffengewalt geschaffene Realität.</p>
<div id="aesop-gallery-5086-1"  class="aesop-component aesop-gallery-component aesop-thumbnail-gallery-wrap    " ><div id="aesop-thumb-gallery-5086" class="fotorama" 	data-transition="crossfade"
																			data-width="100%"
																																						data-keyboard="true"
																			data-nav=thumbs																			data-allow-full-screen="native"
																			data-click="true"><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-13.jpg" data-caption="Ukrainische Sprengstoff-Experten entschärfen Blindgänger nach Gefechten." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-10.jpg" data-caption="Dieses Haus bei Slowjansk ist zerbombt und das Garagentor von Kugeln durchlöchert." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-9.jpg" data-caption="Ein Haus bei Slowjansk nach Gefechten zwischen Separatisten und ukrainischer Armee." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-11.jpg" data-caption="Durch Blindgänger sterben auch lange nach Ende der Gefechte noch Menschen." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-14.jpg" data-caption="Familie Tratschuk mit den autistischen Zwillingen in der Sicherheit des Kiewer Caritas-Büros." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-15.jpg" data-caption="Viktoria leidet wie ihre Zwillingsschwester Veronika an frühkindlichem Autismus. " alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-6.jpg" data-caption="Lilja und drei ihrer sieben Kinder in der Flüchtlingsunterkunft." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine.jpg" data-caption="Priester Wasyl Iwanjuk rast in seinem roten Lada durch die Stadt." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-4.jpg" data-caption="Natalia übt täglich mit ihrer Geige." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-16.jpg" data-caption="Eine Spielzeugpuppe in einer Flüchtlingsunterkunft in Kiew." alt=""><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-8.jpg" data-caption="Ein zerstörtes Haus bei Slowjansk." alt=""></div><p class="aesop-component-caption">Fotos: Markus Huth</p></div>
<h2 style="text-align: justify;">Der Soldaten-Priester</h2>
<p style="text-align: justify;">Das begreift auch der Mann am Steuer des roten Ladas, der durch die Straßen von Kramatorsk rast, als wolle er einer Gewehrkugel entkommen. Priester Wasyl Iwanjuk koordiniert für die Caritas die Flüchtlingshilfe vor Ort. Bei jedem Schlagloch stößt sein samtroter Klerikerhut fast an die Decke. Trotzdem nimmt der Priester den Fuß nicht vom Gaspedal. Auch den Gurt legt er nie an. „Langsame Ziele sind leichter zu treffen und unangeschnallt komme ich aus einem brennenden Fahrzeug besser raus“, sagt Iwanjuk. Der 48-Jährige weiß, wovon er spricht. Denn bevor er ein Mann Gottes in der ukrainisch griechisch-orthodxen Kirche wurde, war er Oberstleutnant in der Roten Armee gewesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Vielleicht geriet er deshalb nicht in Panik, als ihn Separatisten an einem Checkpoint aus dem Auto zerrten und mit vorgehaltener Waffe mit dem Tod bedrohten. Weil er Katholik sei und aus dem westukrainischen Lwiw stamme, hätten die pro-russischen Kämpfer ihn als „ukrainischen Nationalisten“ erschießen wollen, erinnert sich Iwanjuk.</p>
        <div id="aesop-image-component-5073-1"              class="aesop-component aesop-image-component "
                    >


            
                <div>
                    <figure class="aesop-image-component-image aesop-component-align-left aesop-image-component-caption-left" style=margin-left:100px;width:150px;>
                        
                            <a class="aesop-lightbox"
                               href="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-3.jpg"
                               title="Priester Wasyl Iwanjuk">
                                <p class="aesop-img-enlarge"><i
                                            class="aesopicon aesopicon-search-plus"></i> Vergrößern                                </p>
                                                                    <img src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-3.jpg"                                            alt="ukraine-3">
                                                                </a>

                        
                            <figcaption class="aesop-image-component-caption">
                                Priester Wasyl Iwanjuk
                            </figcaption>

                            

                        
                    </figure>
                </div>
                <div class="aesop-image-overlay-content">
                                    </div>

                
        </div>
        
<h2 style="text-align: justify;">„Wer mehr geleistet hat, soll mich erschießen“</h2>
<p style="text-align: justify;">Er habe in die Gewehrläufe erwidert, dass er seit 23 Jahren im Donbass lebt, hier sechs Kirchen gegründet, vier Kinder großgezogen und zwei Häuser gebaut hat. Und forderte schließlich: „Wer mehr geleistet hat, soll mich erschießen.“ Daraufhin hätten die verdutzten Kämpfer ihn ziehen lassen. Natürlich hat er ihnen verschwiegen, dass einer seiner Söhne für die ukrainische Armee an der Front kämpft. Und dass er diesen regelmäßig dort besucht und seine Einheit vor Einsätzen segnet. Ihren Kampf hält Iwanjuk für gerecht, weil sie ihre Heimat verteidigen. Den Krieg in ein fremdes Land zu tragen, sei hingegen Sünde.</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;Wir sind da&#8220;, sagt Iwanjuk, biegt links ab und parkt in einem finsteren Hof, umstellt von Plattenbau-Riesen, die nun weniger bedrohlich, als schützend wirken. Hier hat der Priester eine der vielen Familien untergebracht, die vor dem Bürgerkrieg geflüchtet sind. Widerwillig rumpelt der klapprige Fahrstuhl in den vierten Stock. Was beim Bau der Hochhäuser in den 70er-Jahren noch neueste Technik war, wirkt heute wie ein archäologisches Artefakt. Ostukraine, Westukraine, Russland: damals nur nebensächliche Etiketten. Alle waren Sowjets. Vom ukrainischen Lwiw im Westen bis ins russische Wladiwostok im Osten erstreckte sich die Sowjetunion, mit über 22 Millionen Quadratkilometern eines der größten Staatsgebiete, die die Welt je gesehen hat. Und die sowjetische Propaganda feierte die kohlereiche Donbass-Region als ihr industrielles Herz.</p>
        <div id="aesop-image-component-5073-2"              class="aesop-component aesop-image-component "
                    >


            
                <div>
                    <figure class="aesop-image-component-image aesop-component-align-left aesop-image-component-caption-left" style=margin-left:100px;width:150px;>
                        
                            <a class="aesop-lightbox"
                               href="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-2.jpg"
                               title="Lilja und ihre beiden jüngsten Kinder">
                                <p class="aesop-img-enlarge"><i
                                            class="aesopicon aesopicon-search-plus"></i> Vergrößern                                </p>
                                                                    <img src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-2.jpg"                                            alt="ukraine-2">
                                                                </a>

                        
                            <figcaption class="aesop-image-component-caption">
                                Lilja und ihre beiden jüngsten Kinder
                            </figcaption>

                            

                        
                    </figure>
                </div>
                <div class="aesop-image-overlay-content">
                                    </div>

                
        </div>
        

<p style="text-align: justify;">Diese stolze Zeit des Donbass kennt die Frau, die nun die Tür öffnet, nur noch aus den Geschichten der Eltern. Grau ist Liljas Haut, grau das Kopftuch, das die dunkelblonden Haare zusammenhält, grau auch der Pullover. Sie sieht älter aus als die 34 Jahre, die sie ist. So als hätten die Strapazen der vergangenen Monate ihr die Farbe entzogen. Als die Sowjetunion in einzelne Teilstaaten zerfiel, war Lilja zehn Jahre alt. Und in der neuen Ukraine feierte niemand mehr das Donbass. Stattdessen wurde es zum Inbegriff für Misswirtschaft, Massenentlassungen und Perspektivlosigkeit.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Bomben im Oktober</h2>
<p style="text-align: justify;">Lilja kann ihre Landsleute in den Separatisten-Gebieten verstehen, die wieder auf bessere Zeiten für das Donbass an der Seite Russlands hoffen. Ihr Mann schlug sich im Heimatdorf Makijiwka als selbstständiger Metallhändler durch. Sie kümmerte sich um den Haushalt und die sieben Kinder. „Wir hatten nicht viel zum Leben, aber es hat gereicht. Wir wollten nicht gehen“, sagt sie. Doch dann schlugen im Oktober Bomben ein. Weil sie in der Nähe des Donezker Flughafens wohnten, sei ihr Dorf ins Visier der ukrainischen Artillerie geraten. Ein Bekannter fuhr die Familie nach Kramatorsk. Am Ende fühlte sie sich der Ukraine dann doch näher als Russland.</p>
        <div id="aesop-image-component-5073-3"              class="aesop-component aesop-image-component "
                    >


            
                <div>
                    <figure class="aesop-image-component-image aesop-component-align-right aesop-image-component-caption-left" style=margin-right:-100;width:200px;>
                        
                            <a class="aesop-lightbox"
                               href="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/Bild-8.jpg"
                               title="Natalia übt täglich Geige">
                                <p class="aesop-img-enlarge"><i
                                            class="aesopicon aesopicon-search-plus"></i> Vergrößern                                </p>
                                                                    <img src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/Bild-8.jpg"                                            alt="Bild-8">
                                                                </a>

                        
                            <figcaption class="aesop-image-component-caption">
                                Natalia übt täglich Geige
                            </figcaption>

                            

                        
                    </figure>
                </div>
                <div class="aesop-image-overlay-content">
                                    </div>

                
        </div>
        

<p style="text-align: justify;">Und während Lilja die Geschichte ihrer Flucht erzählt, erklingt aus dem Nebenzimmer Geigenmusik. Die fünfzehnjährige Tochter Natalia ist froh, dass sie das Instrument aus dem Elternhaus retten konnte. So wie ihre Schwester das Cello. „Das Piano mussten wir leider zurücklassen. Die Kinder sind alle sehr musikalisch und üben täglich“, sagt die Mutter stolz. Auf dem Arm hält sie das jüngste ihrer sieben Kinder. Kurz bevor es geboren wurde, war der Bürgerkrieg ausgebrochen. „Bevor das alles passiert ist“, sagt sie, „dachte ich, dass Ukrainer und Russen Brüder und Schwestern sind. Ich wünsche mir einfach nur Frieden.“</p>
<p style="text-align: justify;">„Was ist mit dem Licht im Schlafzimmer los?“, fragt der Priester. Es gehe schon eine Weile nicht mehr, antwortet Lilja. Es ist eng in der Zweizimmerwohnung, es gibt nur wenige Möbel, im Schlafzimmer liegt eine Matratze auf dem Boden. Iwanjuk macht eine Notiz, verabschiedet sich und eilt, begleitet von Natalias Geigenmusik, hinunter zum roten Lada. Er sagt, dass es inzwischen 40.000 Flüchtlinge in Kramatorsk gebe, das nur viermal mehr Einwohner hat. Die Mittel reichten aber nur für gut 1.500 Bedürftige.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Geringe Spendenbereitschaft</h2>
<p style="text-align: justify;">Zurück in Kiew räumt der ukrainische Caritas-Präsident, Andrij Waskowycz, ein: „Wir sind vom Ausmaß der humanitären Krise überrascht worden“. Der Mann mit der dezenten Brille, im dunklen Anzug, gescheiteltes, weißes Haar, wirkt wie ein Professor und sitzt in einem Restaurant, in dem die Kellner westukrainische Trachten tragen. Um die Ecke liegt der Majdan, jener zentrale Platz, wo alles begann: die Unruhen oder der Freiheitskampf, je nach Perspektive. Waskowycz sagt, das Hilfsbudget von zwei Millionen Euro, größtenteils finanziert vom deutschen Staat, reiche hinten und vorne nicht. Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung sei gering, auch in Deutschland. Andere Hilfsorganisationen klagen ebenfalls über zu wenig Mittel. 316 Millionen Dollar brauchen die Vereinten Nationen von den Mitgliedsstaaten für die Hilfe in der Ukraine, nur gut ein Drittel davon haben sie erhalten. Am dringendsten ist die Lage laut UN-Helfern vor Ort innerhalb der Separatisten-Gebiete, wo die medizinische Versorgung teilweise zusammengebrochen sei.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Grund für die Spendenunwilligkeit sind die fehlenden Bilder der Not. Denn trotz des Flüchtlingsansturms werden die ukrainischen Städte nicht von Obdachlosen oder hungernden Bettlern überflutet. Die ukrainische Zivilgesellschaft, meint Waskowycz, sei stark und habe die größte Not zunächst aufgefangen. Die Weltöffentlichkeit nehme den Konflikt deshalb eher als politisches Problem, statt als humanitäre Katastrophe war. Dass im Donbass ganze Felder vermint sind und immer noch Menschen durch Blindgänger sterben, ist den wenigsten bekannt. Die Zahl der Toten des Konflikts von bisher wenigstens 6.800 steigt auch wegen der gelegentlichen Scharmützel an der Frontlinie weiter. Der Caritas-Mann warnt: je länger der Konflikt dauere, desto mehr würden die Heimatlosen für das ganze Land zum Problem. Es drohe gar eine weitere Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Weitere Destabilisierung droht</h2>
<p style="text-align: justify;">Das spürt auch Familie Tratschuk mit den autistischen Zwillingen, die nach ihrer Flucht aus Luhansk bei Verwandten in Kiew Obdach gefunden haben. Im vergangenen Sommer sei die Atmosphäre ihnen gegenüber noch voller Hilfsbereitschaft gewesen, berichtet Vater Oleg, der als Journalist arbeitet. Inzwischen gelten die Flüchtlinge aber als Konkurrenten um Arbeitsplätze und Wohnraum. Und während die Armee westukrainische Männer zum Wehrdienst einzieht und an die Front schickt, kommen junge Männer aus dem Osten und erhalten als Flüchtlinge staatliche Zuwendung. Auch die Tratschuks haben einen gesunden Sohn, Wladyslaw ist 17 und wird bald im wehrdienstfähigen Alter sein. „Ich habe Angst, dass er an die Front muss“, sagt Mutter Tatjana. Sie hätten manchmal das Gefühl, dass die Westukrainer ihre Landsleute aus dem Donbass als Verräter wahrnehmen. Wie konnten sie es nur zulassen, dass die Separatisten so stark werden?</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wegen dieses Stigmas sind die meisten Flüchtlinge nicht weit nach Westen gezogen, sondern harren in frontnahen Städten wie Kramatorsk aus. So wie Lilja und ihre sieben Kinder, die schnellstmöglich ins Dorf Makijiwka zurückkehren wollen und hoffen, dass das Haus noch steht. Ob das Piano noch unversehrt ist?, fragt Natalia und setzt die Geige wieder ans Kin. Sie alle warten weiter auf Frieden. Und während sie warten, rast durch die graue Plattenbau-Landschaft von Kramatorsk des Priesters roter Lada.</p>
<div id="aesop-gallery-5108-2"  class="aesop-component aesop-gallery-component aesop-stacked-gallery-wrap    " >				<!-- Aesop Stacked Gallery Desktop -->
				<script>

						jQuery(document).ready(function($){

							var stackedResizer = function(){
								$('.aesop-stacked-img').css({'height':($(window).height())+'px'});
                                
                            							}
							stackedResizer();

							$(window).resize(function(){
								stackedResizer();
							});
						});

				</script>
												<div id="aesop-stacked-img-5087" class="aesop-stacked-img" style="Xbackground-image:url('https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine.jpg');background-size:100%;background-position:center center">
																			<div class="aesop-stacked-caption">Priester Wasyl Iwanjuk rast in seinem roten Lada durch die Stadt.</div>
																	</div>
								<style>#aesop-stacked-img-5087{background-image: url(https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine.jpg);}  @media screen and (min-width:768px){#aesop-stacked-img-5087{background-image: url(https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine-1250x833.jpg);}}   @media screen and (min-width:1200px){#aesop-stacked-img-5087{background-image: url(https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/09/ukraine.jpg);}}  </style><p class="aesop-component-caption">Foto: Markus Huth</p></div>
<p style="text-align: center;"><em>Transparenzhinweis: Unser Autor Markus Huth war im Donbass mit der Hilfsorganisation <strong><a href="http://weltseher.de/flucht-als-dauerzustand/" target="_blank">Caritas International</a></strong> unterwegs, die Teile der Reisekosten getragen hat.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/flucht-als-dauerzustand/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Heimatliebe und Kriegsangst</title>
		<link>https://www.weltseher.de/zwischen-heimatliebe-und-kriegsangst/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/zwischen-heimatliebe-und-kriegsangst/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2015 05:33:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Marie Zahout]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Schütt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=4348</guid>

					<description><![CDATA[Russland befindet sich im Umbruch: Ukraine-Krise, Ölpreis-Verfall und westliche Sanktionen setzen dem Land zu. „Es ist ein Albtraum“, beschreibt die 21-jährige Moskauerin Alexandra Kostina die aktuelle Lage in Russland.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/zwischen-heimatliebe-und-kriegsangst/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Russland befindet sich im Umbruch: Ukraine-Krise, Ölpreis-Verfall und westliche Sanktionen setzen dem Land zu. „Es ist ein Albtraum“, beschreibt die 21-jährige Moskauerin Alexandra Kostina die Lage in Russland.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ich habe Angst vor einem Krieg in Russland“, sagt Alexandra Kostina. Seit mehr als zehn Monaten schwelt der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland auch militärisch. Noch immer besetzen russische Separatisten ostukrainische Gebiete. Die im Minsker Abkommen vereinbarte Waffenruhe ist für viele Experten bereits gescheitert.</p>
<p style="text-align: justify;">Westliche Politiker machen vor allem die kompromisslose Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putins für die Situation verantwortlich. „Ich vertraue Putin, dass er mit der Einnahme der Krim einen Plan verfolgt“, sagt Kostina. Und weiter: „Das Vorgehen ist nicht mehr rückgängig zu machen – die Krim wird nicht mehr unabhängig sein können.“</p>
<p style="text-align: justify;">Alexandra Kostina war sechs Jahre alt, als Putin 1999 zum ersten Mal Ministerpräsident wurde. Mit seinem Amtsantritt verbinden viele Russen nach den mageren Zeiten während der Sowjetunion und Perestroika einen wirtschaftlichen Aufschwung im Land. Im August 2014 lag die Zahl der Arbeitslosen in Russland laut dem russischen Statistik-Dienst Rosstat bei 4,8 Prozent.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Noch ist Putin beliebt</h2>
<p style="text-align: justify;">Im gleichen Monat verzeichnete Deutschland eine Quote von 6,7 Prozent. Die soziale Komponente der annähernden Vollbeschäftigung wird von Russen oft betont. Einen Grund für die geringen Arbeitslosenzahlen sieht die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer in Arbeiten, die in Deutschland längst von Maschinen erledigt werden oder rationalisiert wurden. Dazu zählen zum Beispiel Aufseherarbeiten in der U-Bahn: In einem Kasten sitzt jemand und beobachtet die Rolltreppe. In Deutschland gibt es schlichtweg einen Notfallknopf. Es sind zahlreiche hausgemachte Probleme, die Russland neben westlichen Sanktionen und Ölpreisverfall zu bewältigen hat. Selbst Regierungschef Dmitri Medwedew betonte Ende Januar, eines der Grundübel liege in den seit Jahren schneller als die Produktivität gestiegenen Gehältern.</p>
<p style="text-align: justify;">Noch ist Putin so beliebt wie vor der Krise. Wie eine Befragung des unabhängigen Moskauer Lewada-Zentrums ergab, will jeder Zweite in Russland Putin auch nach 2018 weiter im Amt sehen. An der Wand neben dem Arbeitsplatz von Alexandra Kostina hängt ein Schwarz-Weiß-Porträt des russischen Präsidenten. Sie hat es am 18. Dezember 2014 aufgehängt. Der Rubel ist an diesem Tag um mehr als elf Prozent innerhalb von weniger als 24 Stunden gefallen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-leben-in-moskau-1" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-leben-in-moskau-1 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-leben-in-moskau-1 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-leben-in-moskau-1 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="16000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_Zahout-schuett_Blick_stadt-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Abseits der wirtschaftlichen Zentren Moskau und St. Petersburg haben junge Menschen kaum Chancen auf eine gut bezahlten Arbeitsplatz.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_Basilius-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Russland ist laut seiner Verfassung von 1993 ein säkulares Land. Trotzdem wurde 2000 die Wahl Wladimir Putins zum Präsidenten in einem Gottesdienst gefeiert. (Basilius-Kathedrale in Moskau)</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_businessviertel-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Moskau City, das internationale Geschäftzentrum am Ufer der Moskwa: Angeblich sollen etwa ein Drittel der Bürofläche leer stehen. (©Marie Zahout)</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_Alexandra-Putin-2-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Hintergrund von Alexandra Kostina hängt Putin an der Pinnwand - Satire, wie sie selber sagt. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_kaufen-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Spätestens seit dem Währungssturz setzen die Leute jeden verdienten Rubel sofort um. Hat eine Packung Milch im Dezember noch etwa 30 Rubel gekostet, müssen Kunden mittlerweile mehr als 40 Rubel für das gleiche Produkt bezahlen. (©Marie Zahout)</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_kreml-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Machtzentrale in Russland: der Kreml</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_Zahout_schuett_metro_leute-1150x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die durchschnittliche Lebenserwartung für einen russischen Mann liegt ohnehin bei nur 64 Jahren und ist damit mehr als zehn Jahre geringer als die deutscher Männer.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-leben-in-moskau-1-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_Zahout-schuett_Blick_stadt-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_Basilius-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_businessviertel-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_Alexandra-Putin-2-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_kaufen-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_zahout_schuett_kreml-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/04/Moskau_Zahout_schuett_metro_leute-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Während Anleger am Morgen noch 72 Rubel für einen Euro bekamen, waren es am Abend des gleichen Tages schon mehr als 80 Rubel. Der niedrige Ölpreis und westliche Sanktionen als Reaktion auf die Ukraine-Krise führen seit Monaten zu einem Absturz der Währung. „Das ist Satire“, erklärt Kostina das Präsidenten-Porträt neben sich. Putin würde es sicher dennoch freuen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">„Was für ein Barbie-Girl“</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Präsident liebt die Selbstinszenierung: Er zeigt sich halbt nackt beim Angeln und beim Reiten. Als Taucher, Jäger und beim Skifahren beweist er seine sportliche Abenteuerlust. Erst Wochen später hat Kostina ein Bild ihres Mannes daneben gehängt. Er ist ein großer Anhänger Putins.</p>
<p style="text-align: justify;">Alexandra Kostina ist 1,79 Meter groß und trägt Kleidergröße null. Die blondierten Haare reichen ihr fast bis zur Hüfte. Ihre Fingernägel sind manikürt und die Lippen mit rotem Lippenstift betont. „Was für ein Barbie-Girl“, witzelt ein Kollege über sie. Die 21-Jährige arbeitet als Marketing Managerin bei einer Consulting-Firma in Moskau.</p>
<p style="text-align: justify;">Nebenbei studiert sie „Banken, Finanzen und Investitionen“ im Master. Kostina spricht fünf Sprachen. Ihr Deutsch ist nahezu akzentfrei. Damit ist sie eine Ausnahme unter ihren Landsleuten. In den meisten russischen Schulen werden Fremdsprachen kaum gelehrt. Sascha, wie die Kollegen sie unter ihrem russischen Spitznamen nennen, mag Luxus.</p>
<h2 style="text-align: justify;">„Ich trinke keine Coca Cola“</h2>
<p style="text-align: justify;">Ihre Handtaschen sind von Edel-Marken wie Prada oder Louis Vuitton. Understatement ist ein Fremdwort in Russland. Täglich telefoniert Alexandra Kostina mit ihren Eltern, die in Moskau leben, oder schreibt mit ihnen über Whatsapp. Ihr Großvater kommentiert regelmäßig Fotos seiner Enkelin auf Facebook. Auf einem der Bilder auf ihrem Facebook-Profil posiert sie in einem Tank-Top mit dem Druck einer amerikanischen Flagge auf der Brust.</p>
<p style="text-align: justify;">„Ich trinke keine Coca Cola“, sagt hingegen Aleksey Surugov, ein Freund Kostinas. „Das kommt aus den USA.“ Sein Lieblingssänger ist der amerikanische Künstler Justin Timberlake. Russland ist ein Land voller Widersprüche. Der russische Dichter Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew hat einmal gesagt: „Verstehen kann man Russland nicht, und auch nicht messen mit Verstand. Es hat sein eigenes Gesicht. Nur glauben kann man an das Land.“</p>
<p style="text-align: justify;">Spätestens seit dem Währungssturz setzen die Leute jeden verdienten Rubel sofort um. Auch das Weihnachtsfest fiel für die meisten Russen noch üppiger aus als sonst. „Ich überlege mir eine Rolex zu kaufen. Meine Mutter hat mir geraten, alles Geld sofort auszugeben“, sagt Kostina. „Ich habe etwas Geld übrig und kaufe nun einen BMW“, erzählt eine Arbeitskollegin von ihr.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Der Preis für ein iPhone um 20 Prozent gestiegen</h2>
<p style="text-align: justify;">Nur zu gut erinnern sich ihre Kollegen noch an die Russlandkrise Ende der 1990er Jahre. „Bei der aktuellen Situation weiß ich nicht, wie lange das Geld auf der Bank noch etwas wert ist.“ Trotz ihrer Ersparnisse muss sie die Summe durch einen Kredit aufstocken. Tatsächlich sind die Preise vieler Güter rasant gestiegen. Nicht einmal vier Wochen nach dem russischen Weihnachtsfest am 7. Januar hat der Preis eines iPhones um 20 Prozent zugenommen, von 40.000 auf 50.000 Rubel.</p>
<p style="text-align: justify;">„Lebensmittel und Kleidung sind von einem Tag auf den anderen teurer geworden“, sagt Kostina. Hat eine Packung Milch im Dezember noch etwa 30 Rubel gekostet, müssen Kunden mittlerweile mehr als 40 Rubel für das gleiche Produkt bezahlen. „Ich kaufe weniger Fleisch und Fisch“, sagt Alexandra Kostina. „Wenn ein selbstgekochtes Abendessen für zwei Personen schon 800 Rubel kostet, könnten wir davon im Restaurant essen gehen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Die Regale der Supermärkte sind trotz des Lebensmittelembargos gegen den Westen gut gefüllt, auch wenn die Auswahl geringer geworden ist. „Ehrlich gesagt verstehe ich diese Lebensmittelsanktionen nicht“, so Kostina. „Selbst Sojamilch aus Österreich kann ich kaufen.“</p>
<h2 style="text-align: justify;">Hamsterkäufe heizen Preise zusätzlich an</h2>
<p style="text-align: justify;">Viele Waren kommen über Weißrussland oder Kasachstan in die russische Föderation. Babynahrung und laktosefreie Produkte dürfen sowieso importiert werden. Denn nicht alle Produkte können aus alternativen Quellen bezogen werden. Umso verwunderlicher, dass gerade ein russisches Grundnahrungsmittel knapp zu werden droht.</p>
<p style="text-align: justify;">Buchweizen wird in Russland traditionell als Brei zum Frühstück oder als Beilage zum Mittagessen serviert. In den Regalen der Geschäfte ist derzeit vielerorts kaum noch Gretschka zu finden, wie Buchweizen in Russland genannt wird. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde Rosstat ist der Preis für Buchweizen seit November um mehr als 48 Prozent gestiegen. Vermutlich halten Händler den Buchweizen aus Hoffnung auf weitere Preissteigerungen zurück. Hamsterkäufe der Verbraucher tragen ihr Übriges dazu bei.</p>
<p style="text-align: justify;">Kostinas Familie investiert derzeit vor allem in Antiquitäten. Ihr Vater hat Werkzeug wie Hacken, die aus dem Mittelalter stammen, gekauft. Später möchte er die Geräte gewinnbringend an Sammler verkaufen. Auch Kunstdrucke des russischen Malers Ivan Shishkin aus dem 18. Jahrhundert sammelt er. „Wir hätten unser Erspartes früher in Dollar tauschen sollen“, sagt Kostina.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Alkoholkonsum ist ein großes Problem</h2>
<p style="text-align: justify;">Aktien hingegen hält sie momentan für eine unsichere Geldanlage: „Die Wertpapiere von Yandex beispielsweise sind derzeit im Keller.“ Das russische Unternehmen ist vor allem bekannt durch seine gleichnamige Internet-Suchmaschine, die in Russland als Pendant zu Google gilt.</p>
<p style="text-align: justify;">Kostina lebt zusammen mit ihrem Mann zur Miete in einer Zweizimmerwohnung in Moskau. Im Herbst letzten Jahres haben die beiden geheiratet. Da kannten sie sich gerade einmal drei Monate. Die Lebensplanung der wenigsten Russen ist langfristig angelegt. So schließt kaum ein Russe eine Lebensversicherung ab.</p>
<p style="text-align: justify;">Die durchschnittliche Lebenserwartung für einen russischen Mann liegt ohnehin bei nur 64 Jahren und ist damit mehr als zehn Jahre geringer als die deutscher Männer. Hauptursache, wie aus einer Studie der russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften hervorgeht, ist dafür ein hoher Alkoholkonsum. Wodka ist bei Russen ungebrochen beliebt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Laut Kritikern will Putin das Volk mit billigem Alkohol ruhigstellen</h2>
<p style="text-align: justify;">Während es dem letzten Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow gelang, die Sterblichkeit infolge von Alkoholmissbrauch durch eine hohe Besteuerung hochprozentiger Getränke zu senken, entgingen dem Staat dadurch wichtige Einnahmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wladimir Putin sprach sich gegen eine Preiserhöhung bei Alkohol aus. Am 1. Februar wurde der offizielle Mindestpreis sogar herabgesetzt. Ein halber Liter Wodka ist nun bereits für 185 Rubel (ca. 2,50 Euro) zu haben. Putin begründet das damit, den Konsum illegal gebrannten Alkohols verhindern zu wollen. Kritiker sehen darin aber die Absicht, das Volk mit billigem Alkohol ruhigzustellen und jeden etwaigen Widerstand zu verhindern.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Firma bei der Alexandra Kostina angestellt ist, wurde von einem Deutschen gegründet. Heute sagen die Mitarbeiter: „Wir sind enttäuscht von den Deutschen. Sobald die Krise in Russland begann, hat sich der Großteil unserer Geschäftspartner aus Deutschland zurückgezogen.“</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Rückgang von Investitionen europäischer Firmen in Russland weitet das Consulting-Unternehmen seinen Markt auf Asien aus. Vor allem asiatische Praktikanten sollen den Einstieg durch ihr kulturelles Wissen über den Alltag und ihre Sprachkenntnisse erleichtern.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Berechtigte Kritik oder Angriff aufs Vaterland?</h2>
<p style="text-align: justify;">Kostina selbst ist ebenfalls auf Jobsuche. Wichtig ist ihr ein Gehalt in Dollar. Sie schreibt Bewerbungen für Stellen in den USA, Asien und Europa. Abseits der wirtschaftlichen Zentren Moskau und St. Petersburg haben junge Menschen kaum Chancen auf eine gut bezahlte Stelle.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Film „Leviathan“ des russischen Regisseurs Andrej Swjaginzews stellt dies eindringlich dar. Er zeichnet ein düsteres Bild vom Russland fernab der Großstadt: Es wird viel getrunken, geflucht und die Menschen sind der Behördenwillkür ausgesetzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Einen Golden Globe hat der Streifen schon gewonnen. Für den Oscar war er nominiert. In Russland selbst hat „Leviathan“ eine Diskussion ausgelöst. Während die einen ihn als realitätsgetreues Porträt loben, kritisieren die anderen ihn als Angriff aufs Vaterland.</p>
<p style="text-align: justify;">Für Alexandra Kostina zeigt der Film ein wahrheitsgetreues Bild, das nur keiner sehen möchte. Sie liebt ihr Heimatland. „Ich bekomme sehr schnell Heimweh, vermisse Moskau und meine Familie“, sagte sie noch vor einigen Monaten. Heute klingt das anders: „Es ist ein Albtraum.“</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/zwischen-heimatliebe-und-kriegsangst/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Plötzlich Terroristen</title>
		<link>https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Alegiani]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2015 06:36:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pakistan]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Benedict Karl]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Khyber Pass]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Marcus Karl]]></category>
		<category><![CDATA[Peshawar]]></category>
		<category><![CDATA[Stammesgebiete]]></category>
		<category><![CDATA[Terroristen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=3827</guid>

					<description><![CDATA[Ende April 2014 schafften es zwei Brüder aus Berlin unfreiwillig auf die Titelseite der "BILD"-Zeitung. Die Schlagzeile: "Zwei deutsche Extremisten in Pakistan gefasst!" Doch die vermeintlichen Terroristen waren nur Touristen. Einer der Brüder berichtet auf SIEH DIE WELT, wie es dazu kam.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Ende April 2014 schafften es zwei Brüder aus Berlin unfreiwillig auf die Titelseite der &#8222;BILD&#8220;-Zeitung. Die Schlagzeile: &#8222;Zwei deutsche Extremisten in Pakistan gefasst!&#8220; Doch die vermeintlichen Terroristen waren nur Touristen. Einer der Brüder berichtet auf WELTSEHER, wie es dazu kam.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es ist Frühling in Pakistan. Die Sonne schmilzt nach und nach die letzten Gebirgspässe im Nordwesten frei. Das Land atmet auf und die Menschen tun es auch. Mein kleiner Bruder, ein alter Freund und ich setzen unsere Reise nach sechs Wochen voller schöner Momente und gastfreundlicher Menschen fort.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir wollen weiter gen Westen &#8211; nach Afghanistan. Mit den nötigen Visa ausgestattet bleibt nur die Frage, wie wir dahin gelangen sollen. Der kurze Flug von der grenznahen Stadt Peshawar nach Kabul ist uns entschieden zu teuer. Und nicht nur das: Ein Flug erscheint uns dreien auch äußerst langweilig.</p>
<p style="text-align: justify;">Also reisen wir auf dem Landweg. Doch unseren Freund müssen wir zurücklassen. Ihm geht es nicht gut. Das Essen in den Straßenrestaurants hat ihn krank gemacht. Wahrscheinlich, weil man dort die fettigen Teller nur mit schmierigen Lappen trocken abwäscht. Notgedrungen muss er später mit dem Flugzeug nachkommen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Über den Chaiber-Pass nach Afghanistan</h2>
<p style="text-align: justify;">Mein Bruder Benedict und ich fahren nach Peshawar nahe der Grenze zu Afghanistan. Vor Ort versuchen wir uns schlau zu machen, wie es mit der Einreise per Bus über den berühmten Chaiber-Pass (engl. Khyber Pass) aussieht. Es ist die einzige offizielle Straßenverbindung zwischen Pakistan und Afghanistan. Überall hören wir uns um. Doch von jedem bekommen wir eine andere Antwort. Viele Einheimische haben Bedenken. Zu unsicher sei die Route über den Pass.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Weg über den Chaiber Pass ist berühmt-berüchtigt für Überfälle und Entführungen. Offizielle Stellen raten von einer Grenzüberquerung in dieser Region ab, weil ein Großteil der Strecke durch die gefürchteten &#8222;Tribal Areas&#8220; führt &#8211; die Stammesgebiete im Grenzgebiet der beiden Länder, die ihren ganz eigenen Gesetzen unterliegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2" style="max-width:1200px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1200:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="160000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_kreuzung_polizei-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Aabpara-Market in Islamabad. Die Stadt wurde in den 1960er am Reißbrett entworfen und ist vergleichsweise modern und progressiv. Gute Infrastruktur, hohes Bildungslevel und Frauen können sich hier auch mal ohne Kopftuch bewegen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_esel_karren-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Altstadt von Peshawar. Pferde und Esel sind abseits der großen Straßen noch immer häufig vertreten, da sie sich auch bei Stau und schlechten Straßenzuständen gut bewegen und zudem eine Menge transportieren können.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_bus_strasse-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der öffentliche Verkehr läuft im Norden meist mit den kleinen Suzuki-Bussen, da nur diese mit völliger Überladung die horrenden Steigungen meistern können. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/Pakistan_kuhn_aufm-1200x647.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Um nicht zu sehr in Pakistan und besonders in der Grenzregion aufzufallen, haben sich die beiden Brüder und ihr Freund Bärte wachsen lassen. Zudem tauschten sie ihre Jeans gegen einen gemütlichen Shalwar-Kamiz.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-terrorist-widerwill-pakistan-2-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1200px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_kreuzung_polizei-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_esel_karren-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_bus_strasse-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/Pakistan_kuhn_aufm-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Das Gebiet ist außerdem als Rückzugsort für die Taliban bekannt. Das gilt allerdings eher für den südlichen Teil der Stammesgebiete. Als wir schließlich in der Region Chaiber ankommen, wimmelt es nur so von Polizisten und Soldaten. Das erzeugt bei uns ein Gefühl relativer Sicherheit.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ohne Sondergenehmigung läuft nichts</h2>
<p style="text-align: justify;">Zudem haben wir uns in den Wochen zuvor ordentliche Bärte wachsen lassen. Statt Hemd und Jeans tragen wir nun konsequent die in der Region üblichen Shalwar Kamiz, einen Zweiteiler aus einer Pumphose und einer Art Nachthemd. Damit sind wir als Europäer in dieser Gegend zwar nicht unsichtbar aber zumindest deutlich weniger auffällig. Oft verwechseln uns die Menschen mit Paschtunen. Die traditionelle Kopfbedeckung macht unsere Verkleidung komplett.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einigen Tagen in der geschichtsträchtigen Hauptstadt der Paschtunen versuchen wir unser Glück. Um zur afghanischen Grenze zu gelangen, müssen wir zunächst zum Karkhano Market, dem letzten westlichen Ausläufer von Peshawar. Mitten auf dem Markt verläuft die unsichtbare Grenze zu den Stammesgebieten. Von hier aus soll es möglich sein, einen Bus zu ergattern – oder notfalls auch für 20 US-Dollar ein Taxi zu der 50 Kilometer entfernten Landesgrenze zu nehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nahe dem berüchtigten Schmugglerbasar an der Busstation sagt uns jemand, dass hier ohne eine Sondergenehmigung nichts laufen wird. Und dann auch das noch: Das zuständige Büro in der Stadt ist für die nächsten drei Tage geschlossen. Drei Tage! Das ist nichts, was ein Reisender gern hört, schon gar nicht, wenn er unbedingt weiter fahren möchte. Einige ominöse und verwegen aussehende Taxifahrer bieten uns an, uns auf Schleichwegen zur Grenze zu bringen – doch ihnen steht eine gewissenlose Durchtriebenheit ins Gesicht geschrieben. Wir lehnen dankend ab. Resigniert spazieren wir über den Markt und gönnen uns eine Limonade, um die ganze Sache in Ruhe zu überdenken. Das Resultat ist einfach, wir geben unsere Pläne mit der Afghanistanreise auf.</p>
<div id="aesop-parallax-component-3827-1"  class="aesop-component aesop-parallax-component ">
			<script>
				jQuery(document).ready(function($){

				    					var img 	  = $('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-1 .aesop-parallax-sc-img')
					, 	
					setHeight = function() {

					        							if ($('#aesop-parallax-component-3827-1').height() > img.height()) {
								$('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-1').css('height',img.height());
								$('#aesop-parallax-component-3827-1').css('height',img.height());
							}

						}

					$(window).on('load',function(){
					    setHeight();
					});
					

					$(window).resize(function(){
						setHeight();
					});
									
							    var img 	  = $('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-1 .aesop-parallax-sc-img');
								img.parallax({speed: 0.1});

							
								var obj = $('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-1 .aesop-parallax-sc-floater');
					
								function scrollParallax3827_1(){
									var height 			= obj.height(),
										offset 			= obj.offset().top,
										scrollTop 		= $(window).scrollTop(),
										windowHeight 	= $(window).height(),
										floater 		= Math.round( (offset - scrollTop) * 0.1),
										floaterposition = 'left';
										direction = 'up';
										
									// only run parallax if in view
									var rect = $(obj)[0].getBoundingClientRect();

									if (rect.bottom<=0 || (rect.top+100) > $(window).height()) 
									{
										return;
									}		

                                    //scroll ratio									
									var ratio = 1.0-(rect.bottom/($(window).height()+(rect.bottom-rect.top-100)));
																		   var dist = (obj.parent().height())*0.33;
																		
									
									if (direction =='right') {									
										obj.css({'transform':'translate3d('+ratio*dist+'px, 0px, 0px)'});
									} else if (direction =='left') {
										obj.css({'transform':'translate3d(-'+ratio*dist+'px, 0px, 0px)'});
									} else if (direction =='up') {
										obj.css({'transform':'translate3d(0px, -'+ ratio*dist+'px, 0px)'});
									} else if (direction =='down') {
										obj.css({'transform':'translate3d(0px, '+ ratio*dist+'px, 0px)'});
									}
								} // end if on floater
								scrollParallax3827_1();
								$(window).scroll(function() { scrollParallax3827_1(); });
							
											}); // end jquery doc ready
			</script>

						  <figure class="aesop-parallax-sc aesop-parallax-sc-3827-1" style="height:500;">
			
				
									<div class="aesop-parallax-sc-floater floater-left" data-speed="10">
											</div>
				
									<a class="aesop-lb-link aesop-lightbox" rel="lightbox" title="" href="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_dorf_altermann_trenner.jpg"><i class="aesopicon aesopicon-search-plus"></i></a>
								    <img class="aesop-parallax-sc-img is-parallax" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_dorf_altermann_trenner.jpg" alt="pakistan_kuhn_dorf_altermann_trenner.jpg" >
				
				
			</figure>

			
		</div>

		
<h2 style="text-align: justify;">Per Zufall illegal ins Stammesgebiet</h2>
<p style="text-align: justify;">Vor dem Heimweg wollen wir uns noch schnell etwas zum Essen kaufen und in Ruhe über den Markt flanieren. Unbedacht schlendern wir durch die Marktgassen und vergessen, dass irgendwo auf diesem Markt die unsichtbare Grenze zu den Stammesgebieten verläuft. Kein Schild weist einen darauf hin. Aber irgendwo, für uns zu dem Zeitpunkt leider unbekannt, gibt es einen Grenzposten.</p>
<p style="text-align: justify;">So kommt es, dass wir keine zehn Meter vor einer Kebab-Bude von einem Polizisten angesprochen und zu seinem Vorgesetzten geführt werden. Die Grenzstation befindet sich am hinteren Ende des Marktes. Der Vorgesetzte, ein dicklicher Mann mit Brille und Schnauzer, erhebt sich sofort mit einem Lächeln von seinem Stuhl und bietet ihn meinem Bruder an. Ein weiterer Herr mit Schnauzbart macht eine weitere Sitzmöglichkeit für mich frei.</p>
<p style="text-align: justify;">Es folgt ein kurzes Gespräch. Wie sich dabei herausstellt, waren wir ohne es zu wissen hinter den Straßengrenzposten geschlendert. Soweit ist das offenbar aber erst einmal kein Problem. Die Beamten sind freundlich und entspannt. Jedenfalls so lange, bis ein junger und übermotivierter Kamerad ins Zimmer kommt und wild mit seinem Finger vor unserer Nase herumfuchtelt. Er macht uns noch einmal lautstark deutlich, dass wir hier bereits in den Stammesgebieten seien und das ja eigentlich nicht erlaubt sei.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Weiter Richtung Grenze, oder doch nicht?</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir erklären erneut unser Anliegen, nach Afghanistan reisen zu wollen. Die Polizisten geben uns Limonade. Nach gemeinsamen Herumalbern, versprechen sie uns, per Telefon eine Genehmigung zu erwirken.</p>
<p style="text-align: justify;">Voller Freude hüpfen mein Bruder und ich auf einen Pickup, der uns durch das berühmte Chaiber-Tor fahren und in eine größere Grenzstation in Jamrud bringen soll. Wir düsen in Zielrichtung ab und lassen Pakistan zurück. In diesem Moment, so denken wir, sieht alles wieder gut aus. Wir haben mal wieder mehr Glück als Verstand. Zu dem Zeitpunkt ahnen wir nicht, wohin unsere Reise noch führen wird.</p>
<p style="text-align: justify;">In Jamrud ist man uns ebenfalls sehr freundlich gesonnen. Wir werden direkt zum Chef der Polizeistation geführt, der davon von seinem Nickerchen auf einer Liege geweckt wird. Wir setzen uns, sprechen belangloses Zeug und im Minutentakt kommen neue, scheinbar noch wichtigere Persönlichkeiten.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Ausweise und frittierte Hühnchen</h2>
<p style="text-align: justify;">Jedes Mal läuft es auf dieselbe Art ab. Begrüßen und Smalltalk: &#8222;Wie geht&#8217;s? Bist du verheiratet? Wie findest du Pakistan? Bist du Moslem? Deutsche sind unsere Brüder!&#8220; Alles scheint einem festgelegten Prozedere zu folgen. Als dann der Raum zum Bersten voll ist und wir unsere Geschichte bereits vier Mal aufs Neue erzählt haben, macht jemand eine bedeutsame und ernste Ansage. Fast alle verlassen nun den Raum.</p>
<p style="text-align: justify;">Also alles wieder auf Anfang. Nach und nach tröpfeln neue Gestalten herein und das große Begrüßen und Erzählen beginnt aufs Neue. Wir bekommen langsam Kohldampf und reiben uns auffällig unauffällig die Bäuche. Diese subtile Botschaft wird verstanden. Jemand schickt einen Jungen los, um frittiertes Hühnchen zu besorgen. Als das Essen eintrifft, rollen sie auf dem Boden ein Tischtuch aus und wir langen kräftig zu. Plötzlich springen alle auf und drücken den Rücken durch.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein junger dicker Mann in weißer, traditioneller Kleidung betritt den Raum, grüßt alle gelangweilt und blättert mit ernster Miene in unseren Pässen. Das hatten 15 andere Männer vor ihm auch schon getan. Doch diesmal ist es anders. Während sich der Dicke mit unseren Ausweisen beschäftigt, schauen die anderen Anwesenden ausdruckslos an die Zimmerwände. Keiner macht einen Mucks. Nur der Zweitwichtigste im Raum murmelt mit unterwürfigem Ton Erklärungen zu unseren Pässen und assistiert beim Blättern.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Zurück nach Peshawar</h2>
<p style="text-align: justify;">Die zuvor fröhliche und ausgelassene Stimmung ist mit dem Neuankömmling stark abgekühlt. Eine weitere Person in Zivil kommt hinzu und blättert in unseren Ausweisen und greift zum Telefon. Mit mitleidiger Stimme teilt er uns schießlich mit, dass der Landweg für uns leider nicht möglich sei. Er habe alles versucht, aber der Weg sei nicht ungefährlich, selbst mit einer Militäreskorte, die man uns selbstverständlich stellen wollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Schade! Es war ein netter Versuch und zudem ein spannendes Intermezzo mit der Tribal-Police. Zum Abschied versammelt sich die gesamte Belegschaft auf dem Innenhof der Polizeistation. Wir verabschieden uns mit Handschlag und Umarmung und bekommen ein paar Polizisten, mit Kalaschnikows bewaffnet, als Geleitschutz für die Rückreise nach Peshawar mit. Wir gucken dann aber nicht schlecht, als der Pickup nicht direkt zurück in die Stadt fährt, sondern unterwegs zu einer anderen Polizeistation abbiegt. Wir sind höchst verwirrt.</p>
<p style="text-align: justify;">Die neuen Polizisten sind deutlich beschäftigter, das Büro ist voller Menschen und wir werden nicht gefragt, was denn bei uns eigentlich Sache sei. Die Beamten beginnen gleich mit dem massenhaften Kopieren unserer Pässe. Scheinbar braucht jeder der Anwesenden mit Sternen auf der Schulter sein ganz persönliches Exemplar. Zudem studiert jeder Einzelne mit höchster Konzentration unsere Papiere.</p>
<div id="aesop-parallax-component-3827-2"  class="aesop-component aesop-parallax-component ">
			<script>
				jQuery(document).ready(function($){

				    					var img 	  = $('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-2 .aesop-parallax-sc-img')
					, 	
					setHeight = function() {

					        							if ($('#aesop-parallax-component-3827-2').height() > img.height()) {
								$('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-2').css('height',img.height());
								$('#aesop-parallax-component-3827-2').css('height',img.height());
							}

						}

					$(window).on('load',function(){
					    setHeight();
					});
					

					$(window).resize(function(){
						setHeight();
					});
									
							    var img 	  = $('.aesop-parallax-sc.aesop-parallax-sc-3827-2 .aesop-parallax-sc-img');
								img.parallax({speed: 0.1});

											}); // end jquery doc ready
			</script>

						  <figure class="aesop-parallax-sc aesop-parallax-sc-3827-2" style="height:500;">
			
				
				
									<a class="aesop-lb-link aesop-lightbox" rel="lightbox" title="" href="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_maenner_gruppe.jpg"><i class="aesopicon aesopicon-search-plus"></i></a>
								    <img class="aesop-parallax-sc-img is-parallax" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2015/02/pakistan_kuhn_maenner_gruppe.jpg" alt="pakistan_kuhn_maenner_gruppe.jpg" >
				
				
			</figure>

			
		</div>

		
<h2 style="text-align: justify;">Die Alpen sind auch schön</h2>
<p style="text-align: justify;">Besonders mein Pass gibt den Männern in Uniform große Rätsel auf. Bis auf eine Seite ist dieser voll mit Visa und Stempel aller Herren Länder. Meine Erläuterungsversuche, was es mit den vielen Reisen auf sich hat, treffen aber nur auf Unverständnis. Stattdessen werden wir wieder mit Limonade versorgt. Polizisten und Zivilisten geben uns ihre privaten Nummern und wollen sich mit uns verabreden oder bieten an, dass man sie im Ernstfall kontaktieren solle.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein kollektiver Ratschlag der Anwesenden lautet: Wir sollen besser wegfliegen. Und zwar nicht nach Kabul, sondern eher zurück nach Deutschland. Die Alpen seien doch auch ganz wunderbar. Zumindest glaubt einer der Anwesenden, das einmal im Fernsehen gesehen zu haben. Es formiert sich eine Art gut gemeinte Abschiebe-Front gegen uns. Von verschiedenen Seiten quasseln die Leuten auf uns ein, unser Reiseziel spontan um einige Tausend Kilometer nach Westen zu verlegen.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich betreten zwei Männer mit einer Kamera den Raum. An uns haben sie offenbar kein Interesse – sie sprechen nur mit dem Chef. Ohne uns weiter etwas dazu zu denken, plaudern wir weiter mit den beiden Soldaten. Doch kurze Zeit später bekomme ich eine SMS von einem pakistanischen Freund. Er habe uns gerade in den Nachrichten im Fernsehen gesehen. Die Meldung lautet: &#8222;Two German nationals were arrested, illegally passing to Afghanistan through the tribal area Khyber Agency.&#8220;</p>
<h2 style="text-align: justify;">Für unsere persönliche Sicherheit</h2>
<p style="text-align: justify;">Der Abend ist längst angebrochen, als wir endlich gehen dürfen. Die Polizisten sagen uns, dass wir in ein Hotel in Peshawar gefahren werden. Die Beamten rufen ihre Kollegen vor Ort an und kündigen uns an. Inzwischen sind seit unserem Aufgreifen auf dem Markt gute fünf Stunden vergangen. Ausruhen wäre schön. Stattdessen sollen wir nun noch in der Polizeistation neben dem Hotel vorsprechen. Es gehe um unsere persönliche Sicherheit, heißt es.</p>
<p style="text-align: justify;">Langsam zehrt das Ganze an unseren Nerven. Wir sind müde und haben alles gesagt, was gesagt werden muss. Wieder springen wir auf den Pickup. In der Polizeistation in der Altstadt beginnt das Spiel nun zum dritten Mal von vorne. Die Schranke zum Innenhof des Geländes geht hoch, die Tore öffnen sich, Maschinengewehrschützen salutieren. Hinter den Mauern im Hof steht das ausgebrannte Auto vom letzten großen Anschlag auf die Station. Hier sind die Sicherheitskräfte deutlich nervöser. Ich muss daran denken, wie ein einheimischer Freund mir erklärte, dass die Polizei sich in der Stadt hauptsächlich selbst schützen müsse.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Wir sind Brüder und Gäste</h2>
<p style="text-align: justify;">Wieder werden die Daten der Pässe abgeschrieben und massenhaft Kopien angefertigt. Wieder sind die Diensthabenden durcheinander. Wieder erscheinen Leute mit Kameras, setzen sich auf die andere Seite des Raumes und versuchen uns unauffällig zu filmen. Das rote Licht an der Kamera leuchtet auf, also stützen wir den Kopf auf die Hände und kratzten uns im Gesicht. Mein Bruder steht irgendwann auf, möchte die Aufnahmen sehen und schaut dem Typen über die Schulter. Mein Gesicht ist in der Großaufnahme, also fordert er streng: &#8222;Stop filming!&#8220; – worauf jener nur &#8222;No problem!&#8220; erwidert – und weiterdreht.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir beschweren uns bei den Polizisten, finden aber kein Gehör. Erst als einer der Reporter etwas zum Chef sagt, schnauzt dieser den Journalisten an und das Presseteam muss das Büro verlassen. Wie sich dann herausstellt, dachten die Journalisten, wir wären Terroristen. Alle im Raum beteuern nun, dass wir ihre Brüder und Gäste seien.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Standpauken</h2>
<p style="text-align: justify;">Zur Erfrischung gibt es wieder eine Runde Limonade. Bevor wir die Wache verlassen dürfen, werden die Angestellten unseres Wunschhotels einbestellt. Sie sollen uns gefälligst abholen, meinen die Polizisten. Wir freuen uns, dass der Spuk endlich ein Ende hat. Der Polizeichef faltet die Hotelleute allerdings ordentlich zusammen, weil ihr Hotel nicht im Ansatz den Sicherheitsbestimmungen entspreche, um Ausländer aufzunehmen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einen Moment lang sieht es wieder so aus, als dürften wir endlich gehen. Wir schütteln wieder Hände, werden umarmt und satteln gerade unsere Rucksäcke, als ein freundlich aussehender Herr in blütenweißem Shalwar Kamiz den Raum betritt. Wir satteln wieder ab, unterhalten uns ein wenig auf Englisch und bekommen schließlich einen langen Vortrag darüber, dass wir weder hier noch in Kabul etwas zu suchen hätten. Alles sei viel zu gefährlich für Ausländer. Ich verkneife mir die Frage, ob seiner Meinung nach die Alpen eine Alternative wären und nicke.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Standpauke über unsere Reisegewohnheiten scheint kein Ende zu nehmen und wie zwei Schuljungen senken wir demütig die Köpfe. Als wir ausreichend väterlich ausgeschimpft sind, nimmt er schließlich Zettel und Stift und schreibt ebenfalls die Daten aus unseren Reisepässen ab. Neu ist nur, dass wir auch unseren &#8222;Tribe&#8220; (Stamm) angeben sollen. Wir stutzen etwas und entscheiden uns dafür, einmal Franke und einmal Friese anzugeben – &#8222;Friesistan&#8220;, wie mein Bruder stolz verkündet.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Das Verhör beginnt</h2>
<p style="text-align: justify;">Erst jetzt, nach guten sieben Stunden, beginnt das eigentliche Verhör. Das erste Mal werden wir ernsthaft befragt. Wo wir denn die Zeit über in Pakistan gewesen seien, das Einreisedatum und die Uhrzeit, welche Städte haben wir besucht, in welchen Hotels haben wir gewohnt? Was haben wir gemacht, mit wem haben wir gesprochen? Und überhaupt, was wollen wir eigentlich in Pakistan?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Antworten sind nicht einfach. Wir sind viel herumgereist, getrampt, hatten draußen oder bei spontanen Bekanntschaften geschlafen und an die paar Hotels, in denen wir waren, können wir uns namentlich kaum erinnern. Dass wir dazu auch keine Quittung für die Preise von ein bis zwei Euro pro Nacht aufgehoben haben, macht uns in seinen Augen höchst verdächtig.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass wir die Bevölkerung in Pakistan als nett, gastfreundlich und zuvorkommend beschreiben und uns hier pudelwohl fühlen, ergibt in seinen Augen keinen Sinn. Irgendetwas muss bei den Jungs im Busch sein! Er untersucht unsere Telefone, notiert Nummern und liest unsere privaten SMS. Mir wird flau im Magen, wir wollen unsere Freunde nicht mit in die Sache hineinziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Als dann ein Haufen an den Händen zusammengeschnürter Verbrecher in das Büro gedrängt wird und der Polizeichef lautstark auf sie ein brüllt, werden wir in einen speziellen Untersuchungsraum geführt. Hier stehen zwei Tische, ein paar alte Stühle. Eine Glühbirne hängt von der Decke. Es ist wie im Film – Der Putz blättert von den Wänden und es gibt kein Fenster. Langsam dämmert uns, dass der Typ kein Polizist, sondern vom Geheimdienst sein muss, da seine Erscheinung an sich schon imposant und beeindruckend ist aber vor allem, weil seine Fragen um einiges schärfer klingen als alles andere, was wir bisher beantworten mussten.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Guter Bulle, böser Bulle</h2>
<p style="text-align: justify;">Das Verhör zieht sich. Zwei weitere Männer, die sich direkt als Agenten vom pakistanischen Geheimdienst ISI vorstellen, stoßen dazu. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Uns wird deutlich gemacht, dass es ganz wichtig sei, dass wir uns an alles erinnern und ausschließlich die Wahrheit sagen. Wir nicken beklommen. Diese Jungs meinen es ernst und greifen bei ihrem Verhör auch gleich ganz tief in den Methodenkoffer. Wir werden etwas gefragt, antworten und werden unterbrochen, bekommen eine neue Frage, werden wieder unterbrochen und eine der vorherigen Frage wird wiederholt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann spielen sie noch guter Bulle, böser Bulle und lassen währenddessen unser Gepäck von drei Handlangern inspizieren. Wir müssen die Bilder auf unserer Kamera und dem Laptop zeigen und Personen identifizieren. Und erklären, wie und unter welchen Umständen wir Leute kennengelernt haben und was wir überhaupt in Pakistan machen. Dies sei schließlich kein Ort für Touristen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Alles nur zu unserer Sicherheit</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir nennen die schöne Natur und die freundlichen Menschen als Grund, doch das wollen sie nicht gelten lassen. Bitte nur die Wahrheit, ermahnt uns einer der Agenten. Was haben wir in Peshawar getrieben? Waren wir auf dem Basar? Was haben wir gekauft, von wem und wie viel haben wir bezahlt? Und warum? Wieder viel Misstrauen, da die Stände alle gleich aussehen und wir keine Verkäufer namentlich nennen können, nur den ungefähren Ort ihrer Läden. Auch die wenig exakten Aufenthaltsdauern in den jeweiligen Gebieten und Städten treiben Furchen in die Stirn meines Gegenübers.</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann wird mir das ganze Spielchen zu bunt. Ich erhebe mich ruckartig vom Stuhl, sodass dieser nach hinten wegkippt und frage lautstark mit einer Mischung aus Ernst, Wut und Verdrossenheit, was man denn eigentlich wirklich von uns wolle? Die Nummer mit unserer &#8222;persönlichen Sicherheit&#8220; sei unter diesen Umständen doch wirklich absurd. Ich frage direkt: &#8222;Halten Sie uns für Spione oder Terroristen?&#8220; Nur schwer kann ich die Lautstärke meiner Stimme drosseln, diese perfide Art des Verhörs macht mich sauer. Die Antwort lautet wieder: &#8222;Nein, niemals!&#8220;, alles sei nur zu unserer Sicherheit.</p>
<p style="text-align: justify;">Und die Fragen gehen weiter. Nach etwa einer weiteren Stunde, in der wir kaum antworten können, entdeckt einer der drei Männer etwas auf meinem Laptop. Nach einem kurzen Gespräch von dem ich nichts verstehen kann, wechselt die Stimmung plötzlich ins Gelassene, ja fast schon Freundschaftliche. Zu unserem Erstaunen dürfen wir endlich gehen. Die Agenten helfen sogar noch das Gepäck wieder zu verstauen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">An Schlaf ist nicht zu denken</h2>
<p style="text-align: justify;">Wir sind höchst verwirrt, was diese plötzliche Entlassung verursacht hat. Schnell gehen wir Richtung Ausgang und sind kaum überrascht, als kurz vor dem Verlassen der Station noch ein weiterer Typ auftaucht. Er bittet uns in das bisher größte Büro des heutigen Tages. Es beginnt das übliche Prozedere: Passkopieren und Fragen. Es ist inzwischen halb eins am Morgen. Unsere Antworten fallen nur noch einsilbig aus. Zum Ende fragt uns der Oberbeamte in welches Hotel wir möchten. Wir geben das Hotel drei Häuser weiter an, dessen Angestellte noch immer im Nebenraum sitzen und auf uns warten. Ein Polizist führt sie herein und der Chef gibt Anweisungen. Plötzlich sei das Hotel leider ausgebucht. Sonst seien wir aber immer willkommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Glücklicherweise weiß er von einem guten Luxushotel um die Ecke. Drei bewaffnete Polizisten begleiten uns zum Pickup und wir fahren zum Hotel. Einchecken, endlich! Die Polizisten weisen den Hotelangestellten an, für den nächsten Tag ein Taxi zum Busbahnhof zu organisieren. Wir sollen nach Islamabad abreisen.</p>
<p style="text-align: justify;">Danach dürfen wir auf unser Zimmer gehen. Es liegt im obersten Stockwerk, die drei Polizisten, die uns zum Hotel begleitet haben, beziehen ihre Position auf unserer Etage. Mein Bruder und ich sind völlig im Eimer und fallen erschöpft auf die Betten. Doch Schlaf ist uns noch nicht vergönnt. Das Telefon klingelt und wir müssen noch einmal runter zur Rezeption, weil jemand nach uns verlangt.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Neue Agenten, neue Fragen</h2>
<p style="text-align: justify;">Zwei neue Agenten warten in der Lobby. Sie verzichten auf eine Begrüßung und verlangen direkt unsere Reisepässe, dann beginnen sie mit ihren Fragen. Nach einem kurzen Gespräch dürfen wir wieder auf unser Zimmer.</p>
<p style="text-align: justify;">Aber wir trauen dem Braten noch nicht. Es ist nun fast zwei Uhr, wir sind völlig übermüdet, können aber nicht mehr schlafen und werden etwas paranoid. Wird unser Zimmer abgehört? Was wollen die eigentlich wirklich, also so WIRKLICH wirklich von uns und warum wurde das Verhör mit dem ISI so plötzlich abgebrochen, wo doch viele Fragen unsererseits noch gar nicht beantwortet waren.</p>
<p style="text-align: justify;">Jedenfalls dämmert es uns, dass wir nicht zufällig im sechsten Stock untergebracht wurden und die drei Polizisten vor unserem Zimmer nicht zu unserem Schutz sondern als Wachen da sind. Wir stehen quasi unter einer Art Luxus-Arrest. Zur Vorsicht notieren wir die Notfallnummer der deutschen Botschaft auf unseren Innenschenkeln und versuchen vergeblich, die Zahlenkette auswendig zu lernen. Wir flüstern nur noch, versuchen dabei möglichst zu nuscheln und Plattdeutsch zu sprechen. Ein wildes Schreckensszenario jagt in unseren Köpfen das nächste. Wer wird uns morgen wecken? Dürfen wir wirklich abreisen? Können wir noch jemanden kontaktieren und über unseren Verbleib informieren? Gegen halb vier fallen wir endlich in einen unruhigen Schlaf.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Paranoide Vorstellungen und ein Knall</h2>
<p style="text-align: justify;">Der nächste Morgen bringt keine bösen Überraschungen mehr. Das Hotel und die Wachen verabschieden uns mit einem wissenden mürrischen Nicken. Dieses eher provokante Nicken, wobei Kopf und Kinn ruckartig nach oben und vorne geschoben werden. Man steckt uns in ein Taxi, zwei Bewaffnete folgen uns auf einem Motorrad. Und tatsächlich, wir atmen auf, als der Wagen die Straße zum Busbahnhof einbiegt. Der Taxifahrer lässt sich auf ausgewickeltem Schokoladenpapier von uns quittieren, dass wir mit seiner Hilfe ein Ticket für einen Nobel-Bus nach Islamabad gekauft haben und verschwindet.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir sind fast raus aus der Sache, aber wir sind immer noch völlig paranoid. Folgt uns jemand? Wieso gucken die beiden Typen dauernd rüber und ist das die Silhouette einer Pistole unter seinem Hemd? Es ist verzwickt, denn hier wird man als Ausländer dauern angestarrt, aber plötzlich ist in unseren Augen jeder ein potenzieller Spion. Wir fühlen uns wie damals mit dreizehn Jahren, als wir heimlich geraucht hatten. Jeder Blick eines Erwachsenen war durchbohrend. Es scheint als wüsste jeder haargenau, was man verbrochen hat. Wir haben die Nase gestrichen voll und wollen endlich weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einer quälenden halben Stunde des Wartens startet endlich der Motor des Busses. Beim Hinausfahren aus der Stadt rumst es plötzlich in der Nähe so gewaltig, dass der Busfahrer abrupt abbremst. Alle im Bus pressen ihre Nasen gegen die Scheiben und spähen nach draußen. Eine Bombe? Ein Anschlag? Uns sausen in Sekundenschnelle Verschwörungstheorien durch den Kopf. Ob die Explosion vom ISI veranlasst wurde, um sie uns anzuhängen? Zeitlich würde es doch perfekt passen. Kalter Schweiß bedeckt meine Brust und ich bleibe auf meinem Sitz, die Hände in die Lehnen gekrallt starre ich geradeaus. Aber nein, alle Vermutungen liegen völlig daneben. Es war nur ein geplatzter Autoreifen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">In der Heimat auf Seite eins</h2>
<p style="text-align: justify;">Im Bus gibt es eine englischsprachige Zeitung. Auf Seite zwei entdecken wir eine Meldung über unser Ergreifen. In Islamabad angekommen gehen wir direkt in ein Internetcafe. Unsere E-Mail-Postfächer sind voll. Manch einer gratuliert humorvoll zu einer Erwähnung auf der Titelseite der &#8222;BILD&#8220;-Zeitung, andere fragen besorgt nach unserem Wohlergehen. Jedenfalls scheint jeder zu wissen, dass es sich bei den Berliner Brüdern um uns handelt. Wir fühlen uns irgendwie prominent, sind aber auch ängstlich, dass jemand die Boulevardpresse mit Namen und Bildern versorgen könnte. Aber irgendwie ist Deutschland gerade auch ganz weit weg.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier haben wir dringendere Probleme. Wir beschließen die Beine in die Hand zu nehmen und begeben uns auf eine Reise nach Norden in die Berge. Die Straße ist teils gesperrt und so brauchen wir ganze vier Tage für knapp 300 Kilometer, um uns wieder mit unserem Reisepartner zu vereinen. Unterwegs versuchen wir den Kontakt zur Polizei zu vermeiden, aber das ist auf dem berühmten Karakoum-Highway kaum möglich, da sich hier einige Zeit zuvor Schiiten und Sunniten in die Haare bekommen haben und alles voller Checkpoints ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Beim Frühstück in Abottabad verlangt ein Mann in Zivil unsere Pässe. Uns rutscht das Herz in die Hose. Nicht noch einmal! Der Mann verschwindet für einige Minuten. Kommentarlos kehrt er an unseren Tisch zurück und händigt uns die Papiere wieder aus. Wir schlussfolgern, dass wir nun bespitzelt werden, dass wir uns zwar frei bewegen dürfen, aber die ganze Zeit im Auge behalten werden. Und tatsächlich, in Gilgit treffen wir unseren Freund und telefonieren mit seinem Telefon unsere pakistanischen Bekannten ab. Viele von Ihnen wurden vom Geheimdienst kontaktiert, man hatte sie auf Dinge angesprochen, die nur dem SMS-Verkehr entnommen sein konnten. Ich bemerke auch, dass meine deutsche SIM-Card, man hatte sie mir im Verhörzimmer zur Überprüfung abgenommen und später wiedergegeben, völlig leer ist. Alle Kontakte sind gelöscht.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Im Blick der Geheimdienste</h2>
<p style="text-align: justify;">In den folgenden Wochen treffen wir immer wieder auf ominösen Gestalten, die uns nachstellen. Solange wir uns in den Bergen durch die Natur wandern, fällt uns niemand auf. Doch sobald wir in belebtere Gegenden kommen, hängt sich wieder ein verdächtiger Typ an unsere Hacken und das mehr schlecht als recht, in der Regel unbeabsichtigt auffällig.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Angst vom ISI wieder aufgegriffen zu werden, verfliegt mit der Zeit. Wir amüsieren uns über die Typen und ihr dilettantisches Nachspionieren. Mein Favorit ist ein kleiner schmieriger Typ, der sich oben in Hunza in einem leeren Hostel im Speiseraum unaufgefordert neben uns setzt und sich mit einem schleimigem Lächeln als Einheimischer vorstellt. Er sieht nur leider kein bisschen wie ein Einheimischer aus. Keine Wettergegerbte Haut, kein heller Teint.</p>
<p style="text-align: justify;">Derweil geht der Medienrummel in der Heimat offenbar weiter. Ein Journalist von Spiegel Online meldet sich und will ein Interview über Skype führen. Ich nutze die Gelegenheit und erkläre, dass wir keine Terroristen, Islamisten oder Fundamentalisten sind. Eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur hatte das Gegenteil behauptet und von unserer Verhaftung im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet berichtet. So landeten wir auch auf der Titelseite der &#8222;BILD&#8220;.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich erkläre, dass wir zu keinem Zeitpunkt verhaftet worden sind, sondern vor allem viel Limonade bekommen haben. Ich und mein Bruder sind nur Touristen. Daraufhin klingt der Journalist fast wie die ISI-Agenten: &#8222;Aber warum ausgerechnet ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet? Die Region gilt als extrem gefährlich.&#8220; Ich antworte, dass wir hier die gastfreundlichsten Menschen getroffen haben. Wir machen uns gerne selbst ein Bild von der Welt.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/ploetzlich-terroristen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>3</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Intifada der Bilder</title>
		<link>https://www.weltseher.de/die-intifada-der-bilder/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/die-intifada-der-bilder/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2014 17:57:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Intifada]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Tischewski]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=2996</guid>

					<description><![CDATA[Im palästinensischen Dorf Bil'in im Westjordanland lieferten sich Demonstranten und israelische Soldaten Woche für Woche ein Katz-und-Maus-Spiel. Während die Soldaten den Bau einer Sperranlage schützen mussten, hatten die Aktivisten nur ein Ziel: heroische Bilder für die Weltöffentlichkeit. Die Geburt einer neuen Protestkultur.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/die-intifada-der-bilder/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Im palästinensischen Dorf Bil&#8217;in im Westjordanland lieferten sich Demonstranten und israelische Soldaten Woche für Woche ein Katz-und-Maus-Spiel. Während die Soldaten den Bau einer Sperranlage schützen mussten, hatten die Aktivisten nur ein Ziel: heroische Bilder für die Weltöffentlichkeit. Die Geburt einer neuen Protestkultur.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Der Junge, nicht älter als zehn oder elf Jahre, wirft sich gegen die Mauer. Er kauert auf dem Boden und atmet schwer. Eben noch stand er mit einer Gruppe Gleichaltriger vor dem Olivenhain und schleuderte im Akkord Steine in Richtung der israelischen Soldaten. Dann ertönten drei Schüsse und der Rest der Gruppe rannte weg. Die Soldaten rücken jetzt schnell vor. Der Junge hinter der Mauer zittert am ganzen Körper. Ich stand nicht weit entfernt von diesem Jungen und obwohl es inzwischen zehn Jahre her ist, erinnere ich mich noch genau an die steinigen Hügel des Dorfes Bil&#8217;in im Westjordanland. Es war die Geburtsstunde einer neuen palästinensischen Protestkultur.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist Anfang des Jahres 2005, seit Dekaden schwillt der Konflikt mit den israelischen Besatzern. Gerade verliert die zweite Intifada &#8211; so nennen die Palästinenser ihre Aufstände &#8211; an Schwung. Schmerzhaft haben sie eine wichtige Lektion gelernt: pure Gewalt bringt die schlecht bewaffneten Aufständischen gegen eine moderne israelische Armee nicht weiter. Ihrem Ziel, einen unabhängigen Staat zu gründen, sind sie kein Stück näher gekommen. Ihre Lösung lautet nun: Bilder. Bilder, mit denen sich die internationale Öffentlichkeit erreichen, vielleicht sogar beeinflussen lässt. Und die Proteste von Bil’in liefern diese Bilder. Woche für Woche.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Dorfbewohner protestieren gegen den Bau einer gewaltigen Sperranlage um ihr Dorf. Die Israelis nennen dieses Bauwerk &#8222;Terrorabwehrzaun&#8220;, der Internationale Gerichtshof hat es für völkerrechtswidrig erklärt. Am Anfang der Proteste kamen Palästinenser zusammen und warfen Steine, später schlossen sich auch internationale Aktivisten den Demonstrationen in Bil´in an. Weil das Werfen von Steinen wenig Erfolg zeigte, konzentrieren sich die Demonstranten seit Wochen auf das Produzieren möglichst dramatischer Szenen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">„Let the party begin“</h2>
<p style="text-align: justify;">Wie fast jeden Freitag fahre ich auch heute wieder mit einem Sammeltaxi zum Ort des Geschehens. Mit einem Kollegen arbeite ich an einem Fotoband über den Grenzkonflikt. Doch inzwischen ist es eher die Routine als die Hoffnung auf ein gutes Bild, die mich auch an diesem Morgen in das Taxi steigen lässt. Und wie schon so oft nach dem Freitagsgebet rollt auch heute der bunt geschmückte Lautsprecherwagen durch die leer gefegten Straßen von Bil´in und fordert die Bewohner auf, sich der Demonstration gegen den Bau der israelischen Grenzanlage anzuschließen. Nur Wenige folgen ihm. Es sind vor allem Kinder und ein oder zwei Dutzend ausländische Demonstranten – aus Israel, Kanada, Frankreich und den USA.</p>
<p style="text-align: center;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-intifada-palaestina-3" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-intifada-palaestina-3 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-intifada-palaestina-3 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-intifada-palaestina-3 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="8000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/3.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Israelische Soldaten bewachen die Bautätigkeiten an der Sperranlage.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/3b.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nur neue Fotografen legen sich bei den routinemäßigen Demonstrationen noch richtig ins Zeug.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/4.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Immer nach dem Freitagsgebet bildet sich im Dorf ein Protestzug zur Baustelle.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/9.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Nach Ende der Demonstration eskaliert die Gewalt. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/7.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Vom Versteck aus beschießen palästinensische Jugendliche israelische Soldaten mit Steinen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/5.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Israelische Soldaten und Demonstranten sind erbitterte Gegner. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/10b.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Meist schießen die Soldaten mit Gummigeschossen und fügen ihren Opfern blaue Flecken zu.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/12.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gelegentlich wird auch scharf geschossen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/6.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch Aktivisten aus dem westlichen Ausland engagieren sich in Bil'in für die palästinensische Sache.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/8.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Bil'in und die umliegenden Dörfer gelten als Hochburg der radikalen Partei Fatah.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-intifada-palaestina-3-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/3-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/3b-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/4-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/9-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/7-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/5-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/10b-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/12-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/6-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/8-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Die Aktivisten geben den Dorfbewohnern ein paar Plakate mit englischen und hebräischen Parolen. Ein paar Journalisten sind nun auch da. Sobald einige Dutzend israelische Soldaten an der Grenzanlage in Sichtweite sind, brüllt ein älterer palästinensischer Mann in ein Mikrofon &#8222;Let the Party begin&#8220;. Ein Anderer rennt vor und schreit die Soldaten an, sie sollen ihn durchlassen. Als die Soldaten sich nicht regen, schmeißt er sich auf die Knie, die Hände reißt er theatralisch in die Luft. Nur zwei der anwesenden Fotografen werfen sich hin, um die Szene festzuhalten. Die Anderen drücken den Auslöser nicht. Vor drei Wochen, vor zwei Monaten oder gar einem Vierteljahr haben sie diese Szene schon einmal bei deutlich besseren Lichtverhältnissen fotografiert.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Erst Theatralik, dann Provokation</h2>
<p style="text-align: justify;">Auch das Bild, auf dem derselbe Mann den Olivenbaum umarmt, haben die meisten anwesenden Fotografen bereits im Kasten. Und auch das, auf dem er sich schützend zwischen die Soldaten und ein Kind stellt. Eine halbe Stunde lang arbeiten die palästinensischen Protagonisten jetzt eine Reihe einstudierter Posen vor den zwei, drei Fotografen ab, die heute offenbar das erste Mal die Proteste in Bil´in verfolgen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie auch an den anderen Tagen folgt auf die Theatralik die Phase der Provokation: Die Aktivisten und Palästinenser stellen sich vor die Soldaten, fordern sie auf, das besetzte Land zurückzugeben. Sie fragen, ob sie sich nicht schämten, fragen, ob sie selber keine Familie hätten oder kein Herz. Die Soldaten, kaum einer älter als 20, geben sich sichtlich Mühe, möglichst gelangweilt auszusehen. Zu genau kennen sie die Abläufe.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Soldaten tun gelangweilt</h2>
<p style="text-align: justify;">Ab und zu rennt eine Gruppe Demonstranten los und probiert erfolglos, die Linie der Soldaten zu durchbrechen. Immer mal wieder ertönen Warnungen aus den Lautsprecherwagen der Armee. Ein israelischer Aktivist stellt nun seine vier Söhne direkt vor den Soldaten auf, erklärt ihnen etwas und fängt dann an, energisch auf die Soldaten einzureden. Diese versuchen ihn zu ignorieren, kauen gelangweilt Kaugummi oder spielen auf ihren Handys. Nur Hin und Wieder können sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, so als hätte der Aktivist gerade einen guten Witz erzählt. Das macht ihn rasend.</p>
<p style="text-align: justify;">Irgendwann fangen auch die mit angereisten Kinder zu schimpfen an. Die Soldaten lachen jetzt immer häufiger. Bis die ersten Schüsse fallen. Scharf geschossen wird hier in der Regel nicht, jedenfalls solange die Ausländer noch anwesend sind. Es sind Gummigeschosse, mit denen die Soldaten den Palästinensern und Aktivisten große blaue Flecken zukommen lassen. Die Demonstranten rennen nach allen Seiten davon. Die Soldaten rücken langsam nach. Auch die Reihe, die eben noch über den israelischen Vater und seine Kinder lachte, ist jetzt in Gefechtstellung und rennt kurz darauf einer Gruppe palästinensischer Jugendlicher hinterher.</p>
<h2 style="text-align: left;">Auf Demonstrationen folgen Krawalle – Woche für Woche</h2>
<p style="text-align: justify;">So läuft das hier jede Woche ab, erst die Demonstration, dann die Krawalle. Das produziert die Bilder, die die pro-palästinensische Seite haben will: israelische Soldaten, die Aktivisten zu Boden drücken, Kinder, die wegen des Reizgases husten und junge Palästinenser, die sich nur mit Steinen in der Hand den anrückenden Panzerfahrzeugen der Israelis stellen.</p>
<p style="text-align: justify;">Fotografen und Kamera-Teams haben ihre Bilder gemacht und am frühen Nachmittag zieht die Presse ab, um rechtzeitig vor Redaktionsschluss wieder in Ramallah zu sein. Die Aktivisten gehen ebenfalls. Sie müssen sich beeilen, das letzte Sammeltaxi zu erreichen. Auch die meisten Dorfbewohner gehen nach hause. Zurück bleiben einige palästinensische Jugendliche und die Soldaten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Soldaten möchten jetzt auch gerne langsam abrücken und machen dies durch immer härteres Durchgreifen deutlich. Wer nicht schnell genug ist, wird verhaftet. Die Gummigeschosse treffen die Jugendlichen nun nicht mehr nur an den Beinen. Ein Dutzend Jugendlicher hat sich hinter einer alten Mauer versteckt. Aus ihren Schleudern zischen die Steine in Richtung zweier Militärtrucks unweit der Baustelle. Immer wieder ertönt metallenes Scheppern, wenn eines der Ziele getroffen wird, gefolgt von „Allahu Akbar“-Rufen.</p>
<h2 style="text-align: justify;">Jetzt wird scharf geschossen</h2>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich öffnen sich die Türen der Trucks, noch mehr Soldaten springen heraus, einer legt sein Gewehr an und gibt drei donnernde, scharfe Schüsse ab. Die Jugendlichen flüchten auseinander. Nur einer kommt nicht schnell genug weg und presst sich auf den roten steinigen Boden. Als die Soldaten über die Mauer steigen, ignorieren sie ihn zunächst und sprechen mich an, ob ich nicht auch langsam mal nach Hause wolle. Ich schüttele den Kopf und sie widmen sich dem Jungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Einer stupst ihn mit dem Gewehr an und fragt ihn auf Arabisch, ob er gerne verhaftet werden wolle. Der Junge reagiert nicht, guckt nicht einmal auf. Der Soldat will wissen, wo er wohnt. Der Junge schaut nun hoch. Sein Blick ist leer. Er starrt den Soldaten lange an, sagt aber nichts. „Du bist wohl ein bisschen verrückt“, sagt der Soldat schließlich etwas irritiert. Dann noch einmal zu seinen Kameraden: „Der ist verrückt“. Er blickt nochmal kurz zu mir, wendet sich ab und geht. Der Junge drückt sich wieder gegen die Mauer.</p>
<p style="text-align: justify;">Aus dem Olivenhain sind vereinzelte Schreie und Schüsse zu hören. Im Dorf gehen derweil die ersten Lichter an. Die Schüsse sind bald nur noch in der Ferne zu hören. Ich frage den Jungen auf Arabisch, ob wir nicht auch jetzt mal ins Dorf gehen sollten. Zunächst rührt er sich nicht, dann dreht er sich aber um und schaut mich mit demselben Blick an, mit dem er den Soldaten angestarrt hat. Nach einer Weile steht er auf und sagt: „I don’t understand any Arabic, only Hebrew.“ Dann schlendert der junge Israeli in Richtung Grenzzaun davon.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-palaestina-zusatz-4" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-palaestina-zusatz-4 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-palaestina-zusatz-4 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-palaestina-zusatz-4 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="4000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/10.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/11b.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/2.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/3a-.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/13.jpg" alt="" title="" /> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/14.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-palaestina-zusatz-4-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/10-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/11b-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/2-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/3a--40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/13-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/12/14-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/die-intifada-der-bilder/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Ästhetik von Depression</title>
		<link>https://www.weltseher.de/ukraine/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/ukraine/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2014 00:34:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Heimken]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=2745</guid>

					<description><![CDATA[Vor dem Bürgerkrieg in der Ukraine war unser Autor Axel Heimken mit dem Auto von Donezk nach Charkiw unterwegs. Heute wird das Gebiet von pro-russischen Separatisten beherrscht und ist heftig umkämpft. Was ist das für ein Ort, für den so viele sterben?<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/ukraine/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Vor dem Bürgerkrieg in der Ostukraine war unser Autor Axel Heimken mit dem Auto von Donezk nach Charkiw unterwegs. Heute wird dieses Gebiet von pro-russischen Separatisten beherrscht und ist heftig umkämpft. Was ist das für ein Ort, für den so viele sterben?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn ich an die Ukraine denke, sind in meinem Kopf immer noch die Bilder von einer Fahrt durch den Osten des Landes präsent. Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 habe ich als Sportfotograf im Stadion von Donezk gearbeitet und mich auch zweimal mit dem Auto auf einen knapp 300 km langen Weg nach Charkiw gemacht (beide Städte waren Spielorte der EM). 300 km quer durch die Ostukraine – eine Reise in die Vergangenheit, zu einem Ort, an dem die Zeit stillsteht. Als ob ein Farbfilm die Farbe verliert, der Fernseher auf einmal nur noch blasse Bilder zeigt.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Weg in die große Industriestadt Charkiw führt über Straßen mit gewaltigen Schlaglöchern. Und nun auch das noch: Wir haben eine Schlechtwetterphase erwischt. Mitten im Juni ergießen sich immer wieder heftige Schauer über unseren Mietwagen. Ein Albtraum für den Fahrer. Solange es trocken war, konnte ich den Weg und die Schlaglochtiefe noch abschätzen, mit den gefluteten Löchern ist das nicht mehr möglich. Was bleibt, ist Schritttempo.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Bitte kehren Sie bei der nächsten Gelegenheit um&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">Alle paar Kilometer wechselt das Navigationssystem meines Smartphones die Fahrtrichtung um mindestens 180 Grad. Die vorgeschlagenen Wege und Straßen existieren nicht oder führen in ganz andere Richtungen als die gewünschte. Während des Kalten Krieges hatten die sozialistischen Staaten absichtlich fehlerhafte Karten an Ausländer verteilt, um den Gegner zu verwirren. Ich bekomme gerade das ungute Gefühl, dass mich mein Navi für den Klassenfeind hält. Und das obwohl die Ukraine Europa wohl noch nie so nahe war wie zu dieser EM im Sommer 2012.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Hauptstadt Kiew sah ich, wie Tausende Fußballfans aus Dutzenden Nationen ausgelassen zusammen feierten. Die Ukrainer fieberten hier nach dem frühen Ausscheiden ihres Teams mit den anderen europäischen Nationen mit, egal ob Frankreich, England oder Deutschland. Ein Meer des Jubels, des Lächelns, der Farben.</p>
<h2 style="text-align: left;">Endzeitstimmung</h2>
<p style="text-align: justify;">Hier, im Nirgendwo zwischen Donezk und Charkiw, ist diese Fröhlichkeit nur noch eine blasse Erinnerung. Mit meinem Text-Kollegen auf dem Beifahrersitz passiere ich alte Industriegebiete, Gebäude und winzige Städtchen, zu denen mir nur der abgedroschene Spruch „Die haben schon bessere Zeiten gesehen“ in den Sinn kommt. Laternen, die nicht mehr leuchten, säumen die Straßen. In der Dunkelheit erhellen einzig die Scheinwerfer unseres Autos und das schwache Fensterlicht aus sanierungsbedürftigen Häusern unsere Fahrt.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-ukraine-heimken-5" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-ukraine-heimken-5 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-ukraine-heimken-5 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-ukraine-heimken-5 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="90000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_05.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Schlaglöcher machen ostukrainische Straßen schwer passierbar. Besonders fies: Nach Regen ist die Lochtiefe unklar.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_11.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Das Ziel der Reise: Charkiw. An diesem Kunstwerk ist es in Russischer, nicht Ukrainischer Sprache angebracht. </div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_16.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Alle paar Kilometer verkaufen Bauern und Händler an improvisierten Ständen ihre Ware.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_03.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Passt schon. Die Ukrainer transportieren pragmatisch.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_17.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Sowjetische Ehrenmale erinnern an die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges".</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_15.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Während der gesamten Fahrt sieht unser Autor die Sonne nicht.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_02.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Alte Züge auf endlosen Gleisanlagen. Manche fahren noch, andere scheinen ihr letztes Grab gefunden zu haben.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_12.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Da kommt Stimmung auf. Bei "Sultan" gibt's sogar den deutschen Gartenzwerg.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_14.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auf einem Acker wie diesem wird das Passagierflugzeug MH-17 abstürzen.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_04.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Meteorologen behaupten, dass auch in der Ostukraine mal die Sonne scheint.</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_13.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch Industrieschornsteine schmücken die Landschaft.</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-ukraine-heimken-5-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_05-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_11-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_16-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_03-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_17-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_15-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_02-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_12-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_14-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_04-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/11/Ukraine_Axel_Coloe_13-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Wir fahren an einem alten Industriekomplex vorbei und im Radio läuft „Nothing Else Matters“ von Metallica – und das auch noch in einer akustischen Version mit Streichern. Endzeitstimmung. Das ist die passende Musik zu der deprimierenden Vorstellung des Films „Ostukraine“ der durch die Autofenster projiziert wird. Vielleicht hilft ja runter kurbeln.</p>
<h2 style="text-align: left;">Zurück im Kalten Krieg</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich frage nach dem Weg, doch man spricht hier nur Russisch, vielleicht noch Ukrainisch. Nicht dass das wichtig wäre, ich verstehe von beidem kein Wort. Weiter westlich hatte ich mich aber wenigstens noch mit Englisch durchschlagen können. Hier schauen mich die Menschen misstrauisch an. Mir scheint, ich bin der erste Westler, den so mancher zu Gesicht bekommt. Ich möchte ihnen zurufen: &#8222;Der Krieg ist vorbei, entspannt euch!&#8220; Stattdessen kurble ich die Scheibe wieder hoch.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn ich bekomme gerade selbst Zweifel, ob der Kalte Krieg wirklich schon vorbei ist. Nicht nur, dass mein Navi mich in die Irre führen will. Wir passieren auch immer mehr Monumente und Denkmäler, auf denen Hammer und Sichel prangen. Machtsymbolik der untergegangenen Sowjetunion. Steinerne Soldaten, die an die Gefallenen des &#8222;Großen Vaterländischen Kriegs&#8220; erinnern, wie sie den Russlandfeldzug Nazi-Deutschlands hier nennen. Einige Historiker meinen, dass die Erinnerung an diesen Krieg das Wichtigste ist, dass früher die Sowjetunion und heute Russland zusammenhält.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das Land des Nicht-Lächelns</h2>
<p style="text-align: justify;"><div class="su-spacer" style="height:20px"></div>
<iframe style="border: 0;" src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m29!1m12!1m3!1d4859095.447910185!2d35.96218199886592!3d48.99898942106173!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!4m14!1i0!3e0!4m5!1s0x40e0909500919a2d%3A0x36335efdc5856f84!2sDonezk%2C+Oblast+Donezk%2C+Ukraine!3m2!1d48.015882999999995!2d37.80285!4m5!1s0x4127a09f63ab0f8b%3A0x2d4c18681aa4be0a!2sCharkiw%2C+Oblast+Charkiw%2C+Ukraine!3m2!1d49.9935!2d36.230382999999996!5e1!3m2!1sde!2sde!4v1416202914184" width="100%" height="350" frameborder="0"></iframe><br />
<div class="su-spacer" style="height:40px"></div>
<p style="text-align: justify;">Und wir zwei Deutsche, vielleicht schlimmer: ahnungslose Sportreporter, kurven hier durch und fragen nach dem Weg. Immer wenn ich die Chance bekomme, zu fragen, habe ich wieder einen Menschen gefunden, dessen Sprache ich nicht spreche und der mir nicht wohlgesonnen zu sein scheint. Ich kann nicht kommunizieren. Und so bleiben nur die Bilder und Eindrücke einer langen Fahrt. Einer Fahrt, bei der das Auffälligste an den Menschen ist, dass ich nie jemanden lachen sehe.</p>
<p style="text-align: justify;">Zuerst vermute ich Zufall. Also beschließe ich, genauer hinzuschauen. Schließlich sogar in jedes sich mir zeigende Gesicht am Wegesrand. Doch niemand lacht. Weder die Menschen, die an der Straße Dinge des täglichen Lebens verkaufen und deren improvisierten Stände alle paar Kilometer auftauchen. Noch die Fahrer der schmutzigen Ladas, deren Baujahr kaum noch schätzbar ist. Passanten gehen meist stoisch, langsam ihres Weges. Ein bisschen gebückt so als würden sie nicht wollen, dass man sie bemerkt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Kommendes Grab für MH-17</h2>
<p style="text-align: justify;">Auf der mehrstündigen Fahrt durch unzählige Örtchen sehe ich kein einziges Kind spielen. Dafür aber Menschen, die auf ihrem Weg alte Bahngleise kreuzen. Endlose Schienen, für die es keine richtigen Übergänge gibt. Auf einigen der Gleisanlagen haben Züge nach langem Rosten ihr letztes Grab gefunden. Immer wieder passieren wir graue Schornsteine, nur aus wenigen drückt sich Qualm in den Wolken behangenen Himmel. Bald wieder endlose Ackerflächen. Stille.</p>
<p style="text-align: justify;">Kaum vorstellbar, dass in ziemlich genau zwei Jahren auf einem dieser Äcker das Passagierflugzeug MH-17 abstürzen wird. Laut, krachend, blutig. Fast 300 Menschen werden sterben, vermutlich weil ostukrainische Separatisten das Flugzeug aus Versehen abschießen. In einem grausamen Bürgerkrieg kämpfen sie dafür, dass dieser Ort bei Russland bleiben kann. Sich nicht mit dem Rest der Ukraine Europa nähert, dessen Fußballfest hier im Sommer 2012 gerade ausgerichtet wird.</p>
<h2 style="text-align: left;">Ein Raumschiff zwischen Plattenbauten</h2>
<p style="text-align: justify;">Die Separatisten, sind das die gleichen Menschen, die ich unterwegs gesehen habe? Die stoischen, gleichgültigen, gebückten? Sie schienen mir eher am Leben nicht mehr interessiert zu sein. Hier im zeitlosen Nirgendwo, in einem Land ohne Lächeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach langer Fahrt erreichen wir Charkiw. Die zweitgrößte Stadt der Ukraine, dominiert von Plattenbauten. Nur das Stadion hat die Form eines gewaltigen gequetschten Donuts. Wenn es nachts bunt erleuchtet ist, liegt der Donut wie ein außerirdisches Raumschiff inmitten der alten Stahlarbeiterstadt.</p>
<p style="text-align: justify;">Für die EM ist die Spielstätte des Stadtklubs &#8222;Metalist&#8220; umgebaut worden, für 75 Millionen Euro, um über 41.000 Zuschauern Platz zu bieten. Allein: Die wollen ihn nicht, viele Sitze bleiben leer. Die Eintrittspreise zur EM sind für die meisten Ukrainer unerschwinglich. Warum haben sie mit dem Geld nicht die vielen Schlaglöcher repariert? Die werden noch da sein, wenn die Fußballwelt längst weitergezogen ist.</p>
<h2 style="text-align: left;">Russische Flaggen überall</h2>
<p style="text-align: justify;">Wenige ausländische Fußballfans haben die Reise nach Charkiw auf sich genommen. Als die Deutschen die Niederländer hier in der Vorrunde besiegen, interessiert das von den Einheimischen kaum jemanden. Das Publikum schwingt russische Fahnen, obwohl die russische Mannschaft während der gesamten EM nicht hier spielt. Ich fühle mich jedenfalls nicht sonderlich willkommen. Abreise nach Donezk, wo die Stimmung sogar noch russischer ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenigstens das Navi kann mich nicht mehr austricksen, ich kenne nun den Weg. Vorbei an endlosen Äckern, alten Industrieanlagen durch Schlaglöcher und beobachtet von ernsten, fahlen Gesichtern. Dass hier bald ein Bürgerkrieg toben wird, hätte ich mir damals im Sommer 2012 nicht vorstellen können. Warum kämpfen sie dafür, dass dieser Ort so bleibt wie er ist, frage ich mich heute. Dieser Ort, an dem die Zeit still steht.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/ukraine/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Märchenwald der Hisbollah</title>
		<link>https://www.weltseher.de/im-maerchenwald-hisbollah/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/im-maerchenwald-hisbollah/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Aug 2014 09:39:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Libanon]]></category>
		<category><![CDATA[Hisbollah]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Stürzenhofecker]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=1620</guid>

					<description><![CDATA[Wer diesen Ort besucht, muss mit weltweiter Verfolgung durch westliche Sicherheitsbehörden rechnen: Im Libanon hat sich die Hisbollah ein Museum errichtet. Wer den Eintritt bezahlt, unterstützt eine Organisation, die in Europa und den USA als Terrorgruppe gilt.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/im-maerchenwald-hisbollah/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Wer diesen Ort besucht, muss mit weltweiter Verfolgung durch westliche Sicherheitsbehörden rechnen: Im Libanon hat sich die Hisbollah ein Museum errichtet. Wer den Eintritt bezahlt, unterstützt eine Organisation, die in Europa und den USA als Terrorgruppe gilt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Je weiter es auf der engen Straße nach oben geht, umso dichter hängen die Plakate mit bärtigen Männern am Wegesrand und umso öfter wehen die gelb-grünen Fahnen der Hisbollah in den Dörfern. Die schiitische Widerstandsorganisation erinnert damit an die „Märtyrer“, die im Kampf gegen die israelischen Besatzer gefallen sind und demonstriert Stärke in der Region, in der sie die meiste Unterstützung erfährt. Checkpoints der regulären libanesischen Streitkräfte sind hier im Gegensatz zu den meisten anderen Orten im Land selten, Moscheen und schweigsame Männer dafür umso häufiger.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit 1982, als die Israelis die libanesische Hauptstadt Beirut besetzten, organisiert die in den USA und Europa als Terrororganisation eingestufte Hisbollah von hier aus den bewaffneten Kampf. Achtzehn Jahre später verließen die israelischen Truppen den Libanon, was die Hisbollah („Partei Gottes“) hier im Museum als „göttlichen Sieg“ feiert. Auch der Krieg, der 2006 zwischen der Israelischen Armee und der Hisbollah ausbrach, wird heroisiert. Und natürlich die unzähligen Scharmützel zwischendurch.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-hisbollah-museum-6" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-hisbollah-museum-6 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-hisbollah-museum-6 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-hisbollah-museum-6 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="90000"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7901.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Im Museum zeigt die Hisbollah erbeutete israelische Waffen. Diesem Panzer hat sie das Rohr verknotet. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7907.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Trümmer und Stacheldraht schaffen Frontstimmung. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7935.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Aus Lautsprechern dröhnt Maschinengewehrfeuer. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7930.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">So sieht eine Granatwerfer-Stellung der Hisbollah aus. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7938.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Idyllisch: Eine Waffe im Wald. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7915.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Hisbollah-Kämpfer werden als fromme, selbst an der Front betende Muslime dargestellt. Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7914.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ob die Schützengräben an der echten Front auch so schön sauber sind? Foto: Michael Stürzenhofecker</div> </div> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-hisbollah-museum-6-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7901-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7907-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7935-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7930-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7938-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7915-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/08/hisbollah-7914-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<h2 style="text-align: left;">Einziges Terror-Museum weltweit</h2>
<p style="text-align: justify;">Dieses Museum ist das wohl einzige weltweit, das von einer terroristischen Untergrundorganisation betrieben wird. Eröffnet hat die Miliz es 2010 fast 30 Jahre nach ihrer Gründung. Zum Gedenken an ihren Kampf, sagt Ibrahim und insistiert: „Der dauert übrigens noch an.“ Er ist der Museumsführer, hat mit Anfang 20 schon einen langen dunklen Bart. Ibrahim führt Besucher durch das knapp 60.000 Quadratmeter große Areal in Mlita in den kargen Bergen rund 90 Kilometer südöstliche von Beirut.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit Anmeldung seien auch Führungen auf Deutsch möglich, sagt er. Ganz wichtig sei es aber, zunächst den 30-minütigen Informationsfilm zu gucken. Die Bilder zeigen israelische Militäraggression und heroische Hisbollah-Kämpfer, die sich wehren. Ganz bis zum Ende schaffe ich es nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotzdem führt mich Ibrahim stolz in die Open-Air-Ausstellung „Wahrzeichen des Widerstands“. Wie Gartenzwerge in einem deutschen Vorgarten stehen dort Maschinengewehre zwischen Blumen, sind Granatwerfer unter lichten Bäumen drapiert. Hinter Büschen lugen menschengroße Puppen in Kampfanzügen hervor. Die Wege sind mit opulenten Nato-Draht-Rollen ausstaffiert, die sich über Grün, Felsen und das Unterholz wälzen. Besucher sollen auf den mehreren hundert Meter langen, fachmännisch angelegten Wegen wohl einen Eindruck von der Front bekommen.</p>
<h2 style="text-align: left;">Betende Puppen an der Front</h2>
<p style="text-align: justify;">Was die Kämpfer an der Front so treiben, das zeigen die Puppen. Einige beten, andere machen es sich in Tunneln bequem, wieder andere tragen verletzte Gefährten durch den Wald. Granaten werfen sie natürlich auch. Wie in einem Märchenwald werden die Kampfszenen nachgestellt, mancherorts dröhnen Funksprüche aus Lautsprechern oder das ohrenbetäubende RÄTTT, RÄTTT, RÄTTT eines Maschinengewehres.</p>
<p style="text-align: justify;">Was direkt am Eingang des Themenparks steht, darauf ist die Hisbollah ganz besonders stolz: von den Israelis erbeutete Waffen. Hilflos sehen sie hier aus. Militärlastwagen stehen in Beton versunken zwischen Stahlhelmen, ein Panzer mit einem verknoteten Kanonenrohr neben einem Flak. Ein Kettenfahrzeug liegt wie eine Schildkröte auf dem Rücken. Davor Touristen, die die Daumen nach oben recken. Fürs Foto. Anschließend geht es in die Cafeteria.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine Plattform auf dem Rundweg gibt die kilometerweite Aussicht auf angrenzende Täler frei. Der Ort war und ist strategisch wichtig für die Hisbollah. Mit schwerem Gerät lässt sich die unwegsame Erhebung inmitten des Gebirges kaum erobern. Die umliegenden Dörfer sind größtenteils von Schiiten bewohnt, die der Organisation wohlgesonnen sind. Auf angrenzenden Gipfeln ragen Antennen und Radaranlagen der libanesischen Armee in die oft dichten Wolken.</p>
<h2 style="text-align: left;">Hisbollah inszeniert sich als Heilsarmee</h2>
<p style="text-align: justify;">Wie steht es um eine Untergrundorganisation, die ins Museum gewandert ist? Nie besser, sagt Ibrahim. Die Israelis seien fast vertrieben, die Hisbollah habe starken Zulauf und der politische Arm spiele eine wichtige Rolle in der libanesischen Politik. Die Hisbollah inszeniert sich als Heilsarmee. Sie kontrolliert weite Teile des Landes, unterhält Schulen und Krankenhäuser und bietet Armenspeisungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Eines nehmen die Libanesen ihr allerdings übel: Dass sie auf der Seite Assads in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen hat und der Krieg damit vom Nachbarland nach Libanon überzuschwappen drohte. Erst als die Gefechte die libanesische Grenze erreichten, vertrieb die Hisbollah syrische Kämpfer, die sich in den Libanon zurückgezogen hatten. Dafür erntete sie dann auch Beifall von innenpolitischen Gegnern.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Tourismusministerium stehe hinter dem Museum, sagt Ibrahim, immer mehr Besucher kämen den langen Weg herauf. In Wahrheit macht das libanesische Ministerium keine Werbung für das Museum. Man muss schon von seiner Existenz wissen, um es von Beirut aus zu finden. Gut besucht ist es nicht.</p>
<h2 style="text-align: left;">Das Museum schweigt</h2>
<p style="text-align: justify;">Von Krieg ist hier in Mlita, außer in der Hisbollah-Schau, keine Spur. Für libanesische Verhältnisse ist der Ort gepflegt. Liegt Müll herum, wird er sogleich von einem der zahlreichen jungen Männer weggeräumt. Andere harken die Grünanlagen oder weisen den Weg.</p>
<p style="text-align: justify;">So sauber wie den Ort, so sauber will sich die Miliz hier im Märchenwald zeigen: als eine Art französische Résistance gegen eine böse Besatzungsmacht. Interessant ist aber vor allem, worüber das Museum schweigt. So erfahren Besucher nichts über die Selbstmordattentäter, die Flugzeugentführungen, den Hisbollah-Angriff auf Beirut 2008 oder ihre Beteiligung im syrischen Bürgerkrieg.</p>
<p style="text-align: justify;">Den Touristen – oft Libanesen, aber auch Europäer – ist es egal. Sie fotografieren sich vor den Waffen, schmunzeln über den ungewöhnlichen Ort, diskutieren, ob man den Tag nicht doch besser am Meer verbracht hätte. Manch einer kauft im Souvenirgeschäft auf dem leeren aber opulenten Parkplatz ein. Das Geld fließt direkt an die Hisbollah. Jeder zahlende Besucher unterstützt also den Kampf gegen Israel. Mal sehen, denke ich, ob es bei meiner nächsten Einreise in die USA Probleme geben wird.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/im-maerchenwald-hisbollah/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Bauch der Panzerkröte</title>
		<link>https://www.weltseher.de/im-bauch-der-panzerkroete/</link>
					<comments>https://www.weltseher.de/im-bauch-der-panzerkroete/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Markus Huth]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2014 11:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Abenteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Heimken]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte]]></category>
		<category><![CDATA[OP North]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://siehdiewelt.com/?p=531</guid>

					<description><![CDATA[Im Norden Afghanistans haben die Taliban selbst gebastelte Sprengfallen auf den Straßen versteckt. Sie sollen die  internationalen Truppen treffen, töten aber oft auch Kinder und Unbeteiligte. Soldaten der Bundeswehr entschärfen die Sprengsätze. Unser Autor Axel Heimken hat sie bei ihrem lebensgefährlichen Job begleitet.<p> <a class="continue-reading-link" href="https://www.weltseher.de/im-bauch-der-panzerkroete/"><i class="icon-right-dir"></i></a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Im Norden Afghanistans haben die Taliban selbst gebastelte Sprengfallen auf den Straßen versteckt. Sie sollen die  internationalen Truppen treffen, töten aber oft auch Kinder und Unbeteiligte. Soldaten der Bundeswehr entschärfen die Sprengsätze. Unser Autor Axel Heimken hat sie bei ihrem lebensgefährlichen Job begleitet.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Noch ist es kalt und grau hier oben. Doch nach und nach tüncht die aufsteigende Sonne die Berge Afghanistans in braun-grüne Farbe, und ich erklimme den Gipfel des &#8222;OP North&#8220;. Ein entlegener Außenposten der Bundeswehr, den die Soldaten in den Bergen der Provinz Baghlan errichtet haben. Von hier aus überblicken sie die umliegenden Täler, die sich zwischen kargen Bergketten hindurch winden wie ein Knäuel aus Schlangen. Mit Sturmgewehren vom Typ G36 halten die Soldaten Wache. Immer auf Ausschau nach feindlichen Kämpfern, den Taliban.</p>
<p style="text-align: justify;">Von mir nehmen sie hingegen kaum Notiz. Und so ächze ich die provisorische Holztreppe hinauf, die sie an den Fels gehauen haben. Oben angekommen traue ich meinen Augen nicht. Da steht doch tatsächlich ein Kühlschrank. “Wenn der kleine Hunger kommt”, feichst ein Obergefreiter, der gerade aus dem Zelt des Kommandeurs kommt. Zwei dösende Katzen vor dem Zelt beobachten mich durch schwere Augenlider, als ob sie den Kühlschrank bewachen.</p>
<p style="text-align: justify;">“Das sind Heckler und Koch”, sagt der Obergefreite. Soldaten hätten die abgemagerten Tiere gefunden und jetzt kümmere sich das Lager um sie. Katzen nach einem Waffenhersteller zu benennen, das ist der typische Humor hier. Plötzlich spuckt das Zelt des Kommandeurs eine Pioniereinheit aus. Sie hat gerade einen Auftrag erhalten. “Patrouille”, knurrt mich ein Feldwebel an und zeigt auf einige gepanzerte Fahrzeuge mit riesigen Reifen, die unten am Fuß der Treppe in Reih und Glied geparkt sind. “Steig ein.”</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="cycloneslider cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-width-responsive" id="cycloneslider-afghanistan-heimken-7" style="max-width:1150px" ><div class="cycloneslider-slides cycle-slideshow"	data-cycle-allow-wrap="true" data-cycle-dynamic-height="off" data-cycle-auto-height="1150:647" data-cycle-auto-height-easing="null" data-cycle-auto-height-speed="250" data-cycle-delay="0" data-cycle-easing="" data-cycle-fx="fade" data-cycle-hide-non-active="true" data-cycle-log="false" data-cycle-next="#cycloneslider-afghanistan-heimken-7 .cycloneslider-next" data-cycle-pager="#cycloneslider-afghanistan-heimken-7 .cycloneslider-pager" data-cycle-pause-on-hover="true" data-cycle-prev="#cycloneslider-afghanistan-heimken-7 .cycloneslider-prev" data-cycle-slides="&gt; div" data-cycle-speed="1000" data-cycle-swipe="false" data-cycle-tile-count="7" data-cycle-tile-delay="100" data-cycle-tile-vertical="true" data-cycle-timeout="2147483647"	> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Kinder_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Mit gepanzerten Fahrzeugen vom Typ "Dingo" machen sich Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans auf die Suche nach Sprengfallen am Straßenrand. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Wegesrand_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Während die Soldaten nach versteckten Sprengfallen suchen, rollt der alltägliche Verkehr über die viel befahrene Straße. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Mann_Fahrrad_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Auch für ihn können die selbst gebastelten Sprengladungen der Taliban tödlich sein: Ein Einheimischer auf dem Fahrrad. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Patroullie_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Gepanzerte Bundeswehr-Fahrzeuge vom Typ "Fuchs". © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldat_Wegesrand_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Die Soldaten suchen mit bloßen Augen nach Drähten oder Metallplatten, die auf eine Sprengfalle deuten können. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldaten_Bombensuchen_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Während ein Soldat mögliche Sprengfallen untersucht, sichern ihn seine Kameraden mit der Waffe im Anschlag. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Nebel_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Ein gepanzertes Bundeswehr-Fahrzeug vom Typ "Dingo" fährt an einem bepackten Esel vorbei. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_nah_Heimken.jpg" alt="" title="" /> <div class="cycloneslider-caption"> <div class="cycloneslider-caption-title"></div> <div class="cycloneslider-caption-description">Der Bundeswehr-Außenposten "OP North" aus der Vogelperspektive. Inzwischen ist die Bundeswehr von hier abgezogen. © Axel Heimken</div> </div> </div> <div class="cycloneslider-slide cycloneslider-slide-image" > <img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_Deutschland_Heimken.jpg" alt="" title="" /> </div> </div><div class="cycloneslider-prev"></div><div class="cycloneslider-next"></div></div><div id="cycloneslider-afghanistan-heimken-7-pager" class="cycloneslider-template-thumbnails cycloneslider-thumbnails"	style="max-width:1150px" ><ul class="clearfix"> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Kinder_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Wegesrand_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Mann_Fahrrad_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Patroullie_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldat_Wegesrand_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Soldaten_Bombensuchen_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Panzer_Nebel_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_nah_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> <li><img src="https://www.weltseher.de/wp-content/uploads/2014/07/Afghanistan_Lager_Deutschland_Heimken-40x40.jpg" width="40" height="40" alt="" title="" /></li> </ul></div>
<p style="text-align: justify;">Eingeklemmt zwischen sieben Soldaten, voll ausgerüstet mit Schutzwesten, Helmen und Gewehren, wird mir ganz mulmig. Sie sollen den afghanischen Todbringer Nummer 1 finden und unschädlich machen: hinterhältige Sprengfallen, sogenannte IEDs (Improvised Explosive Devices). Selbst gebastelt und zumeist an Straßen versteckt. Die Taliban hoffen, damit die Militärfahrzeuge der internationalen Truppen zu treffen. Doch, sagt der Soldat neben mir, oft erwische es die Zivilbevölkerung. Ich denke an die Fußball spielenden Kinder, die ich am Tag zuvor am Straßenrand gesehen habe. Der Auftrag der Pioniere lautet: Sucht die Sprengfallen. Auf den Straßen, in Abwasserkanälen. Findet sie und macht sie unschädlich. Zum Glück dröhnt und rattert es in dem Fahrzeug so laut, dass mein schweres Schlucken nicht zu hören ist.</p>
<h2 style="text-align: left;">&#8222;Die Sorge, über eine Sprengfalle zu rollen, fährt immer mit.&#8220;</h2>
<p style="text-align: justify;">“Ruhig Blut”, krächzt die Stimme des Sitznachbars aus meinem Kopfhörer. “Wir sind hier schon seit einer ganzen Weile nicht mehr beschossen worden.” Die Gegend um den &#8222;OP North&#8220; gelte inzwischen als ruhig. Und so ruckelt der Konvoi aus mehreren gepanzerten Fahrzeugen über die staubigen Bergstraßen in Richtung der Provinzhauptstadt Pol-e Chomri. Die Soldaten nennen die Radmonster &#8222;Dingos&#8220; und &#8222;Füchse&#8220;, doch der langsam fahrende Konvoi erinnert mich mehr an ein Rudel überdimensionaler Schildkröten.</p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich ein Ruck. Die behelmten Köpfe wackeln einmal vor und zurück. Unsere Schildkröte hält. “Absitzen”, sagt der Feldwebel mit ruhiger Stimme. Die Pioniere sollen den Straßenrand nach Sprengfallen absuchen. Alle sind froh, endlich raus zu können. Denn die Sorge, über eine Sprengfalle zu rollen, fährt immer mit.</p>
<p style="text-align: justify;">Während ich mit eingezogenem Kopf aussteige, suchen meine Augen die inzwischen gleißend helle Umgebung ab. Zu meiner Erleichterung fällt kein Schuss, schallt keine Explosion. Stattdessen passiert ein Auto nach dem anderen die viel befahrene Straße. Auf mich wirkt die Situation irgendwie absurd: Menschen fahren zur Arbeit, gehen ihrem Alltag nach. Und die deutschen Soldaten suchen am Straßenrand nach Sprengfallen. Klick.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Pionier zuckt kurz, als meine Kamera auslöst. Es sei schon vorgekommen, sagt er nach einer kleinen Pause, dass Sprengfallen aus der Ferne per Funk gezündet wurden. Deswegen haben die Bundeswehr-Fahrzeuge große Antennen auf den Dächern, die Funkwellen blockieren sollen. Weil der Sprengstoff aber eigentlich durch das Gewicht von Fahrzeugen aktiviert wird, parken die Radpanzer 100 Meter von uns entfernt.</p>
<h2 style="text-align: left;">Niemand spricht</h2>
<p style="text-align: justify;">Drei quälend lange Stunden verbleiben die Pioniere am Straßenrand. Während zwei Soldaten mit bloßem Auge suchen &#8211; nach Kabeln, Drähten, Batterien oder einer Kontaktplatte &#8211; sichern zwei Kameraden mit Sturmgewehren. Es ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Besonders perfide: Manchmal warten die Täter, bis die Soldaten weg sind, um genau an dieser Stelle eine Sprengfalle zu legen. Heute finden die Pioniere: nichts. Ich weiß nicht, ob sie erleichtert oder enttäuscht sind, aber auf der Rückfahrt zum &#8222;OP North&#8220; spricht niemand.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich stoße die Dachluke des Panzers auf, um Fotos zu machen. Vor mir erheben sich gewaltige Staubfontänen, aufgewirbelt von den Militärfahrzeugen. Fotos gelingen mir keine. Schon nach wenigen Augenblicken ist die Linse des Objektivs mit einer dicken Staubschicht überzogen. Hustend krieche ich zurück auf meinen Platz. Mein Ungeschick sorgt für Erheiterung im Bauch der Schildkröte. Das erste Lachen an diesem Tag.</p>
<p style="text-align: justify;">Zurück im &#8222;OP North&#8220; steige ich mit mit den Pionieren die Bergtreppe hinauf. Sie wollen dem Kommandeur Bericht erstatten. Es fühlt sich leichtfüßiger an als am Morgen. Heckler und Koch dösen immer noch vor dem Kühlschrank. Wäre Alkohol auf dem Gefechtsstützpunkt nicht streng verboten, gerne hätte ich mit den Soldaten mit einem kalten Bier angestoßen. Auf das Leben.</p>
<h6 style="text-align: justify;"><em>Anmerkung der Redaktion: Unser Autor Axel Heimken erlebte diese Geschichte 2012. Inzwischen hat die Bundeswehr den OP North im Rahmen ihres Abzugs aus Afghanistan aufgegeben.<br />
</em></h6>
<h5 style="text-align: center;"><em> Warum unser Autor Axel Heimken nach Afghanistan wollte, erfährst du im</em></h5>
<p><a title="Autoreninterview mit Axel Heimken" href="http://weltseher.de/autoreninterview-mit-axel-heimken/" rel="attachment wp-att-1480"><img class="size-full wp-image-1480 aligncenter" src="http://weltseher.de/wp-content/uploads/2014/06/Siehdiewelt.png" alt="Autoren-Interview" width="200" height="50" data-id="1480" /></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.weltseher.de/im-bauch-der-panzerkroete/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
